Tervetuloa

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Night after Night
(before: Killing me, burning me . . .)


Mein Schädel dröhnt, fühlt sich seltsam pelzig und hohl an. Hohl wahrscheinlich, weil ich mir gestern das letzte bisschen Verstand aus der Birne gesoffen habe. Erklärt auch, warum jede Bewegung schmerzt, als würde ich vom Zug überrollt werden. Dabei will ich doch nur mein Gesicht in das vollgesabberte Kissen pressen und aufhören zu atmen. Ich glaub, ich muss kotzen . . .
Stöhnend rolle ich mich auf den Rücken und blinzle für ein paar Sekunden in das düstere Zwielicht, das in der Wohnung herrscht, bevor ich mir den Unterarm über die Augen schiebe, um das Chaos nicht mehr sehn zu müssen. Entweder jemand hat an die Decke gekotzt oder Aki hat mal wieder Pizza hochgeworfen. Das macht er gerne, weil er genau weiß, dass mir der ranzige Käse dann früher oder später auf den Kopf fällt und meine Frisur ruiniert.
Ganz egal, in was für einer Müllhalde ich liege, mein Körper schreit immer noch nach Erlösung. Langsam glaube ich, meine Eingeweide wollen einen Ausflug ans Tageslicht machen und ich kann ihnen nicht einmal böse sein deswegen. Ich erinnere mich an nicht viel, aber das, an was ich mich erinnere, reicht mir völlig . . .
Könnte ich doch nur die Kraft bringen um aufzustehen, dann könnte ich wenigstens kotzen und mir eine Schachtel Aspirin in Gurkenwasser auflösen, damit die tausend Presslufthämmer in meinem Kopf endlich Ruhe geben.
Mit einem Ächzen schiebe ich meinen Arsch an die Lehne des Sofas und rolle mich soweit es geht zu einer Kugel zusammen; die Krämpfe lassen etwas nach. Die Party gestern war verdammt geil und ich hätte Dutzende von Möglichkeiten gehabt, scharfe Bräute zu nageln. Ich hoffe, ich habs nicht getan, schließlich hab ich’s Paula versprochen . . . ich hab ihr versprochen, meinen verdammten Schwanz bei mir zu behalten. Muss nachher unbedingt jemanden anrufen und fragen, ob ich nich doch irgendwo drin war.
Manchmal ist es richtig gruselig, wie ich mich verändere, wenn ich trinke. Normalerweise würde ich niemals auf die Idee kommen, meine Freundin auch nur ansatzweise zu betrügen, aber spätestens nach zwei, drei Martini werde ich schwach und sabbere jedem Rock im Umkreis von dreihundert Metern hinterher. Außerdem hab ich ganz andere Freunde, seit ich es mir leisten kann, die Nächte durchzufeiern, ohne mich drum zu kümmern, was danach passiert. Coole Leute, die mich früher nichtmal mit dem Arsch angeguckt hätten feiern jetzt jedes Wochenende bei mir zu Hause oder kommen sogar mit auf Tour, um ab und zu mal die Sau rauszulassen. Joanna, meine liebenswürdige Haushälterin, kann sie nicht leiden, sie hängt immer noch mit den Leuten rum, die die Jungs und ich aus der Schule kennen. Sie will nicht verstehen, dass mir dass zu langweilig geworden ist . . . immer diese scheiß Moralpredigten von wegen, ich würde zuviel trinken. Man, was oben reingeht, geht unten auch wieder raus, wozu also die Panik. Es gibt Menschen, die sehen das alles relaxter, meine neuen Freunde eben. Prost. Außerdem bin ich selbst mit Joanna nicht mehr wirklich befreundet. Ich gebe mich doch nicht länger als nötig mit jemandem ab, der seinen Lebensunterhalt mit Putzlappen und Wischmopp verdient.
Mit einem widerlichen Knacken fällt mein Kopf zur Seite aufs Polster und ich kann mich gerade noch auf den Ellbogen stützen, bevor ich den Rest Mageninhalt, den ich noch intus habe, neben mir auf den Teppichboden reihere. Lecker, ich stinke bestimmt noch schlimmer als Zeug da unten, vielleicht wär ne kleine Dusche angebracht. Aber dazu müsste ich die Couch verlassen, die sich inzwischen meinem Körper angepasst hat und auch denselben lieblichen Duft verströmt. Hab ne bessere Idee. Mit steifen Fingern fummele ich an meiner Hose herum und bemerke dabei dezent, dass ich tierisch Bock auf Sex hätte. Vielleicht würde das auch meine Kopfschmerzen vertreiben . . . Egal, schlechter Zeitpunkt. Nach ein paar kläglichen Versuchen ziehe ich endlich mein Handy aus der Hosentasche und tippe mit zusammengekniffenem Gesicht darauf herum. Es lebe die Kurzwahl.
„Mhmm?“
„Hast du Zeit, Jo?“
„Warum, hast du wieder ne Party gefeiert?“
„Is doch egal, komm her.“
„Du weißt ganz genau, dass das extra kostet, wenn ich erst irgendwelche Schnapsleichen rausschmeißen muss, bevor ich deine versiffte Bude saubermachen kann.“
„Jaja, hab American Express.“
„Ich scheiß auf deine Kreditkarte, Lauri. Ich will cash sehn, kapiert? Sonst rühr ich keinen Finger.“
„Hast du deine Tage oder warum bist du schon wieder so zickig?“
„Liegst du wieder in deinem eigenen Dreck auf der Couch?“
„Das braucht dich doch nicht zu interessieren.“
„Doch, ich hab nämlich keine Lust lebende Krücke zu spielen nur weil du nicht mehr alleine laufen kannst.“
„Dann putz eben um mich rum, aber nich so laut.“
„Geh doch zu Paula, während ich versuche deine Wohnung zu retten . . . man, das wird teuer.“
„Ich will nich, dass sie mich so sieht und jetzt mach endlich hinne, ich brauch n paar Kopfschmerztabletten.“
„Wasn das für ne scheiß Beziehung? Ich dachte, du liebst sie? Mit wie vielen Schlampen hast du sie diese Nacht betrogen, mhm?“
„Du bist meine Putzfrau, mein Privatleben geht dich nen Scheißdreck an!“
„Wir warn mal Freunde, Lauri.“
„Kommst du jetzt oder nicht?“
„Zehn Minuten.“
„Gut, die Tür is offen, nehm ich mal an.“
Erschöpft lasse ich das Telefon aus der Hand gleiten und schließe stöhnend die Augen. Warum machen mir immer nur alle Vorwürfe? Ich wünsch mir, dass Paula herkommt und mich in den Arm nimmt . . . einfach so. Aber wenn sie das hier sieht, flippt sie garantiert aus und verprügelt mich anstatt mit mir rumzuschmusen. Vielleicht heute Abend . . . hoffentlich stellt sie nicht wieder diese endlos nervenden Fragen. Ich sehn mich so nach ihr.

„Lauriii?“
Stirb . . . STIRB! Wer immer das auch sein mag, verrecke auf der Stelle und hör auf hier rumzugrölen, da explodiert einem ja der Schädel.
Wie gerne würde ich das jetzt mit donnernder Stimme durch meine Wohnung brüllen aber heraus kommt nur ein hilfloses Grunzen. Dazu kommt dieser nervige Brechreiz, der sofort wieder da ist wenn ich einigermaßen aus meinem Delirium erwache.
„Mhmm, hab ich doch gewusst dass du hier rumliegst.“
„Warum kreischt du mich dann verdammt noch mal an?“
„Entschuldige, das nächste Mal wecke ich dich mit leisem Harfenspiel.“
„Du kannst ja noch nicht mal Noten lesen, wie willst du da bitte Harfe spielen?“
„Zum Aufräumen bist du zu fertig aber um mit mir zu streiten reichts anscheinend noch, ja?“
„Mach einfach sauber und nerv mich nicht.“
„Du bist son Arschloch . . .“
„Ach Gottchen, dann geh doch wenn’s dir nich passt.“
„Ja klar und dann bin ich schuld wenn du hier in deinem Celebritymüll erstickst . . . na ja, wahrscheinlich wärs kein großer Verlust.“
„Provozier mich nicht ständig. Hol mir lieber nen Eimer und irgendwas, was gut riecht . . .“
„Geht’s noch? Ich wische zwar unter deinem faulen Rockerarsch aber deswegen bin ich noch lange nicht dein Dienstmädchen. Kommandier doch dein Paula-Häschen rum. Wo ist die überhaupt? Die Tussi fehlt doch sonst nie bei Parties auf denen sie berühmte Leute anschleimen kann.“
„Paula schleimt ganz sicher nicht und ne Tussi . . .“
„Komm, lass gut sein. Es is jedes Mal dasselbe und nie kommt was Vernünftiges dabei raus.“
Wieder mal sieht sich mich mit diesem resigniert-besorgten Gesichtsausdruck an bei dem ich ihr am liebsten ins Gesicht springen würde. Leider bin ich im Moment zu solchen sportlichen Höchstleistungen nicht im Stande und so beschränke ich mich darauf ein unwilliges Brummen von mir zu geben.
Schweigend macht sich Joanna an die Arbeit, was heißt, dass sie erst mal die ganzen leeren Flaschen und sonstigen Müll inklusive zerstörter Möbel in blaue Plastiksäcke stopft und die Dinger nach draußen auf den Flur schleift. Für ne Frau ist sie ziemlich stark und wenig zimperlich, das mochte ich früher an ihr. Aber damals kannte ich auch kaum Frauen die soviel Stil hatten wie die, mit denen ich jetzt „verkehre“ . . . au, tut mir leid, Paula.
Großzügig erlaube ich ihr sogar die Flaschen zu behalten und das Pfand einzukassieren, irgendwo in mir schlummert eben doch ein sozialer Mensch.
In der nächsten Stunde, die ich in einem wachkomartigen Zustand verbringe, schafft mein kleiner Putzteufel es immerhin, die Wohnung soweit aufzuräumen dass man sich gefahrlos darin bewegen kann ohne irgendwelche Knochenbrüche oder Schnittwunden fürchten zu müssen. Mit wässrigen Augen sehe ich meiner ehemals besten Freundin zu, wie sie die Stühle wieder aufstellt, den Boden wischt und halb verdaute Essensreste aus meinem Badezimmer entfernt. Zum Schluss sammelt sie den ganzen herumliegenden Kram ein und stellt ihn dahin zurück wo er hingehört, nämlich in blitzblanke Regale und CD-Ständer.
Es ist fast vier Uhr nachmittags, als ich es endlich wage meine Beine von der Couch zu nehmen und sie im rechten Winkel vorsichtig auf den Teppich zu stellen. Das einzige, was in diesem Raum jetzt noch an die gestrige Party erinnert sind ich, mein Sofa und Jo ( man beachte die Reihenfolge). Das Sitzmöbel und ich stinken wie eine kombinierte Schnaps- und Hackfleischfabrik, kombiniert mit einem Hauch 24h-Schweißgeruch, während Jo lediglich rote, aufgequollene Hände und strähniges Haar hat. Eigentlich sieht sie allgemein ziemlich mitgenommen aus, als sie sich zu mir auf die Stinkecouch fallen lässt und nachdenklich ihre wunden Handflächen mustert.
„Schön hast du das gemacht aber da gibt’s noch ein winziges Problemchen.“
„Und das wäre?“
„Ich passe nicht dazu.“
„Hä?“ Schwer von Begriff diese Frauen heutzutage . . .
„Die Wohnung ist top aber ich bin immer noch so versifft wie vor drei Stunden. Ergo: Du musst mich baden!“
„Hör gefälligst auf mich anzubaggern. Den Teufel werd ich tun.“
„Ich baggere keine Angestellten an, keine Sorge.“
„Wieso sagst du immer sowas Gemeines . . .“
Neeeein, nicht so das Gesicht verziehen, keine Heulschnute machen. Das ertrag ich nichtmal mit zehn Schmerztabletten im Blut.
„War doch nich so gemeint.“
„Früher warst du nie so fies.“
„Würdest du bitte aufhören in der Vergangenheit zu leben?“
„Das war vor einem guten halben Jahr, Lauri!“
„Vorbei is vorbei, basta.“
„Na dann sieh mal zu dass dir das dein Paulaschätzchen nicht auch an den Kopf wirft wenn sie rauskriegt was du diese Nacht wieder getrieben hast.“
„Ich bin eben sehr liebesbedürftig, was kann ich denn dafür?“
„Du bist nicht liebesbedürftig, du bist einfach nur notgeil. Nur weil so ziemlich jeder auf der Welt deine Fresse schonmal im fernsehn gesehn hat bildest du dir ein, du könntest dir alles erlauben. Eigentlich dachte ich ja, das wäre nur eine von deinen Phasen aber langsam hab ich so den Eindruck dass du für immer so ein verdammtes Arschloch bleiben wirst!!“
Meine kleine, liebe Jo ist soeben aufgesprungen und funkelt mich wütend aus ihren himmelblauen Augen an. Schade dass sie noch nicht verstanden hat, warum es im Leben wirklich geht.
Seeelenruhig zünde ich mir eine leicht durchweichte, aber durchaus noch ansteckbare Zigarette an und sehe ihrem zierlichen Körper beim Beben zu. Ich habe etwas aus meinem Leben gemacht aber sie ist nach wie vor ein Nichts, das wissen wir beide und anscheinend ist sie darüber gerade so wütend. Wie auch immer, ich kann schließlich nicht jedem helfen, mein Alltag ist schon so stressig genug, da brauche ich nicht auch noch hysterische Putzweiber die mich nerven.
„Du weißt ja wos raus geht, dein Geld kriegst du per Post.“
„Schieb dir dein beschissenes Geld doch in den Arsch, Ylönen!!“
Mit einem lauten Knall fliegt die Tür ins Schloss und ich genieße die darauffolgende Stille indem ich über ihren letzten Satz nachdenke. Sogar assoziieren kann das Mädchen . . .

Ich weiß inzwischen, dass ich vergangene Nacht doch nicht sooooo hundertprozentig treu war . . . Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings sagen, dass das Mädel durch den vielen Alkohol seelisch ziemlich labil drauf war und ich sie mit einer Abfuhr wahrscheinlich in eine ausgewachsene Lebenskrise geschickt hätte. Ich wollte nur helfen, ehrlich!! Außerdem hatte sie zwei wirklich sehr schlagkräftige Argumente dafür, sie nicht von der Bettkante zu stoßen.
Aber wie erklärt man das einer randalierenden Lebensabschnittgefährtin, deren Gesichtsfarbe vor lauter Eifersucht bereits einen leicht grünlichen Stich angenommen hat? Ich komme ja nichtmal dazu den Mund überhaupt aufzumachen, weil ich vollauf damit beschäftigt bin, fliegenden Büchern und Tellern auszuweichen.
Wenn ich gewusst hätte, dass sie schon vor mir wusste, was ich letzte Nacht getrieben habe, wäre ich gar nicht hergekommen, das ist ja lebensgefährlich. Anttii hat mir vorhin am Telefon ausführlich geschildert wie ich diese kleine, verlogene Schlampe gestern aufs Kreuz gelegt habe. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich nicht wahnsinnig stolz auf mich selbst bin. Auf unseren Parties laufen massenweise solcher unschuldiger Pseudo-Engel herum. Hierbei handelt es sich um Frauen, die uns vorgaukeln, sie wären unschuldig wie die Jungfrau Maria selbst, dabei sind sie so rollig, dass es gleich für drei von uns reicht. Zu dieser Sorte gehörte auch meine kleine Bekanntschaft. Ich bin ihr auf dem Weg in die Küche fast in den Ausschnitt geplumpst und sie hat nichts weiter gemacht außer mich mit ihren rehbraunen Samtaugen ganz schüchtern zu mustern und an ihren Haaren herumzuspielen. Im Grunde hätte sie mir schon auf dem Gang einen blasen können, das hätte wohl dieselbe Wirkung auf mich gehabt. Nachdem sie mir dreimal versichert hatte, wie wahnsinnig toll sie mich doch findet und wie sehr sie meine Musik mag, hab ich ihr mal eben meine CD-Sammlung gezeigt, die sich rein zuuufällig in meinem Schlafzimmer befindet.
Kurzum:Jung, blond und durchaus willig, nach ein paar Gläschen Selbstgebranntem, ist aus Versehen zu mir ins Bettchen gepurzelt. Es gibt mehrere Augenzeugen dafür, deshalb wäre es sinnlos gewesen, Paula mein kleines Abenteuer zu verschweigen. Sie wäre dann umso mehr ausgerastet . . .
Leider Gottes hat mich irgend so ein neidisches Arsch bei ihr verpfiffen und so wurde ich heute Nachmittag mit einer saftigen Ohrfeige statt Begrüßungsküsschen empfangen. Es tut immer noch verdammt weh und die Tatsache, dass sie einfach nicht aufhört, Sachen nach mir zu werfen, macht die Situation auch nicht wirklich besser.
„Paula . . . Baby . . . lass uns doch drüber reden!“ Reden kommt bei Frauen immer gut an . . .
„Ich wüsste nicht, was es da noch zu reden gibt!!“
„Es war ein Versehen, ein Ausrutscher . . . ich wollte es dir sowieso erzählen.“
„Das hast du aber nicht!! Weißt du eigentlich, wie beschissen das ist, wenn dir jemand anders erzählt, dein Freund hätte dich mit irgend soner Nutte betrogen und du selbst weißt noch gar nix davon??“
„Nö, weiß ich nich, ich hatte noch nie nen Freund.“
Zengggggg, um ein Haar verfehlt mich der dritte Teil des großen Dessert-Kochbuches. Es folgt „Die AnanasDiät – Schlank in nur 3 Tagen!“ , die mich ziemlich hart in die Magengrube trifft.
„Es ist AUS, ein für alle mal!“
„Wegen dem einen mal wirft du alles weg!?“
„EINMAL??? Das ist das dritte Mal, Lauri . . . in diesem MONAT!“
„Baby . . .“
„Du hast mir geschworen es zu lassen!“
„Ich weiß, aber . . .“
„Hast du eine Sekunde an meine Karriere gedacht?? Es steht in allen Klatschblättern dass du mir nicht treu bist, was wirft denn das für ein Licht auf mich?“
Mein Gott ey, wieso lassen einen Weiber nie ausreden? Und jetzt tut sie auch noch so, als wäre sie was weiß ich wer. Im Gegensatz zu mir ist sie ein Glühwürmchen, keinen Absatz, ja nichteinmal ne Zeile wert . . . ohne mich wäre ihr Bild bis heute nicht gedruckt worden. Aber erklär das mal einer keifenden Furie mit prämenstruellen Aussetzern . . .
Fünf Sekunden, nachdem ich meine Gedanken mit Paula geteilt habe, sitze ich auch schon auf der Straße und reibe mir ziemlich angefressen meinen schmerzenden Bauch. Wird Zeit, dass ich die ganze Scheiße vergesse und erst mal einen trinken gehe . . . ist ja auch schon wieder Abend. Aber ob Wodka wohl hilft, so einen beschissenen Tag aus meinem Gedächtnis zu streichen? Naja, wenn nicht ist auch nicht so schlimm . . . es gibt auch noch andere Mittel und Wege um dieses Problem zu lösen. Sind zwar nicht ganz billig, aber was solls. Ich habs ja.

„Heyyyyyy Süßää!!“
Breit grinsend breite ich die Arme aus und will meine allerbeste Lieblingsfreundin in die Arme nehmen, aber die starrt mich nur an als wäre ich eben vom Himmel gefallen. Okay, vielleicht war es etwas dumm, sie um vier Uhr morgens aufzuwecken aber Freunde sind doch immer füreinander da, oder? Ich meine, zu meinen richtigen Freunde konnte ich ja schlecht gehen, wie sieht das denn aus wenn ich da einfach so unangemeldet auftauche . . . Ich hab schließlich nen Ruf zu verlieren!
„Sag mal . . . Gehts dir noch gut?!“
„Mir geht’s sogar seeeeeeeehr gut, hehe, goshhh, ich könnte dich . . .“ In dem Moment, in dem ich mich auf sie stürzen will geht sie einen Schritt zur Seite und beobachtet mit hochgezogener Augenbraue, wie ich mit der Fresse voran in den Flur falle. Ein Knirschen im Unterkiefer sagt mir, dass mein Kinn mir diesen Sturz morgen früh ziemlich übel nehmen wird. Schwerfällig rolle ich mich auf den Rücken und sehe Jo dabei zu wie sie kontrolliert, ob mich auch niemand gesehn hat und dann die Tür schließt.
„Kannst du mir mal erklären, was das soll?“
Sie ist bööööse . . . sehr, sehr bööööööse. Das erkenne ich daran, wie sie die Hände in die Seiten stemmt und unruhig mit dem rechten Fuß herumhibbelt. Jemand sollte ihr mal sagen, dass sie da am Bauch noch ziemlich viel Babyspeck abzutrainieren hat. So kriegt sie nie einen ab . . . schon allein wie sie wieder aussieht, in diesem alten, putzlumpenartigen Bademantel. Frau sollte auch um vier Uhr morgens damit rechnen, wichtigen Besuch zu bekommen, und den hat sie ja jetzt.
„Man, bist du fett geworden . . .“
„BITTE WAS?!“
„Na da, deine Taille . . . oder was davon übrig geblieben is, hehe.“
Oh, ich glaube, sie findet das gar nicht lustig. Jedenfalls zittert sie gewaltig und ich weiß nicht, ob sie gleich anfängt zu weinen oder doch lieber auf mich losgeht.
„Verpiss dich, Lauri . . . ich kann nich glauben, dass du nur herkommst, um mich fertig zu machen. Aber wahrscheinlich stehen draußen irgendwo deine tollen Freunde, die musst du natürlich irgendwie unterhalten, is ja klar. Da bin ich grade die richtige dafür, wie du mir bei jeder Gelegenheit bestätigst.“
„Bist halt zierlichh gebaut, da fällt das extreeeeem auf, weißte.“
„Geh jetzt.“
„Ich kann nich aufstehn, Jooo . . .“
Das stimmt wirklich! Ich fühle mich, als wäre ich aus Blei und langsam fängt jeder Teil meines Körpers, der auf der Reise hierher beschädigt wurde, fürchterlich an zu schmerzen. Ich bin gegen so viele Zäune und Briefkästen gerannt, das ist selbst für mich nicht mehr normal.
Seufzend beugt sie sich zu mir herunter, sodass ich meine Arme um ihren Rücken legen kann. Mit einem Ruck zieht sie mich wieder auf die Beine und ich kralle mich vor Schreck an ihr fest, weil sich plötzlich wieder alles anfängt zu drehen. Mir ist so schlecht . . .
„Musst du kotzen?“
“Mhmm . . .“
Wortlos schleift sie mich mehr oder minder ins Bad und ich kann Tränen in ihren Augenwinkeln glitzern sehn, als sie mich auf den Boden vor dem Klo drückt und meine Haare mit einer Hand zusammenfasst.
Ich kann allerdings nicht weiter über ihre zartbesaitete Seele nachdenken, denn im nächsten Moment überkommt mich eine Welle der Übelkeit und ich schmecke diesen widerlichen Geschmack von Magensäure in meinem Mund, den man nur schmeckt, wenn man sich eine Zehntelsekunde später richtig fürchterlich übergibt.
Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, in der ich hier auf dem harten Fließenboden knie, kalten Schweiß schwitze und mich fühle, als würden mich Hunderte von Messern innerlich zerfetzen. Irgendwann bin ich einfach leer und würge noch ein bisschen vor mich hin, bevor ich mich erschöpft gegen die Wand lehne und mir mit dem Ärmel über den Mund wische.
So schrecklich habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt . . . ich war auch schon lange nicht mehr so nüchtern wie jetzt. Normalerweise würde ich noch was trinken, um meinen Magen zu beruhigen, aber ich finde nicht einmal die Kraft aufzustehen. Plötzlich bin ich so wahnsinnig klar im Kopf, realisiere, dass meine verdammte Freundin mich verlassen hat und dass es keinen Ausweg aus diesem Elend für mich gibt. Ich habs verbockt, ein für allemal.
Mit schweren Lidern sehe ich zu Jo auf, die still auf dem Badewannenrand sitzt und meinen Blick erwidert.
„Danke, dass du mir die Haare gehalten hast.“
„Schon okay . . .“
Schweigen breitet sich aus und ich starre die kleinen weißen Wandfließen an, während ich darüber nachdenke, was auf einmal schief läuft in meinem Leben. Ich hab Erfolg, ich hab Geld, ich hab Freunde . . . gut, ich hab keine Freundin mehr, aber die müsste sich doch ersetzen lassen . . .
„Lauri?“
„Mhm?“
„Warum bist du so . . . so ein Arschloch geworden?“
Verwirrt sehe ich sie an, aber irgendetwas ganz tief in mir drinnen weiß, dass die Frage berechtigt ist, auch wenn mein Verstand heftig protestiert. ICH bin kein Arschloch . . . oder?
„Ich weiß nicht“ antworte ich stattdessen leise und es fällt mir schwer ihrem Blick nicht auszuweichen.
„Haben wir dich im Stich gelassen, Lauri?“
„Ich weiß es nicht . . .“
„Wir waren immer für dich da . . . und ich bin so dumm es immer noch zu sein, obwohl du mich wie Dreck behandelst. Vielleicht glaube ich ja einfach daran, dass irgendwo in dir noch etwas Gutes ist, wo immer das auch sein mag.“
Mit zusammengekniffenen Lippen starre ich geradeaus an die Wand und versuche die kleine Träne aufzuhalten, die geräuschlos über meine Wange rinnt. Von fern registriere ich das Rascheln, als Jo sich zu mir herunterkniet und mich vorsichtig in die Arme nimmt. Die Wärme ihres Körper raubt mir das letzte bisschen Beherrschung und ich fange an zu flennen wie ein kleiner Junge, der Angst vor dem ersten Schultag hat. Mit dem Unterschied, dass ich Angst vor meinem Leben habe.
Hilflos kralle ich mich in dem dicken Stoff ihres Mantels fest und vergrabe das Gesicht in ihren dunkelroten Haaren, die Sekunden später ganz nass und salzig sind. Das ist es, was in meinem Leben fehlt . . . jemand, der mich in den Arm nimmt. Ganz einfach.
„Du bist übrigens gar nicht fett.“ Schniefend löse ich mich von ihr wische mir hastig die Tränen aus dem Gesicht.
„Wieso sagst du dann sowas?“
„Ich weiß nicht . . .“
„Du musst mir nicht wehtun, damit ich dir helfe.“ Ich nicke nur, völlig verwirrt über alles, was heute passiert. Das ist viel zu viel . . . diese ganzen Gefühle, die gnadenlos und ungedämpft an meinem Verstand zerren.
„Magst du schlafen gehen?“
Wieder nicke ich, unterdrücke das Verlangen nach einem Drink und lasse mich von Jo fast in ihr Schlafzimmer tragen, wo sie mich erleichtert aufs Bett plumpsen lässt und mir hilft meine Schuhe auszuziehen. Bevor ich mir bewusst werde, dass ich mit ihr in ein und demselben Bett liege, dämmere ich auch schon weg und gehe in eine Welt über, in der die Dinge eine ganz andere Bedeutung haben als hier.

Gleißendes Licht fällt mir ins Gesicht und ich stöhne schmerzerfüllt auf, als sich meine Augen wegen der Morgensonne verkrampfen. Rote Punkte tanzen vor meinen Lidern und es ist, als würde ich mich im Kreis drehen und zwar sehr, sehr schnell . . . Würgend krümme ich mich zu einer kleinen Kugel zusammen und öffne zwangsläufig die Augen um diesem verteufelten Brechreiz zu entgehen. Wie soll ich schlafen wenn sich mein Magen überschlägt, sobald ich die Klappen dicht mache? Das ist eine verdammt unfaire Einrichtung der Natur.
„Morgen.“
„Selber.“ Knurre ich und ziehe mir die Bettecke über den Kopf. So sehe ich wenigstens nicht viel und muss mich trotzdem nicht gleich übergeben. Das wäre auch ein ziemlich sinnloses Unterfangen, da ich mir ja schon gestern jede kleine Magenfalte gründlich leergefegt habe. Und Magensäure kotzen ist echt übel . . .
Durch einen kleinen Spalt zwischen Decke und Matratze beobachte ich Jos rechtes Bein, das unruhig auf und ab wippt. Wieso müssen Frauen ständig so nervös sein? Wie wärs mal mit chillen?
„Was is denn noch?“
„Das ist mein Bett in dem du da liegst und ich muss gleich zur Arbeit.“
„Na dann viel Spaß.“
„Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass ich ausgerechnet DICH alleine in meiner Wohnung lasse?!“
„Hast du Angst, dass ich dein teueres Silberbesteck mitgehen lasse? Ach upsi, sowas besitzt du ja gar nicht, tut mir leid.“
Mit einem Ruck wird die Bettdecke zurückgerissen und ich glupsche mit wässrigen Augen in Jos wutverzerrtes Gesicht.
„Was bildest du dir eigentlich ein???“
„Spar dir deine dämlichen inhaltslosen Sätze und lass mich schlafen, okay? Andere Mädchen würden sich wenigstens freuen, wenn ich die Nacht in ihren Betten verbracht hätte.“
„Ich bin aber kein anderes Mädchen und ich werd auch nie kapieren warum sich jemand darüber freut von dir Schlappschwanz begattet zu werden!“
„Jetzt werd mal nicht ausfallend, Baby. Eifersucht ist was ganz Natürliches und nichts, wofür man sich zu schämen braucht.“
„RAUS!“
„Du kannst mich nicht rausschmeißen, du bist meine Angestellte!“
„Für längste Zeit gewesen und wenn du nich in einer Minute zur Tür rausbist ruf ich die Bullen!“
„Die interessieren mich nen Scheiß, glaub mir . . .“
„Dann steck ich eben einem von deinen Pressfuzzis was fürn verdammtes Wrack du bist und dann wars das mit Popstargeprolle.“
„Rockstar . . .“ murmle ich angepisst als ich mich widerwillig aus dem Bett hieve und in meine versifften Schuhe zwänge. Presse ist an solchen Morgen nicht ungefährlich und das weiß Jo leider auch. Ich würde ihr das sogar zutrauen, obwohl sie nur eine kleine Putze ist.
„Wie wäs mit Kaffee?“
„Noch ein Wort und ich schlag dir deine verkrüppelte Nase ein! Für wen hältst du dich eigentlich?? Dein arrogantes Getue kannst du dir sparen, so wie du flennst nimmt dir das eh niemand ab.“
„An deiner Stelle wäre ich jetzt mal ganz still . . .“
„Ach ja? Und was, wenn nicht? Fängst du dann wieder bitterlich an zu weinen, mhmm, klein Lauri?“
Wie heiße, glühende Lava breitet sich die Wut in mir aus, mein Gesicht wird knallrot von der aufsteigenden Hitze und ich möchte im Moment nichts lieber tun als dieser kleinen asozialen Schlampe gehörig die Fresse zu polieren.
„Na los, schlag mich doch.“ Murmelt sie tonlos und durchbohrt mich geradezu mit ihrem Blick.
„Nein danke, ich schlage keine Mädchen.“ Dafür stoße ich sie hasserfüllt gegen den Kleiderschrank und registriere gerade noch da Knirschen des Holzes bevor ich die Haustür aufreiße und sie gleich darauf mit einem lauten Knall ins Schloss fallen lasse.
Ich kann einfach nicht glauben, was sich manche Menschen ungefragt herausnehmen . . .

Zuhause werfe ich meine Jacke in die Ecke und vernehme kurz darauf ein Klirren. Zu meinen Füßen bildet sich eine kleine Wasserlache. Leide ich jetzt an Inkontinenz oder was soll der Scheiß? Tastend suche ich nach dem Lichtschalter an der Wand um die dunkle Ecke zu beleuchten und stelle ein Sekündchen später erleichtert fest, dass mit meiner Blase noch alles in Ordnung ist. Jo hat nur wieder dieses widerliche Grünzeug in meine Wohnung geschleppt. Blumen schimpft sich der Kram, sollen dekorativ und atmosphäreschaffend sein. Meiner Meinung nach machen die nur Dreck und Gestank, was sich so eben bestätigt. Kleine Glasscherben zieren den ganzen Flur, umgeben von einer trüben Brühe, in der vereinzelte Tulpenblätter in quietschgelb schwimmen. Ich seh gar nicht ein, warum ich das jetzt wegmachen soll. Wenn sie sich einbildet den Krempel hier aufstellen zu müssen, soll sie ihn gefälligst auch wieder wegräumen.
Missmutig latsche ich ins Wohnzimmer und krame in der Minibar herum, bis ich ein schönes Fläschchen Jim Beam gefunden habe, das meinem Kater bestimmt auf die Sprünge helfen wird. Mit einem halb gefüllten Glas lasse ich mich auf die Couch fallen und starre die vorbeiziehenden Wolken draußen an, während mir die brennende Flüssigkeit langsam den Hals hinabrinnt. Entwickelt man mit der Zeit sone Art Hornhaut im Rachen? Als ich klein war, bin ich fast erstickt wenn ich mal einen Tropfen Hochprozentiges abbekommen habe . . .
Naja, als ich klein war mochte ich so ziemlich gar nichts von den Dingen, die das Leben wirklich schön machen. Was will ein sechsjähriger auch mit Sex, Alkohol und Mentholkippen?
Vielleicht sollte ich das Wasser draußen doch besser aufwischen? Man hört ja immer soviel von Holzschäden durch Wasser und dieses Parkett war verdammt teuer . . . Andererseits wäre es psychologisch totaler Schwachsinn, das würde Jo nämlich nur in ihrer überflüssigen Anti-Haltung bestätigen. Ich bin doch nicht ihr Nigger. Wenn ich sage, dass ich keine Blumen will, dann will ich keine Blumen. Spätestens morgen früh steht sie eh wieder auf der Matte um den Wischmopp zu schwingen und dann kann sie ihr Gemüse gleich mitnehmen. Wäre doch idiotisch meiner Angestellten hinterherzuräumen.
Hoffentlich schneidet sie sich nicht, wenn sie morgen herkommt, sonst hab ich das Blut im Hausflur und in der Presse heißt es dann gleich wieder, dass ich mir die Unterarme aufschlitze. Als ob ich sowas machen würde . . . is doch was für Weicheier.
Kopfschüttelnd lecke ich mir den letzten Tropfen von den Lippen und schenke nach. Auf einem Bein kann man schließlich schlecht stehen. Dazu ein schönes Kippchen und die Welt könnte so perfekt sein, würde da nicht noch ein kleines Detail fehlen: Frau ergo Sex. Sex ist Frau ohne prämenstruelle Aussetzer, Eifersuchtsanfälle und Bevormundungsattacken. Und ohne dieses lästige Geblute. Ich würde mich aufhängen wenn ich mich einmal im Monat in etwas verwandeln würde, das an ausblutendes Schlachtvieh erinnert. Wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, wäre es vielleicht wirklich eine Alternative, auf Männer umzusteigen . . .
Nein, lieber nicht, die Vorstellung, so gar nichts Fremdes zum Anfassen zu haben, ist ziemlich deprimierend. Dann doch lieber Migräne.
Aber darüber brauche ich mir ja im Moment nicht den Kopf zu zerbrechen, mein Schlachtvieh hat mich verlassen und es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis sie zurückgekrochen kommt. Mal sehn, wer schneller wieder auf der Matte steht: Jo oder Paula. Ich tippe insgeheim auf Paula, sie weiß nämlich, was sie verpasst, wenn sie sich nicht schnell wieder einkriegt . . . so rein bettmäßig gesehen.
Ich mache das Glas noch ein drittes und letztes Mal voll, bevor ich überlege, mit was ich den Abend verbringen werde, wenn schon keine Frauen verfügbar sind. Also solche, die man nicht erst aufreißen muss. Das ist anstrengend und darauf habe ich heute keine Lust. Lieber irgendwo gemütlich was trinken und über diese arroganten Leute ablästern, die meinen, sie könnten sich alles erlauben. Mich einfach wegjagen, tz, na wartet . . .
Ganz strategisch gehe ich das Telefonbuch meines geliebten Handys durch und versuche, eine kleine Party zustande zu bringen. Nur hat irgendwie keiner Zeit für mich und ich werde langsam stinkig. Verdammt, ich bin einer von denen, also sollen sie gefälligst auch mit mir feiern.
Nach ein paar weiteren Anrufen entspannt sie die Lage Gott sei Dank wieder und ich habe heute Abend ein Date mit ein paar sehr wichtigen Szeneleuten. Clubtour ist angesagt und ich kanns kaum erwarten, den ganzen Scheiß einfach wegzufeiern und diese banalen Probleme, die eigentlich andere Menschen haben sollten, loszuwerden.
Und vielleicht ist ja dann doch auch der ein oder andere Fick drin, der mir mein Vertrauen in das weibliche Geschlecht zurückgibt. Sind ja nicht alle Weiber so zickig und von sich eingenommen wie Jo und Paula. Es gibt durchaus vernünftige, die zugeben, dass es ihnen auf was ganz anderes als Romantik und Zärtlichkeit und diesen ganzen Scheiß ankommt, hehe.
Okay, Jo ist eigentlich ziemlich chillig drauf . . . aber trotzdem kann sie mich nicht behandeln wie Hans Wurst aus Hintertupfingen. Verdammt, ich bin ein Rockstar!

