Tervetuloa

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~~*Wicked Moments*~~

(meine 2. ff, besser,aber immer noch . . .ähem ja . . )



Kapitel 1

(Ellie)

Na super ! Echt klasse, was du da wieder gemacht hast, Elisabeth ! Ich irre hier durch Helsinki, es hat mindestens 20 grad unter null und ich hab völlig die Orientierung verloren. Wie komme ich nur wieder zurück zu Hellens Haus? Hellen ist meine beste Freundin, sie studiert genau wie ich hier in Finnland Forstwirtschaft. Ist nun mal der beste Ort für diese Ausbildung. Doch Hellen wird in zwei Wochen mit ihrem Studium fertig sein und zurück nach Deutschland gehen, während ich hier noch ein Semester absitzen muss. Das wird teuer werden, denn ich hab noch keine Bleibe gefunden, und wie es aussieht muss ich mir ein billiges Hotel aussuchen. Ich gerate plötzlich ins Rutschen und kann mich gerade noch an einer Regenrinne festklammern „Sh*t !“ Ich hätte doch keine Stilethos anziehen sollen. Dummes Kind ! Vor mir tauchen ein paar Bars auf ,wo bin ich nur gelandet? Aus einer dieser Spielunken tritt ein schwarzgekleideter Typ ins Freie, ungefähr so groß wie ich. Er will sich sein Fahrrad schnappen ,als ihm plötzlich die Beine weggezogen werden und er ins Taumeln gerät. Ich verkneife mir das Lachen und sehe zu wie der Mann auf die Schnauze fliegt. Recht so: Trinker auf den Boden. Langsam bekomme ich aber leichte Zweifel an meiner Schadenfreude, denn das schwarze Bündel ruckt und zuckt sich nicht mehr. Ich schaue mich kurz um und gehe dann, um nachzusehen ,ob wirklich nur der Alk an dem kleinen Unfall Schuld ist. Beim näheren Hinsehen entpuppt sich das Gebäude ,aus dem der Typ herauskam als ganz normales Wohnhaus. Wie kann man hier nur normal leben? Na ja, is ja nicht mein Problem. Plötzlich fährt ein Schreck durch meine Glieder. Der junge Mann sieht gar nicht zu aus, keine Fahne, gar nichts. Ich sehe in mir genauer an und muss feststellen, dass er eine Platzwunde am Kopf hat. Irgendwie kommt er mir bekannt vor . . . Eins steht fest , in eine von diesen zwielichtigen Bars bekommen mich keine zehn Pferde. Ich durchsuche seine Taschen und werde fündig: ein Handy, Nokia, Gott sei Dank. Leider ist es ausgeschalten. Hoffentlich ist der Typ so leichtsinnig und hat keine Pinsperre . Ich mache das Ding an und zu meiner Freude kommt gleich die Begrüßung aufs Display. Irgendwas auf Finnisch , hätt ich mir denken können. Doch zwischen den ganzen Hyroglyphen finde ich ein mir bekanntes Wort : LAURI ! Ich hab doch gewusst ,dass ich den kenne. Normalerweise wäre ich jetzt weggerannt, aber ich bin so müde und durchgefroren, dass gar kein Schiss aufkommen kann. Ich arbeite mich zur Sprachwahl vor und stelle das Telefon auf deutsche Sprache um. Endlich kann ich was lesen!. Ich suche im Telefonbuch nach den mir bekannten Namen und wähle schließlich Eeros Nummer. Der ist mir am sympathischsten. Bin ich bekloppt? Ich wühle hier einfach in Lauri Ylönens Handy rum! LAURI YLÖNEN, den Tausende, ja Millionen von Mädchen verehren, anbeten . . .was weiß ich noch alles. Aber mir ist es egal, ich will einfach nur heim, in mein Bett. Aber wenn ich ihn liegen lasse, kann ich nicht schlafen, also rufe ich Eero an. Hoffentlich versteht er mich überhaupt.
(Ihr müsst euch den Dialog in gebrochenem Englisch vorstellen, wobei das erste Wort auf Finnisch wäre)
- Hallo?
- Ähm, ja hallo ! Halt mich bitte nicht für einen verrückten Groupie oder so, aber ähm, ich hab deinen Freund Lauri mit einer ähm, wie heißt das gleich?, ähm platzwunde am Kopf gefunden. Könntest du ihn vielleicht holen?
- Willst du mich verarschen?
- Nein! Ich meins ernst!
- Wo bist du?
- Hier sind überall Bars und ein kleines Wohnhaus dazwischen.
- Na gut, ich glaub das jetzt mal. Bin in 5 Minuten da. Würdest du solange noch da bleiben?
- Ja, ok. Ciao
- Ciao

Sind Finnen generell so unfreundlich? Ich stecke das Handy zurück in die Tasche, nachdem ich die Sprache wieder geändert habe und warte auf Eero. Dabei will ich doch nur in mein Bett!


Kapitel 2

Endlich sehe ich ein paar Scheinwerfer in der Ferne auftauchen. Sie kommen näher und näher ,bis sie schließlich kurz vor mir stoppen und verlöschen. Ein Man steigt aus, viel größer als Lauri, aber genauso schwarz gekleidet.
- Hi ! Bist du also doch kein kreischender Groupie, der Lauris Handy gestohlen hat. Tut mir leid ,dass ich dich vorhin so kühl behandelt hab, aber es kommt öfters vor, dass Fans sich so was ausdenken, um uns irgendwo hin zu locken.
- Schon ok , ich leb ja noch.
Er kniet sich neben Lauri und mustert ihn. Schließlich hebt er ihn hoch und trägt ihn zum Auto. Dabei nuschelt er irgendwas auf Finnisch ,das ich natürlich nicht im Geringsten verstehe. Als Lauri auf dem Beifahrersitz verstaut ist, drückt Eero mir einen Zettel mit einer Handynummer in die Hand.
- Schreib mir mal, wann du Zeit hast. Lauri will sich sicher bei dir bedanken, dass du ihn nicht mitgenommen und an deine Wand gehängt hast.
- So starke Nägel hätte ich ja gar nicht. Ich meld mich mal.
Er steigt ins Auto und fährt davon. Toll! Jetzt hast du wieder vergessen zu fragen wos langgeht. Wütend über mich selbst mache ich wieder auf den Weg. Als ich die Seitenstraße verlassen habe, finde ich mich plötzlich an der riesigen Einkaufsmeile von Helsinki wieder. Von hier aus weiß ich, wie ich zu Hellens Haus komme. Meine Schritte werden schneller. Mein Bett ruft. Ganz laut. Ohrenbetäubend. Nach 10 Minuten stehe ich vor dem kleinen Reihenhaus und drücke den Klingelknopf. Meine beste Freundin begrüßt mich mit den Worten : „ Da bist du ja endlich! Dachte schon, du musst nachsitzen.“ Sie grinst mich an und ich grinse zurück. Hellen hat Pizza bestellt und ich falle gierig über mein , inzwischen kaltes Essen her. Später ziehe ich mich um und falle totmüde ins Bett. GSDF, Gott sei Dank Freitag. Schlafen, ganz lange schlafen, einfach herrlich. Doch als ich nach einer Stunde immer noch wach bin, vergeht mir die Freude aufs Wochenende. Ich stehe auf und gehe ans Fenster. Helsinki ist immer noch hellbeleuchtet. Ich fühle mich, als wäre dort unten eine riesige Party im Gange, und ich wäre als einzige nicht eingeladen. Was Lauri und Eero jetzt wohl machen?
Ich sehe mein Handy auf dem Nachtisch liegen. Soll ich . . .? Ich bin doch kein Kreischie! Aber andererseits hat Eero ja gesagt, dass ich mich melden soll .Huhu, Ellie! Das war vor gerade mal 3 Stunden. Und wenn ich ne SMS schreibe? Anrufen trau ich mich ja eh nicht. Ich setzte mich aufs Bett und schalte meine Piepskiste ein. „Servus Ellie!“ erscheint auf dem Display. Ich klicke mich ins Spielemenü und quäle mich 10 Minuten lang mit Snake ab. Dann öffne ich ne neue Message und höre in mich hinein. Was soll ich den schreiben?
Hallo, hier ist die Rettung in der Not. Hätte gerne meine Belohnung. Komm gefälligst her und spendier mir einen Kaffee!
Das würde Hellen schreiben. Aber ich entscheide mich für einen anderen Text.
Hallo! Na, wieder nüchtern? Hab dich vor der Kneipe gefunden und Eero angerufen . Würde gern wissen, ob es dir wieder gut geht.
Ellie
Das mfg lass ich weg, versteht ja hier sowieso keiner. Ich krusche den kleinen Zettel heraus und übertrage die Nummer ins Handy. Bevor ich es mir anders überlege, schicke ich die Mail ab. Oh, Gott, was hab ich getan? Halt die Klappe und geh ins Bett! Ich gehorche der strengen Stimme und lege mich wieder hin. Seit wann führe ich eigentlich Selbstgespräche?
Ich will gerade wegdösen, als mein Handy anfängt zu piepsen. Eine Kurzmitteilung erhalten. Ich klicke auf Anzeigen. Die SMS öffnet sich. Sie ist von . . .

Kapitel 3

Mama! Ob ich mich denn auch wohl fühle, in Helsinki. Was fragt sie mich so was? Wir haben uns auseinander gelebt. Sie interessiert mich nicht die bohne. Wegen ihr und meinen anderen bescheuerten Familienmitgliedern bin ich doch ausgewandert. Ich lösche die Mail. Kannst mich mal, MUTTER! Mit diesem Gedanken schlafe ich endlich ein. So ein beschissener Tag!

Am nächsten Morgen wache ich erst gegen 11 auf. Kein Wunder bei dieser schlaflosen Nacht. Schlurfend gehe ich ins Bad und sehe mich im Spiegel an. Struppelige, braune Haare, Müllfarbene Augen. Ich wende mich ab. Sowas kann kein Mensch ertragen. Als ich unten in der Küche ankomme, finde ich lediglich einen Zettel vor.
„ Bin mit Andy und Charles in der City. Könnte später werden. Alles Liebe Hellen.“
Meine Mine wird noch ein bisschen verregneter. Es ist Wochenende und ich sitze hier in einem fremden Land, in einer fremden Stadt, in einem fremden Haus und hab keinen Plan, wie ich mich beschäftigen soll. Ich setzte mich an den Esstisch und nehme mir von dem Kaffee, den mir meine beste Freundin gütiger Weise warmgehalten hat. Zu essen mag ich nichts, bin sowieso zu fett. Ich starre aus dem Fenster und wärme mir die Hände an meiner Tasse, als ich plötzlich wieder dieses wohlbekannte Geräusch höre. Schnell stelle ich die Tasse ab und renne nach oben. Mein Telefon hat Post für mich. Von Lauri ! schnell öffne ich die message und überfliege die Zeilen.
Hi Ellie ! Mir geht’s wieder ganz gut. Hab nur fürchterliche Kopfschmerzen. Würde dich gern auf einen Kaffee einladen, als kleines Dankeschön. Wie wärs mit Heute um 15 Uhr im „ Chanson“ ?
Lauri
PS.: Ich war nicht voll gestern
Och nö! Hätt ich nur nicht geschrieben. Ich traue mich nicht, einem Star im wachen Zustand unter die Augen zu treten. Ich schaue aus dem Fenster und überlege, was Hellen wohl gemacht hätte. Sie wäre ausgerastet vor Freude . Aber ich . . . Jetzt reichts , ich hab keinen Bock mehr mich ständig selbst zu behindern. Was andere Weiber können, kann ich schon lange!
Klar, gerne! Aber lass die Groupies zu Hause, ok ?!
Ellie
Ich bin zufrieden mit mir und fange an mich zu freuen. Wie spät ist es überhaupt? Halb eins. Ok, dann wird ich mich mal fertig machen. Bis ich dieses Café gefunden habe, vergeht bestimmt ne dreiviertel Stunde, Parkplatz suchen 10 min. . . Immer noch rechnend verschwinde ich im Bad und drehe die Dusch auf. Aaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhh!!!!! Hellen, diese dumme Kuh duscht aus unerfindlichen Gründen immer eiskalt am morgen . Apropos Hellen. Der wird ich nachher auch mal so einen süßen Zettel schreiben :
Hallo Hellen! Bin mit Lauri, dem Sänger von The Rasmus einen trinken gegangen. Könnte spät werden . . .
Ich sehe ihr dummes Gesicht vor mir und fange an zu singen.
. . . the night is calling me like a drum . . .
. . . made up my mind about the future . . .
Das wird ein geiler Tag. Ich sehs schon kommen .


Kapitel 4

Ah, da vorne ist es. War ja gar nicht so schwer zu finden. Ich werfe einen kurzen Blick auf meine Armbanduhr: Viertel vor 3 . Was solls, ich geh einfach schon mal rein. Glücklicherweise finde im am Hintereingang des Cafés gleich einen Parkplatz, wo ich meine sieben Sachen packe und das Auto abschließe . Ich gehe um die Ecke und dann noch ein Stück gerade aus , bis ich schließlich vor dem Haupteingang des „Chanson“ stehe. Cooler Laden, hat Geschmack dieser Lauri. Es ist kalt hier in Helsinki und ein eisiger Wind pfeift mir um die Ohren. Ich sehne mich nach einer heißen Tasse Kaffee und einem gemütlichen Sitzplatz, deshalb mache ich meine Drohung war und gehe hinein. Ein wohlige Wärme und der Duft von Tee und Kaffee schlägt mir ins Gesicht. Das Café ist gut besucht um diese Zeit ,aber ich finde trotzdem einen schönen Platz am Fenster . . . und an der Heizung. Ich bestelle mir einen Cappuccino und sehe gedankenverloren aus dem Fenster. Warum hab ich keinen Schiss? Es kommt mir vor, als würde ich hier auf Hellen warten und nicht auf „Lauri ,den Superstar“ . Ich kann den Gedanken nicht zu Ende denken, denn schon lässt sich jemand mir gegenüber auf die Bank plumpsen . „ Hui, das war mal wieder ne Hetzjagd . . . !“ „Groupies, Kreischies oder einfach nur Fans?“ „Keine Ahnung, ich bin um die Ecke verschwunden als hinter mir jemanden oder etwas „ LAAAAAURIIIIIIII!!!!!!!“ schreien hören hab.“ „ Solang sie dich nicht mit Plüschtierchen bombardiert haben . . .“ Er grinst mich an. Seinen schwarzen Mantel und die Mütze hat er immer noch an. Tarnung wahrscheinlich. Trotzdem: Ich hab ihn mir viel arroganter und abschätzender vorgestellt. „Darf ich dich mal was fragen?“ „Wenns ein muss.“ Er grinst mich immer noch frech an. Dachte schon ,er meints ernst. „Was treibst du in soner zwielichtigen Gasse, in der ich dich gefunden hab?“ „Das selbe könnte ich dich fragen . Ne quatsch. Kannst du dichthalten oder hast du Kontakte zu sämtlichen deutschen Teenie- Zeitschriften ?“ „ Ich hab ein Gedächtnis wie ein Sieb. Was hast du gerade gesagt?“ „Ok, aber wenn ich so was wie „ Lauri, der depressive Trinker liegt bewusstlos in den Straßen Hellsinkis“ lese , kannst du schon mal anfangen zu rennen . Also ich hab verschiedene Wohnungen, wegen den Kreischies und so. Eigentlich wohne ich in einem größeren Haus am Stadtrand, aber wenn die Fans mich dort finden ziehe ich entweder in dieses Reihenhaus neben den Bars oder ans andere Ende der Stadt. Verstehst du, das geht immer so Reih um. Ab heute bin ich wieder in meinem Lieblingshaus am Stadtrand, da alle denken, dass ich umgezogen bin.“ „ Is es denn sooo schlimm?“ „ Stell dir vor, du schläfst tief und fest und plötzlich hörst du deine eigene Stimme ohrenbetäubend „The one I love“ grölen , während eine Frauenstimme durchs Megaphon „Ich will ein Kind von dir !“ zu dir rauf plärrt.“ Ich setze mein versautestes Grinsen auf und will gerade etwas Gehässiges erwidern, als Lauri aufspringt und mich mit sich in Richtung Herrentoilette zerrt .“ Hast du se noch alle?“ „Ssshht!“ Er blickt mit den Augen in Richtung Eingang und ich folge ihnen. Da sehe ich den puren wahnsinn. Durchgeknallte Mädchen versuchen sich gleichzeitig durch die Tür zu quetschen und brüllen „ LAAUURRRIIIIIIIII!!!!!Warte!!!!!!!!!!!!!!!“ Er schlägt die Tür hinter uns zu und öffnet das Fenster. „ Bitte sehr Madame. Unser Fluchtweg.“ Ich schüttle den Kopf und zwänge mich durch das Fenster, Lauri folgt mir dicht auf den Versen. „ Meinst du nicht, ich hätte meinen Cappuccino bezahlen sollen ?“ „Der Typ, dem der Laden gehört weiß Bescheid, das zahl ich später. Wollte dich ja sowieso einladen.“ Man, hat der ein süßes Lachen! Könnte man ja glatt zum Kreischie mutieren . . . „Boa, das nenn ich ein Auto!“ Seine geilen grünen Augen werden immer größer. „ Du hast doch gar keinen Führerschein.“ Ich sehe ihn herausfordernd von der Seite an. „Aber trotzdem . . .“ Ich ziehe die Schlüssel von meinem Porsche 929 aus der tasche und halte sie ihm vor die Nase. „Willste mal mitfahren?“

Kapitel 5

„Ne, echt jetzt? Das geile Teil da gehört dir?“ „Jep, bei nem Quiz gewonnen. Das war das erste und letzte Mal in meinem leben, dass ich Glück hatte. Du kannst deinen Mund übrigens wieder zumachen.“ Wie ein kleiner Junge zu Weihnachten. Männer eben. Und dabei darf er ja noch nicht mal fahren . . . Ich kann mir das Grinsen einfach nicht verkneifen, als ich sein ungläubiges Gesicht sehe. Ich sperre den Wagen auf und setzte mich ans Steuer. Lauri steht immer noch in ehrfürchtiger Entfernung . „ Willst du jetzt mitkommen , oder lieber laufen?“ „Aähm, bin ja schon unterwegs.“ Er lässt sich auf dem Beifahrersitz nieder und betrachtet die Innenausstattung. „ Zu mir, oder zu dir?“ „Was . . .?“ „Gleich schmeiß ich raus! Hier spielt die Musik!“ Ich wedle ihm vor den Augen hin und her. „Oh, sorry. . . . soll ich dir mal mein Lieblingshaus zeigen?“ „ Klar, gerne. Wenn du mich hinlotst kommen wir vielleicht irgendwann wann mal da an.“ Lauri verspricht mir ,den Weg zu erklären und wir fahren quer durch Helsinki bis wir uns am Rande der Stadt befinden. „So, da vorne links und dann die nächste rechts, dann sind wir da.“ Wir stoppen an der Rückseite eines schönen kleinen Hauses mit einer Doppelgarage. „Da drinnen kannst du parken ,oder willst du, dass die Kreischies dein Auto voll schmieren?“ „Wär doch ganz lustig. Überall auf dem Wagen „Lauri, I love you!“. Voll cool !“ „ Mach dich da nicht drüber lustig, das ist eine große seelische Belastung für mich.“ Er setzt eine ernste Miene auf und steigt aus dem Wagen. Ich mache es ihm nach und dann stehen wir auch schon vor der Hintertür wo er hektisch seine Schlüssel herauskramt und aufsperrt. Schnell zieht er mich ins Haus und schließt die Tür hinter uns. „ Willst du nen Kaffee?“ „Mhmh . . .“ Ich sehe mich in der Wohnung genau um, sie ist groß, hell und macht einen freundlichen Eindruck. Passt gar nicht zu nem Rocksänger, finde ich. Lauri geht in die Küche uns schmeißt seinen Mantel auf dem weg in die Gardarobe, wo lauter Jacken, Mützen Schuhe durcheinander liegen. Die Haken sind natürlich alle leer. Ich mache es mir auf dem dunklen Sofa bequem, dass einen coolen Kontrast zu den hellen Wänden gibt. Plötzlich überfällt mich eine bleierne Müdigkeit und ich bin froh über die heiße Tasse Kaffee ,die mir ein paar Minuten später in die Hand gedrückt wird. Schweigend schlürfen wir vor uns hin und genießen die angenehme Stille ,die den Raum ausfüllt nach dem Trouble in der Stadt. Ich mustere Lauri von der Seite. Er sieht irgendwie weggetreten aus, schaut in die Ferne. Ich weiß nicht, was er denkt, aber ich spüre ,dass es nichts Erfreuliches ist.
Wenig später sitzen wir uns gegenüber an einem kleinen Tisch und spielen Karten. Er bildet sich ein, er wäre der beste Spieler aller Zeiten, aber das wird ich ihm schon austreiben. Tatsächlich gewinne ich und Lauri behauptet ,er hätte mich absichtlich gewinnen lassen wofür ein Kissen an den Kopf bekommt. Kleiner Spinner . . .

(Lauri)

„Wo wohnst du eigentlich?“ Diese Frage liegt mir schon ewig auf der Zunge und jetzt endlich stelle ich sie. Ellie erzählt mir, dass sie bei einer Freundin wohnt, die aber bald zurück nach Deutschland geht. Sie würde dann ins Hotel ziehen. Soll ich sie fragen? Und wenn sie mich dann für aufdringlich hält? Ach, ich hab doch keine Ahnung. Geh lieber noch ne Kanne Kaffee kochen.
Wie hypnotisiert stehe ich vor der Kaffeemaschine und starre das dampfende Gebräu an, bis hinter mir jemand sagt : „ Wusste gar nicht, dass du aus Kaffeesatz lesen kannst. Was sagt die Zukunft über mich ?Fall ich in Mathe oder doch eher Physik durch?“ Ich wirble herum und sehe ihr für einen Moment in die Augen, die vor Freude glitzern . „Ähm, na ja . . .“ Ich nehme einen überheblichen Gesichtsausdruck an und spreche mit leiser rauchiger Stimme weiter : „Du solltest dich in Acht nehmen vor der dritten Wurzel aus 49, der Kaffee sagt nichts Gutes über sie. Des weiteren solltest du jetzt von hier verschwinden, deine Sachen packen und mit deinem ganzen Krempel wiederkommen. So befiehlt es der mächtige Tchibo . . . .“

„ häh ?Was willst du damit sagen?“ Sie starrte ihn ungläubig an. „ Erstens heißt das `Wie bitte?` und zweitens zeig ich dir jetzt mal was.“ Ellie folgte ihm verwirrt aus der Küche und ein paar Stufen hinunter bis sie vor einer unscheinbaren Tür standen. Lauri kramte in mindestens 5 seiner unzähligen Taschen, bis er endlich das gefunden hatte ,was er gesucht hatte. Er zog einen Schlüsselbund heraus und sperrt ihnen auf. Nichts als Dunkelheit schlug den beiden entgegen ,als sie durch den Türrahmen traten. „hast du hier dein ganz privates schwarzes loch ohne boden, oder so?“ fragte Ellie mit einem Anflug von Unbehagen in der stimme. „ Nöö, nurn zusätzliches Apartment . . .“ nuschelte er und tastete sich an der wand entlang um den Lichtschalter zu finden. Schließlich fand er ihn und tauchte den dunklen Raum in ein strahlend helles Licht . „Wow!“ war das einzige was Ellie sagen konnte. Sie war beeindruckt von der Schönheit dieses Raums. Er hatte Ähnlichkeit mit Lauris Wohnung , doch er war nicht so vollgestopft . Wenn man eintrat stand man auf einer riesigen Parkettfläche mit vielen Fenstern die zurzeit leider durch Rollladen abgedunkelt waren. Ellie warf Lauri einen fragenden Blick zu und er sagte nur „Kreischies“ Sie gab sich mit dieser antwort zufrieden und sah sich weiter um. Auf der linken seite des Raums führten zwei Stufen zu einem weiteren kleinen Podest empor ,dass mit einer Art Geländer umfasst war. Ellie öffnete eine weitere Tür, die sich dort oben befand. Wieder schlug ihr Dunkelheit entgegen doch sie hatte schnell den Schalter entdeckt und fand sich nun in einem kleineren runden Zimmer wieder, dass nach allen Himmelsrichtungen ein Fenster hatte. Auch hier war Parkett verlegt worden. Ellie löschte das Licht und wandte sich dem zweiten Raum zu, den es auf dem kleinen Podest gab. Hier drin befand sich ein kleines Bad, ganz in weiß gehalten, mit Dusche , WC und einem Waschbecken.
Ellie ging hinunter zu Lauri, der sich auf den Boden gesetzt und ihr zugesehen hatte. Sie ließ sich neben ihm nieder und fragte nach einer weile des Schweigens:“ Warum zeigst du mir das?“ Stille . Er dachte angestrengt nach, wie er ihr seine verrückte Idee erklären konnte, ohne dass sie ihn für den verdammten Spinner hielt der er war.

Kapitel 6

„na ja, weißt du, an dem Abend, wo ich gegen mein bike gedonnert bin, da hätte mich auch ein kreischie in der luft zerreisen können . . .“ „ Das wäre dann durch die Straßen gerannt und hätte `Guckt mal ,ich hab das Herz von Lauri, dem Sänger von The Rasmus` geschrieen !“ „na ja, so ungefähr . ich wusste nicht wie ich mich bei dir bedanken soll und dann is mir eingefallen, dass du ja demnächst von deiner Freundin gekickt wirst und dann is mir eingefallen, dass die Wohnung hier ja noch leer steht und . . .“ „ . . . dann is dir eingefalln, dass das ja irgendwie schön zusammenpasst, oder?“ „hmmh . .“ Ellie wurde wieder ernst. Manchmal konnte sie sich einfach nicht zurückhalten und musste alles ,was ihr unter die Augen oder zu Ohren kam verarschen. Doch glücklicherweise verschwanden diese anfälle genauso schnell wieder, wie sie gekommen waren. „Das würdest du also wirklich für mich tun?“ fragte sie mit leiser Stimme . „ Wenn es dir nichts ausmacht, dich immermal durch eine Horde kreischender Fans zu wühlen . . .“ Er sah sie erwartungsvoll von der seite an. Eigentlich hatte er erwartet, dass sie noch mal über die Sache nachdenken oder mit ihrer Freundin darüber reden wollte. „ ach nö, wenn ich mir ab und zu mal nen scherz mit denen erlauben darf, sag ich nicht nein. Wann kann ich einziehen?“ „Sobald du willst. Aber dir ist schon klar, dass du dann die Küche mit mir teilen willst. Es sei denn, du willst dir in der badewanne ein leckeres süppchen kochen.“ „und meine spiegeleier auf der heizung braten oder was? Nee, also mir würde das nichts ausmachen, aber ich sag dir gleich: ich bin hoffnungslos unordentlich, ich lass einfach immer alles stehen und liegen.“ „Da fällt mir grad was dazu ein. Komm mal mit“ sie sprang auf und folgte ihm die treppen wieder hinauf in den ersten stock. Ellie verstand nun, warum er hier und nicht unten lebte: sogenannte bergsteigerkreischies sind selten. Lauri blieb vor einer kleinen tür stehen und grinste sie an. „aber nicht zu laut schreien ,ok?“ er ließ ihr keine zeit zum antworten und riss die tür mit Schwung auf. Der ganze raum war vollgestopft mit allerlei krempel darunter eine menge schwarzer Klamotten, Zeitungen und Papierfetzen . Ellie sagte nichts. Sie starrte nur nachdenklich in den riesigen Berg von Gerümpel und fragte dann : „ Kann ich auch sonen schrank haben?“

Kapitel 7

( 2 wochen später )

Ellie erwachte von einem lauten, äußerst unangenehmen Laut. Verschlafen blinzelte sie die helle Decke an und versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Wo kam dieses seltsame Geräusch her? Da war es schon wieder . . . Schlagartig wurde ihr klar wo sie war, und wo diese widerlichen Geräusche herkamen . Langsam richtete sie sich auf und sah zum Fenster hinaus . Wie erwartet standen dort ein paar kreischende Mädchen die mit dem Finger auf sie zeigten und hysterisch kreischten. Na super, sie hatte verschlafen. Normalerweise wachte sie auf bevor die Groupies kamen und konnte sich in die küche flüchten.
Ellie glättete ihre Haare suchte sich ein paar Klamotten aus dem Schrank und verlies ihr kleines Turmzimmer, wie sie es liebevoll nannte und verschwand im Bad nebenan . Als sie fertig wieder herauskam , standen die Mädchen schon an den Fenstern des großen Raumes und fingen erneut an zu kreischen, als sie sie erblickten. Langsam stieg die Wut in ihr hoch. Langsam ging sie zum Fenster hinüber und starrte die kleine Horde eine Weile lang an bis sie schließlich einen Entschluss fasste und das Fenster aufriss. „Is irgendwas?“ ein schlankes Mädchen mit schlecht schwarzgefärbten Haaren war die einzige die in der Lage war ihr zu antworten. Alle anderen starrten sie nur mit offenem Mund an. „ wir fragen uns nur, ob du mit dem Lauri zusammen bist oder nicht.“ „wenn es so wäre hätte ich wahrscheinlich nicht alleine im Bett gelegen oder ?“ Ellie blickte dem Mädchen frech in die augen, dem es mittlerweile auch die sprache verschlagen hatte. „Wenn ihr nichts dagegen habt, werde ich jetzt frühstücken gehen.“ Mit einem lauten Knall schlug Ellie das Fenster zu und stapfte hinauf in die Küche wo Lauri bereits hinter einer zeitung vergraben seinen Kaffee trank. „ Morgen , Mister Kreischie- Magnet!“ „ Ich wünsche dir ebenfalls guten Morgen, mein Schatz. Welches Vögelchen hat dich denn geweckt?“ säuselte er und lugte grinsend hinter der Zeitung hervor. „ Ein putzige kleine, fette Taube, die verzweifelt versucht eine Krähe zu sein .“ „ Uhhhhhhhhhh, ne Taube ! Schau mal in den Brotkorb ,da müssten noch ein paar Krümelchen drin sein. Kipp sie doch einfach mal aus dem Fenster und guck was passiert!“ Gehorsam nahm Ellie das kleine Körbchen und öffnete das Fenster, worauf man sofort wildes Kreischen hören konnte. „ Das tust du nicht . . . !“ Mit überheblicher Miene heilt sie den Korb aus dem Fenster ,drehte das Handgelenk ein und ließ die Krümel zu Boden rieseln wobei sie „Putt,putt,putt, putt . . .“ aus dem Fenster rief. Doch ehe sie noch etwas gehässigeres hinzufügen konnte würde sie an den Hüften nach hinten gezogen und auf ihren stuhl gesetzt. Lauris Gesicht war knallrot vor anstrengung sich das Lachen zu verkneifen. „Du bist echt der hammer , ellie!“ prustete er in seine Kaffeetasse und schüttelte lachend den Kopf. „Nur kein Neid mein Junge. Wie spät ist es eigentlich?“ „ Halb elf war . . .um, oh SCHEIßE!“ Flehendlich sah er sie an. Er hatte ganz vergessen , dass heute Bandprobe war, schon um viertel nach 10 . Mit dem Bike würde er mindestens 15 Minuten brauchen . . . „ Ich fahr schon mal den Wagen vor .“ sagte ellie mit einem Grinsen im Gesicht während Lauri ihr einen dankbaren Blick zuwarf und in sein Schlafzimmer raste. „Dir is aber schon bewusst, dass du dafür heute Abend Pizza machen musst, oder?“ „ Wenn mich die Jungs ganz lassen back ich dir sogar ne doppelstöckige!“ tönte es aus dem schlafzimmer . „ Ok, ich nehm das ernst !“ erwiderte sie und nahm den schleichweg in die garage um das auto anzulassen.

Kapitel 8

Ellie parkte den Wagen vor dem Studio und blickte erst kurz um sich bevor sie ausstieg. Sie war vorsichtig geworden was Fans von The Rasmus anging. Lauri jedoch war schon rausgesprungen und ins Haus gerannt bevor sie den Motor ausgemacht hatte. Langsam stieg sie aus und betrachtete ihren Porsche. Nach einer Weile fasste sie jedoch einen Entschluss und drehte sich abrupt um. Weg mit der Angeberkarre. Für das Geld, das sicherlich beim Verkauf herausspringen würde, konnte sie sich ein neues Auto und endlich schönere Vorhänge für ihre Wohnung kaufen. Blickdichte, sogar für Kreischie- Augen.
Ellie wollte gerade ins Studio gehen, als sie frontal mit Eero zusammenstieß. Er hatte seinen Schal bis an die Nasenspitze hochgezogen und ein Päckchen Taschentücher in der Hand . „ Ha . . . tschie ! Sorry, ich wollte eigentlich Hallo sagen.“ „Hi, Eero! Kleine Erkältung eingefangen?“ „ Klein is gut.“ Nuschelte er in seinen Schal und wandte sich dem Haus zu „Gehen wir rein? Die werden mich wahrscheinlich umbringen, ich bin haha . ..tschie ,sorry ; schon ne halbe stunde zu spät.“ „Ne, du, ich glaub die haben ihre Wut schon am Jumsala ausgelassen, der hat die Probe total vergessen.“ Sie betraten das Haus und Eero öffnete die Tür zum Probenraum. „Aha, Master Heinonen is auch angekommen, dann sind wir ja komplett!“ tönte Akis Stimme aus dem hinteren Teil des Zimmers. „Ach, hi Ellie!“ fügte er hinzu und schob sich hinter das Drumset. „Hi! Ja ich bin auch da, Aki!“ Ellie ließ sich grinsend auf die Couch fallen, wo Lauri in einem Haufen von Songtexten saß und sich nicht entscheiden konnte, was noch geübt werden sollte. „ Ellie, was können wir nicht?“ sagte er und wühlte weiter in seinem Papierhaufen. „Öhm, logisch denken oder so was in der Art ´?“
„ ELISABETH!“ „Nenn mich nicht so, du weißt ganz genau ,dass ich das nicht mag. Aber na gut. Ich finde ihr solltet In the Shadows noch mal üben. Das habt ihr schon so oft gespielt, dass sich langsam Leichtsinnsfehler einschleichen.“ „Yeah, du hast Recht. Dann In the Shadows. Wo isn der Pauli überhaupt?“ „Der wollte dich und Eero anrufen gehen.“ Brummelte Aki während er konzentriert seine Drums einstellte. „Da is er doch!“
Pauli kam durch die Tür und erblickte mit missmutigem Gesicht Eero und lauri „Hättet ihr nich mal pünktlich sein können? Dann hätt ich mir das Treppen-rauf-und-runter-gerenne ersparn können. Hi, Ellie! Hat der Herr Ylönen mal wieder verpennt?“ „Ne, er hats vergessen.“ „noch besser. Naja, kommt, wir fangen an ! . . . Was isn mit dir Eero?“ Er wandte sich seinem Bandkollegen zu, der sich an seinem Bass zu schaffen machte. „Erkältung !“ kam es aus dem Haufen von Klamotten, den die anderen nun als Eero identifizierten . „ Ne, ne, so geht des net. Singen kannst du ganz bestimmt nicht und Bass spielen wird auch schwierig. Am besten du schaust heut mal nur zu.“, sagte Aki besorgt und erwiderte Eeros missmutiges brummeln. „ wir könnens nicht riskieren, dass du auf tour ausfällst, also mach platz neben ellie.“ Der Bassist zögerte einen augenblick bis er sich schließlich doch auf der breiten Couch niederließ und sein Instrument beiseite legte. Im Grunde hatten die Jungs ja Recht. Ellie lächelte ihm zu und konzentrierte sich dann wieder auf den Rest der Band, der nun mit den ersten Takten von ITS begann. Warum konnte Maja, seine Frau, nicht auch so unkompliziert sein wie Lauris Untermieterin?

Kapitel 9

„Du Eero?“ „ Mhm. Was isn ?“ Er zog sich den schal etwas zurecht, sodass er ungehindert sprechen konnte. Erst jetzt bemerkte Ellie wie rot er im Gesicht war . „ Zwei Dinge. Erstens :du siehst aus, wie ne Tomate wenn’s brennt. Zweitens : Weißt du, wo man hier in Hellsinki Autos verscherbeln kann?“ „Du willst deinen megaschlitten loswerden ?“ fragte Eero mit ungläubigem Gesichtsausdruck . „Ja, mich nervt dieses blöde Teil langsam. Überall wirst du angestarrt, wenn du aussteigst. Und dass ich bei einem Star zur Untermiete wohne und täglich von Kreischies verfolgt werde , macht die Sache auch nicht besser. Ich will mir ein ganz normales, kleines süßes Autolein kaufen und von dem was übrig bleibt vielleicht noch ein paar Sachen für die Wohnung . . .“ Ellie hatte sich so in Rage geredet, dass sie ins Deutsche übergewechselt war. „ Was ist bitte ein Kreischie?“ fragte ihr Gegenüber interessiert. „Das meiste hab ich verstanden, aber dieses wort kenne ich nicht.“ „Soll ich’s dir einfach sagen oder es beschreiben und den Lauri dabei verarschen?“ Ihre Augen blitzten vor Vergnügen als Eero grinsend mit dem Kopf in Richtung Lauri deutete. „Ok, dann pass auf ! Kreischie sind Leute ,die Folgendes tun.“ Sie fing wild an zu kreischen, hopste auf dem Sofa herum und schrie : „LAURIIIIIIIIIIIIIIIII, ICH WILL EIN KIND VON DIR !“ Schlagartig verstummte die Band und starrte hinüber zu den beiden Gestalten die sich vor Lachen nicht mehr halten konnten über die dummen Gesichter, die sie anstarrten. „ Euch geht’s aba schon noch gut oder ?“ sagte Lauri langsam und sah sie abwechselnd verständnislos an . „ Ich hab Eero nur erklärt, was ein „Kreischie“ ist.“ „Mann, du weißt doch, dass wir keine Sprachgenies sind. Was ist denn ein „Kreischie“?“ „Das, was ich grad nachgemacht hab. Ihr würdet Groupie sagen, aber ich find Kreischie schöner.“ „ Wennste meinst. Nochmal von Anfang ,ok?“
Während die drei Jungs ihre Probe fortsetzten unterhielt sich Eero mit Ellie. Zwar wurde ihr Gespräch des öfteren durch heftige Niesanfälle unterbrochen, aber der junge Mann hatte trotzdem das Gefühl, das erste mal nach langer Zeit einfach nur mit jemandem zu reden, ohne groß nachdenken zu müssen.

„Mist !“ dachte Ellie, als sie am Abend schlaflos in ihrem Bett lag. Sie hatte immer noch keinen Plan, wie sie dieses Protzauto da draußen loswerden konnte. Früher hatte sie sich gefreut, damit aufsehen zu erregen, aber jetzt hatte sie langsam genug davon und sehnte sich etwas mehr Ruhe in ihr Leben. Am Nachmittag, als sie mit Lauri zurück nach Hause gefahren war, waren sie wieder von einer Gruppe schreiender Mädchen umringt worden. Ihr Untermieter musste erst zig Autogramme unterschreiben bis sie endlich ins Haus konnten. Dort hatte er sich dann eine Tasse Kaffee gemacht und war in sein Zimmer verschwunden um zu schreiben. Er hatte öfters solche „Anfälle“ aber heute hätte sie sich gewünscht , dass er etwas mit ihr unternommen , sie von dem Stress in der Uni abgelenkt hätte. Die Prüfungen rückten näher und näher, bedrohlich wie ein dunkler Schatten. In Mathematik machte sie sich am meisten Sorgen. Was zum Teufel hatte Forstwirtschaft bitte mit Mathematik zu tun? Pauken brachte da auch nicht viel, entweder man checkte es eben ,oder nicht . Ellie gehörte zweifelsfrei ohne zur letzteren Kategorie. Mit dem Gedanken , die miese Note in Mathe durch Spitzenleistungen in Englisch und Biologie auszubügeln schlief sie endlich ein.

Kapitel 10

Es klingelte gerade an Lauris Tür , als Lynn mit ihrem Mathebuch wütend die Stufen zu Lauris Wohnung hinauf stapfte. Sie hatte vorgehabt, vom Küchenfenster aus ein paar Kreischies zu ärgern ,um ihren Frust abzulassen. Als sie die Treppe hinter sich hatte, sah sie ,dass es Aki war, der in der Tür stand. „ Hey, Ellie! Wir machen heute Abend Party, aber dieser Langweiler hier will nicht mitkommen. Was is mit dir?“ „ Hi, Aki, tut mir Leid, aber ich muss diesen Scheiß pauken.“ Knurrte sie zurück und schmetterte ihm ihr Buch entgegen. „Werd doch nicht gleich aggressiv.“ , gab er grinsend zurück und fügte hinzu : „ ein Stündchen Pause wird dir schon nicht schaden ,oder?“ „Na gut, du hast gewonnen. Wann und wo?“ „ So auf zehn? Ich hol dich dann ab, wenn der Herr Gemahl erlaubt.“ sagte er und sah Lauri anzüglich an, der jedoch nur die Augen verdrehte. „ Gib mir mein Buch, damit ich’s dir noch mal an den Kopf knallen kann!“ Aki warf ihr das Buch zu und schlug die Tür hinter sich zu bevor Ellie es zurück pfeffern konnte. „Tschö dann!“ rief er noch, während er schon wieder davonging. Ellie wandte sich nun an Lauri. „ Warum kommst du nicht mit?“ Keine dummen Spekulationen, nur diese simple Frage. Das mochte er an ihr. „ Muss was mit Eero bereden. Geh jetzt schreiben.“ Hach ja, immer noch dieser Anfall, dachte sie und schlug ihr Buch erneut auf. Auf der Couch sitzend versuchte sie den Stoff in ihren Kopf zu bekommen, ergebnislos.

„Ellie?“ Jäh schreckte sie auf. Es war dunkel draußen geworden und sie hielt immer noch ihr Buch in der Hand. Musste wohl weggedöst sein. „Scheiße . . .!“ So würde sie die Examensprüfung nie schaffen. „ Ne, nix scheiße. Ich brauch mal dein Superhirn.“ „Oh, ja. Das könnte ich auch gebrauchen. Sag mir, wenn dus gefunden hast.“ „Ach komm . . .“ Lauri ließ sich neben ihr auf der Couch nieder und machte die kleine Stehlampe an, die daneben stand. „Kannst du mir das ins Französische übersetzen?“ Er hielt ihr einen Zettel mit einem neuen Songtext unter die Nase . Langsam las sie ihn durch und suchte schon mal nach den passenden Ausdrücken. „ Das is echt schön.“ Sagte sie leise, „aber wie willst du das ganze dann singen, wenn ich’s fertig hab?“ „Das krieg ich schon irgendwie hin. . . .“ Ellie starrte nachdenklich auf dem Text, bis die Buchstaben ihr vor den Augen verschwammen. Plötzlich fiel ihr die Party mit Aki ein. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass noch genügend Zeit bis zehn uhr war. Lauri sagte nicht, er sah sie nur erwartungsvoll von der Seite an, so wie er es immer tat, um seine Neugier zu verbergen. Unwillkürlich musste sie grinsen. Er war echt ein süßer kleiner Kindskopf, aber doch irgendwie . . . .so tiefsinnig. „ Parce que je ne peux plus ca endurer . . .“

(an alle franzosen: ich hab die cedille net gefunden.)

Kapitel 11

Ellie brummte der Kopf und Lauri hatte sich den Mund fusselig geredet, bei dem Versuch Französisch zu sprechen. Über zehn Texte hatten sie durchgearbeitet. Der junge Mann ließ sich zurück aufs Sofa fallen. Doch plötzlich fiel sein Blick auf einen Song, der eigentlich niemanden mehr unter die Augen kommen sollte. Schon gar nicht Ellie. Diesen Text hatte er vor vielen Jahren geschrieben und trug den wunderhübschen Namen „Outflow“. Schnell versuchte er das Stückchen Papier verschwinden zu lassen. „ Gib dir keine Mühe, Kleiner! Ich weiß schon, dass du ne sexgeile sau bist.“ Ellie kam die Stufen von ihrer Wohnung hoch und grinste ihn über beide Ohren. „Ich war schließlich auch mal jung!“ Gott sei Dank brannte immer noch nur die kleine Stehlampe, sodass sie nicht sehen konnte, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg. „Ach, mach dir nix draus. Irgendwann kriegst du auch mal eine ab.“ „Werd mal nich frech hier! Ich muss nur nach draußen gehen und mir ein Kreischie schnappen . . .“ „ Die haben dich doch in Stücke gerissen bevor du . . . .“ In diesem Moment klingelte es an der Tür. „Was ,schon so spät? Der Eero müsste dann ja bald kommen . . . Hey du siehst ja richtig gut aus!“ „ Das fällt dir aber früh auf. Danke, trotzdem. Ciao, dann. Und mach keine unanständigen Sachen mit dem armen kleinen Bassisten!“ „Oa, du kleines Biest. Na warte!“ Ellie riss die Tür auf und versteckte sich hinter dem verdutzen Aki. „ Aki, hilf mir! Der will mich umbringen.“ „Ach quatsch. Und jetzt verschwindet, ihr beiden. Viel Spaß!“ Er zog Ellie noch einmal zu sich heran und flüsterte ihr etwas ins Ohr : „ Mach aber DU auch keine unanständigen Sachen mit dem Aki!“ Ellie stellte sich auf Lauris Fuß, was sehr schmerzhaft sein kann ,wenn man Pfennigabsätze trägt. Lauri zog die Luft scharf ein, verzog aber keine Mine „Schon klar!“ „ Kommst du dann, oder willst du Lauri in der Tasche mitnehmen?“ Aki stand schon auf der Einfahrt und wippte ungeduldig mit dem Fuß. „ Ich bin ja schon da.“ Ellie winkte Lauri noch ein letztes mal zu und ging dann mit Aki die Straße entlang. Er grinste sie von der Seite an und fragte schließlich : „ Bist du sicher, dass zwischen euch nix läuft?“ „JA! Das hab ich dir schon tausendmal gesagt.“ „Naja, ich dacht ja nur, so wie ihr miteinander umgeht.“ „Mir is nur der Text von „Outflow“ in die Hände gefallen.“ „Ach so. Dann is es natürlich klar. Damals warn wir wirklich voll krass drauf.“ Schweigend gingen sie weiter durch die Nacht. Ellie wusste, dass Aki über die gute alte Zeit nachdachte. Doch nach einer Weile unterbrach sie das Schweigen doch. „Wo gehen wir überhaupt hin?“ „Surprise . . .“

Kapitel 12

( 5 Stunden später)

„Ich hasssss dich, Akieeeeeeee!“ „ Kann isch doch nix dafüa wennste nix verträgst. Gehen wa dann?“ „Jaaaaaa, aber vorher muss ich nochma kotzen.“ Mit diesen Worten rannte Ellie Richtung Klo und ließ einen ziemlich abgefüllten Aki zurück, der nur noch blöd vor sich hin kicherte.
Als sie 20 Minuten später die Tür zu Lauris Wohnung aufsperrte, sah sie immer noch alles durch einen dichten Nebel. Langsam tastete sie sich durch die Dunkelheit in die Küche um sich dort einen Kaffee zu kochen. Sie schaltete die Maschine ein und wartete bis das heiße Wasser sich in eine schwarze Flüssigkeit verwandelt hatte. Ellie goss sich einen Becher voll ein und ging damit ins Wohnzimmer. Sie wollte sich gerade hinsetzen als sie bemerkte dass dort schon jemand saß, oder besser lag. Lauri lehnte schlafend in der Sofaecke und rührte sich nicht. Vorsichtig setzte sie sich in die andere und zog die Beine dicht an sich. Gedankenverloren starrte sie in ihre Tasse. Genau wie er, vor einem guten Monat.

Als Ellie wieder erwachte dachte sie, ihr Kopf müsste vor Schmerzen zerspringen. Mit einem leisen Stöhnen fasste sie sich an die Stirn und öffnete langsam die Augen. Jemand hatte sie zugedeckt, doch sie befand sich immer noch auf der Couch in Lauris Wohnzimmer. Er saß neben ihr und beobachtete sie besorgt. „Hey, Kleine. Was haben sie mit dir gemacht?“ fragte er leise. „Aki und Pauli haben mich zu nem Wettsaufen überredet, Wodka pur . . . oh, ich hasse sie!“ „Ja,ja, das is Akis Spezialität. Ich hätt dich warnen solln, aber dann war ja das mit Eero . . .“ „Was war denn mit Eero?“ „Eigentlich soll ich’s ja niemandem erzählen, aber ich kann dir doch vertraun, oder?“ „Ja, kannst du . . . oh,mein Kopf !“ Ellie gab den Versuch sich aufzurichten auf und blieb einfach liegen. Sie fragte sich, was mit Eero los war. Er war ihr eigentlich immer sehr nett und ausgeglichen vorgekommen. „Also die Sache is die . . . Eero und Maja, seine Frau kommen in letzter Zeit nicht mehr so recht miteinander aus, und . . . äh. . .naja, jetzt denkt er über eine scheidung nach.“ „ Is denn da gar nix mehr zu retten?“ „So wie es aussieht nicht. Aber darüber können wir morgen auch noch reden, da hab ich frei. Schlaf jetzt erst mal deinen Rausch aus.“ Lauri versuchte Ellie so schnell wie möglich von diesem Thema abzubringen, denn er sein Freund hatte ihm noch etwas erzählt, dass Ellie am besten nie zu Ohren bekommen würde, wenn es nach ihm ginge. . . . „ Gehst du dann mit mir ins Casino?“ „Das is nix für kleine Mädchen.“ „ Wenn ich mich nicht so tot fühlen würde, würde ich dich jetzt schlagen.“ „Du sollst schlafen und nicht schlagen.“ „Ich schlaf aber nicht eher bevor du nicht ja gesagt hast.“ „Na gut, dann opfer ich eben mal meinen freien Tag für dich. Da kannst du stolz drauf sein.“ Ellie sah nur noch, dass er sie angrinste. Dann fiel sie wieder in einen tiefen traumlosen schlaf.

Kapitel 13

Als Ellie erneut erwachte, war die Sonne bereits aufgegangen und kitzelte mit ihren warmen Strahlen Ellies Gesicht. Sie fühlte kurz in sich hinein und stellte zufrieden fest ,dass sich ihre Kopfschmerzen auf ein erträgliches maß reduziert hatten. Sie genoss noch ein bisschen das Licht und die Wärme bevor sie die Decke zurückschlug und sich langsam aufsetzte. Plötzlich fiel ihr Blick auf ein Handy, dass auf dem Tisch lag und sich bei näherem Hinsehen als das Ihrige herausstellte. Das SMS Menü war geöffnet und der Cursor blinkte in einer neuen Mitteilung, die noch nicht abgeschickt worden war.
„Morgen! Anständigen Kater gehabt ? Bin so gegen 18 Uh wieder da, dann bring ich dir bei, wie man anständig zockt *fg* Bd,l
Typisch Lauri. Bloß keinen Stift in die Hand nehmen, wenn irgendwas Elektronisches in der Nähe rumliegt. Seufzend stand Ellie auf und schlurfte grinsend in die Küche. Ihr war gerade der Gedanke gekommen, dass wenn Lauri weg war, auch die Kreischies weg waren. Freudig erregt über diese tatsache übersah sie das Chaos ,dass Lauri wohl von seinem Frühstück zurück gelassen hatte und begab sich auf die Suche nach Teebeuteln, die ja in einem Kaffeetrinkerhaushalt ziemlich selten sind. Nach 10 Minuten suchen und wühlen fand sie schließlich ein wenig Früchtetee und brühte sich eine Tasse davon auf. Damit ging sie hinunter in ihre Wohnung und schaltete den Fernseher an. Ungestört TV gucken war für sie in der letzten Zeit etwas Außergewöhnliches geworden, umso mehr genoss sie es jetzt. Ihren Tee schlürfend sah sie zu wie die Simpsons Springfield aufmischten und Sonya Krauß die perversesten Mitschnitte der Woche präsentierte.
Dann: Werbung. Ellie wollte grade auf einen andren Sender zappen, als für ein Autohaus hier in Helsinki geworben wurde. Inzwischen konnte sie soviel Finnisch, dass sie verstehen konnte, dass dort auch Gebrauchtwagen angenommen wurden. Sie überlegte nicht lange sondern stellte den Fernseher ab und ging zur Gardarobe um ihren Mantel zu holen. Dann ging sie zur Tür hinaus, sperrte diese ab und ging durch einen kreischiefreien Garten in Richtung Garage.

Als die Studentin zwei Stunden später ihre Wohnung betrat war sie sehr zufrieden mit sich und der Welt. Draußen parkte nun nicht mehr der riesige Protz-Porsche sondern ein einfacher, aber dennoch eleganter Audi A4 in metalik-blau . Am meisten jedoch freute sie sich über die 30 000 € in bar die sie in ihrer Handtasche trug. Bis jetzt war sie immer von ihren Eltern abhängig gewesen, die ihr jeden Monat Geld auf ihr Konto überwiesen und sie ständig fragten, wann sie denn wieder heimkommen würde. Ellie dachte nicht gerne an sie, die sie nie ernst genommen hatten, doch sie wusste auch, dass sie nicht dazu verpflichtet waren ihren Unterhalt zu zahlen. Die junge Frau war froh, dass sie für ihre Wohnung keine Miete zahlen , sondern nur einem äußerst gefräßigem Musiker den Kühlschrank voll halten musste. Und wenn sie die 30 000 sinnvoll anlegte und einen Teil davon heute Abend im Casino vermehrte ,würde sie sich vielleicht langsam eine Existenz aufbauen können. Plötzlich überschwemmte sie eine Welle der Freude und sie hatte den Drang etwas verrücktes zu tun. Also kramte Ellie das neue Ärzte- Album aus ihrem CD- Schrank ,drehte die Anlage voll auf und drückte die Play-Taste worauf die Laute Musik den Raum mit Leben erfüllte. Dann nahm sie das ganze Geld aus der Tasche und entbündelte die Scheine bis sie in einer Pfütze aus Geld saß. Immer wieder warf sie es hoch in die Luft und ließ es mit einem Gefühl von Reichtum wieder auf die Erde rieseln. „Yeahhhhhhhhhh, ich bin reich!“ schrie sie der Musik entgegen und ließ sich dann auf den Teppich aus Euroscheinen zurückfallen wobei sie zufrieden seufzte.

Kapitel 14

„ Hast du ne Bank ausgeraubt oder so?“ Lauri stand mit leicht verwirrtem Gesichtsausdruck in der Tür und starrte auf Ellie und das viele Geld auf dem sie lag. „ Yeah, ich bin reich, Babyface!“ „Das seh ich, aber jetzt sag mal: woher hast du den ganzen zaster?“ „ Ich hab mein auto verkauft.“ „DU HAST WAS?“ „Ich habe meinen fahrbaren Untersatz verscherbelt, Herr Ylönen ! N klitzekleiner Audi tuts doch auch, oder?“ „ Naja, ok,wenn das so ist. Ich dachte schon, du willst in Zukunft zur Uni latschen.“ „ Oh, scheiße. Warum musst du mich daran erinnern? Am Montag wird ich wieder eingezogen . . .!“ „ Jaaaa, aber heut is Samstag. Also pack dein kleines Vermögen ein und raff dich auf, sonst überleg ich mirs noch anders mit dem casino.“ Ellie sprang auf und ging hinüber zu Lauri, der immer noch grinsend im Türrahmen stand. Sie stellte sich so dicht vor ihn, dass sich ihre Gesichter fast berührten und lächelte ihn herausfordernd an. „Das is für dich Kleiner!“ Sie steckte ihm ein paar Scheine in den Hosenbund und rannte im nächsten augenblick auch schon richtung schlafzimmer davon. „ Diesmal krieg ich dich, du kleine Ratte!“ Er setzte ihr in großen Sprüngen nach, bekam aber nur noch die Tür vor der Nase zugeknallt. „ Lass mich rein, ich will meine Rache!“ „Tut mir leid, aber ich kann nicht, die Tür klemmt irgendwie.“ „Haha, du warst auch schon mal lustiger. Kommst du raus, wenn ich dir verspreche, dass ich gaaaaaaaaaaaaaanz lieb bin?“
„ Jetzt könnt ich ja wieder was sagen, aber ich tus nicht, sonst würdest du durchs Fenster krabbeln und mich erwürgen.“ Ellie öffnete die Tür und lehnte sich an die Wand. „ Nee, das wär mir zu anstrengend, n bisschen Rattengift tuts auch.“ „Jaja , ich weiß schon. Sport ist Mord . . .“ Sie ging die Stufen hinunter in ihr offenes Wohnzimmer und sammelte die restlichen Scheine ein. Dann kramte sie ihre Handtasche hervor und stopfte das Geld wieder hinein. „ Ich glaub, ich muss am Montag mal zur Bank oder so . . .“

„ Yeeeeeeeeeehaaaaaaaaaaaaa!!!!!!!!!! LAURI, DU BIST DER CHAMP!“ „ Ich weiß ,Baby!“ Er und Ellie standen vor Helsinkis größter spielbank und hatten die Taschen voller Geld. Lauri hatte seiner Mitbewohnerin in die große Kunst des Spielens eingeweiht, worauf die beiden um die Wette gezockt hatten. Ellies Einsatz von 5000 € hatte sich auf das 3-fache erhöht, jede Menge alkoholischer Getränke bereits abgezogen. „ Lässt du dich von ner armen Studentin zum Essen einladen, oder geht das über deine Musikerehre?“ „ Och ,wenn’s nix kostet . . .und ich dir dann noch nen Drink in der Proseggo- Bar spendiern darf ?“ „ Jaaaaa, Sex on the Beach!“ „ Ich sagte ein DRINK, Süße!“ Ellie trat ihm kräftig auf den Fuß und zog ihn dann lachend mit sich die Straße entlang, die Augen nach einem guten Restaurant offen haltend. „ Du Ellie . . . ?“ „ Ja, Lauri?“ „ Ich will ja jetzt nicht irgendwie ordinär oder so rüberkommen, aber . . . .“ „ Pizza is ok, falls du das meinst. So ne richtig schöne fette , mit doppelt Käse mhmmmmmmmmmm“ „ Ach, du sprichst mir aus der Seele, Kleines.“ „Warum gibst du mir immer solche Namen, wenn du was getrunken hast?“ „ Alkohol macht die Welt viel, vieeeeeeeeeeeeeeeeeel schöner, weißt du?“ „ Du bist fies!“ „ Keine freche Bemerkung? So kenn ich dich ja gar nicht.“ „ Mhm, ich bin eigentlich sehr sensibel und so was.“ „ Ja, ich eigentlich auch, und trotzdem halten mich alle Leute für einen kleinen versauten Kerl.“ „ Der du ja auch durchaus sein kannst, darling!“ Lauri machte eine leidende Miene und sah Ellie über seine Kreischietarnungssonnenbrille hinweg an. „ Ich bin zu hungrig für weitere Wortgefechte. Guck ma da vorne. Da war ich noch nie drinn, soll aber ziemlich gut sein.“ „ Ok, dann gehen wir da hin. Ich sterb auch gleich vor Hunger.“
Gemeinsam überquerten sie die Straße und betraten dann das Restaurant. Um diese Zeit war dort nicht mehr viel los, die Chance ,dass Lauri erkannt wurde war also ziemlich gering. „Meinst du, du schaffst ne Familienpizza mit allem drum und dran?“ „ Och Lauri . . . !“
„ Ja, is ja gut. Aber du trinkst doch ne Flasche Wein mit mir, oder?“ „ Na klar, mein Schnucki-Putzi!“ „ Ja, ich glaub, du brauchst wirklich was zu essen.“ Antwortete er und vertiefte sich mit einem Grinsen auf dem Gesicht in die Karte.

Kapitel 15

„Boa, ich glaub ich platz gleich!“ sagte Lauri und hielt sich stöhnend den Bauch. Er und Ellie waren gerade in ihre Straße eingebogen und unterhielten sich immer noch angeregt, so wie in den letzten 6 stunden. „Du hättest mir ja nicht beweisen müssen, wie viel Pizza du fressen kannst!“ erwiderte Ellie lachend und piekste ihn in die Seite. „ Auaa, lass das! Ich glaub, Käse und Alkohol is keine gute Mischung.“ „ Ja, und dabei warn wir noch nicht mal in dieser Bar.“ „ Nächstes Wochenende ,ok?“ „Mhmm. Schon gut. Ich bin ja auch schrecklich müde . . .“ Sie ließ sich gegen Lauri fallen und schleppte sich weiter die Straße entlang. „ Jah, du, ich auch!“ Er wiederum ließ sich nun gegen Ellie fallen, sodass die beiden in Schlangenlinien weiterliefen. „ Gemmah Bier trinken, Bier trinken . . .!“ Ellie sang und schlenkerte mit ihrem Arm in der Luft herum. „ Was willst? Deutsch is ne komische Sprache.“ „ Dafür haben nicht zwei drittel der Buchstaben Ganzkörperakne.“ „Oh, Elisabeth, deine Ausdrucksformen lassen zu wünschen übrig.“ „ Verzeihen Sie, Master Ylönen, dass ich sie unterbreche, aber wir haben soeben die Herrschaftliche Residenz erreicht.“ Lauri nahm ihre Hand führte sie mit federnden Schritten zu seiner Wohnungstür. Dort verbeugte er sich vor ihr und öffnete mit einer einladenden Bewegung. „ Wenn ich tanzen könnte , würde ich Sie zu einem kleinem Walzer auffordern.“ „ Ach mach dir nix drauß, ich kann auch nich tanzen . . .“ Sie ließ sich auf sein Sofa fallen und streckte mit einem leisen Seufzer alle viere von sich. Lauri legte sich zu ihr, sodass ihre Köpfe leicht aneinander stießen. Lange sagte keiner von ihnen ein Wort, doch als er im Begriff dazu war, wegzudösen , fing Ellie wieder leise an zu sprechen. „Wie geht’s eigentlich mit Eero und Maja weiter?“ „ Naja, ich hab dir eigentlich schon alles erzählt.“ Sagte er kurz angebunden und fühlte die Hitze in sich hochsteigen. „Warum blockst du bei diesem Thema immer ab?“ „Tu ich doch gar nicht . . .“ „ Doch, immer . . .“ Plötzlich wusste er, dass dies seine erste und letzte Chance sein würde, die einzige. Langsam setzte er sich auf. „Ellie, ich . . .“ Sein Herz schlug immer schneller und die Angst vor der großen Enttäuschung kroch in ihm hoch. Jetzt konnte er noch zurück, noch war nicht alles verloren. Er war sich bewusst, dass er auf volles Risiko spielte. Entweder er gewann den Jackpot oder er verlor alles, alles was er liebte . . . „ Ja?“ „ Hör mir jetzt einfach zu ,sag einfach gar nichts. Hass mich dann, es ist mir scheißegal. . . . nein ist es nicht, aber hör mir zu.“ flüsterte er mit leicht zittriger Stimme. Die junge Frau sah ihn überrascht an, nickte aber schließlich. „ Also, es gibt da etwas, das mir Eero gesagt hat und ich dir absichtlich verschwiegen habe . . .“ Sein Körper bebte unter der Anstrengung seinen Worten einen normalen Klang zu geben. Er fühlte sich ,als würde er sonst kieksen wie ein junger Vogel . . .ja, Lintu . . .Das Blut schoss ihm in den Kopf und versuchte seine Gedanken zu verwirren, es war noch immer nicht zu spät. Doch als das Mondlicht sanft ihre wunderschönen Augen beschien, die ihn fragend anblickten, wusste er, dass sein Herz vor sehnsucht zerspringen würde, wenn er es nicht tat. Sie bannten ihn hielten seinen Blick fest, versuchten in seiner Seele zu lesen. Sollte er es erlauben? Er riss ich von ihnen los und starrte stattdessen ausdruckslos aus dem Fenster, hinaus in die eiskalte ,klare Nacht. „Eero liebt dich.“ Als er ihr seinen Blick wieder zuwandte hatte sie sich aufgesetzt und strich im zart über die wange. „ Ich bin ein verdammter egoist, aber . . .“ Er ließ seine Hand in ihren Nacken gleiten und beugte sich leicht vor, sodass ihre Gesichter nur noch wenige Zentimeter von einander getrennt waren. Kurz suchten seine Augen ihren Blick , wichen aber in letzter Sekunde zurück. Er wollte nicht sehen, was sie dachte. Sanft berührten sich ihre Lippen. Es kam ihm vor als hätte in jemand unter strom gestellt, als er mit seiner Zunge sanft gegen ihr stieß, sie verzweifelt aufforderte seine Liebe zu erwidern. Mit einem Schlag überkam ihn die Verzweiflung, die fassungslose Enttäuschung darüber, dass sie seinen Kuss nicht erwiderte. Sie lag einfach in seinem arm, leistete keinen widerstand, ließ seine zuneigung einfach über sich ergehen. Langsam ließ er von ihr hab .Doch ihre Lippen berührten sich noch nimmer, als er ihre Hände spürte, die sanft seinen Rücken streichelten. Wieder versuchte er sie zärtlich zu küssen, doch diesmal erwiderte sie seinen Kuss und zog sich dabei langsam auf seinen Schoß.

Kapitel 16

„Aber ich lieb dich noch mehr. . .“ Sie hatte ihre Stirn an seine gelehnt und hörte ihm schweigend zu. „ Jetzt hab ich meinen besten Freund unglücklich gemacht.“ Er hatte die Arme um ihre Hüften geschlungen und hielt sie fest, als ob Eero jeden Moment zur Tür reinkommen und sie ihm wegnehmen würde. „ Aber du hast MICH glücklich gemacht.“ „Wirklich?“ „Ja . ..“ Sie gab ihm einen sanften Kuss und lehnte sich dann wieder schweigend an ihn. „Und was machen wir jetzt?“ „ Du musst es ihm sagen . . .aber ich kann auch mit ihm reden, wenn du willst.“ Ihre Hände fuhren zärtlich durch sein Haar und verursachten ein wohligen Schauer auf seiner Haut. „Nein, du kannst ja nix dafür. Ich hab ganz genau gewusst, was ich ihm antue, also muss ich die scheiße auch ausbaden“ Lauri hob sie von seinem schoß und legte sie zurück aufs sofa.“ Bin gleich wieder da.“ Dann sprang er auf und verschwand in seinem Schlafzimmer. Wenig später kam er wieder heraus und schleifte seine Bettdecke hinter sich her. „ Dürfte ich heute Nacht ihr Kopfkissen sein , Madame?“ „ Gut, wenn’s sein muss. Auf die Knie!“ Er krabbelte wieder zu ihr auf die couch und zog die decke über sich und Ellie. „ Hey, ich hab gesagt: Auf die Knie!“ Doch er lachte nur und zog sie auf seinen Oberkörper, sodass er sie in den Arm nehmen konnte. „Also so geht das nicht, Strafe muss sein.“ flüsterte sie ihm ins Ohr und zwickte ihn im gleichen Moment fest in die Seite. „Auaaaaa! Dafür lass ich die nie wieder los, du Böse, du.“ „ Macht auch nix. Gute Nacht, Lauri.“ „ Holde Träume ,meine Schöne.“ erwiderte er und spürte noch, dass sie lachte, bevor ein schließlich einschlief. Zufrieden, aber mit dem nagenden Gefühl der Schuldigkeit.

„Ertappt, ihr Schätze !“ „ Waaaaaaa . . .“ Ellie schnellte vom Sofa hoch und verlor auch prompt das Gleichgewicht. Sie rutsche langsam aber sicher Richtung Boden und stieß mit dem Kopf an den Tisch. Als sie die Augen wieder öffnete, sah sie Aki lässig und mit einem „Ich-habs-ja-gewusst!“-Grinsen in der Tür stehen. „Wobei denn bitte, du Arsch? Ich hab meine Klamotten noch AN.“ Sie hielt sich den schmerzenden Kopf und raffte sich dann langsam wieder auf. Als sie wieder über den Tisch sehen konnte, grinste ihr Lauri frech entgegen und sagte : “ Das müssen wir aber noch üben, schätzchen!“ „ So,das wars . Ihr kriegt beide nix zum Nikolaus!“ „ Das kannst du nich machen. Das is zu hart.“ Sagte Aki uns setzte noch etwas nach „ Aber jetzt mal im Ernst, habt ihr nu was mitnander oder nicht?“ Lauri wurde knallrot und schaute betreten zu Boden. Er wollte Ellie nicht verleugnen, aber langsam fing die Situation an, ihm peinlich zu werden. Außerdem war ja da noch das Eero-problem.
Ellie hingegen schaffte es wie immer einen kühlen ,herablassenden Gesichtsausdruck anzunehmen. „Und wenn es so wäre?“ „Dann muss ich gleich los, um das den anderen zu erzählen. Die freun sich bestimmt wie die Kekse. . .“ „ Gar nix wirst du erzählen, Akilein. Sonst gibt’s die nächsten 10 Jahre nix zum Geburtstag ,Weihnachten, Ostern, Namenstag . . .“ „ Ja,ja, ich kenn die Feiertage. Darf ichs nicht mal den Jungs erzähln?“ „ NEIN! Ganz besonders denen nicht.“ Zischte Lauri aus dem Hintergrund und sah Aki halb drohend, halb flehend an. „Aber war . . .?“ „ Das ist wichtig. Wirklich. Du hältst dicht, versprochen?“ unterbrach ihn Ellie erneut. „Oh, Gott, ich weiß gar nicht ,was ihr habt.“ „ Akiiiii, BITTE !“ „Ja, ja, schon ok. Ich sag nix. Wollt dir eigentlich nur n tape vorbeibringen, Nalle.“ Er warf Lauri eine Kassette zu und fuhr fort. „ Dachte, da sind n paar gute sachen drauf . . . na ja, ich geh dann mal wieder. Und vergesst nicht: Seid net zu Aki, sonst . . .“ „ . . .sonst muss der kleine Aki weinen, stimmts?“ erwiderte Lauri. „ Ja, und wir wolln doch alle, dass es dem Aki gut geht, weil wir ihn alle ganz doll lieb haben.“ Fügte Ellie hinzu. „Ihr ergänzt euch ja perfekt.“ Sagte Aki trocken und wandte sich dann zum gehen. „ Also tschö dann ,ihr turteltäubchen.!“

Kapitel 17

(one week later)

„ Boa,is das heiiiiiiß . . .!“ „Es ist November Kleiner, was kann man da andres erwarten außer einer Hitzewelle.“ „ Ich glaub das gab noch nie, hier in Hekllsinki.“ „Jetzt weiß ich auch, warum du immer HELLsinki sagst.“ Ellie schlang ihre Arme um seinen Hals. Sie küsste ihn leicht auf die Lippen und nahm dann den Kopf allmählich immer weiter nach hinten. Lauri folgte ihrer Bewegung und versuchte ihren Mund zu erreichen. „Ich hasse es, wenn du das tust . . .“ hauchte er ihr ins Gesicht. „Ich weiß . . .“ sagte sie und wich seinen Lippen im letzten Moment erneut aus. Stattdessen begann sie seinen Hals zu küssen und fuhr mit den Händen unter sein Shirt. „ Mmhmm . . . Aki kommt gleich.“ „ Immer im falschen Augenblick.“ Sie ließ von ihm ab uns schaute ihm frech in die Augen. Im gleichen Augenblick klingelte es an der Tür. „ Perfektes Timing . . .“ Lauri öffnete die Tür. „ Brav, Aki! Du kannst ja jetzt auch klingeln!“ „Jaa, ich will nämlich nicht wissen, was ihr beide an einem heißen Nachmittag im november so alles treibt.“ Sein Gegenüber rollte leicht mit den Augen und setzte sich dann mit ihm ins Wohnzimmer. Die beiden gingen ins Finnische über und laberten angeregt, als Ellie mit einer Dose Cola aus der Küche wiederkam. Aki musterte Ellie grinsend von oben bis unten und wandte sich dann an Lauri. „ Wie ist sie eigentlich im Bett so?“ Sein Freund seinerseits fing jetzt auch an versaut zu grinsen und wollte gerade zu einer antwort ansetzen, als seine Freundin ihm ins Wort fiel. „Ich geh mich dann mal umziehen, während du das mit Aki ausdiskutierst.“ Sagte sie zu seiner Überraschung in bestem Finnisch und sprang dann die Stufen zu ihrer wohnung hinunter. „ Alter, jetzt haben wirs aber echt verschissen.“ Sagte der Drummer und starrte immer noch zur Treppe hinüber. „Fuck . . .“ „Ja, eben nicht!“ „Halt die Fresse Aki. Da kommt Eero. Und denk dran . . .“ „Ja,wie oft soll ich’s denn noch versprechen? Und spätestens nach Weihnachten will ich eine Erklärung.“ „Bekommst du . . . Hi Eero! Wie geht’s, Alter?“

Ellie stand vor ihrem geöffneten Kleiderschrank, und wusste nicht,ob sie jetzt sauer auf Aki und Lauri war oder nicht. Gut, Lauri hatte nichts gesagt, aber an seinem schweinischen Grinsen hatte sie sehen können, dass er vielleicht doch ein paar pikante Details preisgegeben hätte, wenn sie ihn nicht unterbrochen hätte. Naja, und Aki . . . Aki war einfach so.
Sie beschloss, dass sie ihren Mitbewohner ruhig ein bisschen ärgern konnte. Es war ja nicht so, dass die Details wahr gewesen wären . . . Auch wieder so ein Bereich ,in dem er immer abblockte. (Tut mir leid, aber das muss jetzt einfach sein: Du könntest ruhig ein bisschen mehr Vertrauen in deinen kleinen Freund haben *fg*)Unwillkürlich musste Ellie grinsen, Jaaaa, das schrie geradezu nach einer kleinen Abreibung. Entschieden zog sie ein paar schwarze Hotpants und ein knappes ,tiefausgeschnittenes weinrotes Top aus dem Schrank. In Gedanken überlegte sie, wie weit sie gehen konnte, ohne einen von den beiden zu verletzen.

Gerade als Eero zur Tür hereinkam, sprang sie die letzten Stufen hinauf. „Hi!“ „Hey, Ellie !“ Er starrte sie leicht verdutzt an und ging ihr entgegen. Bis jetzt hatte sie sich ihm gegenüber immer ruhig und eher schüchtern gegeben, deshalb war er von ihrem sexy Outfit ziemlich überrascht. Andererseits wusste er aber auch, dass Ellie ganz anders war, wenn sie mit Aki oder Lauri sprach. „Muss wohl an der Hitze liegen . . .“ dachte er und trat dann mit den andren ins Freie, wo ihnen eine unangenehme Schwüle entgegen schlug. „Boa, Sauna, bäh!“ Lauri kniff die Augen zusammen und checkte erst mal die Kreischie-lage. Gut, zur Abwechslung mal ein leerer Vorgarten. Er wollte gerade mit etwas zu seiner Freundin sagen, als sein Blick an ihrem Körper hängen blieb. Er hätte sich’s ja denken können. Das war die Strafe für vorhin. Aki ging mit Eero auf der Straße in Richtung Innenstadt voraus, als er sich umdrehte und ihm einen „ Ich-hab-Angst-vor-meiner-Strafe“ –Blick zuwarf. Er ging neben Ellie und bemühte sich, sich nicht allzu viel anmerken zu lassen. „Lauri?“ Ja, schatz?“ „Ich hab nix drunter.“ „ Du bist so fies . . .“ „ Nein, das bildest du dir ein. Ich will dir nur zeigen, dass du mich nicht unterschätzen solltest.“ „Würde ich nie wagen. Seit wann kannst du Finnisch?“ „Ja, das wüsstest du wohl gerne . . .“ „ Ich will dich küssen!“ „Geht nicht!“ „Warum ?Die werden sich schon nicht umdrehen.“ „Ne ,ne, mein süßes kleines Federvieh. Strafe muss sein.“ Mit diesen worten gesellte sie sich zu Eero ,sodass Aki unauffällig sich zu Lauri zurückfallen lassen konnte. „ Sie lässt dich leiden . . .“ „Ja, und dass macht sie ganz besonders gut.“ Sagte er und schnappte grimmig auf, wie Eeros Blick kurz Ellies Po streifte und ihn dann grinsend ansah. Lauri bemühte sich ein förhliches Gesicht zu amchen und dachte bei sich: „ Wenn ich’s ihm bis Weihnachten nicht sage, gehe ich an der ganzen scheiße noch kaputt.“
Kapitel 18

(Ellie)

Eero und ich unterhalten uns, wir lachen und machen scheiß. Doch langsam bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Mir wird langsam klar,dass ich mit dieser blöden aktion nicht nur ihn sondern auch Lauri verletze. Natürlich wollte ich ihm eins auswischen, wegen dem dreckigen Grinsen, aber doch nicht so . . . Plötzlich taucht Aki neben mir auf und schubst mich leicht nach hinten. Er beginnt mir Eero über die Band zu reden und ignoriert mich. Als ich etwas verdutzt stehen bleibe, spüre ich zwei starke Hände ,die mich an den Schultern in eine kleine Seitenstraße ziehen. Lauri drückt mich sanft gegen eine Mauer und küsst mich leidenschaftlich. Als er seine Lippen von meinen löst, sieht er mir direkt in die augen, was er eigentlich sonst selten bei einem anderen Menschen tut. „Warum machst du mich so heiß?“ „Das weißt du ganz genau, mein Liebling!“ Seine Hände bahnen sich nun vorsichtig ihren Weg unter mein shirt und kraulen sanft meinen Rücken. Ich streife ihm durchs Haar und gebe ihm einen Kuss auf die Nase. „Ist das deine Rache?“ „Ja . . .nein . . .ich habs einfach nicht mehr ausgehalten.“ Er streift sanft über meine Wange und sieht mich mit seinen tiefgründigen ,grünen Augen an. Plötzlich schießt mir ein Gedanke durch den Kopf. „Eero . . ?!“ „Wir warten hier auf Pauli.“ Sagt er und hört nicht auf, mich wahnsinnig zu machen. Die Hitze trägt nur dazu bei, dass mein Kopf langsam aufhört zu arbeiten und mich zwingt einfach der Versuchung zu erliegen. „ Ach, wie nett, dann seh ich das ganze ja gleich live!“ Wir lösen uns schlagartig voneinander und starren auf den Mann der ca. 5 von uns entfernt steht. Nach ein paar Schrecksekunden stelle ich etwas beruhigt fest, dass dort nur Pauli steht und uns angrinst. „Aki hat . . .“ „Ne, nix Aki. Das merkt doch ein blinder mit Krückstock. Und bevor noch einer was sagt: Ich weiß, dass Eero in dich verschossen is, Ellie, und ich weiß auch, dass Jumsala es ihm noch nicht gesagt hat. . . . Jah, schaut mich nicht so entgeistert an, ich weiß alles. Würde die Sache aber langsam mal in Ordnung bringen. So, und jetzt kommt!“ Wie die Schulkinder gehen wir hinter Pauli her, der fröhlich auf uns einredet. Ich werfe Lauri fragende Blicke zu, doch er zuckt nur mit Schultern und starrt gedankenverloren ins nichts.
Bald laufen wir wieder auf der hauptstraße und holen Aki und Eero ein. Der verwickelte mich gleich wieder in ein Gespräch, sodass Lauri mir nur noch kurz etwas in Oh flüstern kann. Ich verstehe es nicht 100%ig, aber es hört sich an wie “Brich mir nicht das Herz, Kleine!“

Kapitel 19

(Lauri ,2 weeks later)

So, jetzt gehst du hin und sagst es ihr. Nein, ich kann nicht! Du musst! . . . Oh mein Gott, ich red ja schon mit mir selbst. Scheiße ,ich brauch Ruhe in meinem Kopf. Nochmal tief einatmen . . .und los. Ich gehe entschlossen die Stufen zu Ellie hinunter und mache mich auf äußerste gefasst. Ich bereue es, ihr dazu geraten zu haben, an diesem blöden Projekt teilzunehmen. Sie hat die jetzt die Möglichkeit ,das letzte Semester auszulassen und gleich die Prüfung abzulegen. Allerdings ist es notwendig, dass sie den ganzen Stoff im vorauslernt. Und genau das ist das Problem. Die kleine macht sich total fertig. Dabei hat sie gar nichts zu verlieren . . .
Gestern hat sie ein Buch nach mir beworfen, als ich sie damit trösten wollte. Und jetzt muss ich auch noch 2 Wochen nach Deutschland, Interviews geben und sonen Mist. Ich glaub, sie wird mich in der Luft zerreisen, wenn ich ihr das sage. Ich will meine Freundin wieder, und nicht diese Nervenbündel. Ich klopfe an der Tür und erlebe einen kleinen Schock, als ich eintrete. Ellie sieht fern. Das hat sie seit Tagen nicht mehr getan. Und sie lacht . . . auch was ganz besondres. „Hey, Süßer! Komm her . . .“ Ein klein wenig verdattert gehorche ich und setzte mich auf die Sofalehne. Auf dem Bildschirm hüpfen gerade Kenny und co. durch South Park, doch sie schafft es wie immer mich heiß zu machen, ohne etwas zu tun. Naja, ok . . .sie sieht mich schon wieder so an . .. bevor ich überhaupt nachdenken kann zieht sie mich zu sich auf die Couch und beginnt mich zu küssen. Mhmm, ja ,Ellie is back. Plötzlich stößt sie mich weg und prustet los. „Was solln des, kannst du nicht mal umschalten? Es macht kein Spaß, mit dir rumzuknutschen wenn du ständig loswieherst!“ „ ohhhh, bis zum nachtprogramm musst du nochn stündchen warten, aber dann kannst du mein hengst sein.“ Sagt sie und streift dabei mit dem handrücken über meine wange. Scheiße, sie sie weiß, wie sie mich rumkriegt . . . . „Ich wollte dir eigentlich was sagen.“ „ Sprich.“ „Also ich . . . ich muss für zwei wochen nach deutschland, promotion und so.“ „ ja,und? Ist doch nicht weiter tragisch. Nicht, dass ich mich freuen würde, du verstehst schon ,was ich meine.“ „Ich dachte nur wegen deinen examen, du hast dich doch so fertig gemacht damit. Hast du dir den ganzen Kram auf die hand geschrieben, oder warum bist du auf einmal wieder normal? . . .äh, sorry.“ „ braucht dir nicht leid zu tun, ich war ja wirklich ne kleine kratzbürste. Eero hat mir ein bisschen yoga beigebracht, jetzt geht’s mir wieder gut.“ Ist sie sich denn nicht bewusst, dass das wie ein schlag in den magen ist? Sie hat probleme und geht zu meinem besten freund, der auch noch in sie verschossen ist. Das ist doch DIE Gelegenheit für ihn, an sie ranzukommen. . .vielleicht ist das ja auch ihre Absicht , vielleicht hat sie genug von mir. „Ah, mh dann is ja gut . . . Nacht.“ Ich stehe langsam auf und wende mich zum gehen. Mir entgeht nicht ,dass sie mir noch einen kuss geben will, aber ich stelle mich blind und steige wieder in meine wohnung hinauf. Naja, wenn wir drüben in Germany sind, hab ich ja von Eero nix zu befürchten, dann kann sie höchstens mit einem andren Typen rumvögeln. Plötzlich bekomme ich ein schlechtes Gewissen: so vertraust du also deiner Freundin und deinem besten Freund, Alter.