„Na, amüsierst du dich?“ Ich grinse lässig und lehne mich gekonnt neben eine wirklich sehr exotische Schönheit an den Tresen.
„Bist du nicht der Kerl mit den Federn?“
„Na klar. Ich kann dir meine Feder auch gerne mal zeigen, wenn du magst.“
„Du bist genauso beschissen einfallslos wie deine Songs, Süßer.“
Mit diesen Worten packt sie ihr Longdrinkglas und wirft mir noch einen abwertenden Blick zu, bevor sie sich zum Gehen wendet. Ich bin allerdings schneller und packe sie am Arm, bevor sie mir durch die Lappen gehen kann.
„Du bist wohl schüchtern, was?“
„Ich geb dir gleich schüchtern wenn du deine dreckigen Pfoten nicht sofort wegnimmst.“
Rrrrrr, die steht auf mich. Das wird ne wilde Nacht, Ylönen. Die Kleine will eindeutig gezähmt werden.
„Ach wirklich??“ Mit einem Siegerlächeln auf den Lippen ziehe ich sie an mich und platziere meine Hände auf ihrem Wahnsinnsarsch. Gott, ich bin im Himmel!
„JA!!“ Bevor ich auch nur mit der Wimper zucken kann habe ich ihren Long Island Ice Tea im Gesicht und der halbe Club bricht in schallendes Gelächter aus. Naomi Campbell für Arme stolziert hocherhobenen Hauptes davon und mir glitscht in Zeitlupe die schlabbrige Zitronenscheibe über die Nase.
„Frigide Schlampen wie du gehören einfach mal richtig durchgefickt!!“ Brülle ich ihr hinterher und donnere dabei ihren verlassenen Hocker gegen die Bar um meine Ehre zu retten, doch im nächsten Moment werden meine Arme schmerzhaft auf den Rücken gedreht und ich nehme schemenhaft zwei bullige Gestalten war, die mich zielstrebig Richtung Notausgang zerren.
„Hasloooo??? Geht’s noch??!!“
„Steck dir dein Hasloo sonst wohin, Alter. Weiber angrapschen und randaliern is nich.“
„Ich bin LAURI YLÖNEN, verdammte Scheiße noch mal!“
„Da kannst du quieken wie du willst, schreib doch n Lied drüber.“
Die beiden krümmen sie vor Lachen und ich strample wie wild mit den Beinen, um diesen Saftladen hier selbständig auf zwei Beinen verlassen zu können. Die Typen sind aber leider mindestens zwei Köpfe größer und doppelt so breit wie ich. Die heben mich einfach ein Stück an und ich zapple und schreie 5cm über dem Boden weiter.
Im selben Moment kommt der Besitzer des Clubs um die Ecke und ich atme erleichtert auf. Wir sind saudicke Kumpels und er wird den beiden Erbsenhirnen bestimmt gleich klarmachen, dass sie mich sofort loszulassen haben, wenn sie ihren Job nicht verlieren wollen.
„Mikko, Alter, sag deinen Bulldoggen, dass sie mich sofort runterlassen sollen!!“
„Passt auf, dass euch keiner sieht, wenn ihr ihn vor die Tür setzt.“
„SAG MAL, HAST DU SIE NOCH ALLE??!“
„Hör gefälligst auf hier rumzubrüllen. Das wars für dich Ylönen, du bist nich mehr angesagt, akzeptiers einfach. Du hast dich mal mehr unter Kontrolle.“
„Wenn ich das Kris erzähle, kannst du den Schuppen dicht machen, darauf kannst du Gift nehmen!“
„Krischi tröstet gerade die Braut, die dich eben abserviert hat. War aber auch echt widerlich wie du die begrapschst hast . . . weißt du, n bisschen Stil gehört auch dazu.“
Kalter Schweiß läuft mir über die Stirn, Blut pulsiert heftig in meinen Schläfen. Meine ohnmächtige Wut wird durch jedes seiner Worte mehr geschürt und ich habe immer mehr das Gefühl, jede Sekunde explodieren zu müssen. Es ist unerträglich, ich weiß nicht wohin mit diesem Zorn, der in mir wächst wie ein außer Kontrolle geratenes Feuer.
Meine Arme sind zu taub um meinen Körper abfangen zu können, als mich die beiden hinaus auf den Hinterhof schubsen. Meine rechte Schulter kommt zuerst auf dem nassen Asphalt auf und ich kann spüren, wie meine Haut durch das Hemd hindurch aufreißt und ich auf dem nackten Fleisch weiterrutsche. Stöhnend rolle ich mich auf den Rücken und sehe Mikko, der im Türrahmen lehnt und seinen Bulldoggen einen Wink gibt, zu verschwinden.
„Weißt du Lauri, ich denke, es ist besser, wenn wir ab jetzt getrennte Wege gehen. Ich möchte nicht, dass dein Verhalten auf uns andere zurückfällt. Wir haben schließlich einen Ruf zu verlieren. Komm wieder, wenn du gelernt hast, in der Öffentlichkeit zu stehen.“
Seine letzten Worte kommen nur noch verzerrt bei mir an. Langsam rückt der Schmerz von der Schulter in mein Bewusstsein und ich konzentriere mich ganz auf das Pochen und Ziehen, das allmählich meinen ganzen Körper vereinnahmt. Es wäre sinnlos, den Ärmel hochzukrempeln und nachzusehen, davon hört es auch nicht auf, weh zu tun. Stattdessen verharre ich in meiner Rückenlage und versuche zu fassen, was gerade passiert ist. Die sechs Wodka und die komischen Pillen, die ich vorhin habe andrehen lasse, machen es mir nicht einfacher. Mein Hirn ist einfach total leergefegt und ich beginne über die dämlichsten Sachen nachzudenken.
Was zum Teufel passiert hier? Wo ist die Kamera? Ich bin doch sowas von drin . . . wie kann ich plötzlich draußen sein? So schnell, innerhalb von Sekunden. Wenn ich aufwache ist alles wieder okay . . .
Leider kann ich nicht schlafen, sondern nur mit aufgerissenen Augen daliegen und das kalte Wasser in meinem Gesicht spüren, dass von dem Giebel des Daches über mir heruntertropft. Ich schaffe es einfach nicht, zu begreifen, was hier vor sich geht. Sei es der Alk oder dieser andere Kram . . . es geht einfach nicht. Ich könnte ausrasten, weil mir mein Hirn jeglichen Dienst versagt.
Irgendwann stehe ich dann doch einfach auf und wandere ziellos durch die Stadt. Ich bin nicht traurig, ich bin nicht mehr wütend, aber gut geht es mir auch nicht wirklich. Was soll das, verdammte Scheiße? Ich raffe es einfach nicht . . . es ist zu hoch für mich. Mit einem Schlag, alles vorbei? Einmal ausfallend werden und alles verlieren? Okay, keine Panik, Ylönen, zwei sind dir in den Rücken gefallen, bleiben noch genug andere. Hastig zerre ich mein Handy aus der Tasche und will wieder anfangen in meinen Kontakten zu wühlen, als mich eine kleine Eingebung überfällt und ich stattdessen einen Blick in meinen SMS-Speicher werfe. Nachdenklich lese ich mir alle Nachrichten durch und mir wird langsam klar, dass ich anrufen kann, wen ich will, es wird jedes Mal auf dieselbe Weise enden, früher oder später. Niemand, dem ich etwas bedeuten würde, schreibt solche SMS. Alle sind kurz, neutral, man könnte sie an jeden beliebigen Menschen auf dieser Welt schicken, keine einzige ist wirklich für mich. Nur die von Jo enthalten teils wüste Beschimpfungen, die nur auf mich zutreffen.
Frustriert schalte ich das Telefon ab und spiele kurz mit dem Gedanken, das Teil einfach in irgendeinen Garten zu werfen, aber das würde mir wahrscheinlich noch mehr Ärger einbringen. Also stecke ich es zurück in meine Manteltasche und latsche weiter geradeaus, die Augen auf den Boden und das Hirn auf Standby. Was mache ich jetzt? Einfach so tun, als wäre nichts passiert und weiterleben, bis ich alle meine Freunde verloren habe? Mich verkriechen und von meinen Topfpflanzen leben? Mir die Rübe wegpusten, so à la Kurt Cobain? Der Kerl hat sich wenigstens umgebracht, weil er mit seinem Ruhm nicht klar kam, wie sieht dass denn aus, wenn ich ihn kopiere, nur weil mir mein Leben über den Kopf wächst und ich nicht mehr weiß, wo links und rechts ist. Wer bin ich eigentlich? Rockstar, Celebrity, Arsch?
Die Lichter der Tankstelle spiegeln sich im nassen Asphalt wieder und ich werfe kurz einen Blick in das große Fenster, hinter dem die junge Kassiererin das letzte Mal in dieser Nacht den Boden wischt. Dann fallen mir die großen schwarzen Kübel für Schnittblumen ins Auge, die gleich am Eingang neben der Schiebetür stehen. Die meisten sind schon leer, doch in einem stehen noch ein paar einsame Sonneblumen, die auf einen reumütigen Ehegatten warten, der sich eben noch mit seiner Sekretärin vergnügt hat . . . oder auf mich. Jo mag gelbe Blumen, glaube ich. Eigentlich wollte ich ja warten, bis sie zu mir zurückgekrochen kommt, aber weder sie noch Paula haben sich bei mir gemeldet. Ich war wirklich fies zu ihr und sie ist schließlich die einzige, die mir wirklich sagt, was sie von mir denkt . . . und die einzige, dir mir helfen wollte. Ich war gemein zu ihr, weil es meine Art ist . . .ich bin Lauri und ich bin scheiße zu anderen Leuten, die nicht so berühmt sind wie ich. Punkt. Aber warum? Berühmte Leute sind auch scheiße, besonders die. Ich gehöre ja auch dazu und ich bin schließlich scheiße.
Große Verwirrung herrscht in meinem Kopf, es fällt schwer die Gedanken zu ordnen. Verpeilt torkle ich in den Laden und tapse mit meinen dreckigen Schuhen über den frischgewischten Boden. Trotzdem lächelt mich das Mädchen hinter dem Tresen freundlich an, ich schenke ihr nur einen kalten Blick und deute auf den Blumekübel hinter mich.
„Die da, alle.“
„Oh, da wird sich ihre Freundin aber freuen.“
Ich hab keine Freundin, ich bin zum Abschuss freigegeben, Groupies aller Welt, vereinigt euch, Lauri Ylönen steht wieder. Ach ja genau, das war einer der Gründe, warum ich „normale“ Menschen nicht mag: sie sind hysterisch, neugierig und notgeil.
„Ne, mein Hamster is gestorben.“ Knurre ich zurück und klopfe mit den Fingern auf dem Holz herum, während sie am Eingang die Blumen aus dem Wasser nimmt und zusammenbindet.
„Entschuldigung, ich wusste ja nich . . .“
„Jaja, ich weiß schon, mach hinne, ich hab heute noch was anderes vor.“ Daraufhin schweigt sie, kaut nur verbissen auf ihrer Unterlippe herum, während sie mir den Strauß reicht und stumm das Wechselgeld herausgibt. Genervt und deprimiert verlasse ich ebenso wortlos die Tankstelle und trotte zurück auf den Gehsteig. Keine fünf Meter weiter bleibe ich wie angewurzelt stehen und lasse die letzten zwei Minuten Revue passieren. Es macht Spaß, freundlichen Menschen über den Mund zu fahren und sie so richtig niederzumachen, aber wirklich befriedigend ist es nicht. Vielleicht sollte ich . . . langsam, seeehr langsam mache ich kehrt und trete erneut in den kleinen Laden ein.
„Is noch was?“ Ihr Blick ist kühl und distanziert, das Lächeln totgemacht von mir irgendwie, schießt es mir durch den Kopf.
Ein riesiger Kloß steckt in meinem Hals und ich habe keine Ahnung, was ich hier überhaupt mache, geschweige denn, was ich sagen soll. Mit knallrotem Schädel zupfe ich eine der Blumen aus dem Strauß und strecke sie ihr unbeholfen entgegen. Erst als sich ihre Gesichtszüge zu lösen beginnen und sie mich verwundert ansieht, finde ich meine Sprache wieder.
„Es . . . ähm, tut mir leid, dass ich dich vorhin so angemault habe. Is heute irgendwie nich mein Tag.“ Druckse ich herum und ich könnte mich grade schlagen für den Müll, den ich von mir gebe.
„Is schon okay, danke.“ Sie lächelt und ich neige für einen kurzen Moment den Kopf um das Glitzern ihrer Augen auf mich wirken zu lassen.
„Kein Problem, hehe.“ Knallrot bis zum Haaransatz mache ich auf der Ferse kehrt und stakse ziemlich umständlich nach draußen. Dann schlage ich ersteinmal meinen Kopf zwei Minuten gegen die Mauer bis ich kleine Sternchen vor meinen Augen auf und ab hüpfen sehe. Das eben war mit Abstand die uncoolste, peinlichste und überhaupt strunzedämlichste Aktion, die ich je in meinem Leben durchgezogen habe. Das Mädel hält mich bestimmt für nen kompletten Vollspasten, die lacht sich jetzt bestimmt kaputt über mich in ihrer blöden Tankstelle . . . Das ist es gerade, was nett sein für mich so schwierig macht: wenn man freundlich ist, ist man verletzlich, andere können sich über einen lustig machen und einen schikanieren. Wenn man einfach nur fies ist, wird man zwar für ein Arschloch gehalten, dafür entgeht man aber der Gefahr verspottet zu werden, was in meinen Augen so ziemlich das Allergrausamste ist. Ich will respektiert werden, ausgelacht wurde ich lange genug.
Mit diesen tiefsinnigen Gedanken mache ich erneut kehrt und versuche ungesehen am Eingang der Tankstelle vorbeizuhuschen. Dumm ist nur, dass das Mädchen von der Kasse gerade die Tür absperrt und mich sofort bemerkt. Jetzt bekomme ich gleich reingedrückt, was für ein Volldepp ich doch bin. 3 . . . 2 . . . 1 . . .
„Gute Nacht.“ Sie lächelt und geht dann zu ihrem Auto hinüber, das als einziges noch auf dem leeren Parkplatz steht.
„Nacht . . .“ murmle ich und umklammere die Sonnenblumen, während ich schnell zurück auf den Gehsteig gehe. Mein Leben spielt gerade ziemlich verrückt und ich bin immer noch nicht fähig, irgendetwas aufzunehmen, geschweige denn es zu verarbeiten. Es ist fünf Uhr morgens in Helsinki und ich sinniere über mein ICH nach, darüber, wie gemein man sein muss um in dieser Welt überleben zu können und warum zum Teufel plötzlich alles anders ist.
Sind das diese scheiß Pillen? Sind die persönlichkeitsverändernd oder warum stelle ich auf einmal mein Verhalten und das, was ich bin, in Frage? Das hab ich noch nie getan und hatte eigentlich auch nicht vor, es zu tun. Oh fuck, ich denke schon wieder verworrenen Bullshit.

Nach einer schier endlosen Nachtwanderung stehe ich schließlich vor Jos Haus und stelle betreten fest, dass diese Aktion mehr als hirnrissig ist. Es ist Sonntagmorgen und nachdem, was ich gestern zu ihr gesagt habe, möchte sie bestimmt nicht mich als ersten Menschen an diesem Tag zu Gesicht bekommen. Ich kann sie schließlich nicht heute gegen einen Schrank donnern und morgen mitten in der Nacht mit einem Strauß halbverwelktem Tankstellengemüse auftauchen und erwarten, dass alles gut ist und sie wieder Seelenklempner für mich spielt. Versaut ist versaut. Am besten ich gehe jetzt nach Hause und betrinke mich dermaßen, dass ich die nächsten zwei Tage nichts anderes tun muss als kotzen und schlafen.
Seufzend lege ich die Blumen auf den Abstreifer und zupfe noch ein paar von den bräunlichen Blättern ab, als plötzlich die Tür aufgeht und ein paar braune Wildlederstiefel vor meinem Gesicht auftauchen.
„Lauri?“ Die Stiefel machen einen Schritt auf mich zu und als ich den Kopf hebe, sehe ich, dass Jos Kopf zu den Stiefeln gehört. Sie trägt einen dicken Wintermantel und ist ziemlich blass um die Nase, ihr Blick schwankt zwischen Verwunderung und Ablehnung.
„Morgen . . . ich war nur grad in der Gegend und na ja . . .“
„Seit wann verbringst du deine Nächte mit Schnittblumen??“
„Ach ich hatte einfach das Gefühl, was tun zu müssen wegen gestern, aber . . . ach scheiße, war ne blöde Idee, ich geh jetzt besser.“
„Jetzt streite dich doch gefälligst mit mir, lüg mir was vor oder fang an zu heulen aber lauf nicht schon wieder weg, das macht mich rasend!“
Bockig verschränke ich die Arme vor der Brust und spüre schon wieder diese Wut in mir aufbrodeln. Ich hatte wohl doch Recht: Respekt bekommt man nicht durch nett sein.
„Is mir egal, lass mich in Ruhe.“
„Ich hab nen fetten blauen Fleck wegen dir an der rechten Schulter.“
„Und jetzt willst du noch einen oder was?“
„Eigentlich nicht.“
„Und warum provozierst du mich dann?? Du weißt ganz genau dass ich das nicht ausstehn kann und ich könnte dich grade schon wieder . . .“ Wütend balle ich die Fäuste und versuche sie mit meinen Blicken zu durchbohren, aber sie hält stand.
„Warum ich dich provoziere? Weil ich will, dass du mit mir frühstückst.“
„Hä?“
„Wenn du was zu essen in der Hand hast, kannst du mir keine reinhaun.“
„Das ist wahr.“
„Und, willst du?“
„Mhmm.“
„Mhmm-ja oder mhmm-nein ?“
„Mhmm- gibt’s Kaffee?“
Leicht besänftigt mache ich einen Schritt auf sie zu und nehme die Blumen entgegen, die sie mir in die Arme drückt.
„Wenn du die ins Wasser stellst schon.“
„Gut.“
„Ich geh nur schnell Brötchen holen.“ Mit einem undefinierbaren Blick lässt sie mich alleine und geht die Straße hinunter Richtung Bäckerei. Ich sehe ihr noch kurz nach, bevor ich die Haustür hinter mir schließe und wie geheißen eine Vase für die Sonnenblumen suche. Es ist so seltsam . . . seit ein paar Stunden ist alles so furchtbar seltsam. Draußen ist noch keine Spur von Dämmerung zu sehen und so setzte ich mich im Dunkeln ans Fenster auf den Boden und zünde mir eine Zigarette an. Das Klacken des Feuerzeuges hat so etwas Vertrautes, Beruhigendes. Mein Schädel ist wieder wie leergefegt und so starre ich einfach in die Nacht hinaus während ich darauf warte, dass Jo zurückkommt.

„Hast du keine Vollkornbrötchen gekauft?“
„Ne, wieso denn?“
„Weil dieser Weißmehlkram total ungesund ist!“
Leicht verstimmt knülle ich das dünne Papier zusammen und halte Jo demonstrativ die Brötchentüte unter die Nase.
„Willst du mich verarschen?“
„Was hast du denn jetzt schon wieder?“
„Du kommst hier im Morgengrauen bei mir angekrochen, stinkst wie ein Elch, bist voll bis unter deine modrige Mütze mit irgendwelchen Partydrogen und scheißt MICH an, weil ich keine VOLLKORNBRÖTCHEN esse???“
„Ich bin nicht hergekommen um mir deine idiotischen Vorwürfe anzuhören!“
„Warum bist du denn dann gekommen, hä?“
„Weil . . . ach, is doch egal. Dann geh ich eben wieder.“
„Toll, mach doch.“
Desinteressiert fummelt sie einen Kaffeefilter aus der Verpackung und füllt ihn im Zeitlupentempo, bevor sie ihn in die Aufhängung packt und das Teil in die Maschine einrasten lässt. Leise beginnt das Wasser zu gluckern und der Geruch von frisch gemahlenem Kaffee breitet sich in Jos kleiner Küche aus. Ich unterdrücke ein Aufstöhnen und kämpfe innerlich mit der Wut auf diese zickige Tante und dem Verlangen nach der heißen, schwarzen Brühe die da so verheißungsvoll in die Glaskanne tropft.
„Krieg ich wenigstens noch ne Tasse?“
„Tassen sind da oben im Schrank.“
„Du kotzt mich echt an.“
„Bin mir keiner Schuld bewusst.“
„JOANNA!“
„WAS?!“
„Du. Machst. Mich. RASEND.“
„Dann hau mir doch noch eine rein.“
„Fang nicht schon wieder damit an, ich hab dir gesagt, dass es mir Leid tut!“
Gereizt packe ich sie am Handgelenk und zerre sie von der Kaffeemaschine weg, die sie schon seit fünf Minuten unablässig anstarrt. Ich kann es nicht leiden, wenn mich Leute nicht ansehen, während ich mit ihnen rede.
„Hast du nicht.“
„Was?“
„Du hast nicht gesagt, dass es dir Leid tut.“ Mit einem Ruck befreit sie sich von meinem Griff und donnert die Brötchen in die hinterste Ecke der Küche, bevor sie sich auf einen der beiden Stühle setzt und zitternd die Tischplatte fixiert.
„Mein Gott, dann mach ich’s eben jetzt.“
Schweigen. Keine Reaktion.
„Es tut mir leid, okay??? Entschuldigung, dass ich dich geschubst hab, kommt nicht wieder vor . . . Aber was kann ich denn dafür, dass du mich immer grundlos provozierst?“
„Ich provoziere dich überhaupt nicht, ich behandle dich nur nicht wie Herrn Hochwohlgeboren und das passt dir anscheinend nicht. Du bildest dir laufend ein, dass du was Besseres wärst, tut mir leid, wenn ich dich da in deiner Haltung nicht unterstütze. In Wirklichkeit bist du nämlich ein ganz armes, arrogantes Würstchen, Ylönen.!!“
„Vielleicht würde ich mich nicht so benehmen, wenn DU mich nicht ständig wie den letzten Dreck behandeln würdest!“
„Was soll das denn jetzt wieder heißen?“
„Glaubst du, es macht Spaß ständig irgendwelche spitzen Bemerkungen abzukriegen, nur weil ich berühmt bin? Ich hab einfach keine Lust irgendwelche dämlichen Kommentare zu hören, weil mein Gesicht auf irgendner Zeitschrift ist.“
„Du armer Kerl.“
„Dein Neid ist ja schon fast abartig.“
„Ja, ich bin TOTAL neidisch drauf, dass du das widerlichste Arschloch im ganzen Land bist und von jedem gehasst wirst, der nicht grade weiblich ist und mitten in der Pubertät steckt.“
Niemand hasst nicht . . . zumindest nicht alle, nein, ganz bestimmt nicht . . .
Ich hole scharf Luft und lasse mich dann ohne ein weiteres Wort auf den zweiten Stuhl fallen. In mir brodelt es, fast habe ich das Gefühl, als würden meine Augen aus ihren Höhlen treten. Mit beiden Händen drücke ich sie zurück und presse dabei die Lippen so fest aufeinander, dass die untere aufplatzt und ein klein wenig Blut in meine Mundwinkel läuft. Vorsichtig lecke ich es ab, es schmeckt penetrant nach Eisen, aber irgendwie gut.
Minuten vergehen in denen keiner von uns etwas sagt, der Kaffee ist schon längst durchgelaufen und wartet jetzt lauernd und unbeweglich darauf, dass sich jemand die Zunge an ihm verbrennt. Irgendwann steht Jo auf und ich höre, wie sie die Kanne aus der Maschine nimmt und etwas von der heißen Flüssigkeit in einen Becher gießt.
„Und alles nur wegen einem beschissenen Vollkornbrötchen.“
Ich hebe den Kopf leicht und sehe in ihr blasses, müdes Gesicht, bevor ich kurz nicke und den Blick wieder auf den Tisch hefte.
„Milch?“
„Gar nix.“
Vorsichtig lege ich meine Hände um den dampfenden Becher, den sie mir vor die Nase gestellt hat, und genieße das Gefühl, als die Hitze beginnt meine Haut zu verbrennen. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie lang man den Schmerz ertragen kann ohne loszulassen.
„Is doch irgendwie alles scheiße.“ Murmle ich irgendwann und beobachte Jos schmale Finger, die ebenfalls einen vollen, heißen Kaffeebecher umklammern.
„Mhmm . . . Lauri?“
„Ja?“
„Wenn du willst, kannst du nachher mitkommen wenn ich mir n paar Wohnungen ansehe.“
„Du ziehst aus?“
„Ja, ich hab nen neuen Job, nen richtigen . . .“
„Ich würd gern mitkommen, danke.“


[4 Wochen später]

Gelangweilt zappe ich von einem Programm zum nächsten und stelle ernüchtert fest, dass mal wieder nur Scheiße läuft. Ich möchte weder irgendwelche übergewichtigen Tussen, die Bauchwegstrumpfhosen anpreisen noch die Nachrichten oder Winnetou sehen, das macht mir nämlich alles ziemlich große Angst. Aber wenn ich wählen müsste, würde ich lieber im Irak in einem matschigen Schützengraben liegen als neben dieser fetten Wachtel in Strumpfhosen. Besser abgeknallt werden als unter Tonnen von Hüftspeck elendiglich zu ersticken, ehrlich.
Irgendwann lande ich schließlich auf MTV und ziehe mir einen beschissenen Clip nach dem anderen rein, während ich monoton Erdnüsse und Lakritze in mich hineinstopfe.
Das ist eben der große Nachteil eines Frauenhaushaltes: es gibt keine Pornos. Und wenn, dann nur solchen lahmen Kram, den ich mir auch nachts im Fernsehen angucken kann. Trotzdem, im Moment würde ich mir sogar das reinziehn. Jo gehört nämlich zu der Sorte Frau, die überhaupt keine Artikel dieser Art besitzen und wenn doch, dann hat sie ein sehr gutes Versteck dafür gefunden. Schließlich ist ihre neue Wohnung ziemlich groß und sie hat mich noch nicht so lange alleine hier gelassen, dass ich pikante Sachen finden konnte.
Dabei ist das Apartment wirklich schön und ich habe in den letzten zwei Wochen nichts anderes getan, als hier zu sein und mich mit Jo zu streiten. Wir gehen uns gegenseitig tierisch auf die Nerven aber ich halte es nie besonders lange alleine bei mir zuhause aus und so komme ich nach spätestens zwei Tagen zurück und werde glücklicherweise kommentarlos wieder aufgenommen. Unsere letzte Diskussion ging so weit, dass sie eine dicke Glasvase nach mir geworfen hat, weil ich sie eine prüde, langweilige alte Jungfer genant habe. Danach hat sie Rotz zu Wasser geheult und ich habe mir den Kopf ins Eisfach gehalten. Trotzdem hatte ich am nächsten Morgen eine fette Beule am Kopf und wenn ich mich anstrenge, kann ich sie sogar jetzt noch fühlen.
Wir haben den ganzen Tag kein einziges Wort gewechselt und am Abend war sie plötzlich verschwunden. Weit nach Mitternacht tauchte sie dann aber wieder auf und hatte einen Kerl im Schlepptau, der gesichtstechnisch weit über ihrem Niveau lag. Ihr Blick war kalt wie die Eisschollen draußen im Hafen als sie mich vor die Tür gesetzt und es danach mit diesem Kerl getrieben hat. Fast drei Stunden lang musste ich draußen auf dem Gehsteig sitzen und mir die Eier blau frieren, bevor der Typ grinsend an mir vorbeizog und mir noch eine geruhsame Nacht wünschte. Ich durfte irgendwann um fünf Uhr morgens wieder reinkommen und mir einen vor Genugtuung triefenden Blick abholen, bevor ich endlich schlafen konnte.
Und alles nur, weil Jo nicht will, dass ich in ihrer Wohnung trinke, geschweige denn rauche. Sie ist wirklich eine prüde Schlampe, da kann sie tausendmal mit wildfremden Mackern vögeln.
Aber im Moment ist sie arbeiten und so muss ich keine Angst vor fliegenden Gegenständen haben. Trinken kann ich leider trotzdem nicht weil Jos Küche absolut alkoholfreie Zone ist, aber nicht, weil sie es nicht mag sondern weil sie der festen Überzeugung ist, dass ich ein Problem damit hätte. Womit wir wieder beim Thema prüde und langweilig wären.
Ich muss nichts trinken, wenn ich nicht will, aber ich will eben und deshalb mache ich es, basta.
Oft verstehe ich selbst nicht, weshalb ich überhaupt soviel Zeit hier verbringe, weshalb ich mich von ihr bevormunden lasse . . . vielleicht ist es das Gefühl der Überlegenheit, wenn ich sie zum Weinen bringe oder der Schmerz in ihrem Blick, wenn sie mich danach mit geröteten Augen ansieht und fragt, warum. Jo ist nicht schön im eigentlichen Sinne, es ist jedenfalls nicht der Grund, warum ich mich immer wieder in ihre Nähe flüchte. Aber sie hat etwas, dass man haben will, dass man besitzen will und zwar um jeden Preis. Ich genieße es, in ihrer Nähe zu sein, sie zu verletzen und von ihr verletzt zu werden.
Ein schrilles Klingeln reißt mich aus meinen Gedanken und ich gehe langsam zu Tür und meine Beschäftigung für den heutigen Abend hereinzubitten. Sie heißt Emilia und ist quasi das weibliche Gegenstück zu mir. Umwerfend grüne Augen, dazu rabenschwarzes Haar, das ihr in sanften Wellen über die Schultern fällt und ein Körper, bei dem sich mir so ziemlich alles aufrichtet, was sich nur aufrichten kann.
Trotz meiner Gier zwinge ich mich zur Beherrschung und bitte sie ganz Gentlemen ins Wohnzimmer, wo sie ihren Astralarsch auf Jos neuem weißem Sofa platziert und mich unschuldig mustert.
„Darf ich Ihnen ein Gläschen Wein anbieten, Madame?“
Sie kichert albern und nickt dann begeistert. Konversation ist wirklich nicht ihre Stärke, aber das liegt wohl daran, dass sie nicht besonders viel Grips hat. Das soll mich allerdings nicht stören, denn intelligente Frauen sind im Allgemeinen nur mit Schwierigkeiten verbunden und außerdem fickt dumm ja bekanntlich gut.
Beschwingt gehe ich hinüber in die Küche und hole die Flasche Rotwein aus dem Kühlschrank, die ich erfolgreich vor Jo unter meiner Schlafcouch versteckt und kalt gestellt habe, nachdem sie zur Arbeit gegangen ist. Ich liebe es, wenn sie Nachtschicht hat . . .
Emilia arbeitet dagegen ausschließlich nachts, sie ist Bedienung in einer der Bars, auf die ich neuerdings umgestiegen bin, um möglichst wenigen bekannten Gesichtern über den Weg zu laufen. Heute fängt sie allerdings erst gegen zwei an, das heißt, wir haben noch fast vier Stunden Spaß pur vor uns.
Die nächsten dreißig Minuten verbringe ich damit, sie vollzuquasseln und gleichzeitig abzufüllen, bis ihr Blick diesen verträumten, willigen Ausdruck annimmt. Eben diesen Moment nutze ich, um ihr dezent die Zunge in den Hals zu schieben und endlich ein wenig an ihrem Mordskörper herumzufummeln. Ich bin dermaßen geil, dass ich sie sofort und auf der Stelle hier auf dem Sofa nehmen könnte, aber da akute Absturzgefahr besteht, stehe ich stattdessen auf, werfe ihr einen tiefen, vor Leidenschaft glühenden Blick zu und ziehe sie schließlich zu mir nach oben.
Wild knutschend drücken wir uns an den Wänden des Flures in Richtung Schlafzimmer entlang und reißen uns dabei gegenseitig die Kleider vom Leib. Ich versenke gerade begeistert mein Gesicht in ihrem Dekolleté, als es hinter mir knackt und ich die Haustür zwischen den Arschbacken klemmen habe. Erschrocken fahre ich herum und sehe genau in Jos aufgerissene Augen, die abwechseln mich und Emilias nackten Oberkörper anstarren. Sekundenlang verharren wir alle drei wie gelähmt an Ort und Stelle, bis Emilia plötzlich aufquiekt, ihre Bluse grapscht und sich im Wohnzimmer verschanzt.
„Was zum Teufel soll das?“ Auch Jo bewegt sich wieder, auch wenn es nur ihre Hände sind, die sie zu Fäusten ballt und ihre Lippen, die plötzlich wie ein gerader weißer Strich erscheinen.
Ich bin selbst immer noch irgendwie geschockt, aber ich zwinge mich dazu, lässig zu bleiben und ihre Wut geflissentlich zu übersehen.
„Nach was siehts denn aus,hm?“
„Komm mir nicht so, du verdammtes Arschloch.“
„Jetzt mach mal halblang, was regst du dich denn schon wieder so auf?“
„Warum ich mich aufrege????“ Mit einem Knall wirft sie die Tür in Schloss und bekommt dabei Emilias BH in die Finger, der aus Versehen am Türgriff gelandet ist. „WARUM ICH MICH AUFREGE??!!“ Mit einem Klatschen landet das Teil in meinem Gesicht und ich wische es verächtlich beiseite, während Jo nach weiteren Sachen sucht, die sie nach mir werfen kann um mir damit möglichst viele Knochen zu brechen.
„Ja, genau, los sags mir, was hab ich denn wieder verbrochen?“
„Du steckst deinen scheiß Schwanz in irgendwelche hirnlosen Schlampen und das in MEINER Wohnung, das ist los!!“
„Nur weil du keinen abkriegst musst du nicht gleich auf 180 gehen wenn andere Leute Sex haben. Es ist nicht meine Schuld, dass du sone frigide alte Kuh bist.“
Plötzlich herrscht Schweigen, ich höre nur meine eigenes, aufgebrachtes Keuchen und schließlich Jos leises Schniefen. Die Farbe weicht aus ihrem vorher so erhitzten Gesicht und ihre Augen füllen sich langsam mit Tränen, während sie immer noch die Fäuste ballt und die Lippen aufeinander presst.
Im selben Augenblick schiebt sich Emilia an mir vorbei und verschwindet mit einem verlegenen „Ich geh jetzt wohl besser“ und einem mitleidigen Blick für mich zur Tür hinaus.
Das ist alles Jos Schuld . . .
In meinem Kopf knallt eine Sicherung durch, ich ziehe auf und verpasse ihr eine derart heftige Ohrfeige, dass sie zu Boden geht und auf den Knien in der Ecke des Flurs liegen bleibt.
Sekundenlang rauscht das Adrenalin noch durch meine Adern, erst als es nachlässt registriere ich, dass ich es gerade wohl ein bisschen übertrieben habe.
„Joanna, ich . . .“ Von ihr kommt keine Reaktion außer dem ungleichmäßigen Zucken ihrer Schultern. Unsicher gehe ich einen Schritt auf sie zu und knie mich schließlich vor sie auf den kalten Fliesenboden. Mein Gesicht glüht, als ich langsam meine Hand ausstrecke und ihr vorsichtig über den Kopf streichle.
„Es tut mir Leid.“ Ihr Haar fühlt sich wie Seide an unter meinen Fingern und so vergesse ich einen Augenblick alles um mich herum. Jo nutzt meine Unaufmerksamkeit um sich in meinen Armen festzukrallen und mir einen derart hasserfüllten Blick zuzuwerfen, dass mir für einen Moment die Luft wegbleibt. Doch ich weiß erst Sekunden später, was es heißt, wirklich zu leiden, nämlich als sie mich plötzlich nach hinten auf den Rücken wirft und mir das Knie so heftig zwischen die Beine rammt, dass ich vor lauter Schmerz nicht einmal schreien kann. Es reicht ihr aber nicht, es einmal zu tun, nein, sie tut es solange, bis ich aufhöre mich zu wehren und schlaff unter ihr liegen bleibe. Erst als sie von mir ablässt rolle ich mich zu einer kleinen Kugel zusammen und versuche verzweifelt, einfach ohnmächtig zu werden um diese wahnsinnige Qual nicht mehr länger ertragen zu müssen.
Minutenlang bleibe ich unbeweglich liegen, wimmere ein wenig und höre Jo von ganz weit weg leise schluchzen. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, bis der Schmerz endlich nachlässt und ich mich auf die andere Seite drehe um ihr in die Augen zu sehen.
„Tut weh, nicht wahr?“ murmelt sie leise mit gebrochener Stimme und legt vorsichtig ihre warme Hand auf meine verkrampfte Schulter. „Jetzt weißt du, wie weh es tut, mit dir zusammen zu sein. Vielleicht denkst du mal drüber nach . . .“
Mit einem Ruck steht sie auf, löscht das Licht im Flur und verschwindet in ihrem Schlafzimmer. Ich bleibe alleine im Flur liegen und starre ausdruckslos in die Dunkelheit, bis irgendwann der Morgen dämmert und ich schließlich erschöpft einschlafe.

[2 Tage später]

Es ist Montagmorgen, kalt, dunkel und keine Spur von Dämmerung am Himmel. Mit verquollenen Augen schlurfe ich leise ins Badezimmer und starre einen Augenblick in mein verschlafenes Spiegelbild, bevor ich den Klodeckel hochklappe und mich mit zusammengebissenen Zähnen auf das Schlimmste gefasst mache.
Es ist ganz still, keine bedrohliche Stille sondern eher eine angenehme Ruhe.
Ich liebe diese Ruhe in Jos Wohnung, man wird in sie eingehüllt wie in eine weiche, warme Decke. Ich bin schon so abhängig davon, dass ich ohne sie nicht mehr schlafen kann, nichteinmal bei mir zu Hause. Das ist wohl der Hauptgrund, warum ich mich gestern ganz spät noch hereingeschlichen habe, nachdem ich den ganzen Sonntag in meiner versifften Bude verbracht und mit meinem schlechten Gewissen gekämpft habe. Ich möchte Jo wirklich nicht über den Weg laufen, aber gleichzeitig komme ich einfach nicht von ihr weg. Sobald ich die Wohnung für längere Zeit verlasse werde ich unheimlich nervös und hektisch und versuche einfach so schnell wie möglich zurückzukommen.
Außerdem habe ich Angst, dass sie mir den Haustürschlüssel abnimmt, wenn sie mich zu Gesicht bekommt und das würde mich mit Sicherheit umbringen.
Seufzend zupfe ich am Bund meiner Shorts herum und versuche krampfhaft ein Jaulen zu unterdrücken. Gott, ich hatte noch nie solche Schmerzen . . .
Endlich, nach endlosen Minuten, habe ich das beschissene Teil soweit runtergezuppelt, dass ich ganz vorsichtig und behutsam mit dem Zielen beginnen kann.
„Wie oft hab ich dir schon gesagt, dass du dich hinsetzen sollst!?“
Vor lauter Schreck packe ich fester zu als geplant und gebe sogleich einen erstickten Schrei von mir. Mit wässrigen Augen versuche ich mich zu entspannen und langsam zu atmen, den Schmerz wegatmen und so . . .
„Denkst du nich, dass du ein klein wenig übertreibst?“
„Er ist BLAU!“ Jammere ich vorwurfsvoll und bin froh über die Dunkelheit, die es ihr unmöglich macht, nähere Details zu sehen. Es ist schon unangenehm genug, dass sie dort drüben im Türrahmen steht und anscheinend nicht einmal Skrupel hat, mir beim Pinkeln zuzugucken. Das kann ich jetzt eh vergessen. Erstens kann ich nicht solange sie mich anstarrt und zweitens würde ich wahrscheinlich vor Schmerzen vergehen.
„Blau?“
„Ja, blau. Und lila und rot und grün und . . .“ Sie sieht mich zweifelnd an und macht einen Schritt auf mich zu, sodass ich nach hinten ausweiche und abwehrend mit den Armen rumfuchtle.
„Bleib wo du bist!“
„Jaja, schon gut. Ist es wirklich soo schlimm?“
„Ich kann seit zwei Tagen nicht richtig pinkeln, es ist sogar SEHR schlimm!!“
„Ach was?! Denkst du, mein Kopf tut nicht weh??“
„Sieht man was?“ murmle ich leise und versuche dabei heimlich, klein Lauri wieder einzupacken ohne dabei in Tränen auszubrechen.
„Nein, ich bin ja gleich umgefallen und auf die Hüfte geknallt. Du brauchst dir also keine Sorgen um deinen Ruf machen, solang ich nicht bauchfrei rumlaufe.“
„Das tue ich gar nicht.“ Erwidere ich ärgerlich. „Ich wollte dir nur noch mal sagen, dass es mir Leid tut, obwohl ich das eigentlich schon längst getan hab.“
„Und deshalb ist es wohl okay oder was?“
„Nein, ist es nicht. Aber du hast genauso Grund dich zu entschuldigen, du bist wegen nichts und wieder nichts total ausgerastet und es tut ungefähr tausendmal mehr weh einen gequetschten Schwanz zu haben als nen blauen Fleck an der Hüfte.“
„Wollen wir uns jetzt n ärztliches Attest ausstellen lassen um zu sehen wer sich jetzt bei wem entschuldigen muss oder was?“
„Ach, vergiss es . . .“ Wütend knalle ich den Klodeckel nach unten und versuche mich an Jo vorbeizuquetschen, aber sie stemmt stur den Arm in den Türrahmen und sieht mich mit funkelnden Augen an. Man sieht wirklich nichts in ihrem Gesicht, ihre Haut wirkt überall gleichmäßig blass, nur am Wangenknochen ist ein Hauch einer Schwellung zu erkennen, fast unsichtbar, aber mir verpasst der Anblick einen Stich.
„Verdammt Lauri, ich lasse dich bei mir wohnen, weil die ganze beschissene Welt dich im Stich Gelassen hat und was machst du? Du besäufst dich, vögelst hier mit irgendwelchen Weibern rum, ohne dich drum zu kümmern wie ich mich dabei fühle, und wenn ich den Mund aufmache bekomme ich eine aufs Maul. Vielleicht hab ich überreagiert und dann tuts mir leid aber warum zum Teufel machst du das??“
Ihre Hand rutscht vom glatten Holz des Türrahmens ab, sodass sie jetzt mit hängenden Armen vor mir steht und mich mit großen, dunklen Augen traurig ansieht.
„Ich hab wohl zuviel getrunken . . .“ murmle ich und zwinge mich, ihrem Blick stand zu halten, auch wenn es wehtut.
„Warum glaubst du wohl hab ich dir verboten hier zu saufen? Glaubst du, ich mach das zum Spaß?“
Ich weiß nicht mehr, was ich sagen soll und so lege ich einfach meine Arme um ihren Rücken und vergrabe mein Gesicht in ihren langen zerwühlten Haaren.
„Du bist son Arsch.“ Flüstert es fast unhörbar neben meinem Ohr und ich spüre, dass sie meine Umarmung erwidert und sanft mit dem Daumen über meinen Rücken streichelt
Ich sage nichts sondern schließe einfach die Augen um zu spüren, dass sie die Quelle dieser Ruhe ist, ohne die ich nicht mehr sein kann. Für einen kurzen Moment fällt der ganze Scheiß von mir ab, dann wird mir schlagartig klar, dass ich hier mitten in der Nacht in einem Badezimmer stehe und meine Ex-Putzfrau in den Armen halte.
Peinlich berührt befreie ich mich aus unserer Umarmung und zupfe leicht verpeilt an meinem T-Shirt herum bis mir etwas einfällt, um diese Situation möglichst schnell zu beenden.
„Hast du nächstes Wochenende schon was vor?“
„Ne, wieso?“ Irgendwie habe ich den Eindruck, dass sie sich über mich lustig macht . . .
„Ich muss nächste Woche für ein paar Promotionstermine nach Deutschland. Am Samstag sind Aki und ich auf soner Preisverleihung in Hamburg und du kannst auch mitkommen, wenn du magst . . .“
„Ach, auf einmal?“
„Was soll das denn jetzt heißen?“
„Früher hast du mich nie irgendwohin mitgenommen, selbst wenn ich dich drum gebeten hab.“
„Häää??“
„Ich sag nur HIMOS!“
„Mein Gott Jo, du warst erst 15!“
„Aber du warst 18, du hättest mich mit rein nehmen können.“
„Deine Eltern hätten eher irgendeinem Straßenpenner die Verantwortung für dich übertragen als dass sie mich zu deiner Aufsichtperson erklärt hätten.“
„Pff, red dich nur raus. Es war dir peinlich mit sonem Pups wie mir gesehn zu werden.“
„Mhmmm, vielleicht ist da ein klitzekleines Fitzelchen Wahrheit dran . . . aber wirklich nur ein winziges bisschen.“
„Sag ich doch.“ Eingeschnappt wirft sie ihre Haare nach hinten und macht eine schwungvolle Umdrehung, wobei sie den Augenblick nutzt und mir beim Gehen einen leichten Schlag auf den Schritt verpasst. Sofort jaule ich schmerzerfüllt auf und bekomme sie gerade noch an der Schulter zu packen, worin ich mich auch sogleich festkralle. Jo quiekt erschrocken, dann umklammert sie meinen rechten Arm und zerrt verzweifelt daran herum um sich von mir loszumachen. Doch den Gefallen tue ich ihr jetzt noch nicht, erst als der Schmerz bei mir fast abgeklungen ist löse ich meine verkrampfe Hand ein wenig.
„Was sollte das denn?“ zischt sie verärgert und schüttelt meinen lädierten Arm schließlich doch ab.
„Jetzt hab ich nen Krampf wegen dir.“ Ignoriere ich ihre Frage und streichle behutsam über meinen, zugegeben etwas wabbeligen, Bizeps.
„Und ich nen weiteren blauen Fleck in meiner Sammlung. Was hältst du davon, wenn ich ihnen Namen gebe? Den hier werde ich Johannes nennen, nach deinem ach so beschädigten Schwanz, du alter Hypochonder.“
„Er ist BLAU!!“
„Und lila und rot und grün, ich weiß.“
„Gott, wenn der jetzt gebrochen ist . . .“ Panisch starre ich auf meine Shorts und erinnere mich, dass sie erst letzte Woche irgend so einem armen Schwein seine Männlichkeit amputieren mussten ,weil das Teil vollkommen Matsch war.
„Ist er nicht.“
„Woher willst du das denn wissen?“
„Zeig mal her.“
„WAS???!!“ Spinnt sie jetzt völlig?
„Mein Gott, jetzt stell dich nicht so an. Das wird keine Racheaktion, ich werd ihn nicht abschneiden oder so.“
„Wie wärs mit nem Deal: ich nehm dich mit nach Deutschland, gratis, für lau und du lässt klein Lauri in Ruhe, ja?“
„Ich wollt dir doch nur helfen oder glaubst du wirklich, dass ich auf . . . auf . . . deinen Johannes scharf bin??“
Für einen Moment funkeln wir uns an, ich atme geräuschvoll ein und will gerade zu einer heftigen Antwort ansetzen als ich es mir plötzlich anders überlege, mich stattdessen wieder ein bisschen entspanne und vorsichtig zwei Finger von Jos Hand in meine rechte nehme.
„Willst du jetzt mitkommen oder nicht?“ Sie schlägt die Augen nieder und starrt für eine Weile auf meinen Unterarm, an dem man noch undeutlich die Spuren unseres kleinen Kampfes sehen kann.
„N bisschen Urlaub wär schon nicht schlecht, mal rauskommen und so . . . außerdem hab ich ja niemanden zum Streiten wenn du nicht da bist.“
„Das heißt also ja?“
„Ich denke schon, ja.“
„Cooool . . . Grinsend zupfe ich ein bisschen an ihren Fingern, bevor sie mich an sich zieht und für eine Millisekunde umarmt. Ohne ein weiteres Wort dreht sie sich schließlich und verschwindet in der Küche.
Ich dagegen tappse langsam zurück in mein Bett und ziehe mir dort die Decke über den Kopf um in völliger Dunkelheit vor mich hingrübeln zu können.
Euphorie breitet sich in mir aus, wenn ich daran denke, dass Jo mich nach Hamburg begleiten und dort zwei volle Tage mit mir verbringen wird. Aki hält sie für einen eingebildeten Schnösel, so wie mich eigentlich auch, aber da ich Heimvorteil habe wird sie die ganze Zeit bei mir sein. Ich denke, ich freue mich deshalb so, weil ich sie schlichtweg brauche. Weil sie mich glücklich macht, weil sie für mich da ist und weil ich sie hasse.

[Samstag 13:35]

Joanna

Unruhig rutsche ich auf dem unbequemen Plastiksessel herum, überschlage die Beine, wippe mit dem Fuß, stehe wieder auf und reiße entnervt meine Tasche an mich. Ich hasse warten.
Und Warten am Flughafen besonders, ganz allein. Wenn ich hier eine ruhige Ecke finden würde, könnte ich mich wenigstens gepflegt dafür in den Arsch beißen, dass ich mich auf diesen ganzen Müll eingelassen habe. Aber neeeein, hier gibt es keine ruhige Ecke, sondern nichts außer Menschen, Menschen und nochmals Menschen . . . Menschen auf blauen Plastikstühlen, Menschen mit Remouladensoße im Gesicht und Döner in der Hand, Menschen mit schreienden Babys.
Ich werde wahnsinnig.
Aber im Grunde bin ich selbst Schuld an der ganzen Situation, ich hätte Lauri nicht mein Ticket geben sollen, dann könnte ich jetzt einfach in dieses verdammte Flugzeug steigen. Ich müsste nicht hier sitzen zwischen diesen ganzen Managertypen und Pauschaltouristen rumhocken und möglichst griesgrämig gucken damit mich niemand anlabert und mir Geschichten vom letzten Malleurlaub auf die Nase bindet.
Um mich selbst ein bisschen zu beruhigen stelle ich mir Aki und Lauri in Hawaiishorts und offenen Sandalen vor. Gerade als mich der Gedanke ein bisschen besänftigt und ich mich zum fünften Mal auf einen leeren Platz fallen lasse, kommt plötzlich ein kleines Mädchen auf mich zu und bleibt mit ernstem Gesichtsausdruck vor mir stehen. Ich werfe ihr einen kurzen Blick zu und versuche dann, sie einfach zu ignorieren, aber sie bewegt sich kein Stück vom Fleck und starrt mich unentwegt an. Unter ihrem kritischen Blick ziehe ich mir meine Reisetasche auf den Schoß und fühle geschäftig darin herum, in der Hoffnung, dass sie ihr Psychospielchen aufgibt und sich vom Acker macht. Aber den Gefallen tut sie mir nicht, im Gegenteil: Immer näher rückt sie mit ihrem sommersprossigen Gesicht, sodass ihre Karottenlocken fast in meinem Zahnputzbecher hängen. Mit einem Ruck ziehe ich die Tasche zur Seite und reiße die Augen auf, gebe grunzende Geräusche von mir und zucke mit dem linken Bein. Alle anderen kleinen Mädchen dieser Welt haben Angst vor Verrückten, nur dieses nicht.
„Emiliaaaaaaaaaa??? Schaaaaatziiiiiiiii???“
War klar dass die kleine Ratte so heißt.
An Teminal 4 taucht eine aufgeregte Mutter mit angesäuertem Ehegatten und 10 Tonnen Übergepäck auf, die sich mit ihrem Geländebuggy einen Weg durch die Menge bahnt. Vielmehr rammt sie jedem, der ihr im Weg steht das Teil in die Hacken, aber ihrem entrückten Gesichtsausdruck ist zu entnehmen, dass sie im Moment nichts anderes als ihr verlorenes Töchterchen im Kopf hat.
„JAAA MAMAAA??“
Widerlich süßer Kaugummiatem schlägt mir entgegen und ich starre geradewegs in eine dreimeterbreite Zahnlücke, die zwischen zwei angefressenen Milchzähnchen klafft.
„Da bist du ja, mein Goldstück. Papa und Mama haben dich gesuuuuucht. Hast du dir aua gemacht?“
Mit verschleiertem Blick hebt die Supermutter ihren Sprössling auf den Arm und hält ihn stolz dem Vater entgegen, der allerdings eher den Eindruck macht als wäre er über das Verschwinden seines Erzeugnisses nicht besonders traurig gewesen.
Klein Emilia gibt keine Antwort sondern konzentriert sich ganz darauf, mich weiterhin anzustarren
„Hast du eine neue Freundin gefunden, mein Hasenpups?“
„Die da kennt Lauri.“ Quakt Goldstück-Karnickelfurz plötzlich und verzieht die Äuglein zu Schlitzen.
„Stimmt nicht.“ Kreische ich aufgeregt zurück und versuche daraufhin so schnell wie möglich, Emilia und ihre hirnverbrannte Mutter loszuwerden.
Nach tausend Entschuldigungen und einem neidischen Blick von ihrem Mann zieht sie auch endlich samt Buggy ,Übergepäck und ihrer dreijährigen Tochter von dannen und so glaube ich, endlich wieder ein bisschen Ruhe zu haben.
War aber wohl nix. Mit einem Schlag legt sich eine seltsame Atmosphäre über die gesamte Wartehalle. Die Menschen scheinen langsamer zu gehen, weniger zu reden, der Geräuschpegel sinkt auf eine geradezu heilige Lautstärke. Und dann kühlt die Luft auf einmal merklich ab . . . unkwillkürlich drehe ich mich auf meinem Sitz und unterdrücke daraufhin den Drang, mir den Kopf an der Lehne blutig zu schlagen.
Direkt vor der riesigen Glastür stehen sie: zwei schwarze Gestalten, nur schemenhaft durch das blendende Sonnenlicht zu erkennen, doch schon allein ihre Umrisse drücken die Temperatur im Raum um mindestens drei Grad. Mit unübertroffener Lässigkeit durchschreiten sie die Halle, ohne auch nur einmal ausweichen zu müssen, sogar die Mülleimer scheinen ihnen ehrfürchtig Platz zu machen. Vereinzeltes Schmachten und Aufquieken ist zu hören, ansonsten nur das Knirschen von Lauris New Rock Boots, die im Deckenlicht matt glänzen.
Zwei Meter vor mir bleiben sie stehen, die dunklen Ritter, und erst als sie sich einträchtig die extra blickdichten Sonnenbrillen von den Schweinsäschen ziehen, kommt wieder Leben in den Flughafen und alles geht seinen gewohnten Gang.
„Hi.“ Eine Welle von frostiger Coolness schwappt mir entgegen.
„Arschloch!“
„Was soll das denn jetzt schon wieder??“
„Ich warte hier seit eineinhalb Stunden auf euch und du hältst es nichtmal für notwendig dich zu ENTSCHULDIGEN?“
„Ich hab auch noch anderes Zeug zu tun als hier mit dir Kaffeekränzchen zu halten, is doch dein Problem wenn du hier so früh auftauchst.“
„Auf der Karte steht . . .“
„Nur Loser halten sich an den Scheiß auf der Karte.“ Mit einem spöttischen Lächeln zieht er sich ein Kippchen aus der Brusttasche und steckt es sich an, um mir danach den Rauch genüsslich ins Gesicht zu pusten.
„Nur Loser haben lila-grüne Schwänze.“ Zische ich zurück und genieße den Moment, in dem sich ein leichter Hauch von Rot auf seine unrasierten Wangen legt.
„Das is Geschichte.“ Knurrt er und zieht von dannen um sich Nikotinnachschub für den Flug zu besorgen.
Ich bleibe also allein mit Aki zurück und mir fällt auf, dass er noch kein Wort gesagt hat. Abwartend sehe ich ihn an und blinzle kurz, als er ebenso erwartungsvoll zurückguckt. Wenn er mit Lauri befreundet ist, wird er in den nächsten drei Sekunden irgendetwas total Hirnrissiges, Beleidigendes oder Herablassendes sagen. Ich bin darauf vorbereitet. Ein Wochenende mit Finnlands arrogantesten Idioten in Hamburg ist immer noch besser als ein Wochenende zu Hause vor dem Fernseher.
Plötzlich legt er den Kopf leicht schief und sieht so selten treu-doof an, dass ich gegen meinen Willen anfange zu lachen.
„Lachst du mich aus?“
„Ich? Wie käm ich denn dazu?“ Gegen meinen Willen muss ich lächeln und könnte meinen Kopf dafür gleich schon wieder gegen die Stuhllehne schlagen. Ich kenne Aki nicht wirklich, aber gut genug um zu wissen dass er genauso drauf ist wie Lauri: überheblich, ignorant . . .
„Weiß nicht, aber manchmal hab ich Zahnpasta im Gesicht und sowas . . .“
Wenn man den Kerl so lachen sieht muss man sich unweigerlich fragen, ob sein Gesicht überhaupt breit genug ist dafür . . .
„Na was is jetzt? Wollen wir vielleicht ma in die Kiste da draußen einsteigen oder wollt ihr lieber noch n bisschen plaudern?“ Mit drei Päckchen Marlboro light (für die Gesundheit) unter dem Arm kommt Lauri angerauscht und klopft ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden.
„Juhu, Reeperbahn, Party machen . . . du feierst doch mit uns, oder?“ Er unterbricht sein Jubelgeschrei für einen Moment und sieht mich wieder mit diesem erwartungsvollen, unschuldigen Gesichtsausdruck an.
„Nee, Jo will bestimmt lieber lesen oder was anderes Langweiliges machen.“ Antwortet mein gefiederter Mitbewohner für mich und weicht geschickt meinem tretenden Fuß aus.
„Ich werd mehr Spaß haben als du, weil du nämlich nach spätestens drei Stunden in deiner eigenen Kotze ertrinken wirst.“ Keife ich zurück, packe meine Sachen und stiefle leicht angepisst zu Terminal 2 hinüber.
Auf halber Strecke holt Aki mich keuchend ein, zeigt mir seine strahlend weißen Zähne und nimmt mir dann die Reisetasche aus der Hand.
„Mach dir nix draus, der hat mal wieder einen seiner 29 schlechten Tage im Monat.“
„Na Gott sei Dank haben wir nicht Februar.“ Erwidere ich und bereue eine Sekunde später diesen verunglückten Witz. Aki kriegt sich allerdings vor Lachen fast nicht mehr ein und hievt mit Mühe und Not unser Gepäck aufs Band, bevor er mich wieder anstrahlt und der netten Dame unsere Tickets unter die Nase hält, wo immer er die auch herhat . . .
„Das wird bestimmt total lustig!“
Ich grinse fast schon genauso überdreht wie der kleine Drummer vor mir, als ich meine Karte einstecke und dafür den Pass aus der Jackentasche krame.
„Jaaa, genau . . . danke wegen dem Gepäck und so . . .“
„Keeeein Problem.“
„Woher kennt ihr euch eigentlich?“ murrt Lauri, der mich irgendwie komisch von der Seite anlinst und sich dabei seinen abgefuckten Rucksack auf den Rücken zerrt.
„Von früher . . . und von deinen Partys.“ Füge ich hinzu und sehe nun Aki leicht rot werden.
Lauri ist nämlich nicht der einzige, der mit seinen blöden Baggersprüchen kleine aufgetakelte Teenieschlampen aufreißt und ihnen dann kopfüber ins Dekollete fällt. Im Gegensatz zu Aki ist ihm dass nur nicht im Geringsten peinlich.
„Aha . . .“ Der Fürst der Finsternis will gerade wieder in missgelauntes Schweigen verfallen, als ein Kinderschrei die Luft durchschneidet.
„DU LÜGNERIN!!!!!“ Mit hochrotem Kopf kommt klein Emilia auf mich zugerannt und beginnt wie wild an meiner Jeans zu zerren. „Du kennst ihn, du kennst ihn!! Ich hab euch gesehn!!!“ Sie prügelt ein paar Mal auf meinen Oberschenkel ein, dann wendet sie sich abrupt ab und starrt ehrfürchtig zu Lauri empor, der sichtlich mit der Situation überfordert ist.
Allmählich dämmert ihm aber, dass es sich hierbei um einen zahlenden Fan handelt und so kniet er sich zu Pupsehäschen hinunter und setzt ein wunderschönes, täuschend echtes Lächeln auf.
„Na, kennst du Jo, Kleines?“
„Das is ne Lügnerin die hat gesagt die kennt dich nicht aber das stimmt nicht ich hab euch mal zusammen gesehn auf der Straße vor dem Kindergarten und du hast grade mit der geredet und . . .
„Wieso sagst du, dass du mich nicht kennst??“ Mit einem Ruck springt er auf und rückt mir für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr auf die Pelle.
„Weil ich mich weigere jemanden zu kennen, der mich als prüde Schlampe bezeichnet?“
gebe ich zurück und ziehe dabei bedeutsam die Augenbrauen hoch.
Lauri schnaubt nur und stampft dann ohne ein weiteres Wort für seinen kleinen Fan in Richtung Boarding davon. Aki stattdessen kramt aus den Untiefen seines Mantels einen Stift und kritzelt einen seltsamen Schnörkel auf die Brotdose von Emilia bevor er mich am Arm packt und hinterherschleift.
„Jetzt ist er wohl noch angepisster.“ Seufze ich und schnuppere die Brise von seinem Aftershave, die mir plötzlich in die Nase steigt. Riecht neu, aufregend irgendwie . . .
„Och, scheiß drauf. Er könnte ja auch einfach mal sein Maul halten.“
Ich grinse in mich hinein, erwidere aber lieber nichts darauf. Man sollte einem von zwei Männern nie zu sehr vertrauen, die stecken immer unter einer Decke . . .

[später]

Wir durchfliegen eine Wolkenbank nach der anderen, während der Flugzeugboden zu meinen Füßen unablässig vibriert. Ich hatte gehofft, wenigstens ein kleines bisschen Meer zu sehen, aber der Nebel hinter dem Fenster ist so dicht, dass ich nicht einmal die Turbinen deutlich erkennen kann. Einerseits bin ich ganz froh darüber, nicht mit ansehen zu müssen wie diverse Zugvögel in den Dingern zu Hackfleisch verarbeitet werden, andererseits hätte ich aber schon gerne Gewissheit, dass sie sich überhaupt noch drehen.
Lauri scheißt auf irgendwelche Vögel, ihn interessieren nur die Teile von ihnen, die in seinem Kopf stecken. Manchmal denke ich, dass sich wohl eines Tages so eine kleine Daunenfeder durch seine Elefantenhaut durchgefressen und sich irgendwie in seinem Hirn verklemmt hat. Würde jedenfalls einiges erklären
Im Moment ist er allerdings friedlich, sein Kopf schlenkert zwischen meiner Schulter und der Flugzeugwand hin und her, doch das stört klein Ülle wenig. Im Gegenteil: er grunzt dabei ab und an auch noch zufrieden und ich kriege allmählich Angst, dass er mich demnächst ansabbern wird. Wenn auch nur ein Tröpflein . . .
„Magst du Scrabble spielen?“
„Was?!!“ erschrocken fahre ich zusammen und ramme dabei versehentlich meinen Ellbogen zwischen Lauris Rippen. Seiner Knofi-Sabber bin ich jetzt zwar entkommen aber dafür stecken wir jetzt in der peinlichen Situation, dass er eben SEINEN Kopf an MEINER Schulter hatte.
„Kreisch doch nicht so.“ murrt er mit leicht geröteten Wangen und zieht sich seine Kapuze über den Kopf, sodass ich sein Gesicht nicht mehr sehen kann.
„Was musst du auch am helligten Tag pennen.“
„Ich hatte heute Nacht was Wichtigeres zu tun als Schlafen.“
„Ach ja??“
„JA! Und jetzt bild dir bloß nicht ein, ich müsste dir ständig erzählen was ich mache.“
„Tu ich doch gar nicht, DU bildest dir ein, dass ich das wissen will.“
„Pf . . .“ er kräuselt verächtlich sein Näschen und wendet sich dann wieder von mir ab, aber so schnell lasse ich nicht locker.
„Wie wärs ,wenn du mal in ganzen Sätzen mit mir sprichst?“
„DU NERVST!“
„Und du kotzt mich an mit deinem Diva-Gezicke.“
„Ich glaub, bei dir hakts!!“ Wütend zerrt er sich die Kapuze vom Kopf und starrt mich mit funkelnden, hasserfüllten Augen an.
„Was kann ich denn dafür, dass du ständig so beschissene Laune hast?!“
„Wenn ich nicht ständig dein scheiß Arschgelaber hören müsste, würds mir wesentlich besser gehen.“
„Dann steck dir doch Tampons in die Ohren, wenn’s dich so stört.“
„Du bist so . . . ahhhhhrgh.“ Wütend knallt er das kleine Tablett vor meiner Nase gegen den vorderen Sitz und krallt sich mit der anderen Hand so schmerzhaft in meinen Unterarm, dass ich leise aufkeuche.
„Jetzt hört doch mal auf, ihr versaut uns noch den ganzen Tag mit eurer Kinderkacke.“ Mault Aki dazwischen und befreit mich mit einem Ruck aus Lauris Umklammerung.
„Wenn ich ihn so ankotze, warum hat er dann überhaupt gefragt, ob ich mitkomme, hää?“
fauche ich zurück und beschließe prompt, Master Ylönen keines weiteren Blickes zu würdigen.
Der macht mir aber schneller einen Strich durch die Rechnung, als mir lieb ist. Denn bevor ich ausgesprochen habe, packt er mich erneut und reißt mich zu sich herum, sodass sich unsere Nase beinahe berühren.
„Weil ich es wollte, okay?“ murmelt er und sieht mich dabei mit einem Blick an, den ich bei ihm noch nie gesehen habe. Er macht mir Angst in diesem Moment und doch habe ich für eine Millisekunde das Bedürfnis, ihm in die Arme zu fallen und ihn mit Haut und Haaren zu verschlingen. Erschrocken über diesen eigenartigen Gedanken zucke ich zurück und lande dabei prompt an Akis Brust, der sich anscheinend zum Lauschen ein bisschen zu uns herüber gebeugt hatte. Ein angenehmer Schauer fährt mir über den Rücken, als ich die Hitze seines Körpers spüre und so grinse ich leicht debil, als ich mich zu ihm umdrehe, um das Chaos auf seinem Klapptischchen zu begutachten.
„Na, was is jetzt mit Scrabble, mhm?“
Lauri macht gerade den Mund auf, um zu protestieren, doch sein Kumpel ist schneller und hat ihm bereits eine handvoll Buchstaben in den Schoß geworfen, bevor er auch nur unwillig knurren kann.
„Ich kann das aber gar nicht.“ jammere ich und werfe Aki einen verzweifelten Blick zu. Der setzt allerdings nur wieder sein Zahnpastalächeln auf und rückt mir plötzlich so nahe auf die Pelle, dass ich für einen Moment fast vergesse zu atmen.
„Macht doch nix, ich zeig dir wies geht.“ Dank der fehlenden Armlehne zwischen unseren beiden Plätzen spüre ich jetzt ständig diese wahnsinnig gestählte Drummerbrust an meine Rücken, wenn ich mich bewege, während mir links und rechts ein paar muskulöse Oberarme durchs Blickfeld huschen. Dieser kleine arrogante Schnösel bildet sich doch nicht tatsächlich ein, dass ich auf seine dämliche Anmache reinfalle? Bin ich 15??
„Was ist denn?“ kommt es nach einer Weile besorgt, weil ich schweigend und steif wie ein Stock zwischen ihm und dem Klapptischchen klemme. „Hab ich . . . bin ich . . . sorry, ich wollt dich nicht so . . .“ Betreten rückt er ein Stück von mir weg, sodass ich mich zum ihm umdrehen kann, und knabbert hektisch an seinen Fingernägeln herum.
„Was wolltest du nicht?“
„Ähm, also . . . dich so bedrängen. Weißt du, ich bin nicht so . . . ich wollt bloß . . . das Spiel . . . . Diese Partys, da war ich ziemlich betrunken, du denkst jetzt bestimmt . . . aber das stimmt nicht, weil . . .“
Er fuchtelt plötzlich hilflos mit den Armen herum und ich sehe fasziniert zu, wie er dabei die Hälfte der Scrabblesteinchen über unsere Sitzreihe verteilt.
Arrogantes Arschloch und Ülles Freund hin oder her, ich kann mich nicht mehr beherrschen und kichere los. Mir kommen fast die Tränen als ich Akis bedeppertes Gesicht sehe und sogar Lauri fängt neben mir an, leicht zu grinsend. Ich nutze meine Chance und kitzle ihn vorsichtig an der Hüfte, woraufhin er erschrocken aufquiekt und sich sogar ein Lächeln abringt, als ich ihn mit verschmiertem Kajalgesicht treudoof anschiele.
„Jaaaaa, lacht nur über mich, Hauptsache ihr hört auf euch gegenseitig die Köpfe einzuschlagen.“ Brummt es neben mir und klein Hakala versucht eingeschnappt die Spielsteinchen vom Boden aufzusammeln.
„Aki, lass das.“ Vorsichtig zupfe ich an seinem Ärmel und lege meine Hand vorsichtig auf seine, als er nicht reagiert. Mit einem Ruck fährt er hoch und schlägt sich dabei glatt den Kopf am Vordersitz an. Unsicher betatscht er seinen Hinterkopf und starrt gleichzeitig unsere Hände an, bevor sich ein leichtes rosa auf seinen Wangen ausbreitet.
„Wieso denn?“
„Weil wir gleich landen und die nette Dame dadrüben gerne hätte, dass du dich anschnallst.“ Murmle ich und deute mit dem Kopf zum Gang wo eine mehr als übergewichtige Stuartdess im kurzen Röckchen steht und Aki mit gierigen Augen geradezu verschlingt. Ihre fleischigen Hände sind im Begriff in seinen Schoß einzutauchen und dort jede Menge Zeug anzustellen, das nicht unter die Kategorie „Gurt schließen“ fällt. Panisch schlägt er sie zur Seite und friemelt den Gurt zusammen, bevor sie seinem Heiligtum noch einmal näher als unbedingt nötig kommen kann. Hoffnungsvoll wirft sie einen Blick zu Lauri hinüber, doch der hat sich in weiser Vorraussicht bereits angekettet und lässt jetzt schadenfroh eine Reihe kleiner Mäusezähnchen aufblitzen. Beleidigt und sichtlich enttäuscht trollt sich Mme Saftschubse, um ein neues, vielleicht willigeres, Opfer zu finden.
„Gut gemacht.“ Murmle ich, während sich die Maschine allmählich in den Sinkflug begibt und mein Magen irgendwo zwischen meinen Knien herumschlackert.
„Blöde Kuh.“ Kommt es vom Fenster zurück, aber Lauri lächelt und stupst mich vorsichtig mit der Schulter an, worauf ich meinen Kopf für eine Sekunde an seinen Oberarm lehne.
Länger dauert unsere kleine Versöhnungsfeier allerdings nicht, denn neben mir gibt Aki plötzlich ein entsetztes Quieken von sich. Ehe ich überhaupt kapiere, was los ist, hängt er wie ein nasser Sack an mir und jammert, dass wir in spätestens zwei Minuten alle eines grausamen Todes sterben werden. Lauri giggelt noch irgendwas von Höhenangst vor sich hin und ich frage mich zum zweiten Mal an diesem Tag, worauf zum Teufel ich mich mit diesem Psychotrip wieder eingelassen habe.

Eine Stunde später sitzen wir zu dritt im Taxi und lassen Hamburgs Lichtermeer auf uns wirken. Mir ist schon ganz schlecht von dem ganzen bunten Kram und auch Aki neben mir macht nicht mehr den allerfrischesten Eindruck. Der Flug hat ihm wohl ganz schön zugesetzt, er ist bleich wie ein Stückchen Camembert und labert bei weitem nicht soviel Müll wie sonst . . . gut, eigentlich sagt er gar nichts. Sollte ich mir Sorgen machen?
Lauri hat mir vorhin gesteckt, dass es jedes Mal das gleiche Drama bei der Landung ist und das die Jungs die zwei Stunden nach dem Flug immer nutzen um sich ein bisschen aufs Ohr zu legen weil klein Aki dann ausnahmsweise mal die Fresse hält.
Beruhigend tätschle ich dem Invaliden das Knie, doch der würgt nur verzweifelt und so ziehe ich meine Hand ganz schnell zurück und beobachte lieber Lauri, der links von mir sitzt und wie wild auf seinem Handy herumdrückt.
Das ist auch so eine Sache, über die ich mich maßlos aufregen könnte: ICH biete mich an und will mich auf den Beifahrersitz setzen, aber nein, Daunenfeather befördert mich mit Gewalt auf den Rücksitz, sodass ich jetzt zwischen zwei ungeduschten Möchtegernrockstars eingeklemmt bin. Warum zum Teufel setzten die sich nicht nach vorne? Gut, Aki könnte den Taxifahrer ankotzen, aber was ist mit Lauri? Hat er Angst, nen Jetlag oder will er mich einfach nur ärgern?
„Was machst du da?“
„Nix.“
„Du drückst schon seit fünf Minuten auf deinem blöden Telefon rum.“
„Na und?“
„Du musst doch irgendwas machen.“
„Es geht dich überhaupt nichts an, was ich wann wo mache, kapiert? Das hab ich dir schon tausendmal gesagt, wann raffst dus endlich??“
Ohne mich zu einer Antwort herabzulassen wende ich meinen Blick ab und starre genervt durch die Windschutzscheibe nach vorne. Ich will endlich ins Hotel und von diesen Spacken loskommen, bevor Aki seinen Mageninhalt vor meinen Füßen entleert und ich mich nicht mehr davon abhalten kann, Lauri endlich zu töten.
„Was?“
„Was was?“
„Wieso sagst du nix?“
„Was soll ich denn sagen?“
„Weiß ich doch nicht, irgendwas, was du sonst auch immer sagst. Nenn mich mieser kleiner Wichser, Arschloch-Ylönen oder sowas . . .“
„Nöööö.“
„Warum??“
„Ich hab jetzt keinen Bock auf deine arroganten, kindischen Deppensprüche anzuspringen.“
„Tust du aber grad.“ Er grinst und rückt näher, sodass er fast auf meinem Schoß sitzt und ich ziemlich heftig gegen Aki gepresst werde. Der stöhnt nur qualvoll auf und ich seh schon in Gedanken, was er heute zu Mittag hatte . . .
Dieser Arsch weiß ganz genau, dass es mich rasend macht, wenn mir jemand zur sehr auf die Pelle rückt und das nutzt er jetzt schamlos aus. Aber den Gefallen werd ich ihm nicht tun, neineineineinein . . .
„Lass mich in Ruhe.“
„Mann, jetzt sag doch mal was Gescheites.“
„Ich will aber nicht.“
„Ich hab aber Bock, mich mit dir zu streiten.“
„Und deshalb gehst du mir schon den ganzen Tag auf den Keks.“
„Heute Nachmittag hast du mich wirklich angekotzt aber jetzt hab ich einfach Lust drauf, irgendwen zu ärgern.“ Er kichert und sieht dabei so unschuldig aus wie ein kleiner Junge, aber in Wirklichkeit ist er die Boshaftigkeit in Person, dieser kleine, miese . . .
„Jetzt lass sie endlich in Ruhe, Mann. Du NERVST!“ nuschelt Aki plötzlich irgendwo zwischen meinem rechten Ohr und dem hinteren Seitenfenster.
„Ihr seit Langweiler.“ Mault der Fürst der Finsternis eingeschnappt und widmet sich weiter seinem Handy, um uns wenigstens mit diesem blöden Geklacker noch ein wenig auf den Sack zu gehen.
„Geht’s einigermaßen?“ Ich wende mich fragend an Aki und rücke gleichzeitig ein Stückchen von ihm ab, damit sein malträtierter Magen wieder etwas mehr Platz in seinem ohnehin schon zierlichen Körper hat.
„Mhmm, muss ja . . . Ich hasse fliegen.“ Er grinst schon wieder und ich fühle, wie sich meine Mundwinkel gegen meinen Willen in Richtung Augenbrauen verziehen.
„Schaffst dus denn nachher überhaupt noch auf diese komische Aftershowparty? Du siehts so käsig aus . . .“
„Jaaaaaaaaaa, klar gehn wir dahin. N kleines Bierchen und ich hab hübschere Apfelbäckchen als dieses kleine Mädchen aus der Werbung.“ Alles klar, ich versteh zwar keinen Ton, aber gut. Hast Recht, grinz, kuhl.
„Naja viel Spaß dann, wird sich wohl schnell rumsprechen wenn du doch ins Publikum kotzen solltest.“
„Ähm, du kommst doch mit.“
„Wohin?“
„Na auf die Party!“
„Neee . . . lieber nicht.“
Mein Blick fällt auf Lauri, der sein Handy inzwischen eingepackt hat und mich jetzt mit undurchdringlichem Blick mustert. Ich hab echt keine Lust, ihm nachher zuzusehen, wie er Unmengen an Alkohol in sich hineinschüttet, n paar Tabletten dazuschluckt und dann völlig fertig irgend nem beschissenen Groupie in die Arme fällt, die ihm dann den Rest gibt und ihn halb im Koma auf dem Klo liegen lässt. Und bei Aki kann ich da auch gut drauf verzichten.
„Jetzt komm schon.“
„Nein, ich hab keinen Bock. Feiert ruhig mit diesen ganzen reichen Pseudos, ich geh lieber auf die Reeperbahn und . . .“
„Das is viel zu gefährlich.“ Quietscht Aki plötzlich und packt mich plötzlich am Arm, als würde ich sofort und auf der Stelle aus dem Taxi zu springen und mich dem nächstbesten Zuhälter anbieten.
„Außerdem hab ich dich nicht mitgenommen, damit du das ganze Wochenende irgendwo alleine rumlatschst.“ Ich mag diesen Blick bei Lauri nicht, ich hab keine Ahnung, was er denkt und das macht mir Angst.
„Was soll ich denn da? Ich kenn eh kein Schwein und die halten mich am Ende noch für die Tusse vom Catering.“
„Neee, Jo, pass mal auf. Lauri und ich holen da jetzt unsern Blechpokal ab, dann gehen wir auf die Party, greifen uns was zu trinken ab und dann feiern wir unsere eigene Party. Is eh viel lustiger ohne die ganzen Schnösel.“ Aki lockert den Griff um meinen Oberarm und legt zu allem Überfluss noch den Kopf schief, sodass ich nur noch hilflos nach Luft schnappen kann wie ein gestrandeter Fisch.
„Oh yeah.“ Fügt Lauri hinzu, lächelt dieses seltsame Lächeln und lehnt sich dann zurück in seinen Sitz um zu verdeutlichen, dass die Diskussion beendet ist. Ich gehe also mit den beiden Freaks auf diese Promiparty und werde verklemmt irgendwo in der Ecke stehen, während die andern sich ein paar 14-Jährige zum Spielen holen. Total Supi, echt.
Wieso kann ich nicht einfach in ne Bar gehen, mich betrinken und abschleppen lassen?