Kapitel 20

(wieder zwei Wochen später)

Während Ellie im großen Hörsaal war und auf ihre Prüfungsergebnisse wartete, ging Lauri draußen vor dem Gebäude auf und ab .Er steckte sich die mittlerweile sechste Zigarette an und zog nervös den blauen Dunst ein. Gerade hatte er sie zu Ende geraucht, als Ellie durch das große Portal af ihn zutrat. „Und?“ Statt einer Antwort schob sie ihm die Sonnenbrille von der nase und sah im in die Augen. „ Es ist so schrecklich, Lauri . . .!“ Er wollte sie gerade tröstend in die Arme schließen, als sie weiter sprach und ihre Stimme einen euphorischen Klang annahm. „. . . ich werd jetzt arbeiten müssen, nie mehr schulaufgaben machen müssen . . .!“ „Du verdammtes kleines Biest, wie schaffst dus nur immer wieder mich reinzulegen?“ „ bei deinem Erbsenhirn ist das keine große Kunst, darling!“ „Ich geb dir 5 sekunden vorsprung, also renn schon mal um dein Leben.“ Ellie rannte lachend davon und klingelte mit den Autoschlüsseln. Während sie Richtung Parkplatz lief, kam Lauri ihr immer näher , sodass sich ihr vorsprung auf 2m verringerte. Plötzlich drehte sie sich um und warf ihm ihre Tasche entgegen, wobei er leicht taumelnd zurück fiel. Keuchend kam sie am Wagen und rief „Erster!“ .„Du hast mich gefoult. Ich will ne Revanche!“ auch er stieg jetzt ein. „Wir müssen erst mal ein paar Liter Alkohol kaufen. Ich hab doch versprochen ,dass ich ne Mordsparty schmeiße wenn ich den scheiß bestehe.“ „Ja, du wolltest bis zur Bewusstlosigkeit saufen.“ „Yeah, das mach ich auch.“ „ Darf ich mir dann für heut Abend mal deine Digicam leihen`?“ „Ja, wieso?“ Sie startete den Motor und fuhr in Richtung Innenstadt. „Weil ich das dann nämlich aufnehme und es dir am nächsten Morgen immer wieder vorspiele.“ „ Mal sehn, ob du das Ding dann noch halten kannst. Wie ich dich kenne, müssen die anderen schauen, dass sie noch was abbekommen.“ „ Haha, sehr witzig. Wer kommt überhaupt?“ „Ich hab einige eingeladen, die mit mir studiert haben, dann natürlich die Jungs und wenn alle noch n paar Leute mitbringen wären wir bei so ca. . . ähm . ..50 Mann bzw Frau? „ „Und die solln alle in deine Wohnung passen?“ „Schatzilein , du weiß doch, wie sehr ich dich liebe, oder?“ Sie sah in unschuldig an und fuhr mit ihrer Hand an seinem Bein entlang. „JA, is ja gut. Die dürfen auch hoch zu mir. Aber wenn ich irgendwelche Deutsche fickend in meinem Bett erwische raste ich aus. . . Kennen die uns überhaupt?“ Ellie war klar ,dass er die Band meinte. Sie bog nach links ab und suchte einen Parkplatz. „Ne, hab ich schon abgecheckt. Du brauchst deine Verkleidung also nicht.“ Sagte sie und brachte den Wagen zum stehen. „Meinst du 300€ reichen?“ fragte sie Lauri der schon aus dem Auto gesprungen war und ungeduldig von einem Bein auf das andere wippte. „Ja,ich denk schon. Und jetzt komm, ich kenn nen Laden, da gibt’s die besten Drinks in ganz Finnland.“ „Auch Sex on the Beach?“ „Ne, das gibt’s woandres.“ Erwiderte er und zog sie an sich. Wieder zog Ellie ihm die Brille leicht von der Nase, sodass sie ihm in die Augen sehen konnte und küsste ihn dann fordernd. „A bäh, wie viel hast du denn wieder geraucht?“ Sie löste sich von seinen Lippen und setzte eine vorwurfsvolle Miene auf. „ Naja, ne Schachtel dürfts schon gewesen sein.“ „Böser, böser Lauri. Entweder ich fang jetzt auch an zu qualmen, oder du bekommst Kussverbot.“ „Das hältst du doch sowieso nicht aus, Kleine. Und jetzt komm, es ist schon 3 Uhr, und bis wir alles haben, was wir brauchen, ist es bestimmt halb sechs, dann noch die Wertsachen verstecken und Kloschilder aufhängen . . . Wann hast du eigentlich vor das große Saufen zu starten?“ Die beiden gingen jetzt nebeneinander durch die Straßen auf dem Weg zu Lauris Lieblingsgeschäft (gleich nach dem Sexshop [konnt ich mir net verkneifen *gg*]). „So gegen zehn, hab ich den andren gesagt. Aki kommt wahrscheinlich n Stündchen eher, um den Alk zu inspizieren.“ „ Ja, mein Schatz, das is schon ganz gut so, wir wolln doch nicht, dass du was trinkst, was nicht mindestens 50%ig is.“ Ellie grinste ihn an. Sie bemerkte erst jetzt, dass schon überall Weihnachtsbeleuchtung hing. Die Hitzewelle war zwar so schnell gegangen wie sie gekommen war, dennoch hatte sie zur Folge, dass immer noch so gut wie kein Schnee lag. Sie wusste dass sie ein Privileg gegenüber den anderen Studenten hatte, denn sie konnte ihm gegensatz zu ihnen jetzt erst mal zwei Wochen Pause machen, da sie genug Geld von ihren Eltern bekam und die Zinsen von ihrem Autogeld sich ja auch ständig vermehrten. Dennoch nahm sie sich vor, sich mit dem Bewerbungenschreiben nicht allzu viel Zeit zu lassen.
Lauri bleib vor einem hell beleuchteten Laden stehen und schaute mit leuchtenden Augen ins Schaufenster. Er nahm ihre Hand und zog sie mit sich in den Laden, wobei er anschließend einfach vergaß ihre Hand wieder loszulassen. . .

Kapitel 21 (schon 19 Seiten in Word, jahaaaaaa *gg*)

Ein paar Minuten später verließen sie den Laden, Lauris Eastpak wahr schon beträchtlich schwer geworden . „So, Süße. Jetzt haben wir erst mal das harte Zeug . . .“ „ . . .das du dir natürlich gleich wieder unter den Nagen gerissen hast.“ „Ja, Mutter Theresa. Nu brauchen wir noch n paar Mixdrinks und so was.“ „ SMIRNOFF ICE!!“ Ellie sprang auf und ab und rüttelte dabei an Lauris Arm. „Bitte, Papa!“ „Nagut ,mein Kind. Aber nix der Mama Aki sagen, ja?“ „Krieg ich dann auch Sex on the Beach?“ „ Also dass muss ich wirklich erst mal mit der Mutti besprechen.“ „Das kennen wir ja schon, gell mein Schnucki-Putzi?“ Lauri legte seinen Arme um ihre Taille, setzte einen Machoblick auf und hauchte ihr ins Ohr: „Na gut, du hast gewonnen, lass es uns gleich hier und jetzt tun . Rrrrrrrr . ..“ Ellie lachte und kniff ihn in die Seite. „Lass gut sein, du Casanova. Da vorne könnts was für uns geben.“ „Dann nix wie hin!“ Er löste sich von ihr und rannte dem Laden entgegen. „Jetzt komm, du Schlaftablette!“ „Arsch!“ „ Ja, das ist er wie ein kleines Kind.“ Sie schnellte herum und sah direkt in Akis grinsendes Gesicht. Er schwenkte eine Flasche und zeigte auf seinen Rucksack, der aussah, als würde er bald platzen. Boa, Aki. Du hast mich erschreckt!“ „ Sorry, war nicht meine Absicht. Was habt ihr denn schon alles besorgt? Du hast doch bestanden, oder?“ „ Ja, klar, sonst hätt ich mich schon längst mit Aldi-Schnaps zugesoffen.“ „Mit WAS ?“ „Ach, das is ne komplizierte Geschichte . . . Wir haben erst mal Wodka und so was gekauft, jetzt nochn paar softere Drinks und das Zeug von den Gästen dann läuft die Sache. . . blöde ist nur, dass Lauri kein Sex on the Beach will.“ „ Wenn er n bisschen was getrunken hat, läuft auch das . . . Huch, hi Lauri!“ „ Hallo, Mama Aki!“ „Hä . . .?“ „ Vergiss es, wir sehn uns heut abend . .. ja, du darfst früher kommen.“ Ellie nahm Lauris Hand und zog ihn davon. Es war immerhin schon 5 Uhr. „Tschüssi . . . !“ „Ciao!“ „Elisabeth , du sollst nicht stören, wenn die Mama und der Papa was miteinander bereden.“ „Nenn mich nicht so.“ „Was willst du denn dagegen tun?“ Er sah sie herausfordernd an und strich ihr übers Haar. „Das zum Beispiel.“ Ellie legte ihre Hand in seinen Nacken und küsste ihn sanft und leidenschaftlich. Sie genoss es zu spüren wie er Gänsehaut von ihrer Berührung bekam und seine Hände um ihre Hüften legte. „Mhmm, ja it works.“ sagte er .

Kapitel 22

Ellie saß mit Lauri, Aki und noch ein paar andren Finnen in einer Ecke. Zwischen ihnen lag ein dutzend leerer Flaschen, um sie herum laute Musik. Sie trank den letzten Schluck ihrer Rotweinflasche aus . “ Aki?“ „ Numeron kymmenen.“ „ Ich kann jetz kei fünnisch , mannnnnnnn!“ „ Zehn Flaschen hast du schon gesoffen, Kleine!“ „ Was meinste, wie viel brauchts noch, dass ich begdusl?“ „Anna paska!“ „ Halt die Fresse, Agie . . . Sie gehöat mia!“ „ Ja, ja, schon gut.“ Lauri hatte die Arme um Ellie geschlungen und versuchte ihr die Wodkaflasche abzunehmen, die sich gerade geschnappt hatte. „Du hast sssschon viel mehr gehabt als ich. Jetzt bin ich mal dran!“ „sinä olet niin . . . .“ „Was bin ich?“ „rehevä !“ „ Ja, ich weiß, meine Kleine. Nur kein Neid.“ „Wie kommts ,dassssss du noooch so glar sprechen kannst?“ „ Bist halt nix gewöhnt . . . pitkästyttävä!” Bin ich gar net. Dafür muss deine Björk-CD dran glauben.“ Ellie raffte sich auf und rannte, so gut es ging in Lauris Schlafzimmer und ging an seinen CD-Schrank. Das Pärchen ,dass knutschend auf seinem Bett lag, beachtete sie gar nicht. Wohl aber Lauri, der wenig später in den Raum gehastet kam. „ Nicht meine . . . naiminen missä toisin!” schrie er und deutete auf die Tür. Die beiden folgten brummend seiner Aufforderung und schlugen die Tür hinter sich zu . „ Ellie, lass das!“ „ Kann sowieso nimmer, bin total dicht.“ Sie ließ sich an der Wand hinunter rutschend und schloss die Augen. „ Irgendwie voi geilllll!“ Lauri schloss die Schublade und reichte ihr die hand, um ihr hochzuhelfen. „ Entweder du säufst jetzt wirklich bis zua Besinnungslosischkeit oda du gehst schlafen.“ Sie nahm seine Hand und zog sich hoch, sodass sie plötzlich dicht vor ihm stand, zu dicht vielleicht.“oder . . . .“ Ellie nahm seine andere hand und drückte ihre Arme nach unten, sodass er ihr schutzlos ausgeliefert war. Die Lippen dicht an seinen, schubste sie ihn mit ihrem Körper Richtung Bett, bis er nicht mehr weiter konnte, und sich unweigerlich setzte. Langsam begann sie ihn zu küssen und kletterte auf seinen Schoß. Die Hände hatte sie immer noch außer Gefecht gesetzt. Einen Moment lang verfiel er der Versuchung, doch dann meldete sich sein Gewissen zurück. Energisch löste er sich aus ihrer Umklammerung und schob sie von sich herunter. „ Wir sind besoffen, Ellie. Nicht heute, nicht so, nicht jetzt. Es sollte was besonderes sein.“ „Ja, du hast recht.“ Wankend stand sie auf und torkelte zur Tür hinaus. „ Akieee? Wo bist du? Der Lauri will mich nicht f. . . .“ Lauri stand lachend hinter ihr und hielt ihr den Mund zu. Die meisten Gäste in ihrer Nähe verstanden kein Englisch, der Rest grinste nur dreckig, als er seine Freundin wieder ins wohnzimmer zog, wo nur noch Aki und Pauli in der Ecke saßen und -immer noch- tranken. „ Wo sindn die alle hin? Is doch erst 4 uhr oda so.“ Ellie ließ sich mit einer Dose Bier zwischen die beiden fallen und blickte suchend durch den Raum. Es waren vielleicht nur noch die Hälfte der Leute da. „ Ach, Ellie Schatzi. Was hast du vorhin gesaacht? Tadhon sinut ?“ Bevor Ellie ihm etwas erwidern konnte, unterbrach Lauri sie, der mit einer Whiskeyflasche am Fenster stand und sich am Fensterbrett festhielt. „Es schneeeeit!“ lallte er und starrte gebannt hinaus . „ isch glaub, wir müssn jetz alle wieda nüschtern werden.“ Aki krabbelte hoch und ging zu Lauri der schon neben der Tür stand. Auch Pauli stand jetzt auf, sodass nur noch Ellie auf dem Boden saß. „Was solldn das werden wenn’s fertig is?“ „ Machen wir Finnen so, Schnee is nu mal schön kalt. . .“ „ Ah, nee. Das macht ma schön alleine, nicht mit m . . .HEY!“ Aki Und Lauri hatten sie gepackt und schleppten sie mit sich nach draußen. Vor einer besonders großen Schneewehe machten sie halt und sahen sich ernst an. „ Te sika!“ Ellie ruderte mit den Armen ,doch bevor sie jemanden treffen konnte ,lag sie schon neben den beiden im Schnee und fühlte allmählich wie ihr Kopf wieder etwas freier wurde . . .

Kapitel 23

„Ellie!? Du sollst nicht im Schnee SCHLAFEN!“ „ Was . . .auaaaaaaaa, mein Kopf!“ „Das musst du jetzt aushalten , Kleine.“ Lauri stand grinsend vor ihr und hob sich stark vom dunklen Nachthimmel ab, da er nur noch ein weißes Tanktop trug. (*lechz*  die autorin mutiert zum kreischie *gg*) „Wo sindn der Aki und der Pauli geblieben? Und der Eero?“ „ Meine zwei Saufbrüder sin vor fünf Minuten nach Hause gewatschelt. . . .naja, und der Eero wird wahrscheinlich schon vor Mitternacht gegangen sein.“ „ Heißt das, dass wir jetzt allein sind?“ „Ja, wir und dutzende von leeren flaschen. Ich will nicht wissen , was wir sonst noch finden, morgen . . .äh heute.“ Er zog sie aus dem Schnee und gemeinsam gingen sie zurück in Lauris Wohnung, wo ihnen das Chaos in vollem Ausmaß entgegen schlug. „Scheiße. . . !“ flüsterte Ellie und sah sich das Schlachtfeld genauer an. „Darüber können wir uns morgen noch sorgen machen. Willst du heut bei mir schlafen? „ „Mhhm, ja. Ich hohl nur noch schnell meinen Pyjama , und guck ,was von meinen Sachen noch übrig geblieben is.
Sie ging die Treppen zu ihrer Wohnung hinunter und machte sie seelisch auf eine Katastrophe gefasst. Allerdings stellte sie wenig später beruhigt fest, dass kein wirklich großer Schaden entstanden war. Intelligenterweise hatte sie ihr Schlafzimmer abgesperrt, das Schlechte daran war nur, dass sie vergessen hatte, wo der Schlüssel war. „Fuck!“ zischte sie und schlug gegen die Tür, die erstaunlicherweise auch einen kleinen Spalt aufging. Überrascht öffnete sie die Tür nun ganz. Doch plötzlich ergoss sich ein Schwall kalten Wasser über sie und ein Eimer fiel klirrend zu Boden. Zitternd vor Wut und Kälte starrte sie auf das offene Fenster auf das mit Edding ein Grinsgesicht geschmiert war. In der Ecke prangte ein großes A. A wie . . . „AKIIIIIIIIIIIII!!!!! Du . . . .!“ Zu wütend um sich ein passendes Schimpfwort einfallen zu lassen packte sie ihren Schlafanzug und stapfte wieder nach oben. Dort lief Lauri ihr über den Weg, mit einer Zahnbürste im Mundwinkel. Als er Ellie sah, fing er erst an leise zu glucksen, dann rannte er in Bad ,spuckte die Zahnpasta aus und lachte göhlend ins Waschbecken. „ Ich find das auch sehr lustig, mein SCHATZ!“ Rot angelaufen und mit einem glitzern in den Augen kam er zurück ins Wohnzimmer und nahm sie in den Arm. „ So is Aki nun mal . . . du siehst übrigens heiß aus, mit nassen Haaren.“ Sie löste sich von ihm und stampfte ebenfalls ins Bad um sich zu föhnen. „Ich wird ihn umbringen . . . ich werd den Kreischies sagen, wo er wohnt.“ „Mach das, Süße. Aber tu mir nix, ich hab Angst vor dir.“ „ Ich tu kleinen Kindern nix, keine Angst.“ „Du mich auch, Schatzi!“ Statt einer Antwort bekam er nur das summen des Föhnes zu hören. Immer noch lachend legte er sich in sein Bett und starrte noch kurz aus dem Fenster, döste dann aber schnell ein wenig ein. Es tat gut, dem Schmerz zu entkommen. Er wusste ja selbst, dass er seinem Körper nichts gutes Tat, indem er jedes wochenende trank, soviel der Geldbeutel hergab. Inzwischen blieb er noch bei verstand wenn manch andre schon nackt auf dem tisch rumtanzten. Aber es war nun mal nicht seine Art, sich über seine Probleme gedanken zu machen, Lösungen zu finden. Entweder er verarbeitete die ganze Scheiße in Songs, oder er ertränkte sie. Weiter kam er nicht, denn nun krabbelte Ellie zu ihm unter die Decke und küsste ihn sanft auf die Wange. Nein, dieser Moment war zu schön, um sich Sorgen zu machen . . . „nuku hyvin, süßer!“ „tietysti ,rakas.“ Sie legte ihren Kopf auf seinen Oberkörper und nahm seine Hand.

Kapitel 24
„Was machst du eigentlich an Weihnachten?“ Ellie war müde und der dröhnende Schmerz in ihrem Kopf wurde von Minute zu Minuten größer, doch entweder sie fragte jetzt oder sie ließ es ganz bleiben. „Ich weiß nicht. Auf meine Familie hab ich keinen Bock, außer auf Hannah, aber die gurkt ja irgendwo in Australien rum. Du feierst aber doch bestimmt mit deiner Family, oder?“ „ Naja, ehrlich gesagt würd ich lieber in meinem Kleiderschrank mit einem Tannenzweiglein sitzen und „oh,du fröhliche“ singen als allein nach Deutschland zu fliegen. Allein? Wollte sie vielleicht doch mit ihm . . .? „Was willst du dann machen?“ „Ich hatte vor, dich in die Schweizer Alpen zu zerren, dich auf zwei Bretter, meinetwegen auch eins, zu stellen und dich jeden Tag den Hang runterzuschubsen.“ Stille. „ Ich mein, wenn du nicht willst . . .“ „ Schätzchen, du bist die beste!“ er sprang auf und kniete sich über sie. „ Is doch nix neues, darling. Kannst d . . . .“ Lauri hatte ihren Kopf in seine Hände genommen und küsste sie überschwänglich. „ Snowbaorden is soooooooooo geil, aber bisher war ich da immer allein mit meiner meinung. Hach, ich freu mich so!“ Er war aufgesprungen und hatte dabei vergessen, dass ein Bett auch seine Grenzen hat. So rutschte er plötzlich auf einer kante aus und fiel mit einem lauten Krach auf den Boden. Ellie krümmte sich vor lachen und schlug prustend mit der Faust auf die Matratze. „ Lauri, sinä olet idiootti. Ein süßer kleiner, schnuckeliger Idiot.“ Er saß neben dem Bett und rieb sich den Kopf. „Habs wohl mal wieder übertrieben, was? Und wie komm ich da wieder hoch?“ „Du schläfst gefälligst auf dem Boden, dann kannst du schon mal für die Piste üben.“ „Jetzt hast dus verschissen. Ich gehe.“ Er raffte sich auf und stolzierte mit überheblichem Blick Richtung Tür. Kurz davor blieb er stehen und drehte sich noch einmal um. „Hast du mir noch zu sagen?“ „Minä rakastan sinua!“ „Na gut du hast gewonnen, aber keine Beleidigungen mehr ,ja?“ Er kroch wieder zu ihr ins Bett und fuhr mit den Fingerspitzen an ihrem Hals entlang. „ Wollen wir wetten, wer als erster fliegt?“ „Was muss ich tun, damit ich meinen Kater ausschlafen kann?“ „Suukko? Sie hob sein Kinn sachte an und küsste ihn spielerisch. „Genug?“ „ Mhmhm, jaa.! „Also noch mal: nuku hyvin!“ Seinen gleichmäßigen Atemzügen konnte sie entnehmen ,dass er schon längst eingeschlafen war.

Am nächsten Morgen wurde sie durch ein aufdringliches Klingeln und eine rüttelnde Hand geweckt. „Ellie, du Pflaume hast dein Handy nicht ausgemacht!“ Sie nahm es ihm aus der Hand und meldete sich. „ Morgen, Ellie. Hier is Aki . . .!“ „Super Scherz, das mit dem Wasser!“ Er lachte kurz, wurde dann aber wieder ernst. „ Ja, ich weiß. Ich wollte eigentlich mit Lauri sprechen, mit euch beiden, aber der hat sein Handy ausgemacht. Kannst du ihn mal bitte herholen?“ „Nicht nötig. Schalt auf Lautsprecher, warte kurz.“ Sie tippte auf der Tastatur herum ,legte das Telefon dann wieder neben sich und ließ sich dann neben Lauri wieder in die Kissen fallen. „Ok, was gibt’s?“ „Also erst mal Morgen, Alter!“ „Morgen ,Aki“ „Ihr könnt euch nicht zufällig daran erinnern, was ihr gestern zwischen zehn und zwölf auf der Party gemacht hat, oder?“ „Gesoffen haben wir, was sonst.“ Er strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht und formte mit den Lippen „ Immer im falschen Augenblick.“ Sie grinste und küsste ihn kurz auf die Nase. „Jetzt stellt euch mal nicht so dumm, und konzentriert euch auf MICH.“ „Wir ham gar nix gemacht.“ Sagte ellie unschuldig und ließ Lauris Boxershorts schnalzen, wofür sie sich einen Kniff in die Seite einhandelte. „ Es ist wichtig, ihr Kleinkinder!“ „Dann sags, wies is und red nicht um den heißen Brei herum. Ellie is immer noch nicht ganz nüchtern und ich hab ne Delle im schädel .“ „ Na gut, wie ihr wollt. Ihr beide habt gestern auf der Party ziemlich wild rumgeknutscht, Eero hats gesehn und is gegangen. So.“ „Ach du heilige Scheiße, warum hast du das nicht schon gestern gesagt?“ „ Ich konnte mich erst jetzt wieder daran erinnern. . . . Lauri, bring das in Ordnung. Wenns geht sofort!“ „Ja, danke. Du hast was gut bei mir.“ Lauri beugte sich über Ellie hinweg und beendete das Gespräch. Dann sprang er aus dem Bett und suchte seine Klamotten zusammen. „Ich komm mit. . .“ „Nein, Ellie. Hör zu: Du weist von gar nix, ich hab dir das mit Eero nie gesagt, ok? Du kannst nichts dafür.“ „Aber . .“ „BITTE, tus für mich!“ Er war nun fertig angezogen und setzte sich noch einen Augenblick auf die Bettkante. Ellie rutschte zu ihm und legte ihren Arm um seine Schultern. „Wenn du das wirklich willst . . .“ „Ja, ich liebe dich .“ Er stand auf und ging hinaus. „Wenn er mich umbringt, kratz mich bitte von der Wand und teil die Fetzen mit Hannah und dem Rest der Band.“ „Das ist nicht lustig ,Lauri!“ Doch da fiel schon die Haustür ins Schloss.

Kapitel 25

20 Minuten später stand er vor dem Haus der Heinonens; naja, eigentlich war er sich gar nicht sicher, ob Maja überhaupt noch darin lebte. Zögernd versuchte er durch die Fenster einen Blick ins Innere des Hauses werfen, doch es war zwecklos, denn auch Eero beherrschte die Kunst des Kreischie-Abwimmelns. „Vielleicht ist er ja noch gar nicht wach?“ murmelte Lauri und zupfte Nervös an seinen Haaren herum. Quatsch Alter, der is schon seit 7 auf den Beinen, hat nix getrunken und is stocknüchtern . . .Die Stimme in seinem Kopf holte ihn in die Realität zurück. Seufzend brachte er die letzten Schritte bis zur Haustür hinter sich und sah durch die Weißglastür, dass Licht in der Küche brannte. Er klingelte, nicht geschah. Nochmal auf den Knopf drücken . . . wieder nichts. Und ihm, Lauri, wurde vorgehalten, dass er von seinen Problemen davonrannte. Leicht gereizt klopfte er an der Holzeinfassung, worauf er wieder keine Reaktion erhielt. „Mach auf, ich weiß, dass du da bist!“ Stille. „ VERDAMMT NOCH MAL, MACH DIESE SCHEIß TÜR AUF !“ Dann endlich sah er eine dunkle Gestalt auf sich zukommen, und die Tür wurde geöffnet. „ Bin ich taub? Darf man nicht mal in seinem eigenen Haus für 10 Minuten unter die Dusche gehen?“ Eero stand mit tropfnassen Haaren vor ihm und schaute ihn genervt an. Er hatte sich in der Eile nur ein Handtuch um die Hüften geschlugen.(Anmerkung der Autorin : *leckz,kreisch,sabber* ) „ Äh, sorry, ich dachte nur weil. . .“ „Spucks aus, Alter, mir is kalt.“ „ Also, ja, ähm ich wollte na ja. . . . Es tut mir Leid ,dass ich dir nicht gesagt habe, dass ich mit Ellie zusammen bin, ich wollte dich nicht . . .“ „ Ach, das. War nur so ne Spinnerei von mir. Nix wichtiges. Is noch was, mir friert nämlich gleich was ab.“ Er verzog den Mund zu einem schwachen Grinsen, doch seine Augen waren leer und teilnahmslos. Lauri zupfte wieder an seinen Haaren herum. Einerseits war er froh, dass die Sache jetzt vom Tisch war, doch andererseits gab Eeros Verhalten ihm einige Rätsel auf. „Ne, das wollt ich nur sagen.“ „ Ja, also dann is ja alles gut. Bis morgen!“ „Bis morgen.“ Sagte er leise, doch die Tür hatte sich schon vor ihm geschlossen und er stand wieder alleine vor dem großen Haus. Langsam drehte er sich um und steckte die Hände in die Tasche wo er seine Zigaretten und das Feuerzeug ertastete. Kurz warf er einen Blick auf die Uhr. Grade mal viertel neun, also noch so gut wie keine Kreischies unterwegs. Er überlegte nicht lange sondern schwang sich auf sein Bike und fuhr in Richtung seines Lieblingsparks. Das Rauchen verschob er absichtlich , umso größer würde dann der Genuss sein. Links abbiegen, dann rechts, noch mal links und dann durch das große Tor. Rechts, links, immer tiefer in die weitläufige Anlage hinein. Langsam wurden die Pfade schmäler und der Wald dichter. Schließlich hatte er sein ziel erreicht. Unter einer jungen Birke stand eine alte halb vermoderte Bank auf der er sich niederließ und endlich eine Zigarette anzündete. Lauri zog die Beine an und umschloss sie mit den Armen, sodass die Kälte ihn nicht packen konnte. Verrücktes Wetter. Erst diese Hitze und dann der schnee, pünktlich zu Weihnachten .Kurz schweiften seine Gedanken zu Ellie ab, aber er machte sich keine Sorgen. Sie würde verstehen . . . .
Auch etwas ,was er sosehr an ihr liebte :Die Fähigkeit, seine Blicke und die Art irgendetwas zu tun zu deuten. Sie ließ ihn in Ruhe wenn er es brauche, fragte nicht warum und weshalb.
Noch ne Kippe. Er ließ seine Augen über die weiße Landschaft schweifen, die immer noch von einzelnen grünen Halmen durchbrochen wurde. Bald würden auch diese verzweifelten Boten des Lebens aufhören zu kämpfen und eine angenehme Ruhe würde sich über das land legen. Was hatte Eeros merkwürdiges Verhalten zu bedeuten? Er wusste es nicht, wollte es vielleicht auch gar nicht wissen. Und Ellie? Sie brauchte ihn nicht, ließ ihm Freiraum. Wollte er aber vielleicht doch gebraucht werden?
Nachdem seine Schachtel leer war, hatte er immer noch keine Antworten auf diese Fragen gefunden. Doch die Kälte veranlasste ihn dazu den Park wieder zu verlassen und ein wärmeres Plätzchen aufzusuchen. 10 Uhr. Alle seine Freunde schliefen noch. Vielleicht hatte Ellie ihn wieder einmal durchschaut und hatte sich diskret aus seiner wohnung entfernt. Er wollte einfach nur allein sein.

Kapitel 26

Gespannt sperrte er die Tür zu seiner Wohnung auf und trat ein. Leise zog er seine Jacke aus und ging ins Schlafzimmer : leer . Zufrieden seufzte er auf und ließ sich aufs Bett fallen. Von dort aus konnte er bequem in den Himmel sehen, der jetzt kalt und grau über Hellsinki hing. Lange starrte er in die unergründliche Weite ,dachte einfach an gar nichts. Sein Verstand wolllte, dass er nachdachte, doch die Sehnsucht nach Sorglosigkeit war stärker. Wie eine Droge hypnotisierten ihn die schnell vorbeiziehenden Wolken, vermittelten ihm ein gefühl der Schwerelosigkeit. Er fühlte sich wie eine Feder , die herumgewirbelt wurde, auf der Suche nach Beständigkeit und Frieden. Doch diese Feder war einmal Teil eines Vogels gewesen, so wie er schon immer gewesen war. Ein Lächeln glitt über seine Lippen und riss ihn jäh aus seinen Tagträumen. Sofort überkam ihn das Gefühl der Schäbigkeit gegenüber Ellie, Eero und der Band. Er war froh, dass seine freundin nicht bei ihm war, schnappte sie seinem besten Freund vor der Nase weg und vernachlässigte die band. Doch allmählich begannen sich die Knoten in seinem Kopf zu lösen, und er begriff, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hatte. Er belog sich nur ständig selbst, wenn er dachte, dass dies alles miteinander verknüpft und somit unlösbar war. Jedes dieser Probleme beruhte auf einem seiner Wesenszüge, die die Leute entweder hassten oder liebten. Plötzlich kam ihm das Tageslicht grell und aufdringlich vor, sodass er sich dazu aufraffte, die Vorhänge zuzuziehen und ein paar kerzen anzuzünden. Ja, dieses weiche schmeichelnde Licht war schon mehr nach seinem Geschmack. Er zog die Decke über den Kopf sodass er die Kerzen anstarren konnte. Langsam begann er in den flackernden Flammen zu versinken. Bals darauf schlief er erschöpft von soviel selbsterkenntnis ein.

„ Mhmmmmmm, lecker, lecker!“ Lauri öffnete langsam die Augen. Die Kerzen waren niedergebrannt und stattdessen schwebte etwas bräunliches vor seiner Nase umher. Im Zimmer war es ziemlich dunkel, das einzige Licht spendete seine kleine Nachttischlampe. Erschrocken wich er vor dem schwankenden Ding zurück und sog sekunden später den veführerischen Duft ein, den es verströmte. „So is brav ,schatzi.“ Ellie saß grinsend auf der Bettkante und hatte einen flachen, weißen Karton auf dem Schoß. Mittlerweile hatte er das bedrohliche Flugobjekt als ein Stück Pizza identifiziert und biss herzhaft hinein. „Hat dir deine Mama nicht beigebracht, dass man regelmäßig essen muss?“ Sie machte den karton auf und schob ihn zu Lauri hinüber, der immer noch kaute und dabei genussvoll die augen verdrehte. „Nein, meine mami hat mir dich geschickt . . . Ich fress dir gerne aus der hand, schätzchen.“ „Das kriegst du aber nicht alles alleine, das sollte nur zum aufwecken herhalten. Es ist nämlich jetzt schon fünf uhr und morgen um zehn geht unser Flieger nach deutschland.“ Lauri blieb das Essen im Halse stecken und Ellie amüsierte sich köstlich über seinen nachfolgenden Hustenanfall. „ Ab . . .aber ich dachte. . .Schweiz.“ „Kauen und ´DANN schlucken, nicht umgekehrt. Also pass auf, das ist folgendermaßen . . .“

Kapitel 27

Oh Gott, wollte sie ihn etwa ihren Eltern vorstellen? Er stellte sich vor, wie er in einem altmodisch eingerichteten deutschen Wohnzimmer saß, überall fette Katzen um sich herum und gegenüber zwei misstrauische Bayern die kein Wort Englisch verstanden. Lauri sah sie verzweifelt an, senkte aber den Blick sofort wieder, er wollte sie nicht verletzen. Doch Ellie plauderte fröhlich weiter und reichte ihm noch ein Stück Pizza , bevor sie selbst noch eines hinunter schlang. „ . . mhmm, lecker , . .. also zuerst müssen wir kurz zu meinen Eltern . . .“ Scheiße! „ . . .ich brauch meine Ski, außerdem will ich noch ein paar Sachen mitnehmen, die ich schon lang vermisse. Vor allem meinen COMPUTER! Hach ja, mein süßer compi. Verdreh nicht so die Augen, der reist separat per Luftpost hierher.“ Plötzlich sah sie aus dem Fenster, nachdenklich und unsicher. „Was hast du?“ Er musterte sie durchdringend, konnte aber nicht den Grund für ihre Verschlossenheit erkennen. „Ich weiß nicht was ich machen soll, Nalle. Einerseits will ich meine Eltern nicht mehr sehen, andererseits lebe ich von ihrem Geld und es sind meine ELTERN.“ „Tu was dein Herz dir sagt.“ Sie schnaubte und nahm ihm den Pizzakarton weg. „Komm mit nach oben, da hab ich noch mehr.“ Sie reichte ihm die Hand , doch Lauri nutzte ihre Unaufmerksamkeit aus und zog so ruckartig an ihrem Arm ,dass sie das Gleichgewicht verlor und auf ihn fiel .“ Sinä perse!“ „Na , na, na! Du bist doch ein braves mädchen, Elisabeth.“ „Darf ich mal lachen?“ Sie strich ihm die Harre aus dem Gesicht und wollte sich aufrichten, doch er schlang die Arme um sie und presste sie an sich. „Jetzt bin ich mal im Vorteil.“ „ Ja, du hast wohl gewonnen. Dann küss mich aber gefälligst.“ „Wie heißt das?“ „Antaa suukko.“ „Nein, das Zauberwort.“ „Aber flott?“ „Ellie, du Hirnathlet!“ „bitte, bitte, du schönster Mann auf der Welt. Würdest du unendliche Güte besitzen mir einen Kuss zu schenken?“ Vorsichtig nahm er ihre Unterlippe zwischen die Zähne und spielte ein wenig damit, bis sie ihren Kopf wegzog und ihn anlachte. „Das kitzelt!“ „Solls ja auch.“ Seine Lippen stießen zart an ihre und seine Zunge bahnte sich fordernd ihren Weg. Ellie erwiderte seinen Kuss, nahm sich aber immer wieder zurück, weil sie wusste, dass ihn das verrückt machte. „Mann, das is unfair.“ „Ja? Und das?“ Sie küsste ihn noch einmal kurz auf die Lippen und ging dann bei jeder Berührung ein Stückchen tiefer. Seine Arme lockernden sich gerade soweit um sie tiefer gehen zu lassen, er wollte unbedingt die Kontrolle behalten. Plötzlich stieß sie auf den Saum seines Shirts, das selbe shirt ,das er gestern auf der Party getragen hatte. Es roch nach kaltem Rauch, Schweiß und . . . Lauri. Sie hielt inne und sah ihm in die Augen, Augen die sie nach mehr anflehten, Augen die wussten, welche Frage sie jetzt gleich stellen würde. „Was hat Eero gesagt?“ Kurz, präzise, Ellie. Er unterdrückte ein seufzen: Immer im falschen Augenblick. Er würde sich diesen Satz demnächst auf die Stirn tätowieren lassen. „Merkwürdig irgendwie, fast Gleichgültig. Sagte, es sei eine Spinnerei von ihm gewesen.“ Sag nicht, dass dann ja alles gut is. „ Aha. Wirklich sehr merkwürdig. Aber wenigstens darfst du mich jetzt nicht mehr kneifen, wenn ich dich vor ihm küssen will.“ Das Knistern war weg. Wenigstens blieb ihm noch der Schweiztrip. Diese Jahr hatte er wirklich ein schlechtes Timing. Vielleicht wurde 2004 ja besser. „Darüber sprechen wir noch. Erzähl mir was über unsre kleine Weltreise.“ „Also erst machen wir einen Stopp in germany, meinen krempel holen, beziehungsweise hierher schicken. . .“ „. . .wer nimmt denn das Zeug an?“ unterbrach er sie. „Akilein macht das für mich. Du sollst übrigens nachher mal zu ihm kommen, will dir irgendwas geben.naja, dann fahren wir nach st. Moritz . . .“ „ . . . ST. MORITZ!? Geil . . .“ „Ja, schatz. Aber nicht direkt im Ort, ein klein wenig abseits. Nah genug zum party machen, weit genug weg zum relaxen. Kreischies wird’s da ja wohl kaum geben ,hoff ich mal.“ „Hähä, du solltest mich mal auf dem Board sehen, da erkennt mich keine sau.“ „Dann muss ich ja die ganze Zeit „ LAURI YLÖNEN, DER DU SÄNGER VON THE RASMUS BIST, KOMM SOFORT HIER HER!“ „Dann verbuddle ich dich im schnee, und tu so, wie wenn du nie da gewesen wärst.“ „ah, ja. Jedenfalls ist das hotel bis 4.1 gebucht, und dann muss ich mich mal nach nem job umsehn.“ „Wie spät ist es jetzt?“ „ähm. . . knapp sechs, ich glaub wir sollten packen.“ „Denk ich auch. Wer als erster . . .“ „ELLIE!“ Doch sie war schon aus dem Bett gesprungen und rannte lachend die Treppe zu ihrer Wohnung hinunter.
Kapitel 28