„Jo? . . . Joanna??“
„Was denn?“ fauche ich gereizt zurück und knete nervös den Inhalt meiner Handtasche durch.
„Du darfst hier atmen.“
„Hä?“
„Du brauchst nicht die Luft anzuhalten.“
„Tu ich doch gar nicht. Was willst du überhaupt schon wieder von mir!?“
„WIR müssen davor, um den Preis zu holen, du kannst ganz ruhig und gechillt hier sitzen bleiben.“ Mit Nachdruck nimmt mir Aki die Tasche aus der Hand und wirft sie Lauri auf den Schoß, der sie abwesend in seinen vergammelten Rucksack packt.
„Was sollte das denn jetzt?? Die find ich nie wieder, in dem Ding gibt’s garantiert noch irgendwo Finnmark und irgendwelche Dinosaurierknochen!“
„Die kriegst du schon wieder.“ Versucht Aki mich zu beschwichtigen, aber Lauri feuert sofort giftige Blicke auf mich ab und verpasst mir einen saftigen Tritt gegens Schienbein.
Ich unterdrücke ein Aufjaulen und balle die Hände zu Fäusten, während mir die Tränen in die Augen schießen. Fuck, wie kann nur soviel Kraft in sonem kleinen Kerl stecken?
Im nächsten Moment schmeißt sich etwas Warmes, Schweres auf meinen Schoß, das sich als Aki entpuppt und prompt beginnt, seinem Kumpanen eine Moralpredigt zu halten.
„Musst du immer so brutal sein?? Sie hat dir gar nix getan.“
„Sie hat über meinen Rucksack gelästert!“
„Das Teil is echt schlimmer als n Loch ohne Boden, du hattest überhaupt keinen Grund gleich loszuschlägern.“ Keift er zurück und für einen Moment huscht ein trauriges Lächeln über mein Gesicht. Würde er sich wegen eines dämlichen Fußtritts auch so aufregen, wenn er wüsste, dass es für Lauri normal ist, seinen Frust an mir auszulassen? Wenn er mein blaues Auge gesehn hätte, meine geschwollene Hüfte?
Die beiden sind gerade dabei, darüber zu diskutieren, ob die Tränen in meinen Augenwinkeln reiner Reflex oder doch Schmerz sind, als ich dazwischen gehe und sie sanft auseinander schiebe.
„Is jetzt egal, okay?“
Aki zieht nur die Augenbrauen nach oben, während Lauri etwas in sein Oberlippenbärtchen nuschelt, das sich verdächtig nach einer Entschuldigung anhört.
„Ich wollte deinen geliebten Rucksack nicht beleidigen. Bin nur so nervös zwischen den ganzen wichtigen Leuten und so . . .“
„Passt schon.“ Mit einem Schlag scheint er besänftigt zu sein und ich stehe für einen Moment unter Schock, als er mir plötzlich einen dicken Schmatzer auf die Wange drückt.
„Was zum . . .?“ Mit meinem Ärmel wische ich mir die Sabber von der Backe und schmiere sie umgehend Lauri ins Gesicht, der zwar leise quiekt, aber nicht schnell genug ist um auszuweichen.
„Jetzt wollt ich mal nett zu dir sein und du zickst nur wieder rum.“
„Ich hätt mich ja über deine plötzliche Zärtlichkeitsattacke gefreut, wen sie mich nicht so übelst an Döner erinnern würde.“
„Was willst du mir damit sagen?“
„Dass du nach Knoblauch stinkst, Alter.“ Plärrt es im Sitz neben mir. Lauri läuft mit einem mal knallrot an und zu seinem Pech fangen die Leute um uns herum auch noch dezent an zu klatschen, während sie Aki und mir dankbare Blicke zuwerfen.
Mit tief ins Gesicht gezogener Mütze stopft sich klein Lintu eine Handvoll Kaugummis in den Mund und kaut mit vollen Hamsterbacken darauf herum, stets darauf bedacht nur nicht nach links oder nach rechts zu gucken.
Ich kann mir ein Kichern zwar nicht verkneifen, aber eine plötzliche spontane Eingebung veranlasst mich dazu, mir Lauri Wange zu krallen und ihm einen zarten, hauchigen Kleinmädchenkuss aufzudrücken.
„So macht man das.“ Raune ich ihm zu, aber er reagiert nicht wirklich, einzig das Rot seines Kopfes wird ein bisschen dunkler.
„Er stinkt wien Iltis und kriegt auch noch nen Kuss, ich raffs nicht . . .“
Aki sieht irgendwie komisch aus, wenn er nicht lacht. Das ist verdammt ungewohnt und gefallen tut mir das schon gar nicht. Außerdem hat er soeben behauptet, dass ich Lauri gerade GEKÜSST hätte! Als ob ich je im Leben auf die dämliche Idee käme, Lauri zu küssen . . . ich tackere mir ja schließlich auch nicht die Arschbacken zusammen. Wäre genauso absurd, wenn nicht sogar wahrscheinlicher.
„Das war kein Kuss.“ Fauche ich zurück und packe Akis Unterarm, damit ich wieder etwas habe, an dem ich mich festkrallen kann.
„Natürlich war das ein Kuss, ich habs doch gesehn!“
„Ylönen, jetzt sag doch auch mal was.“ Das kleine schwarze Häufchen neben mir reagiert nicht, es kaut nur in rhythmischen Bewegungen auf dem dicken Kaugummiklumpen in seinem Mund herum und starrt stur geradeaus auf die Bühne.
„Siehst du, er ist ganz platt.“
„Blödsinn.“
„Hättest mir ruhig sagen können, dass da was geht zwischen euch.“
„Da geht aber nichts. GAR nix, niente. LAURI!!“
Ich ramme ihm den Ellbogen zwischen die Rippen, sodass er leise aufkeucht und sich ein bisschen zusammenkrampft, bevor er ausholt und mich zurückschubst, sodass ich zum x-ten Mal an diesem Tag an Akis Brust klebe.
„Halt einfach die Klappe, bevor du mich noch mal blamierst, kapiert? Du führst dich auf wie die letzte Landpomeranze, das is so dermaßen peinlich mit dir, echt.“
„Würde er sowas zu mir sagen, wenn . . .“
Aki bringt mich mit einer Handbewegung zum Schweigen und geht stattdessen keifend auf Lauri los.
„Jetzt lass hier bloß nicht den großen Pascha raushängen. Nur weil du fauler Sack es nicht fertig bringst dir einmal in der Woche die Zähne zu putzen musst du nicht gleich auf Jo losgehn.“
„Haslooo? Geht’s noch? Ohne mich wär sie gar nicht hier. Und wenn dieses kleine verlogene Miststück . . .“
„LAURI! Es reicht.“
„Ach leck mich doch . . .“
„Mit Vergnügen.“
Die beiden werfen sich einen kurzen Blick zu, während ich plötzlich merke, dass Aki seinen Arm während der Diskussion schützend vor meinen Bauch geschoben hat.
Etwas verlegen lässt er mich los und setzt wieder sein Colgate-Lächeln auf, während mein liebenswürdiger Mitbewohner mit verbissenem Gesichtsausdruck das Geschehen auf der Bühne verfolgt.
„Danke.“ Murmle ich leise und versuche ebenfalls ein Lächeln, es scheitert aber kläglich, als ich den eisigen Blick spüre, mit dem Lauri meinen Rücken durchbohrt.
„Mhm, meinst du, ich hab mir jetzt auch sowas verdient?“
„Was meinst du?“
„Na sowas, was er hatte.“
„Achso . . . na ja, irgendwie schon.“ Ich komme mir so dämlich dabei vor, hier zwischen diesen ganzen berühmten Leuten zu sitzen und mit einem Menschen zu tuscheln, den ich erst vor 12 Stunden richtig kennengelernt habe. Und jetzt will er auch noch . . . neineinein, ich kann das nicht . . .
Meine Hand macht sich selbstständig und legt sich vorsichtig auf seine stoppelige rechte Wange, während er grinsend die Augen schließt und die Hände brav wie ein kleiner Schuljunge in den Schoß legt. Ich strecke mich ein wenig und stütze mich auf seinem Knie ab, während ich mich zu ihm hinüberbeuge. Ganz, ganz langsam nähern sich meine Lippen ihrem Ziel, er sitzt geduldig da, lächelt nur und kräuselt kurz das Näschen, als ihm eine kleine Wolke meines Parfums ins Gesicht weht. Nur noch ein paar Zentimeter . . . noch zwei . . .noch einer . . .
„Und die Gewinner in der Kategorie „Beste Band“ sind . . . THE RASMUS!!“
Dreißigtausend Scheinwerfer schwenken auf uns und ich sitze mit einem Mal stocksteif und mit aufgerissenen Augen in meinem Sitz, während sich Aki und Lauri ganz gechillt aufrappeln und nach vorne auf die Bühne latschen. Gott sei Dank folgen ihnen Kamera und Licht, sodass ich in Ruhe meinen Schock verarbeiten kann. Wobei ich im Moment eigentlich gar nicht so richtig sagen kann, was jetzt der wirkliche Schock war: dass ich um ein Haar Aki geküsst hätte, wenn auch nur auf die Wange, oder dass mich soeben um die 600. 000 Menschen im Fernsehen gesehn haben? Ich versuche einfach beides zu verdrängen und zerre in einer plötzlichen Eingebung meine Handtasche aus Lauris Rucksacksack, den er ganz vertrauensvoll zurückgelassen hat. Die beiden stehen immer noch da unten auf der Bühne, kriegen ihren Preis in die Patschpfoten gedrückt und halten noch eine herzzerreißende Dankesrede an Fans, Freunde und Familie. Ich wette, die ziehen sich sowas aus dem Internet, Lauri wäre nie in der Lage, sich bei irgendjemandem für seinen Erfolg zu bedanken. Es sei denn, bei der Firma, die den Finlandia herstellt, aber ich bezweifle, dass die Lederhosen hier überhaupt wissen, was das ist.
Dann schallt No Fear durch die Halle, die beiden verlassen den Stagebereich und es geht weiter im Programm. Nervös warte ich darauf, dass sie sich wieder neben mir einfinden und ich nicht so allein zwischen diesen ganzen wichtigen Leuten sitzen muss, aber auch nach zehn Minuten hocke ich nüsschenlos auf meinem Platz und versuche, mich möglichst klein zu machen und nicht aufzufallen. Erst, als ich langsam anfange pissig zu werden, taucht neben mir ein schwarzgekleideter Mensch mit Headset auf, der mich fuchtelnd dazu auffordert, unsere Sachen zu packen und ihm zu folgen. Verwirrt spiele ich das kleine Spielchen mit und schleppe des Masters Beautycase, inklusive meiner Handtasche und Akis obligatorischer Wasserflasche aus der Halle heraus und durch einen laaaangen, langen Flur, der scheinbar kein Ende findet.
Irgendwann platzt mir der Kragen und ich donnere den ganzen Krempel einfach auf den Boden, was mir entsetzte Blicke von ein paar anderen Headsetleuten einbringt, die in unregelmäßigen Abständen an uns vorbeihetzen. Mein Kidnapper läuft bestimmt noch zwanzig Meter weiter, bis er rafft, dass ihm etwas abhanden gekommen ist.
„Ist etwas nicht in Ordnung?“
„Oh ne, alles klar, mir geht’s gut. Ich hätt da nur sone klitzekleine Frage.“
„Wissen Sie, wir stehen sehr unter Zeitdruck und . . .“
„Wohin gehen wir denn verdammt noch mal und wo sind die kleinwüchsigen Finnen hin, mit denen ich hier bin?“
„Hat man Ihnen nicht gesagt, dass ich sie zur Aftershowparty bringe?“
„Nein hat man nicht.“ Grummle ich zurück und schultere unser Gepäck, um im nächsten Augenblick leicht entnervt an Mr. Wichtig vorbeizurauschen.
„Ich nehm mal an, es geht geradeaus? . . . Ohhh, es gibt ja nur eine Richtung,jetzt merk ich’s erst, ist das nicht furchtbar lustig???“
Er starrt mich nur entsetzt an und setzt sich dann schleunigst wieder an die Spitze unserer kleinen Zweimanntruppe. Anscheinend versteht er meinen Humor nicht, aber das macht nichts, ich war auch schon mal lustiger. Jedenfalls freue ich mich jetzt schon diebisch darauf, Lauri seinen dämlichen Rucksack um die Ohren zu hauen und Akis Frisur mit etwas Vittel aufzupeppen. Die kleinen Ratten sollen es noch einmal wagen, mich irgendwo sitzen lassen, dann krachts, und zwar gewaltig. Dann ist Schicht im Schacht . . .
„Soo, da wären wir.“ Vor lauter Rachegelüsten laufe ich fast meinem netten Begleiter in den Rücken, der sofort einen Schritt zur Seite macht, um ja nicht in meine direkte Nähe zu kommen. Entweder Lauris markanter Duft haftet noch an mir oder er hält mich für eine Psychopathin. Oder beides. Das wäre schlimm, ist aber wahrscheinlich.
Wir stehen vor einer riesigen schwarzen Tür, vor der sich zwei ebenso riesige Männer in schwarzer Tracht aufgebaut haben. Sie sehen ungefähr so aus wie Aki und Ülle, nur 300 Pfund schwerer und zwei Meter größer. Aber die Sonnenbrillen und der wahnsinnig coole Gesichtsausdruck kommen mir schon sehr bekannt vor, irgendwie . . .
„Muss ich jetzt gegen die kämpfen?“
„Eigentlich dürfen Sie auch so rein aber wenn Sie unbedingt wollen . . . ich würde dann aber vorher ein paar Leute zusammentrommeln und Eintritt verlangen, das wird das Geschäft meines Lebens.“
„Sie müssen dann aber später jemanden bezahlen, der die Blutlache wegwischt und meine Leiche diskret irgendwo verscharrt.“
„Das übernehmen wir . . .“ kommt es von einem der Bulldoggen an der Tür und eine Reihe strahlender Mäusezähnchen blinkt mir entgegen. Dagegen sind ja sogar Lauris richtige Hauer.
„Muss ich jetzt Angst haben?“
„Würde Sie denn jemand vermissen?“
„Mich nicht, aber den Kram hier.“ Ich schwenke triumphierend den mottenzerfressenen Rucksack in meiner rechten und werfe dem Runner einen fragenden Blick zu.
„Na da kann mal wohl nix machen, was? Dann macht ma auf, Jungs.“ Gehorsam öffnen Boris und Popey das Tor zur Welt der Reichen und Schönen und lassen mich in einen Raum eintreten, der geradezu von Dekoration überladen ist. Überall wuseln Menschen in den schrägsten Klamotten herum, es gibt unzählige Bars und ein Buffet, bei dessen Anblick ich sofort leicht nervös werde. Glücklicherweise bin ich wohl durch eine Art Notausgang eingeschleust worden, das heißt, dass niemand bemerkt hat, dass sich hier ein normalsterblicher Lastesel eingeschlichen hat. Möglichst unauffällig schleiche ich an der Wand entlang, zerre dabei Lauris Turnbeutel hinter mir her und fixiere mit den Augen dieses herrliche Tiramisu, in das ich gleich kopfüber abtauchen werden. Yumiiiii . . .
Mit Trippelschrittchen nähere ich mich dem Paradies und versuche, möglichst gelangweilt auszusehen und die ganzen Luftschlangen zu ignorieren, die von der Decke baumeln. Es sind natürlich keine normalen Luftschlangen, wie man sie auf Kindergeburtstagen findet. Neinein, das sind spezielle Luftschlangen für Promiparties: zehnmal so teuer, dafür aber aus recyceltem Klopapier hergestellt. Feine Sache also.
„Meine Fresse, da bist du ja endlich.“ Gewaltsam wird mir der Dessertlöffel aus der Hand geschlagen und ich fange beinahe an zu Flennen bei dem Gedanken daran, was mir gerade durch die Lappen geht. Denn natürlich ist es kein anderer als Mister Ylönen selbst, der diesen brutalen Überfall auf mich gestartet hat und ich würde meine rechte Arschbacke verwetten, dass er mich heute nicht mehr zum Essen kommen lässt.
„Was heißt denn hier –endlich-? Ihr habt mich einfach sitzen lassen.“
„Tut uns leid . . .“ Aki . . .
„Tut es nicht!“ Lauri.
„Wie auch immer, würdest du bitte deine Handtasche nehmen, das Ding is verdammt schwer.“
„Gib her.“
„Boah Lauriiiiii, jetzt komm mal wieder runter. Alter Raffzahn.“
„Halts Maul, Hakala, du gehst mir aufn Sack.“
„Bist du immer noch sauer, weil der eine Kerl von Green Day über deine Lyrics abgelästert hat?“
Lauri antwortet nicht sondern krallt sich ein Glas Bacardi von einem der wandernden Tabletts und kippt es sich auf die Ex die Kehle hinunter.
„Ich find deine viele besser.“ Bemerke ich scheinheilig und warte gespannt auf eine Reaktion.
Im ersten Moment geschieht gar nichts, dann wandert seine linke Augenbraue steil nach oben, gefolgt von einem skeptischen Blick.
„Echt jetzt?“
„Jaaaa, die haben viel mehr . . . Tiefgang und so.“
Aki nickt heftig, er schwankt noch ein bisschen, doch dann breitet sich schließlich ein zufriedenes Lächeln auf seinen leicht geröteten Wangen aus.
„Jaaa, scheiße, ihr habt Recht. Der kann mich mal kreuzweise . . . Magst du was trinken, Jo?“
Eigentlich will ich Nein sagen, weil ich grundsätzlich nicht trinke, wenn ich irgendwo fremd bin. Im betrunkenen Zustand verliere ich nämlich nur allzu schnell die Orientierung und dann kann es sein, dass ich nichtmal mehr nach Hause finde. Hier in Hamburg stehen meine Chancen also gut, dass ich irgendwo in der Elbe lande, statt im Hotel. Aber andererseits will ich Lauris zerbrechliche gute Laune nicht gleich im Keim ersticken und außerdem habe ich das Glas jetzt eh schon in der Hand. Wär ja schade drum . . .
„Kippis!“ Im ersten Moment denke ich, dass er mich mal wieder verarscht hat. Das Zeug schmeckt total süß, wahnsinnig lecker und überhaupt nicht nach Alkohol. Erst als mir eine angenehme Wärme den Rücken hochläuft und sich in meinem Kopf ausbreitet, merke ich, dass da wohl doch ein bisschen Wodka drin war. Wie aufmerksam von ihm, er hat sich gemerkt, dass ich das Gesöff pur nicht so sonderlich mag.
Er und Aki verzichten natürlich auf Weiberkram wie Limonade im Alk und hauen sich den Mist gleich so hinter die Binde.
„Was war das denn?“ frage ich leicht dümmlich und greife mir gleich das nächste Glas. Ich hab Durst wie blöd, schon seit Stunden und in der Halle hatte ich keinen Nerv was zu trinken.
„Keine Ahnung, sah lecker aus und du stehst doch auf sowas, oder?“
„Mhmm, ja, find ich gut.“ Ich grinse mit Aki um die Wette und zupfe ihn leicht am Shirt, als mir die kleine Chillout-Lounge auffällt, die sich an der Stirnseite des Raumes befindet.
„Ich mag mich irgendwo hinsetzen.“
„Und ich mag n Haus auf Mauritius. Man kriegt nicht immer alles, was man will, Kleines.“
„Bei deiner Größe wär ich mal ganz ruhig.“
„Ich bin eigentlich ziemlich zufrieden mit meiner Größe . . .“
„Lauri?“
„Ach ja, wenn du was willst, bist du auf einmal ganz nett, was?“
„Ich bin immer nett zu dir, wenn du nett zu mir bist.“ Er grinst ein bisschen und packt mich plötzlich an der Taille, als ein großer Servierwagen von links auf uns zusteuert.
„Was soll das denn? Laufen kann ich grad noch alleine.“
„Da wär ich mir nicht so sicher.“ Giggelt Aki dazwischen und nimmt mir vorsichtig das leere Glas aus der Hand.
„Ihr denkt doch nicht im ernst, dass ich schon dicht bin oder so??“
„Was? Neeneee, gar nich.“ Plötzlich sind sie wieder die dicksten Freunde und lachen sich ihre kleinen Miniaturärsche über mich ab. Diese Spacken, ich halts nicht aus . . .
„Ich hab grad mal zwei . . .“
„Jaaaaaa, is schon gut. Na kommt, gehen wir chillen.“ Lauri denkt nichmal im Traum daran, mich irgendwie loszulassen. Nein, er benutzt mich als Puffer und schlägt sich so eine Schneise durch die ganzen Menschen. Ich kann gar nicht oft genug Entschuldigung sagen, so oft latsche ich irgendjemandem auf den Fuß.
Als wir endlich diese blöde Lounge erreicht haben, lasse ich mich jauchzend in einen der riesigen Kissenberge fallen und grinse das debilste Grinsen, das ich auf Lager habe. Endlich nicht mehr mitten unter diesen ganzen Pseudos, wie geil . . . Gut, rechts von mir macht sich gerade einer breit und verströmt dabei diesen ganz besonderen Geruch, den nur Rockstars haben. Ein bisschen Deo, ein bisschen Tourbus und etwas, das ganz verdächtig nach Mann riecht. Ja, Lauri riecht nach Mann, wer hätte das gedacht.
Ich grüble gerade über diese neue Erfahrung nach, als Aki vor uns auftaucht und eine Flasche Sekt inklusive drei Gläsern schwenkt. Er riecht genauso, aber doch irgendwie ein bisschen anders . . . mehr nach Aftershave . . . nach dem gesitteten Rockstar.
„Was guckst du mich denn an wie die Kuh, wenn’s donnert?“
„Hö?“
„Du hast ja Augen wie Teller. Hat dir Lauri irgendwelche Scheiße über mich erzählt??“ Mit einem Plumps landet er auf meiner noch freien Seite und sieht mich beunruhigt an.
„Nee, Onkel Lauri hat gar nix erzählt. Klein Joanna is nur spitz auf die Blubberbrause, dass du da angeschleppt hast.“ Schnarrt es von rechts.
„Heyyyy, wir haben schließlich was zu feiern und jetzt tu bloß nicht so, als ob du das Zeug nich mögen würdest.“
„Jaaa, Hattu, is ja gut. Sei lieb und schenk uns was ein, ja?”
“Wird gemacht . . . Jo?“
„Bei der Arbeit.“
„Verträgst du das noch oder müssen wir dir dann den Magen auspumpen lassen?“
„Nene, son bissl Sekt hat noch keinem geschadet. Außerdem will ich doch mit euch auf euren tollen Preis anstoßen.“
„Für was is der eigentlich?“ fragt Aki plötzlich und beugt sich dabei über mich zu Lauri hinüber. Der rückt ebenfalls ein bisschen näher, sodass ich schon wieder zwischen ihnen eingekeilt bin. Diesmal unterlasse ich jedoch einen Fluchtversuch und genieße stattdessen das bisschen Körperkontakt. Irgendwie hab ich da jetzt richtig Bock drauf . . .
„Ich weiß nicht . . . irgendwas haben wir besonders toll gemacht.“
„Aber was?“
„Vielleicht haben wir den Preis bekommen, weil WIR so toll sind?“
„Jaaaaa, ganz bestimmt.“ Kichere ich und kriege mich gar nicht mehr ein vor Lachen. Mit Tränen in den Augenwinkeln rolle ich mich zu einer Kugel zusammen und versuche so, mich vor Lauris und Akis Patschepfoten zu retten, die mich plötzlich von allen Seiten angriffeln. Leider Gottes weiß Lauri nur zu gut, an welchen Stellen meines Astralkörpers ich besonders kitzelig bin. Mit sadistischem Enthusiasmus fällt er über meinen Nacken und meine Taille her, bis ich es nicht mehr aushalte und ernsthaft anfange ihn zu treten. Doch erst als ich ihm fast meinen rechten Fuß ins Gesicht donnere, lässt er von mir ab und wischt sich den imaginären Schweiß von der Stirn.
„Du kleines Miststück, du.“
„Ylönen!!“
„Was denn? Das triffts genau.“
„Deswegen sagt man das ner Frau aber nicht gleich ins Gesicht. Außerdem wissen WIR ja, dass wir toll sind.“
„Machst du immer einen auf Kavalier oder benimmst du dich nur so, damit ich auf dem Rückflug wieder Scrabble mit dir spiele?“ Leicht entrückt rapple ich mich auf und versuche, mich aufrecht hinzusetzen. Das scheitert aber daran, dass der Kissenberg unter mir mindestens zehn Meter dick ist und ich bei jeder Bewegung nur tiefer einsinke. Treibsand is n Scheidreck dagegen .
„Nöööö, ich bin immer so nett.“
„Sei froh, dass du grade nicht stehst, Hakala, sonst würdest du auf deiner eigenen Schleimspur ausrutschen.“
„Jo, fühlst du dich von mir angeschleimt?“
„Sie hat garantiert schon nen ganz nassen Hintern von dem Haufen Schmalz, den du absonderst.“
„Das mit dem nassen Hintern könnte auch andere Gründe haben . . .“ Mit einem Schlag fangen beide an zu grinsen und sehen mich abwartend an, als ob ich jeden Moment vor Rattigkeit platzen würde.
„Träumt weiter.“
„War doch nur n kleiner Scherz am Rande.“
„Wie schön, ich lach dann später, okay? Jetzt wär ich erst mal stark dafür, den Champus zu köpfen.“
Aki hält netterweise die Klappe und tut, was ich ihm sage, während ich mich mit aller Kraft ein wenig aus meiner Kuhle herauswühle. Beim Versuch, mich aufzurichten, stoße ich allerdings frontal mit Lauri zusammen, der nichts Besseres zu tun hat, als seinen Schädel über mich zu hängen, um Aki beim Eingießen zuzugucken.
Grinsend reibt er sich die Stirn und drückt mir dann eins der vorgekühlten Sektgläser in die hand.
„Nicht so stürmisch, kommt doch jeder mal dran.“ Schon ist sein Glas leer. Der Mann stellt jeden Gulli in den Schatten.
„Kannst du bitte aufhören, diese dusseligen Bemerkungen zu machen?“
„Maaaaan, erst regst du nich in einer Tour drüber auf, dass ich fies zu dir bin und wenn ich dann mal versuche, nett zu sein, passts dir auch nicht.
Ich folge knurrend seinem Beispiel und kippe das Zeug möglichst schnell weg, damit mich der Alkohol ein bisschen friedlicher stimmt. Im Moment könnte ich diesen kleinen Sack nämlich schon wieder . . .
„Heyyy, jetzt kommt mal wieder runter. Das ist schließlich die Chilling-Zone, also chillt gefälligst.“ Kopfschüttelnd verteilt Aki den Rest der Blubberbrause auf unsere leeren Gläser und lässt die Flasche dann ganz klammheimlich unter einem der Kissen verschwinden. Anschließend zieht er mich aus meiner Kuhle auf ein Fleckchen, in dem ich fast gar nicht versinke, und stopft die Lücke mit einem riesigen Kissen, sodass Lauri nachrücken und seinen geliebten Alk in Empfang nehmen kann.
„Angeber.“
„Jetzt lass ihn doch.“
„Wenn du mich gebeten hättest, dich da rauszuholen, hätt ich’s auch gemacht.“
„Es ist aber ritterlicher, es einfach zu tun ohne groß rumzulabern.“
„Ja vielleicht gefällts dir ja in der Kuhle, was weiß denn ich?“
„Boah, such dir n Groupie und lass deinen Frust an der aus.“
„Nee, kein Bock.“ Nachdenklich trinkt er das letzte Schlückchen aus und lässt seinen Blick über die Menge schweifen.
Mein Glas ist längst leer und als unsere Diskussion im Sande verläuft, überfällt mich eine bleierne Müdigkeit, der ich nur sehr schwer widerstehen kann.
Irgendwann schließe ich einfach die Augen und kämpfe für einen Moment gegen die aufwallende Übelkeit an, die plötzlich in mir hochsteigt. Mein Kopf rollt ein bisschen zur Seite und bleibt dort liegen, wo ich Akis Ellbogen vermute. Tatsächlich glaube ich zu spüren, wie mir jemand sanft über die Wange streichelt, bevor ich entgültig einschlafe.

Als ich die Augen öffne, ist mir sofort wieder schlecht, aber das Gefühl verschwindet schnell wieder, als ich geschockt feststelle, wo ich bin. Ich bin doch tatsächlich in dieser verfickten Halle voller Promis eingepennt, wie peinlich. Mit geröteten Wangen rapple ich mich auf uns checke erst mal die Lage ab, ob auch keiner was bemerkt hat. Dabei weiß ich nichtmal, wie lange ich überhaupt geschlafen habe. Wer weiß, wer mich hier alles rumliegen sehen hat. . . . scheiße, scheiße. Wenn mich jetzt irgend so ein dämlicher Paparazzo fotografiert hat, hab ich n ganz schönes Problem mit der Managerin von den Psychos. Es wird ihr wohl kaum gefallen, wenn ich hässliches, besoffenes Weib als Paradebeispiel der Presse für Rasmusgroupies verkauft werde. Apropos Psychos, was zum . . .
Mein Blick wandert leicht nach rechts und erstarrt. Aki lehnt mit geschlossenen Augen an der Wand, seine Arme umschlingen Lauris Nacken. Sanft wandern seine Hände über dessen Rücken, verschwinden unter seinem übergroßen schwarzen Pulli, tauchen wieder auf und hinterlassen eine Gänsehaut. Noch nie in meinem Leben habe ich so einen unglaublichen Kuss gesehen . . . Lauris Augenlider flackern leicht, als seine Lippen Akis berühren. Für einen Moment ist es nur vorsichtiges Betasten, während dem sich ihre Hände hektisch ineinander verschlingen. Als ich meinen Blick von den knackenden Fingerknöcheln abwende, stupst die Zunge meines Mitbewohners gerade gegen die Lippen seines besten Freundes, der nach einigem Drängen nachgibt und ihm Einlass gewehrt. Ich unterdrücke ein Aufkeuchen, sehe einfach nur gebannt zu, wie sie sich gegenseitig umschlingen, miteinander spielen, sich gegenseitig anstacheln. Knurrend drängt Lauri gegen Aki Brust, wird noch ein bisschen ungestümer, versucht, ihn aus der Reserve zu locken, indem er ihn nur mehr mit der Zungenspitze küsst. Der steigt prompt darauf an, schiebtLauri zurück und presst seine Lippen nocheinmal kurz auf dessen Mundwinkel, bevor er sich mit einem Ruck von ihm löst.
Erst jetzt bemerke ich, dass ich zittere und starre plötzlich direkt in Akis stahlblaue Augen.
Anscheinend hat er mich jetzt erst bemerkt, seine Gesichtsfarbe pendelt zwischen käsigweiß und weinrot, während er sich fest gegen die Wand presst um von Lauri wegzukommen.
„Ich dachte, du schläfst . . .“ murmelte er leise und weicht meinen Blick aus.
Lauri sagt gar nichts, er kniet nur da und steckt sich schließlich eine Zigarette an. Nachdenklich pustet er den Rauch in die Luft und schnippt ein bisschen Asche auf den Boden.
„Hab ich ja auch . . .“ erwidere ich leise und fühle mich plötzlich seltsam peinlich berührt von der ganzen Situation.
Aki ringt nach Worten, gibt aber schließlich auf und starrt die Kissen zu meinen Füßen an.
„Was ist eigentlich euer Problem, wenn ich mal fragen darf?“ Lauri grinst, er grinst breiter als ich es ihm je zugetraut hätte. Und sogar seine Augen funkeln ein bisschen, obwohl sie schon mehr als nur glasig sind. Gelinde gesagt ist er hackedicht, aber er hat etwas so Friedliches, Entspanntes an sich, dass ich mich gar nicht richtig darüber aufregen kann. Außerdem bin ich selber voll bis unter den imaginären Pony. Es fällt mir wahnsinnig schwer, mich darauf zu konzentrieren, was die beiden sagen und noch schwerer ist es, sich darauf eine passende Antwort zu überlegen. Wahrscheinlich sehe ich aus, als wenn ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hätte: hin- und herschwankend und mit Sabber im Mundwinkel.
„Was . . . meinst du?“ Auch Aki sieht ihn fragend an, er ist wahrscheinlich der Nüchternste von uns und deshalb ist ihm das ganze anscheinend auch am peinlichsten.
„Ich spreche doch für uns alle, wenn ich sage, dass grad ziemlich geil bin, oder?“
Schweigen. Ich blinzle leicht.
„Hey Jo, du willst mir doch jetzt nicht ernsthaft erzählen, dass dich das gerade eben nicht wahnsinnig angemacht hat?“
„Öhm . . . na ja, es hatte schon was . . ..“
„Lüg. Nicht.“
„Man, was willst du denn hören?“
„Die Wahrheit. Ich kann nämlich in deinen Augen sehn, was du fühlst.“
„Ach ja? Was fühl ich denn??“
Statt mir eine Antwort zu geben, zieht er mich auf seinen Schoß, schlingt seine Arme um meine Hüften und verpasst mir einen derart intensiven Kuss , dass ich unter seinen Händen zerschmelze wie ein Stück Halbfettbutter in der Sonne. Keuchend will ich mich von ihm lösen, doch er grinst nur und hält meine Unterlippe noch einen Moment mit den Zähnen fest, bevor er mich loslässt.
„Das ist doch genau das, was du wolltest?“
Ich schnappe nach Luft und will gerade zu einer Antwort ansetzen, als ich plötzlich Aki hinter mir spüre. Vorsichtig umfasst er meine Taille, legt sein Kinn auf meine Schulter und räuspert sich vorsichtig.
„Also ich glaub, jetzt habt ihrs geschafft: nu bin ich auch geil.“

Mir ist kotzübel als ich in das kleine gelbe Taxi einsteige, das am Hinterausgang der Halle wartet. Hinter den Absperrungen warten ein paar Fans im strömenden Regen, manche sehen aus wie Wasserleichen, andere sind knallrot im Gesicht vor lauter Gekreische und Rumgeheule. Im Normalfall wäre mir das so ziemlich egal, aber im Moment habe ich das Gefühl als würde mein Kopf explodieren, wenn ich auch nur ein weiteres schrilles „LARIIIII!!“ höre. Den juckt der ganze Tumult am wenigstens, im Gegenteil, es ist ihm gelinde gesagt scheißegal. Nicht nur, dass er die Leute keines Blickes würdigt, nein. Es ist ihm auch nicht im Geringsten peinlich, mir vor der versammelten Mannschaft an den Arsch zu packen und mich so ins Taxi zu schieben. Mit einem Knall wirft er die Tür hinter sich zu, worauf ich schmerzhaft das Gesicht verziehe und ihm einen vorwurfsvollen Blick zuwerfe. Er ist irgendwie wie weggetreten, grinst nur die ganze Zeit und fummelt an mir herum, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet. Im Moment ist Aki jedoch einen Tick schneller, er streichelt vorsichtig mit dem Daumen über meinen Handrücken und bietet bereitwillig seine linke Schulter an, als ich mir mit verkrampftem Gesichtsausdruck die Schläfen massiere.
„Kopfweh?“
„Mhmm.“
„Jetzt schon? Wie bist du denn drauf?“ Lauri prustet los, als gäbe es nichts Lustigeres auf dieser Welt als Kopfschmerzen. Gegen meinen Willen muss ich mitlachen, mein Kopf rächt sich jedoch sofort und pocht zur Strafe noch ein bisschen heftiger als vorher.
„Auaaaaaaaa, das tut weh, verdammt.“
„Soll ich dich ablenken . . .?“ Sein Blick wird plötzlich sehr ernst, als er sich zu mir herüberbeugt und mein Kinn zur Seite dreht, so dass ich ihm unweigerlichen meinen nackten Hals präsentieren muss. Zitternd warte ich auf den Augenblick, in dem seine warmen Lippen meine Haut berühren und schreckte trotzdem zusammen, als ich plötzlich seine Zungenspitze spüre, die ganz sanft kleine Muster auf meiner Schulter hinterlässt und sich Stück für Stück hocharbeitet. Mit geschlossenen Augen bleibe ich reglos sitzen, genieße den Schmerz, als er anfängt an meiner zarten Haut zu saugen. Seine rechte Hand streichelt die Innenseiten meiner Oberschenkel und je weiter sie sich vom Knie entfernt, desto unkontrollierter wird meine Atmung. Plötzlich lässt sie jedoch von mir ab und ich kann mir, dank des ungestümen Aufkeuchens hinter mir, denken, wo sie sich wohl hinverirrt hat. Aki presst grummeln seine stoppelige Wange gegen meine Backe und lässt sich genauso wie ich einfach gefallen, was Lauri mit ihm anstellt. Am liebsten würde ich hingucken, aber ich zwinge mich dazu die Augen geschlossen zu halten. Akis Reaktionen zu deuten ist nämlich viel spannender als einfach nur gaffen. Für mich jedenfalls . . .
„Und wer kümmert sich jetzt um mich??“ Gerade habe ich angefangen mich ein bisschen zu entspannend und was macht er? Bringt mit seinem Gequake meine Kopfschmerzen wieder auf Hochtouren. Typisch Ylönen.
„Niemand, du bist unser Sklave.“
„Warum das denn? Wozu haben wir ne Frau?.“
„Lauri . . .“ Ich bilde mir ein, Akis Kiefer knacken zu hören, als er sich vorbeugt und ihm einen so bitterbösen Blick zuwirft, das selbst ich ein klitzekleines bisschen Angst dabei kriege. Trotzdem drücke ich ihn beschwichtigend in den Sitz zurück und lehne mich an seine Brust, sodass er auch bleibt, wo er ist.
„Is schon okay . . .“
„War ja auch nur n Witz.“ Mault Lauri kleinlaut und umschlingt seinen Rucksack mit den Armen.
„Ich würde im Moment alles tun, wenn du mir dafür den Kopf abreißt.“
„Mhmm, den Kopf musst du wohl noch n bisschen behalten, aber ich kann was gegen die Schmerzen tun.“
„Was denn?“ begeistert sehe ich ihm dabei zu, wie er in seiner Tasche wühlt und schließlich triumphierend ein kleines Päckchen herauszieht.
„Jägermeister oder Wodka?“
„Hast du sie noch alle? Mir ist übelst schlecht und du . . .“
„Also Jägermeister, da sin Kräuter für deinen Magen drin.“ Ehe ich mich wehren kann habe ich schon ein kleines Fläschchen in der Hand und stoße mit Lauri an, bevor ich mir das Teil zwischen die Zähne klemme und den Kopf nach hinten auf Akis Schulter lege.
Im ersten Moment habe ich das Gefühl, sofort gegen die Windschutzscheibe kotzen zu müssen, doch dann habe ich plötzlich wieder das vertraute schummrige Gefühl im Kopf, das mich schon den ganzen Abend begleitet und sich jetzt erstaunlich positiv auf das Pochen und Hämmern dadrin auswirkt.
„Mhmm, war keine schlechte Idee irgendwie.“ Ich grinse breit und bekomme dafür glatt einen keuschen Kuss auf den Mund.
„Is das alles was ich kriege?“
„Die Sauereien heben wir uns für später auf . . .“ Seine Zunge huscht flink einmal über meine Lippen und ich folge ihm hoffnungsvoll mit dem Kopf, jedoch vergeblich. Stattdessen beugt sich der Mistkerl über mich drüber zu Aki und verpasst diesem einen derart leidenschaftlichen Kuss, dass mir vor Neid fast grüner Sabber aus dem Mundwinkel läuft. Klein Hattu sträubt sich erst ein bisschen, stachelt seinen Kumpel dadurch aber nur noch mehr und gibt schließlich auf. Zärtlich umschlingen sich ihre Zungen, betasten und erkunden einander. Lauri wird schon wieder ungeduldig und das treibt das ganze dermaßen auf die Spitze, dass sie zum Schluss sogar mit den Zähnen aufeinander krachen. Auch Akis Unterlippe bleibt nicht von seinen kleinen gierigen Zähnen verschont und der scheint es genauso zu genießen wie ich vorhin . . . Ohne groß zu überlegen fasse ich einen Entschluss, hole tief Luft und dränge mich dann mit einer schnellen Bewegung zwischen die beiden. Die Jungs reagieren sofort und unser skurriler Dreieckskuss setzt sich für einen Augenblick in der Luft fort, bevor sich beiden gegen mich drängen. Ich denke, es ist Akis Arm, der meinen Rücken stützt, während zu zweit in mich eindringen und ihr wildes Spiel in meinem Mund fortsetzen. Die ganze Situation übersteigt schlichtweg meinen Verstand und ich bin im Moment derartig scharf, dass ich ihnen am liebsten hier und jetzt die Klamotten vom Leib reißen würde.
Spüre ich . . . oh jaaa, allerings . . . Aki denkt anscheinend genau dasselbe, beim Griff zwischen seine Oberschenkel zuckt er erst erschrocken zusammen, keucht dann allerdings begeistert, als ich langsam beginne, ihn dort zu streicheln. Bevor Lauri wieder anfängt zu motzen, taste ich mit der rechten hand nach der kleinen Beule in seiner Hose und finde sie tatsächlich, nur ein klitzekleines bisschen größer als erwartet . . . er reagiert auch um einiges heftiger als sein Bandmate. Mit einem Schlag schmiert er ab, bleibt mit der Wange an meinem Hals hängen und stöhnt nur meinen Namen, während ich hektisch am Reißverschluss seiner Hose herumzupfe.
Gerade, als ich das Teil endlich geknackt habe, schubst Aki mich von sich weg, starrt uns entgeistert an und murmelt nur ein einziges Wort:
„TAXIFAHRER!!“
Völlig synchron gucken Lauri und ich in den Innenspiegel und stellen peinlicherweise fest, dass der Fahrer uns mit großen runden Telleraugen anstarrt und dabei regungslos in seinem Sitz hockt. Wir sind längst vor dem Hotel angekommen und ich habe dummerweise keine Ahnung, wie lang das jetzt her ist. Dazu hätte ich nämlich erst mal mitbekommen müssen, dass wir da sind . . . Der Kerl hatte also genügend Zeit, uns . . . oh mein Gott. Kann man in Deutschland für Petting in Taxis verhaftet werden??
Hilflos kralle ich Akis Hand, der immer nur noch wie das Kaninchen vor der Schlange in den Spiegel gafft. Wie immer kriegt sich Lauri am schnellsten wieder ein, drückt dem Fahrer mit einem souveränen Grinsen einen Hunderter in die Hand und scheucht uns dann aus dem Auto. Mit quietschenden Reifen fährt es davon und wir bleiben für einen Moment einfach im Regen stehen und starren ihm nach.
„Also ich geh jetzt rein und hol schon mal die Schlüssel. Wenn ihr nass genug seid, könnt ihr ja nachkommen.“ Kichernd zieht Mr Ylönen sich seine obligatorische Kapuze über den Kopf und verschwindet kurz darauf in der hellerleuchteten Hotellobby.
Verunsichert sehe ich zu Aki auf und stelle dabei beruhigt fest, dass er immer noch meine Hand hält.
„Jo, du . . .“
„Ja?“
„Ich . . . wir müssen das nicht machen, wenn du nicht willst.“
„Ich weiß.“
„Aber?“
„Wieso aber? Ich hab doch gar nichts gesagt.“
„Naja schon . . .“
„Jetzt sag bitte nicht, dass du auch Sachen in meinen Augen sehen kannst.“
„Kann ich aber.“ Er lacht leise und legt dabei vorsichtig seine warme Hand auf meine Wange.
„Liebst du ihn?“
„Nein.“
„Warum schläfst du dann mit ihm und nicht . . . „
„ . . . mit irgendeinem Groupie? Weißt du, wenn du solange von zu Hause weg bist wie wir, dann sehnst du dich mit der Zeit immer mehr nach ein bisschen Geborgenheit. Da kann man zwanzig von denen an einem Abend vögeln und sich immer noch einsam fühlen. Lauri und ich, wir kennen uns jetzt schon so lange . . . es ist sehr tröstend so jemandem nahe zu sein können. Und ich bin nicht schwul, falls du das jetzt denkst.“
Er grinst breit und ich kann nichts anderes tun, als ihn einfach in den Arm zu nehmen, weil ich sonst durchdrehe mit diesen ganzen Gefühlen, die ich grade nicht einordnen kann.
„Aber warum willst du dann, dass ich . . . oder willst du gar nicht??“
„Natürlich will ich. Du bist wunderschön und ich vertraue dir trotzdem, das ist doch perfekt. Aber ich will dich wirklich zu nichts zwingen, Jo. Ich will das jetzt nicht tun und dich dann deswegen nie wieder sehen oder so . . . Wir sind schließlich rotzbesoffen und ich weiß nicht, was morgen früh ist, wenn wir jetzt . . . “
„Lass uns reingehn.“
„Bist du dir sicher?“
„Ja, Aki. Und wenn du jetzt nicht endlich in die Hufe kommst, nehm ich dich gleich hier auf der Straße und Lauri kann nachher gucken, wo er bleibt.“
„Selbstbewusst bist du auch noch . . .“ murmelt er leise, während wir durch unzählige Pfützen auf die Lobby des Hotels zupatschen. Ich sage und denke überhaupt nichts, konzentriere mich stattdessen darauf, einigermaßen gerade zu laufen und genieße das herrliche Gefühl, einfach total unzurechnungsfähig zu sein.

Mit einem Knacken öffnet sich die Tür zum Doppelzimmer der Jungs. Während Aki noch fluchend mit dem Schlüssel kämpft, der sich dummerweise im Schloss verkantet hat, versuche ich mich kichernd gegen Lauri zur wehren, der mich immer weiter in den dunklen Raum hineinschubst. Eifrig schnappt er nach meinem Ohrläppchen und drängt mich schließlich gegen die Glastür, die auf den Balkon hinaus führt. Mit einem selbstzufriedenen Grinsen knabbert er daran herum und ignoriert mein protestierendes Quieken, bis ich ihn vor lauter Verzweiflung kräftig in die rechte Arschbacke kneife.
„AUAAA!! Hast du sie noch alle, das tut doch weh!?“
„Solls ja auch. Du weißt ganz genau, dass ich da kitzelig bin.“
„Deswegen mach ich’s doch.“ Mit beiden Händen umfasst er meine Handgelenke und drückt sie so fest gegen die Scheibe, dass ich meinen Oberkörper kaum noch bewegen kann. Wie ein Stock bin ich zwischen ihm und der Tür eingeklemmt und ertrage zitternd seine hauchzarten Küsse.
„Kannst du mich nicht richtig anfassen?“ Nuschle ich unwillig in seine zerwühlten Haare und winde mich unter den kaum spürbaren Berührungen seiner Lippen in meinem Nacken.
„Das würde dich aber nicht halb so wuschig machen.“ Mumelt er zurück und setzt zum zweiten Mal an diesem Abend an, mir einen Knutschfleck am Halsansatz zu verpassen.
„Ich viel zu besoffen um wuschig zu werden.“
„Mhmm, dann hast du eben noch nicht genug getrunken.“
Er lässt mich abrupt los und geht hinüber zu dem großen Doppelbett, auf dessen Beistelltischen jeweils ein riesiger Sektkühler thront. Ich wette das ist einer von Lauris Sonderwünschen gewesen, kein Hotel der Welt schenkt seinen Gästen gleich zwei so riesige Champusflaschen aus reiner Freundlichkeit . . .
Mitten auf dem Bett sitzt Aki im Schneidersitz, zwischen seinen Beinen klemmt eine der beiden Flaschen, bereits geöffnet und nicht mehr ganz voll. Er mustert mich mit einem undefinierbaren Blick und dreht dabei den Flaschenhals langsam zwischen seinen Fingern. Ich starre genauso unnahbar zurück und klettere schließlich ebenfalls aufs Bett, um mich direkt vor ihm nieder zulassen. Wir sitzen so nah zusammen, dass ich seinen ruhigen, gleichmäßigen Atem hören kann. Irgendjemand hat eine der beiden kleinen Nachttischlampen angemacht und so beobachte ich für einen Moment einfach nur fasziniert das Licht, das in seinen stahlblauen Augen fast unmerklich vor sich hinflackert.
Ohne den Blick abzuwenden greift er nach der Flasche zwischen seinen Beinen und setzt an um ein paar große Schlucke zu nehmen. Mit großen runden Rehaugen starre ich ihn an und geile mich zugegeben ein bisschen an seinem provozierenden Getue auf.. Ein kleiner Rest der prickelnden Flüssigkeit bleibt auf seinen Lippen zurück, als er mir die Flasche reicht und ich denke nicht einmal im Traum daran, zu trinken, wo ich den Geschmack doch viel intensiver erleben kann. Mit einer Handbewegung schiebe ich seinen Arm zur Seite und greife stattdessen nach seinem Nacken, um einen Widerstand unmöglich zu machen. Gierig küsse ich die glitzernden Perlen aus seinen Mundwinkeln, presse meine Lippen auf seine und dränge mich zwischen sie um seine vom Alkohol lahme Zunge ein bisschen anzuheizen. Ein wenig überrumpelt hält er für einen Moment still, während ich ihn kraule, küsse und mit der anderen Hand nach seiner Gürtelschnalle taste. Nach ein paar Augenblicken reagiert er endlich und löst sich kurz von mir, um die Flasche neben uns auf den Boden zu stellen. Ungeduldig zupfe ich an seinem Shirt herum und setzte mich anschließend gleich auf seine Oberschenkel, damit er mir nicht noch einmal entwischt.
„Wo is Lauri?“
„Im Bad.“ Antworte ich ihm leise und wehre mich nicht, als er mich an den Hüften packt und mich näher zu sich heran zieht. Anscheinend ist das jetzt der Ausgleich für seine Apathie von vorhin, ich habe das Gefühl, als würde er meine Klamotten am liebsten gleich aufschlitzen um keine wertvolle Zeit mit dem Ausziehen zu verschwenden. Hektisch zerrt er mir mein Top über den Kopf und fängt sofort an, systematisch den Inhalt meines BHs mit kleinen Küssen zu versehen. Mit beiden Händen fahre ich unter sein Shirt, streichle seinen Rücken und lasse meine Fingernägeln an den empfindlichsten Stellen genüsslich über seine Haut gleiten. Stöhnend lässt er von meinen Brüsten ab und presst stattdessen seine Wange an meine Schulter, während ich ganz langsam mit dem Zeigefinger seine Wirbelsäule nachzeichne.
„Fuck, woher weißt du . . .“
„Das hat sie von mir geklaut.“ Zwei warme Hände lösen Akis Lippen auf meinem Oberkörper ab, drücken einmal sanft zu und bewegen sich dann streichelnd über meinen Bauch.
Ich zucke kurz zusammen und drehe den Kopf um im nächsten Augenblick in Lauris unnatürlich geweitete Pupillen zu starren.
„Was ist . . .“
„Shhhht.“ Schon wieder klemmt ein Kurzer zwischen meinen Zähnen und ich schlucke gehorsam um Lauri nicht zu reizen und vielleicht auf diese herrlichen Sachen verzichten zu müssen, die er da gerade mit seinen Händen macht.
„Heute ist der Abend der unausgesprochenen Sätze.“ Kichert Aki dazwischen und beugt sich über meine Schulter, um mit meinem netten Untermieter weiterzuknutschen. Der ist in Zwischenzeit sein Hemd losgeworden, sodass ich jetzt seine muskulöse Brust an meinen Schulterblättern spüre.
Die beiden umschlingen sich gegenseitig, je näher sie sich aufeinander zu bewegen, desto stärker werde ich zwischen ihnen eingeklemmt. Ein sanftes Prickelnd breitet sich in meinem Unterleib aus, während ich mich durch Lauris Drängen zwangsweise immer heftiger an Akis Schritt reibe. Der reagiert auch prompt mit einem begeisterten Stöhnen und drückt mich inklusive seinen Kumpel ein Stückchen von sich weg, sodass er gerade seine Hände zwischen sich und mich schieben kann. Mit zittrigen Bewegungen gleiten seine Finger über meine steifen Brustwarzen, kneifen sanft hinein und umkreisen sie in immer enger werdenden Zügen.
Lauri schielt neugierig über meine Schulter und beobachtet ihn dabei, während er seine stoppelige Backe gegen mein rechtes Ohr drückt.
„Du kratzt“ maule ich beleidigt und höre prompt damit auf, meinen Po an seinem Schritt zu reiben.
„Ich mag aber was sehen.“
Irgendwie geht meine Antwort auf dem Weg zwischen Hirn und Mundwerk wegen kurzzeitigem Systemausfall verloren, das macht aber nichts, weil mich gerade sowieso etwas ganz anderes beschäftigt. Akis Hände haben sich auf Wanderschaft begeben und kraulen jetzt die kleine Stelle zwischen Lauris Bauchnabel und dem Bund seiner Jeans. Ich kann dessen wohliges Knurren direkt spüren und die leichte Vibration an meiner Schläfe lässt mir einen angenehmen Schauer über den Rücken laufen. Die Patschepfötchen wandern hinter mir immer höher und höher, ertasten die kurzen Härchen auf seiner Brust, die ich schon die ganze Zeit zwischen den Schulterblättern spüre und drehen sich dann abrupt, um mit einem einzigen Handgriff das Häkchen meines BHs zu lösen. Von beiden Seiten kommt ein erfreutes Keuchen und ehe ich mich lasziv von dem Ding befreien kann, baumelt es auch schon an der ausgeschalteten Deckenleuchte über uns.