Als Lauri zwei Stunden später keuchend an die Tür klopfte, hatte er einen riesigen Karton auf dem Arm, der ziemlich schwer zu sein schien. Ellie ging verwundert zur Tür und öffnete. Hatte er etwa seinen Schlüssel vergessen? Doch als sie hinaus sah, erblickte sie nicht wie erwartet sein Gesicht, sondern nur eine riesige Pappwand. „Was zum . . .?“ „Hilf mir mal!“ Er wuchtete den Karton hoch sodass sie mit anpacken konnte und so trugen sie den Karton in die Küche, wo sie ihn auf dem Tisch absetzten. „Boa, das war mal wieder typisch Aki!“ Lauri zog seine Jacke aus und schmiss sie achtlos in die Ecke, wo schon ein einsames Messer und eine leere Chipstüte lagen. Unwillkürlich musste Ellie grinsen. „Is was, oder grinst du neuerdings immer so dümmlich?“ „Ne, nix is. Was ist denn da drin?“ „Weihnachtsgeschenke von den andren. Wolln wir mal schnell reinschauen, ich mein, sonen riesigen Karton kriegen wir doch nie ins Auto . . .“ „ Ja, du hast recht, mal kurz reinlinsen wird ja erlaubt sein.“ Sie warf ihm ein Messer zu worauf sie ein erschrockenes „Willst du mich umbringen?!“ erntete. „Ich habs in Erwägung gezogen, schnucki-putz. Aber das is mir zuviel aufwand, also mach endlich diesen Monsterkarton auf. Lauri warf ihr noch einen bösen-belustigten Blick zu, schnitt dann die Klebestreifen auf und öffnete die schachtel. Es stellte sich heraus, dass darin noch mal zwei schachtel waren, eine für Ellie und eine für Lauri. Sie schnappte sich seine sofort und versteckte sie hinter ihrem Rücken. „Da pass ich schon drauf auf.“ Mit hochmütigem Blick nahm er die andere Schachtel und verschwand für ein paar Minuten. Dann kam er mit selbstzufriedener Mine zurück und rieb sich die Hände. „Die findest du NIEMALS!“ „Da is noch was drin. . .“ Tatsächlich gab es noch einen karton, der unbeschriftet und nicht zugeklebt war. Gespannt riss sie die Pappe auf und starrte dann ungläubig auf den Inhalt. „Lass mich auch mal!“ Lauri nahm ihre Haare beiseite um etwas sehen zu können, wobei er bemerkte dass sich ihre Mundwinkel langsam aber sicher nach oben zogen. Plötzlich fing sie schallend an zu lachen und nahm einen der großen grauen Steine aus dem Karton. „ Er hat die gelinkt, er hat dich total verarscht.“ „Das darf doch nicht war sein . . . Ich wird ihn umbringen.“ Im selben Augenblick klingelte Ellies Handy. Sie nahm es immer noch lachend in die Hand und nahm den Anruf an. „Oh, wie ich höre, habt ihr mein kleines Geschenk schon gefunden. Wie böse ist er?“ „Hi Aki! Ja, haben wir. Auf ner Skala von eins bis zehn. . .vielleicht 8?“ „Ah, ich bin stolz auf mich. Ähm, was ich sagen wollte: Eero und ich haben Du-weißt-schon-was zu Du-weißt-schon-wem gebracht, es hat geklappt!“ „Echt? Cool . . . ist es in meinem, bzw seinem Paket?“ „Habt ihr getauscht?“ „Ja.“ „Dann ist es in dem , dass du jetzt hast. Sei um Gottes Himmels Willen vorsichtig damit, du weißt ja selber wie schweineteuer das Ding war.“ „Ich geb mir Mühe. Wenns dich beruhigt, kann ich’s auf dem Flug extra versichern lassen.“ „Joa, das wär gut. . . Du, ich muss dann Schluss machen, wünsch euch schöne Ferien!“ „Danke, wir dir auch Aki! Ciao.“ Sie beendete das Gespräch und legte das Telefon wieder beiseite. „Aki wusste also vor mir, dass wir morgen schon fliegen?“ „Jahh, wir mussten doch dein Weihnachtsgeschenk rechtzeitig besorgen.“ Lauri setzte einen Hundeblick auf und machte sich klein auf dem Stuhl. “Was ist es denn?“ „Sag ich nicht.“ „Anfangsbuchtstabe?“ „G oder E , meinetwegen auch M, oder I.“ „Och manno, dann krieg ich doch nie raus.“ „ Doch, doch, schätchen. Nämlich in genau . .“ Sie warf einen Blick auf ihre Uhr. „ . . sechs Tagen, am 24.“ „ Das ist viel zu lange!“ „Soll ich dir mal was zeigen?“ „Was denn?“ „Ja oder Nein?“ „Ja, gut.“ „Dann komm mal mit.“ Sie nahm seine Hand und zog ihn mit sich zur haustür, die sie aufmachte und durchschritt. Es ging weiter über die Stufen , auf den Rasen. Dann bückte sie sich , hob etwas auf. Lauri versuchte verzweifelt an ihr vorbei zu sehen, schaffte es aber nicht ,einen Blick auf dieses geheimnisvolle Teil zu werfen. Nun drehte sie sich um und ehe er sich versah, hatte er einen klumpen schnee im gesicht kleben. „Du Miststück!“ „Guck mal hier.“ Sie hielt ihm einen Spiegel entgegen und sprach weiter . “So doof kannst du aussehen.“ „Ach ja?“ Mit einem Sprung hatte er sie niedergeworfen und kniete nun mit einem gehässigem Grinsen über ihr. „Oa, scheiße, Kreischies!“ „Wo?“ Watsch, wieder hatte er schnee in den Haaren. Ellie wurde schon rot vor lachen und strampelte mit den beinen um zu entkommen. „Och, meine Maus, du brauchst doch keine angst zu haben.“ Mit diesen worten ließ er einen arm voll schnee auf sie herabfallen. Prustend arbeitete sie sich aus dem haufen und sprang auf. Wieder grinste er wissend und deutete auf ihren Oberkörper. „Ich glaub dein Shirt wird langsam durchsichtig.“ „fuck, da kommen tatsächlich ein paar kreischies!“ „Nochmal fall ich darauf nicht rein, Süße.“ „AHHHHHHHHHHH, DA IST ER! LAAAAAAURRIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!!!!!!!!!!“ Er rannte hinter Ellie her, die schon die Stufen hochsprang und die die Tür hinter ihnen zuschlug. Immer noch kichernd ließ sie sich zu ihm auf die Couch fallen und wischte sich die nassen Haare aus dem Gesicht. Plötzlich spürte sie seinen Arm um ihre Hüften, de sie zu sich zog und festhielt. Sie sah ihm tief in die Augen und wollte gerade dort weitermachen, wo sie vor Stunden aufgehört hatten, als draußen ein lauter Tumult begann. Die Fans klopften an die Tür, klingelten, kreischten. Fast gleichzeitig mit ihm knurrte sie „ Immer im falschen Augenblick!“

Kapitel 29

(Lauri)

Flug Nummer 703 nach München- Boarding. Ellie und ich springen von unsren Sitzen auf und begeben uns zum Flugsteig. Ich denke ,sie ist genauso froh wie ich, dass das warten ein Ende hat. Noch einmal gehe ich in Gedanken durch, ob wir auch nichts vergessen haben. Mein Board ist aufgegeben, das Gepäck auch, die geschenkekiste . . . ja, die auch. Ellie hat noch irgendwas versichern lassen, hat Deutsch mit der Tussi am Schalter gelabert, ich hab kein Wort verstanden. Scheint beabsichtigt zu sein, oder warum grinst sie mich die ganze Zeit so wissend an? Jedenfalls wird die Kreischie-Gefahr mit jedem Schritt in Richtung der Maschine geringer, wir fliegen Businessclass , also nur hohle Geschäftsleute und so was. Ellie besteht darauf, die ganze Reise zu zahlen, weil sie findet, wir vertilgen viel zu wenig, um die Miete damit vergleichen können. Sie ist so verdammt unabhängig, das liebe und hasse ich an ihr. Im Moment würde ich sie aber am liebsten in die Flugzeugtoilette zerren, so wie sie mir über die Schulter zulächelt.
Bei unseren Plätzen angekommen, stelle ich zufrieden fest, dass wir so gut wie keine Mitreisenden haben. Schnell schnappe ich Ellie den Fensterplatz weg, wofür ich einen kräftigen Tritt auf den Fuß bekomme, natürlich trägt sie Stiefel mit Pfennigabsätzen. Erschöpft sinke ich in den weichen Sitz und sehe auf das Rollfeld hinaus, den nassen Asphalt und die vielen kleinen Lämpchen, die sich vom grauen Himmel abheben. Eben mir packt sie ihren Diskmann aus und wurstelt bestimmt fünf Minuten in ihrem Eastpak herum, bis sie endlich eine Ärzte herauszieht und einlegt. Die Musik dringt leise und verschwommen an mein Ohr, sie passt zu dem Bild, dass sich mir da draußen bietet.

Ich knie über ihr, meine Hände gleiten an den Knöpfen ihrer Bluse entlang, öffnen jeden einzelnen bewusst und voller Vorfreude. Kann ihr nicht in die Augen sehen . . . Das Stückchen Stoff wird nun achtlos weggeworfen, ich erkenne meinen Arm ,der es provozierend langsam zu Boden gleiten lässt. Es sind meine Finger die ihr über die Lippen streichen, weiter nach unten, auf suche nach mehr . . . satisfaction. Gleiten über ihre Hüften , weiche Haut, geschmeidig und duftend. Noch ein Knopf, stört mich auf meinem Weg. Weg damit. Es kommt mir vor wie Stunden, bis sich alle Zähne des Reißverschlusses von einander gelöst haben. Etwas schwarzen, knappes ,kurzes. Ganz nach meinem Geschmack. Jeansstoff gleitet nun über ihre Beine, es geht mir zu langsam, doch ich will mich selbst quälen, verletzen. Auch dieses Kleidungsstück interessiert mich nicht mehr, nur noch diese zwei schwarzen, knappen Teile, die sich so nahtlos an ihren Körper schmiegen. Wieder sehe ich meine Arme, schlängeln sie zwischen ihrem Rücken und der Matratze hindurch, suchen etwas , finden es. Die Spannung verschwindet, nur noch ein kurzer Augenblick, dann ist es endlich soweit. Solang hab ich gewartet. Weg damit. Lippen auf ihrer warmen Haut , meine Lippen, meine Zunge, Ich. Nur noch ein Teil ist übrig, eins noch. Meine Hände machen sich erneut auf den Weg, wollen es mehr denn je zuvor. Stopp. Was ist? Du bist auch noch da? Was schaust du mich so an, du musst mir was sagen ? Kann das nicht warten ,verdammt noch mal? Nein, kann es nicht. Also schön, was ist? . . . Du . . . was? Du bist LESBISCH ?

Ihr Gesicht über mir, aber anders, fröhlich, gespannt, erwartungsvoll. „Wach auf, wir sind gleich da!“ Mein Blick wandert aus dem Fenster, fängt die vorbeifliegenden Wolken und die weisen Felder tief unter uns ein. Wandert hinunter zu meiner Hose. Nichts. Gut. Aber was soll das? Ich sitze immer noch im Flugzeug, halb verdreht zwar und ziemlich zermatsch, aber vollständig angezogen. Und du sitzt neben mir, hibbelig, jedenfalls nicht halb nackt. Langsam dämmerts mir. „Ich hab mir übrigens erlaubt, deinen Sekt zu trinken, du hast ja gepennt. . . . Was ist, schau mich nicht so merkwürdig an!“ Ich schüttle den Kopf und fühle meinen Verstand zurückkommen. „Schon ok.“ Sage ich und küsse sie überraschend. „ Komm, aussteigen. Und schön deine Sonnenbrille aufsetzen.“ Sie packt ihr zeug und sieht mich erwartungsvoll an. Ich tue es ihr gleich und wir verlassen das Flugzeug.
Wenig später befinden wir uns im Flughafengebäude, Ellie lebt auf, lauscht freudig erregt der Deutschen Sprache, die uns von allen Seiten entgegenschlägt. Wir labern , lästern ,verarschen uns gegenseitig. Es ist alles wie immer und ich fange an diesen merkwürdigen Traum zu vergessen. Bin ich denn wirklich so egoistisch?

Kapitel 30 (juhu!)

„LAURIIIIIIIIIIIIIII!!!!!!!!!!!“ „Na toll!“ ”Wegrennen oder sich der Gefahr stellen?“ Er seufzte und setzte ein Lächeln auf. „Es sind Fans . . .“ zischte er ihr aus dem Mundwinkel zu und warf einen Blick nach hinten, was unnötig war, denn im selben Augenblick standen ein paar schwarzhaarige Gören vor ihnen und starrten Lauri ehrfürchtig an. Eine von ihnen hatte sogar Tränen in den Augen und zitterte am ganzen Körper. „K . . k. .önnen wir ein Autogramm haben, bitte?“ Nun wurden ihm von allen Seiten stifte entgegengehalten und Fotoaperrate blitzten. Ellie unterdrückte ein Kichern und versuchte sich unbemerkt von der Menge zu entfernen, doch Lauri hielt sie fest und sagte etwas auf Finnisch. „Du wirst schön hier bleiben und mich nachher bemitleiden.“ Sie könnte seine Augen zwar nicht sehen , da er immer noch die Sonnenbrille trug, aber sie ahnte ,dass sie vor Vergnügen flackerten. Den Mädchen war seine Bewegung nicht entgangen und ein Raunen lief durch die kleine Gruppe. Eine besonders originaltreu gestylte Tussi bahnte sich den weg nach vorne und zeigte wütend auf Ellie, die sich schmerzhaft auf die Lippen biss, um nicht los zuprusten. „Wer ist DIE?“ Sie sprach die letzte Silbe voller Abscheu aus und funkelte dabei wütend in die Runde. „Du bist meine Frau, Schätzchen, Elsisabeth Ylönen, klingt doch gut, oder?“ „Hast du sie noch alle?“ „Jetzt sags ihnen schon!“ „ER HAT SIE ´RAKAS´ GENANNT!“ „Ja, Kleine, das hat er. Wir sind schließlich auch verheiratet. Dürfte ich jetzt bitten, wir haben einen Termin.“ Sie zog ihn durch die fassungslosen Fans und zischte ihm grinsend zu. „ Links, Recht, wieder link und dann gerade aus. Los.“ Sie bogen um die Ecke , fingen dann an zu lachen und rannten davon. Am gepäckband angekommen stürzten sie sich auf ihre Koffer, die glücklicherweise gerade an ihnen vorbeifuhren und machten sich auf den Weg zum Schalter für Sonderbeförderungen, um Ellies Karton abzuholen. Nach etlichen Malen verlaufen und „Sag mir was drin ist!“ Rufen von Lauri mieteten sie sich schließlich ein Auto und stopften das Gepäck hinein. „NICHT DIE KISTE ANFASSEN!“ kreischte Ellie und riss ihm den Karton aus der Hand. „Fuck, beinahe hätt ich’s aufgekriegt.“ „Du bist ein Kleinkind!“ nuschelte sie unter dem Sitz hervor, unter dem sie den Schatz sorgfältig verstaute . „Ahhhhhhhh, ich glaub mein Board hat nen Kratzer gekriegt, ich verklag die Schweine!“ „Das ist eins von deinen sexy Haaren ,Schatz.“ Sie nahm es mit spitzen Fingern und pustete es ihm ins Gesicht. „Upsala. Hätt ja sein können.“ „ Komm, mach die Klappe zu und steig ein, ich will noch in die City bevor wir meinen Krempel holen. Außerdem gehen wir lieber erst zu mir nach Hause, wenn es dunklen ist, ich will nicht, dass meine Eltern uns sehen.“ „Die wissen nicht, dass wir kommen?“ „Ja, ich weiß, ich bin ne Scheißtochter, aber ich kann mir denken, was sie sagen werden, und das will ich nun wirklich nicht hören.“

Kapitel 31

„Elliiieeee! Ich kann nimmer!“ „Mein Gott, du Weichei, wir sind erst drei Stunden unterwegs.“ „NUR drei Stunden durch diese merkwürdige Stadt latschen ist anstrengend.“ „Nimm gefälligst das merkwürdig zurück oder du läufst nach St. Moritz.!“ „Oh, Gott, wie tief bin ich gesunken? Ich lass mich von ner Frau rumkommandieren . . .jaja, ich nehms ja zurück, aber lass mich am Leben, ok!?“ „Laurileinchen?“ „Was?“ „Würdest du dich noch ein halbes Stündchen erbarmen, für den Weihnachtsmarkt?“ „Oaaaaa n . . .“ „Da gibt’s Glühwein.“ „ . . ., Glühwein? Na los, komm schon oder willst du hier Wurzeln schlagen?“ Ellie rannte hinter ihm her und bemerkte ,dass es bereits langsam dunkel wurde. Nach und schalteten sich die weihnachtsbeleuchtungen ein und warfen ein anheimelndes Licht über die Stadt. Mittlerweile hatte sie ihn wieder eingeholt und zog ihm die Sonnenbrille von der Nase. „Damit fällst du nur noch mehr auf.“ „Huch, is das hell hier. Sag mal ,weißt du eigentlich, wo das Auto steht? Ich hab völlig die Orientierung verloren.“ „Na klar weiß ich das, rakas. Ich bin hier aufgewachsen.“ „Ach ja, das vergess ich immer. Du passt einfach so gut zu Hellsinki .Einfach teuflisch . . .“ Lachend sprang er einen Schritt zur Seite um Ellies Fuß auszuweichen, mit dem sie nach ihm trat. Doch plötzlich zog es ihm die Beine weg , er taumelte kurz und fiel dann wie in Zeitlupe nach hinten um. Ellie krümmte sich vor Lachen ,zwang sich jedoch ihm hochzuhelfen.“ So hats angefangen, nich. Irgendwie zieht dich der Boden magisch an.“ „Haha, sehr witzig“ sagte er ein bisschen beleidigt, musste dann aber auch grinsen, bei dem Gedanken ,wie er ausgesehen haben musste. Inzwischen hatte sie aber etwas andres entdeckt und zog mechanisch an seinem Arm ,worauf er erneut das Gleichgewicht verlor und sich hilflos an sie klammerte. „Ahhhhhhhhhh, sag mal, willst du mich loswerden?“ „Alles pure Berechnung.“ Erwiderte sie und nutzte die Gelegenheit um ihn zu küssen. „Alles vergeben und vergessen.“ Flüsterte er ihren Haaren zu . „ Wir können das gern später fortsetzen, aber da vorne gibt’s SCHOKOBANANEN!“ „Hach, ja, gut. Dann hol ich uns nen Punsch, oder willst du lieber Tee,ich mein, du musst ja noch fahren?“ Er zog seinen Geldbeutel aus der Jackentasche und grinste sie spöttisch an. „Geh, oder ich schlag dich heut noch.“ „Oh Gott, jetzt hab ich aber Angst“ sprachs und verschwand in der Menge.“ Schmunzelnd den Kopf schüttelnd kaufte sie sich ihre Banane und stellte sich an einen kleinen Tisch,der gerade frei wurde. Lauri kämpfte sich durch die Masse zurück zu ihr und stellte zwei dampfende Becher auf den Tisch. „Bis die kapiert haben, was ich will . . .tztztz.“ Er wärmte seine Hände an dem heißen Getränk und nippte dann vorsichtig daran. Ellie knabberte die Schokolade von der Frucht ab und ließ sie sich langsam auf der Zunge zergehen. Wie sehr hatte sie so was Simples vermisst. Er senkte den Blick auf die rote Flüssigkeit und musterte sie dann von unten her. „Schätzchen?“ „mhmh? nuschelte sie zwischen zwei bissen und sah ihn erwartungsvoll an.“ „Könntest du das Ding bitte ein klein wenig unerotischer essen?“ „Was?“ „Naja, du weißt schon ,was ich mein.“ „Du bist echt süß.“ „Danke für die Blumen. Was andres: Wegen dem Autofahren. Ich kenn da so ein deutsches Sprichwort.“ „Wasn für eins?“ „Frau am Steuer ,das wird teuer.“ „Das hast du falsch verstanden. Es geht anders. . .“ Sagte sie mit ernster Mine und schleckte genüsslich den Rest ihrer Süßigkeit ab. „Hör auf damit. wie geht’s denn richtig?“ „Finne am steuer- ungeheuer oder aber auch Lauri am Steuer-rein ins gemäuer. . . .mmmhh , das is ja sooooo lecker!“ Langsam zog sie mit den Zähnen das letzte Stückchen vom Spieß und sah ihm dabei direkt in die Augen. Kühl blickte er zurück und wartete ,bis sie fertig war. Dann packte er sie plötzlich am Mantelkragen und zog sie über den Tisch zu sich heran. Schadenfroh grinste er ins Gesicht und küsst sie anschließend zärtlich. „Du weißt, wie du mich zu Schweigen bringst, stimmts?“ „Mh, ja, wie du siehst.“ „Schöne Art . . . fahren wir jetzt zu mir? Bis der Flieger geht, können wir dort bleiben. Ich wohn über der Garage . . .“ „Klar. Komm gib mir dein Patschhändchen, Mrs Ylönen.“ Ellie reichte ihm lächelnd die Hand und ging mit ihm zurück zum Wagen.

Kapitel 32

„Schatz ,das ist EINBRUCH, DIEBSTAHL!“ flüsterte Lauri aufgebracht. „Ach, laber keinen Scheiß. Das Zeug gehört mir. Wir sind durch MEINE Wohnung hier rein gekommen, und zu der besitz ich schließlich einen Schlüssel“ „Ja, aber mir gefällt das ganze trotzdem nicht.“ Die beiden befanden sich im Keller des Hauses, in dem Ellies lebten und sammelten seid gut 10 Minuten Andenken an frühere Zeiten, die sie unbedingt mitnehmen wollte. „Ellie wir haben die Skier, das Board und alles,was dazu gehört .Lass uns wieder hoch gehn .“ „Nur noch meine Lichterkette und den Adventskranz, ja?“ „Sowas können wir überall kaufen . . . fuck!“ Er stieß aus versehen an ein Regal ,das bedrohlich laut schepperte. Wie gebannt blieben sie stocksteif stehen und lauschten in die Stille hinein. Nichts.“ „Ok, ich hab den Kram. Wir können gehen.“ „Oa, ich lieb dich, Baby.“ „Meinst du das auch wirklich ernst?“ „Ja, natürlich mein ich das ernst. Aber BITTE lass uns jetzt gehen.“ Sie nahm seine Hand und zog ihn mit sich durch das dunkle Haus. Im Obergeschoss hörte man einen Fernseher vor sich hin brammeln, was ihm den kalten Schweiß ausbrechen ließ. Ellie musste sich nicht halb so viele Gedanken wie er. Ihre Eltern kannten ihn nicht, er drang mitten in der Nacht in ihr Haus ein, sprach noch nicht mal ihre Sprache. Er versuchte diese unangenehmen Gedanken zu verdrängen und konzentrierte sich auf seine Freundin ,die ihn immer noch zielstrebig durch die Gegend schleifte. Endlich erreichten sie die Treppe, die zu Ellies Wohnung führte und stiegen hinauf. Als er die Tür hinter sich schließen konnte, kam die Entspannung langsam zurück und mit ihr die Müdigkeit des langen Tages. „Darf ich Licht machen?“ „Ja, man kann das Licht vom Haus her nicht sehen.“ Sie stand irgendwo am anderen Ende des Raumes und stapelte ihre Habseligkeiten. Lauri tastete sich an der Wand entlang und fand bald den Lichtschalter. Doch als er darauf drückte, gab es nur einen kurzen Blitz, dann war der Raum wieder dunkel. „Das nenn ich Glück. Birne durchgebrannt, super, echt toll.“ Er hörte dass sie auf ihn zukam ,dann schien sie direkt vor ihm zu stehen. Er fühlte ihre Wärme und Nähe, als sie die Hände in seine Jackentasche und etwas herauszogen. Er wollte sie umarmen, küssen ,festhalten, griff jedoch nur ins leere. Plötzlich flammte in der Nähe eine Flamme auf und eine Kerze tauchte das Zimmer in ein warmes Licht. Sie schob den Adventskranz in die Mitte des Raumes und suchte schließlich eine Steckdose für die Lichterkette. Nun konnte er endlich die Einrichtung sehen, stilvoll aber trotzdem gemütlich, natürlich trug das warme Licht sehr zu dieser Atmosphäre bei. Ellie ließ sich erschöpft auf das große bett fallen, das is eine Ecke stand und schaltete ihr Handy an. Er konnte das blaue Licht des Displays durch ihre Haare schimmern sehen. „Hey, was stehst du so rum? Darfst dich jetzt wieder bewegen Schatz, also komm her.“ Gehorsam folgte er ihrer Aufforderung und legte seinen Kopf in ihren Schoß. „Unser Flug geht um halb ein, jetzt ist es sieben ,das heißt, wir können uns 4 stunden lang ausruhen.“ „Ich bin sooooooo müde, du hast mich fertig gemacht, Süße.“ „Ich bin auch müde, stell nur noch schnell das Handy , sonst verpassen wir noch unsere Ferien.“ „keine freche Antwort?“ „Wenn ich müde bin, bin ich brav wie ein Lamm.“ Sie strich ihm eine Strähne aus dem Haar und lächelte unschuldig. „Mhhm, gut zu wissen . . . sag mal, was ist denn das?“ Er rollte sich etwas zu Seite griff suchend neben sich. Tatsächlich wurde er fündig und hielt das Teil gegens Licht. „ Wer hat dir den denn ausgezogen?“ An seinem Finger baumelte ein schwarzer String, den Ellie verzweifelt versuchte zu erreichen. „ Gib . .den . .her!“ „ Ne,ne, nix da. Den behalt ich als ANDENKEN.“ „Lauri, du bist ein verdammter W . . .“ „Was bin ich? Ich kann natürlich auch den behalten, den du grade trägst.“ Er schob seine Finger in ihren Hosenbund und linste neugierig hinein. „Wenn schon, dann richtig.“ Flüsterte sie nun und zog ihr Shirt aus. Plötzlich schoss ihm sein Traum durch den Kopf, alles kam ihm so unheimlich bekannt vor. Trotzdem zog er sie auf seinen Schoß und strich durch ihre Haare, die ihm Kerzenlicht glänzten. Verträumt beobachtete er das Glitzern bis sie ihn durch einen ungeduldigen Kuss in das Hier und Jetzt zurückholte. Er erwiderte ihn und ließ seine Hände über ihren Rücken gleiten als ein gellender Schrei ertönte.
„ ELISABETH, WAS TUST DU DA?“

Kapitel 33

Ellie stieß einen entsetzten Schrei aus und klammerte sich erschrocken an ihn. Völlig perplex dachte Lauri im ersten Moment, dass Aki hinter ihnen stand, doch als sein Hirn den Betrieb weder aufnahm, wurde ihm klar ,dass Aki in Helsinki war, und keinesfalls hier in München. Außerdem sprach sein Freund kein Deutsch. Folglich musste diese dunkle Gestalt an der Tür jemand anders sein. „WER IST DAS?“ Dieser Jemand klang ziemlich weiblich und zeigte mit ausgestreckten Arm auf ihn. Er hielt Ellie immer noch fest und konnte spüren wie die Wut, Verzweiflung oder was auch immer in ihr hochstieg und sie zum Beben brachte. Sie sprach nun wieder ihre Sprache , schnell, gehetzt und doch irgendwie kühl und gleichgültig. „Kannst du nicht anklopfen?“ „ ANKLOPFEN? WIR DACHTEN DU WÄRST IN HELSINKI, WIR HABEN DIR UNSER GELD NICHT GEGEBEN UM MIT SOLCHEN HERUMTREIBERN ZU VERPRASSEN! ALL DIE JAHRE HABEN WIR DICH UMSORGT, UND JETZT TUST DU UNS DAS AN!“ „Ihr habt mich umsorgt? Ah ha. Ich denke übrigens nicht, dass Lauri mein Geld nötig hat.“ Sie zog ihr T-Shirt wieder an und stand auf. Als ein Name fiel, lief es ihm eiskalt den Rücken herunter. Diese Situation war so ziemlich das schlimmste was er je erlebt hatte. „ER HAT DEIN GELD NICHT NÖTIG? DANN BIST DU WOHL ZUR NUTTE GEWORDEN, DU STÜRZT UNSERE FAMILIE IN SCHANDE!“ „Ich habe eure Scheißkohle genauso wenig nötig wie er, du kannst aufhören hier rumzubrüllen. Lauri . . .“ Sie sprach nun Finnisch weiter. „ . . . lass mich ihr noch schnell meine meinung sagen, dann können wir gehen. Und weißt du schon das neueste? Ich bin ne Nutte!“ Er warf Ellies Mutter einen etwas ängstlichen Blick zu, antwortete aber dann in der Hoffnung, sie verstünde kein Finnisch. „ Ihr hat euch ziemlich lieb, so wies aussieht. Ne Nutte? Wenn sie keine Frau wär, würde ich sie jetzt verprügeln.“ „Oh, tu dir keinen Zwang an, rakas. Die ist robust. Ich weiß, normalerweise liebt man seine Eltern, aber ich kann das einfach nicht. .. Egal, gleich wird sie wieder losbrüllen.“ „Das scheint dir ja richtig Spaß zu machen. . .“ „Das ist der Augenblick, auf den ich so lange gewartet habe. Muss ich nachher gleich Oma erzählen, die lacht sich schlapp.“ Deine OMA?“ „Meine Oma ist die coolste Person auf dem ganzen Planeten. Sie erinnert mich an aki, von ihr hab ich Finnisch gelernt, wir mailen uns ständig. . . gott sei dank hab ich das alte laptop mit nach hellsinki genommen.“ „Auch die ganzen bösen Ausdrücke?“ „Ganz besonders die.“ Ellie grinste und schwieg, gespannt auf die Reaktion ihrer Mutter. „EIN AUSLÄDER?WAS IST DAS BITTE FÜR EIN NAME: LAURI?! ES IST UNHÖFLICH, EINE SPRACHE ZU SPRECHEN; DIE JEMAND IM RAUM NICHT VERSTEHT!“ „Ach, und wenn wir Deutsch sprechen, ist das egal, ist doch eh nur son dahergelaufener Finne . . .“ „ELISABETH, SO SPRICHST DU NICHT MIT MIR!“ „Hörst du? Ich tus doch.“ „DU BIST EINE MIESE KLEINE SCHLMAPE GEWORDEN!“ „Aber du darfst deinen Chef durchficken, wenn’s dafür ne gehaltserhöhung gibt, ja?“ Ihre Mutter stand stocksteif, ihre Augen glühten vor Wut und ihre Arme zitterten beträchtlich. Dann plötzlich kam sie mit riesen Schritten auf Ellie zu und holte mit der Hand aus. „So sprichst du nicht mit mir !“ quetschte sie durch die zusammengebissenen Zähne hervor und ließ die Hand herunterrauschen. Lauri hatte das Geschehen gebannt verfolgt und sprang nun auf um Ellie zur Seite zu stoßen. Taumelnd hielt sie sich an ihm fest und fand ihr Gleichgewicht wieder. Entsetzt starrte sie ihre Mutter an, deren Hieb ins Leere gegangen war. Hinter ihr hörte sie ihren Freund heftig atmen und schließlich wütend lospolternd. „WIE KÖNNEN SIE ES WAGEN, IHRE TOCHTER ZU SCHLAGEN?“ „Ich habe keine Tochter mehr. Morgen steht der Raum leer, oder ich lasse den ganzen Mist entsorgen.“ „WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!“ Doch die Tür war schon zugeschlagen, sie waren wieder allein. „Kannst du mich jetzt verstehen, Schatz?“ „Ja, langsam wird mir einiges klar . . .“ „Komm, wir fahren zu Mary, meiner Oma, die freut sich, wenn wir kommen.“ „Wenn du meinst . . .“ „Du bist echt ein Schisser, Lauri! Jetzt nimm bitte mein Board und folge mir unauffällig.“ Sie pustete die Kerze aus und rollte die Lichterkette zusammen. Es wurde wieder dunkel, und zum zweitenmal an diesem winterabend konnte er ihre Nähe deutlich spüren. „Danke übrigens, dass du mich gerettet hast.“ Ein süßer Kuss. „Gern geschehen, Kleine“ sie zupfte auffordernd an seiner Jacke und so folgte er ihr hinaus auf die Straße.

Kapitel 34

„So, wir sind da.“ Ellie stoppte vor einem großen weißen Haus in einem Außenbezirk Münchens. Das obere Stockwerk war hell erleuchtet, wogegen das untere gänzlich dunkel vor ihnen lag. „Charlie is wohl nich da, so wies aussieht.“ „Wer ist das nun schon wieder?“ „ Das ist Omas beste Freundin, die wohnen so wie wir beide.“ Sie war bereits aus dem Auto gesprungen und spielte ungeduldig mit den Schlüsseln, während Lauri sich langsam aus dem Auto quälte. „Ich muss dich wirklich lieben, rakas.“ „Jetzt stell dich nicht so an. Komm, ich freu mich schon so.“
Auf ihr klingeln hin wurde die große weiße Tür geöffnet und eine ältere Frau stand vorhin. Sie trug Jeans und dasselbe Shirt wie Ellie mit der Aufschrift BKA (BerufsKampftrinkerArmee) . Sie hatte auch dieselbe Haarfarbe wie ihre Enkelin, zwar schon ein bisschen ergraut, dennoch unverkenntlich. Insgesamt hatte Lauri das Gefühl, als stünde eine 40 Jahre ältere Version seiner Freundin vor ihm. „Ellie, Schätzchen, wie schon dich zu sehen!“ Die beiden umarmten sich und strahlten um die Wette. Sogar das Lächeln war fast identisch. „Ach, und sie müssen Lauri sein, willkommen in meiner bescheidenen Hütte!“ Ihr Finnisch war ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Ach ja, Eltern . . davon hatte er erst mal genug. „Der ist ja noch knackiger, als du ihn beschrieben hast.“ „Oma!“ „Nun lass mich doch, in meinem Alter hat man nicht jeden Tag so junge Männer im Haus.“ Lauri grinste. Nun wusste er, wo Ellie ihr freches Mundwerk herhatte. Ohne weitere Umschweife bat sie die beiden ins Wohnzimmer, hell eingerichtet, mit schwarzen Ledersofas. „Setzt euch doch schon mal. Ich bin übrigens Mary, irgendwas mit Sie will ich erst gar nicht hören.“ Sie schüttelte ihm kräftig die Hand und verschwand dann in der Küche, war aber wenige augenblicke später mit zwei Flaschen Wein wieder zurück. „Holst du bitte Gläser, schätzchen? Und dann musst du mir erzählen, wie deine rettet-den-computer-das-board-die-ski-usw. aktion gelaufen ist.“ Ellie stellte drei Weingläser auf den tisch und schenkte ein, während sie weitersprach. „ Scheiße, einfach nur scheiße, aber trotzdem . . . ähm, wie heißt dieses blöde wort noch gleich . . .erfolgreich.“

(ein stündchen später)

„Hach ist das schön mal wieder neben einem so schnuckeligen Kerl zu sitzen.“ Mary kicherte sodass der Wein in ihrem Glas schwappte. Sie saß neben Lauri auf der Couch und ließ sich von ihm ziemlich schweinische Ausdrücke beibringen. Ellie saß auf seiner anderen seite und schlang beleidigt die Arme um ihn. „Er gehört aber mir oma! Und außerdem sollst du nicht immer meine Freunde betrunken machen.“ Wieder kicherte und klopfte auf Lauris Oberschenkel. „Da fällt mir grad was, das muss ich dir unbedingt erzählen, Lauri. Einmal haben Ellie und ihre Freundin bei mir übernachtet, das war sie so 12 oder 13. Ich hab ihnen heimlich ein bisschen Wodka in den Eistee getan, die beiden waren ja sooooo schüchtern . . .“ „Bitte nicht die Story ,Oma! „ Jetzt lass sie doch mal ausreden!“ sagte Lauri ziemlich angetrunken und hielt ihr den Mund zu. „Mhmhmmmmmmmmmh!“ „Ja, ich dich auch, schätzchen!“ „Jedenfalls guck ich dann nacht so aus dem Fenster und seh die beiden auf dem balkon . . .“ „MHMHMMMMMHHHHHHHHH!!!!“ „ . . .nur in Unterwäsche sind sie draußen rumgesprungen, mir Tampons an die Ohren gehängt und haben „It´s raining men“gesungen, das warn noch zeiten.“ Lauri ließ Ellie los und ließ sich kichernd und prustend vom sofa gleiten. Zusammengekrümmt lag er dann auf dem Boden und japste nach Luft. „Wann geht denn eigentlich euer Flug?“ „Um halb eins, Oma“ sagte Ellie in bisschen säuerlich. „ Och, sei doch nich böse, schatz.“ „Auf dich kann man doch gar nicht sauer sein.“ Sie umarmte ihre Großmutter und warf dann einen Blick auf die Uhr. „Ich glaub wir müssen dann gehen. Is schon elf.“ Lauri krabbelte mühsam wieder zwischen die beiden und seufzte zufrieden. „Ihr macht mich fertig ,Ladies!“ „Na komm, du Checker, wir müssen wieder. Ich schreib dir gleich morgen Mary. Kannst du bitte die Leute von der Umzugsfirma anrufen und meinen Kram nach Hellsinki schicken. Die Adresse weiß du ja.“ „Klar, mach ich. Und halt dir den kleinen da warm, wär ein netter Schwiegersohn.“ „Mach ich Oma. Tschüssi dann!“ „Ja,tschö, Mary“ „tschüss ich beiden, viel Spaß in st. Moritz!“ Sie winkte noch kurz und schloss dann die tür. „na, wars so schlimm?“ „eine Oma is echt cool, nur ich glaub, sie hätte mich ziemlich abgefüllt, wenn wir länger geblieben wären.“ Er bleib abrupt stehen und zog sie an sich. „Hey, was soll das?“ „Wollt dir nur sagen, dass du bestimmt sexy aussiehst, mit tampons an den Ohren“

Kapitel 35

(am Flughafen)

„Halb zwölf. Wir haben eingecheckt, alles fertig. Willst du auch nen Kaffee?“ „Ja, warte bleib sitzen, ich hol uns was.“ Lauri sprang von dem kleinen Barhocker und machte sich in Richtung Theke auf, die nur von einer Person besetzt war. Ellie wunderte sich, warum er so wild darauf war, macht sich aber keine weiteren Gedanken darüber. Sie war einfach zu müde, der Tag zog langsam an ihr vorbei und wirbelte Gefühle erneut auf. Sie war immer noch ganz in Gedanken, als er wieder kam und ein voll beladenes Tablett auf den Tisch hievte. „Das Kaffee sein?“ Sie deutete auf Lauris Hände ,die inzwischen zwei Pizzen, Schokolade und ,oh Wunder, zwei Becher Cappuccino auf dem Tisch ausbreiteten. „Die kleine da hat mich erkannt und hat mir den ganzen Krempel aufgehalst.“ „Da konntest du natürlich nicht nein sagen . . . oa, BAYLEYS SCHOKOLADE!“ „Gell, die is gut.“ „Lauri, mein Schnucki- Putzi, weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab?“ „Mhm, ja.“ Nuschelte er und riss konzentriert die Folie von der Schokolade. Dann brach er sich ein Stückchen ab und ließ es sich langsam auf der Zunge zergehen. „Gibst du mir jetzt was ab oder nicht?“ „Ne, ich glaub nicht.“ Wieder verspeiste er ein kleines Stückchen und musterte sie dabei herausfordernd. „Na gut, dann brauch ich gewalt. Lass mich mal nachdenken, wie hast du das gleich gemacht? Ach ja, ich glaub so ungefähr.“ Sie packte seinen Kragen und zog ihn zu sich heran. „Gibst du mir was?“ „Nö, jetzt erst recht nicht.“ Trotzig presste sie ihre Lippen auf seinen Mund und versuchte mit seiner Zunge zu spielen, wobei er aber gekonnt auswich. Beleidigt gab sie auf und funkelte ihn an. „ Das is unfair, so machts gar keinen Spaß . . .“ „Ohhhhhhh, na gut, weil dus bist. Komm her.“ „Jetzt will ich nicht mehr.“ Sie drehte den Kopf zur seite und grinste ihn aus den Augenwinkeln schelmisch an. Er fing ihren Blick auf und nahm ein Stückchen Schokolade zwischen die Zähne. „kannscht ja doch nischt wiedastehn.“ „Ne, kann isch nischt.“ Vorsichtig biss sie ab und lehnte sich dann genüsslich zurück. „Toll, jetzt hast du mich benutzt, Kleine!“ „Das Mädel da drüben bricht gleich in Tränen aus.“ „Ich bin ein schlechter Mensch . . .“ „Nein, bist du nicht, nur ziemlich gedankenlos.“ „Danke.“ „Uhhhhhh, Laurileinsche wird zickig . . .aber wenn du meinst: Bitte!“ „Noch ein klitzekleines Küsschen wird sie schon nicht umbringen, oder?“ „Ja, außerdem bist du nicht ihr Eigentum . . .“ Ein Kuss. „ . . .sondern meins.“ „Trink deinen Kaffee, der stellt dich ruhig.“ „ Gib mir mal die Pizza, dann bin ich richtig brav.“ Er schob ihr den Teller hinüber und nippte selbst an seinem Becher. Schließlich nahm er sich die zweite Pizza vor und schaufelte sie in Rekordzeit in sich hinein. „Mach ma schneller, Schatz. Es ist schon fast Viertel.“ Erschrocken kippte Ellie den Rest Cappuccino hinunter und verschluckte sich prompt an dem pulverigen Satz. „Trinken müsste man können, gell Ellie?“ „Halt die Klappe, oder ich sperr mit ner Horde Kreischies in der Besenkammer ein.“ „Erbarmen. . .. Ui, was für ein Timing, wir können gleich einsteigen.“ Sie sammelten ihre sieben Sachen zusammen und machten sich auf den Weg zum Flugsteig.

Fuck, schon wieder diese Knöpfe! Ich sehe meinen Händen zu, was sie da tun , kann mich nicht entscheiden , ob ich es bin der das tut, oder jemand anders. Das übliche, ich kenn es alles schon, jedes Detail. Was soll der Mist nur bedeuten? Es ist anders als gestern, und doch irgendwie genauso. Gestern war alles so real , heute ist es, als wäre ich ein stiller Beobachter. Noch schlimmer. Der Satz, ich wache auf. Neben sitzt Ellie, starrt schläfrig aus dem Fenster, auf ihren Knien Singles von Blink 182, No Doubt und RHCP. Das Rauschen der Turbinen mischt sich mit den Bässen, ein Geräusch, dass einen glatt in trance versetzen könnte. Schlafe wieder ein, kein Traum, nur ein kurzer , erholsamer Schlaf.

Kapitel 36

Als er aufwachte spürte er einen leisen Luftzug über seine Wangen huschen. Er blickte auf und sah direkt in Ellies Augen, die ihn grinsend musterten. Dann steckte sie flüchtig etwas in die Tasche und wandte sich ab. „Was hast du mit mir gemacht? Gib mir sofort nen Spiegel.“ „Hier, wenn’s dich beruhigt.“ Sie kramte einen kleinen Taschenspiegel hervor und hielt ihn ihm vor die Nase. Nichts zu sehen, er sah aus wie immer. „Warum sagst du dann nicht, dass du nichts gemacht hast?“ „Weil ich dich nicht belügen kann , mein Schatz.“ Sie biss sich auf die Lippen und grinste zum Fenster hinaus. Fasten your seatbelts . . . „ELISABETH!“ „Guck mal hier.“ Sie ließ ihre Hand langsam in seinen Schoß gleiten und sah ihn dabei herausfordernd an. „Du verwirrst mich. . . Ähm, das ist ja ganz schön, aber hier gibt’s auch noch andere Leute . . .“ „Ach ,du bildest dir wieder zeug ein.“ Sie nahm sein Handy, dass ihm vom Oberschenkel gerutscht war und sah es wohlwollend an. „Ziemlich gut getroffen, findest du nicht?“ Auf dem Dispaly war ein Bild von Lauri zu sehen, schlafend, mit Lakritzschnecken auf Augen und Mund. „ Du Bist, gib das her!“ Er nahm ihr das Handy ab und löschte das Photo. „ So, Beweise vernichtet. PGH (= Pech gehabt)“ „Nein, das siehst du ETWAS falsch , mein Süßer.“ Sie strich ihm sanft über die Wange und biss sich wieder auf die Lippe. „Was soll das heißen, Darling?“ Er hielt ihre Hand fest und sah sie halb drohend, halb ängstlich an. „Ich hab das pic an pauli, aki, mary, meinen laptop und an meinen computer geschickt.“ „Nee, oder?“ „Doch, das war die Rache für den Schokoladenentzug und die Schäkerei mit meiner Oma.“ „Ich hab doch gar nix gemacht . . . außerdem sin Handys hier verboten.“ „Ich hab nachgefragt, ich glaub du kriegst ne mail.“ Sein Handy piepte kurz und zeigte dann einen kleinen Briefumschlag im Display an. Neugierig öffnete er die Nachricht und zog dann Ellie zu sich herüber, damit sie mitlesen konnte. Die message kam von aki:
Sauber, Ellie, das druck ich aus und hängs in den probenraum . . .“ Das wirst du schön bleiben lassen!“ . . .Deine Oma is übrigens voll cool, sie hat mich wegen deinem zeugs angerufen, geht alles klar. Wünsch euch viel spaß in . . . habs vergessen . . . aber treibts nicht zu wild ;-) De aki
Das Flugzeug kam unsanft auf dem Boden auf und schüttelte seine Insassen ordentlich durch. Lauri nahm Ellies Kinn und drehte es ihm zu. Dann stieß er vorwitzig mit der Zunge an ihre Lippen und löste sich von ihr, als sie im begriff war , den Kuss zu erwidern. „Der Aki hast verboten.“ „Lauri, du kannst manchmal so ein verdammter Wichser sein! Und jetzt schieb deinen Hintern hier raus, nicht ,dass sie uns noch als müll mit wegschmeißen.“ „Nimm gefälligst den Wichser zurück!“ „Ja, ok, du bist der Checker, schatz. Aber könntest du bitte deine Astralkörper . . .“ „Bin schon längst draußen.“ Mit einem Satz hatte er seinen ausgefransten rucksack gepackt und war auf den mittlerweile leeren Gang gesprungen. „Du bist das sexieste kleinkind ,das ich kenne.“ Sie nahm ihre Tasche und schupste ihn lachend vor sich her. Als sie and er Stewardess vorbeikamen, hackte sie sich bei ihm unter und setzte eine gewichtige miene auf. Lauri tat es ihr gleich und so schritten sie stolz die Stufen der gangway hinunter. „Du bist meine Sandkastenliebe, schätzchen.“ „Du mich auch, Kleiner.“ Lachend holten sie ihr Gepäck ab und liehen sich ein auto an der information. Als sie an der theke standen und auf die Tuitante warteten flüsterte lauri ihr plötzlich etwas verlegen ins ohr. „Wo sind wir hier eigentlich?“ „In Zürich, du Hirnathlet.“ „Friss mich doch.“ „Och, jetzt sei doch nicht gleich eingeschnappt, ich würd dich gern vernaschen.“ „Na gut, wenn das so ist.“ Er schlang seine Arm um ihre Hüften und zog sie an sich. Wenig später brachte ihnen die etwas verdutzte Tuitante die schlüssel des wagens und erklärte ihnen den weg zum wagen auf englisch, da sie dachte, die beiden wären Finnen und verstanden kein Deutsch. Natürlich kannte sie Lauri aus dem Fernsehen und hätte zu gerne gewusst, wer die kleine schlampe war, die sch so übertrieben an ihn heranschmiss. Aufmerksam hörte Ellie ihr zu und als sie ihre kleine Rede beendet hatte , bedankte sie sich höflich. „Vielen dank, ich denke wir werden es finden, Schönen Tag noch.“ Der Reisefachfrau klappte die Kinnlade herunter und sie starrte dem Pärchen wütend nach, als es das Flughafengebäude verließ. Doch draußen passierte etwas, mit dem keiner von den beiden wirklich gerechnet hatte. Etwas, dass größten Einfluss auf ihre Ferien haben werden sollte. Ein kaltes Etwas , dass sich langsam auf ihre Köpfe herabsenkte. . .

Kapitel 37

. . . ja, es begann nämlich zu schneien  gute Pistenverhältnisse. „Such a fucking bullshit! Her gibt’s ja gar keine schneewehen zum reinschmeißen.“ „“Och, Schatz, das wird schon, ein paar 100km noch und wir sind im tiefsten Winter.“

(in St. Moritz)

Ellie parkte den Wagen auf dem Parkplatz des Hotels und ließ sich in den Sitz zurücksinken. Lauri war auf der Hälfte der Strecke weggepennt und sie ihrer Langeweile überlassen. Jetzt rüttelte sie kräftig an seinem Arm und brüllte ihm ins Ohr „WIR SIND DAAAAAAAAAA!!!!“ „ Was?“ Er schreckte hoch und starrte sie erst erschrocken, dann etwas böse an. „Ich hab grad so schön geschlafen . . . Oa, Schneeeeeeeee!!“ Er riss die Autotür auf und schmiss sich in die den nächsten schneehaufen. Ellie starrte ihm fassungslos hinterher, fing dann aber langsam an zu lachen und ging langsam zu ihm hinüber. Er lag alle viere von sich gestreckt in der Wehe und seufzte zufrieden. „Das is so schön kalt, hach ja!“ „Lauri?“ „Jah, schnuckelchen?“ „Gott schmeiß Hirn!“ Blitzschnell packte er ihre Beine und zog einmal kräftig daran. Ellie kreischte kurz auf und landete dann mit eine plumps ebenfalls ihm schnee. „Du W . . .“ „Nicht das W-Wort, schatz!“ übertönte er sie und schmiss eine Ladung zu ihr Hinüber. Prustend rappelte sie sich hoch und stürzte sich auf ihn. „Wie war das noch gleich?Ach ja: Schluck , du Schlampe!“ Mit einem gehässigen Lachen stopfte sie ihm einen Schneeball in den Mund und sah zufrieden zu, wie er verzweifelt versuchte, ihn auszuspucken. „Geh von mir runter, da kommt die High Society!“ Sie sah ein paar gut gekleidete Leute über den Parkplatz auf die beiden zukommen sehen. „ Oh mein Gott. Diese Kopfschmerzen, ich brauche einen neuen Manager. Feuern sie Smithers, und schaffen Sie gefälligst ein paar Aspirin hier her, hach dieser Stress, und jetzt auch noch das Rasmus-Projekt. Nein, nein ,nein . . “ Sie fasste sich theatralisch an die Stirn und presste sich etwas Schnee auf die Schläfen. Die Gesellschaft warf ihr einen verständnisvoll- mitleidigen Blick zu und schritt von dannen. „ Sag, dass ich gut bin!“ Lauri kicherte wie ein kreischie und prügelte auf die Wehe ein. „jap, . . du . . bist die beste.“ Prustete er und quält sich dann immer noch lachend wieder auf die beine. „Du siehst aus wie ein yeti. Schüttel dich mal.“ Er nickte ernst und sprang dann wie ein wahnsinniger über den parkplatz, sich jeden zweiten hüpfer kräftig schütteln. „It´s . . . mad . ..ness . . . .yeahhhh!“ „Komm ,du kiffer, wir gehen jetzt schweizer verarschen.” “ja, genau, das machen wir jetzt.” Er hakte sich bei ihr unter und betrat an ihrer seite die hell erleuchtete empfangshalle. „ Sieh zu und lerne, kleiner.“ Sie straffte sich und ging mit erhobener nase auf die theke zu. Lauri folgte ihr und strengte sich an, nicht loszulachen. Die dame an der Rezeption stand lächelnd auf und setzte z einer begrüßung an, doch Ellie unterbrach sie. „paperlapap, das könne sie sich sparen, ich brauche meinen schlaf, ich habe morgen früh wichtige termine.“ „Du hast Termine, Ellie?“ „ Was . . . HELEN!“ Sie sprang über den Tisch und fiel ihrer freundin stürmisch um den hals. ”Du . . .ich dachte du bist in Deutschland!“ „Bin ich auch morgen wieder, das ist mein letzter Tag hier.“ “Och nööh!“ „Ich finds auch jammerschade, aber was soll ich machen?“ „Du könntest dich mal wieder bei mir melden, schätzchen!“ „Das wollte ich schon lange tun ,aber weißt, ich hab n neues handy gekauft, und dann war auf einmal deine nummer weg . . .“ „Helen, du bist echt krass.Deshalb hast du mir auch nie geantwortet . . . Hast du mal was zu schreiben da?“ Sie nahm das stückchen papier und den stift, den sie ihr reicht und schrieb ihre mailaddy und telefonnummer darauf. „So, aber nicht verlieren, ja?“ „Das hüt ich wie meinen Augapfel . . . ich hab meine beste freundin echt vermisst.“ „Ich dich auch.“ Noch mal nahmen sie sich in den Arm. „Ähm, da kommt mein Chef, meine schicht geht gleich zu ende, und dann darf ich nicht mehr hier sein. Also Doppelzimmer waren aus, aber ich hab was besseres: eine von den Hütten ist zufällig frei geworden, kostet natürlich das selbe, kunde is könig bla,bla,bla, du weißt schon . ..“ Sie drückte Ellie die Schlüssel in die Hand. „Frau Köhler, sie haben jetzt Feierabend.“ „Ja, Herr Kronach, ich mache nur diese Buchung klar.“ „Gut, schönen Abend noch . . .Madame.“ Er verbeugte sich kurz vor Ellie die nur ein schiefes Lächeln zu stande brachte. „Meine Scheiße, ich glaub, das is ne nummer zu nobel für uns.“ „Uns? Ach, ist das nicht der Typ, bei dem du die Wohnung gekriegt hast? Scheint ja mehr drauß geworden zu sein.“ Sie lächelte ihre Freundin schelmisch an und legte ihr die passenden Formulare zum Unterschreiben vor. „Jaah, kann man so sagen . . .“ „Wo isser denn?“ „Kugelt wahrscheinlich wieder draußen im Schnee rum oder so . . . das musst du nicht verstehen.“ „Ok, gut .Ich muss dann wieder runter, in die Personalabteilung.“ Helens Chef ging erneut an der Rezeption vorbei und sah etwas genervt aus. „ Meld dich ma bei mir!“ flüsterte Ellie und zwinkerte ihre Freundin im Gehen davon.
Wie erwartet bekam sie glatt einen Schneeball ins gesicht gedonnert als sie das Gebäude verlies. „Na endlich, ihr weiber seid doch alle gleich!“ „Schluck, du Schlampe!“ fauchte sie und startete einen gegenangriff.

Kapitel 38

„Erbarmen! Mir is kalt und ich bin müde, ich bin im moment nicht ernst zunehmen!“ „Du bist NIE ernst zunehmen.“ „Danke, du mich auch.“ „ Jetzt sei doch nicht so zickig, ich hab ne überrachung für dich.“ „Überraschung? Eher positiv oder negativ?“ „Wie mans nimmt. Also ich finds schön . . .“ Sie wendete sich ab und ging zum Auto, um das Gepäck auszuladen. Lauri spurtete ihr nach und legte seinen Arm um ihre Hüften. „Spucks schon aus, oder ich muss dich totknutschen.“ „Schöner Tod . . . ich sags dir aber trotzdem. Also die haben Überbuchungen, das heißt, alle Doppelzimmer sind belegt . . .“ „ . . . und jetzt müssen wir in der dunklen, engen Besenkammer übernachten, ganz allein.“ „Nein. Wann hast du deine letzte kippe gehabt, schatz? Dein Nikotinspiegel ist im Keller und lässt dich langsam wieder hyperaktiv werden. “ „Am Flughafen, und das merkwürdige ist, ich hab gar keinen bock zu rauchen.“ Ellie starrte ihn entsetzt an und fing dann an zu wimmern. „Was haben sie mit meinem Freund gemacht, Sie Perversling?“ Langsam ging sie rückwärts und schlug die Hände schützend vors Gesicht. Lauri sprang auf sie zu und packte sie an den Schultern. „Zuerst hab ich ihn vergewaltigt, hats ganz schön drauf, der Kleine. Dann hab ich ihn erwürgt und seine Leiche in den Kofferraum gepackt.“ „Oh mein Gott, Sie mieses Schwein!“ „jah, das bin ich . . . soll ich Ihnen schnell mit dem Gepäck helfen?“ „Das wäre sehr nett, ich stehe auf starke, aggressive Männer.“ „So schnell wirst du mir also untreu.“ „Du bist tot, Schätzchen.“ „Ach so, stimmt ja. Sagst du mir jetzt endlich, was sache ist?“ „Wir haben ne Hütte bekommen.“ „Cool, lass uns jetzt den ganzen Mist hier hochbringen, ich fall gleich um.“ Sie nahmen das Wichtigste aus dem Kofferraum und schleppten es hoch zu Hütte 25, am Rand der kleinen Siedlung gelegen, trotzdem nur ein Minütchen vom Hotel entfernt. Dort angekommen, schloss Ellie die schwere Holztür auf und tastete suchend nach dem Lichtschalter, den sie jedoch nicht fand. Lauri machte keine weiteren Umstände. Er ließ das Gepäck einfach fallen und schmiss sich auf das große Sofa, das in der Mitte des Raumes stand. Sie musste grinsen, als sie ihm zusah, das war mal wieder typisch Lauri. Da sie allerdings auch keine Lust mehr hatte, irgendetwas zu tun, zog sie ihren Mantel aus und schmiss ihn auf den gepäckhaufen. Dann ging zu ihm hinüber und entdeckte, das auf dem Couchtisch ein kleiner Snack bereitstand. Hungrig griff sie nach einer Scheibe Toast und verschlang sie in drei bissen. „Huch, da gibt’s ja was zu essen!“ Lauri rappelte sich auf und knipste die kleine stehlampe an ,die neben ihm stand. Das arme licht beleuchtete den kleinen raum nur spärlich, aber dennoch konnte man jetzt erkennen, was alles auf dem Tischchen lag. Da war Toast, Marmelade, eine Kanne Kaffee, Butter, Milch, Zucker und . . . Apfelmus. Verwundert sah Ellie auf ihre Uhr und stellte fest ,dass es bereits 6 Uhr morgens war. „Warum zum Teufel Apfelmus? Was solln wir denn damit?“ fragte sie und bemerkte nicht, dass lauri sich genau hinter aufs sofa gesetzt hatte .

Kapitel 39

„Ich wüsste da schon was . . .“ Er zog sie neben sich auf die Couch und sah sie herausfordernd an. „Bitte, ich höre.“ Ellie lehnte sich zurück und erwiderte seinen Blick kühl. In ihrem Inneren sah es allerdings ganz anders aus. Sie kannte diesen Blick, war schon zu oft auf sie gerichtet gewesen . Grinsend nahm er die kleine Schale und einen silbrigen Löffel vom Tisch und belud ihn mit dem matschigen Mus. Ellie machte sich erst gar nicht die Mühe den Mund zu öffnen, das wäre zu einfach gewesen. „Ich dachte du hast Hunger?“ „Ich trau dir nicht ,schatz.“ „Das is aber schade . . .upsala ( dat wort gefällt euch doch so gut ;-) )“ Das Zeug befand sich nun nicht mehr auf dem Löffel sondern in Ellies Ausschnitt. Ein kurzer Blick aus den Augenwinkeln. „Und jetzt?“ „Weiß net, aber gleich wird deine Jacke dreckig.“ Er zog den Reißverschluss ein wenig tiefer und wartete. Sie wusste, wie sie ihn verrückt machen konnte. Diese Gelassenheit und Kühle brachten ihn zur Raserei, nur in ihren Augen stand, was sie dachte und fühlte. Doch wenn er ihr direkt in die Augen sehen würde, könnte er sich nicht mehr beherrschen.

(Lauri)

Nein, was tust du da? Sie nimmt mein Kinn und zwingt mich sie anzusehen. Sie will, dass ich schwach werde, dass ich die Beherrschung verliere. Es ist wie ein kleiner Battle. Ich will nicht der Verlierer sein. Bin ich ihr überhaupt gewachsen? Gedanken schießen mir durch den Kopf, lenken mich ab, mein Glück vielleicht. Sehe mit leerem Blick an ihrem Gesicht vorbei, treffe ihre Haare. Muss sie anfassen, strecke meine Hand aus. Meine Finger streichen durch ihre Haare, einmal, zweimal. Plötzlich spüre ich ihre Lippen an meiner Wange, zart und weich. Ich kann nicht mehr. Nimm deine Hand aus meinem Nacken. Nein, lass es so wie es ist. Wie mein Traum, ich bin nicht mehr eine Person. Die ein Hälfte von mir schreit nach Schlaf, Ruhe und ner Kippe. Die andere will nur mehr . . . mehr von ihr. Die eine will Liebe, die andere hat schon längst ihren Namen vergessen. Unsere Lippen berühren sich, spielen ein bisschen miteinander. Werde wieder langsam eins, während wir uns küssen. Sie schiebt ihr Knie zwischen meine Beine, wendet sich mir mehr zu und nimmt meinen Kopf in ihre Hände. Ich kann nicht mehr. Meine Lippen verlassen ihren Platz und gehen tiefer, nehmen das süße, klebrige Zeug von ihrer Haut. Wo ist ihre kühle Beherrschung geblieben, oder schiebt sie ihre Hände nur aus Spaß unter mein Shirt und versucht es loszuerden? Noch ein Stückchen, deine Jacke stört, Schatz, sowas has du gar nicht nötig. Lass die Finger von meinem Reißverschluss, jetzt bin ich dran. Ich hab dich in der Hand, zu Abwechslung mal. Du bist von mir abhängig. Endlich traue ich mich wieder, sie anzusehen, doch sie hat die Augen geschlossen, nicht weiter schlimm, schön eigentlich, so wie du. Die Jacke fliegt davon, schwarz natürlich, so wie die Hose, die sie leider noch trägt. Nochmehr schwarz. Du bist doch gar nicht so . . .wie ich, oder etwa doch? Du bist immer witzig, gut drauf, oder wütend, fürchterlich wütend. Dann fluchst du, das jesus sich im Grab umdreht , fünf Minuten später machst du mich schon wieder mit deinen Küssen verrückt. . . Gut, das Shirt ,aber nicht mehr. Mehr von dem matsch? Nein, sie hält mich fest, unnötig also. Schöner bauch, empfindlich. Hab ich dich etwa erwischt? Sieht so aus. Spiele etwas mit meiner zunge an ihrem Bauchnabel herum, ein Schauer läuft über ihre haut. So zarte Berührungen machen dich also verrückt. Ich hab sie in der Hand. Meine Finger fahren die Konturen ihrer Seite , am Bund ihrer Jeans entlang. Du saugst scharf die Luft ein, über deinen Körper geht eine kleine Welle. Knöpfchen auf, Reißverschluss auf. Nein ,ich will nichts sehen, ich will fühlen.
Warum begrüßt du dein Spiegelbild morgens immer mit erhobenem Fuckfinger? ICH finde dich schön. Deinen süßen Hintern vor allem . . .wieder schwarz. Es passt doch irgendwie zu dir, edel, undurchdringlich. Für dich ist diese Farbe etwa anderes als für mich, gut so. Ich will nicht ,dass du so bist wie ich , wirst du auch nie sein. Lass deine Finger von meiner hose! Du fühlst dich ungerecht behandelt, ich fühle es an der Art ,wie du mich an dich ziehst. Unsere blicke treffen sich, du wirkst nicht mehr kühl, deine Augen sagen, ich kann alles machen ,was ich will. Meine Zunge hat nichts zu tun, ich küsse dich. Knabbere ein bisschen an deinem ohrläppchen. Na gut, aber lass mir meine shorts, wir sind noch nicht quitt. Was zum . . .? In meiner Hose klingelt und vibriert es aufdringlich. Meine rechte Hand lässt dich los und fährt suchend in meine Tasche, weg mit dem scheiß Anruf. Wende mich wieder dir zu. Scheiß handy, gib doch endlich Ruhe. Ich schalte es aus. Will endlich deine blöde jeans loshaben, doch im selben Augenblick bimmelt es auch daraus. Du kramst dein Telefon hervor und schaust wütend auf den Display. Mit fahrigen Bewegungen nimmst du das Gespräch entgegen und schreist in den Hörer. „HAKALA, DU STÖRST!“ Schluss, das wars, die Gefühle sind futsch. Egal,lieb dich trotzdem mehr denn je zuvor. Ich lehne meine Kopf an deinen Oberkörper ,schließe die Augen und schlinge meine Arme um dich. „Mein gott ,nu sei doch mal nicht gleich so gereizt. Es ist wichtig.“ Du seufzt leise. „Tut mir leid, was ist denn los?“ „Ich weiß nicht wie man deinen Nachnamen buchstabiert, wegen der Umzugsfirma.“ „Ne, oder? Du rufst mich doch nicht morgens um 7 an um mich sonen Scheiß zu fragen.“ „Ähm, doch, sieht so aus.“ „Immer im falschen Augenblick“ flüsterst du mir ins Ohr. Ich brummle zustimmend zurück und konzentriere mich dann wieder auf deine gleichmäßigen Atemzüge. Ich bin ja so verdammt müde. „Also ,Akilein. Hohl dir was zuschreiben und pass gut auf. Am Anfang steht ein W dann kommt ein Kreis mit zwei Pünktchen drauf. So, dann geht’s mit zwei L weiter, ein N , ein E und zu guter letzt ein R. Hast dus gefressen?“ „Ja, hab ich. Ich verzeih dir diese grobe behandlung , in der Hoffnung du bist von Lauris Fähigkeiten als Liebhaber zu aufgekratzt, um nett zu mir zu sein.“ „Aki du kannst mich mal . . . ne, ich wünsch dir fröhliche weihnachten und ganz viel glück.“ „ Ja, ich weiß doch, dass du eigentlich ganz lieb bist, so is brav. Wünsch ich dir ebenfalls. Und schöne Grüße an lauri, falls du ihn noch nicht . . .“ „ . . . TSCHÜSS AKI!“ „Ja, Tschö!“ Du legst auf und schmeiß das Handy in die Ecke des Sofas. „Lass uns schlafen gehen, bevor die Sonne aufgeht, ja?“ „Mhhmm . . .“ Ich nehm dich auf den Arm und trag dich in Schlafzimmer. Ich mag es, wenn du so leise lachst. Schönes Doppelbett. Ich lasse dich darauf herunter und krieche zu dir unter die Decke. Dein kopf an meiner Schulter. Selten hab ich schlaf so dringend gebraucht, wie jetzt.

Kapitel 40

„Noch vier Tage bis Weihnachten!“ „Was?“ „Du sollst aufstehen, aber ich war zu faul um kaltes wasser zu holen.“ „och, mann . . . wie spät isses denn?“ „Öhm, warte, . . . halb eins.“ „Dann muss ich mich wohl beugen, oder?“ „Du bist ja eh schon hellwach, so wie du mich anstarrst.“ „ Kann ich doch nix dafür, dass du so heiß aussiehst.“ „Laur-i, du müsst auf-öre mit deine Schwanz zu denke!“ „Du kriegst south park verbot, deine ausdrücke sind ja nicht mehr heilig.“ „ Aber du bist ein Engel, stimmts mein Schatz?“ „joa, meistens schon . . .“ „Aha, gut zu wissen. Und jetzt komm!“ „Komm du doch her.“ „ Hast du schon vergessen ,was ich grad gesagt hab?“ „Seid wann hör ich auf dich?“ „seit du mich das erste mal gesehen hast.“ „Da war ich bewusstlos und betrunken, schatz.“ „Ach so, stimmt ja, ganz vergessen.“ „Aber ich steh trotzdem auf, wenn du mich lieb bittest.“ „sowas wie: beweg gefälligst deinen Arsch hier her, oder doch eher: mein süßes kleines Schatzi, fühlst du dich stark genug um deinen Astralkörper an meine Seite zu begeben?“ „letzteres wär ja ganz schön, wenn’s ernst gemeint wär.“ „Lauri, mach mich nicht wahnsinnig!“ „Ich komm ja schon.“ Er schlug die decke zur Seite und quälte sich dann auf die Beine. Ellie konnte sich ein grinsen nicht und biss sich auf die Lippe. Er trug schließlich nur noch seine Shorts . . . Er war sich dessen jedoch nicht bewusst und wunderte sich, was dieses grinsen schon wieder zu bedeuten hatte. Als ihm jedoch langsam kalt wurde, dämmerte es ihm allmählich und er warf ihr einen spöttischen Blick zu. „Und mir wirfst du solche Sachen an den kopf, ja ja, ich kenn dich schon.“ „Zieh dir was an, oder jemand soll mich anketten.“ „Ich hab ne bessre Idee : du gehst jetzt mal ins Hotel runter und fragst , wo man Skipässe und den ganzen mist bekommt, ja?“ Er schubste sie aus dem Zimmer und schloss die Tür. „Sklaventreiber!“ „Ich lieb dich auch, süße.“ Flötete es von drinnen. Ellie ging ins Wohnzimmer und suchte ihre Klamotten zusammen, die überall im Raum verstreut waren. Schließlich fand sie ihre Stiefel unter dem Sofa und machte sich in Richtung Hotel auf. Auf dem Weg dorthin, fiel ihr auf, dass es in der nacht, naja, eher am Vormittag, ziemlich viel geschneit haben musste. Man sah keinen Grasbüschel mehr durch die weiße decke spitzen. Die sonne schien und ließ die Kristalle wie diamanten funkeln. Ellie seufzte enttäuscht, es war exzellentes Skifahrwetter, aber es war schon fast ein Uhr, und sie hatten noch nicht mal Skipässe, geschweige denn eine Pistenkarte. Sie betrat die gut geheizte Empfangshalle, die zu dieser Tageszeit scheinbar wie ausgestorben war. Die Dame an der Rezeption schmökerte gelangweilt in einer Zeitschrift, als Ellie an die Theke trat. „Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“
Zehn Minuten später schlenderte sie glücklich den Weg zur Hütte hinauf. Wegen der Überbuchung waren auch alle Tische im Speisesaal besetzt, in den Hütten war normalerweise Selbstverpflegung. Aber da der Fehler beim Hotel lag, hatte man ihr einen Kompromiss vorgeschlagen. Es würde alle Rechnungen unter 50 € zahlen, wenn Ellie und Lauri irgendwo auswärts essen würden. Dieses Angebot war ein wahrer Glücksfall, denn Ellie konnte sich nicht vorstellen, dass sie in so einem Snobhotel wirklich entspannt hätte essen können. Skipässe konnte man an der Gondelstation kaufen, die an der anderen Seite der kleinen Ortschaft lag. Unternehmungslustig stieß sie die Tür auf und schrie: „LAURI, WIR KÖNNEN UNS JETZT JDEN TAG FÜR 100 € BESAUFEN!“ Er kam stirnrunzelnd aus dem Schlafzimmer und sah sie misstrauisch an. „Wo ist der Haken?“ „Du musst nett zu mir sein, weil ich nämlich unterschreiben habe.“ „Das dürfte kein Problem sein.“

Kapitel 41

(am Abend)

„Guck mal, der da hinten sieht doch putzig aus.“ „Ich will einen Baum und kein Plüschtier, Ellie.“ „Davon hast du ja auch genug, aber stell dir mal vor, die Kreischies würden ab heute immer Tannenbäume auf die Bühne werfen.“ „ Hach, Schatz, du hast Ideen . . .“ „. . . ja, und die Bäume wären dann mit Strings und Strapsen dekoriert. Wie süüüüüß!“ Wutsch! Ellie schüttelte sich zitterte, als der Schnee auf ihrer Haut zerschmolz. Lauri hielt sich lachend den Bauch und tätschelte den Zweig, denn er auf Ellie hatte schnalzen lassen, liebevoll. „ Du kleiner widerlicher Mistkerl!“ Sie stürzte auf ihn zu, machte aber kurz vor ihm halt und schlang die Arme um seinen Hals. Sie sah ihm von unten her in die Augen und setzte ein Engelsgesicht auf. Dann küsste sie ihn sanft und schubste ihn langsam mit ihrem Körper von dem verschneiten Waldweg, auf dem sie sich befanden. „Ich will . . . gleich hier, im Wald.“ Hauchte sie ihm ins Ohr und drängte ihn immer mehr ab. Lauri ließ es mit sich geschehen, völlig verwirrt von dieser neuen Seite an ihr. Neben dem Weg zog sich ein langer ,ziemlich tiefer Graben entlang, der bis oben hin mit Schnee gefüllt war. Ellie schätzte den Abstand wohlwollend ab und küsste Lauri dann noch einmal stürmisch um ihn noch näher an den Graben zu bringen. Als sie genau richtig standen, fing sie an seine Jacke aufzumachen, schmiss sie schließlich auf den Boden. „Ellie, ich . . .“ Mit einem Kuss brachte sie ihn zum Schweigen und sprach dann selbst weiter. „ Abgeloost ,Schatz!“ Blitzschnell schob sie ihren Fuß zwischen seine Beine und zog sie ihm unter dem Körper weg, sodass er in den Graben fiel. Der Schnee spritze auf, dann war einen Moment lange Ruhe. Stille, nur Stille. Besorgt linste Ellie in den Graben. Lauri nahm seine Chance war , packte ihre Arme und zog sie zu sich in den Graben. „ Wo waren wir stehen geblieben?“ „Das is so unfair, immer musst du die letzte Verarsche haben.“ „Ja, und sowas nennt man nun die Intelligenz der Menschheit. ICH habe nicht studiert . . .“ „Ok, ok, du hast gewonnen. Aber lass uns wieder nach Hause gehen, ja?“ „Und der Baum?“ „Morgen ist auch noch ein Tag.“ „Ok, gut. Aber gib mir meine Jacke wieder, sonst erstarr ich hier noch zu Eis.“ Gemeinsam kletterten sie aus dem Graben und Lauri zog seine Jacke wieder an.
Die Lichter des Dorfes kamen jetzt wieder in Sichtweite und erschienen ihnen ziemlich grell, im Gegensatz zu dem schalen Vollmondlicht im Wald. An der Weggabelung, die hinauf in die Hüttensiedlung führte, blieb Lauri plötzlich stehen und nahm ihre Hände. „Würds dir was ausmachen, wenn ich mir noch schnell n paar kippen ziehe?“ „Ne, quatsch, aber ich geh schon mal vor, mir is arschkalt.“ Er drückte ihr flüchtig einen Kuss auf die Wange und ging dann mit langen schritten Richtung Dorf davon. Auch er fror wie die pest, aber Raucher müssen nun mal Kompromisse schließen . . .Ellie hatte nach ein paar Minuten Hütte 25 erreicht, deren Tür sie dankbar hinter sich schloss. Eine heiße Dusche wäre jetzt genau das Richtige. Sie streifte den Mantel und die Stiefel ab und ließ sich achtlos an ort und stelle liegen. Hier störte ihre Unordnung ja niemanden. Im Bad entledigte sie sich des Restes ihrer Kleidung und stieg in die weißgeflieste Duschkabine, die durch einen ebenso weißen Vorhang abgetrennt wurde. Das heiße Wasser ran ihren Körper hinunter und füllte ihn allmählich wieder mit wärme. Das hatte allerdings den unangenehmen Nebeneffekt, dass sie von einer bleiernen Müdigkeit überfallen wurde, und sich am liebsten hier in der dusche zum schlafen hingelegt hätte. Sie schloss die Augen und lehnte sich an die Wand, nur für einen kurzen Augenblick. Dann raffte sie sich auf und begann ihr Haar einzuschäumen.
Wenig später betrat auch Lauri die kleine Hütte, ganz in Gedanken versunken. Er dachte an alles Mögliche, das meiste jedoch war völlig unwichtig. Vor allem jedoch dachte er Eero. Er hatte ihn seit ihrem kühlen treffen an diesem schrecklichen morgen nicht wieder gesehen. Nach Weihnachten würde die Arbeit wieder losgehen, sie würden sich teilweise 24 h am Tag sehen, ganz normal miteinander reden, oder vielleicht doch nicht? Er tat es Ellie gleich und schmiss seine Klamotten in die Ecke, dann stand er einen Augenblick ratlos im Raum. Er vermutete, dass Ellie sich wahrscheinlich schon schlafen gelegt hatte, und so beschloss er, den wärmsten Raum in der Wohnung aufzusuchen: Das Bad. Er hatte immer noch diese herumwirbelnden Gedanken im Kopf und sehnte sich nach Ruhe, ruhe und Frieden. Nicht mal das Plätschern des Wassers fiel ihm auf ,als er auf die Badezimmertür zuging.

Kapitel 42

(Lauri)

Von wegen schlafen. Auf dem Weg hierher bin ich meine restlichen Klamotten losgeworden, jetzt stehe ich nur noch in Shorts hier. Soll ich nun oder soll ich nicht? Ach, Hirn gibst du mal wieder deinen Geist auf, ja? Macht auch nix, dann muss ich wenigstens keine Entscheidungen treffen. Also noch mal: Soll ich oder soll ich nicht? Keine Antwort, stattdessen setzen sich meine Beine in Bewegung. Gut, also hast du tatsächlich auf standby geschalten. Den Vorhang ein wenig zur Seite, schon prasselt das heiße wasser auch auf mich herab. Sie steht mit dem rücken zu mir, hat mich noch nicht bemerkt. Ihre Haare fließen mit dem Wasser an ihrem Rücken hinunter, sie sind viel länger als gewöhnlich. Vorsichtig lege ich meine Hände auf ihre Hüften, sie zuckt erschrocken zusammen, versteht schließlich Ich ziehe sie an mich und schlinge die arme um ihren Bauch. Gleichzeitig küsse ich ihren Hals, bitter vom Duschgel, aber es ist mir egal. Sie lehnt sich an mich, streicht mit ihrem Bein an meinem hoch. Langsam, zum verrückt werden langsam. Meine Finger umspielen ein wenig ihren Bauchnabel, streichen ungeduldig höher. Meine Shorts saugt sich mit dem heißen wasser voll und hängst unglaublich schwer an mir herunter. Gut so . . . Diesmal ist es kein Battle, sie dreht sich um, sieht mich aber nicht an, küsst mich nur. Meine Hände, die gerade noch auf ihrem rücken geruht haben, wandern wieder. Sie hat ja so einen wahnsinnig süßen Hintern. . . .Was ist denn jetzt kaputt, hab ich was falsch gemacht? Im selben Moment spüre ich es auch, die Kälte nimmt mir den Atem, ich taumle rückwärts. Sie schmeißt sich erschrocken gegen mich und wir fallen zusammen über die kleine Schwelle, die die Duschkabine abgrenzt. Einen Moment liegen wir regungslos auf dem Boden, dann springt sie auf und beschimpft den Duschkopf mit den wüstesten Ausdrücken. Immer noch wütend schnappt sie sich ein großes Handtuch und wickelt sich darin ein. Für einen Moment sieht sie fast ein bisschen verlegen aus. Ist es ihr etwa unangenehm wenn ich sie so sehe? Ich richte mich nun ebenfalls auf und sehe sie fragend an. Sie scheint zu wissen, warum dies abgefuckte Dusche auf einmal so kalt wurde. „Warmwasserboiler is leer, ich hätte nicht so lange duschen sollen.“ Wie soll ich das denn bitte verstehen? Sie reicht mir die hand und ich stehe brav auf. Wir sind uns schon wieder so nah, ich muss sie einfach küssen, nur kurz. Sie lächelt und legte die Arme auf meine Schultern. „Ich werd ab jetzt ne Strichliste führen.“ Ich mag es, wenn sie mir ins Ohr flüstert. Meine Nackenhärchen stellen sich auf, als ihr warmer Atmen darüber hinweg streicht. Sie löst sich von mir und verlässt den Raum. Lässt mich allein. Duschen hat sich ja jetzt erledigt, ,eine Freundin is weg und wenn ich noch eine rauche, krieg ich heut keinen vernünftigen Kuss mehr. Zähneputzen vielleicht? Gute Idee. Und dann was anderes anziehen, ich frier mir hier gleich sonst was ab. Mit tropfenden Shorts schleiche ich als ins Schlafzimmer hinüber, bleibe aber auf halber strecke stehen und sehe Ellie zu ,wie sie vor dem Kamin kniet. „Was solln das werden ,wenn’s fertig ist?“ Sie hebt den Kopf, im nächsten moment hat sie schon wieder so ein süßes versautes Lächeln auf den Lippen. Mittlerweile trägt sie ein riesiges T-Shirt und ihre Lieblingsjeans, die aussieht als könne sie jeden Moment auseinanderfallen. Keine schlechter Gedanke eigentlich . . . „Die Hütte abfackeln, was sonst.“ „Aha. Wie wärs , wenn du einfach die Heizung aufdrehst?“ „Lauri, du bist so verdammt unromantisch!“ Wutsch, ich hab einen Ballen Zeitungspapier an den Kopf gekriegt. „Na, warte.“ Mit einem Satz bin ich bei ihr und ziehe sie hoch, nehme sie auf den Arm und will sie draußen in den Schnee schmeißen. „Dein Höschen rutscht.“ „Was . . .?“ Sie nutzt den Moment und springt ab, rennt lachend davon.