~*~*~*FSK 18*~*~*~



Begründung: lime/lemon


Mir ist durchaus klar, dass der folgende Part durchaus noch für Minderjährige geeignet ist. Trotzdem wollte ich nicht auf die obige Warnung verzichten , da ich keinen Bock hab, von jemandem eins auf den Deckel zu bekommen, der die Sache evtl. nicht so locker sieht. How ever: Viel Spaß . . .


Lauris Gier kennt keine Grenzen, als er mir wenig zärtlich den rechten Arm nach hinten über den Kopf zieht und ihn mit seiner linken Hand festhält. Die freie Hand schiebt sich genüsslich zwischen meine Brüste, zieht ihre Konturen nach und drückt heftig zu, als ich versuche aus dieser unbequemen Haltung herauszukommen und dabei meinen Po wieder ein Stück nach hinten schiebe. Ich kann nicht protestieren, weil mein Mund von Akis Zunge ausgefüllt ist, die sanft meinen Gaumen kitzelt und dabei einen scharfen Kontrast zu Lauris Freakshow bildet. Erst als dessen Kopf rechts von mir auftaucht, beginne ich zu kapieren, was er vorhat. Mit geschlossenen Augen genieße ich Akis Küsse und versuche mich dabei gleichzeitig auf Lauris Lippen zu konzentrieren, die jetzt ebenso sanft seine Hand auf meinem Oberkörper ablösen. Scheinbar ziellos streifen sie über meine brennende Haut und so zucke ich heftig zusammen, als er plötzlich beginnt seine Zähne einzusetzen. Ganz vorsichtig knabbert er an meinen Nippeln herum, huscht ab und zu mit der Zunge darüber und streichelt beruhigend über meinen Bauch, als sich meine Muskeln dort vor lauter Erregung regelrecht versteinern.
Lauris Spezialbehandlung schießt meine letzten Hemmungen in den Wind und so verzichte ich darauf, Akis Hose erst mühsam mit meiner einzigen freien Hand aufzufriemeln. Stattdessen fasse ich ihm einfach in den Hosenbund und zerre einmal heftig daran, sodass der Knopf davonspringt und der Reißverschluss sich gleich freiwillig mit ergibt.
„Oh mein Gott . . .“
„Joanna reicht auch.“ Murmle ich mit einem leicht debilen Lächeln und zwinge ihn, mir in die Augen zu sehen, während ich meine Hand quälend langsam in seinen Shorts verschwinden lasse. Ein paar wenige Härchen kitzeln meine Fingerspitzen, bevor ich endlich den Ansatz seiner Härte ertaste. Seine Augenlider beginnen zu flattern und ich erlöse ihn von meinem provozierenden Blick, in dem ich ihm einen sanften Kuss auf die Lippen hauche. Wie auf Kommando umschlingen seine Arme meinen nackten Rücken und verdrängen so Lauri, der knurrend von mir ablässt und unwillig meinen eingeschlafenen Arm freigibt. Er hinterlässt ein paar feuchte Spuren, die mit einem Mal ganz kalt werden und zusätzlich zu den Streicheleinheiten für meinen Rücken mächtig prickeln.
Erleichtert ziehe ich meine linke Hand aus Akis Hose und kassiere dafür im nächsten Augenblick einen üblen Kniff in den Hintern.
„Heyyyy!!“
„Selber heyyyy!! Du kannst mich doch jetz nich hängen lassen.“ Jault er beleidigt und zieht mich an den Hüften näher zu sich heran. Abschätzend gucke ich ihn von oben herab an und press kurz meine Lippen auf seine Stirn, als er mir einen flehenden Blick zuwirft. Anscheinend sind durch mein Gewicht seine Oberschenkel ganz taub geworden und jetzt sammelt sich das gesamte Blut an dieser einen speziellen Stelle, der ich gerade eben so nah war.
„Von Hängen würd ich nich reden, neineinein . . .“
„Du weißt ganz genau, was ich meine.“ Knurrt er gespielt böse und lehnt sich plötzlich mit seinem gesamten Gewicht gegen mich. Meine Knie rutschen ab und mit einem Plumps lande ich rücklings auf dem Bett, Aki immer noch fest umklammert. Erst jetzt fällt mir auf, dass Lauri verschwunden ist, aber ich kann nicht weiter darüber nachdenken, weil ich vollauf damit beschäftig bin, diese dämliche Hose von Akis unglaublichen Hüften zu zerren. Als sie ihm endlich in den Kniekehlen hängt, strampelt er so heftig mit den Beinen, dass er zur Seite von mir herunterkippt und mich mit sich zieht. Kichernd liegen wir nebeneinander und knutschen ein bisschen herum, bis das dämliche Stoffding endlich neben dem Bett liegt. Erschrocken stelle ich fest, dass er gleich mit meiner Jeans weitermacht und sie mir ausgezogen hat, bevor ich auch nur einen Pieps von mir geben kann. Eigentlich geht mir das alles ein bisschen zu schnell, aber Aki lässt mir keine Zeit, um einen Gang herunterzuschalten.
Sehnsüchtig stöhnend presst er seine Hüften gegen meinen Unterleib und mir bleibt für einen Moment fast die Luft weg, als ich die riesige Beule zwischen seinen Beinen spüre. Meine Nägel krallen sich krampfhaft in seinem Rücken fest, während seine Hände erst meinen Po fest umfassen und sich dann zwischen meine Oberschenkel schieben. Keuchend spüre ich, wie sie sich langsam Zentimeter um Zentimeter nach oben schieben. Völlig unbeherrscht versenke ich meine Zähne in seiner linken Schulter, während sein Daumen kaum spürbar über das letzte Stückchen Stoff streicht, dass ich noch trage. Er quält mich so, indem er mich nicht direkt berührt und ich bin auch noch so dumm es ihm dadurch zu danken, dass ich diesmal meine rechte in seine Shorts schmuggle und ihn sofort ganz umfasse. Diesmal ist Aki es, der nicht weiß wohin mit seiner Lust und ich stachle ihn noch zusätzlich auf, lasse seinen harten Schwanz so langsam wie nur irgend möglich durch meine Finger gleiten und kümmere mich intensiv um seine empfindliche Spitze.
Regungslos liegt sein Kopf an meiner Schulter, während sich sein Becken rhythmisch gegen meine geballte Faust bewegt. Nüchtern stelle ich fest, dass er in meiner Hand stetig zu wachsen scheint und gleichzeitig immer empfindlicher auf meine Berührungen reagiert. Ich mache mir einen Spaß daraus und kraule ihn vorsichtig an dieser winzigen Stelle unterhalb des Schafts, wo ihn das besonders fuchsig zu machen scheint. Kichernd grabble ich dort an ihm herum, während ich mit der anderen Hand seinen göttlichen Hintern befummle. Aki lacht aber irgendwie nicht mit, stattdessen wird er furchtbar hibbelig und keucht mir mit rauer Stimme irgendwelche Sauereien ins Ohr. Der Jägi hat mich anscheinend leicht schwerhörig gemacht, denn ich verstehe kein Wort von dem, was er sagt. Nur seinem Tonfall kann ich entnehmen, dass er mir bestimmt nicht vom Sonntagskaffee mit seiner Oma erzählt.
Mit einem Räuspern nehme ich meine Pfote von klein Aki und knabbere dem großen ein wenig verlegen an seinem linken Ohrläppchen herum. Er aber drückt mich von sich weg und sieht mich mit großen Augen erwartungsvoll an.
„Ähhh . . . was?“
„Hast du nich zugehört?“
„Doch.“ Seine Arme schlingen sich um meine Hüften und diesmal habe ich diese verdammte Beule genau an der Stelle, wo sie im Moment gar nicht hinsoll.
Mit einem unterdrückten Stöhnen schließe ich die Augen und gebe mich ihm für einen Moment willenlos hin.
„Aber?“
„Nix verstanden . . .“
„Ich sagte: ich fick dich jetzt, Engelchen.“
„Oh.“
Ein Grinsen huscht über sein Gesicht und wieder einmal handelt er schneller, als ich denken kann. Seine Finger fühlen sich an wie glühende Kohlen, als sie sich zwischen meine Schenkel schieben und an meinem Höschen zupfen, um den Weg für den Stargast des Abends frei zu machen. Gefesselt von seinem Gesicht, das in meinen Augen die pure Lust widerspiegelt, bin ich unfähig irgendetwas zu tun und so sehe ich ihm nur zu, während er sich betont langsam seine Shorts von den Hüften streift.
„Oh fuck.“ Mit offenem Mund starre ich ihn an, sehe nur aus den Augenwinkeln, dass ein mehr als stolzes Lächeln über seine Lippen huscht.
„Kannst du später noch ausgiebig bewundern.“
„Aki, ich . . .“ Er lässt sich langsam auf mir nieder und sein Gewicht drückt mir ihm ersten Moment fast die Luft ab, bevor er sich wieder ein bisschen erhebt und gleichzeitig seine rechte Hand auf meinem Po platziert.
„Ja?“ Mehr ein Laut als ein Wort.
„Ich will noch nicht.“
„Was?“
„Lass mir Zeit . . . nur noch ein bisschen, ganz kurz.“
„O-okay . . . sorry, wenn ich . . .“ Er gleitet seitlich von mir herunter und errötet dabei sogar ein kleines bisschen.
„Shhh.“ Behutsam küsse ich seine Lippen, schiebe meine Hand in seinen Nacken und ziehe in wieder ein Stückchen näher an mich heran. Voller Neugier lasse ich meine Zunge wieder auf Wanderschaft gehen, stupse seine dabei vorsichtig an umschlinge sie dankbar, als er endlich reagiert. Akis Küsse sprechen jedes Mal Bände und dieser hier brennt geradezu vor Leidenschaft. Es ist, als würde ich an einer Chilischote knabbern und nicht an seiner Unterlippe. Gerade als ich ihm meine Beweggründe erklären will, löst er sich plötzlich selbst von mir und krallt sich dermaßen heftig in meiner Schulter fest, dass mir ein erstickter Schmerzensschrei entweicht.
Meine Augen wandern an ihm hinab und der Anblick, der sich mir auf Höhe seines Beckens bietet, füllt meinen Schädel vollends mit Watte.
Genüsslich gleitet Lauris Zunge an Akis Ständer hinauf, lässt keinen einzigen Quadratmillimeter aus und streift schließlich in Zeitlupe über dessen hochaufgerichtete Spitze.
Der kleine Drummer in meinem Arm scheint bei dieser Behandlung entgültig den Verstand zu verlieren, sein Kopf rutscht zwischen meine Brüste und bleibt dort liegen, meine Schultern immer noch fest umklammert.
Lauri kümmert sich nicht darum, dass sein Kumpel beinahe zergeht vor Geilheit, er fährt seelenruhig fort und setzt noch einen drauf, indem er ganz langsam damit beginnt, dessen Eier zu kraulen. Völlig fasziniert sehe ich dabei zu, wie er seine Lippen über Akis Länge stülpt und ihn dann Zentimeter für Zentimeter in sich aufnimmt. Er hinterlässt einen feuchten, zart glitzernden Film und unendliche, noch unbefriedigte Lust.
Ich kann nicht atmen, kann nicht sprechen, kann nicht denken. Bin völlig fasziniert von diesem Anblick. Ich meine . . . er bläst ihm einen . . . vor meinen Augen. Lauri gibt Aki nen Blowjob, das halt ich nich aus. Das ist besser als Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen. Das ist . . . GEIL.
Findet Rumpali auch, er keucht, stöhnt, schreit fast und ich Sadistin quäle ihn noch zusätzlich, indem ich seine kleinen empfindlichen Brustwarzen liebkose und vorsichtig zwischen meinen Fingern zwirble.
Seine Bauchmuskeln zittern, während er Lauri verzweifelt nach Befriedigung heischend, sein Becken entgegenpresst. Dessen Bewegungen werden ebenfalls immer heftiger und ich muss mich jedes Mal beherrschen nicht loszuquieken, wenn ich seine Zunge über Akis pulsierenden Schwanz gleiten sehe. Zu allem Überfluss saugt er anschließend auch noch zärtlich an seiner Eichel und ich glaube, das war jetzt entgültig genug.
Mit einem langgezogenen Stöhnen bäumt sich Aki in meinen Armen auf und keucht stoßweiße, während er mit halbgeschlossenen Augen zu Lauri hinuntersieht. Geplättet sehe ich diesem dabei zu, wie er jeden noch so kleinen Tropfen begierig in sich aufnimmt. Die Schluckbewegungen seiner Kehle lassen mich beinahe meinen eigenen Namen vergessen und ich bin mindestens genauso fertig wie Aki, als mein Mitbewohner entgültig von ihm ablässt und sich demonstrativ mit der Hand über den Mund wischt.

warning: rape


Nach kurzem Zögern beugt er sich schließlich zu ihm hinüber und drückt ihm einen Kuss auf die Wange, bevor er sein Näschen in dessen Haaren versenkt und ihm, für mich, unhörbar etwas ins Ohr flüstert. Aki nickt nur, steht dann auf und zieht sich wie ferngesteuert wieder an, bevor er taumelnd den Raum verlässt. Ich zucke zusammen, als die Tür ins Schloss fällt und sehe dann unsicher zu Lauri hinüber.
„Wo hast du ihn hingeschickt?“ Sein Feuerzeug klackt leise und ein feiner Duft nach Tabak kitzelt meine Nase, während ich geduldig auf eine Antwort warte.
„Gummis holen, in deinem Zimmer. Er wird wohl ein bisschen beschäftigt sein.“
Ich erwidere nichts und sehe ihm schweigend zu, wie er seine Zigarette raucht.
„Komm her.“ Murmelt er irgendwann und drückt den Filter dabei in den kleinen schwarzen Aschenbecher, der neben ihm auf dem Bett liegt.
Ich zögere kurz, gehorche ihm aber schließlich und lasse mich auf den Knien abwartend vor ihm nieder. Für einen Moment sitzt er nur reglos da doch dann holt er plötzlich aus und haut mir links und rechts eine runter. Seine Finger umschlingen meine Handgelenke wie Schraubstöcke und so zerre ich ganz umsonst, um von ihm wegzukommen. Lauris Blick ist ruhig und seine Pupillen so furchtbar geweitet, dass seine Augen fast schwarz erscheinen.
„Scheiße, was soll das??!!“
„Du kleines Miststück bist mit mir hier und das weißt du ganz genau.“
„Lauri, lass mich los.“ Er ignoriert mich vollkommen, verstärkt nur den Druck auf meine Gelenke, sodass mir langsam Tränen in die Augen steigen.
„Bild dir bloß nicht ein, dass Aki irgendwas für dich empfinden würde, nur weil er dir deine Zickerein durchgehn lassen hat. Er liebt dich nicht mal ansatzweise, kapierst du das? Du bist ihm scheißegal.“
Mit diesen Worten drückt er mich nach hinten, dreht mich auf den Bauch und zieht mir die Arme schmerzhaft nach hinten auf den Rücken.
„Du bedeutest ihm nichts, du bedeutest niemandem auf dieser Welt irgendwas. Du bist nur Dreck, liebe Joanna.“
„Hör auf, das is nich lustig.“ Nuschle ich ihn die Matratze und versuche verzweifelt, ihm einen Fußtritt zu verpassen.
„Ich mache keine Scherze, Darling.“
„Das bist doch gar nicht du, Lauri.“
„Du bist manchmal fast witzig. Sieh der Wahrheit ins Auge und kapier endlich, dass ich mit dir machen kann, was ich will.“
Mit einem Ruck reißt er mir das letzte Stückchen Stoff vom Körper und macht im nächsten Moment einen entscheidenden Fehler: er lässt mich kurz los, um sich die Boxer in die Kniekehlen zu ziehen und ich nutze meine Chance, indem ich mich blitzschnell abdrücke und so gerade genug Kraft habe, um ihn von mir herunterzuschmeißen.
Hektisch rapple ich mich auf, doch Lauri erwischt mich am Arm und zerrt mich grob zu sich zurück. Er scheint gar keinen Schmerz zu spüren, als ich ihm den Ellbogen zwischen die Rippen ramme und meine Schläge gegen seinen Oberkörper bleiben wirkungslos. Mit versteinerter Miene zwingt er mich auf die Knie und drückt meinen Kopf gegen das Kopfende des Bettes. Unfähig mich zu bewegen starre ich ihn an und bin fassungslos über die Kälte, dir er plötzlich ausstrahlt. Ich weiß, dass ich so schnell wie möglich hier weg aber ich kann gar nicht in Worte fassen, was hier passiert. Ich kann es nicht glauben, ich will es nicht glauben. Soweit geht er nicht, niemals.
„Hör auf, lass mich, bitte.“
„Wie naiv bist du eigentlich?“ Sein Blick durchbohrt mich ein Eiszapfen, während er nach seiner Krawatte auf dem kleinen Beistelltisch greift. „Ich werd mir jetzt nehmen, was mir gehört und das bist du.“
„Ich hab dir doch gar nichts getan.“ Jammere ich verzweifelt und versuche mich gegen seine Hände zu wehren, die meine Handgelenke fest gegen die unterste Eisenstange des Gestells fesseln.
„Du hast dich nicht genug um mich gekümmert, obwohl du nur dafür mitgekommen bist, und das wirst du jetzt nachholen.“
„Verdammte scheiße, du bist doch total stoned.“
„Und wenn schon . . . ich werd dich jetzt vögeln und es geht mir am Arsch vorbei, ob du das willst oder nicht.“
„Lauri, bitte!!“ Meine Stimme überschlägt sich fast, als ich realisiere, was er mit mir vorhat.
„Halts Maul.“ Voller Verachtung drückt er mein Gesicht gegen die Gitterstäbe des Kopfendes und greift gleichzeitig nach meiner Hüfte, um mich auf die Knie zu ziehen. Ich sehe nicht, was er macht, kann ihm nicht entkommen und bin ihm hilflos ausgeliefert. In mir krampft sich alles zusammen bei der Vorstellung, was er jetzt alles mit mir anstellen kann ohne dass ich irgendetwas dagegen tun kann.
„Hast du Angst?“
Ich antworte nicht.
„Solltest du aber, es wird nämlich wehtun. Umso schöner für mich.“ Er lacht leise und ich muss mich fast übergeben, als spüre, wie er mehr als grob in meinen verkrampften Körper eindringt. Ich höre ihn stöhnen und sehe dabei schwarze Punkte vor meinen Augen tanzen. Meine Arme geben nach und ich rutsche ab, sodass ich mit dem gesamten Gewicht meines Oberkörpers in Lauris Krawatte hänge, die sich langsam in meine Haut frisst.
Immer tiefer spüre ich ihn, spüre den Schmerz und versuche verzweifelt, es einfach hinzunehmen und zu ertragen. Aber ich kann nicht, muss mich immer noch wehren, um mir selbst damit noch mehr Qualen und ihm einen unglaublichen Lustgewinn zu bescheren.
Sein Stöhnen löst permanent Übelkeit in mir aus und ich kann einfach nicht fassen, dass mein kleiner Lauri da gerade hinter mir kniet und mich wie eine verachtungswürdige, dreckige Hure missbraucht. Tränen laufen mir über die Wangen und ich weiß nicht, was mir mehr wehtut. Seine heftigen Stöße, die kontinuierlich mein Innerstes zerreißen oder die Erkenntnis, dass ich mich so in ihm getäuscht habe.
Allmählich versinke ich in einer Art Delirium, der Schmerz und die Übelkeit verbinden sich zu einem grässlichen monotonem Gefühl, dass mit jeder seiner Bewegungen ein bisschen höher schwappt. Ich starre nur diese verdammten Gitterstäbe und meine geschwollenen Gelenke an und bete, dass das nur einer von meinen schrecklichen Albträumen ist, aus dem ich jeden Moment erwachen werde.
„Baby, warum sagst du nichts?“
Er bestraft meinen Versuch, ihn zu ignorieren, indem er mich heftig gegen das Kopfende des Bettes rammt. Gleichzeitig legt er sich mit dem Oberkörper auf mich und hält meinen Kopf fest, sodass ich mit dem Gesicht direkt auf die erste und zweite Stange pralle. Warmes Blut tritt aus meiner geplatzten Unterlippe aus und rinnt quälend langsam mein Kinn hinab.
Es tut gut, das bittere Eisen darin zu schmecken und zu spüren, dass ich noch lebe.
„Antworte gefälligst, wenn ich mit dir rede.“
Es folgt ein derber Hieb seines Ellbogens gegen meine Rippen. Ich ächze unterdrückt und will mich einfach zur Seite fallen lassen, doch Lauri ist schneller und hält mich auf den Knien.
Meine Atmung wird immer kürzer und ich habe für einen Moment das Gefühl zu ersticken; anscheinend hat er meine Lunge erwischt, die jetzt nicht mehr bereit ist, auch nur einen Milliliter Sauerstoff in sich aufzunehmen.
Heulend ringe ich nach Luft und für einen Moment macht es den Anschein, als hätte er Erbarmen mit mir. Er zieht sich zurück und hinterlässt einen einzigen pochenden Schmerz, während seine Finger sanft über meinen Rücken streicheln und schließlich vorsichtig die Stelle berühren, an der sein Ellbogen gerade auf meinen linken Rippenbogen traf.
„Gut, wenn du nicht reden willst . . . ich kenn da etwas, was dir noch viel mehr Spaß machen wird.“
Mit diesen Worten enden seine Streicheleinheiten. Stattdessen umfasst er meine Hüften wie ein Schraubstock und setzt dieses mal ein bisschen weiter oben an.
„NEIN!“
Das mühsam gesammelte Bisschen an Luft verlässt meinen Körper, zurück bleibt ein stechender Schmerz auf Brusthöhe.
„Das hättest du dir vorher überlegen müssen, Schatz.“
Wieder dieser Brechreiz, tausendmal stärker als vorher. Ich würge, doch es passiert nichts, außer, dass sich noch ein paar mehr Tränen in meinen Augen sammeln.
Millimeter für Millimeter dringt er vor und mit jedem habe ich mehr das Gefühl, auf der Stelle sterben zu müssen.
„Warum tust du das?“
Langsam wird mir schwarz vor Augen und ich will einfach nur noch wissen, aus welchem Grund ich das hier verdient habe, bevor ich meinen widerlichen Körper verlasse und in die Ohnmächtigkeit abdrifte. Ich weiß, dass es geht, ich muss nur damit aufhören, so verzweifelt nach Sauerstoff zu ringen. Das ist alles.
Er schweigt einen Moment, hält dabei kurz inne und lockert seinen Griff um meine Hüfte ein wenig.
„Weil du endlich lernen musst, dass du zu mir gehörst.“ Murmelt er und drängt sich dann mit einer derartigen Heftigkeit gegen mich, dass mir ein erstickter Schrei entfährt, während ich wie ein Sack in seinen Armen hänge. Seine Stöße verlieren nichts mehr von ihrer Intensität und ich schließe entgültig die Augen, in der Hoffnung, es so leichter ertragen zu können.
Dann endlich, stellt sich das Gefühl der Befreiung ein. Ich spüre in nicht mehr, nur noch das Gefühl von Leere in mir und die seidige Hotelbettwäsche auf meiner Haut. Zufrieden hänge ich mit den Handgelenken in der schwarzen Krawatte und warte nur noch darauf, auch diesem Schmerz entfliehen zu können.
Doch plötzlich werden meine entrückten Gedanken von einem lauten Krachen gestört. Es folgt ein weiteres und bald darauf ist der ganze Raum von dem Lärm erfüllt. Erschrocken reiße ich die Augen auf und starre ungläubig die bebende Gestalt an, die mich vom Bettende aus mustert. In Akis Augen steht das pure Entsetzen, seine Faust ist immer noch erhoben, während Lauri in einer der hinteren Ecken liegt, den riesigen Plasma Fernseher unter sich begraben. Die Scherben haben seine Unterarme zerschnitten, die krampfig um seinen Bauch geschlungen sind.
Mit einem Satz ist Aki neben mir, durchtrennt den Knoten in der Krawatte mit einer kleinen Schere und zerrt mich unsanft vom Bett herunter.
„Ich werd dich umbringen, wenn du jetzt gehst.“ Zischt Lauri aus der Dunkelheit und meine Bewegungen erlahmen, während ich einfach nur dastehe und ihn anstarre.
„Zieh das an.“ Aki drückt mir mein Oberteil in die Hand, doch ich reagiere nicht. Kommentarlos nimmt er es mir wieder ab und beginnt mich anzuziehen, wie ein kleines Kind.
„Ich werd dich finden, das schwör ich dir.“
„Ich kann nicht gehen.“ Wende ich mich an meinen Gegenüber und kralle mich in seiner rechten Hand fest, die gerade den obersten Knopf meiner Jeans schließt.
„Weil du Angst hast?“
Ich nicke nur und zucke zusammen, als Lauri sich ächzend drüben in seinem Scherbenhaufen bewegt.
„Du brauchst jetzt keine Angst mehr zu haben, ich pass auf dich auf, okay?“ Seine Lippen berühren zärtlich meine Stirn und von diesem Moment an ist mein Widerstand gebrochen.
Innerhalb von Sekunden hat er das Nötigste zusammengesucht und zieht mich mit sich in Richtung Tür.
Doch Lauri macht uns einen Strich durch die Rechnung, mit einem von Schnittwunden übersäten Oberkörper und unendlichem Hass in den Augen lehnt er im Türrahmen und versperrt uns den Weg.
„Verpiss dich.“
„Erst wenn du mir zurückgibst, was mir gehört.“
„Dann fahr zur Hölle, Ylönen.“
Mit einem unangenehmen Knacken trifft Aki Faust auf Lauris Unterkiefer, worauf dieser keuchend zur Seite taumelt und Aki die Chance nutzt um mich aus dem Zimmer zu ziehen.
Wir gehen an meinem Zimmer vorbei, den langen Gang entlang und unendlich viele Stufen in die Lobby hinunter wo er mich in einen Korbsessel direkt neben einer Gruppe japanischer Geschäftreisender drückt.
„Er wird uns nicht folgen, es ist jetzt vorbei, okay? Ich werd veranlassen, dass sie deine Sachen aus dem Zimmer holen und morgen früh an den Flughafen schicken. Wir suchen uns jetzt irgendein Hotel am anderen Ende der Stadt und dann . . . Ich, oh man.“
Er hält meine Hände, während er vor mir kniet, sodass ich sehen kann, wie ihm allmählich die Tränen in die Augen treten. Ich habe längst aufgehört zu weinen und fühle mich ganz seltsam leer . . . gefühllos. Für den Moment ein wundervoller Zustand, ich habe nur unglaubliche Angst vor dem Moment, indem ich realisiere, was gerade mit mir geschehen ist.
Vorsichtig wuschle ich ihm durch die Haare, streichle seine Wange und erwidere den Druck seiner Hände.
„Ich hab gewusst, dass er was genommen hat und ich hab dich trotzdem mit ihm allein gelassen. Ich bin son dämliches Arschloch . . . ich bin an allem schuld.“
„Bist du nicht.“
Er antwortet nichts, wirft mir nur einen traurigen Blick zu und streichelt kurz meine Hand, bevor er sich erhebt und einen zweiten Versuch startet, mir den Plan zu erläutert.
„Ich will, dass wir vorher ins Krankenhaus fahren. . . . und zur Polizei.“
„Nicht zur Polizei.“
„Jo, willst du denn nicht, dass er . . . bestraft wird?“
„Er ist mit seinem Leben und dem Hass aller anderen Menschen auf diesem Planeten genug bestraft, findest du nicht? Nur ich blöde Kuh hab bis vor ein paar Minuten noch geglaubt, dass ich ihm helfen könnte. Aki, ich will es einfach vergessen, ihn vergessen und ihn leiden lassen . . .“
„Wenn du das so willst . . . okay. Ich ruf uns schnell n Taxi.“
Er macht auf dem Absatz kehrt und will zur Rezeption hinübergehen, doch ich halte ihn an seinem Gürtel fest und zwinge ihn, sich nocheinmal umzudrehen.
„Bitte beeil dich. Ich hab nämlich Angst, auch wenn man das vielleicht nicht merkt . . .“
„Ich beeil mich, ich schwörs.“ Seine Lippen verziehen sich zu einem Lächeln und dann lässt er ich allein, im Schutz der vielen Menschen um mich herum und mit dem Gedanken, dass ich jetzt eigentlich etwas fühlen sollte. Wieso bin ich so ruhig, was soll das? Natürlich komme ich mir schmutzig und ausgenutzt vor, aber ich warte auf den großen Zusammenbruch. Wahrscheinlich kommt er erst, wenn niemand da ist, um mich zu trösten.

~*FSK Ende*~



„Wohin gehen wir jetzt?“
Fröstelnd kralle ich mich in meinem Mantel fest und sehe vorsichtig zu Aki, der schon seit fünf Minuten schweigend und nahezu bewegungslos neben mir steht.
„Ich weiß nicht . . . ich hab keine Ahnung. Am liebsten würde ich verdammt nochmal aus diesem blöden Land verschwinden und sofort nach Hause fliegen, aber die früheste Maschine, die ich kriegen konnte, geht erst morgen früh um halb neun.“
„Und . . .“
„Promotermine in Frankreich, er wird uns nicht mehr begegnen.“
Ich nicke nur und fühle mich noch ein bisschen unwohler als vorher. Aki ist sichtbar überfordert mit der Situation und er hat keinen blassen Schimmer wie weh er mir tut mit seinem komischen Verhalten. Eigentlich müsste ich diejenige sein, die sich total verkapselt aber alles was ich fühle, ist die Schuldigkeit, irgendetwas zu tun, was man eben tut, wenn man gerade vergewaltigt wurde. Schreien, heulen, sich die Pulsadern aufschlitzen, was weiß ich. Jedenfalls nicht hier in der Kälte herum stehen und frieren. Vielleicht ist es, weil ich weiß, dass ich selbst daran schuld bin. Ich hab einfach nicht genug getan, um ihm zu helfen, ich habe versagt. Wenn ich mich besser um ihn gekümmert hätte, wäre dieser ganze Scheiß gar nicht passiert. Ich hätte auf ihn aufpassen müssen anstatt mich so gehen zu lassen, wie eine kleine vierzehnjährige Dorfschlampe.
„Red mit mir.“
„Was?“
„Warum sagst du nichts?“
„Weil ich nicht weiß, was ich sagen soll.“
„Dann sei wenigstens nicht so komisch zu mir, bitte.“
„Ich bin nicht komisch.“
„Doch, das bist du. Er hat das mit mir gemacht, nicht mit dir.“
„Es tut mir so leid . . . und ich weiß einfach nicht, was ich tun kann.“
„Ein kleines Lächeln würde mir schon sehr helfen.“
„Jo . . .“ Hilfesuchend sieht er mich an und verzieht dann angestrengt das Gesicht, sodass man mit viel Fantasie denken könnte, er würde lachen.
„Danke, Aki. Du brauchst übrigens keine Angst haben, mich anzufassen, ich bin jetzt nicht giftig oder so.“
„Entschuldige, aber ich dachte, du willst nicht, dass . . .“
„Wenn du geschlagen wirst tut es doch auch gut, wenn jemand die Stelle streichelt, oder?“
„Ja, das stimmt.“ Murmelt er und macht schließlich einen Schritt auf mich zu, um mich ganz vorsichtig in den Arm zu nehmen, wie eine Porzellanpuppe.
Seufzend vergrabe ich mein Gesicht in seiner Jacke und halte ihn fest, damit er mich nicht mehr allein lässt.
„Ich weiß doch, dass du nicht wie er bist.“
„Nein . . . Ich würde dir niemals wehtun. Das schwör ich dir.“
„Schwörst du immer so viel?“
„Nur heute, und nur für dich.“
„Du bist lieb.“
„Nur heute, und nur zu dir.“
Ich lache ein bisschen und grabe meine Finger nocheinmal in das derbe schwarze Leder seiner Jacke, bevor ich ihn loslasse und mich dem Taxi zuwende, das soeben neben uns gehalten hat.
Schweigend öffne ich die Tür und rutsche auf dem Rücksitz weiter, bis ich direkt hinter dem Fahrer sitze. Aki folgt mir kurz darauf und schnallt sich ebenso wortlos an, bis er merkt, dass ihn unser Chauffeur abwartend im Innenspiegel mustert.
„Ähh . . . Park Hyatt, bitte.“
„Wohin?“ frage ich leise, während sich das Taxi mit einem Ruck in Bewegung setzt und langsam in den Verkehr einordnet.
„Oh, das ist ein sehr schönes Hotel. Das Management hat da ein Zimmer für uns gebucht.“
„Du hast es denen erzählt?“
„Nein, natürlich nicht. Ich hab ihnen gesagt, dass es nicht mehr geht, sonst nichts.“
„Und das haben sie einfach so akzeptiert?“
„Sie kennen Lauri und deshalb tun sie es.“
Ich gebe mich mit dieser seltsamen Erklärung zufrieden und halte lieber den Mund, bevor ihm noch einfällt, dass wir eigentlich zuerst ins Krankenhaus wollten. Im Grunde genommen ist es nur vernünftig, aber ich will jetzt einfach nicht, dass irgendwelche fremden Menschen mich anfassen und an mir rummachen. Das kann ich jetzt einfach nicht ertragen und wahrscheinlich würde ich vor lauter Angst und Abscheu anfangen zu kotzen . . . mitten in ihre saubere, weiße Welt. Da gehöre ich sowieso nicht hin. Ich will zu meiner Mom und mich trösten lassen und danach in die Badewanne, um diesen ganzen Dreck abzuwaschen, der an mir klebt. Inklusive der Naivität und Dummheit, der ich das alles zu verdanken habe. Nur durch meine beschissene Blödheit ist mein Leben zusammengekracht wie ein Kartenhaus. Keiner meiner Freunde wird noch mit mir reden, wenn sie erfahren, was ich mit mir machen lassen habe. Ich werde meinen Job verlieren und irgendwo einsam und allein voller Scham verrecken, einfach so. Es darf niemand wissen und wenn ich unter der Last meines kleinen Geheimnisses zusammenbreche, irgendwann, scheißegal.
„Jo?“ Erschrocken zucke ich zusammen, als Aki seinen Gurt löst und ganz vorsichtig zu mir herüber rutscht.
Erst jetzt bemerke ich, dass mir einzelne Tränen geräuschlos über die Wangen laufen, während ich ausdruckslos aus dem Fenster starre. Seine warme Hand prickelt angenehm auf meinen kalten Fingern und ich wünschte, ich könnte diese Wärme, die von ihm ausgeht, direkt in mein Herz lassen. Das wäre schön . . . und es würde es so viel leichter machen.
„Hey . . .“ Diesmal berührt er mein Gesicht, streicht die Tränen beiseite und dreht meinen Kopf mit sanfter Gewalt, sodass ich gezwungen bin, ihn anzusehen.
Seine Lippen sind so weich und warm, als er mich küsst, dass ich am liebsten sterben möchte. Auf der Stelle, sofort. Nie hat es jemand geschafft mir mit einem einzigen Kuss soviel zu sagen wie Aki jetzt in diesem Moment. Er sitzt neben mir in diesem scheiß versifften Hamburger Taxi, hält meine Hand und küsst mich. Niemand außer uns beiden weiß, wie viel Verständnis, Geborgenheit und Schutz er mir damit entgegenbringt. Seine Augen funkeln mich trotz ihrer stahlblauen Farbe voller Wärme an und ich erwidere kurz den Druck seiner Lippen, um ihn wissen zu lassen, dass ich verstanden habe.

„Jo? . . .Jo?! Joanna!“
„Was?“ Erschrocken fahre ich herum und sehe zu Aki hinüber, der kopfschüttelnd seine Jacke auf das große Doppelbett wirft.
„Hör auf nachzudenken, das tut dir doch nur weh.“
„Ich denke nicht nach, ich trau mich nur nicht, hier rumzulaufen, geschweige denn irgendwas anzufassen.“
„Wieso das denn?“
„Das ist alles so wahnsinnig edel . . . und teuer.“
„Na und? Wenn es dich ablenkt, können wir den Plasmafernseher aus dem Fenster werfen oder uns einen Drachen aus den Guccidecken basteln. Oooooooder wir bestellen ganz viel zu essen und verstecken es dann überall im Zimmer, das wär lustig. Stell dir nur mal vor, wie die ausrasten, wenns hier in zwei Monaten nach verwestem Grillhähnchen riecht.“
„Nein, lieber nicht.“
„Willst du denn wenigstens was essen?“
„Aki, ich hab jetzt echt keinen Bock auf Grillhähnchen.“
„Schokolade? Eis? Gummibärchen? Pudding? Auf irgendwas musst du doch Lust haben.“
„Ich hab keinen Hunger.“
Ich höre noch, wie er nach Luft schnappt, doch dann schweigt er, während ich ans Fenster trete und auf die hellerleuchtete Stadt hinunterblicke. Wie gern wäre ich jetzt da unten, einer von den vielen Menschen, die in den Clubs feiern und deren Leben so scheißnormal ist, dass sie gar nicht wissen, wie gut sie es haben. Noch vor 24 Stunden war ich total angenervt von dem Gedanken, dass nie etwas passiert in meinem blöden Leben und jetzt . . . jetzt ist etwas passiert und ich hasse es. Es ist so schwer darüber zu entscheiden, wie es weiter geht. Natürlich kann ich einfach nach Helsinki zurück und so tun, als wäre nichts gewesen, aber dann wird es mich innerlich auffressen. Aber wie soll ich mich denn sonst verhalten? Eine Rundmail an mein ganzes Adressbuch schicken? Ey Leute, Lauri hat mich grade vergewaltigt, wollts euch nur kurz mitteilen. PS.: Hamburg is ne tolle Stadt !?
„Hey . . . Joey, du bist doch nicht allein. Ich werd mir meinen verdammten Arsch für dich aufreißen und immer da sein, wenn du mich brauchst. IMMER, okay? Vorrausgesetzt natürlich, dass du das willst. Ich kann verstehen, dass du nicht mit jemandem darüber reden willst, den du gerade mal einen Tag lang kennst . . .“
Ich kann spüren, dass er direkt hinter mir steht. Am liebsten möchte ich mich einfach gegen ihn fallen lassen, aber vorher drehe ich mich nocheinmal um und versuche ein kleines Lächeln, während er weiter diesen sinnlosen Psychomüll vor sich hin plappert.
„Aki?“
„Ja?“
„Shhhhhht. Du regst dich ja noch mehr auf als ich.“
„Weil ich immer noch nicht weiß, was ich machen soll . . . alles was ich dir geben kann is ne mehr oder weniger starke Schulter zum Anlehnen, und die biete ich dir grade an. Und du lachst mich auch . . . aber wenigstens lachst du. Hey, das ist gut! Soll ich weitermachen??“
„Ich weiß deine Schulter sehr zu schätzen, wirklich. Und außerdem hast du mich ja gerettet . . . es gibt keinen Grund, warum ich dir nicht vertrauen sollte.“
„Oh ja, stimmt. Ich glaub, ich hör mich immer doof an, wenn ich über Gefühle und sowas reden soll.“
„Sollst du doch gar nicht.“
„Will ich aber. Ich will für dich da sein, verstehst du?“
„Und warum?“
„Weil meine Menschenkenntnis mir sagt, dass du ein ganz wundervoller Mensch bist, der alles andere verdient hat, als so zu leiden.“
Ich weiß nicht, wie man auf so etwas antworten soll, also halte ich lieber die Klappe und werfe mich dagegen ganz furchtbar theatralisch gegen seine Brust und schniefe leise, während er beruhigend meinen Rücken streichelt. Die Situation wäre direkt kitschig, wenn mich dieses elende Ziehen in der Magengegend nicht ständig daran erinnern würde, was vor einer Stunde passiert ist. Aber das ist jetzt egal, wenigstens für den Moment. Keine Sekunde in Akis Armen will ich an Lauri verschwenden . . . nie wieder werde ich an ihn denken, ich werde alles vergessen, jetzt, sofort.
„Wollen wir schlafen gehen?“
„Mhmm . . . du Aki?“
„Jaaaa?“
„Danke.“
Das riesige Luxusbett quietscht leise, als ich vorsichtig zu ihm unter die Decke krabble und sie mir anschließend bis zum Kinn hochziehe. Das große Zimmer wirkt komischerweise in der Dunkelheit richtig behaglich, draußen hört man den Verkehr summen und sonst ist es still, angenehm still. Wie von selbst berührt meine Hand Akis linken Ellbogen, was er zum Anlass nimmt, mich wieder in den Arm zu nehmen und festzuhalten, während mein Kopf an seiner Stirn ruht. Ich spüre, dass er immer noch Angst hat, mich zu berühren, was mich im Gegenzug ein wenig mutiger macht. Wahrscheinlich sollte ich irgendwelche Flashbacks kriegen, wenn er mich anfasst oder mich vor ihm ekeln, weil er ein Mann ist, aber irgendwie kann ich diese Vergewaltigungsklischees nicht erfüllen. Ich bin hier der Abschaum, nicht er. Und wahrscheinlich wäre ich schon längst gestorben, ohne diese Wärme, die er ausstrahlt. Er ist meine Sonne und ich halte mich an ihm fest und danke ihm, dass er da ist.

Unser Heimflug verläuft mehr als unspektakulär. Das Gepäck wurde noch in der Nacht zum Flughafen gebracht und ich muss zugeben, dass diese Hotelleute besser packen können als ich. Meine Tasche ist ordentlich wie nie zuvor und sie haben sogar diese kleinen Schokoladentäfelchen eingepackt, die man bei der Ankuft geschenkt bekommt. Wie sie das Zeug aus Akis Zimmer rausgekriegt haben, will ich gar nicht wissen, schließlich lag da ja Lauri noch zwischen den Scherben des Plasmafernsehers rum und der Teppich war voller Blut und Glas und . . .
Fuck, ich wollte doch nicht mehr daran denken.
Wenn du aufwachst, sieht die Welt schon wieder ganz anders aus . . . Warum sagen Menschen so etwas ständig, obwohl es eine einzige, riesige Lüge ist? Sie belügen sich selbst und ihre Kinder, die dann eines Tages ins kalte Wasser geschmissen werden, wenn sie erwachsen sind und kapieren, dass sich ihre Probleme nicht durch Schlafen lösen. Ich wünschte, meine Mom hätte mir damals schon gesagt, dass es sowas nicht gibt.
Aki drückt meine Hand und lächelt mir aufmunternd zu, während wir uns in die Schlage vor unserem Abfluggate einreihen.
„Woran denkst du?“
„Seit heute morgen kann ich mich nicht mehr an dem Gedanken festklammern, dass alles nur ein böser Alptraum war. Ich bin aufgewacht und nichts hat sich geändert. Jetzt ist es für immer.“
„Das ist nicht wahr. Du kannst es hinter dir lassen, einfach wegfliegen. Auch wenn du es vielleicht nie vergessen kannst, heißt das noch lange nicht, dass du nicht weiterleben und glücklich sein kannst. Scheiße, du WIRST wieder glücklich sein!“
„Das würde ich dir so gern glauben. Aber im Moment fühle ich mich, als säße ich in einem dunklen schwarzen Loch und ihr anderen springt draußen auf einer sonnenüberfluteten Wiese herum, spielt mit einer paar bunten Schmetterlingen und liebt euch und diesen ganzen Mist.“
„Dann ist es Zeit, dass wir uns nen Spaten schnappen und dich da rausholen, damit du wieder mitspielen kannst.“
„Wie kann man nur so verdammt positiv sein?“
„Keine Ahnung, ich bin eben n Sonnenschein.“
Er grinst so überzeugend, dass ich einfach lachen muss und der dicke Kloß in meinem Hals sich für einen Moment ein bisschen lockert. Scheiße, natürlich will ich daraus, ich will damit aufhören, mich wie ein dummes Stück Dreck zu fühlen, ich will meinen Stolz zurück und ich will, dass mein Herz aufhört, sich wie ein Stein anzufühlen. Aber ich bin noch nie so verraten und gedemütigt worden, woher soll ich denn wissen, dass es überhaupt noch Hoffnung gibt, das jemals hinter mir zu lassen?
Mein Blick ruht immer noch auf Aki, er lächelt und ich spüre, dass dieses Lächeln von ganz tief drinnen kommt. Er ist wirklich ein Sonnenschein und wenn mir jemand helfen kann, dann er.
„Die Boardkarten bitte.“
Die nette Blondine grinst mich freundlich an und wirft einen wissenden Blick auf unsere Hände, die immer noch fest ineinandergeschlungen sind. Irgendwie ist mir das peinlich und ich werde gegen meine Gewohntheit total rot, will loslassen, doch Aki hält mich fest und drückt mir zu allem Überfluss noch einen feuchten Schmatzer auf die Wange.
„Was sollte das denn?“ fauche ich ihn an, als wir die fesche Stuartdess hinter uns gelassen haben und über die Außenbrücke auf die Vordertür der Maschine zusteuern.
„Was denn? Kann doch jeder wissen, dass ich dich lieb hab.“ Warum, verdammt noch mal? Warum musste es gerade an diesem Wochenende passieren und warum ER? Wie soll ich Lauri vergessen, wenn ich gerade im Begriff bin, mich in seinen besten Kumpel zu verknallen? Vielleicht ist es nur, weil er eben da ist . . . jetzt . . . und mich davon ablenkt, was passiert ist. Außerdem: wie kann ich jemanden lieben, wenn ich mich selbst gerade sosehr hasse? Ich werde diese Schuld einfach nicht los . . . ich hätte Lauri helfen können, anstatt ihn zu provozieren und mich so dumm zu verhalten. Alles ist kaputt, nur wegen mir.
„Jo? Ist alles okay? Ich wollte dich nicht . . . es tut mir leid, aber ich weiß einfach nicht, wieviel Nähe du ertragen kannst, weißt du.“
„Mach dir keine Sorgen, ich bin so froh, dass du da bist, ehrlich. Ich kann nur nicht aufhören, daran zu denken, dass ich ihm hätte helfen können. Er war bei mir, er hat aufgehört mit diesen Leuten rumzuhängen und dann komm ich hier her und benehm mich wie ne kleine Schlampe. Kein Wunder, dass er so reagiert. Ich . . .“
„Stopp.“
Er reißt mich zu sich herum und zwingt mich stehen zu bleiben, mitten auf dieser Außenbrücke, während die Menschen an uns vorbei ins Flugzeug strömen.
„Ich hab keine Ahnung, was grad in deinem Kopf vorgeht aber ich will, dass du verdammt noch mal aufhörst, sowas zu sagen oder auch nur zu denken. DU hast überhaupt nichts falsch gemach, du bist nicht für ihn verantwortlich, okay? Dieser miese kleine Drecksack ist an allem Schuld und er hat alles andere verdient als Mitgefühl. Er selbst hat sein Leben zu dem gemacht, was es heute ist und ich hab echt Hochachtung vor dir, dass du versucht hast, ihn da rauszuholen. Aber jetzt ist die Grenze überschritten, es ist zu spät, verstehst du? Er hat seinen ganzen Frust und seine Unzufriedenheit auf dich abgeladen, er hat dir wehgetan, er hat dich missbraucht, weil er ein beschissenes Arschloch ist. Bitte hör auf, dich selbst zu hassen, du bist so wundervoll und der letzte Mensch auf dieser Welt, der das verdient hat. Ich versteh nichts davon, aber ich weiß, dass es verfickt noch mal wichtig ist, dass du aufhörst, dir die Schuld daran zu geben. Und jetzt sag es!“
„Was?“
„Dass ER schuld ist und nicht du!“
„Lauri ist schuld, nicht ich . . .“
„Okay. Hätten wir das auch geklärt.“ Seufzend nimmt er mich in den Arm und dirigiert mich dann sanft in die Maschine und zu unseren Plätzen. Er hat mein Hirn durchgepustet und mich völlig über den Haufen geredet, sodass ich die nächste halbe Stunde unfähig bin, irgendetwas zu denken und mit angenehm leerem Kopf die Wolken unter uns betrachten kann

Am späten Vormittag setzt die Maschine allmählich zum Landeanflug an und ich schiele ein wenig besorgt zu Aki hinüber, der steif wie ein Stock in seinem Sitz lehnt und starr nach vorne auf die Notausgänge starrt. Sein Gesicht hat einen leicht grünlichen Ton angenommen und ich krame vorsichtshalber schon mal eine dieser lustigen kackbraunen Papiertüten aus der Sitztasche vor mir.
„Geht’s einigermaßen?“
Statt einer Antwort grapscht er fahrig nach der Tüte und krall sich darin fest, während er röcheln ein- und ausatmet.
„Warum stellst du dich nur bei der Landung so an? Beim Start kann die Kiste genauso gut abstürzen.“
„Musstest du das jetzt sagen?!“
„Ähm, was denn?“
„Das Wort!“
„Aki, ich versteh dich irgendwie nich so ganz im Moment . . .“
„ABSTÜRZEN! So was sagt man nicht, wenn man hier drin hockt.“
„Oh, tut mir Leid, ich wollte dir keine Angst machen. Wir habens ja auch gleich geschafft.“
„Ich hab keine Angst!“
„Hab ich Angst gesagt? Wie komm ich denn da drauf . . .“
Er wirft mir einen vernichtenden Blick zu und krallt sich kurz darauf in meiner rechten Hand fest, die zuvor beruhigend seinen Unterarm tätschelte.
„Jetzt sag mir doch endlich, warum es nur bei der Landung so schlimm ist.“
„Weil . . . oh man, wenn das Ding abhebt spürt man doch diese wahnsinnige Antriebskraft und man kann sich gar nicht vorstellen, dass man runterfallen könnte . . . aber jetzt, scheiße, das fühlt sich an als würden wir im freien Fall auf den Erdboden zurasen!“
„Selbst wenn irgendwas schief geht . . . da klappen die ihre Flügelchen aus und wir sinken sanft wie eine Feder zu Boden.“
„Wer klappt was aus?“
„Vergiss es.“
Unser Gespräch wir von einem Rumsen unterbrochen, während die Räder etwas unsanft auf der Landebahn aufsetzen und Aki ein unterdrücktes Aufquietschen von sich gibt. Eine Millisekunde später entspannt er sich total, wirft mir ein warmes Lächeln zu und sinkt schließlich seufzend in seinen Sitz zurück.
„Ähm, Aki? Die Bremsen können immer noch versagen, sodass wir in das Flughafengebäude krachen und in die Luft gehen, wenn das Kerosin Feuer fängt.“
„Na und? Wir können nicht mehr runterfallen und damit bin ich schon mehr als zufrieden.“
„Du bistn Freak.“
„Und verdammt stolz drauf!“
Grinsend schüttle ich den Kopf und lasse meine Hand auf Akis liegen, während er sanft mit dem Daumen darüber streichelt.
Nach weiteren zehn Minuten bekommt der Pilot endlich einen Parkplatz zugewiesen und die Passagiere beginnen allmählich, ihren Kram aus den Ablagefächern über unseren Köpfen hervorzukramen. Ich dachte immer, in der ersten Klasse wird einem diese Drecksarbeit abgenommen, aber damit lag ich wohl falsch. Der einzige Unterschied ist, dass die Leute nicht hysterisch anfangen zu klatschen, wenn die Kiste auf den Boden aufsetzt und dass es bessere Filme gibt, sonst nichts.
Meine Handtasche liegt bereits auf meinen Knien und Aki hat seinen Krempel eh in seinen zigtausend Hosen-, Jacken- und was auch immer- taschen verstaut, sodass wir einen noch einen Moment sitzen bleiben können, während sich die anderen abrackern.
Dann kommt der Moment, in dem ich von der freundlichen Stuartdess verabschiedet werde und die Gangway nach unten steige um einen Augenblick später wieder auf finnischem Boden zu stehen. Das wars, ich bin zu Hause. Es kommt mir vor, als wäre ich wochenlang weg gewesen und nicht nur 24 Stunden. Wie es sich wohl anfühlen würde, wenn ich gestern nicht in dieses Flugzeug nach Hamburg gestiegen wäre? Wahrscheinlich wüsste ich es gar nicht zu schätzen . . . Warum muss immer erst etwas Furchtbares passieren, damit man begreift, was für ein verdammtes Glück man doch hatte?
„Und, können dir die Wolken Antworten auf deine Fragen geben?“ Seine Hand liegt warm und schwer auf meiner Schulter, während wir zusammen auf dem geteerten Flughafengelände stehen und nach oben in den grauen Himmel starren.
„Was meinst du?“
„Immer, wenn du so guckst, sinnierst du über irgendwas nach. Aber es hat keinen Sinn, sich dauernd zu fragen, was gewesen wäre, wenn . . . Du kannst nicht weglaufen, Jo.“
„Ich will aber so gern.“
„Das versteh ich . . . aber es geht einfach nicht.“
„Kannst du bitte damit aufhören, mich mit der Realität zu verfolgen?“
„Du darfst dich nicht verstecken, du musst jetzt anfangen es zu verarbeiten und zwar sofort. Wenn du zulässt, dass es sich in dich frisst, wirst du es nie mehr los.“
„Du hast doch keinen blassen Schimmer davon, wies mir geht. Woher auch . . .“
„Nein, vielleicht nicht. Aber ich hab dir gesagt, dass ich mir den Arsch aufreißen werde, um dir zu helfen. Auch, wenn du mich manchmal dafür hassen wirst.“
„Mir liegt nichts ferner, als dich zu hassen, Aki.“
„Das hast du jetzt aber schön ausgedrückt.“
Grinsend wende ich meinem Blick vom Himmel ab und lehne kurz meinen Kopf an seine Schulter, während seine Hand von meiner Schulter auf den Rücken wandert.
„Lass uns das Gepäck holen, okay? Das Zeug kreist bestimmt schon allein und verlassen auf diesem riesigen Band herum.“
Langsam schlendern wir zum Arrivalterminal und durchqueren die Ankunftshalle, wo unsere beiden Taschen tatsächlich schon ziemlich einsam in der Gepäckausgabe rotieren.
Schweigend ziehe ich meinen Trolley hinter mir her und sehe mir gelangweilt die Auslagen der überteuerten Flughafenboutiquen an, als Aki plötzlich stehen bleibt und abrupt meine Hand loslässt.
„Jo, ich muss jetzt gehen. Wenn irgendwas ist, ruf mich an, okay? Ach Blödsinn, du kannst mich immer anrufen, auch wenn nichts ist, 24 Stunden am Tag. Nur nicht am Mittwoch um halb neun, da läuft meine Lieblingsserie.“
Leicht überrumpelt glupsche ich ihn an und fuchtle hilflos mit den Armen herum, bevor ich endlich die passenden Worte finde.
„Ich hab deine Telefonnummer doch gar nicht.“
„Oh, stimm ja. Tut mir leid. Reich mir doch bitte mal die Pfote.“
Willenlos reiche ich ihm meine Hand und kapiere immer noch nicht, warum er es plötzlich so eilig hat. Scheiße, ich will nicht allein nach Hause. Ich will überhaupt nicht allein sein und ich will schon gar nicht in meine Wohnung, wo Lauris Kram überall herumliegt.
Angestrengt kritzelt mein Gegenüber ein paar Zahlen auf meinen Handrücken und setzt anschließend seinen Krakel darunter, damit ich ihn ja nicht mit den andern zehn Leuten verwechsle, deren Nummern ich auf meiner Hand stehen habe.
„So, gut, kannst du lesen, ja? Und wo ich wohne, weißt du aber?“
„Ja, das weiß ich . . .“
„Okay, dann . . . meld dich mal.“
Was zum Teufel soll das denn jetzt?
Er lächelt leicht gequält und nimmt mich kurz in den Arm, bevor er sich abwendet und noch einmal kurz winkt, bevor er hinaus in die Vorhalle marschiert.
„Tschüss . . .“ murmle ich leise und sehe zu, wie er langsam zwischen den vielen Menschen verschwindet.
Ein ungutes Gefühl macht sich in mir breit und ich begreife allmählich, dass ich jetzt wirklich alleine bin. Niemand weiß, was mit mir passiert ist und niemand wird mich trösten und bei mir sein . . . es sei denn, ich erzähle es jemanden. Vorhin wollte ich noch zu meiner Mutter aber jetzt weiß ich einfach nicht, wie ich es hier beibringen soll. Ich kann doch nicht einfach hinfahren und es ihr ins Gesicht sagen . . . scheiße.
Mit wachsender Panik durchquere ich die Halle und weiche jedem Blickkontakt so gut es geht aus, indem ich einfach auf den Boden starre. Erst, als ich fast den Ausgang erreicht habe, sehe ich auf und für eine Sekunde bleibt mir fast das Herz stehen. Ein paar Meter von mir entfernt steht Aki mit einer blonden Frau im Arm, er strahlt sie an und wirbelt sie anschließend einmal durch die Luft, bevor beide in einem mehr als leidenschaftlichen Kuss versinken. Ich kann einfach nicht aufhören, die beiden anzustarren, kann einfach nicht begreifen, was ich da sehe.
Lauri hatte Recht. Er wird mich niemals lieben, ich bedeute ihm nichts, ich bin ihm egal. Er hat eine normale, wunderschöne Freundin, die er lieben kann, was braucht er da mich psychisch gestörtes Weib. Welcher Mann will schon ein Vergewaltigungsopfer therapieren, wenn er . . . sowas haben kann.
Ich gucke ihnen immer noch zu, als Aki plötzlich die Augen öffnet und mich regelrecht anstarrt, während er seine Zunge weiterhin in dieser Frau versenkt. Nach endlosen Sekunden löst er sich von ihr und packt sie stattdessen am Arm. Sie kommen genau auf mich zu und ich will einfach nur weglaufen. Stattdessen bleibe ich wie angewurzelt stehen und spüre, wie mein Herz mit jedem seiner Schritte ein bisschen weiter auseinander knackst.
„Ira, das is Jo. Lauri wohnt bei ihr. Jo, das ist Ira, meine Freundin.“
Warum kann jetzt nicht die Decke einstürzen oder sowas? Ich will einfach nur noch sterben, sonst nichts.
„Hallo . . . nett, dich kennenzulernen.“
Hab ich das grade wirklich gesagt?? Ich hasse sie.
„Heyyyy! Ganz meinerseits aber Aki und ich müssen jetzt gehen, wir haben noch viel vor heute, nich wahr, Hase? See-yaaa.“
Und damit sind sie schon verschwunden, steigen draußen in eins der kleinen gelben Taxen und brausen davon, während ich allein zurückbleibe und mich frage, was ich verbrochen habe, um das alles zu verdienen.

Zitternd werfe ich die Tür meines kleinen roten Autos zu und stütze mich einen Moment mit geschlossenen Augen auf dem Dach ab. Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich so gefroren, es ist, als hätte ich total die Kontrolle über meinen Körper verloren . . . alles an mir schlackert und verkrampft sich. Mir ist so wahnsinnig schlecht . . . Ich will lieber nicht wissen, wie ich es geschafft habe, während der Fahrt keinen Unfall zu bauen. So viele rote Ampeln habe ich in den letzten sechs Jahren nicht überfahren, aber ich konnte einfach nicht stehen bleiben. Vielleicht dachte ich, dass sie mich nicht kriegt, wenn ich nicht anhalte, aber ich habe mich getäuscht. Die Erinnerung hat mich eingeholt und breitet sich in mir aus wie ein kalter, nasser tiefschwarzer Tintenfleck. Kein Aki mehr da, der sie mit dem Licht in seinen Augen vertreiben kann. Keine Illusionen mehr . . .
Erneut krampft sich mein Magen zusammen und diesmal lasse ich mich einfach auf den Gehsteig fallen und bleibe würgend auf der Bordsteinkante liegen, während ich mich verzweifelt im Griff der Autotür festkralle. Aber ich kann das nicht einfach auskotzen, es geht nicht. Am liebsten würde ich irgendetwas von mir abreißen, nur um es endlich loszuwerden. Im Grunde bin ich doch nur noch ein nutzloses Stück Fleisch, ein minderwertiges Ding, das nur existiert, um anderen als Fußabtreter zu dienen und sie in den Himmel zu heben.
Immer wieder sehe ich diese grünen Augen, die mich voller Hohn und Abscheu durchbohren. Wieder und wieder höre ich seine verzerrte Stimme, spüre bei jeder Bewegung den riesigen Bluterguss an meinem Brustkorb. Er hätte mir mit einem warmen Lächeln jeden Finger einzeln abschneiden können und ich hätte nicht so gelitten wie unter dem Hass und der abgrundtiefen Verachtung, die er mir gestern entgegenbrachte.
Und Aki . . . verdammt, wie konnte ich nur so naiv sein und glauben, dass er tatsächlich irgendwelche Gefühle für mich hat? Der einzige Grund, warum er mich nicht in derselben Nacht alleine in der Lobby hat sitzen lassen, war sein schlechtes Gewissen, sonst nichts. Er hat mich gerettet und nach Hause gebracht, damit hat er seine Schuldigkeit getan. Jetzt kann er beruhigt weiterleben, glücklich und zufrieden, mit seiner bildhübschen Freundin in ihrer rosa Blubberblasenwelt. Diese Frau weiß garantiert nicht, was es heißt, zu leiden. Sie weiß nicht, wie es ist, auf einem versifften Gehsteig zu liegen und sich wie ein Stück Dreck zu fühlen. Sie wird angebetet und niemand würde es wagen, ungefragt einen Finger an sie zu legen. Und zu allem Überfluss hat sie auch noch Aki . . . Nein, vielleicht ist es, WEIL sie ihn hat. Weil seine Liebe sie strahlen lässt. Wenn Aki mich lieben würde, würde ich nicht hier liegen, den Kotflügel meines Autos zerkratzen und diese verdammten Tränen weinen, die sich wie kleine Nadeln in meinen Augen anfühlen. Schon allein die hauchzarte Hoffnung, dass er etwas für mich empfinden könnte, hat mir die Kraft gegeben, es bis hierhin zu ertragen, dagegen zu ankämpfen. Schon allein sein Lächeln . . . ich kann es nur mit einem wunderschönen hellen Licht vergleichen, besonders jetzt, wo ich das Gefühl habe, in der Dunkelheit zu versinken.
„Hey, is alles okay bei dir?”
Jemand greift nach meiner Schulter und mit einem Mal packt mich wieder die Panik. Innerhalb einer halben Sekunde bin ich aufgesprungen und schlage mit einer heftigen Bewegung die Hand beiseite, die eben noch auf meinem Oberarm lag.
Der Zeitungsjunge starrt mich mit großen entsetzten Augen an und ich bin einen Moment fassungslos über die Art und Weise, mit der ich seine nett gemeinte Geste zurückgestoßen habe. Es hat sich so widerlich angefühlt . . . und heiß, wie ein glühendes Stück Kohle.
„Ja-ja, passt schon. Hast mich erschreckt, sorry.“
Ich versuche ein Lächeln, doch es missglückt ziemlich und so stürme ich, ohne auf seine Antwort zu warten, an ihm vorbei und werfe die schwere Haustür mit einem Krachen hinter mir ins Schloss. Dann wische ich mir ersteinmal schniefend die Tränen aus den Augen und mache mich dann daran, langsam die Treppen zu meinem Apartment im zweiten Stock hochzusteigen. Ich muss mich jetzt zusammenreißen, unbedingt. Es tut so weh und ich möchte bei jeder Stufe einfach nur wieder zusammenbrechen und loschreien. Ja, schreien wäre gut, den Schmerz hinaus schreien, bis zur Besinnungslosigkeit. Aber es geht nicht, ich darf das einfach nicht. Nicht hier im Haus, nicht vor den Nachbarn . . . und ich kann nirgends hin. Ich bin jetzt nicht fähig dazu, mich nocheinmal ins Auto zu setzen und wieder aus der Stadt raus zufahren. Schon allein der Gedanke macht mir Angst. Aber da drinnen lauern überall Lauris Sachen, jeder einzelne Gegenstand wird mich daran erinnern, was er mir angetan hat. Alles wird mich daran erinnern, was für ein naives kleines Drecksstück ich doch bin. Ich wollte ihm helfen, ich wollte, dass er wieder glücklich wird und zum Dank dafür hat er mich geschlagen, beleidigt und ausgenutzt. Mehr als einmal. Und was mache ich? Fliege mit ihm in ein fremdes Land, sehe zu, wie er sich vollaufen lässt, ein paar hundert Euro für Spaß in Tablettenform ausgibt und liefere mich ihm aus, indem ich den ganzen Scheiß auch noch mitmache. Und dann wundere ich mich ernsthaft, warum er mich schlägt und missbraucht, sich an meinem Schmerz aufgeilt? Ich hab keinen Grund zu heulen, wirklich nicht. Aki hat mich angelogen, es ist nicht wahr, dass ich unschuldig bin. Schließlich habe ich das alles mit meiner Dummheit provoziert, hätte es besser wissen müssen.
Für einen Moment denke ich an den Tag, an dem ich Lauri morgens im Bad über den Weg gelaufen bin. Er hat mich angesehen, als wäre ich Luft, Wasser und Licht gleichzeitig. Es lag soviel Dankbarkeit in seinem Blick, als mich in den Arm genommen hat, soviel Reue. Das war einer der wenigen Augenblicke, in denen ich etwas zurückbekommen habe.
Wahrscheinlich ist das der Grund dafür, warum ich ihm so blind gefolgt bin. Dieses stumme Geständnis in seinem Blick damals. Er hat mich spüren lassen, dass er mich braucht und ich habe ihm alles gegeben, was ich hatte.
Doch das, was er am Allerdringendsten gebraucht hat, konnte er von mir nicht kriegen: Liebe.
Und als er gemerkt hat, dass ich anfange, etwas für Aki zu fühlen, was ich für ihn niemals hätte fühlen können, . . . ja, was ist dann passiert?
Im Grunde wusste er wohl, dass er es nicht erzwingen konnte, doch ich sollte zumindest mit ihm zusammen leiden. Und das tue ich bis jetzt . . .
Vielleicht wird es nie wieder aufhören, vielleicht kann ich nie wieder Nähe zulassen und werde einsam sein, so wie er. Eigentlich bin ich jetzt schon einsam und ich wünsche mir nichts mehr, als jemanden, der mich festhält und in dessen Armen ich mich vergraben kann. Doch in meinem zerfetzten Inneren weiß ich ganz genau, dass ich dazu nicht in der Lage bin. Ich ekle mich vor dem Gedanken, dass mich jemand berühren könnte. Es ist ein Widerspruch in sich, doch ich kann es nicht ändern. Ich will nicht allein sein, doch ich bringe es nicht fertig, zu meiner Ma oder zu meiner besten Freundin zu fahren . . . ich trau mich einfach nicht. Sie würden wahrscheinlich sagen, dass ich es nicht besser verdient habe, wenn ich ihnen erzähle, dass ich es ja ursprünglich sogar mit ihm tun wollte. Mit beiden.
Ich hasse mich.
Mit einem Klacken öffnet sich das Schloss meiner Wohnungstür und ich drücke sie mit zittrigen Fingern auf, während ich hilflos auf den Boden starre. Der Geruch seines Aftershaves liegt wie ein Ausdruck stummen Hohns in der stickigen Luft und ich reiße erst hektisch ein paar Fenster auf, bevor ich mich wieder zur Ruhe zwinge. Verdammt, ich hatte diesen Geruch in der Nase, als er meine Handgelenke an dieses beschissene Metallgitter geknotet hat.
Immer noch zitternd und frierend tappe ich durch die gesamte Wohnung und starre seine Sachen an, als könnten sie mich jeden Moment anspringen oder wären giftig. Es ist so wahnsinnig schwer, nicht die Beherrschung zu verlieren und die ganze Bude in Brand zu stecken. Alles muss raus, am besten sofort. Ich muss sowieso etwas tun, also werde ich das ganze Zeug jetzt nehmen und wegschaffen, auch wenn mir schon bei dem Gedanken daran ganz seltsam übel wird.
Solange mich hier auch nur der kleinste Fitzel an ihn erinnert, werde ich nie vergessen können, was passiert ist. Und ich muss es einfach vergessen, ich MUSS und zwar so schnell wie möglich . . .

[ 8 Tage später ]

Nervös zupfe ich an meiner Unterlippe herum und starre durch das Fenster in die tiefschwarze Nacht hinaus. Der Regen trommelt unaufhaltsam gegen die Scheibe. Das tut er jetzt schon seit über drei Stunden . Fast genauso lange sitze ich hier, auf meiner Couch, in tausend Decken eingehüllt und versuche krampfhaft, mich auf das langweilige Fernsehprogramm zu konzentrieren.
Vor mir auf dem Tisch liegt immer noch der kleine, weiße Zettel, den ich vor mehr als einer Woche in Lauris Sachen gefunden habe. Er hat ihn wohl hier vergessen, als wir nach Hamburg geflogen sind . . . Ich weiß gar nicht, wie oft ich ihn schon wegwerfen wollte, aber ich schaffe es einfach nicht. Stattdessen lese ich ihn mir wieder und wieder durch, als könnte ich mit meinem Blick die Worte vom Papier löschen. Es ist eine Art Programm, ein Ablaufplan für seinen PR-Trip. Am Anfang stehen groß und fettgedruckt die Preisverleihung und der arbeitsfreie Sonntag, den wir eigentlich zu dritt in Deutschland verbringen wollten.
Danach eine ganze Hand voll Interviews mit Radio- und Fernsehsendern sowie Zeitschriften und einer großen Tageszeitung. Die ganze Woche ist vollgestopft mit Terminen.
Ebenso fett gedruckt ist der heutige Tag, das Ende der Reise mit dem Rückflug nach Helsinki. Ankunftszeit 22:35 Uhr.
Mein Blick wandert automatisch zu der kleinen blauen Wanduhr, die schon seit meinem Einzug an der Wand über dem Fernseher hängt. Zehn vor acht.
Ich kann nicht begreifen, wie er das alles tun kann, seinen Job erledigt, als wäre nichts gewesen. Denkt er manchmal daran? Denkt er mich, wenn er einem völlig fremden Menschen seine Lebensgeschichte erzählt? Sieht er mein Gesicht, die Angst in meinem Blick, wenn er die Augen schließt?
Ich sehe ihn, jede Nacht, bevor ich einschlafe. Stundenlang wälze ich mich herum, möchte meinen dreckigen Körper loswerden und meine Selbstachtung zurück haben. Und immer wieder die müßige Frage, warum.
Wenn nur dieses dämliche Verlangen nicht gewesen wäre . . . und der Reiz des Abenteuers.
Ich schäme mich so wahnsinnig für meine Naivität und Dummheit.
Bis zum heutigen Tag weiß niemand aus meiner Familie oder meinem Bekanntenkreis, was passiert ist und sie werden es auch niemals erfahren. Die letzte Woche war eine einzige Qual.
Alles ist so voller Hohn . . . das Leben nimmt weiter seinen Lauf ohne sich einen Scheiß darum zu kümmern, wie es mir geht. Aber vielleicht will es auch einfach niemand bemerken.
Der Minutenzeiger springt mit einem leisen Klick nach vorne und ich sehe, dass es mittlerweile nach acht ist. Fröstelnd wickle ich mich fester in meiner Decken und zwinge mich dazu, auf den Fernseher zu achten, was mir nicht ganz gelingt. Lauris Worte gehen mir einfach nicht aus dem Kopf. Ich werd dich umbringen, wenn du jetzt gehst . . .
Scheiße, ich hab Angst.
An der Wohnungstür wurde zwar das Schloss ausgewechselt, aber wenn er hier rein möchte, dann schafft er es auch. Und er hat mir schoneinmal bewiesen, dass ich unfähig bin, mich gegen ihn zu wehren. Er könnte alles mit mir machen und ich würde es mit einem stillen Seufzen ertragen. Wenn er es nocheinmal tun würde, hätte ich vielleicht endlich den Mumm, mein zerfetztes Herz von diesem bohrenden Schmerz zu erlösen . . .
Noch schlummert die Hoffnung in mir, irgendwo, ganz versteckt. Trotzdem spüre ich sie. Und der Gedanke daran hilft mir, die Kraft zum Weiterleben zu finden.
Ich möchte nicht sterben, ich möchte nur, dass es aufhört weh zu tun und an meiner Seele zu reißen. An manchen Tagen habe ich das Gefühl zu zerspringen, weil ich es nicht mehr ertragen kann.
Doch solange noch ein kleines bisschen von Aki in meinem Kopf ist, kann ich einfach nicht aufhören, darauf zu hoffen, dass alles gut wird . . . irgendwann. Er hat mir fast genauso sehr wehgetan wie Lauri aber ich kann einfach nicht damit aufhören, an ihn zu denken. Ich vermisse ihn so wahnsinnig, vor allem seine Blicke und sein unaufdringliches Mitgefühl. Er hat mit mir gelitten ohne mich mit hohlen Floskeln zu überschwemmen. Seine Hand zu halten ist wie sich an der Hoffnung auf ein normales Leben festzuklammern.
Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, dass er mich nie lieben wird. Trotzdem würde ich alles dafür geben, in seiner Nähe zu sein oder einfach nur mit ihm reden zu dürfen.
Es wird halb neun und langsam kann ich mich nicht mehr davon abhalten, wie verrückt zu zittern. Noch eineinhalb Stunden, bis er landet. Fuck, ich halte das nicht aus . . .
Mit Schwung landen die Decken auf dem Teppich und ich mache mir nicht die Mühe darüber zusteigen, während ich hastig in die Küche renne und mein Telefon in dem Chaos aus leeren Verpackungen und alten Zeitungen suche. Ich hatte schon genug damit zu tun, jeden Tag in die Arbeit zu gehen und diese beschissene aufgesetzte Fröhlichkeit aufrecht zu erhalten, da hatte ich nach Feierabend nun wirklich nicht mehr die Kraft dazu, meine Wohnung aufzuräumen. Außerdem, wen störts? Mich nicht. Vielleicht wird der Haufen irgendwann mal so groß, dass ich mich darin verkriechen kann.
Zwischen einer leeren Pralinenverpackung und einer halbvollen Weinflasche finde ich schließlich, was ich suche. Nachdenklich fahre ich mit dem Daumen über das Display und wische ein wenig über die Tasten, bevor ich es mit der ganzen Hand umschließe und damit zurück ins Wohnzimmer tapse.
Es ist kurz nach neun und im Fernsehen laufen gerade Nachrichten. Ich höre nicht zu, das Leid der Welt kann ich im Moment überhaupt nicht teilen. Kleine depressive Schlampen wie ich sind nun mal so egoistisch. Stattdessen kaue ich nachdenklich auf meiner Unterlippe herum und höre erst damit auf, als sich der penetrante Geschmack von Blut in meinem Mund ausbreitet. Scheiße, ich kann ihn doch jetzt nicht einfach so anrufen. Und was soll ich überhaupt sagen?
N Abend Aki, ich will dein romantisches Candle-Light-Dinner nicht stören, aber ich hatte grade panische Angst, dass Lauri vorbeikommt und mich umbringt, da dachte ich, ich meld mich mal bei dir. Na wie wärs? Bock, eins auf die Fresse zu bekommen und anschließend mit mir zusammen deinen letzten Atemzug zu tun? Klingt doch nach Spaß!
Nein, ich kann das nicht. Er ist verliebt und ich will sein Glück nicht verderben . . . ob er ihr wohl gesagt hat, was passiert ist? Dass er und ich fast . . . und dass er mit Lauri? Wahrscheinlich nicht. Eigentlich ist er ein Arsch . . . Also warum habe ich nur das Gefühl, dass ich im Moment niemanden wirklich in meiner Nähe haben will, außer ihn? Ich könnte schließlich zur Polizei gehen, zu meiner Familie oder sonst wohin, einfach weg von hier.
Aber nein, alles was ich will, ist bei ihm zu sein und wenn er dabei vor meinen Augen mit seiner Tussi rummachen würde, das wäre mir egal. Lieber ein doppelt gebrochenes Herz als diese wahnsinnige Angst.

Viertel vor zehn. Fröstelnd wickle ich mich enger in meinen langen Mantel und atme dann nocheinmal tief durch, bevor ich die Autotür entgültig zuknalle und mich langsam auf den großen Hauseingang zu bewege. Die Klingelschildchen sind schwach beleuchtet und so dauert es eine Weile, bis ich endlich das verräterische A.H. gefunden habe. Sehr einfallsreich, da kommt bestimmt niemand drauf, wer hier wohnt. Jeder fanatische Fan würde nach dieser glorreichen Lösung des Rätsels ganz begeistert die Klingel drücken, bis ihm da oben das Trommelfell platzt, und was mache ich? Stehe hier mit ausgestrecktem Zeigefinger und bringe es einfach nicht fertig, das kleine Knöpfchen zu berühren.
Der Regen ist mittlerweile stärker geworden und an meinen Haaren tropft bereits so viel Wasser herunter, dass mein ganzer Rücken klatschnass ist. Aber es ist nicht nur kalt und nass, es ist zu allem Überfluss auch noch dunkel. Ich werde fast wahnsinnig, wenn ich mich von der Straße abwende, als könnte mich jeden Moment etwas von hinten anspringen. Wahrscheinlich leide ich unter Verfolgungswahn. Aki hatte Recht, wenn ich alles nur in mich hineinfresse, frisst es mich eines Tages auf und ich glaube, es hat bereits angefangen. Und zwar an meinem Verstand. Lauri hat bestimmt gewusst, dass ich herkommen würde und deshalb hat er vorsorglich eine frühere Maschine genommen und versteckt sich jetzt hinter einem der parkenden Autos um mich innerhalb der nächsten zehn Sekunden qualvoll niederzumetzeln, alles klar . . .
In genau diesem Augenblick geht vor meiner Nase die große Haustüre auf und kann ein ersticktes Quieken nicht mehr unterdrücken, während sich eine alte Frau mit Gehhilfe kopfschüttelnd und brummeln an mir vorbeiquetscht. Völlig geschockt flüchte ich mich durch den offenen Spalt ins Treppenhaus und kneife mich dort ersteinmal ganz fest in den Arm.
Ich muss mich jetzt endlich beruhigen, ich bin schließlich kein kleines Kind mehr.
Was hat die Alte um diese Zeit überhaupt noch auf der Straße zu suchen? Egal, das ist jetzt wirklich nicht mein Problem.
Langsam steige ich Stufe für Stufe in den vierten Stock hinauf und stelle dabei nüchtern fest, dass die Wohnung ziemlich schlau ausgesucht wurde. Das Haus macht den Eindruck, als würden hier nur ein paar stinknormale Familien, alte Leute und ein paar abgefuckte Junggesellen wohnen, genau wie in den restlichen zehn Häusern der Straße. Niemand käme beim Anblick der ganzen verdreckten Gummistiefeln und Altpapierbündeln vor den Türen, dass zwei Stockwerke weiter oben ein stinkreicher, kleiner Drummer lebt, der am Tag soviel Geld für Essen ausgibt wie diese Leute in einer Woche.
Nur noch eine Etage. Hoffentlich irre ich mich nicht. Das letzte Mal, als ich hier war, ist bestimmt schon drei Jahre her und ich bin nach zwei Stunden sturzbetrunken nach Hause geflüchtet, weil die Bullerei im Anmarsch war . . .
Nein, ich bin mir sicher, dass es hier war. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich mit Lauri den ganzen Nachmittag Bierkisten hier hoch geschleppt habe, nachdem ich mit meinem gefälschten Ausweis fast von einem Kaufhausdetektiv angezeigt worden war. Wir haben eigentlich nie etwas anderes gemacht, als Scheiße zu bauen und es war okay so. Bis er angefangen hat, so komisch zu werden . . . Scheiße.
Bevor ich wieder anfangen kann, unkontrolliert loszuzittern, werde ich von einem lauten Knallen über mir abgelenkt. Eine der Wohnungstüren ist aufgeflogen und im nächsten Augenblick erfüllt wütendes Gekeife das Treppenhaus. Akis Ische vom Flughafen trampelt mit hochrotem Kopf auf seinem Abstreifer herum, während er daneben steht und sich anscheinend nicht entscheiden kann, ob er traurig oder eher genervt gucken soll.
„KOMM DU MIR NOCH EIN EINZIGES MAL ANGEKROCHEN, DU VERFICKTER, KLEINER . . .“
„Ira, ich fänds echt besser, wenn du jetzt gehst . . .“
„SCHEIßE, ICH LASS MICH VON DIR NICHT EINFACH RAUSSCHMEIßEN!! VERGISS ES!!“
„Geh bitte nach Hause.“
Für einen Augenblick schweigen beide, dann hebt sie plötzlich die Hand und holt aus, doch Aki ist schneller und umklammert mit einem Knacken hier Handgelenk in der Luft. Mir wird plötzlich ganz schlecht, weil mich der Anblick seiner weißen Fingerknöchel schon wieder an Hamburg erinnert. Bis jetzt haben sie mich noch nicht bemerkt, ich kann immer noch gehen . . .
„Weißt du was? VERRECK DOCH, HAKALA.“
Starr vor Schreck bleibe ich mitten auf der Treppe stehen und werde um ein Haar von Ira platzgewalzt, die ohne vom Boden aufzusehen die Treppen nach unten stürmt. Im letzten Moment kann ich mich durch einen Sprung zur Seite retten und lade so leider Gottes direkt in Akis Blickfeld, der nachdenklich den fliegenden blonden Locken hinterher sieht.
„Jo, was machst du denn hier?“
Ich war grad in der Gegend, haha.
„Ich wollte nicht stören, sorry . . .“
„Nein, quatsch, komm hoch. Du hast das perfekte Timing.“
Zögernd bleibe ich auf meiner Treppenstufe stehen und merke das erste Mal seit vergangenem Samstag, dass ich Angst davor habe, mich in näheren Kontakt mit Menschen zu begeben. Ich habe tatsächlich Angst davor, die letzten vier Stufen zu ihm hochzugehen . . . wegen dem Griff nach ihrem Handgelenk . . . wegen allem.
Ich weiche seinem abwartenden Blick aus und höre kurz darauf das Klicken seiner Wohnungstür, während ich irgendwie ertappt auf den Fußboden starre. So, das wars . . .
„Wenn du nicht hochkommen willst, komm ich eben runter zu dir.“ Mit Schwung landet sein dicker schwarzer Wintermantel zu meinen Füßen und kurz darauf blinzeln mich Akis stahlgraue Augen abwartend von unten an. Ich überlege kurz und lasse mich dann im Zeitlupentempo neben ihm nieder. Irgendwie ist das ganze total absurd . . .Lauri will mich umbringen, ich flüchte zu Aki, der sich grade mit seiner Freundin zofft und anschließend nix Besseres zu tun hat, als mit mir einen netten Plausch im Treppenhaus zu halten.
„Ich hab dir schließlich angeboten, herzukommen . . .“
„Warum war sie so wütend?“ Entschlossen hebe ich den Kopf und zwinge mich dazu, ihn direkt anzusehen, während ich mit ihm spreche. Sein Gesicht wirkt müde und traurig, aber trotzdem liegt ein mattes Strahlen in seinem Blick. Können Augen matt strahlen? Akis können es jedenfalls.
„Oh, ich glaub, sie war etwas sauer, weil ich mit ihr Schluss gemacht hab.“
„Und warum hast du?“
„Ich finde es unfair, mit jemandem zusammen zusein und demjenigen etwas vorzuspielen, obwohl man ihn nicht mehr liebt. Das ist alles.“
„Okay, ich, tut mir leid.“
„Braucht es nicht. Sie hat eh genervt in letzter Zeit.“
Ich muss lachen, doch das vergeht mir ganz schnell wieder, als ich plötzlich die Wärme seines Köpers an meiner ganzen Seite spüre. Starr wie ein Stock klebe ich an der Hausmauer und versuche, meinen neuerdings so hypersensiblen Fluchreflex zu unterdrücken. Verdammt, warum habe ich laufend das Gefühl, als würde mein ganzer Körper, mein ganzes Wesen gegen meinen Verstand arbeiten? Lauri hat mich geschlagen, Lauri hat mich missbraucht und niemand sonst . . . vor allem nicht Aki. Scheiße, scheiße, scheiße . . . ich will das nicht, ich will, dass es aufhört.
Mit einem Satz bin ich auf den Beinen und muss mich dabei zusammenreißen, nicht in Tränen auszubrechen. Wie soll man jemandem nur erklären, wie man sich fühlt, wenn der andere noch nie in derselben Situation war? Wie soll ich ihm begreiflich machen, dass mir seine Nähe gut tut und gleichzeitig Angst macht?
„Hast du vergessen, was passiert ist!? Du kannst dich nicht einfach so an mich ranschleichen, das halte ich nicht aus!“
Wie ein Fisch klappt er den Mund auf und zu, bevor er seine Sprache wiederfindet und sich unbeholfen im Ärmel seiner Jacke festkrallt.
„Nein, natürlich hab ich das nicht vergessen. Aber . . . letztens war es noch okay für dich. Jo, ich weiß, dass er heute zurückkommt und ich wollte dir nur zeigen, dass ich da bin. Dass ich auf dich aufpasse, wenn du das willst.“
„Deswegen bin ich hier. Aki, ich kann nicht so, wie ich gerne möchte. Ich war die ganze Woche allein . . .“
„Es tut mir so leid, was ich da am Flughafen gemacht hab. Ich hätte dich nicht allein lassen dürfen und ich wollte dir auch nicht wehtun.“
Ich nicke nur und setze mich dann zögerlich wieder neben ihn. Sein Blick sagt mir, dass er es ernst meint und ich sehe plötzlich wieder das Licht darin, das ich die ganze Woche so schrecklich vermisst habe.
Seufzend schließe ich die Augen und lehne meine Stirn an seine Schulter, bereit, jeden Augenblick zurückzuschrecken. Als seine Finger meinen Handrücken berühren, stehe ich schon fast wieder, doch ich zwinge mich krampfhaft dazu, es nur noch einen Augenblick länger zuzulassen, um zu sehen, was passiert. Schließlich streichelt sein Daumen unablässig über meine rechte Hand, während mein Kopf an seiner Schulter lehnt und es ist okay. Es ist okay, weil es von mir ausging und er nur darauf regiert hat . . . sagt mein kranker Kopf jedenfalls.
„Bitte bleib heute Nacht hier. Ich will nicht, dass du Angst hast.“
„Da bin ich auch nicht so scharf drauf.“
„Also bin ich ab jetzt dein offizieller Bodyguard, Zuhörer, Tröster, Pausenclown, Chefkoch und alles, was du willst, okay?“
„Okay.“
„Lass uns hochgehen.“
Ich atme tief durch und lasse dann zu, dass er meine Hand nimmt und mit mir die restlichen Stufen nach oben steigt. Mit einem Klicken öffnet sich die Haustür und als ich sie hinter mir schließe, weiß ich, dass ich soeben ein kleines Kapitel meines Lebens abgeschlossen habe. Die letzten sieben Tage bleiben draußen, während ich Aki nervös durch seine Wohnung folge und mich frage, was Gott wohl als nächstes Spielchen für mich vorgesehen hat.