Kapitel 43

„Was hältst du davon, wenn wir das Feuer Feuer sein lassen, und einfach ins Bett gehen?“ „Jaaaa, aber dann verlang ich ,dass du was andres anziehst, ich mag Wasserbetten nicht so gern.“ „Na gut, gib mir 5 Minuten.“ „ Ich geb dir sogar zehn, sonst jammerst du mir nachher wieder die Ohren voll dass deine Haare abbrechen, wenn du mit Haarspray schlafen gehst.“ „Das tu ich nie!“ „Nein, natürlich nicht, niemals . . .Lauri ,du bist verdammt eitel.“ „Du laberst nur Scheiße, Elisabeth.“ „Och, jetzt sei mal keine Leberwurst, schatz.“ Sie ging auf ihn zu und nahm seine Hände. „Häh?“ „Deutsches Sprichwort.“ „Wenn schon Deutsch davor steht, kanns ja keinen Sinn haben.“ „Die Leute müssen doch denken, wir hassen uns, wenn sie uns so hören.“ „Mir isses scheißegal, was die Leute von uns denken.“ „Mir auch.“ „Dann passts doch wieder, darf ich mich jetzt mal kurz entfernen? Ich mein mir machts nix aus . . .“ „Verschwinde, ich räum derweilen mal mein Kaminschlachtfeld auf.“ „Du räumst auf? Bist du krank oder so? Lass mal fühlen.“ Er legte ihr besorgt die Hand auf die Stirn und zog sie dann blitzschnell wieder zurück. „Aua . . .Du glühst ja förmlich.“ „Du bist blöd.“ „Ich lieb dich aber trotzdem.“ „Ja?“ „Ja!“ „Is noch was?“ „Krieg ich keinen Kuss?“ „Mhmm, na ja, ich weiß nicht ob du sowas überhaupt verdient hast.“ „Ich bin IMMER brav. . . .im gegensatz zu anderen Leuten hier im Raum.“ „Meinst du die Nikolauskerze?“ „Nein, eigentlich nicht.“ „Vielleicht Aki auf dem CD-Cover?“ „Nein, sehr kalt.“ „ Öhm , dumm, dumm, dumm, vielleicht der Prince of Persia auf meinem Handy?“ „ Nein, kalt, obwohl der eigentlich ganz schön heiß is.“ „Lauri, mach mich nicht schwach.“ „Würde mir nie einfallen. Jetzt küss mich doch endlich!“ „Nö, ich will erst wissen, wer nicht brav war.“ „ Du wirst gemein zu mir sein, wenn ich dirs sage.“ „Ah, ja? Dann würd ich’s vielleicht doch besser für mich behalten.“ „Ok, gut. Krieg ich jetzt meinen Kuss?“ „Öhm . . .“Kein Rumgelabere mehr.“ „Noch drei Tage bis Weihnachten.“ „Na und?“ „War nur so ne Feststellung . Ich glaub, ich hab ne SMS.Wart mal kurz.“ „Elisabeth du bist grausam.“ Sie dreht sich um und küsste ihn kurz auf die Wange, dann machte sie wieder auf dem Absatz kehrt und kramte ihr Handy hervor. Dann zog sie ihn mit sich auf die Couch und hielt den Display so, dass er auch etwas sehen konnte. „Von meinem Aki- Schatzi“ „ Er ist MEIN Aki-Schatzi!“ „Wir können ihn ja in der Mitte teilen.“ „Ich will die rechte Seite, da ist er geschickter damit.“ „Aha, ok, ich denk mir jetzt meinen Teil.“ „Sowas kannst du auch: denken?“ „Wenn ich dich jetzt küsse, bist du dann nett zu mir bis morgen früh?“ „Wenn du auch nett zu mir bist, ja.“ „Gut, komm her.“ Sie nahm seinen Kopf in beide Hände und drückte ihre Lippen sanft auf seine. Dann stieß sie ihn leicht mit der Zunge an und küsste ihn leidenschaftlich. Sie sah ihm in seine strahlenden Augen , als sie sich von ihm löste und hielt seine Unterlippe für einen kurzen Moment vorsichtig mit den Zähnen fest, bevor sie sich schließlich ganz abwandte. „Mhm, ich glaub ich bin jetzt für immer lieb . . . was grinst du so dämlich?“ „Ich darf ja nix böses sagen, also musst dus in meinen Augen lesen.“ „Du hast so schöne Augen, da dürfte das kein Problem sein.“ „Mach mir kein Kompliment, dann lauf ich immer so rot an.“ „Das kann ich leider nicht verantworten, Komplimente gehören dazu.“ „Na toll.“ Was?“ „Ich lieb dich.“ „Frauenlogik.“ „Ganz genau, und jetzt lass uns diese verd . . .ähm putzige SMS aufmachen, ja?“ „Aber wenn da irgendwas anzügliches drinsteht, flieg ich nach Hellsinki und polier dem heißen Aki die Fr . . ähm sein putziges Gesichtchen.“ „Was soll Aki mir den bitte anzügliches schreiben?“ „Zum Beispiel . . ach lassen wir dass, ich muss ja lieb sein.“
„Guten Tach, ihr Turteltäubchen. Wollt nur mal wissen ob es du-weiß-schon-was gut geht, bei unserem letzten Gespräch warst du ja so kurz angebunden, wer weiß woran das gelegen haben mag . . .Schickt mir maln Photo, wies bei euch so ausschaut.
De Aki“
„Welches Gespräch?“ „Na, du weißt schon.“ „Ach das. Tja Aki, das verstehst du noch nicht.“ „Uhhh, wenn er das jetzt gehört hätte.“ „Dann wär ich schon am rennen.“ „hähä, glaub ich auch. Komm noch mal her, mein schnucki , Klein-Aki wollte doch ein Bild.“ Sie zog ihn so dicht an sich heran, dass sich ihre Wangen aneinander schmiegten und knipste das Bild mit dem Handy ab .Dann schickte sie es an Aki. Wenig später piepste das Telefon erneut.
„Ja, so hab ich das allerdings nicht gemeint. Trotzdem: Schön, dass es euch gut geht.
DA“
„ Jetzt schlafen, Kleine?“ „Mhm, ja, ok. Den Rest verkneif ich mir.“ „Braves Mädchen, für eine Nacht.“ „Du mit deine zweideutigen anspielungen.“ „War keine Absicht.“ „Glaub ich dir jetzt einfach mal.“

Kapitel 44

( 2Dayslater)

Wie jede Nacht wachte Lauri schweißgebadet auf. Kein Laut drang über seine Lippen, obwohl er jedes Mal ein Stückchen mehr sah. Ein Stückchen mehr von . . . ihrem Schicksal vielleicht? Er sah ihre Haare im Mondlicht glitzern, ihr Gesicht war ihm zugewandt. Wenn sie wach war, hatte sie entweder so einen scheuen Gesichtsausdruck oder sie strahlte mit der Welt um die Wette. Oder aber sie hatte ihren „Leckt mich doch alle am Arsch“-Blick drauf. Im Moment aber sah sie ganz anders aus als sonst. Irgendwie echt, so wie sie wirklich war. Er strich ihr sanft eine Strähne aus dem Haar und fragte sich, warum ihm diese Frau ständig solche Träume bescherte. Erst dieser merkwürdige im Flugzeug, und dann diese Traumkette, die wie ein Adventskalender war, immer ein Stückchen mehr. Er wollte diesen ganzen Mist nicht mehr sehen. Er wollte nicht ,dass wieder eine Beziehung wegen seinen Spinnereien kaputt ging. Ganz besonders nicht diese.
Es war jedes Mal das selbe, setzte sich aber immer fort. Er stand hinter ihr, hatte etwas in der Hand. Sie drehte sich um, starrte ihn entsetzt an und ging rückwärts. Er hob seine Hand, sie schrie. Ruhe, Stille. Er senkte den Arm wieder und sah zu ,wie die Tränen über ihre Wangen liefen. Aus. Fortsetzung folgt. Wie jede nacht, seit sie es fast getan hatten, auf der Couch. Was wäre wohl passiert, wenn Aki nicht angerufen hätte? War es vielleicht die Bedrückung über diese ganzen halben Sachen, die ihn jedes Mal aufschrecken ließ, wenn er schlief? Nur ein paar Sekunden dauerte dieser Traum, dann wachte er auf ,schlief wieder ein, in der nächsten Nacht ging es weiter, wurde schlimmer, länger, schwieriger zu ertragen und zu vertuschen. Sie wusste nichts von diesen Träumen, sollte es wenn möglich auch niemals erfahren. Er hatte sich angewöhnt, keine Geräusche von sich zu geben, wenn er träumte, reine Rücksicht auf die Jungs. Ja ,die Jungs. Was wenn dieser Scheiß auch auf Tour weiterging? Dann würde sich die Presse wie verrückt darauf stürzen, Schlagzeilen machen. Es würden die wildesten Gerüchte über seine Beziehung zu Ellie verbreitet werden.
Morgen, nein besser heute war Weihnachten, der 24. Dezember. Eigentlich mochte er Weihnachten nicht besonders, da er immer allein oder mit seiner Familie hatte feiern müssen. Ziemlich grausam für ihn, der das ganze Jahr über das tat, was ihm Spaß machte, sich nur an Regeln halten musste, denen er selbst zugestimmt hatte. Ganz anders bei ihm Zuhause, wenn man es so nennen mochte, dort wurde jeder Gang des Festessen nach der Uhr abgestimmt. Und ja gerade auf dem altmodischen Stühlchen sitzen, red gefälligst nicht mit vollem Mund Lauri! Und was trägst du da wieder für Sachen, sollen das etwa Schuhe sein? Du solltest lieber mal ans heiraten denken und nicht dein ganzes Leben mit dieser Musik zubringen. Und trink nicht so viel, das ist nicht gut für dich. In unserem Haus wird nicht geraucht, wann merkst du dir das endlich!?
Padabamm, Lauri, komm wieder runter. Es wird alles gut, du bist nicht bei deiner lieben Verwandtschaft, alles wird gut . . . „Schmiedest du Mordpläne oder so?“ Ellie blinzelte ihn verschlafen an und gähnte herzhaft, natürlich ohne die Hand vor den Mund zu nehmen. Er musste grinsen bei dem Gedanken, seinen Eltern Ellie als zukünftige Gemahlin vorzustellen. „Ich weiß, dass ich scheiße aussehe, wenn ich mitten in der nacht aufwache.“ „Ach Schatz . . .“ „Nix ach Schatz, weißt du, was mir gerade eingefallen ist?“ „Du wirst es mir bestimmt gleich sagen,oder?“ „Heute ist WEIHNACHTEN! Krieg ich meine Geschenke? Bitte!“ „ Der Weihnachtsmann war aber noch gar nicht da. Ich hab ihm nen doppelten Martini hingestellt, der pennt wohl noch bis morgen früh.“ „Du musst aber auch jeden abfüllen, laurilein. . . Is alles ok mit dir? Ich mein, du hattest vorhin so einen merkwürdigen Gesichtsausdruck.“ „Ne, ne, mir geht’s gut, ich kann nur nicht schlafen.“ „Willst du eine rauchen gehen? Ich komm mit raus, bin jetzt sowieso hell wach. Nur wenn du willst natürlich . . .“ Er küsste sie dankbar auf die Wange und krabbelte aus dem Bett. Dann nahm er ihre Hand und zog sie sie mit sich aus dem Raum.
Als er die Haustüre öffnete, schlug ihnen eisige Kälte entgegen. Der Himmel war gänzlich frei von Wolken ,sodass die Sterne ungestört funkeln konnten. Lauri kramte eine Schachtel Zigaretten aus der Jackentasche und steckte sich die einzige die noch übrig war an. Gedankenverloren starrte er in den milchigen Dunst den er ausatmete und sah zu, wie er sich langsam in der Luft auflöste. Ellie lehnte sich an die Holzwand der Hütte und schlang die Arme um ihren Körper. Es war schrecklich kalt hier draußen, doch Lauri schien das gar nicht zu bemerken ,er träumte still vor sich hin.
Wenig später drückte er den Stumpen mit dem Schuh aus und blickte sie fragend an. Sie verstand und löste sich von der Wand, um wieder hinein zu gehen. Wortlos gingen sie zu Bett. Beide dachten, der andere schliefe bereits und versuchten ich ruhig zu verhalten, doch Ellie machte sich Sorgen um Lauri und Lauri dachte an seine Träume.

Kapitel 45

Weihnachten kam und ging, Lauri freute sich sehr über das Geschenk von Ellie, Aki, Pauli und Eero. Die vier hatten zusammengelegt und ihm eine neue E-Gitarre gekauft, wobei es Ali zu verdanken war, dass darauf jetzt die Namen aller Mitglieder von Muse prangten.
31. Dezember. 6 Uhr abends. Ellie kniete vor dem Couchtisch und versuchte, aus Smirnoff Ice Flaschen ein Muster zu legen, während Lauri hinter ihr auf dem Sofa hockte und auf seinem neuestem Heiligtum herumklimperte. „Sag mal, Kleines, was soll das werden, wenn’s fertig ist?“ „Das hier sind fünfzehn Flaschen. Viertel vor zwölf heute abend werde ich anfangen, jede Minute eine Flasche zu trinken . . .“ „Und um Mitternacht bist du so dicht, dass du mit dem falschen Typen nach Hause geht’s, nich?“ „ Ab 1.1.2004 gibt’s keine alkoholischen Mixgetränke mehr, die Schweine schaffen das ab, also muss ich noch mal richtig zugreifen. Und falsch lässt sich unterschiedlich definieren . . .“ Du hast gleich meinen Fuß im Rücken.“ „Jetzt hab ich aber Angst!“ Sie kletterte zu ihm auf die Couch und nahm ihm die Gitarre aus der Hand. „Ich will auch mal deine Gitarre sein, oder dein Mikro.“ „Eifersüchtig auf meine Equipment?“ Er schlang seine Arme um ihre Hüften und zog sie an sich. Er wollte ihr gerade einen Kuss geben, als draußen jemand anfing zu sprechen. Ellie riss den Kopf herum und starrte abwartend zur Tür.
„LAURIIIIIIIIIIIIIIII!!!!!!!!!! Wir wissen ,dass du da drin bist!“ „Ne, oder? Nicht hier, nicht jetzt, nicht heute.“ Er schloss genervt die Augen und legte den Kopf in den Nacken. „LAURIIIIIIIIIIIIII!!!!!“ „ Irgendwie kommt mir diese Stimme bekannt vor.“ Sie dachte angestrengt nach „Vielleicht ein Hardcore-Kreischie?” „ Alter, das darf doch nicht war sein, hör mal genau hin.“ Lauri runzelte ungläubig die Stirn tat aber trotzdem wie ihm geheißen. Schließlich ging ihm ein Licht auf. „ Du meinst doch nicht etwa . . .“ „Doch, genau das mein ich. Wenn es das ist, was ich denke.“ „A . .“ „ . .ki!“ „Und das andere hört sich wie Eero an.“ „Was machen die denn hier?“ „Keene Ahnung, wie wärs, wenn wir sie einfach fragen?“ “Laurischatz?“ „Ja, Elliemäuschen?“ „Wir gehen jetzt zur Tür. Auf drei mach ich dir Tür auf und wir Stürzen und auf den, der uns am nächsten ist, ok?“ „Ok, aber dann darf ich ihn auch abknutschen, ohne dass du mich als schwul beschimpfst.“ „Wenn ich das auch darf . . .“ „Aber keine Fummeleien, ja?“ „Musst du grad sagen.“ „ Was soll das denn jetzt schon wieder heißen?“ „Ach nix, hab ich nur so dahergelabert. Können wir dann?“ „ Jo, alles klar.“
Ellie schlich leise zur Tür, musste aber auf dem halben Weg anfangen zu kichern. Lauri stürzte sich auf sie und hielt ihr den Mund zu. Mit einem Krachen landeten sie auf dem Boden. Ellie kringelte sich vor Lachen, als draußen gespannte Stille herrschte, sodass Lauri Mühe hatte, sie festzuhalten. „Man das war deine Idee, also reiß dich zusammen!“ Sie schloss die Augen und atmete tief durch. Dann löste sie sich entschlossen aus seiner Umklammerung und krabbelte weiter in Richtung Tür. „ANNA PASKA, LAURI!“ Ellie schloss die Augen und biss sich auf die Lippe um nicht wieder los zu kichern. Lauri verdrehte die Augen und presste sich an die Wand neben der Tür. Ellie übernahm die übrige Seite und zählte leise von drei an rückwärts. Bei null angekommen, riss sie dich Tür auf und stürzte sich auf Aki, der direkt vor ihr stand. Kurz sah sie Lauri aus den Augenwinkeln, der ebenfalls zum Sprung ansetzte. Aki riss die Augen auf und taumelte unter dem Gewicht der beiden ein paar schritte nach hinten, dann fiel er mit einem platschen in den Schnee. Nach ein paar Schrecksekunden fing er an um ich zu schlagen und wüste Beschimpfungen zu schreien. Lauri nahm ungerührt einen klumpen Schnee und stopfte ihm damit das Maul. Der Drummer kämpfte sich frei und setzte sich auf, wobei er verzweifelt versuchte, das weiße Zeug auszuspucken. Eero lag derweilen vor der Hütte auf dem Boden und krümmte sich vor lachen. „Habt ihr den Arsch offen, oder so?“ Aki funkelte die beiden wütend an. „Nö, nur Rache.“ Ellie zog den Bund seiner Jeans etwas weiter und ließ eine Ladung Schnee hineinrieseln. Aki stieß einen spitzen schrei aus und sprang erschrocken auf. Bei Eero flossen inzwischen die ersten Tränen. „Ellie, das war böse.“ „Tschuldigung, Laurischatzi, ich wollte deinen Kumpel nicht beschädigen.“ „Och, ich glaub, das hält er schon aus, nich wahr, Aki?!“ „ICH HASSE EUCH!“ „Ich hab dich auch lieb, Aki!“ Wusch! Als Ellie die Augen öffnete, sah sie nur weiß und nichts als weiß. Hilflos wedelte sie mit den Armen versuchte sich zu orientieren. Plötzlich wurde sie an den Händen gegriffen und nach oben gezogen. Sie schaute direkt in die grinsenden Gesichter von Aki und Lauri die sich über sie beugten. „Meine Rache für deine Rache . . .“ „ . . .und meine Rache dafür, dass du Aki lieb hast.“ „Lass sie mich doch lieb haben!“ „Dein Liebhaben kenn ich!“ „Sind wir etwa eifersüchtig, Jumsala?“ „Eero, rette mich vor denen!“ Sie robbte rückwärts von den beiden weg, die nun am schneecatchen waren und wurde von Eero auf die Beine gezogen, der immer noch glühend rot im Gesicht war. „Ja,ja ,das sind meine kleinen, Ellie.“ „Du solltest ihnen mal Benehmen beibringen.“ „Du verdirbst sie mir ja doch wieder.“ „Och, Eero!“ „So nennt man mich.“ „Hast du Lust auf nen heißen Tee?“ „Da sag ich nicht nein.“ Er hakte sich bei ihr unter und folgte ihr ins haus. „Nu wartet doch mal!“ Keuchend rannten die anderen beiden hinter ihnen her. Demonstrativ legte Lauri Ellie den Arm um die Schultern und zog sie an sich. „Ihr müsst euch später ma Elisabeths Kunstwerk ansehen.“ „Nenn mich nicht so!“ „Lass mich doch.“ „Nö, tu ich nicht!“ Sie blieben in der Mitte des Raumes stehen und zankten sich weiter, während aki sich aufs Sofa fallen ließ und zufällig Lauris Hose in die Finger bekam, die dort herumlag. „Was ist das?“ Das Pärchen verstummte und starrte auf den Drummer, dem ein schwarzer String am Finger baumelte. „LAURIII!!“ „Ich MUSSTE den mitnehmen, Schatz!“ „Das muss man nicht verstehen ,oder?“ „Aki, halt die Klappe.“ „Zu Befehl , Chefin!“ „Ellie? Habt ihr auch was, was nicht aus Alkohol, Nikotin oder Koffein besteht?“ „Ach ,endlich wieder Full House.“ “Du liebst uns doch alle, stimmts?“ „Aber nicht alle gleich stark, nich Süße?“ „Lauri, you’re my one and only!“ „Dann bin ich ja zufrieden.”


Kapitel 46

„Habt ihrs jetzt bald?“ Ellie stand vor der geöffneten Haustür und wippte ungeduldig von einem Bein auf das andere. Aki und Eero kamen auch sogleich angewackelt und salutierten vor ihr. „Ihr Scherzkekse. Wo isn der Lauri abgeblieben?“ „ Seine Haare . . .“ „Die Mütze?“ „Keine Mütze.“ Aki wühlte in dem kleinen Haufen, der allgemein als Garderobe bezeichnet wurde herum und zog schließlich triumphierend seine Jacke heraus. Eero hatte sich schon längst an den Türrahmen gelehnt und starrte Löcher in die Luft. „Findest du nicht auch, dass unser Herr Heinonen mit dem Kiffen aufhören sollte? Er ist immer so weggetreten . . .“ „Joa, find ich auch, stimmts, EERO?“ „Was is kaputt?“ „Nix, nix, schon in Ordnung.“ „Ach ja, und warum siehst du dann so aus, als ob dir jemand die Mundwinkel an den Schläfen festgetackert hätte?“ „Weil ich ein fröhlicher Mensch bin?“ „Nicht streiten Kinners.“ Aki hatte es soeben geschafft sich in seine jacke zu zwängen und stellte sich jetzt zwischen die beiden. „Ellie, sag deinem Schatzi lieber Mal, dass er seinen Arsch hier herbewegen soll, ich hab keinen Bock, Sylvester in diesem Türrahmen zu verbringen.“ „Och ,genug Alk hätten wir schon da . . .“ „Tze, tze, tze, wo ist denn unsere liebe kleine Studentin abgeblieben, die man für 2,50 € abfüllen kann, he?“ „Habsch daheim gelassen.“ „Ja, ja, daheim, wohl eher in Lauris Bett, was?“ „Aki, halt die Fresse, sonst kastrier ich dich heut noch.“ „ Mach ruhig, vielleicht ist das wie bei Hunden, und er wird ein bisschen ruhiger und weniger nervtötend.“ „Und du willst mein Freund sein?“ „EIN Freund, ja?“ „Ihr Kinder . . .“ „Du bist das Oberkind, ELISABETH!“ „ Nenn mich nicht so!“ „Wenn du jetzt endlich Laurilein hierher bewegst, sag ich’s nicht mehr, für heute nacht.“ „ LAURI, DU BIST SCHON SCHÖN GENUG. FUß JETZT!“ „Eine Minute.“ „Ich komm gleich rein!“ „Ich bitte darum.“ Aki hüstelte leicht und wandte sich dann grinsend ab. Eero stand bereits draußen auf dem Vorplatz und beobachtete die Sterne. Ohne weiter zu überlegen öffnete sie die Badezimmertür ein Stückchen und zwängte sich durch den kleinen Spalt. Lauri stand nur in Boxershorts vor dem Spiegel und friemelte an seinen Haaren herum. Im Waschbecken vor ihm lagen allerlei Tuben, Dosen und Flaschen herum, die Hälfte davon gehörte Ellie. „Eine Minute?“ „Naja, vielleicht zwei.“ „Schaaaaatz?“ „Ja, Mäuschen?“ „Könnte es zufällig sein, dass du meinen Kajal geklaut hast?“ „Nur geliehen.“ „Das is natürlich was anderes.“ „Janz genau. Kannst du mal bitte gucken, obs hinten in Ordnung is?“ Ellie begutachtete sein Werk mit zusammengekniffenen Augen und nickte dann zufrieden mit dem Kopf. „Sieht genauso aus wie immer.“ „Was soll das heißen?“ „Dass du wie immer verdammt süß und sexy bist.“ „Hach, dann bin ich ja zufrieden. Wo sind eigentlich die anderen?“ „Draußen, wahrscheinlich bekriegen sie sich wieder mit oder so.“ Wenn die da draußen sind, und wir hier drinnen . . .“ Er sah sie versaut an und legte seine Hände auf ihre Hüften. Ellie lächelte zurück und wollte ihn gerade zu sich heranziehen als an der Tür klopfte. „Ich will ja nicht stören, aber wir wollen endlich LOS!“ Lauri verdrehte die Augen und schubste sie vor sich her zur Tür hinaus. „Ach soweit wart ihr also schon.“ Bemerkte Aki trocken als er an ihm vorbeiging. „ Sei still akilein, und komm mit raus.“ „Mein Gott, warum hör ich nur immer auf dich?“ jammerte er als er ihr brav nach draußen folgte. „ Weil du ein braver Junge bist.“ „ Nalle ist ein braver Junge, aber ich . . .“ „ . . . er ist auch kein Schäfchen mehr, das kann ich dir sagen.“ „Ihr Deutschen raucht keinen Alk um locker reden zu können ,was? Aber du mussts ja wissen.“ Sie gesellten sich zu Eero ,der immer noch in den klaren Nachthimmel starrte. „Ich bin früher immer verdammt schüchtern und verklemmt gewesen, weiß du.“ Aki gluckste kurz und sprach dann weiter. „ Das hast du ja jetzt wohl endgültig abgelegt, Schatz.“ „Akiiii!!“ Lauri trat aus der Tür und verschränkte die Arme vor der Brust. „Mein Gott, ich nehm sie dir schon nicht weg, Kleiner.“ „Das mein ich doch gar nicht. Wollte ich nur drauf aufmerksam machen, dass dein Hosenstall offen ist.“ „Oh, ach, was. . .fuck!“ „Ach Kinners, ihr bringt mich noch um den Verstand.“ „Welcher Verstand?” kam es im Chor zurück und im nächsten Augenblick wurde sie von sechs Armen hochgehoben und in den Schnee geworfen.
Kapitel 47

Wenig später gingen die vier den Weg hinunter ins Dorf, besser: sie versuchten zu gehen. Mittlerweile hatte es angefangen zu schneien und etwas zu regnen, sodass sich der Boden in eine Eislaufbahn verwandelte. Ellie blieb kurz stehen um nachzusehen, ob sie ihren Geldbeutel eingesteckt hatte. Lauri, Aki und Eero gingen einfach weiter und unterhielten sich angeregt. Als ihre Hand das Portemonnaie in ihrer Tasche ertastete, wollte sie die anderen schnell einholen und vergaß dabei den gefährlichen Untergrund. Hastig machte sie einen großen Schritt nach vorne, wobei es ihr fast die Beine unter dem Körper wegzog. Taumelnd rutschte sie den Hügel hinunter und ruderte wild mit den Händen. „Wuaaahhhhhhhhhh!!!!!“ Die Jungs verstummten und drehten sich verwundert um. Eero und Aki reagierten schnell und sprangen in den Schnee neben dem Weg. Lauri hingegen blickte nur verwirrt um sich und verstand die Welt nicht mehr. „Was is denn nu schon wie . . .“ „ Ahhhhhhhhhhhh!!!“ Ellie knallte gegen ihn. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als würde er stehen bleiben, doch wenige Augenblicke später begann auch er zu rutschen und schlang die Arme erschrocken um sie. Die anderen beiden starrten ihnen hinterher, während sie nun im Chor schreiend weiter den Hügel hinunterrutschten, merkwürdigerweise immer noch auf zwei, bzw. vier Beinen. „ Bei drei in den Graben.“ „Nicht schon wieder.“ „Eins . . .zwei . . .DREI!“ „Ich kann nicht.“ „Siehst du mich springen?“ „Jeden Moment liegen wir auf der Fresse.“ „Vielleicht rutschen wir bis ins Dorf?“ „ Wenn das passiert trag ich eine Woche lang deine Unterwäsche.“ „KÖNNT IHR NIICHT MAL FÜR FÜNF MINUTEN DIE FINGER VONEINANDER LASSEN?“ Aki und Eero standen noch weiter oben am Berg und lachten sich schlapp. Demonstrativ zog Lauri Ellie zu sich heran und wollte sie küssen, als sie plötzlich aufhörten zu rutschen. „Ganz langsam ja?“ Vorsichtig löste sie ihre Arme von ihm und trat ein kleines Schrittchen rückwärts. Er tat es ihr gleich und wollte sich gerade in den Schnee retten, als ihm endgültig das Gleichgewicht verloren ging. Mit einem dumpfen Geräusch schlug er auf dem Boden auf und rang nach Luft. „Aua . . .“ keuchte er und versuchte sich aufzurichten. Ellie wollte ihm die Hand reichen als Aki hinter ihr laut „Buh!“ rief und sie in die Seite zwickte. „Du Sch . . .“ wutsch! Als sie die Augen wieder öffnete sah sie ihn von oben auf sich herab grinsen. „ Die Jugend von heute, sogar mitten auf der Straße, tz,tz,tz!“ „Aki, ich hasse dich! Ich glaub, mein Rückrat is gebrochen oder so.“ „Ich glaub, ich hab mir den Schädel, das Genick und den Arsch gebrochen.“ Lauri zog sich mühsam auf die Beine und hielt sich seinen Kopf. „Du hasst mich nicht, Elisabeth. Dat kauf ich dir nich ab.“ „Eero, sag ihm ,er soll die Klappe halten.“ „Aki, halt die Klappe!“ „Nö, mach ich ich.“ „Ich habs versucht.“ „Toll!“ „Och, Ellie Schatz, nu wird doch nicht wieder so ironisch.“ Lauri stand bereits wieder auf zwei Beinen und grinste ebenfalls ziemlich dämlich. „Wisst ihr was, ihr könnt mich mal, alle drei.“ „Ohne uns kommst du dieses Hügelchen niemals lebend runter.“ „Ach ja? Ich müsste hier noch was haben . . .“ Sie kramte erneut in ihrer Jackentasche und zog triumphieren eine kleine, aber ziemlich dicke Plastiktüte heraus. Kühl lächelnd nahm sie darauf Platz und schob sich mit den Beinen an. Sofort nahm sie Fahrt auf und rutschte mit beachtlicher Geschwindigkeit Richtung Dorf. „MACHTS GUT IHR SÜßEN!“ Schon war sie hinter der nächsten Wegbiegung verschwunden. Lauri und Aki starrten ihr verblüfft hinter her, nur Eero ging schon weiter. „Sie ist intelligent, hat studiert und ist eine Frau, was habt ihr erwartet?“ „ Wenn sie ein wenig Intelligenz an unser Jumsala hier abgibt, bin ich ja schon zufrieden, nich Lauri?“ „ Du bist heute wieder sehr witzig Aki.“ „Ich weiß. Lasst uns gehen, nicht dass dein Schatzi irgendwelche unanständigen Sachen mit andern Kerlen macht.“ „Das sag ich ihr!“ „Sie wird mich umbringen!“ „Jaaa, das wird sie, außer sie hat schon was getrunken.“ Eero blieb stehen und unterbrach die beiden. „ Ich glaub, ich brauch mal wieder nen Rausch, jetzt wo ich wieder solo bin.“ „WAS?!“ „Ihr habt mich schon verstanden.“ „Hach, das wird ein geiler Abend. Ich bin kein Dauersingle mehr, Eero trinkt was und Aki . . .Aki is wie immer.“ „Sie wird mich nicht umbringen.“ „Häh?“ Aki blieb stehen und hielt Lauri die MMS unter die Nase, die er gerade bekommen hatte. Ellie war anscheinend bereits unten angekommen und hatte sich mit einer Flasche Sekt abgeknipst. „Die säuft uns ja noch alles weg!“ „Im Laufschritt marsch! Der Großteil von The Rasmus auf Mission „Rettet den Alkohol vor Lauris Flamme“ !“ „Sie ist nicht meine „Flamme“!“ „Ach Lauri, halts Maul und lauf, der Eero is schon fast unten.“ „Wo is Pauli eigentlich?“ „Das hab ich dir doch schon gesagt: Der is bei seiner FREUNDIN, wenn dus so willst.“ „Halt die Klappe ,Hakala und lauf!“

Kapitel 48

Unten im Ort herrschte bereits reges Treiben, sodass Ellie mit der Tüte und der Flasche winken musste, damit sie sie sahen. „Da seid ihr ja endlich!“ „Ich dachte, wir können dich mal?“ „Später vielleicht.“ Lauri rollte mit den Augen, Aki nahm ihr grinsend die halbleere Flasche ab und nahm selbst einen großen Schluck. „Ich werd darauf zurückkommen. Wo gibt’s hier was zu trinken?“ „Überall eigentlich, aber wie ich mich so kenne, bleib ich sowieso an dieser schnuckeligen Tropicbar hängen .“ „Ach Gott, Weiber! Komm Lauri, wir holen uns n Bier.“ Im nächsten Augenblick waren sie schon in der Menge verschwunden. „ Ich komm gern mit.“ Eero stellte sich unternehmungslustig auf die Zehenspitzen und checkte die Lage. „Super, dann kann ich auch mal jemanden abfüllen!“ Sie packte ihn am Arm und zog ihn zielstrebig zu der kleinen Schneebar, die mit Palmen und bunten Lichterketten geschmückt war. „Ich wette, du bist schon nach drei Cocktails blau, ne Eero?“ „Um was wolln wir wetten?“ „Öhm, wenn ich gewinne, musst du mit meinen Skiern die Hausabfahrt runter.“ „Gut, ok, dann fährst du mich aber ins Krankenhaus.“ „Ehrensache.“ „Und wenn ich gewinne . . . gibt’s eine Woche weder Alk noch Kaffee für dich.“ „Beginnend aber erst morgen früh, ich mein Eero, heut is SILVESTER!“ „Ja, ja, schon gut, oder meinst du ich fahr um Mitternacht diesen scheiß Berg runter?“ „Dir trau ich alles zu.“ „Heiß ich Aki? Wie definierst du eigentlich „blau“?“ „ Wenn du bereit wärst, für fünf Euro auf dem Tisch zu tanzen.“ „Wer tanzt aufm Tisch?“ Lauri balancierte vier Flaschen Bier im Arm und stellte sie schließlich mit Schwung auf dem kleinen Tisch ab, an dem Eero und Ellie standen. Aki folgte ihm mit einem Körbchen voll Schnapsflaschen. „Ich hab gewettet, dass ich es schaffe, Eero mit drei Cocktails besoffen zu machen.“ „Wie viele Jahre waren das jetzt? Fünf, sechs sogar, ohne Alk. Kumpel, nimms mir nich übel, aber ich wette gegen dich.“ „Joa, ich auch.“ Aki schraubte eine Feiglingsflasche auf und kippte sie mit Schwung hinunter. „Tolle Freunde hab ich.“ „Beweis uns das Gegenteil.“ „Gut was willst du?“ „Sex on the Beach, Lauri halt die Klappe.“ „ Ich sag nix, Süße.“ Grinsend drehte er die leere Sektflasche auf dem Tisch. „Sollt ich da was wissen?“ Aki beugte sich über den Tisch und schaute neugierig in die Runde. „Lass ma gut sein Aki, irgendwann wirst auch du es verstehn.“ „ Nachdem ich den nettes Weihnachtsgeschenk erhalten hab, haben sich viele Leute angeboten, meistens natürlich Fans.“ „Hä?“ Lauri runzelte die Stirn. „Du hast deinem Schatzi nicht gesagt, was du mir gekauft hast?“ „Hab ich vergessen . . .“ „Wirst eben langsam alt, Ellielein. Nu erzähl mal Aki.“ „Also klein Elisabeth hat es doch tatsächlich gewagt mir ein T-Shirt zu schenken . . .“ „Und?“ „ . . .mit der Aufschrift „Endlich 25!Kann mir jetzt mal jemand die Sache mit dem Sex erklären?““ „ Wart nur, irgendwann schreiben die mal nen Bericht in de Bravo für dich . . . Hach, da kommt Eero, viel Glück mein Schatz!“ „Dankschön, werd ich wohl brauchen. Also Eero, auf Ex?“ „So haben wir nicht gewettet.“ „Och, Mann!“ „Frau.“ Verbesserte Lauri. „Ich weiß, dass du dieser Blondine da drüben schon die ganze Zeit in den Ausschnitt starrst.“ Eero hatte sich über den Tisch gebeugt und flüsterte ihm ins Ohr. „Tu ich gar nicht . . .“ Lauri lief rot an und sah betreten zu Boden. „Das wird Ellie gar nicht gefallen.“ Er fuhr unbeirrt fort und grinste ihn wissen an. „Is ja gut.“ „Wer flüsterte, der lügt!“ Ellie wippte ungeduldig mit den Beinen. „Komm, trink mit mir einen ,bis die zwei da fertig sind.“ Aki schob er ein kleines Fläschchen hinüber und hob sein eigenes. „Kippis!“ „Prost!“ Die klare Flüssigkeit rann ihren Rachen hinunter und verbreitete sofort eine wohlige wärme in ihrem Körper. „Ach ja, kann nicht jeden Tag Silvester sein?“ „Aki, gib mir noch einen , ich will aufhören zu denken.“ „Wozu dann den guten Alk verschwenden?“ Er sog scharf die Luft ein, als ihn Ellies Schuh am Schienbein traf. „Hier bitte.!“ Ein weiteres Fläschchen stand vor ihr. „Brav, Hakala.“ „So bin eben.“ „Huhu, wie war das noch gleich mit dem Drink?“ „Ach ja.“ Sie nahm das Glas und trank es zur Hälfte leer. „Hhmmm, lecker. Dag mir, wenn du alles doppelt siehst, dann frag ich dich ma wegen den fünf Euro.“

Kapitel 49

An die Wette dachte jetzt niemand mehr. Eero war sturz betrunken, die anderen drei ziemlich angeheitert. Aki flirtete auf Teufel komm raus mit der vollbusigen Blondine, Lauri entlockte dem Bassisten seine bestgehütetsten Geheimnisse und Ellie war mit ein paar Deutschen Mädels ins Gespräch gekommen und mit ihnen in der Menge verschwunden. Laui hatte eben einiges über Eeros Liebesleben erfahren und sah grinsend auf seine Uhr. Zwanzig vor zwöf. Die Stimmung in dem kleinen Ort stieg, Drinks gingen am laufenden Band über die Theke. Er machte sich langsam Gedanken um seine Freundin und beschloss sich auf die Suche nach ihr zu begeben. Eero torkelte ihm hinterher und erzählte ihm allerhand interessanter Sachen, die Lauri jedoch gar nicht richtig aufnahm, seine Augen schweiften über die Menge. Plötzlich blieben sie an dem hängen was sie gesucht hatten. „Ell . . .“ Er ließ den Arm sinken und starrte auf das Bild ,dass sich ihm bot. „Wasn los?“ Eero legte den Arm auf seine Schultern und stützte sich ab. Blinzelnd versuchte er auszumachen, was seinem Freund so die Sprache verschlagen hatte. „Oh scheißßßßßßßßee.“ Das alte Jahr endete aber wirklich gut. Trotz seines hohen Alkoholspiegels konnte Eero erraten was in Lauri vorging. Sein Blick war erst erstarrt, dann unendlich traurig, schließlich wütend und kalt. Ellie stand an der Wand, hatte eine leere Smirnoff Ice Flasche in der Hand. Ihre Jacke war auf geheimnisvolle weise verschwunden, sodass sie nur noch einen extrem kurzen, am bauch aufgeschlitzten Rollkragenpullover trug. Er konnte ihr Gesicht nicht sehen, der Typ, der sie gerade abschlabberte verdeckte es völlig. Seine Hände ruhten erst auf ihren Hüften , rutschten dann aber unbemerkt höher und höher. Lauri wandte sich ab, ihm war übel, kotzübel. Eero blieb einfach stehen und starrte dem Pärchen dort drüben an der Hausmauer weiter gespannt zu. „Was ist? Willst du sehn wie sies treiben?“ Ein Gedanke schoss ihm durch den Kopf: Nie hatte sie mit ihm . . . Es tat doppelt weh. „Nu wart doch mahhlllll.“ Er gehorchte und drehte sich um. Vielleicht war es ja seine Schuld. Er hatte sie mehr als einmal abgewiesen, war oft nicht da gewesen, irgendwo auf Tour oder beim Fotoshooting. Es tat irgendwie gut, als der Schmerz seinen Körper durchflutete und ihn innerlich auffraß. Doch er starrte konzentriert auf die zwei Menschen an der Wand, er wollte nichts anderes als sich selbst verletzen. Für einen Moment brannten seine Augen und er musste sie kurz schließen. Plötzlich drang das Splittern von Glas an sein Ohr. Der Typ stand wankend vor Ellie, sie hatte den Arm erhoben und starrte ihn funkelnd an. Plötzlich sank er in sich zusammen und hielt sich wimmernd den Kopf. Sie beobachtete ihn mit Todesverachtung und trat ihm zum Abschied nocheinmal kräftig zwischen die Beine. Die umstehenden Frauen und Mädchen klatschten begeistert. Ellie verbeugte sich grinsend und verschwand dann wieder in der Masse. „Na siehssssssssssst, du. Die liieieeeeeeeeebt dichhhh.“ „Mhm.“ Wie hatte er nur denken können, sie würde ihn betrügen? Hastig drängte er sich durch die herumstehenden Menschen und knallte zum zweiten Mal an diesem Tag mit ihr zusammen. „Hajöchen mein Schatzzzz. Ich hab disch schon überall jesuuucht. Aba dann jam diesa blöde Wichsa und hat misch angemacht.“ „Ich habs gesehn.“ „Wa . . . .Ach Göttchen da muss su ja jedacht haben, dassss ich mit diesem . . .“ „Hab ich auch im ersten Moment.“ „Oa, neee sowas würd ich nieeeeeeeee tun, soja wenn isch so su bin wie heutä. Mein Jott, nur noch zehn Minuten, wir müssssn su denn andern.“

Kapitel 50
„Ah servus akii, wo hasn die tittentussi gelassennn?“ „Hatte nen Freund. . . Sach ma, wie kommts eigentlich ,dass ihr beiden . . .“ er deutete auf Eero und Ellie, sie gegenseitig stützten ,um nicht umzufallen, „ . . .nich mal mehr deutlich sprechen könnt, und Lauri und ich nurn bisschen angetrunken sind, hä?“ „Ach die vertragen doch nix. Siehste, die kann mir net mal mehr eine reinhaun.“ Er wich flink Ellie Fuß aus, der noch ein paar Augenblicke in der Luft herumschlingerte bis er schließlich auf seinen Platz zurücksank. „Wolln wer sie ein bisschen nüchtern machen?“ „Neeiiiiiiinnnnnnn!!“ „Och Ellie-Schatz, keine Angst ,ich tu dir nich weh.“ „Dann reiß ich mir ma den Eero untern Nagel.“ Er legte seinem Freund den Arm um die Schultern und zog ihn grinsend mit sich. „Ne kleene Schneetaufe, oder was meinst du, Lauri?“ „Joa, wär ganz angebracht.“ „Lassss misch loohhs!!“ „Gleich, schätzchen.“ „Soffooort!“ „Ok.“ Er trat einen Schritt zur seite und beobachtete belustig wie sei das Gleichgewicht verlor und in einen großen Schneehaufen fiel. „ Guck ma, ihr habt sogar Gesellschaft!“ Aki schubste Eero ebenfalls in den Schnee und deutete auf ein paar Jungs, die mit dem Kopf nach unten in dem Haufen lagen. Ellie wollte sich sofort wieder aufrappeln, doch Lauri war schneller und drückte ihre Handgelenke nach unten, sodass sie nicht aufstehen konnte. „ Noch fünf Minuten, dann isses soweit.“ „Ich mag aber kein Kopfweh.“ „ Wirkt doch schon.“ „Mir is kalt.“ „So schnell geht’s dann aber doch net.“ „ Das isss unfair, ich hab doch gar net sooo viel getrunken.“ „ Das is unfair, mein schatz!“ Er knallte ihr eine Ladung schnee ins gesicht und rettete sich mit einem Hechtsprung nach hinten. Doch Ellie reagierte nicht, sie blieb einfach reglos liegen, sodass man zusehen konnte, wie das gefrorene Wasser auf ihrem Gesicht schmolz. „Is alles ok?“ besorgt beugte er sich über sie und strich die kalte pampe von ihren wangen. Ehe er sich versah lag er jedoch auf dem Rücken und sah Ellie über sich knien. „Na, nüchtern genug?“ „Glaub schon.“ „Kalt is mir aber trotzdem.“ „Wenn du mich aufstehen lässt, kriegst du meine Jacke.“ „Au ja.“ Sie krabbelte von ihm herunter und zog seine Jacke an, die er ihr entgegenhielt. „Und was is mit Eero?“ „Wasss sssolln mit mia seinnnn?“ „Vollrausch, dagegen hilft kein Schnee.“ Lauri nahm Ellie in den Arm und beobachtete grinsend den Bassisten wie er auf dem Boden saß und vor sich hinlallte. „Dann bleibts wohl wieder an mir hängen ,was?“ Aki stemmte die Arme in die Seiten und sah die beiden fragend an. „Denk ich doch, ne schatz?“ „Jo, wenn sie es sagt, Aki.“ Der Drummer seufzte genervt auf , zog Eero aus dem Schnee und schubste ihn hinter Lauri und Ellie her, die schon auf dem Weg zum Ortskern waren, um das große Feuerwerk zu sehen. „Zwei Minuten.“ Er nahm zwei Gläser Sekt von einem der unzähligen Tabletts die durch das Dorf wanderten und reichte ihr eines davon. „ Erst nüchtern machen und dann wieder abfüllen, das haben wir gern, nich Laurilein?“ „Ja, so kennst . . .“ „ . . .und lieb ich dich.“ Er lächelte und küsste sie sanft auf die Stirn. „Meinst du, dass wird auch noch im Jahre 2004 so sein?“ „Bestimmt.“ „Ganz bestimmt?“ „So bestimmt, wie ihr gleich den Jahreswechsel verpassen werdet, wenn ihr jetzt noch aufhört herumzuturteln.“ „Ach Aki!“ „Ach Ellie!“ äffte er sie nach und fischte sich ebenfalls ein Glas Sekt. „Du kriegst gleich Schläge.“ „Schlag ihn, dem machts nix mehr aus.“ Er versteckte sich hinter Eero ,der scheinbar langsam wieder nüchtern wurde. Es hatte mindestens 10 Minus und die Schneedusche war nicht ohne Folgen geblieben. „Toll, Aki, missbrauch mich doch nochn bisschen.“ „Mein Gott ich glaubs nicht: Er kann SPRECHEN!“ „Sag mal, zickt der immer so rum, wenn ihn eine abblitzen lässt?“ „Aki ist ein sehr sensibler Typ, musst du wissen.“ „Leckt mich doch alle am Arsch.“ „Bitte, Hosen runter.“ „Ha, ha, ha ,siehst du wie ich lache?“ „Ach komm nimms nicht so schwer, wir sind doch alle nicht ganz da.“ Sie legte ihren Arm um seine Schultern und zog ihn an sich. „Super, und ich darf hier erfrieren oder was?“ Lauri verschränkte beleidigt die Arme vor der Brust. Tröstend nahm Ellie in ihren letzten freien Arm und küsste ihn kurz auf die Wange. „Krieg ich keinen Kuss?“ „Später, Aki, später.“

Kapitel 51

„Eine Minute.“ „ Lauri, ich hab ein Problem.“ „Welches da wäre?“ „Soll ich dich erst küssen und dann trinken oder umgekehrt.“ „Oder gleichzeitig, das wär doch ma e(e)rotisch , so richtig schön, sabber, sabber.“ „Aki, halt die klappe.“ „Der dumme Drummer muss immer die Klappe halten.“ „Guck mal da rüber, das Mädel starrt dich schon die ganze Zeit so verzückt an.“ „Gibs auf Aki.“ „Och mann, wieder ne wette verloren.“ „Was zum Teufel habt ihr schon wieder hinter meinem Rücken gewettet, he?“ „Aki hat gewettet, er könne dich so rasend machen, dass du ihm den Sekt übern Kopf kippst.“ „ Aha, mhm, ok, alles klar. Und war Einsatz?“ „Aki muss das nächste Interview zusammenstöpseln.“ „Na dann prost!“ „Was?“ Sie verschloss seinen Mund mit einem zärtlichen Kuss, denn er verdutzt erwiderte. Ach ja, es war ja Mitternacht. Als er die Augen wieder öffnete, sah er das helle Feuerwerk am Himmel leuchten, Eero und Aki, die sich freundschaftlich auf den Rücken klopften und ihre Gläser auf Ex austranken, die Masse der Menschen, die jetzt langsam durchzudrehen schien. Ellie prostete ihm zu und tat es ihnen gleich. Küsschen hier, Küsschen da, hier mal ne Umarmung, da auch. Um viertel nach zwölf hatte jeder jedem ein gutes neues Jahr gewünscht und Ellie saß auf Lauris Schultern. Das größte Hotel in Sankt Moritz hatte Punkt Mitternacht gut 200 Flaschen Bier an kleinen Fallschirmchen auf die Menge herabgleiten und jeder versuchte so viele wie möglich davon zu erwischen. „Links! . . .LINKS! Links is da wo der Daumen rechts is.“ „Ellie ich bin angetrunken, ich glaub ich kipp gleich um.“ „Gut dann lass mich runter.“ Sie rutschte an seinem Rücken hinunter und hielt ihm grinsend eine Flasche unter die Nase. „Uh, Ellie, ich krieg auch eine, ne?“ „ Sicherlich, Akilein.“
Halb vier Uhr morgens. Vor gut einer Stunde waren alle Alkoholvorräte des Ortes aufgebraucht gewesen und nun neigte sich die Party langsam ihrem Ende zu. Der Großteil der Leute war schon verschwunden, und die ersten kotzten in die Büsche. „ Lasst uns heimgehen, das is ja ein einziges Trauerspiel hier.“ Ellie sah fragend in die Runde. Lauri und Eero nickten leicht übermüdet und Aki legte seinen Arm auf ihre Schultern und dirigierte sie aus dem Ort hinaus. „Warum bist du so nett zu mir, Aki?“ „Ich bin immer nett zu dir, Ellie.“ „Jetzt sag!“ „Ich habe deine Jacke an den meistbietenden versteigert.“ „Ne, oder? Das war meine Lieblingsjacke!“ „Tut mir leid. Aber die Kerle ham sich drum gerissen.“ „Wieviel?“ „150€“ „50 % und die Sache is vergessen.“ „50 %? Ich hatte Unkosten!“ „Ach ja? Alkohol ausgeschlossen.“ „Scheiße . . .“ „Also her mit dem Geld.“ „Dann ziehst du aber dieses dünne Kleidchen an, dass die Möbelfritzen mitgeliefert haben.“ „Bitte was?“ „Schwarz natürlich, ziemlich kurz, oben wie unten, . . .ratterts?“ „Och nö.“ „80 und n sixpack smirnoff gepansch.“ „ Gut abgemacht. Hand drauf.“ „EY! TATSCH MEINE FREUNDIN NICH AN!“ Inzwischen hatte es auch der Rest der kleinen Gruppe geschafft, vor die Hütte zu kommen. Lauri stellte sich hinter Ellie und drückte sie so fest an sich, dass sie nach Luft schnappen musste. „Hehe, sie machts.“ „Mon Dieu , ich glaub ich brauchn Bier.“ „Seid wann so sprachbegabt, Master Ylönen ?“ „Seid ich diese wunderbare Frau an meiner Seite habe.“ Er gab einen überschwänglichen schmatzer auf die Wange und tanzte dann über den Vorplatz. „Hat er wieder Filterlose geraucht, he?“ Eero grinste und nahm ihr den Schlüssel aus der hand, um die Haustüre aufzusperren.

Kapitel 52

„Ich komm nicht raus!“ „Ellie, das war abgemacht. Lauri und Eero pennen sowieso gleich weg, und ich kann ja meine Brille abnehmen.“ „Ich seh aus wie ne Nutte.“ „Glaub ich nich.“ „Na gut, du hast es so gewollt, nicht mein Problem, wenn du Augenkrebs kriegst. Deckt alle Spiegel ab, ich komme.“ Ellie riss die Tür auf , sodass Aki vor lauter Schreck rückwärts taumelte. Als er sich wieder gefangen hatte, musterte er sie von oben bis unten. Sie trug das schwarze Kleid, das ihr gerade bis zur Hälfte der Oberschenkel ging, und einen riesenlangen Schal, den sie sich zweimal um den als geschlungen hatte. Ihr Gesicht spiegelte eine Mischung aus Frustration und Unsicherheit wieder. Unsicherheit. Das war etwas, was er an ihr vermisst hatte, etwas, das sie ihm noch sympathischer machte. Ohne nachzudenken nahm er ihre Hände und ging einen Schritt auf sie zu. „Meinst du, Lauri merkts, wenn wir für zehn Minuten verschwinden?“ „Aki . . .“ „Joa, so heiß ich.“ Ihre Wangen bekamen eine leichte Röte und sie sah verlegen auf ihre nackten Füße. „Hey, du kannst ja sogar schüchtern sein.“ „Schüchtern ist mein zweiter Vorname, Aki.“ Er mochte es, wenn sie seinen Namen sagte. Innerlich ohrfeigte er sich für diesen Gedanken, konnte aber trotzdem nicht wiederstehen, sie noch einmal genau anzusehen. Normalerweise war Ellie immer so cool, fast schon kühl. Und immer aufgedreht, ziemlich verrückt oder eben so launisch ,dass man Angst bekommen konnte. Im Moment aber war sie einfach nur nett, hatte etwas Mädchenhaftes an sich. So wie Lauri sie beschrieb, wenn sie allein waren. Er hatte immer im Stillen gedacht, sein Freund spann sich irgendetwas über sie zusammen, das er vielleicht gern gehabt hätte, aber jetzt begriff er, dass Ellie tatsächlich diese Wesenszüge besaß.
Natürlich hatte er noch nie eine Frau kennengelernt, die wirklich mit ihrem Äußeren zufrieden war, doch Ellie hatte dazu nun wirklich keinen Grund. Ihm fiel auf, dass sie schlanke, lange Beine hatte, und . . . Wutsch! Seine Innerliche Hand schmierte ihm erneut eine und so riss er sich zusammen und drängte sie Richtung Schlafzimmer, wo Lauri und Eero auf dem Bett lagen und durch die Kanäle zappten. „Versteh ich nicht . . . versteh ich nicht . . . das versteh ich auch nicht . . .“ Lauri drückte gelangweilt auf der Fernbedienung herum , starrte für ein paar Sekunden auf den Bildschirm , drückte einen anderen Knopf. Im ganzen Haus war es dunkel, der Fernseher war die einzige Lichtquelle. Ellie krabbelte zu ihm aufs Bett und nahm ihm die Fernsteuerung weg. Wie jedes Jahr lief um diese Uhrzeit das Talk, Talk, Talk- Silvester Special, man brauchte weder besonders gute Deutschkenntnisse noch ein Hirn um diese Sendung zu verstehen. [Anmerkung der Autorin: Ich liebe diese Sendung]. Als das Gerät hell aufflackerte, bemerkte er, was seine Freundin da trug und pfiff leise vor sich hin. „Raus aus meinem Zimmer, ich glaub, ich muss noch was erledigen.“ „Pfft, das könnte dir so passen.“ Er quetschte sich zwischen Lauri und Ellie, sodass sie zwischen Aki und Eero lag. „Toll , und ich krieg gar nix ab oder was?“ „Du hast sie sonst immer für dich allein.“ „Na und?“ Trotzig stieg er über Aki hinweg und legte seinen Kopf in ihren Schoß. Ellie legte lachend ihren Arme um Aki und Eero und seufzte zufrieden. „Hach ja, mein Harem.“ „Hättest du wohl gerne.“ Knurrte Aki und puffte sie in die Seite.
Ein paar Minuten später hüpfte eine Blondine mit Körbchengröße MM über den Bildschirm. Eero kicherte in sich hinein, Aki war damit beschäftigt, Ellies SMS zu entziffern und Lauri schien das ganze ziemlich kalt zu lassen. „Ich glaub, ich krieg Komplexe.“ Sie lugte zweifelnd in ihren Ausschnitt und sah dann wieder auf den Screen. Aki blickte kurz auf, grinste und strich dann vorsichtig mit dem Finger an ihrem Oberschenkel entlang. „Mir wär die viel zu fett.“ Eero nickte zustimmend. „Ich hätt da Angst davor.“ Mhm, aha, Männer: unter Doppel D kommt mir nix ins Bett, und dann Angst, alles klar. Aber wem zum Teufel gehörte die Hand, die sich da unter ihrem Kleid entlangschmuggelte und so ungeduldig an ihrem Slip herumspielte? Vielleicht dem angetrunkenen Etwas, dass ihr zu Füßen lag und sie so versaut angrinste? Keine Ahnung.

Kapitel 53

5 Uhr. Ellie lag zwischen Lauri und Aki und starrte an die Decke. Ihr Kopf begann langsam zu schmerzen, doch sie konnte einfach nicht einschlafen. Nicht, dass ihr irgendetwas im Kopf herumgespukt wäre. . .na ja, höchstens, dass es jetzt noch einen Menschen auf der Welt gab, der sie wirklich kannte, aber das machte ihr keine besonders großen Sorgen. Irgendwie hatte sie das Gefühl etwas zu verpassen, wenn sie jetzt einschliefe, dennoch sehnte sie sich nichts sehnlicher herbei. Gereizt schmiss sie sich auf die Seite und schaute direkt in zwei grüne Augen, die sie liebevoll ansahen. „Kannst du auch nicht schlafen?“ Sie flüsterte ihm ins Ohr und sah mit Genugtuung zu, wie er eine leichte Gänsehaut davon bekam. Wortlos nickte er und schälte sich dann unter der Bettdecke hervor. Erwartungsvoll sah er sie an und wartete, bis sie seine Hand nahm und ihm aus dem Zimmer folgte. Gemeinsam schlichen sie durch das dunkle Haus und ließen sich schließlich auf der Wohnzimmercouch nieder. Obwohl sie allein waren, sprachen sie nicht laut, sondern behielten den Flüsterton bei. Sanft strich er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und fuhr die Konturen ihrer Lippen nach. Das Kleid spannte sich um ihren Körper und betonte ihre nackten Beine, die nun ruhig aufeinander lagen. Sein Zeigefinger strich an ihrem Oberschenkel entlang, so wie Akis vor einer guten Stunde, machte aber nicht am Saum des Stoffes halt, sondern ging noch ein bisschen weiter. Wissbegierig schielte er zu ihren Augen auf, doch sie waren geschlossen und zeigten keinerlei Regung. Unsicher geworden legte er seine Hand auf ihre Schulter und küsste sie verhaltend, während seine Linke auf ihren Hüften ruhte. Leicht aufgeschreckt öffnete Ellie für einen kurzen Moment die Augen, schloss sie wieder, legte ihren Arm um seinen Rücken. Aufreizend langsam strich sie mit den Fingernägeln auf seiner Haut hin und her, zogen kleine Kreise, beschrieben Schlangenlinien. Durch die feinen Berührungen elektrisiert, streifte er mit fahrigen Bewegungen die dünnen Träger von ihren Schultern und küsste dort jeden freigewordenen Zentimeter. Ungeduldig dachte er daran, wie lange es dauernd würde, das enge Kleid loszuwerden und verlieh seiner Missbilligung Ausdruck, indem er ein wenig in ihre Unterlippe biss. Noch konnte er es ertragen ,als ihre Hand seinen Nacken umschloss und ihn verlangend zu sich heran zog. Böse fuhr er über den glänzenden schwarzen Satin, immer in anderen Bahnen, auf der Suche nach einer schnellen Lösung für sein Problem. Auf seinem Weg bemerkte er, dass der Stoff nicht besonders dick war, die Nähte schlecht verarbeitet. Er hielt inne und genoss kurz die warmen Hände auf seinem Bauch , dann beugte er sich über sie und hauchte ihr ins Ohr. „Magst du das Kleid?“ Mit einem herausfordernden Lächeln auf den Lippen schüttelte sie den Kopf und freute sich über seine Zunge, die inzwischen begonnen hatte, auf ihrem Dekoltée herumzuspielen. Plötzlich richtete er sich auf und setzte sich neben sie. Er genoss ihren verständnislosen und flehentlichen Blick au seinem Körper ruhend und strich noch einmal die Länge des Kleides entlang. „Magst dus wirklich nicht mehr?“ „Nein.“ Sagte sie und zog sich an ihm hoch. „Ganz sicher?“ „Jaaaa!“ Sie nahm seinen Arm und legte ihn um ihre Taille. „ Ganz, ganz, ganz sicher?“ „Lauri!“ „Ja?“ „Du bist . . .“ „ . . .rehevä?“ „Das auch, aber ich wollte . . .“ Mit einem gehauchten „Tadhon sinut.“ Drückte er sie zurück auf das Sofa und hielt ihre Handgelenke fest. „An was denkst du?“ Entgeistert starrte er sie an. „Was?“ „War nurn Witz.“ „Jetzt reichts.“ Mit einem versauten Lächeln auf den Lippen riss er ihr das Kleid vom Leib und stürzte sich auf ihren nackten Bauch. Entfesselt stieß sie ihn von sich weg, zog ihm sein Shirt über den Kopf und warf es auf ihr zerfetztes Kleid, das schon in der Ecke lag. Er setzte dazu an ,sie erneut zu küssen, doch Ellie drehte den Kopf weg und nahm seine Hände, um ihn außer Gefecht zu setzen. Dann kniete sie sich über ihn und fuhr den Weg von seiner Nasespitze bis an den Rand seiner Shorts entlang, wobei sie ihm ständig in die Augen sah. Lauri zappelte ungeduldig und versuchte mehrmals seine Hände freizubekommen, doch er konnte an ihrem belustigtem Lächeln erkennen, dass er ohne rohe Gewalt keine Chance hatte. Wie sehr hasste er sie doch. Ihr abfälliges Lächeln, ihre kühle und unnahbare Art. Die Fähigkeit, ihn um den Finger zu wickeln, ohne etwas zu tun, die kleinen Spiele ,die sie mit ihm spielte. Wie sie ihn immer eifersüchtig machte, wenn sie mit anderen Männern sprach, sie gab ihm das Gefühl nichts wert zu sein. Er wollte sie, einmal die Kontrolle haben, der Grund, warum er es nicht zugelassen hatte, als sie so betrunken war. Er wollte einen fairen Battle, die Chance, ihr zu zeigen, dass sie ihn brauchte.
Ihre langen Harre strichen auf seiner nackten Haut herum, als sie sich hinunter beugte um ihn zu küssen. Zitternd versuchte er zu widerstehen, ihr nicht schon wieder zu verfallen. Doch er schaffte es nicht und erwiderte ihren Kuss, der so lang und leidenschaftlich war, verzweifelt und wütend. Er wollte, dass sie sich nach ihm verzehrte, wie tausende anderer Mädchen auf diesem Planeten. Er hätte sie alle haben können, sofort, doch er wollte sie, und nur sie. Wie sie ihn mit ihren wunderschönen Augen hypnotisierte. Er wandte seinen Blick ein wenig ab und sah ihre weiche Haut, die im Mondlicht leicht schimmerte und so wunderbar schmeckte. Sein Körper zitterte unter ihren Berührungen, er hätte schreien können, doch kein Laut drang über seine Lippen. Wie ihre Finger über seine Wangen strichen, seinen Augen bedeuteten, sich zu schließen und nur zu genießen. Ihr warmes Lächeln, ihr schmales Gesicht, das so viel Geborgenheit ausstrahlte. Wie sehr er sie doch liebte. Die Art, wie sie seine Hand nahm, wenn es ihm schlecht ging, ihr fröhliches Lachen, ihre Bewegungen, die so schön sein konnten, wenn sie nur wollte. Ihre Stimme, die ihm immer alles so schnell wie möglich erzählen wollte, sich verhaspelte, über sich selbst lachte. Sie machte ihm jeden Tag aufs Neue klar, dass er sie brauchte, deshalb hasste er sie, er wollte unabhängig sein, so wie sie. Aber er liebte sie, weil sie die einzige Frau auf der Welt war, von der er abhängig sein wollte.
Langsam hob er seinen Arm und fuhr mit den Fingern durch die Haare, die ihr ins Gesicht hingen. Seine Augen waren immer noch geschlossen, doch er fühlte, wie sie seine Hand nahm und sie sanft küsste, bevor sie sie an eine andere Stelle legte . . . [wir wolln ja hier kein softporno drehen, nich wahr, kinners? Hähä, wenn ihr wüsstet, wie alt ich bin *gg*]

Kapitel 54

Glücklich und zufrieden lag er neben ihr auf dem Sofa und strich immer wieder an ihren warmen Wangen entlang. Wie schön sie aussah, wenn sie schlief. Wenn sie wach war, lag immer etwas Unruhiges in ihrem Blick, etwas, dass sie davor schützte, von anderen Menschen verletzt zu werden. Er konnte so etwas nicht. Er musste sich Kontaktlinsen in die Augen pappen. Die kühlen Züge auf ihrem Gesicht waren verschwunden, die Herablassung schlief. Es war nur noch die Frau übriggeblieben, die er liebte. Sie hatte etwas Schutzbedürftiges an sich, das schale Licht ließ sie ungewöhnlich jung und zart aussehen. Er fragte sich, wie er es überhaupt geschafft hatte, sich in sie zu verlieben, durch ihre Fassade hindurchzusehen. Die anderen hatten ziemlich gestutzt, als er sie ihnen vorgestellt hatte, hatten sich wahrscheinlich gefragt, warum er sie bei sich wohnen ließ. Eine Woche später hatte er Aki seine Mütze leihen müssen, weil Ellie ihn beim Strippoker auf einer Party fertiggemacht hatte. Er konnte sich erinnern, als wäre es erst gestern gewesen, als sie mit Pauli auf der Wand gelehnt hatte. Die beiden hatten Tränen gelacht, als Aki wie ein geprügelter Hund durchs Klofenster abgehauen war. Unwillkürlich musste er lachen. So hatte alles angefangen. Jetzt war seine Freundin die beste Freundin von seinen besten Freunden, wie kompliziert, aber doch schön. Er hatte unendlich gelitten, wenn er mal wieder mit einer zusammen war, die Aki unverfrorenerweise als zickige Schlampe bezeichnete. Bei Ellie war im schlimmsten Fall mal ne dumme Kuh drin, wenn überhaupt. Ein unbequemer Gedanke überfiel ihn. Aki war in letzter Zeit auffallend nett zu Ellie, netter als sonst. Er verscheuchte dieses Hirngespinst und freute sich, dass zwischen ihm und Eero wieder alles in Ordnung war. Im selben Moment spürte er, dass sie sich neben ihm streckte und dabei fast von Sofa fiel. Leise lachend hielt er sie fest, nur um sie dann trotzdem zum aufstehen zu bewegen. „Mann, lass mich, da drüben isses so eng.“ Knurrend schlang sie die Arme um seinen Hals und ließ sich schieben. „ Wenn du gerne Aki-Komentare zum Frühstück willst, Schatz.“ „ Is ja gut. Aber dann schieben wir die beiden in ein Bett, ok?“ seufzend stand sie auf und sammelte ihre Klamotten zusammen. „Klar.“ Sie schmiss ihm das Stoffbündel zu und verschwand kurz im Bad um sich etwas Wärmeres anzuziehen. Dann legte sie sich zu Lauri, der Eero bereits erfolgreich auf die andere Seite gerollt hatte und kuschelte sich an ihn. „Ellieschatz, guck mal!“ Grinsend zog er ihren Slip unter der Decke hervor. „Du böser, böser Junge, wenn das die Mama sieht!“ „Dann fühlt sie sich in ihrer Annahme bestätigt, dass der Tourbus mich schwul macht.“ „Schick sie zu mir, ich erzähl ihr was Schönes.“ „ Kleines Luder.“ „Gute Nacht.“ „Keine Verbalattacke?“ „Morgen wieder, ja?“ nuschelte sie und schlief wieder ein.
Als Ellie am nächsten morgen erwachte, fühlte sie sich irgendwie eingeengt. Schnell fand sie den Grund für dieses morgendliche, na ja, nachmittägliche feeling heraus: Lauri hatte ihren rechten Arm umklammert und seinen Kopf an ihre Seite gekuschelt, der rechte Arm wurde von Aki beschlagnahmt, der nachts irgendwie über Eero hinweggerollt sein musste. Vorsichtig löste sie sich von den beiden, und ertappte sich bei dem Versuch Aki statt Lauri einen Kuss auf die Stirn zu geben. Kopfschüttelnd krabbelte sie aus dem Bett und nahm ihr Handy vom Nachttisch. Das leise Piepsen beim Einloggen konnte nur bei Eero eine Reaktion auslösen, er brummte genervt und warf sich auf die seite, direkt an Akis Hintern. Grinsend richtete sie die kleine Kamera auf die drei Jungs, die in diesem Moment ziemlich schwul aussahen, so nah aneinander. Bei dem Geräusch, als das Photo geschossen wurde, wachte Eero schließlich auf und blinzelte sie verschlafen an. „Morgen.“ „Morgen, Ellie . . .oa, mein Kopf.“ „Tja, das kommt davon. Eero, fährst du mit mir ins Dorf, zum Bäcker, ich hab Hunger.“ „Joa, gib mir noch ne viertel stunde, ja? Was hast du gemacht?“ Er deutete auf ihr Handy und kletterte mühsam aus dem Bett. Als sie ihm das Display unter die Nase hielt, grinste er und sagte: „Wenigstens seh ich nicht so warm aus wie die beiden.“ Mit diesen Worten verschwand er nach nebenan um zu meditieren. Ellie speicherte das Photo und zog sich leise ein paar Klamotten aus dem, Schrank und wollte ins Bad gehen, blieb aber noch mal vor dem Bett stehen und begutachtete die beiden , wie sie schliefen. Aki oder Lauri? Argh . . .Lauri natürlich. Wütend auf sich selbst ging sie aus dem Raum.
Zwanzig Minuten später stand sie mit Eero in der kleinen Bäckerei am Ende des Dorfes und reihte sich in die Schlange der Wartenden ein. Der Laden war ziemlich voll und Ellie raunte ihm heimlich zu: „Scheinen ja noch mehr so lang gefeiert haben wie wir.“ Er nickte nur und starrte dann voller Abscheu auf das Körbchen mit Jägermeister und Feiglingen, das auf der Theke stand. „Soll die Mama dir einen kaufen?“ „Das geben die der Mama doch gar nicht, dafür ist sie viel zu klein . . . aber wie wärs mit n paar Gummitierchen?“ „Das klein überhör ich mal großzügig.“ Knurrte sie und kaufte unter anderem eine Tüte Semmeln, Tee und ein halbes Pfund Gummiteufel. Als sie den Laden verließen schnappte sich Eero die kleine Tüte und ließ sich auf den Beifahrersitz fallen. Ellie wuchtete den Rest auf den Rücksitz und setzte sich dann ans Steuer. Während Eero gierig die Süßigkeiten in sich hinein Stopfte schickte Ellie das sagenumwobene Bild an Lauris Handy und wartete auf die Reaktion. Gerade hatte sie von ihrem Nachbarn eine Hand voll Teufel abgeschwatzt, als die Antwort hereinkam. Gespannt öffnete sie die Mail. Eero lugte ihr über die Schulter, um etwas sehen zu können. Die SMS enthielt genau zwei Worte: DU MISTSTÜCK! Im selben Moment kam eine zweite Antwort von Aki: Ja, genau: DU MISTSTÜCK! „Das nenn ich Freundschaft.“ Bemerkte Eero trocken und widmete sich wieder seinem Gummikram. Die dritte SMS an diesem Morgen behielt Ellie allerdings für sich:
Lieb dich trotzdem über alles LY.
LY. Lauri Ylönen oder Love Ya. Sie lächelte und steckte ihr Handy in die Tasche, um schnellst möglich wieder bei ihm zu sein.

Kapitel 55

04.01.2004- Flug Nummer 724 Zürich- Helsinki. Ellie saß neben Eero am Fenster und wollte ihm gerade ein paar von seinen Chips abschwatzen, als Akis und Lauris Köpfe über den Sitzen vor ihnen auftauchten. „Du Ellie?“ „Lasst mich raten, ihr habt die Sauerstofftanks kaputt gemacht und jetzt werden wir alle sterben.“ „Haha, siehst du mich lachen? Wir wollten dir eigentlich Akis Neuerwerbung aus dem Duty-free-Shop zeigen.“ Stolz reichte der ihr ein schwarzes Shirt mit Aufdruck herüber. Ellie nahm es entgegen und breitete es auf Eeros und ihrem Schoß aus. Er überflog die Zeilen und sah dann so aus als hätte er Krämpfe. Verzweifelt versuchte er, die Chips hinunterzuschlucken, schließlich sprang er mit feuerrotem Gesicht von seinem Platz auf und rannte Richtung Herrentoilette. „Ganz nett.“ Sie gab ihm das Teil zurück und ließ sich wieder in den Sitz fallen. „Wie ganz nett? Was steht denn nun drauf?“ „Das wisst ihr nicht?“ „Ne, wissen se nich.“ Eero kam zurück und nahm wieder neben ihr Platz, die Mundwinkel scheinbar an den Ohren festgetackert. „Jetzt sag!“ „Och nö, oder Eero?“ „Nö, Ellie, das wird er schon merken.“ Lachend klopfte sie ihm auf die Schulter. „Der war gut.“ „Gleich komm ich rüber, Schatz.“ „Wir können uns auch gleich auf dem Klo treffen.“ Aki zog anzüglich die Augenbrauen hoch und kniff seinen Freund in die Seite. „Na, ob du diese Dauerbelastung aushältst, Nalle.“ „Halt die Klappe! Bitteeeeeeeeeeee, sags wenigstens mir.“ Er hüpfte quengelnd auf seinem Sitz herum, wofür er von der Stuardess einen bösen Blick erntete. „Gib mir mal das Shirt.“ Sie stibitzte es Aki aus der Hand und zog es sich über den Kopf. „So, jetzt bin ich ne Hure, oder Eero?“ „Schade, dass ich dich schon kenn.“ „Joa, jammerschade, dann kann ich euch ja alle drei vergessen.“ „Kriegst schon nen anderen ab, Kleine!“ „Argh, jetzt sagt endlich, was auf dem dummen Teil da steht.“ „Sagen wirs, wenn Lauri es auf dem Flughafen trägt?“ „Dann denken alle, er geht dir fremd.“ „Na ja, man kann ja nie wissen . . . „ „HEY! Sowas würd ich nie tun!“ „Is ja gut, war ja nurn Witz, mein Vögelchen.“ Eero schmiss sich an ihre Schulter und prügelte lachend auf den Sitz ein. „Dann muss Aki es anziehen.“ Er nickte von Lachkrampfen geschüttelt und atmete tief durch. „Die Ehre gebührt dir, Ellie.“ „Also, ihr Schätze, auf diesem exquisiten Kleidungsstück steht folgendes geschrieben.“ Sie machte eine Kunstpause und sprach dann weiter. „Erst vögeln, dann kennenlernen.“ „Haha, Aki is ne Schlampe!“ Lauri klatschte begeistert in die Hände und hüpfte schon wieder auf dem Sitz herum. ”Ihr seid alle blöd!” Aki verschränkte die Arme und ließ sich beleidigt nach unten rutschen. „Woher soll ich denn wissen, was da drauf steht?“ „Wie wärs mit fragen, Akilein?“ Sie tätschelte ihm beruhigend die Schulter und gab Lauri, der ihre Bewegung mit brennender Eifersucht verfolgte, einen Kuss. Versöhnt hielt er sie am Arm fest und bedeutete ihr, zuzuhören. „Wie war das noch gleich mit dem Klo?“ flüsterte er ihr mit aufgekratzter Stimme ins Ohr. „Später.“ „Versprochen?“ „ Lauri!“ „Nix Lauri, ich will was Verbotenes mit dir machen.“ „Wie wärs mit . . .“ „Wer flüstert, der lügt!“ schadenfroh zog Eero sie wieder nach hinten auf ihren Platz, wofür Lauri einen giftigen Blick auf ihn abschoss. Ellie fuhr langsam mit der Zunge auf ihren Lippen herum und sah ihm von unten her in die Augen. Widerwillig wandte er sich ab und versuchte Aki zuzuhören, der irgendetwas von verantwortungslosen Ladenbesitzern erzählte. Diese Frau machte ihn fertig. Nein, eher angenehm müde, schläfrig, Bett. Grinsend schaute er aus dem Fenster und dachte an die Nacht des ersten Januar.

Später am Flughafen. Ellie hatte ihre Hand und Lauri Hosentasche und ließ sich von ihm durch den Arrival-Bereich ziehen. Sein Arm ruhte auf ihren Schultern und alle paar Minuten ließ er sich einen anderen Scheiß einfallen, um sie zum lachen zu bringen. Aki lief kopfschüttelnd neben ihnen her und versuchte, das Shirt so gut wie möglich zu verdecken. Gerade schleifte Lauri sein Bein mit schmerzverzerrter Miene hinter sich her, als er über die Ecke eines Pflanzenkübels stolperte und beinahe auf die Schnauze flog. „ Das Kerosin scheint ihm nicht gut zu tun , oder was meinst du Ellie?“ „Ich glaub, es ist eher die Tatsache ,dass er seit fünf Stunden keine mehr geraucht hat.“ „WAS? Mein Gott, Kind! Sei vorsichtig, der is nicht mehr zurechnungsfähig.“ Mit aufgerissenen Augen starrt er seinen Bandkollegen an, der gerade den Blumentopf mit den wüsteten Ausdrücken anzischte. „Jetzt, wo dus sagst. Guck mal, er redet schon wirres Zeug. Nur keine schnellen Bewegungen. Gaaaaaaaaaanz langsam.“ Vorsichtig gingen sie rückwärts, einen Schritt nach dem anderen. In diesem Augenblick stießen sie mit Eero zusammen, der schon wieder eine Packung Gummibärchen in den Pfoten hatte. „Lauri hat seine Zigaretten, Eero seinen Süßkram, Pauli, öhm, ja, seine Flamme, aber was is mit dir Aki?“ flüsterte sie ihm leise zu, immer noch rückwärtsgehen. „Ich bin sexsüchtig.“ Erwiderte er ebenso ernst. „Hätt ich mir ja denken können.“ „Habt ihrn Rad ab oder so?“ Lauri stemmte die Arme in die Seiten und wippte ungeduldig mit dem Fuß. „Oh, nein, er hat uns bemerkt. Lauf, Aki!“ „Fuck, da vorne sind Kreischies, wir sind umzingelt.“ „Wir werden sterben.“ „Ja, du hast Recht. Du warst mir immer eine gute Freundin, Ellie.“ „Danke Aki, ich könnte nichts anderes über dich sagen.“ „Hast du noch einen letzten Wunsch?“ „Jetzt reichts!“ Mit Schwung packte Lauri Ellie und warf sie sich über die Schulter. Glücklicherweise waren um diese Uhrzeit fast keine Menschen in der Ankunftshalle und Akis Kreischies waren nur erfunden. „Lass mich runter, du hebst dir nochn Bruch!“ „Dich Fliegengewicht schaff ich doch mit links.“ „Lauri!“ Sie trommelte wütend auf seinem Rücken herum und versuchte frei zu kommen. „Ich finds ja schön, wenn du meinen Namen sagst, aber langsam weiß ich wie ich heiße.“ Abrupt drehte er sich um und suchte Eero, der grinsend hinter ihnen lief. „Kannst du bitte unser Gepäck mitnehmen, Eeroschatz, ich muss die Kleine hier entsorgen.“ „Kein Problem.“ „Seit wann nennst du ihn Eeroschatz?“ „Seid du dich mit Schlampen- Aki über mich lustig gemacht hast.“ „Rauchen macht impotent! Sie sollten aufhören zu rauchen, wenn die Zigarette danach besser ist als der Sex davor.“ „Schon klar, Schätzchen, schon klar.“ „Muss Liebe schön sein.“ Sagte Eero grinsend und schob sich noch eine Hand voll Bärchen in den Mund. Er mochte Ellie, aber von seinem Ich-liebe-sie-Trip war er entgültig runter. Sie war ihm zu . . . keine Ahnung, auf jeden Fall passte sie zu Lauri, wie Ketchup zu Pommes. „Mhm.“ Aki sah den Beiden nachdenklich hinter her. Ellie lachte und zwickte ihn in die Seite. Ein paar Meter weiter blieb er stehen ,ließ sie herunter und küsste sie. Als er merkte, wie er sich mit dem Gedanken beschäftigte, wie sie wohl küsste, haute er sich in Gedanken eine runter und stellte sich neben Eero an das Gepäckband.


Kapitel 56

Lauri stand vor Ellie, hatte seine Arme um ihren Körper geschlungen und seinen Kopf auf ihre Schultern gelegt. Leise seufzte er auf küsste kurz ihre Haare. „Ich will nur noch ins Bett.“ „Mit mir?“ „Nein, mit Aki, der Schlampe.“ „Na danke.“ „ Gern geschehen.“ Er löste sich ein wenig von ihr, um ihr in die Augen sehen zu können. Gerade in diesem Augenblick kreischte es am anderen Ende der Hale auf. „LAAAUUURIIIIIIIIIII!!!!!“ „Nein, nicht jetzt, gleich fang ich an zu heulen.“ ”Och, Schatz, ich steh auf Männer mit Gefühlen.” „Ich bin nicht schwul.“ „Macho!“ „In die Ecke.“ Schnell schubste er sie in einen dunklen Gang und drückte sie an die Wand. Überrascht sah sie ihn an und musste dann anfangen zu grinsen. „Sehr erotisch.“ „AKI, ICH LIEBE DICH!“ „Meine armen Jungs.“ „Na los, raus, unterstütz sie!“ Herausfordernd zwickte sie ihn in die Seite. „Sonst muss ich immer herhalten, heut können die das auch mal alleine.“ „Genau!“ „Mach dich nicht über mich lustig.“ „Würd ich nie wagen.“ „Lass uns verschwinden, sonst wird ich heut noch ungemütlich.“ „Das will niemand.“ Verhaltend lachend gingen sie den dunklen Gang entlang, und gelangten schließlich zum Gepäckband für die Crew. Die kleine Halle war nur schwach erleuchtend, alles war still, bis auf das dumpfe Rauschen der üblichen Flughafengeräusche, das aus der Ferne an ihre Ohren drang. „Mir gefällts hier nicht.“ Sagte sie leise und ergriff seine Hand. Grinsend zog er sie in eine Ecke hinter dem Band, wo er auch ihre zweite Hand nahm und sie an sich zog. „Keine Angst.“ „Ich hab keine Angst, ich finds nur unheimlich hier.“ Erwiderte sie trotzig und ließ ihre Blicke durch den Raum schweifen. Sie hasste verlassene Orte mit wenig Licht. Sei es eine baufällige Ruine, ein verlassener Raum oder gar ein leerstehendes Haus. Und trotzdem zogen sie diese Plätze magisch an. Sie liebte den leichten Adrenalinkick ,den man bekam, wenn man allein dort herumschlich. „Hier finden sie uns wenigstens nicht.“ „Mhm.“ Langsam ließ sie sich an der gekalkten Wand heruntergleiten bis sie auf dem Boden saß, so hatte sie alles im Blick. Erst jetzt fiel ihr auf, dass an der gegenüberliegenden Seite noch eine Art Pförtnerhäuschen stand. Es stand sehr entfernt von der schwachen Lichtquelle im Raum und so konnte man nicht erkennen, was sich darin befand. Es warf einen dunklen Schatten auf den Boden hinter ihm. Lauri beobachtete mit hochgezogenen Augenbrauen, wie sie die Beine an sich zog und ihr Kinn darauf abstützte. So kannte er sie gar nicht, unsicher ja, aber ängstlich, nein, niemals hatte sie auch nur einen Hauch davon gezeigt. Langsam ließ er sich neben ihr nieder, ohne den Blick von ihrem Gesicht zu nehmen. Ruhelos schossen ihre Augen hin und her, blieben am Anfang des Ganges hängen, durch den sie gekommen waren. „Irgendwas stimmt hier nicht, da kommt irgendwer.“ Flüsterte sie mit Unbehagen in der Stimme. Angestrengt lauschte er, konnte aber weder Schritte noch Stimmen hören. Plötzlich stieß sie einen spitzen Schrei aus, sprang auf die Beine und rannte davon. Ein paar Sekunden später warf sie fast Aki um, der ihr hinter einer Kurve entgegenkam. „ Nicht so stürmisch, sag bloß, du hast Lauri entsorgt und wolltest den Mord durch ein paar Kreischies vertuschen.“ Lachen hielt er sie an den Schultern fest. Ellie jappste und drehte sich vorsichtig um, als Lauri auf sie zugeschlendert kam, mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Wissend hatte er die Hände in Hosentaschen gesteckt und musterte sie von oben bis unten. „Das Gepäckband ist angegangen.“ „Was? Und deswegen kriegst du so nen Anfall? Du bist ja gerannt, als wer der Gemüsemann hinter dir her.“ „Ich bin halt erschrocken.“ Brummelte Ellie verschämt und machte sich von ihm los. „Jetzt hab ich auch was, womit ich dich aufziehen kann.“ Fröhlich pfeifend ging er neben den anderen Beiden zurück in die große Ankunftshalle. „Das war übrigens nicht nett von dir, uns einfach allein zu lassen, mit den Kreischies. Die wollten die ganze Zeit wissen, ob dieses schreckhafte Häschen hier deine Freundin is.“ „Halt die Klappe, oder ich kastrier dich.“ „Mein Gott, du bist der OSTERHASE!“ Wütend verengte sie die Augen zu Schlitze und visierte Akis Hinterteil an, um mal kräftig reinzutreten, doch Aki sprang lachend zur Seite und sang vor sich hin. „Ellie ist der Osterhase, trallallallalla.“ „Argh!“ Nun musste sie doch lachen und setzte ihm nach. Dass er keinen Sport trieb, verschaffte ihr einen großen Vorteil und so konnte sie ihm nach ein paar Metern seine Mütze vom Kopf reißen und damit davon rennen. „WER WILL HAKALAS STYLISCHE KOPFBEDECKUNG? MIT 10 MILLE SEID IHR DABEI!“ Unglücklicherweise stolperte sie über einen am Boden liegenden Wischmob, sodass Aki sie packen und ihr die Mütze abnehmen konnte. „ Du kleines, gemeines Biest.“ „Och, Aki, ich hab dich auch lieb.“ Für einen kurzen, magischen Moment bildete er sich ein, dass sie ihm genauso in die Augen sah, wie sie es bei Lauri immer tat. So nachsichtig und liebevoll. Aber eben nur für einen kurzen Augenblick. Denn Lauri hatte sie Bereits wieder eingeholt und sich Ellie unter den Nagel gerissen. „ Bist du böse auf mich?“ flüsterte er ihr zärtlich ins Ohr. „Ach Quatsch.“ Erwiderte sie etwas verlegen, ließ es aber dann doch zu, dass er seinen Arm um sie legte und ihr erzählte, wie dumm sie ausgesehen hatte. Ein weiterer Grund, warum er sie sosehr mochte, sie wahr so gut wie nie beleidigt und konnte über sich selbst lachen. In seiner Fröhlichkeit ausgebremst trottete Aki hinter ihnen her und gesellte sich dann so schnell wie möglich zu Eero, der bereits ungeduldig wartete.