„Tee oder Kaffee??“ grölt es von irgendwo her, während ich neugierig Akis riesiges Wohnzimmer durchschreite. Das ist schon keine Wohnung mehr, das ist eine Penthousesuite.
Mit abgesenktem Parket, großem Balkon und Schiebetüren zum Schlafzimmer. Wenn nicht überall dreckige Wäsche und leere Instandnudelsuppenbecher rumliegen würden, könnte man fast meinen, man wäre in einem Einrichtungshaus gelandet.
„Tee . . . aber mit Schuss.“
„Bitte was?!“
Mit hochgezogenen Augenbrauen lugt er um die Ecke und ich vermute, dass sich hinter dieser Wand dort wohl die Küche befindet . . . mit original Jamie Oliver Profi Kochzubehör-Set, unbenutzt versteht sich.
„Schussssss, Aljohol, you know.“
„Und wozu soll das gut sein?“
„Mir ist kalt.“
„Davon wird’s nur noch schlimmer.“
„Seit wann denn das?“
„Alkohol erweitert die Blutgefäße, dadurch verliert der Körper mehr Wärme und dann . . .“
„Jaja, okay. Dann eben kein Schuss.“
Scheinbar zufrieden rückt er seine Brille zurecht und verschwindet wieder nach nebenan.
Ich setze derweilen meine Erkundungstour fort und bleibe schließlich an der riesigen Glasfront am anderen Ende des Raumes hängen. Der Blick auf die Stadt ist atemberaubend und vor meinem inneren Auge fangen die Dollarnoten erneut an zu tanzen. Mir früher nie so richtig bewusst, wie viel Kohle die Jungs eigentlich haben . . . Als ich das letzte Mal hier war, sah alles noch ganz anders aus und an diese überdimensionale Fensterfront kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern.
„Im Sommer könnte ich stundelang da draußen stehen und mir die Stadt und das Meer angucken.“ Ich erschrecke ein wenig, als Aki plötzlich hinter mir auftaucht und mir einen dampfenden Becher in die Hand drückt. Ich nicke nur und wärme meine Finger an dem seltsam riechenden Gebräu, während wir beide eine Weile einfach nur ausdruckslos hinaus starren.
„Hast du sie umbauen lassen?“
„Mhmm?“
„Die Wohnung. Letztes Mal war sie noch nicht so . . . groß.“
„Das ist lange her.“
„Ich weiß.“
„Ich hab sie nicht umbauen lassen, ich bin einfach ein Stockwerk nach oben gezogen.“
„Oh, das is mir irgendwie gar nicht aufgefallen.“
„Du hattest damals ja auch schon einiges intus.“
Er wendet sich ab und lässt sich auf dem großen weißen Sofa nieder, das direkt neben der Glasfront steht und von ein paar buschigen Grünpflanzen eingerahmt wird. Wenn hier keine Frau oder ein Raumgestalter ihre bzw. seine Finger im Spiele hatte, nenne ich meine rechte Arschbacke ab heute Sigrun.
Für einen Moment zögere ich, folge ihm dann aber doch und lasse mich zusammen mit meinem Becher in der anderen Ecke der Couch nieder.
„Hast du mit jemandem darüber geredet?“
„Nein.“
„Warum nicht?“
„Weil . . . man, wie sollte ich das denn machen? Außerdem interessiert es eh niemanden und es würde nur alles unnötig verkomplizieren. Ich will einfach nur . . .“
„Vergessen? Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass du das je schaffen wirst? Sowas vergisst man nicht einfach.“
„Ja toll und was soll ich deiner Meinung nach machen?“
Mit einem heftigen Knall stelle ich meinen Becher auf dem kleinen Couchtisch ab, sodass die Hälfte des Inhalts überschwappt und mir über die Finger läuft. Fluchend springe ich auf und wedle verzweifelt mit der halbverbrühten Hand durch die Luft, bevor ich auf die glorreiche Idee mit dem Waschbecken komme. Während ich also in der Küche stehe und meine Fingerchen unter dem kalten Wasserstrahl halte, tritt Aki gemächlich in den Türrahmen und setzt unser Gespräch fort, als wäre nichts passiert.
„Was du machen sollst? Dir erst mal klar machen, dass es so nicht geht.“
„Was soll den das schon wieder heißen?“ blaffe ich ihn an und wünsche mir von Herzen, dass er dieses Thema jetzt endlich fallen lässt.
„Dass du mit jemandem reden musst.“
„Ich will aber nicht.“
„Hast du mich nicht verstanden? Du MUSST.“
„Gar nix muss ich.“ Brummle ich leise und stelle den Wasserhahn ab, sodass sich mit einem Mal eine bedrückende Stille über den Raum legt. Warum versteht er das denn nicht? Scheiße, wie kann er sich rausnehmen zu sagen, was ich zu tun habe, wo er doch nicht die leiseste Ahnung davon hat, was ich fühle. Wie soll er auch wissen, wie es ist zwischen blinder Wut, Angst und Hilflosigkeit hin- und herzutümpeln? Denkt er, ich bin stolz drauf, wie ich mich verhalte? Ich hab mir das nicht ausgesucht, ich wäre gerne optimistisch und fähig, einen Weg aus dem ganzen Mist heraus zu finden. Aber verdammt, wer kann sich schon zwingen, Dinge wie Hoffnung zu empfinden? Niemand kann das, keine Sau und ich bin es leid, dass er das von mir erwartet . . . wie es alle anderen auch tun werden, wenn ich es rumerzähle.
„Ich würde alles geben, um zu erfahren, was du gerade denkst.“
„Ich denke, dass du dich nicht in Dinge einmischen solltest, die du nicht verstehst.“
„Aber um dich zu trösten und zu beschützen reicht es, ja?“
„Soll ich gehen?“
„Man, jetzt . . . warum machst du mich auf einmal so blöd an? Ich will dir doch nur helfen.“
„Ich weiß. Es tut mir leid.“
„Hilf mir doch einfach, es zu verstehen.“
„Ich schäme mich, ich hab Angst, ich bin wütend, ich fühl mich, als würde ich in ein Loch ohne Boden fallen, ich fühl mich ausgeschlossen, verarscht, benutzt, hilflos, als hätte ich ne Kugel am Bein.“
„Darunter kann ich mir was vorstellen.“
„Wie schön.“
„Hörst du auf, so kratzbürstig zu sein, wenn ich dich damit erst mal in Ruhe lasse?“
Ich nicke nur und husche dann an ihm vorbei ins Wohnzimmer, wo ich mich mit meiner halbleeren Teetasse wieder in das vordere Sofaeck vergrabe.
„Ich find das überhaupt nicht gut, was du machst . . .“
„Aki!“
„Ja, Scheiße, ich mach mir Sorgen.“
„Doch nicht solange ich hier bin.“
„Gerade dann, ich versuch die ganze Zeit zu begreifen, was in deinem hübschen Kopf vorgeht.“
Er kniet vor mir auf dem kleinen roten Teppich zu Füßen des Couchtischs und sieht mit gerunzelter Stirn zu mir auf.
„Solang du mich nicht zwingst, darüber zu reden, musst du es auch nicht verstehen.“
„Soll das ein Deal werden?“
„Ich will das jetzt einfach nur ad acta legen, wenigstens für heute. Bitte Aki, das quält mich.“
„Ist ja gut . . . magst du denn hinerbleiben, heute Nacht?“
Fast gleichzeitig wandern unsere Blicke zu der großen Wanduhr, die über der Tür zum Schlafzimmer hängt. Kurz nach elf.
„Ja, ich denke schon.“
„Gut, okay . . . hast du Lust auf Pizza?“
„Eigentlich nicht so.“
„Dann also eine Familienpizza mit allem, aber ohne Ananas und so Süßkram, das ist widerlich.“
„Aki, ich hab echt keinen Hunger.“
„Hab ich zur Kenntnis genommen.“
„Und warum lässt du den armen Pizzamann dann mit nem ganzen Blech anrücken?“
„Weil ICH Hunger habe.“
Grinsend verzieht er sich mit dem Telefon in die Küche und wenige Sekunden blubbert er auch schon fröhlich drauflos, natürlich nicht ohne seine Bestellung durch eine extra Schicht Käse zu ergänzen. Danach ist es einen Moment ganz unheimlich still, was mir wieder Grund dazu gibt, wie ein verschrecktes Kaninchen in der Sofaecke zu kauern und auf die Uhr zu starren. Wann wird das endlich aufhören? Ich kann nichts dagegen machen, dass ich alles und jeden als Bedrohung empfinde. Es ist so verdammt absurd . . . nie hätte ich gedacht, dass es sich SO anfühlt, wenn einem sowas passiert ist wie mir. Dass man ständig das Gefühl hat, man könne nicht mehr selbst auf sich aufpassen, sich verteidigen, als ob man ein Kind wäre.
Und so verloren, wie auf einem riesigen Meer, dessen Ufer man aus den Augen verloren hat.
Aki kommt plötzlich ohne Vorwarnung aus der Küche geschossen, eine Kanne mit frischem, dampfendem Tee in der Hand. Gewohnheitsmäßig zucke ich ersteinmal zusammen und prompt breitet sich wieder dieser fürchterlich besorgte Ausdruck auf seinem Gesicht aus.
Vorsichtig stellt er die Kanne auf dem Tisch ab und kniet sich dann vor mich auf den Boden, genau wie vorhin.

„Jo, du brauchst doch hier keine Angst zu haben. Lauri wird nicht einen Fuß über meine Türschwelle setzen und ich . . . man, ich tu dir doch nix, das weißt du.“
„Es ist nicht wirklich Angst, es ist vielmehr . . . wenn du dich einmal so hilflos und ausgeliefert gefühlt hast, dann ergreifst du immer lieber erstmal die Flucht, bevor du sowas noch mal erleben musst. Und ich weiß, dass du mir nix tust, Aki.“
Er nickt nur und streichelt einmal kurz über meine Hand, die ich ihm vorsichtig auf die Schulter gelegt habe.
„Wollen wir uns die volle Simpsons-Drönung geben? Ich hab alle Staffeln auf DVD!“
Ganz stolz robbt er zu seinem riesigen Plasmafernseher hinüber und hält mir dann mit strahlenden Augen vier abgewetzte Boxen entgegen.
„Simpsons sind toll.“
Ich hab jetzt echt keinen Bock mehr, über mein gestörtes Innenleben nachzudenken und was gibt es da Besseres, als sich mit 6 Stunden gelber Dauerbeschallung die Hirnzellen wegpusten zu lassen. Aki kriegt sich eh fast nicht mehr ein vor Freude und so zwinge ich mich, nicht wieder komisch zu reagieren, als er ohne Nachzudenken einfach zu mir auf die Couch krabbelt. Nach etlichem Rungerutsche und Kissengeknautsche hat er endlich die passende Sitzposition am anderen Ende des Sofas gefunden und ich kann sogar damit leben, dass sich unsere Füße ab und zu berühren, wenn Mr. Hakala von Zeit zu Zeit rumzappelt, als hätte er Hummeln im Hintern.
Okay, eigentlich hoppelt er ständig herum und ich bewundere wiedereinmal die Qualität von Ikea, denn bei jedem anderen Hersteller hätte der Gute bestimmt schon eine oder mehrere Federn im Arsch. Doch dank den Schweden hüpft Aki fröhlich weiter, das Sofa hält und mir zieht es langsam aber sicher die Augen zu. Die ersten drei Folgen waren echt lustig, aber mittlerweile ist es fast ein Uhr und das gleichmäßige Geschaukel kann einen auf Dauer so richtig dösig machen. Irgendwann kriege ich alles nur noch durch einen dichten Nebel mit und als ich die Augen wieder öffne, ist es ganz dunkel und still im Zimmer. Draußen vom Gang scheint schwaches Licht zur Tür herein und als ich mich gerade ächzend erheben will, huscht Aki draußen in Shorts und T-Shirt vorbei. Als er sieht, dass ich mich bewege, legt er eine elegante Vollbremsung hin und tapst stattdessen vorsichtig über den weißen Plüschteppich auf dem Boden zu mir herüber. Womit wir wieder bei der Sache mit dem Raumgestalter wären. Welcher Mann legt sich freiwillig einen Flokati ins Wohnzimmer?
„Na du? Wie geht’s deinem Kreuz? Ich laufe immer rum wie der Glöckner von Notre Dame, wenn ich auf dem Teil einschlafe.“
„Mhmm, ich spüre nichts. Meinst du, es ist überhaupt noch da?“
„Also wenn ich irgendwie darüber stolpern sollte, geb ich’s dir auf jeden Fall zurück.“
„Das is echt lieb von dir.“
„Ich weiß. So bin ich eben.“ Grinsend schiebt er meine Beine ein bisschen zur Seite, um sich auf der Sofakante niederzulassen, und ich bin mir nicht sicher, ob ich das jetzt okay fand oder nicht. Einerseits ist es ein schönes, vertrautes Gefühl, seine Wärme durch die dünne Decke zu spüren und andererseits ist da wieder dieses -scheiße, Lauri hat mich vergewaltigt, am besten fürchte ich mich vor allem und jedem- .
Seufzend drückte ich mein Gesicht in das kleine Sofakissen und spüre kurz darauf Aki warme Hand, die beruhigend über meine Schulter streichelt.
„Komm, das wird schon. Zumindest für heute Nacht ist doch erst mal alles okay . . . oder? Brauchst du irgendwas?“
„Ich glaub, ich brauch nen heftigen Tritt in den Hintern . . . Auf dass mein Hirn am nächsten Baum hängen bleibt. Da kann es mich nicht mehr mit widersprüchlichen Gedanken und Gefühlen und dem ganzen Rotz nerven.“
„Das waren dann wohl zwei Stunden Simpsons zuviel für dich.“
„Tut mir leid, aber das kotzt mich alles einfach nur noch an. Ich will nicht mehr dauernd darüber nachgrübeln müssen, was ich denn nun fühle und ich will nicht mehr dauernd Angst haben . . . scheiße. Und ich will dir nicht dauernd das Gefühl geben, als wäre ich ein rohes Ei.“
„Ich kann dir ja dann morgen früh deinen Arschtritt geben, wenn du magst.“
„Okay.“
„Nein, im Ernst. Ich will noch mal mit dir reden, es kann schließlich wieder alles in Ordnung kommen, wenn du nur willst.“
„Meinst du?“
„Und ob. Selbstironie ist schließlich der erste Schritt zur Besserung.“
„Na wunderbar . . .“
„Versuch jetzt noch ein bisschen zu schlafen, ja? Du kannst aber auch weitergucken oder sonst was anstellen . . . und ich bin gleich nebenan, wenn du . . . Angst hast.“
Ich nicke nur und weiche seinem Blick aus, weil es mir langsam echt peinlich wird, mich vor ihm wie ein kleines Kind zu benehmen. Lauri hat sich heimlich reingeschlichen und springt mich an, sobald Akilein mich verlässt und das Licht ausmacht . . . Es ist so lächerlich.
Trotzdem möchte ich mich am liebsten an ihm festkrallen, als er mir eine gute Nacht wünscht und lächelnd die Tür zum Schlafzimmer hinter sich zuzieht. Ich will jetzt nicht alleine sein.
Doch es hilft nichts und Aki wird auch nicht ewig da sein um sich um sein armes, kleines, hilfloses Vergewaltigungsopfer zu kümmern und so schalte ich den Fernseher wieder an, um mir auf minimaler Lautstärke die Widerholungen der dämlichsten Nahtmittagstalkshows anzusehen.

Am nächsten Morgen weckt mich der herrliche Duft von frischgebrühtem Kaffee und etwas anderem, das mich verdächtig an warme Croissants erinnert. Zerknittert und verspannt wie ich bin, stiefle ich in die Küche und entdecke dort einen zeitungslesenden Aki, der angestrengt damit beschäftigt ist, eine winzige Scheibe Toast in einer Flut von Nutelle zu ertränken.
„Hast du nicht erst vor ein paar Stunden ne ganze Familienpizza verdrückt?“ murmle ich zur Begrüßung und fische mir ohne zu Fragen eine sauber aussehende Tasse aus der Spüle.
Die Freude darüber, nach dem Aufstehen nicht allein zu sein und meine gewohnte Morgenmuffeligkeit geben der Situation etwas angenehm Alltägliches. Außerdem fühle ich mich, als hätte ich keine Sekunde geschlafen. Fazit: es stört mich nicht, dass er da mit seinen Pink Panther Shorts und einem ausgeleierten T-Shirt sitzt. Ich weiß was da drunter ist, aber es wird jetzt ganz bestimmt nicht rauskommen und mich anspringen.
„Der Penner von Pizzabote hat mich doch tatsächlich versetzt . . . sag mal, was guckst du so?“
„Mach ich doch gar nicht, ich kann nicht mal die Augen öffnen, wie soll ich da gucken?“
„Doch, du guckst wie eine Kreuzung aus Kuh und Auto.“
Ja, scheiße, wenn du aufhören würdest, mit mir zu reden, müsste ich dich auch nicht angucken! Ich vertraue ihm zwar, aber angezogen ist er mir im Moment doch lieber . . . diese ganze nackte Haut, dass erinnert mich zu sehr, es ist wie eine stille Drohung. Seine ganze Haltung ist irgendwie seltsam, so provokant, so männlich. Du hast keine Chance, Baby . . .
„JO!“
„WAS!?“
„Hör auf, mich so anzustarren, da kriegt man ja Angst.“
„Ich habe nicht gestarrt!“
„Doch, wie ein Karnickel.“
„Kannst du dich mal entscheiden? Kuh, Karnickel, Auto, da blickt doch kein Mensch mehr durch.“
„Ich blicke grade durch diese Unterhaltung nicht mehr durch.“
„Is doch auch egal . . .“
Was ist bloß los mit mir? Demnächst erschrecke ich wohl vor russischen Kampfschwimmerinnen, weil die mir körperlich überlegen sein könnten.
„Kann es sein, dass du wieder in deine Grübel-Phase zurückfällst?“
„Blödsinn.“
„Ich seh doch, wies hinter deiner Stirn rattert. Man Jo, nur weil hier in Shorts rumsitze geh ich doch nicht gleich auf dich los.“
„Würdest du freundlicherweise damit aufhören, in meinen Gedanken rumzuschnüffeln?“
„Ich geh mir mal was anziehen.“
Einer letzter mitleidiger Blick für mich und dann verschwindet er nach nebenan, während ich mit meiner leeren Kaffeetasse alleine zurückbleibe.
Er hat nicht das Recht, sich hier als Hobbypsychologe aufzuspielen. Ich weiß selbst, dass es kindisch und hirnverbrannt ist, so zu denken, wie ich es gerade tue, aber ihn hat Lauri ja auch nicht wie ein Stück festgekettet und . . . er hat nicht diese tiefe Befriedigung in seinen Augen gesehen, diesen Hohn, diese Gier nach mehr . . . nach mehr Tränen, nach mehr Schmerz.
Mit einem lauten Knall kracht der schwere Kaffeetopf gegen die Wand und zersplittert in tausend kleine Teilchen, die klirrend zu Boden fallen. Ausdruckslos starre ich den Scherbenhaufen an und bin erstaunt darüber, dass es wohl doch ein Ventil gibt, durch das sich der ganze Dreck loswerden lässt. Nicht für lange, aber dennoch fühlt es sich gut an.
Meine Rechte wandert wie ferngesteuert über den Tisch und umfasst im selben Moment das offene Nutelleglas, in dem Aki mich sanft am Arm packt.
„Das ist bestimmt nicht der richtige Weg.“
„Ich will aber noch mehr Sachen kaputt machen.“
„Dann nimm die Marmelade und lass mein Baby am Leben.“
„Ist das nicht ungerecht?“
„Schon, aber im Angesicht der Situation durchaus angebracht. . . . Komm, setz dich hin.“
Willenlos lasse ich mich auf den zweiten Küchenstuhl fallen und sehe schuldbewusst in Akis Gesicht, das schon wieder diese verdächtigen Denkfalten auf der Stirn aufweist.
„Ich bin irre, ich werde wahnsinnig. Du musst mich einsperren, in die Klapse, irgendwohin.“
„Das werd ich ganz bestimmt nicht tun. Aber wir fahren nachher zu jemandem, der dir wirklich helfen kann.“
„In eine Porzellanfabrik?“
„JO!“
„Ja, tschuldigung.“
„Ich hab dir nen Platz in ner Therapie besorgt.“
Für ein paar Sekunden ist es still in der Küche, wir sehen uns nur gegenseitig in die Augen, schweigend.
„Danke.“
„Is schon okay.“
„Nein, echt, ohne dich . . . ich hätte das nie gemacht, von mir aus, mein ich . . .“
„Ich hab doch gesagt, dass ich dir in den Arsch treten werde.“
Lächelnd greift er nach meiner Hand und streichelt ganz sanft mit dem Daumen darüber, während er mich mit schief gelegtem Kopf mustert.
„Aber ein musst du mir versprechen, Joanna, hoch und heilig.“
„Ja?“
„Du musst dich echt anstrengen, auch wenn’s schwer wird . . . und du musst es deiner Familie sagen, deinen Freunden.“
„Aki, ich . . .“
„Nein, das will ich gar nicht hören. Los, sag es. Jetzt.“
Seine Hand ruht jetzt ganz ruhig auf meiner, er drückt nicht zu, sondern fixiert mich viel mehr mit seinem Blick. „Bitte.“
„Ich versprechs dir.“



[einige Wochen später]

Lauri

Wohlige Stille hüllt mich ein, während ich auf meiner Couch sitze und die fast verblassten Narben auf meinen Fingern anstarre. Ich tue das jeden Tag. Immer, bevor ich losgehe um zu sehen, was sie machen. Es erinnert mich an den Schmerz und lässt die Wut wieder aufflammen. Ohne dieses kleine Ritual hätte ich wahrscheinlich schon längst das Interesse verloren. Aber so erinnert es mich immer wieder daran, dass sie mich in meinem eigenen Blut liegen lassen haben, wie ein abgestochenes Schwein. Dass sie mich hintergangen haben, diese kleinen, intriganten . . .
Oh und es erinnert mich an diesen Blick, den sie ihm heute noch zuwirft, wenn er nicht hinsieht. Und umgekehrt. Aber es ist noch ein wenig zu früh, um sich ernstlich Sorgen zu machen. Noch leiden sie beide und sie besonders. Joanna . . . wie gern würde ich sehen, wie in ihrem Blut liegt, mit Scherben gespickt, ganz allein. Verarscht und verlassen.
Ich könnte mich immer noch in den Arsch beißen, dass ich mir dieses dämliche Eigentor geschossen habe. Ich hätte sie es tun lassen sollen und er hätte sie fallen gelassen, wenn er das bekommen hätte, was er wollte. Aber nein, Ylönen muss mal wieder in einer hirnrissigen Kurzschlusshandlung alles versauen und sie ihm auch noch in die Arme treiben. Gut gemacht, echt toll.
Aki, unser guter Samariter. Wie könnte er eine kleine, verletzte Elfe in ihrem selbstverschuldeten Dreck liegen lassen. Hätte er sie gefickt, wäre sie für ihn nicht mehr als für den Rest der Welt: ein nutzloser naiver Bauerntrampel. Ich hätte es einfach wissen müssen, dass er auf gefallene Engel steht . . .
Nun verschwende ich eben meine Zeit damit, ihn zu beobachten, wie er um sie herum tänzelt, als wäre sie aus Glas. Jeden Dienstag und Donnerstag karrt er sie zu diesem affigen Psychofritzen und wartet danach vor der Praxis. Nicht mal ein gehirnamputierter Mutant wäre so dumm, dieses Miststück mitgehen zu lassen, aber das rafft der Kerl ja nicht. Sie hat ihn eingenebelt . . .
Was soll das überhaupt? Ich hätte nie gedacht, dass es SO einfach sein würde, sie zu brechen. Normalerweise gehört da schon ein bisschen mehr dazu als simples Ficken, aber meine süße kleine Joanna ist anscheinend ein extrem zartbesaiteter Mensch. Hat sie mir so nie gezeigt .
Wie auch immer, es lag schließlich in ihrer Hand. ICH habe sie mit nach Deutschland genommen, mir hat sie es zu verdanken, dass sie mit Leuten im selben Raum sein durfte, denen sie unter anderen Umständen nicht einmal einen Seitenblick wert gewesen wäre. Und ich hatte es verdammt noch mal verdient, dass sie sich um mich kümmert anstatt Aki mit ihren großen Kulleraugen anzuhimmeln. Ich hätte sie töten können, als sie an seinem Ding rumgefummelt hat, als wäre es eine Öllampe. Miststück.
Es bleibt mir immerhin ein kleiner Trost: selbst Schwänze lutschen kann ich besser als sie.
Und ich hab ihr eine sichtlich wirkungsvolle Lektion erteilt. Vielleicht war ich etwas zu hart, aber es hat sich so gut gefühlt, ihr zu zeigen, dass sie ein kleines, hilfloses Nichts ist . . . dass ich mit ihr tun und lassen kann, was ich will und dass sie mir gehört . . .
Jedenfalls hab ich wenigstens teilweise erreicht, was ich wollte. Sie lässt ihn nicht an sich heran und auch niemanden sonst. Das heißt dummerweise, dass sie auch nicht meine Wohnung saubermacht und mir die Haare hält, wenn ich kotze, mich tröstet und bei mir ist aber das ist eben der Preis für meinen kleinen Fehltritt.
Es macht mich außerdem nervös, dass dieser Seelenklempner nicht von schlechten Eltern ist und ich sie in letzter Zeit immer öfter lachen sehe . . . vor allem, wenn sie mit Aki zusammen ist. Der beste Witz ist, dass sie bei ihm wohnt. Haha. Wenigstens schläft sie –noch- nicht mit ihm . . .
Aber trotzdem, sie soll leiden, verdammte Scheiße. Sie soll die Scherben spüren, die sich zwischen meine Rippen gebohrt haben.
Meine Fingerknöchel werden ganz weiß, während ich meine Hand zur Faust balle und ich bin ganz erleichtert, als ich einen Blick auf meine Armbanduhr werfe.
Endlich viertel vor sieben, ich kann gehen. In zwanzig Minuten wird Aki aus dem Fitnessstudio kommen und sich danach umgehend in sein Lieblingscafé begeben, um ein Gläschen Diätcola zu trinken und die Tageszeitung zu lesen, bevor er zurück nach Hause fahren und sich fürs Kino mit Jo fertig machen wird. Vielleicht gehen sie auch Boarden, Essen oder Seepferdchen reiten, das spielt im Moment keine Rolle. Nicht heute jedenfalls.
Denn lustigerweise wird ihm seine Cola heute im Halse stecken bleiben. Es ist schon interessant, wieviel man über die Gewohnheiten von anderen Menschen herausfinden kann, wenn man ihnen ein paar Wochen nachschnüffelt.

Wie es wieder prickelt. Gott, ich liebe das. In meinen Adern fließt kein Blut mehr, sondern pures Adrenalin. Wenn mich jetzt jemand erkennt, bin ich tot. Dann ist die ganze Sache gelaufen und Aki wird seine Elfe schneller außer Landes schaffen, als ich ein dämliches Autogramm schreiben kann. Er ist ja nicht dumm, auch wenn er zu komplexeren Gedankengängen dann doch eher schwerlich in der Lage ist. Zum Beispiel, dass Lauri Ylönen ganz dolle böse wird, wenn man ihm sein Hab und Gut stiehlt. Aber es gibt ja schließlich nichts, was man nicht lernen kann.
Lächelnd rühre ich in meinem Espresso und checke kurz mein Outfit in dem großen Spiegel neben dem Tresen. Ich sehe aus wie ein Kanarienvogel auf Sommerfrische, aber die Tarnung macht ihren Job perfekt. Seit Wochen treibe ich mich schon in diesem dusseligen Café und diversen anderen Orten herum, verstecke mich hinter riesigen Zimmerpalmen und benehme mich kurz gesagt wie der letzte Depp. Und trotzdem hat bisher keine Sau gerafft, wer ich eigentlich bin. Nichtmal Aki. Aber der rennt ja eh durch die Pampa ohne links und rechts zu gucken. Gut für mich, kann ich ihm heute sogar eine pädagogisch wertvolle Lektion erteilen. Dummheit muss bestraft werden. Der Mann würde nichtmal merken, wenn ihm irgend so ein krankes Weib hinterherstalken würde.
Langsam ist es aber Zeit für dich zu gehen, mein Schatz. In zwanzig Minuten musst du zu Hause sein, sonst kriegt dein kleiner Engel wieder Angstzustände. Deine beste Freundin auf der ganzen weiten Welt . . .
Mit einem Seufzen nehme ich den letzten Schluck aus meiner Tasse und stelle sie leise klirrend ab, während ich darauf warte, dass Herr Hakala sich endlich auf die Toilette begibt, um seine Konfirmandenblase zu erleichtern. Alte Pissnelke. Doch anscheinend hat er heute Zeit und blättert ganz entspannt in der heutigen Ausgabe des Helsingin Sanomat, während ich vor Ungeduld fast platze. Dadrüben sitzt er, vielleicht zehn oder zwölf Meter von mir entfernt, mit einem halbvollen Glas Latte Macchiato und einem angebissenen Riesenbaguette vor der Nase. Scheiße, ich will nicht mehr warten. Ich bin schon ganz heiß auf die Genugtuung.
Abwartet trommle ich auf dem Tisch herum und tue so, als würde ich ganz angestrengt in der neuen Veikkaaja lesen. Noch so ein kleines Tarnmittel. Würde sich Lauri Ylönen jemals freiwillig mit einer Sportzeitschrift befassen? Wohl kaum. Was interessieren mich irgendwelche Leute, die den ganzen Tag nichts Besseres zu tun haben, als einer runden Kuhhaut hinterher zurennen.
Mir drängt sich immer mehr das Gefühl auf, dass es gerade heute schief gehen wird. Wenn er seinen Arsch nicht bald aus seiner gepolsterten Sitzecke dahinten schwingt, wird Jo vor ihm zu Hause sein und dann ist mein ganzer schöner Plan im Eimer. Wochenlange Arbeit wäre im Eimer und ich weiß wirklich nicht, wozu ich im Stande wäre, wenn mir diese dusselige, trampelige Kröte schon wieder alles versauen würde.
Na komm Akilein . . . puttputt, wo ist das Klo? Ich weiß, dass du musst, mach schon.
Gleich gehe ich rüber und tunke seine Finger in warmes Wasser. Das ist ja nicht auszuhalten, das ist die reinste Folter. Trotzdem sollte ich aufzuhören, so rumzuhopsen. Und vor allem sollte ich ihn nicht dauernd anstarren. Aki ist zwar ein bisschen langsam in der Hinsicht, aber irgendwann rafft auch er es, dass ihn seit einer halben Stunde jemand mit seinen Blick durchbohrt und das muss ja nicht unbedingt sein. Er würde mich mit Sicherheit erkennen, wenn ich ihn zu sehr auf mich aufmerksam mache. Schätze ich mal.
Noch ein Stück von dem überdimensionalen Salami-Käsebagutte verschwindet in seinem Mund und tritt eine mehr als nutzlose Reise durch seinen Körper an. Ich denke, dass Akis Magen gar nicht in der Lage dazu ist, Nahrung aufzuspalten. Er könnte jeden Tag ein Kilo purer Butter fressen und würde trotzdem noch aussehen wie ein kleines, verhungertes Waisenkind. Waisenkind mit Bizeps und Sixpack.
Anscheinend kommt er jetzt allmählich doch in die Hufe, denn das Riesenbrötchen wird immer kleiner und Akis Grinsen im Gegensatz dazu immer breiter und breiter. Wie leicht man einen Mann doch glücklich machen kann. Dieser verdammte Arsch hat auch noch Jo, die ihm als Zeichen ihres grenzenlosen Dankes jeden Tag die herrlichsten Köstlichkeiten vorsetzt. Und was kriege ich? Miracoli mit Basilikum ist ein Festessen . . .
Shit. Er tut es. Jetzt. Jetzt oder nie.
Wie in Trance sehe ich ihm zu, wie er sich langsam erhebt und zusammen mit seiner Jacke Richtung Toilette abzieht. Ein Fitzelchen des Baguettes und der Rest des Kaffees stehen jetzt herrenlos auf dem Tisch. Hoffentlich ist die Plörre noch einigermaßen warm. Dann wäre es vielleicht grade noch genug Flüssigkeit. Ich muss das jetzt einfach versuchen, was hab ich schon zu verlieren?
Mit einem Ruck stehe ich auf und gehe wie ferngesteuert hinüber zu dem Platz, an dem Aki noch vor ein paar Sekunden saß. Ich unterdrücke den Drang, mich nach den anderen Gästen umzusehen und greife wie selbstverständlich nach der Eiskarte, die glücklicherweise ganz hinten auf dem Tisch liegt. Mit einem leisen Plopp landen die kleinen weißen Kügelchen in der kaum noch vorhandenen Schaumkrone des Kaffees und gehen leicht sprudelnd unter.
Ich habe es getan. Jetzt gibt es kein Zurück mehr, das Spiel hat begonnen.
Mit der Karte in meiner zitternden Hand gehe ich zurück zu meinem Platz und lasse mich fallen, als ob ich einen Marathon hinter mir hätte. Es fühlt sich nicht so an, wie ich es mir vorgestellt habe. Es ist längst nicht so befriedigend. Außerdem habe ich Angst. Ich weiß nichtmal, ob er das Zeug überhaupt verträgt . . .
„Möchten Sie noch etwas?“
Erschrocken starre ich die breitschultrige Bedienung an, die plötzlich aus dem Nichts neben mir aufgetaucht ist.
„Ähm, ja. Ich hätte gerne einen Regenbogeneisbecher.“
Sie starrt mich kurz mit hochgezogener Augenbraue an, nickt dann aber und geht davon.
Kurz nachdem sie verschwunden ist, kommt Aki zurück und setzt sich wieder an seinen Platz. Mit einem letzten Happs ist der Rest des Brötchens verschwunden und wird mit dem lauwarmen Latte hinuntergespült. Jetzt ist es zu spät. Er ist nur noch eine Puppe und ich bin sein Puppenspieler. Alles, was ich tun muss ist warten und ihm folgen, ganz gemütlich.
Ich meine, ein bisschen Aki in der Luft zu riechen, als er an mir vorbeigeht und im nächsten Augenblick den Laden verlässt. Er hat mich nichtmal angesehen.
„Ihr Eis, bitteschön.“
Ein Meer aus Farben und diversen Soßen starrt mich aus dem kleinen, metallenen Becher entgegen. Ich starre die Bedienung an und sehe dann hinüber zu der kleinen, verlassenen Sitzecke. Ein Zehn-Euro-Schein liegt wie eine Drohung unter dem Aschenbecher.
Gedankenverloren lasse ich mir ein bisschen Schokoladeneis auf der Zunge zergehen und stelle im nächsten Moment fest, dass ich eigentlich überhaupt kein Schokoladeneis mag. Ich mag nichtmal Schokolade. Aber egal, es gibt jetzt Wichtigeres. Zum Beispiel jemanden zu finden, der mir eins mit dem Gummihammer verpasst. Ich muss endlich aufhören, so gottverdammt nervös zu sein, sonst geht alles den Bach runter. Schließlich habe ich endlich die Chance auf Genugtuung vor Augen, ich kann sie förmlich anfassen. Jetzt also nur nicht schlapp machen.
Entschlossen kremple ich meinen linken Ärmel hoch und fahre mit dem Zeigefinger über die immer blasser werdenden Narben. Daran ist nur diese kleine Schlampe schuld. Sie ist eigentlich an allem schuld . . . dass wir seit Wochen keine Bandprobe mehr hatten, dass Aki mich hasst und mich geschlagen hat. Ich hätte sie nie so an meinem Leben teilhaben lassen sollen, geschweige denn, sie wie etwas Ebenbürtiges zu behandeln und mit nach Deutschland zu nehmen. Wie bescheuert bin ich eigentlich? Ich hätte sie in Helsinki lassen sollen, da hätte sie wenigstens etwas Sinnvolles tun können wie mein Parkett pflegen oder die Fenster putzen.
Aber neeeeeeeeein, klein Lauri muss in seiner grenzenlosen Weichherzigkeit ja noch ein zusätzliches Ticket nach Hamburg bei der Plattenfirma erbetteln.
Trotz alledem hätte ich nie gedacht, dass sich dieses Flittchen wie eine läufige Hündin an Aki ranschmeißt und der auch noch so grenzdebil ist drauf hereinzufallen. Genauso gut hätte sie mir vor dem versammelten Saal ins Gesicht spucken können.
Aber nun gut. Es gibt schließlich Mittel und Wege, böse Mädchen zur Vernunft zu bringen.
Ich rufe nach der Kellnerin und verkneife mir einen durchaus treffenden Kommentar über ihr speckiges Pferdegesicht, während ich ihr gelangweilt ein Scheinchen in die dazu passende Pfote drücke. Kurz darauf verlasse ich gemächlich das Café und bemerke, dann es schon beinahe Nacht geworden ist. Die Straßenlaternen verbreiten ein schummriges Licht in der abgelegenen Gasse und zaubern mir ein überlegenes Lächeln auf die Lippen. Das hier ist mein ganz persönlicher Abend, ich bin der Hauptact, so wie es schon immer der Fall war. Und das wird meine kleine Joanna in knapp einer Stunde hoffentlich auch endlich kapieren.
Sie wollte nicht lernen und sie wollte nicht fühlen, also muss ich es jetzt eben auf der psychologischen Schiene versuchen. Vielleicht wird sie heute Nacht endlich begreifen, dass ich nicht zulasse, dass sie glücklich ist, solange sie nicht bei mir ist. Und was gibt es da für eine bessere Möglichkeit, als ihr das zu nehmen, was sie so abgöttisch liebt?
Lachend schüttle ich den Kopf und krame kurz in meiner Manteltasche, bis ich ein schon ziemlich zerknautschtes Kippenpäckchen zwischen die Finger bekomme. Mit einem leisen klack flackert die Flamme des Feuerzeugs kurz vor mir auf und ich wärme mir ganz kurz meine eisigen Finger daran, bevor ich es zusammen mit dem Pack wieder in der Tasche verschwinden lasse. Ich bin nur noch ein kleiner, rotglühender Punkt, als ich meinen Weg durch die spärlich beleuchteten Straßen antrete. In gut zwanzig Minuten kann ich zur Tat schreiten, wenn alles gut geht. Wenn Aki allerdings widererwartend eine verdammte Pussy ist, habe ich ein Problem. Unknown Drummer auf dem Gehweg macht sich nicht gut. Bis nach oben sollte er es schon noch geschafft haben, ansonsten muss ich mir ganz, ganz schnell einen Plan B überlegen.
Der Weg zu Akis Wohnung zieht sich unendlich lange; nicht, weil es so weit ist, sondern weil ich mich krampfhaft dazu zwinge, besonders langsam zu laufen. Wenn ich nämlich zu früh dort bin, muss ich warten und das halte ich im Moment einfach nicht aus. Ich bin mir sowieso nicht mehr so ganz bewusst, was ich hier eigentlich tue. Mein Kopf ist völlig vernebelt und fühlt sich an wie ein riesengroßer Schwamm, vollgesaugt mit Vorfreude, Nervosität und Angst. Ich kichere leise bei der Vorstellung, dass ich Spongebobs Zwillingsbruder sein könnte und kann irgendwann gar nicht mehr aufhören zu lachen. Tränen laufen mir unablässig über die Wangen und hinterlassen einen unangenehmen, klebrigen Film auf der Haut, während ich einen Unterarm auf mein sich immer mehr verkrampfendes Zwerchfell presse.
Mein Gelächter wird von den hohen Hauswänden zurückgeworfen und dringt ganz seltsam verzerrt zurück an mein Ohr. Selbiges veranlasst ein entgegenkommendes Pärchen dazu, mich entsetzt anzustarren und einen riesigen Bogen um mich zu machen. Ihre Gesichter . . . ein herrlicher Vorgeschmack auf das, was mich erwartet.
Seufzend schlucke ich einen weiteren Lachflash hinunter und zünde mir stattdessen noch eine Kippe an. Es ist nicht wirklich gut, wenn ich jetzt zu viel Aufsehen errege und ich möchte mir die Sache jetzt nicht vermasseln lassen, so kurz vor dem Ziel. Schließlich sind es nur noch knapp drei Blocks bis zu Akis Wohnung. Eigentlich ist es ein ganz schönes Stück . . . ob er wohl das Auto genommen hat? Vielleicht wollte er noch etwas erledigen, am anderen Ende der Stadt oder noch besser . . . ins Espoo. Vielleicht hat Jo heute gar keine Spätschicht und vielleicht ist das heute kein Freitag wie all die anderen davor. Wenn Aki jetzt noch mit dem Auto unterwegs ist, kann ich nur hoffen, dass er sein Testament schon unterschrieben hat.
Fuck, das wäre eine Katastrophe. Alles umsonst. Es würde zwar ihr kleines verlogenes Herz zerfetzen, aber ich könnte nicht dabei sein und ihr genüsslich das Messer in der Brust umdrehen. Und sie würde nie begreifen. Was für ein schrecklich unbefriedigender Gedanke.
Genervt schiebe ich ihn beiseite und genieße stattdessen den letzten Zug meiner mittlerweile verkokelten Zigarette. Achtlos werfe ich den Filter in den Rinnstein und stecke meine eisigen Hände zurück in die Taschen meines Mantels.
Ich bin da.
Hellerleuchtete Fenster empfangen mich und ich bleibe eine Weile reglos davor stehen. Nichts bewegt sich, kein Schatten verdunkelt das Licht der Lampen. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass Aki mich vor genau 22 Minuten verlassen hat. Länger sollte es eigentlich auch nicht dauern, vor allem bei seinem zierlichen Körper.
Wenn ich zu lange warte, ist er für meine Zwecke nicht mehr wirklich zu gebrauchen und außerdem würde es keinen Spaß machen. Ich will, das Joanna in seine Augen sieht, in denen mein Name stehen wird.
Ich muss es riskieren. Selbst wenn es noch nicht ganz soweit ist, ich sollte ihn unter Kontrolle haben. Es sei denn, er hat sich übergeben oder eine Darmspülung machen lassen, aber soviel Intuition besitzt er dann doch nicht.
Von einer seltsamen Ruhe erfasst überquere ich die kleine Straße und sehe mich kurz um, bevor ich mich gegen die große Haustür stemme und in den Flur trete. Er macht es mir aber auch zu einfach. Eigentlich hatte ich mich darauf eingestellt, die Dame aus dem zweiten Stock zu becircen, damit sie mir aufmacht, aber Mr Hakala hat wohl mal wieder vergessen, das kleine Häkchen umzulegen, das die Tür tagsüber offen hält. Nun ja, wahrscheinlich war sein Kopf einfach schon zu sehr mit Dunst gefüllt . . . ein schönes Gefühl eigentlich.
Im Treppenhaus geht automatisch das Licht an, während ich gemächlich die vielen Stufen hochsteige. Leicht angefressen kneife ich die Augen zusammen und nehme mir vor, Akis Bude erst mal in einen Darkroom zu verwandeln, wenn ich oben bin. Haben die hier noch nie was von Augenkrebs gehört?
Endlich erklimme ich die letzten paar Stufen und stelle mit einem zufriedenen Lächeln fest, dass mein Plan –zumindest sein erster Part- wirklich zu funktionieren scheint. Die Wohnungstür steht sperrangelweit offen und von drinnen ist kein Mucks zu hören. Ganz leise husche ich den Flur und schließe die Tür hinter mir. Mit einem kaum hörbaren Klacken fällt sie ins Schloss und ich bin allein, allein mit Aki, abgeschnitten vom Rest der Welt. Vorerst zumindest. Jetzt muss ich nur noch das Objekt meiner Begierde ausfindig machen.
„Akilein, wo steckst du . . .?“
Mein Blick fällt zuerst auf die hellerleuchtete Küche, doch die ist verlassen, bis auf ein angebissenes Käsebrot auf dem Tisch. Also ziehe ich weiter, gehe ins Wohnzimmer und dimme dort erst mal das Licht ein bisschen, um meine empfindlichen Augen zu schonen. Doch auch hier ist kein Fitzelchen von Hattu zu sehen, nichtmal ein einsames Brillenputztuch.
Trotzdem kann ich der Versuchung der riesigen Fensterfront nicht widerstehen und bleibe ein paar Augenblicke davor stehen, um das umwerfende Lichtermeer der Stadt zu bewundern. Es ist so eine schöne Nacht und ich könnte ewig hier stehen und in die Dunkelheit starren.
Aber ich habe heute Wichtigeres zu tun.
Er ist nicht in der Küche, er ist nicht hier . . . bleibt ja nicht mehr viel übrig. Ich verlasse das Panorama Helsinkis und begebe mich zu der großen Schiebetür, die das Schlafzimmer vom Rest der Wohnung trennt. Sie ist nur halb zugezogen und als ich durch den kleinen Spalt linse, gibt mein Herz für einen Moment den Geist auf. Scheiße, es hat tatsächlich funktioniert . . .
Mit einem Ruck reiße ich die Tür auf und trete stumm zu Akis Körper, der reglos vor dem großen Bett auf dem Boden liegt. Ich betrachte ihn eine Weile ausgiebig, bevor ich mich zu ihm hinunterknie und seinen Kopf an den Haaren zurückziehe. Seine graublauen Augen sind halb geschlossen und nehmen mich erst wahr, als ich ihm links und recht eine verpasse.
„Du hast Besuch, mein Freund.“
Stöhnend versucht er, sich aus meinem Griff zu winden, doch ich drücke seine Arme nach unten, als wären es Streichhölzer. Lächelnd streiche ich ihm die Haare aus dem Gesicht, während er sich wieder gehen lässt und wie ein Sack in meiner Umarmung hängt.
„Ich kümmere mich um dich, keine Angst . . .“
Keine Reaktion.
Nur ein undefinierbares Stöhnen.
„Toll, du nimmst mir ja die ganze Arbeit ab.“ Murmle ich angepisst vor mich hin, während ich seine Brust mit den Armen umfasse und ihn so mehr schlecht als recht aufs Bett zerre.
Sieht aus wien Stecken und wiegt trotzdem ne halbe Tonne. Praktisch. Ich möchte auch so einen versteckten Fettspeicher.
Da liegt er nun, zusammengerollt wie ein kleines Baby, als wäre er der Unschuldsengel in Person. Nun ja, er hat zwar einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, aber davon weiß er ja nichts.
„Du kleiner, dummer Junge . . .“ Ich nehme mir eine kleine Porzellanschale vom Fensterbrett und setzte mich damit neben ihn auf sein riesiges Designerbett. Es steht in der Mitte des Raumes, ganz Playboy eben. Zu schade, dass er heute mal nicht mit Spielen dran ist.
Bedächtig ziehe ich meinen Mantel aus und nehme nur meine letzte Schachtel Kippen heraus, bevor ich ihn nach hinten in die Ecke werfe. Es klackt wieder und ich beobachte zufrieden die kleinen Rauchwölkchen, die das Zimmer sofort mit einem angenehmen Dunst füllen. So muss es wohl grade in Akis Kopf aussehen und da ist es nur fair, wenn ich ein bisschen mit ihm mitfühle. Außerdem dringt der Rauch in jede Pore seines Körpers ein und macht ihm meine Anwesenheit so unwiderruflich bewusst.
Ich möchte mit ihm sprechen, aber anscheinend hat ihn der Einstieg so umgehauen, dass er nicht zu mehr fähig ist, als einfach nur so dazuliegen. Mir ist langweilig . . .
Seufzend nehme ich meine brennende Zigarette in die Linke und streichle mit der rechten langsam über sein Gesicht, das fast vollständig von seinen Haaren bedeckt ist. Strähne für Strähne streiche ich zur Seite, bis mich seine grauen Augen wieder mit diesem seltsamen Ausdruck anstarren. Einerseits ist es ein umwerfendes Gefühl von vollendet Macht, ihn so wehrlos zu sehen, aber andererseits habe ich fast Angst, ihn zu zerbrechen, wenn ich ihn so anschaue . . . Trotzdem, auch wenn er nicht die Hauptschuld trägt, ein bisschen Strafe muss sein. Zumindest kann ich ihn als Mittel zum Zweck benutzen, Joanas kleines dreckiges Herz in Fetzen zu zerreißen.
„Nun komm schon, man . . .“ Ich drücke die Kippe aus und schüttle ihn dann kurz, aber er gibt nur einen weinerlichen Laut von sich und bleibt mit dem Gesicht auf der Matratze liegen.
Sone Pussy, ich glaubs ja nicht. Da wäre es ja direkt ne Herausforderung dagegen, meine Mutter auf nen Trip zu bringen.
Vielleicht fehlt ihm einfach der Placebo-Effekt und er weiß nicht, dass es langsam an der Zeit wäre, in die nächste Phase einzutauchen. Muss ich wohl ein bisschen nachhelfen . . .
Mit einem kleinen Schubs rolle ich ihn auf den Rücken und knie mich über ihn, sodass er meinem Blick nicht mehr ausweichen kann. Sekundenlang starren wir uns nur so an, bis ich mich zu ihm hinunterbeuge und seine ausgetrockneten Lippen küsse. Ganz vorsichtig befeuchte ich sie mit meiner Zunge und begnüge mich dann damit, ihn nur immer wieder zu küssen, während er verzweifelt mit den Augen blinzelt.
„Warum wehrst du dich denn so dagegen?“ frage ich ihn leise, während ich weiter zu seinem muskulösen Hals beschäftige, auf dem sich bereits ein dünner Schweißfilm gebildet hat. „Genieß es doch einfach und tu nur das, wonach dir ist.“ Wieder flackern seine Augen, doch dann schließt er sie vollends und lässt den Kopf zur Seite sinken, sodass ich mich bequem zu seinen Schulterblättern vorarbeiten kann.
Gosh, ich hätte auch was nehmen sollen. Es ist ja so schon atemberaubend, ihm wieder so nahe zu sein, aber wenn ich mir vorstelle, wie er das empfinden muss . . . tausendmal intensiver, stärker, wie durch ein Vergrößerungsglas.
Ich versuche jeden der kleinen lustigen Punkte auf seiner Schulter zu küssen und ärgere mich dabei über den Träger seines Tanktops, das mich im Moment ganz vehement stört. Aber ich möchte ihm keine Angst machen und so belasse ich es ersteinmal dabei und widme mich lieber wieder seinem Hals, den er mir jetzt sogar freiwillig präsentiert.
„Soll ich aufhören?“ Hauche ich leise, während meine Nasenspitze an seiner Schläfe kitzelt und ihm das erstemal so etwas wie ein Lächeln abringt. Ein sehr grenzdebiles Lächeln, aber immerhin.
„Neeein . . .“ krächzt es neben meinem Ohr, woraufhin ich von ihm ablasse und mich wieder über ihn beuge, um die Veränderung in seinem Gesicht zu begutachten. Langsam mischt sich der Nebel in seinen Augen mit Feuer und ich kann sehen, dass er endlich in der positiven Phase seinen kleinen Trips angelangt ist. Pures Verlangen sprüht mir entgegen. Er will mich. Jetzt. Und Jo wird sehen, wie sehr er MICH will . . . ihr zartes Vertrauen wird wie Glas zersplittern.
Mit einem breiten Grinsen lasse ich mich auf seinen Hüften nieder und ziehe mir extrem vorsichtig den Pulli über den Kopf, um meine Frisur nicht zu zerstören. Die Mütze wäre für diesen Abend einfach nicht passend gewesen. Heute ist ein ganz besonderer Tag. Der Tag, an dem Lauri Ylönen, everybody’s Arsch, zurückschlägt.
Jetzt sind wir beide im Partnerlook. Zwei weiße Tanktops auf dem Weg zur vollkommenen Ekstase. Hoffentlich lässt sich Joana ein bisschen Zeit, ich möchte das hier. . . genießen.
„Kannst du dich noch daran erinnern, was ich in Hamburg mit dir gemacht habe?“
Upsi, falsche Frage. Sein ganzer Körper versteift sich unter mir und ich habe das dumpfe Gefühl, dass er grade eher an den unangenehmen Part denkt. Scheiße, ich will doch nur zehn Minuten Spaß haben und schon wieder funkt mir dieses Miststück dazwischen, ohne überhaupt anwesend zu sein.
Schnell greife ich nach der halbleeren Wasserflasche neben dem Bett und ziehe Akis Oberkörper hoch zu mir, um sie ihm an die Lippen zu setzen.
„Trink was, dann ist deine Zunge nicht so schwer . . .“ Widerwillig schluckt er, während meine freie Hand seine recht wackelige Taille stützt.
„Du hast . . .“
„Shhhh.“ Seufzend küsse ich die glitzernden Wassertropfen weg, die über sein Kinn laufen und drücke ihn dann wieder auf die Matratze, während ich die Flasche wegstelle.
„Das mein ich nicht. Ich mein das andere . . . es hat dir gefallen.“
Der Anspannung weicht ein fettes Grinsen und ich beuge mich zu ihm herunter, um ihn für diese Erkenntnis mit einem Kuss zu belohnen. Ganz zart platziere ich ihn auf Akis bebender Oberlippe, entscheide dann, ein bisschen weiter zu gehen . . .
Doch bevor ich meinen Mund öffnen kann, hat seine Zunge meine Lippen schon gespalten und drängt sich mir mit einer derartigen Heftigkeit entgegen, dass mir fast die Luft wegbleibt. Ich genieße diesen komplett wahnsinnigen Kuss und danke insgeheim diesen kleinen weißen Kügelchen, die alles außer dem unbändigen Verlangen nach mir aus seinem Hirn gelöscht haben. Er hasst mich nicht, nicht jetzt.
Gierig nach mehr greife ich nach seinem rechten Arm und lege ihn mir so gut es geht auf den Rücken. Scheinbar war es doch ein bisschen viel für seinen schmächtigen Körper, aber ich kann ihm ja schließlich dabei helfen, die jeweiligen Körperteile an der richtigen Stelle zu platzieren . . .
Die Beule in seiner Hose drückt angenehm an meinen Schritt und so zerre ich mir mindestens fünf Muskeln bei dem Versuch, mich gleichzeitig an ihm zu reiben und weiterzuknutschen.
„Mhmm . . .MHM.“ Aki zappelt plötzlich unter mir, als wäre ihm eine Hummel ins Allerheiligste geflogen und so ziehe ich mich lieber vorerst zurück, bevor er mir in seinem Zustand noch nie Zunge abbeißt.
„Was ist denn?“
„Kannst du . . . das ausziehen?“ Mit einem verqueren, nebeligen Grinsen griffelt er nach meinem Tanktop und krallt sich dann darin fest, als würde ihm die Hand abbrechen, wenn er losließe.
„Wenn du mir versprichst noch zu trinken?“
„Ich mag aber nicht mehr . . .“ nölt er leise vor sich hin und mir stellen sich schon die Nackenhärchen bei dem bloßen Gedanken daran auf, wie sich wohl sein Hals anfühlen muss.
„Bitte, lieber Aki . . .“ Ich nehme seine Hand von meiner Schulter und lege sie stattdessen auf meine Hüfte, während ich ihm die schmale Stelle zwischen Hosenbund und Bauchnabel Stück vor Stück und quälend langsam preisgebe. Oh ja, scheiße, ich liebe meinen Bauch und ich bin stolz darauf. Akis Blick kann ich entnehmen, dass er ebenfalls ziemlich genau weiß, was gut ist. Wenn er nicht so ausgetrocknet wäre, würde er regelrecht sabbern . . .
Zittrig und extrem langsam tasten sich seine Finger über meine Haut, ziehen die feine Linie dunkler Härchen nach, die vom Nabel schnurgerade abwärts läuft und in meiner Baggy verschwindet. Leise stöhnend kralle ich mich in der Matratze fest, während seine Hand wie ferngesteuert über meinen Schritt streift und treffsicher genau die Stellen massiert, deren Berührung bei mir normalerweise absolutes Ausklinken verursacht.
Aber das darf ich heute nicht. Ich darf mich dieser unglaublich quälenden Lust nicht hingeben, jedenfalls nicht, bevor er nicht getrunken hat. Ich möchte ihn vögeln, nicht umbringen.
Entschlossen nehme ich seine Pfote aus der Gefahrenzone und greife stattdessen wieder nach der Wasserflasche, die glücklicherweise noch im Ganzen neben dem Bett steht. Akis Mine verfinstert sich, während ich den Verschluss abschraube und irgendwie macht es mich sogar an, wenn er so einen trotzigen Flunsch zieht.
„Aki, bitte . . .“ Ich beuge mich zu ihm herunter und küsse knurrend seinen Hals, seine Schulterblätter und versuche dabei nicht den Kontakt zu seiner Mordslatte zu verlieren, die warm und pulsierend an meinen Po drückt. Mit der freien Hand ertaste ich mir meinen Weg zwischen unseren Bäuchen hindurch, bis ich endlich den Reißverschluss seiner Hose zwischen den Fingern spüre. Jetzt kommt der beste Teil . . . Millimeter für Millimeter öffne ich seine Hose und ich verliere fast den Verstand, als ich sein ungestümes Aufstöhnen so nahe an meinem Ohr höre. Als ich schließlich mit der ganzen Hand in seine Shorts fahre und seine gesamte Länge so gut es geht umfasse, ist sein Widerstand entgültig gebrochen. Schwitzend und stöhnend liegt er unter mir, während ich mit festen Bewegungen seinen Schwanz reibe und gleichzeitig zärtlich an seinem Hals knabbere.
„Wirst du trinken?“ frage ich leise und muss mir ein Kichern verkneifen, als ich sehe, wie sich die Härchen in seinem Nacken durch den Bass in meiner Stimme mit einem Schlag aufrichten.
Apropos . . . ich hätte auch gerne ein bisschen mehr Freiheit untenrum . . . und ein paar zärtliche Hände, schmale, schlanke, wie Akis . . .
„Alles.“ Scheiße, am liebsten würde ich ihn sofort vor mir auf die Knie drücken, aber das bisschen Flüssigkeit wäre wohl nicht genug, um ihn die nächsten fünf Minuten bei Bewusstsein zu halten.
Also reiße ich mich zusammen und stütze seinen Kopf, während ich mit der anderen Hand die Flasche zu seinen Lippen führe. Er trinkt gierig, sodass ihm wie vorhin die Hälfte übers Kinn läuft, aber das macht nichts. Im Gegenteil. Ich kann mir nicht schöneres vorstellen, als die Wassertropfen wegzuküssen, die so verführerisch an seinen kleinen Brustwarzen hängen geblieben sind. Leider sind die in der Unterzahl, denn das meiste ist in seinem verdammten Tanktop hängen geblieben.
Ich kenne kein Erbarmen, bis die ganze Flasche leer ist, erst dann entlasse ich ihn mit einem angestachelten Keuchen.
„Du hattest ja doch Durst.“ Stichele ich, während ich die Flasche zurück auf den Boden stelle und ihm dann ohne weitere Umstände das Hemd über den Kopf ziehe. Seine Brust ist noch ganz feucht und so gleiten meine Lippen problemlos über seinen glatten, geschmeidigen Oberkörper.
„Ja und ich hab immer noch . . . aber auf was anderes.“
Ich lasse ungern von seinen steifen Nippeln ab, aber ich möchte in sein Gesicht sehen, aus dem mir der pure Sex entgegenfiebert. Ja, Aki ist high, aber diese Lust kommt nicht aus dem Nichts. Sie war schon da, sonst hätte es gar nicht funktioniert und ich hätte ihm wehtun müssen. Aber das hier ist nicht das Werk irgendeiner Droge, es ist nur Akis seit Ewigkeiten angestautes Verlangen nach mir, gebündelt und ungetrübt von irgendwelchen störenden Nebensächlichkeiten wie Moral, Disziplin oder Joana.
Grinsend nehme ich meine Hände von ihm und lasse mich stattdessen einfach rücklings auf die Matratze fallen.
„Bedien dich. Es ist grade Happy Hour.“

Nackt und schwitzend liegt er zwischen den tausend Kissen in seinem Bett, keucht, stöhnt und bettelt um Erlösung. Aber ich will sie ihm noch nicht geben. Sein Gesicht ist so wunderschön, wenn es so von Lust entstellt ist und ich möchte es noch ein wenig betrachten, bevor er vollends zusammenbricht. Ich fühle mich schuldig, weil ihn so quäle und seinen schmächtigen Körper zu solchen Höchstleistungen zwinge, aber ich kann einfach nicht damit aufhören.
Seufzend kuschle ich mich enger an seine Seite, presse meinen Schritt gegen seine Hüfte und lasse meine Hand immer wieder an seinem steifen Schwanz auf und abgleiten. Er genießt es, er will es aber andererseits kann ich deutlich spüren, wieviel Kraft ihn die ganze Sache kostet.
Langsam kommt der unangenehm Teil seines kleinen Ausflugs und die heftige Erregung lässt sein Blut umso schneller zirkulieren; das Gift rauscht in seinen Adern. Auch dort unter der zarten Haut, über die meine Finger so genüsslich gleiten.
„Sag mir, was ich tun soll, Aki.“ Mit der freien Hand verwuschle ich die feuchten, schwarzen Haare, die ihm nach allen Seiten vom Kopf abstehen und beuge mich dabei ein bisschen vor, um ein paar sanfte Küsse auf seinen Schläfen zu hinterlassen.
Statt einer Antwort spüre ich seine glühend heiße Hand, die sich zitternd zwischen meine Oberschenkel schiebt. Scheiße, ich platze gleich vor Geilheit, aber das darf ich nicht. Ich darf nicht platzen, nichts von mir. Tut mir leid Jungs, auch ihr nicht.
Ich bin hier, um ihm zu zeigen, was er an mir hat und nicht, um meine eigene Befriedigung zu suchen. Dazu habe ich noch genügend Gelegenheiten, wenn er endlich eingesehen hat, dass Joana ein verdammtes, giftiges Biest ist und nur ich ihm das geben kann, was er bracht.
„Sag schon.“ Akis Blick wird immer debiler, er sieht aus, als würde er nie wieder aufhören können zu grinsen.
„Warum lachst du?“ murmelt er leise und hat dabei sichtlich Schwierigkeiten, die Worte über die Lippen zu bringen. Aber das ist normal, es wird vorbei gehen, nach ein paar Stunden . . .
„Tu ich doch gar nicht, ich lächle nur. Aki, ich will irgendwas für dich tun . . .“
„Dann mach was . . . Schönes.“
„Findest du das schön?“ Ich beuge mich über ihn und bedecke seine Brust mit Küssen, wandere abwärts Richtung Baunabel und lasse dort meine Zunge kurz über die kleine Stelle gleiten. Meine Hände pressen seinen zuckenden Unterkörper fest auf die Matratze, während ich mich immer weiter nach unten vor taste und mit den Lippen einen großen Bogen über seine Hüftknochen mache, bevor ich auf der Hälfte der Oberschenkel wieder ansetze.
Ich bekomme erst so etwas wie eine Antwort, als ich seine empfindlichste Stelle berühre und ihn dort sanft mit der Zunge liebkose.
„Lauri . . .“ Seine Finger greifen nach meinen Haaren und ich füge mich dem Druck, der von seinen zitternden Oberarmen ausgeht.
Mein Blick huscht kurz zur Schlafzimmertür, die ich vorhin in weiser Voraussicht halb offen gelassen habe. Angestachelt von dem greifbaren Erfolg lasse ich ihn noch ein Stückchen tiefer in mich gleiten und spüre im nächsten Moment, wie er sein ganzes aufgestautes Verlangen mit einem Schlag in mir entlädt. Mit einem unterdrückten Aufschrei hält er meinen Kopf fest und ich tue brav, was er von mir verlangt. Sekunden später sinkt er kraftlos in die Kissen zurück und es ist nur noch sein erschöpftes, keuchendes Atmen im Raum zu hören. Behutsam beuge ich mich über ihn und gebe ihm einen sanften Kuss auf die Lippen, was jedoch ohne eine Reaktion seinerseits geschieht. Er liegt einfach nur da, die Augen flackernd geschlossen, schwitzt und zittert. Es ist nicht schön runterzukommen und vor allem nicht nach so einer Anstrengung, ich kann es ihm nachfühlen.
Vorsichtig und ohne großes Aufheben krabble ich von seinem Bett und gehe kurz hinüber in die linke Ecke des Zimmers, wo ich meine Boxershorts aufsammle und möglichst leise hineinschlüpfe. Ich bin jetzt ganz dich an der Wand, in der ein paar Meter weiter die Schlafzimmertür eingelassen ist. Langsam, Schritt für Schritt taste ich mich an ihr entlang und höre dabei den Schlag meines Herzens in den Ohren dröhnen. Nur noch ein halber Meter . . . nicht mehr atmen . . . meine Finger umschließen den Griff der Schiebetür.
Innerhalb weniger Zehntelsekunden habe ich die Tür aufgerissen und Joana gepackt, die sofort anfängt zu schreien, als wäre ich der Teufel persönlich. Fluchend presse ich meine Hand auf ihren Mund und ziehe mir ein paar ziemliche Kratzer zu, als ich versuche, ihr die Arme auf den Rücken zu drehen. Mehr schlecht als recht klemme ich sie mir irgendwie unter den Arm und zerre das heulende, flennende Stück mit mir zurück ins Schlafzimmer, wo ich sie ersteinmal in der nächstbesten Ecke auf den Boden drücke.
„Verdammt, jetzt halt doch mal die Fresse.“ Fauche ich sie an, während sie zappelnd versucht, sich wieder aufzurichten und mir dabei schon wieder ein Stück Fleisch mit ihren Krallen aus dem Arm reißt. Diese kleine hysterische Schlampe, am liebsten würde ich ihren Kopf solange gegen die Wand schlagen, bis sie endlich Ruhe gibt, aber dann würde ich ja das Beste verpassen. Sie hat nämlich Angst, verdammte Angst und diese Panik in ihren Augen tröstet mich über den Schmerz und ihr nerviges Geplärre mehr als hinweg.
Irgendwie schaffe ich es schließlich, mich auf ihre Beine zu setzen und ihre Arme unter Kontrolle zu kriegen, sodass sie nicht mehr viel tun kann, außer zu schreien und weiter rumzuheulen. Wenn das so weitergeht, rücken noch die Nachbarn an und das ist meine ganze schöne Genugtuung im Arsch. Hoffentlich hört Aki öfter mal Death Metal . . .
„Ich bring dich um, wenn du jetzt nicht sofort ruhig bist . . . HÖR AUF, VERDAMMT!!“
Wütend werfe ich mich gegen sie, sodass unsere Gesichter nur noch ein paar Millimeter entfernt sind. Die Drohung in meinen Augen spricht anscheinend Bände, denn sie schluchzt nur nocheinmal kurz und hält dann endlich die Klappe, auch wenn sie weiterhin vor sich hinwimmert wie in verendendes Reh.
„Du kleine, miese Spannerin. Hab ich dich erwischt . . .“
Sie starrt mich nur mit ihren großen, samtenen Kulleraugen an, während ihr ganzer Körper unter mir wie Espenlaub zittert. Für einen Moment spiele ich mit dem Gedanken, den Griff um ihre Handgelenke ein wenig zu lockern, aber die Tatsache, dass es sich bei Joana um ein durchtriebenes, hinterfotziges Stück handelt, lässt mich ihn ganz schnell wieder beiseite schieben. Stattdessen verstärke ich den Druck noch ein wenig und presse ihre Arme zur Seite, sodass ich freien Zugang zu ihrem schlanken Hals habe. Vorsichtig berühre ich ihn mit denselben Lippen, die gerade noch Akis Körper ins Nirvana getrieben haben und schmecke die Angst und Panik, die sich in einem Film aus Schweiß darüber gelegt haben.
Es ist wie ein kleines Feuerwerk, sie so zu besitzen und mit jeder Berührung zurückzugeben, was sie mir angetan hat. Ich wünschte, ich könnte sehen, wie ihr kleines Herz langsam und qualvoll zerfasert . . .
„Bitte . . . hör auf.“
„Wie süß. Aber komm schon, das kannst du noch besser.“
„Lauri, bitte!!“
„Na siehst du, wird doch.“
„Ich hab dir doch gar nichts getan.“
„Stimmt, du hast mich ja nur verraten und ausgenutzt, mir meinen besten Freund weggenommen, meine Band auseinander gerissen und mein Leben zerstört. Aber sonst hast du gar nichts gemacht.“
„Aber . . .“
„Jetzt hältst du mal deine verdammte Fresse, verstanden?“ Aufgebracht schubse ich sie zurück in die Ecke und würde ihr für diese Frechheit am liebsten noch ein paar verpassen, aber dazu müsste ich ihre Arme loslassen und das wäre wohl keine so besonders gute Idee.
„Du hast mich hintergangen und wolltest deine Strafe nicht akzeptieren, stattdessen hast du weiter auf meinem Leben rumgetrampelt. Aber das macht niemand mit mir und vor allem nicht du.“
Mit einem Ruck stehe ich auf und zerre sie dabei mit hoch, sodass sie eine Sekunde später wie ein nasser Sack in der Zimmerecke lehnt und schon wieder kurz vorm Losheulen ist. Wie mich dieses ewige Geflenne nervt. Noch ein einziges Mal und ich prügle den Mist aus ihr raus.
„Du liebst ihn, nicht wahr?“
Keine Antwort.
„Oh ja, du liebst ihn, abgöttisch. Und genau das ist es, was dich gerade zerfrisst . . . hast du gesehen, wie sehr er mich gebraucht hat? Hat er dir jemals soviel Leidenschaft entgegengebracht? Wahrscheinlich nicht, weil Aki nämlich zu mir gehört. Kapierst du das? Er liebt dich nicht und er wird dich auch niemals lieben.
Du hast mich nicht glücklich sein lassen und dafür nehme ich dir jetzt dein Glück, das verdammt noch mal Wichtigste in deinem Leben.“
Die letzten Worte habe ich fast ins Gesicht geschrieen und wieder sieht sie mich nur an, diesmal so ausdruckslos, dass es mich schon wieder rasend macht. Ich will zerbrechen sehen.
„Warum tust du das? Warum machst du alles kaputt? Dir bedeutet er doch gar nichts, niemand bedeutet dir irgendwas.“
„Oh doch.“ Entsetzt fahre ich herum und sehe Aki, immer noch nackt und verschwitzt, wie er seinen Oberkörper vom Bett hochstemmt und uns mit fiebrigen Augen mustert.
„Er liebt mich . . . und er liebt dich, auf seine eigene, völlig krank Art und Weise.“
„Was laberst du da für einen Bullshit? Ich hasse . . .“ Fassungslos drehe ich mich zu ihm herum und lasse dabei Jos rechten Arm los, sodass ich sie nur noch am linken Handgelenk festhalte.
„Das tust du nicht. Du liebst sie und das weißt du. Du konntest es von Anfang an nicht ertragen, dass wir uns mochten . . . dass die zwei Menschen, die dein Leben bedeuten, dich einfach ausschließen.“
„DAS IST VERDAMMT NOCHMAL NICHT WAHR!!“
„Doch, Lauri. Aber du kannst Liebe weder durch Gewalt, noch durch irgendwelchen anderen Scheiß erzwingen, auch wenn du das nie begreifen wirst. Du tust alles, um zu verhindern, dass dich jemand liebt . . .“
Seine letzten Worte sind nur noch ein Flüstern, bevor sich sein Körper heftig aufbäumt und er sich ächzend auf den Parkettboden des Schlafzimmers übergibt.
Ich stehe nur da, starre ihn an und kriege nur am Rande mit, wie Jo sich von mir losreißt und panisch in Richtung Wohnungstür davon stürmt.
„Warum hast du das gemacht?“
Mit zwei Schritten bin ich wieder neben dem Bett und starre hilflos auf Aki herab, der sich immer noch von Krämpfen geschüttelt in der Matratzenkante festkrallt.
„AKI!!“
„Weil es die verdammte Wahrheit ist.“
„Das stimmt nicht!!“ Verzweifelt packe ich ihn an der Schulter und zerre ihn zu mir herum, will die ganzen Lügen aus ihm herausdreschen. Wie ferngesteuert legen sich meine Hände um seinen Hals, drücken immer fester zu, bis sich die Knöchel ganz weiß färben. Akis Augen werden immer größer, als würden sie durch den Druck aus seinem Schädel herausgepresst. Er zerrt an meinen Armen, aber er ist viel zu schwach um sich gegen mich zu wehren. Sein ausgedörrter Körper zappelt unter mir, doch ich spüre die Tritte kaum . . . nur dumpfe Schläge in die Magengrube, ohne Empfindung.
Ja verdammt, ich liebe ihn. Sehr sogar.
Ein verzweifelter Tritt mit dem Fuß trifft mich an der Hüfte und ich lasse mich einfach von ihm davon schleudern, mitten ins Zimmer hinein. Keuchend und würgend richtet er sich auf und starrt mich an, während ich nur daliege und darauf warte, dass er herkommt und mich umbringt. Ich will nicht mehr, es hat mich in den Wahnsinn getrieben. „Dann liebe ich dich eben . . .“
„Und Jo.“
„Nein!“
„Doch, Lauri. Du hast es lange nicht gemerkt und als du es endlich gerafft hast wart du schlichtweg überfordert mit deinen Gefühlen, hilflos wie ein kleines Baby. Weil du ein verdammtes, karrieregeiles, egoistisches Arschloch bist, Ylönen. Kapierst du das eigentlich? Du bist nicht mal mehr fähig, Liebe auszudrücken, du kannst nur noch terrorisieren und verletzen, sonst nichts. Aber weißt du, was mich wirklich brennend interessiert?“
„Was?“ krächze ich leise und starre Aki ihn, der so unheimlich klar spricht, wie ich es nach so einem Trip niemals für möglich gehalten hatte.
„Warum Joana? Warum nicht ich? Sie hat mich sich nicht unter den Arm geklemmt und mitgenommen oder zu irgendwas gezwungen. Wir haben uns einfach . . . verliebt. Ich bin genauso schuld daran.“
„Hamburg war eine Band-Sache, nur du und ich, unsere Welt. Sie war nur Gast, sie hatte kein Recht, dich mir wegzunehmen.“
„Du hast mir nie gesagt, was du für mich empfindest.“
„Wie denn auch? Du warst nur noch kalt und abweisend in den letzten Monaten.“
„Nein, da verwechselt da was gehörig. DU warst es, der um jeden Preis auf das hohe, goldene Ross klettern und allen anderen, in deinen Augen minderwertigen Mitmenschen, auf den Kopf spucken wolltest. Und ich bin eben lieber ein Loser mit Menschen an meiner Seite, denen ich wichtig bin, als so ein stinkreiches, arrogantes, selbstmitleidiges und verhasstes Arschloch, wie du eins bist.“
Ich sage nichts, berechne nur überschlagsweise, wie viel Heroin ich mir wohl spritzen muss, um nie wieder so etwas ins Gesicht gesagt zu bekommen. Von jemandem, der eigentlich längst nicht mehr bei Bewusstsein sein sollte.
„Du hättest nur einen Ton sagen müssen, noch vor ein paar Wochen wären wir für dich da gewesen, du hättest das Ruder noch rumreißen können aber du hast es versaut und zwar gewaltig.“
Wieder schweige ich und wünsche mir inständig, dass er endlich aufhört und die Klappe hält. Ich will das alles nicht mehr hören.
„Wie hast du das eigentlich angestellt . . . mit mir, mein ich.“
„Ich hab dir Rohypnol gegeben, im Cafe vorhin. Du hast mich nichtmal bemerkt.“
„Aber woher wusstest du, dass ich dort sein würde und woher wusstest du, dass Jo . . .“
„Ihr habt mich auch die letzten Wochen nie bemerkt.“
„Du meinst . . . Lauri, du bist . . . das ist doch krank!“
„Das ist mir egal, ich hab erreicht, was ich wollte.“
„Gar nichts hast du erreicht, du . . .“
„Scheiße, Aki, dein dämliches Psychogelaber kannst du dir sparen. Dein kleiner Engel hat längst aufgegeben, sie weiß, dass sie niemals gegen mich ankommen wird und das ich sie zerstören und foltern kann, wann immer ich will.“
„Fick dich, Lauri.“
Zitternd und schwitzend kommt er auf mich zu und seine nebligen Augen sprühen beinahe Funken. Soll er ruhig näher kommen, ich werde ihn zu Hackfleisch verarbeiten . . .
Von draußen dringt plötzlich ein Poltern an mein Ohr, Schritte hallen durch den Flur. Aki ist nur noch wenige Zentimeter von mir entfernt, als die Schiebtür mit einem lauten Krachen zur Seite gestoßen wird. Es klickt zweimal und ich starre geradewegs in den dunklen Lauf der scheinbar geladenen Waffe, die direkt vor meinen Augen schwebt.
„Lauri Ylönen, sie sind wegen Verdacht auf Körperverletzung und sexueller Nötigung sowie mehrmaligem Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vorläufig festgenommen.“
„Wollt ihr mich verarschen!? Joana, du kleine, feige Schlampe, das ist so erbärmlich, ich . . .“
„Wir können die Anklageschrift gerne verlängern, Herr Ylönen!!“
Mit einem Ruck zerrt mich der größere der beiden Beamten auf die Beine und verpasst mir glatt einen Schlag mit dem Ellbogen gegen das Kinn, als ich Anstalten mache, mich zu wehren. Verzweifelt versuche ich, mich aus seinem eisernen Griff zu befreien, doch er lässt nicht locker und innerhalb weniger Augenblicke hat sein Kollege meine Arme gepackt um sie mir jetzt genüsslich auf den Rücken zu drehen. Schreiend und fluchend versuche ich in Akis Nähe zu kommen, doch der steht nur da und sieht teilnahmslos zu, wie die beiden mich durch die Tür hinauszerren und treten.
Ich will das nicht. Ich will nicht zur Polizei, ich will nicht ins Gefängnis. Warum ich, warum nicht Joana? Sie ist an allem schuld, sie ganz allein. Ich hab mich nur gewehrt, das ist alles.
Weiter geht die Reise, die ganzen Stufen hinunter bis ins Erdgeschoss. Meine Kraft lässt langsam nach und die Tatsache, dass ich nichts als ein paar Shorts trage, macht mich noch angreifbarer, während diese scheiß Bullen durch ihre dicken Uniformen wahrscheinlich gar nichts von meinem sinnlosen Kampf spüren.
Draußen vor der Tür steht der Streifenwagen und davor eine kleine Ansammlung von Nachbarn, die sofort wie wild anfangen zu tuscheln, als sie mich erkennen. Der harte Asphalt tut an meinen Füßen weh, mir ist kalt und die bösartigen Blicke der Menschen brennen wie Feuer auf meiner Haut. Und mitten zwischen diesen ganzen Leuten steht Joana, sie starrt mich nur an ohne irgendeine Emotion zu zeigen.
Meine Hände werden mit Handschellen zusammengekettet; anschließend drückt mich der kleinere der beiden Polizisten auf die Rückbank des Wagens und schnallt mich an, sodass ich mich sogut wie überhaupt nicht mehr bewegen kann. Ich komme mir vor wie ein Stück Vieh, im Fernsehen sieht das alles wesentlich freundlicher aus.
Mit Schwung wirft er die Tür zu und schwingt sich neben seinen Kollegen, der bereits am Steuer sitzt, auf den Beifahrersitz. Langsam rollen wir die Straße entlang und das letzte, was ich sehe ist Aki, der plötzlich aus dem Haus kommt und Joana in die Arme nimmt. Erst jetzt sehe ich, dass neben dem Haus noch ein Krankenwagen steht und ein paar Sanitäter gerade dabei sind, eine riesige Trage auszuladen.
Sie werden ihn mitnehmen. Aber Aki braucht keine Medizin, er braucht keinen Arzt, er hält Joanas Hand, nach allem was passiert ist. Er wird sie für immer halten, egal, was ich tue.
Night After Night (Out of the Shadows)


Heaven sent you to bring the answer
Heaven sent you to cure this cancer
But for a moment unbeatable chance
For a moment the world in my hands

Like an angel you came
Everytime when I pray
Saw you there in my dreams
Watching me when I sleep
Like and angel you came
Everytime when I scream

Time after time I lose again
Night after night I wake up shaking
Cause my world is breaking

Fool enough to fail again
Night after night I wake up crying
Cause I feel like dying

Still disconnected
And unprotected
Still I'm haunted
But unwanted

But for a moment
Unbreakable stars
For a moment you stayed in my arms

Like an angel you came
Everytime when I pray
Laying here at my feet
Watching me in my sleep
Like and angel you came
Everytime when I scream

Time after time I lose again
Night after night I wake up shaking
Cause my world is breaking

Fool enough to fail again
Night after night I wake up crying
Cause I feel like dying

Time after time I lose again
Night after night I wake up shaking
Cause my world is breaking

Fool enough to fail again
Night after night I wake up crying
Cause I feel like dying

Lyrics by The Rasmus





°Written from August 05 – April 17th 06 by fataldesire

Thanks to: * The Rasmus (für Inspiration, die Kraft weiterzumachen und das Gefühl, dass sinnlose Liebe bei ihnen gut aufgehoben ist)
* Liisa ( Du bist mir so wichtig, dass ich es nich mal in Worte fassen kann <3
Verzeih mir! Ich geb dich nie wieder her =))
* Kaddü & Betzi ( für die Erinnerung an meine bunkischen Wurzeln ^^)
* Jann ( für die Ankurblung meines SEXten Sinnes *gg*)
* Meinen Lesern (Eure Kommis haben der Story eine total ungeplante Wendung
verpasst und ich hoffe, dass ich euch damit zufrieden stellen
konnte ^^ Danke für die zahlreichen Reviews, ihr rockt *gg*)



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