Kapitel 57

(Lauri)

Es ist schon dunkel draußen. Es brennt absichtlich kein Licht, außer bei Ellie im Badezimmer, nachdem sie in die dusche gestolpert und sich den Kopf angeschlagen hat. Ich muss grinsen, meine Freundin flucht besser als ich. Müde grabe ich mich tiefer in den Berg aus Kissen, Decken und Klamotten, der bei mir auf der Couch liegt, seit sie bei mir wohnt. Ich hoffe dass sie bald fertig ist und zu mir kommt. Die Bilder flimmern unablässig über den Bildschirm, teilnahmslos verfolge ich, was passiert. Eigentlich interessiert mich der ganze Scheiß überhaupt nicht, doch ohne das blöde Ding fühle ich mich so allein. „Elliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiie!“ quengle ich und warte auf eine Antwort. Stattdessen höre ich nur das leise Plätschern von Wasser, Himmelherrgott, gleich penn ich weg. Leicht beleidigt schließe ich die Augen und genieße die wohlige Wärme, die mich umgibt, bis in eine Art Trance, die mich Zeit und Ort vergessen lässt. Ein paar kalte Tropfen auf meinem Gesicht holen mich in die Realität zurück. Sie steht vor mir, ihre Haare sind nass. Ihre Wangen sind frisch und rosig, einzelne Strähnen hängen ihr ins Gesicht. Sie knufft mich und versucht ihr klar zu machen, dass ich ein bisschen rutschen soll, doch stattdessen hebe ich meinen Arm und lasse meine Finger über den seidigen Stoff ihres Oberteils gleiten. Sonst trägt sie nichts, na ja, fast nicht, ein knappes Höschen, mehr kann ich nicht erkennen. Mir fällt auf, dass sie heute deutlich mehr im Ausschnitt hat als sonst. Das sage ich ihr auch, schläfrig und gedankenlos wie ich bin. Eine andere Frau hätte mir eine gescheuert, Ellie grinst versaut und setzt sich neben mich. Sie nimmt meine Hände und legt sie auf ihr Shirt. Schnell ziehe ich sie wieder zurück und sehe sie verwirrt an. „Das fühlt sich total eklig an.“ Stell dieses Grinsen ab, Süße, du machst mich so verdammt geil damit. Langsam fährt sie mit den Händen ihren Körper hinab, nur um schließlich das lästige Kleidungsstück loszuwerden. Ich versteh immer noch nur Bahnhof, obwohl ich froh bin, dass so viel Stoff auf mir herumliegt. Hab ich ihr schon mal gesagt, wie hübsch sie eigentlich ist? Egal, ich tus jetzt jedenfalls. Nein, Schatz, dieses Lächeln ist auch nicht besser, ich möchte dich, und nur dich. Ich kann mir beim besten willen nicht vorstellen, dass eine andere Frau ihrerstatt meine Hände nehmen und sie wieder auf die gleiche stelle legen könnte. Ähh, wie kann man sowas nur tragen? Ich bin schwer von begriff, sagst du? Macht nix, komm her. Man, du bist müde, Alter. Müde, soll ich’s dir buchstabieren? Oh, ich kann einfach nicht anders, ich muss sie einfach anfassen, mich ein wenig über den blöden Verschluss ärgern. Eigentlich will ich es doch gar nicht, ich will nur, dass sie bei mir ist. Ja, Süße, ich mag es, wenn du mich in den Arm nimmst. Es kommt so selten vor, weil ich immer schneller bin. Manchmal hab ich Angst, dass ich dir zu aufdringlich bin, fühle mich wie ein kleines, ungeduldiges Kind neben einer erwachsenen Frau. Meistens jedoch führen wir uns beide auf wie ein paar pubertierende Teenager, mit dem Unterschied, dass du von einer Minute auf die andere auf ernst schalten kannst, und mir dann immer so giftige Blicke zuwirfst, wenn ich weiter rumalbere. Das tut manchmal ziemlich weh. Ich will, dass du mich ernstnimmst und dass du mich brauchst, sonst nix, außer, dass du mich liebst vielleicht. Langsam check ich’s, hab ja auch lang genug an dir herumgefummelt. Ich werfe dir einen vorwurfsvollen Blick zu, lass dir aber dein Schummelteil. Ich glaube du verstehst mich, oder? Ja, du wühlst dich durch den Haufen von Kissen, bis ich deine Haut spüren kann. Oh, mein Gott, nimm deine Hand von meinem Gesicht. Ich kanns nicht ertragen, wenn du mich streichelst. Verzweifelt versuche ich, dich durch einen heftigen Kuss zu stoppen. Argh, wie oft soll ich s noch sagen? Nimm deine Hände von mir, von meinem Bauch, meinem Oberkörper . . . Tut mir leid, ich sehe wahrscheinlich nicht so aus, als würde ich wollen, dass du aufhörst. Ich rede mit mir selbst, was kann ich erwarten? Du kannst nicht wissen, dass du aufhören sollst, wenn bei jeder Berührung ein Schauer über meinen Körper geht. Es ist vorbei, du weißt mal wieder was ich will und kuschelst dich einfach an mich, ohne mich noch mehr zu reizen. Mein Handy klingelt, leckt mich am Arsch. Schläfst du etwa schon? Nein, sonst würdest du mich nicht so liebevoll anlächeln. Es löst etwas in mir aus, dass man nur mit dem Wort Glück beschreiben kann. Pures Glück, dass du bei mir bist, dass ich nicht mehr allein bin auf dieser gottverlassenen Welt. Ich glaube, dieser Moment ist der Höhepunkt unserer Zweisamkeit, so nahe waren wir uns noch nie zuvor, nicht einmal in dieser einen Nacht. Es wundert mich nicht mehr, dass meine Beziehungen vor dir so schnell in die Brüche gegangen sind. Nur du kannst mir das geben, was ich brauche. Wenn du gehst, muss ich sterben.

Kapitel 58

Dürftig bekleidet steht sie im Badezimmer, meinem Badezimmer. Der kleine Schrank vor ihr ist geöffnet, sie sucht etwas, scheint es nicht zu finden. Sie hat den Körper einer Nutte, fällt mir gerade auf. Sie ist es nicht wert, geliebt zu werden. Sie ist nur für einen einzigen Zweck auf der Erde: nämlich Sex, nichts sonst. Lässig lehne ich in der Tür, die Arme vor der Brust verschränkt und sehe ihr zu, wie sie sich auf die Zehenspitzen stellt, um in die höheren Regale greifen zu können. Ihr Bauch erscheint mir flacher als je zuvor, ihre Beine unglaublich lang. Die Hurenwäsche bringt ihre weiblichen Reize hervorragend zu Geltung, unverschämt beobachte ich sie wie sie sich streckt. Ich hab genug gesehen, sie hat für mich da zusein, und nicht, um in meinen Sachen herumzuwühlen. Ein paar Dinge fallen aus dem Schrank, sie fängt sie geschickt auf. Ja, beug dich noch ein bisschen, Baby. Sie hält ein paar Rasierklingen in der Hand, meine Rasierklingen. Die Lust treibt mich dazu, einen großen Schritt auf sie zu zugehen und sie an den Handgelenken zupacken. Überrascht sieht sie mich an, ich erwidere ihren Blick nicht, sondern sehe ganz wo anders hin. Die Klingen nehme ich ihr ab und lege sie neben mich. Brutal drücke ich sie ans Waschbecken und habe sie ein Stückchen hoch. Sie ist zu verblüfft, um sich zu wehren. Willenlos läst sie es zu, dass ich mich an sie presse und ihr einen wilden Kuss schenke. Es spricht keine Liebe daraus, nur pures Verlangen. Langsam erwacht ihr widerstand, sie versucht sich gegen mich zur Wehr zu setzen, macht mich heiß. Sie ist so eine verdammte Nutte. Kalt grinsend fasse ich ihr an den Hintern, drücke immer fester zu, bis ihr eine Träne die Wange hinunterrinnt. Ihre Augen fragen mich flehentlich, was in mich gefahren ist, ich weiß es doch selbst nicht. Ich hauche ihr mit meinem rauchigen Atem herzlos ins Gesicht und versuche ihren Slip zu zerreißen. Ich spüre in ihrem Körper die siedende Wut hochsteigen, im nächsten Moment versucht sie mich zu treten. Ich umfasse ihre Handgelenke fester und drücke sie auf den kalten Stein, genieße es, wie sie leidet. Ein schlabberiger Kuss, während ich erneut versuche, den Fetzen von Kleidung loszuwerden. Für einen Moment bin ich unachtsam, sie reißt sich los und schmiert mir eine. Gepackt von kalter Wut packe ich eine von den Rasierklingen und halte sie ihr an den Hals. Fragen sehe ich sie an, doch sie lässt nicht zu, dass ich mich an ihr vergreife. Die Tränen laufen nun unablässig ihr schönes Gesicht hinab. „Du hast es so gewollt, Schlampe.“ Ich spann meinen Muskeln an, im nächsten Moment rinnt ihr warmes blut an meiner hand herunter. Langsam sinkt sie zu Boden, presst ihre Hände an den Hals, schließlich erlahmen ihre Bewegungen und die bleibt leblos liegen. Jetzt könnte ich ungestört meinen Spaß an ihr haben, doch ich wende mich angewidert um und lasse sie liegen. Ich will sie nicht mehr, sie hat sich gewehrt.

Dunkelheit um mich herum, ich fühle mich wieder normal. Die hemmungslose Kälte scheint meinen Körper verlassen zu haben. Ich ertappe meine Augen, wie sie es gewagt haben, ein paar Tränen über meine Haut zu schicken, sie schmecken salzig auf meinen Lippen. Ich bin immer noch verwirrt, weiß nicht, wo ich bin, was passiert ist. Ich fühle nur eine unendliche Traurigkeit in mir, die droht, mich innerlich aufzufressen. Ich weiß, dass ich selbst daran schuld bin, aber ich weiß nicht, wieso. Langsam beginne ich mich zu erinnern, es ist merkwürdig, ich kenne jedes widerwärtige, abscheuliche Detail. Warum tue ich so etwas. Wie soll ich jetzt weiterleben, warum tue ich mir das an. Ich drehe den Kopf zu Seit, als ob vor mir etwas stünde, dass ich nicht sehen will. Ich habe schon lange nicht mehr geweint, geflennt wie ein kleines Mädchen. Ich kann es nicht verhindern, außerdem tut es gut. Mein rücken beginnt zu schmerzen und ich drehe mich auf die andre Seite. Ihr Gesicht ist halb von ihren Haaren verdeckt, trocken sind sie jetzt, glatt und seidig, sie muss die geföhnt haben, außerdem trägt sie wieder ihr T-Shirt. Unwillkürlich fasse ich ihr vorsichtig an de Hals, kann ihren gleichmäßigen ruhigen Atem spüren. Es ist als ob eine Blume in mir aufblüht, mir wird alles klar und ich kann Ordnung in mein krankes Hirn bringen. Es war nur ein Traum, ein kleiner, widerwärtiger Traum, der mir immer noch Angst macht. Irgendwo her muss ich diese Gedanken doch haben. Sanft lege ich meinen Arm auf ihren Rücken und schließe die Augen, in der Hoffnung, noch ein paar Minuten Schlaf zu finden.

Kapitel 59

Die nächsten Tage verlaufen ziemlich ereignislos, es gibt wenig Interessantes darüber zu sagen. Es ist Ende Januar, wird Februar, März. Ellie und Mary ,die beiden Verrückten Hühner haben sich in den Kopf gesetzt, ein eigenes Unternehmen aufzuziehen. Meine Süße sitzt jetzt mindesten fünf Stunden täglich am PC und macht Buchhaltung, Papierkram und lauter solche Sachen, von denen ich keinen blassen Schimmer habe. Vielleicht habe ich es diesem neuen Job zu verdanken, dass wir uns noch nicht verkracht haben. Diese widerwärtigen Träume verfolgen mich jetzt fast jede Nacht, ich habe langsam keine Lust mehr Schlafen zu gehen. Mir gehen die Ausreden aus, warum sie nachts nicht bei mir sein kann. Ich habe Angst um sie. Ständig denke ich, ich könnte ihr wirklich etwas antun, ertappe mich bei dem Gedanken, wie es wohl am schnellsten gehen könnte. Die neueste Version spielt sich folgendermaßen ab:
Wir sind an einem Baggersee, es ist ziemlich heiß und sonnig. Sie springt auf und versucht mich zu tauchen, ich lache und schmeiße sie zurück ins Wasser. Das geht eine ganze Weile so, ich wage es kaum zu glauben: mal ein schöner Traum. Aber es ist merkwürdig, dass niemand sonst hier ist, und dass wir uns am Ufer aufhalten, die Bäume hängen ihre Äste weit ins Wasser, sodass sie eine Art natürliches Dach bilden. Gerade habe ich meine Hände auf ihren Schultern, als mich wieder dieses kalte, blinde Gefühl packt. Ich ziehe die Mundwinkel zu einem Lächeln hoch, will nicht wissen, wie schleimig das aussehen muss. Mein Griff wird fester, ihr Blick erstaunt und ängstlich zugleich. Vorsichtig versucht sie sich von mir loszumachen, doch ich ziehe sie mit mir ins tiefere Wasser, immer noch dieses gespielte Grinsen auf den Lippen. Hier müsste es gehen, es ist tief genug. Mein Gesicht erschlafft, ist ausdruckslos als ich mein Gewicht auf meine Arme verlagere und sie nach unten drücke. Ich spüre ihre verzweifelten Versuche wieder an die Wasseroberfläche zu gelangen, doch es lässt mich kalt und ich verwende meine gesamte Kraft darauf sie unten zu halten. Durch ihr sinnloses Herumgezapple geht das ganze schnell von statten und ich spüre, wie ihre Bewegungen erlahmen. Angewidert lasse ich sie los und schwimme schnell zurück ans Ufer, steige aus dem Wasser und gehe davon, eine neue Melodie im Kopf.
Oder dieser Traum, er ist der Gipfel dessen, was mein kranker Verstand nachts mit mir anstellt :
Ich verlasse das Gebäude, drinnen tobt immer noch die wilde Party. Der Asphalt ist nass und glänzt matt unter dem Licht der schwachen Beleuchtung. Mein Kopf fühlt sich schon leicht schummrig an, aber ich kann noch geradeaus gehen und klar denken. Ich nicke dem Securitymann zu, der prüfend auf meinen Backstagepass schielt. Es regnet immer noch, und langsam werden meine Haare schwer, hängen schlapp auf meinen Schultern. Wieso eigentlich? Und warum sind sie braun? Es ist eine merkwürdige Art sich zu bewegen, wenn man das Geschehen aus dem Körper einer Frau betrachtet. Langsam beginne ich zu verstehen. Ich bin Ellie. Ich kann sie nicht beeinflussen, etwas zu tun, ich bin nur stiller Beobachter, kann sehen und fühlen, was sie sieht und fühlt. Langsam schlendere ich hinüber zum Tourbus und freue mich, dass keine Groupies vor der Tür stehen. Ich krame den Schlüssel heraus, sperre auf und rette mich in die wohlige Wärme. Der Regen prasselt nun so stark an die Fenster, dass der Raum von diesem Geräusch erfüllt ist, leider, sonst wäre ich/sie vielleicht nicht weitergegangen. So tappe ich weiter durch den dunklen Bus, bis ich zu den Betten komme. Was ich dort sehe, verschlägt mir glatt den Atem. Ich liege dort, halb nackt, mit einer blonden Tusse, die mich/sie herablassend angrinst. Sofort mache ich auf dem Absatz kehrt und renne nach draußen. Jemand ruft meinen Namen, doch ich drehe mich nicht um. Die Tränen auf meinem Gesicht vermischen sie mit dem kalten Regen, der unbarmherzig auf mich niederprasselt. Blind vor Enttäuschung und Wut rase ich einfach in irgendeine Richtung davon bis ich Aki sehe, wie er lachend auf mich zukommt. Noch kann er nicht sehen, dass ich heule wie die Niagarafälle, deshalb ändere ich erneut abrupt die Richtung. „Hey, Ellie, wasn los?“ Zu spät. Er ist bei mir und dreht mich um, sodass er mein Gesicht sehen kann. Sein fröhliches Grinsen erstirbt. „Süße, was ist denn passiert?“ Wie redet er mit mir/ihr verdammt noch mal? „Er . . . er, diese Schlampe . . .“ schluchze ich und schlage die Hände vors Gesicht. Vorsichtig nimmt er mich in den Arm und streicht mir beruhigend über den Rücken. Das schlimmste an der Sache ist, dass es gut tut, und dass ich etwas für Aki empfinde, das über eine normale Freundschaft hinausgeht.
Wie habe ich damals zu ihr gesagt, im Flugzeug? Ach ja, ich würde dich nie betrügen, sowas würde ich niemals tun. Scheiße, scheiße, scheiße. . . Wenn das so weiter geht ,verliere ich sie wirklich noch. Aber was soll ich tun? Ich will sie beschützen, vor mir selbst, ich kann ihr keine Nähe geben, und das macht mich krank.

Kapitel 60

Morgens früh um 10. Scheiß Gören, mich ficken wollen und mir dann nicht mal ne Mütze voll Schlaf gönnen. Ich hätte übel Lust, das Fenster aufzureißen und denen gehörig die Meinung zu sagen, aber ich darf nicht, es geht um die Band und die Weiber da draußen kaufen unsere Platten. Mürrisch werfe ich die Decke zur Seite und setzte mich auf die Bettkante. Müde wische ich mir mit den Händen über das Gesicht und stehe schließlich auf, um Ellie suchen zu gehen. Ich kann etwas Aufheiterung gebrauchen. . . Scheiße, hoffentlich ist sie oben, ich hab keinen Bock in Boxershorts an ein paar kreischenden Mädchen vorbeizulaufen, wo ich doch meine Liebe suche.
Tür auf, den kurzen Gang entlang. Ja sie ist da, leider nicht ansprechbar. Der Bildschirm hat sich bereits selbst ausgeschalten, die Tastatur muss als Kissen herhalten. Soll ich oder soll ich nicht? Ich hatte diese nacht keinen Traum, und ich sehne mich danach, dass alles so wird wie früher. Ach was solls, was soll schon passieren? Lautlos schleiche ich mich an sie heran bis ich dicht hinter ihr stehe. Da fällt mir plötzlich etwas ein. In mich hinein kichernd krame ich meine alte Screammaske aus meinem Schrank und ziehe sie mir über den Kopf. Oh, ich bin ja so böse, sie wird mich zerfleischen. Wieder stelle ich mich hinter sie und hole noch einmal tief Luft, bevor ich sie in die Seite zwicke und laut „Buh!“ rufe. Aufgeschreckt fährt sie herum und starrt mich kurz entgeistert an. Dann fängt sie an zu kreischen und will von ihrem Stuhl aufspringen, doch ich halte sie fest und breche in Gelächter aus. Das hätte ich wahrscheinlich nicht tun sollen. „ Du mieses . . .“ Aua, das war mein Hintern. „. . . kleines, fettes . . .“ das tut weh, süße! „. . . .SCHWEIN!“ Jetzt hat sie mich in die Ecke gedrängt und reißt mir meine schöne Maske vom Kopf. Ich kann nicht mehr tun als dämlich grinsen. „Das war nicht nett, von dir, Laurischatz, gar nicht nett.“ „Seid wann bin ich nett, meine kleine, geile . . .“ „Oh, hör doch auf. Für einen Macho hast du nicht die nötigen Muskeln.“ „WAS? Ich geb dir gleich!“ „Einen Kuss?“ „Nö, nen Tritt in den Hintern, nachdem du meinen so beschädigt hast.“ „ Strafe muss sein.“ „ Streberin.“ „Döspaddel.“ „Hä?“ „Mussu nich verstehn.“ „Dann is ja gut. Is noch irgendwas? Meine Chikas warten da draußen.“ „ Mein Kuss!“ „Ah ja . . .“ Sanft sehe ich ihr in die Augen und ziehe sie dann an mich, um sie zu küssen. Lächelnd legt sie ihre Arme um mich, ich kann die Wärme auf meiner Haut spüren. In dem Augenblick, als sich unsere Lippen treffen, durchfährt mich ein Schock. Kälte breitet sich in mir aus, übernimmt die Kontrolle über meine Arme, die sie ungewöhnlich fest packen. Verzweifelt kämpfe ich dagegen an, schaffe es nicht. So habe ich sie noch nie geküsst, so hart und lieblos. Mein Körper fühlt sich an wie Stahl, unverletzbar und eisig. Es kommt mir vor, als sei jeder einzelne meiner Muskeln aufs äußerste gespannt. Aufreizend streiche ich mit der Zunge über ihre Unterlippe und lasse meine hand an ihrem Rücken hinuntergleiten. Ich fühle ,wie sie sich verspannt, sie tut aber nichts gegen mich, weil sie mir immer noch vertraut. Ein Teil von mir beobachtet das Geschehen aus der Ferne, dort bricht auch die Panik aus, die verzweifelte Suche nach Rettung. Für einen kurzen Moment gewinne ich die Kontrolle zurück und stoße sie von mir weg.
Alles ist wieder wie vorher. Keuchend stehe ich in der Ecke und bin fassungslos über das ,was ich gerade getan habe. Hat sie es überhaupt bemerkt? Ihre Augen sind fast ausdruckslos, ich kann nicht erkennen ,was sie fühlt. Sie hat mir etwas zu sagen, und sie wird mich nicht gehen lassen, bevor ich weiß, was es ist.
„Weißt du Lauri, wenn du keinen Bock mehr auf mich hast, dann sags einfach, aber halt mich hier nicht länger hin. Du schubst mich aus deinem Leben, nur um dann wieder einen auf heile Welt zu machen. Wenn du ne andere hast, dann will ich’s jetzt wissen, tu mir lieber einmal richtig weh, statt mich andauernd zu quälen.“ Sie zittert leicht, als sie die Arme verschränkt und versucht, ihre aufgesetzte Gelassenheit zu bewahren. Ich kenne sie so gut, wie kann sie nur denken, dass sie mir etwas vormachen kann?
Jetzt ist also der Zeitpunkt gekommen, an dem meine kranken Träume Einfluss auf mein Leben nehmen. Ich hab sie zwar schon seit längerem vernachlässigt und von mir fern gehalten, um sie zu schützen, aber nun ist der Knoten geplatzt und sie hat beschlossen, sich von mir nicht weiter an der Nase herumführen zu lassen. Was soll ich sagen? Ellie, es ist nur so, dass ich dich jede Nacht umbringe, und fast hätte ich es jetzt wirklich getan? Aber mach dir keine sorgen, das wird schon wieder? „Ellie, ich . . . es ist nicht so wie du denkst . . . du verstehst nicht . . .“ Hilflos versuche ich ihre Hand zu nehmen, doch sie zieht sie fast angewidert weg. „ Lass mich . . .du hast Recht, ich verstehs wirklich nicht.“ Mit diesen Worten dreht sie sich um und geht nach unten, lässt mich allein. Langsam rutsche ich an der Wand hinunter, bis ich auf dem Boden hocke. Zusammengekauert wie ein kleines Kind, das den weg nach Hause nicht mehr findet.

Kapitel 61

Der fünfzehnte März. Draußen tobt der Sturm, dass man meinen könnte, das Haus fliegt gleich davon. Eine dunkle Wolkenwand schiebt sich langsam über die Stadt und verdeckt die schwache Frühlingssonne. Es ist mir ziemlich egal, dass es dunkler wird, ich mach das gleißende Sonnenlicht sowieso nicht so sehr. Wir hatten gerade Bandprobe und hocken jetzt hier bei mir auf dem Sofa, Eero trinkt Tee, Ellie ihren geliebten Cappuccino, der Rest von uns einfachen schwarzen Kaffee. Es passt mir überhaupt nicht, dass sie neben Aki sitzt und ihn bei jedem Wort, das er sagt, anhimmelt, als wäre er eine 20Kiloschokoladentafel mit Zuckerguss. Aber was soll ich machen? Ich muss ja froh sein, dass sie sich überhaupt noch in meiner Nähe aufhält, so, wie ich sie behandle. Ich kann es ihr unmöglich sagen, denn sie wird mich entweder für verrückt erklären oder es als faule Ausrede abstempeln. Also muss ich es eben ertragen, wie meine Freundin bei jeder Windböe näher an meinen besten Freund heranrutscht. Ihm scheint das ja auch nicht besonders viel auszumachen. Was soll das eigentlich? Ne Art Strafe oder sowas? Das passt nicht zu ihrem Stil.
Dabei ist sie der Grund, warum wir hier zusammensitzen. Keiner der Jungs hat was von unsrer „Beziehungskrise“ mitbekommen, bisher jedenfalls. Alle schnattern durcheinander, es geht um ihre Geburtstagsparty heute Abend. Nur ich sitze in meinem Lieblingssessel, schlürfe meinen lauwarmen Kaffee und schiele auf das kleine Sofa hinüber, auf dem Aki und Ellie sitzen und eine Alkoholliste schreiben. Niemandem scheint es aufzufallen, dass sie nicht auf meinem Schoß sitzt und mich zum Lachen bringt, keiner merkt, dass ich ausnahmsweise mal meine klappe länger als drei Minuten halte. Sie sind alle viel zu aufgekratzt wegen der Fete. Na das kann ja heiter werden. Am besten ich saufe mich gleich in der ersten halben Stunde dermaßen zu, das ich den Rest nicht mehr mitkriege. Guter Plan , Lauri, und das aus deinem geisteskranken Verstand, Respekt !
Unser neues Milleniumpaar erhebt sich, ich glaub, ich brauch ne Flasche Wodka. „ Wir gehen dann mal einkaufen.“ Aki freut sich wie ein Keks. Kein Wunder, ich freu mich auch, wenn sie so nah bei mir steht. „Kommste mit, Alter?“ Seh ich so aus? „Ne, lass mal.“ Ich klammere mich an meiner Tasse fest und hoffe, dass mich niemand dazu zwingt, mitzukommen. Das halt ich nicht aus. Er zuckt nur mit den schultern und folgt ihr Richtung Haustüre. Warum tut sie mir verdammt nochmal so unheimlich weh? Sie weiß doch, dass ich chronisch eifersüchtig bin, selbst, wenn ich keinen Grund dazu habe. Und so wie sich an Schlampen- Aki ranschmeißt, muss sie sich ja erhoffen, dass ich dran kaputt gehe. Vielleicht haben meine Träume ja Recht, und sie ist wirklich so ein Flittchen, das es nicht besser verdient hat . . . Nein, ich liebe sogar den Boden, über den sie geht.
(Ellie)

Ich weiß genau, dass das, was ich tue, nicht richtig ist, aber es tut gut, seine grünen Augen vor Eifersucht glühen zu sehen. Was will er überhaupt von mir? Er lässt mich nicht mehr in seine Nähe, küsst mich nicht mehr und nimmt mich nicht mehr in den Arm. Ich fresse meinen Frust eigentlich immer in mich hinein, das habe ich auch in dieser beschissenen Situation gemacht. Aber irgendwann ist das Maß voll, und wenn ich ihn dann frage, was der ganze Mist zu bedeuten hat, beteuert er nur immer wieder, dass er mich über alles liebt. Toll, schöne Art, das zu zeigen.
Aki wedelt mit der Hand vor meinen Augen herum. Ich hab gar nicht bemerkt, dass wir schon vor meinem Auto stehen. „Wenn du deinen fahrbaren Untersatz nicht mehr brauchst, dann lass mich fahren, aber mach um Himmelswillen die Tür auf, mir is arschkalt.“ „Kein Wunder, bei deinem Outfit. Du musst endlich lernen dich anzuziehen, Kind.“ Dann müsste ich auch nicht mehr auf deine geilen Oberarme starren, Süßer. Ich schüttle meine Sorgen über Ich-liebe-dich-aber-ich-behandle-dich-wie-Dreck-Lauri ab und schmeiße mich hinters Steuer, nicht ohne meine Jacke auszuziehen. Wenn schon, dann richtig. . . Nein, ich fühl mich ein Stück Scheiße, und ich will, dass er wieder bei mir sein will und für mich da ist, so wie früher.

Kapitel 62

Die Party ist in vollem Gange, Lauri hat sich schon am Anfang total zugesoffen und sitzt jetzt mit ein paar anderen Typen in der Ecke und grölt mit ihnen „What should we do with the drunken sailor?“ Ihm scheinst ja richtig gut zu gehen. Ich gehe durch den Raum und mixe mir an der Bar selber was zu trinken, der Barkeeper ist ebenfalls völlig im Arsch. So ,noch ein Schirmchen rein, fertig. Mit meinem Longdrinkglas in der Hand suche ich jemanden, der noch ansprechbar ist. Ah, da vorne ist ja Eero, er scheint aber gerade auf dem Sprung zu sein. Na ja, ich gehe trotzdem zu ihm rüber. „Hey, Eero.“ „ Oh, hi, Kleine. Nimms mir nicht übel, aber ich verschwinde jetzt dann mal. Die Sauferei is nix für mich.“ „Is schon ok. Machs gut.“ „Joa, du auch.“ Tür auf ,Tür zu, und weg ist die letzte Person in diesem haus, die noch ansprechbar ist. Ich hab aber auch keine Lust, mich mit Gin und Whiskey zu zukippen bis ich nicht mehr Bier her sagen kann. Am liebsten würde ich meine eigene Geburtstagsparty verlassen, ich fühl mich so scheiße wie schon lange nicht mehr. Seufzend lasse ich meinen Blick über die Horde ausflippender Menschen schweifen und trete dann den Weg zum Bad an, vielleicht kann ich mich da verstecken. Mist, Tür abgeschlossen. Mich packt die Wut, was soll das? Ich wohne immer noch hier, und ich hab ein Recht darauf, in mein Bad zu gehen, wann immer ich es will. Jetzt weiß ich wieder, warum ich früher nie auf Partys war . . . na ja, vielleicht auch deswegen, weil mich nie jemand eingeladen hat. Menschen tun einem immer weh, wie konnte ich das vergessen? In meiner Jugend war mir das immer bewusst gewesen. Lautstark hämmere ich gegen die Tür und brülle: „Fickt gefälligst draußen weiter, ich will da jetzt rein!“ Stille. „SOFORT!“ „Ja, ja is ja gut.“ Brummelt es von drinnen und die Tür wird geöffnet. Vor mir steht niemand anderes als Aki, mit seinem Laptop unter dem Arm. „ Oh, sorry, ich hab nicht gewusst, dass du . . .“ „ Mir is nich so nach Party heute, aber du scheinst ja auch noch den Umständen entsprechend nüchtern zu sein.“ „Darf ich rein kommen? . . . Arg, dumme Frage.“ „Äußerst dumm, aber bitte, herein in die gute Stube.“ Er macht eine einladende Geste und ich setzte mich auf den Boden, an die Badewanne gelehnt. „ Wozu brauchst du den Laptop?“ „Du lachst mich ja sowieso aus.“ Er setzt sich neben mich und schaut ein klein wenig verlegen zu Boden. Ahhh, nicht so na, Süßer. Das halt ich nicht aus. Ich kann seine Wärme durch mein dünnes Shirt spüren, er riecht gut, nicht nach kaltem Rauch, so wie Lauri. Lauri, mein Magen krampft sich zusammen, als hatte ich ein großes Stück Eis verschluckt. Ich bin realistisch genug gewesen, um zu wissen, dass es nicht ewig dauern würde, aber ich hätte niemals gedacht, dass er mich so grob verstoßen würde. Er ist immer so zärtlich und liebevoll mit mir umgegangen, und ich dumme Kuh hab ihm geglaubt, wenn er mir gesagt hat, dass er mich gern hat. Mit einem Ruck wende ich mich wieder Aki zu, der mich schon so merkwürdig anschielt. „ Tut mir leid, ich bin schon ein bisschen müde . . . ich lach nicht, versprochen.“ „Ehrenwort?“ „Ehrenwort.“

„Also, wie soll ich sagen . . . ich hab beim Chatten son Mädel kennengelernt und . . . ich find sie ziemlich nett.“ Er benutzte sie doch in Wirklichkeit nur dazu, um sich davon abzulenken, dass er Ellie niemals haben könnte, und dass wusste er ganz genau. „ Ja? Wie heißt sie denn?“ In ihrer Stimme schwand ein leichter Anflug von Eifersucht mit. Diese Tatsache erschreckte sie. Aki war Lauris bester Freund, und somit tabu, sie hätte sich schon längst die Gedanken an ihn verbieten sollen. „Ich kenn nur ihren Nick.“ „Und?“ „lady_district“ „ Was?“ „lady_district“ wiederholte er und bereute fast, ihr davon erzählt zu haben. Sie starrte ihn einen Moment lang an, sprang dann auf und eilte aus dem Raum. Diese Reaktion hatte er nun wirklich nicht erwartet, vielleicht empfand sie ja doch mehr für ihn, als er dachte . . . ach Schwachsinn. Er saß noch eine Weile auf den beheizten Fliesen und grübelte über ihre merkwürdiges Verhalten nach, dann wollte er gerade aufstehen, als sie wieder durch die Tür huschte, ihren Laptop unter den Arm geklemmt. Sie sah ihm nicht in die Augen, sondern hockte sich nur neben ihn und startete den Rechner. Hartnäckiges Schweigen, bis die Willkommensseite und das Virenprogramm geladen hatten. Dann klickte sie ihre Inbox an und drehte ihm den Bildschirm zu.
Ihn traf fast der Schlag, als er dutzende von Mails lesen konnte, die er selbst geschrieben hatte. Jetzt wusste sie sogut wie alles über ihn. Seine Ängste, seine Schwächen, und vor allem seine Zuneigung zu ihr. Hektisch überlegte er, ob er der lady etwas über Ellie erzählt hatte. Nein, er hatte sie nie erwähnt, wohlaber hatte er ihr gesagt, dass er sie mochte. Er grübelte noch ein paar Augenblicke über das nach, was er ihr preisgegeben hatte, dann fiel ihm plötzlich ein , dass sie ihn immer wieder abgewiesen hatte, weil sie einen Freund hatte. Einen Freund, der sie ständig auf Distanz hielt und nicht mehr an sich heran ließ. Warum war ihm das nicht schon früher aufgefallen? Seid diesem Schweiztrip hatten die beiden nie mehr so aneinander geklebt wie früher. Er hatte nur Augen für sie gehabt, und trotzdem hatte er nie bemerkt, wie scheu und in sich gekehrt sie geworden war. Sah sie denn nie Lauris sehsüchtige Blicke, wenn sie an ihm vorbeiging? Fiel es ihr nicht auf, dass er nie anderen Mädchen hinterher sah, sich verhielt, als wäre er schwul geworden? Aki kannte seinen Freund lange genug um zu wissen, dass es keine andere oder gar verlöschende Liebe war, die ihn dazu anhielt, sie auf Abstand zu halten. Es musste etwas viel komplexeres sein, was da in seinem verdrehten Musikerhirn vorging.
Völlig durch den Wind sah Aki auf. Er konnte sich nicht gleichzeitig um sein Verhältnis zu Ellie kümmern und gleichzeitig versuchen, deren Beziehung mit Lauri zu retten, er war schließlich auch nur ein Mensch. Draußen tobte immer noch der Sturm, genau das, was er jetzt brauchte. „ Gehen wir ein Stück?“ fragte er leise und reichte er die Hand. „Mhm.“ Sie stand auf und folgte ihm nach draußen in die regnerische, stürmische Nacht.

Kapitel 63

Waren es Minuten oder stunden, die sie neben ihm durch die leergefegten Straßen Helsinkis lief? Ellie wusste es nicht. Der kräftige Wind hatte jeglichen Gedanken aus ihrem Kopf gepustete und erlöste sie somit für kurze Zeit von ihren Problemen. Ihre langen Haare hingen schlapp auf ihren Schultern, teilweise bekam sie eine Strähne ins Gesicht ,die dann wie festgeklebt an ihren rosigen Wangen hing. Langsam sickerte das kalte wasser durch ihre dünne Jacke und ließ sie erschaudern. Trotzdem wollte sie nicht aufhören. Sie wollte nicht , dass diese wunderbar dunkle nacht von der Sonne verdrängt wurde und dass der kalte Regen milder Frühlingsluft wich. Am liebsten hätte sie sich an eine Hausmauer gesetzt und genossen, wie der Sturm und die Kälte sie innerlich auffüllten und ihre Sorgen überschwemmten. Sie wollte spüren ,wie sie eins mit ihnen wurde, in den Fluss der Bewegung einging. Das Wasser, das unablässig über ihr Geicht lief, machte es ihr leichter zu weinen , die Tränen einfach gehen zu lassen. Sie konnte einfach nicht vor anderen Menschen heulen, das ließ ihr Stolz nicht zu. Nur Lauri durfte sehen, was in ihr vorging, nur er durfte er sie in die Arme schließen und ihr vorsichtig die Tränen von den Wangen streichen. Wütend auf ihre sensible Seite, die so nah am Wasser gebaut war , blinzelte sie und unterdrückte ein Schluchzen. Ihr Kopf übernahm wieder die Kontrolle über ihren Körper und herrschte ihr krankes Herz an still zu sein und sich seine Gefühle für später aufzuheben, wenn sie wieder allein war. In diesem Moment blieb Aki neben ihr abrupt stehen und wandte sich ihr zu. Vorsichtig nahm er ihre kalten Hände und sah sie an. „Du weißt doch, was ich für dich empfinde, oder?“ sagte er leise und schluckte. „Aki, ich . . .“ „Schht.“ Er legte seinen Zeigefinger auf ihre unglaublich weichen Lippen , nur um ihr dann damit eine nassen Strähne aus dem Gesicht zu streichen. Zögernd näherte er sich ihr, immer noch ihre Hand haltend.
Ellie fühlte sich wie in Trance, unfähig etwas zu tun oder zu sagen. Sie konnte seinen warmen Atem auf ihrer Haut spüren, der sie unsicher werden ließ, Widerstand und Verlangen gleichzeitig auslöste. Wenige Augenblicke später fühlte sie, wie sie seinen Kuss erwiderte, gab sich der Anwesenheit von Liebe und Zärtlichkeit hin, die sie so lange vermisst hatte. Sekunden später wurde ihr klar, dass sie diese Dinge nicht von irgendjemandem wollte, sondern von Lauri und nur von ihm. Wenn er wollte, dass sie litt, dann litt sie eben, sie war ihm hoffnungslos verfallen. Sie konnte ihn nicht durch ihre kühle und selbstbewusste Fassade davon abhalten in ihr Innerstes ,ihre wahren Gefühle zu sehen. Schockiert über sich selbst löste sie sich von Aki und stammelte: „ Aki, ich . . .“ „ Ich weiß, dass er dich liebt, du musst mir glauben. Belassen wirs einfach dabei, ok? Lass uns Freunde sein.“ Ellie konnte nur nicken, ihr wurde langsam bewusst, dass sie die ganze Zeit mit ihm gespielt, ihn verletzt hatte, ohne es zu wollen. Schweigend gingen sie zurück zu Lauris Haus, bleiben davor stehen und sahen sich an. Er lächelte und umarmte sie bevor er wieder anfing zu sprechen. „Ich bin immer da, wenn du mich brauchst, ok?“ „ Alles klar. Danke Aki.“ „Für was?“ „Dafür dass du mich erträgst.“ Er lächelte und wischte sich eine feuchte Strähne aus dem Gesicht „ Man tut sein Bestes. Tschüs dann.“ „Ciao, Aki.“ Er ging noch ein paar Schritte auf dem Bürgersteig, bevor er um die Ecke verschwand.
Als Ellie am nächsten Morgen erwachte, fiel ihr Blick geradewegs auf ein Stückchen nackte Haut. Benommen starrte sie eine Weile darauf und genoss die wohlige Wärme, die sie umgab. Langsam begann sie sich zu erinnern . . .
Sie war wieder zurück zur Party gegangen, irgendjemand hatte ihr eine Flasche Rotwein in die Hand gedrückt, aus der sie dankbar einen großen Schluck genommen hatte. Nach und nach hatte der Alkohol ihre Sinne vernebelt und sie ihre Sorgen vergessen lassen. Die Bilder in ihrem Kopf waren ziemlich zerstückelt, sie konnte sich nur unvollständig erinnern, z. B daran, dass sie gestern das erste Mal in ihrem Leben an einer Zigarette gezogen hatte. Die gefährliche Mischung aus Alk und Nikotin hatte sie kurz taumeln lassen und sie war in seine Arme gefallen, er hatte sie mit Leichtigkeit gehalten und über ihr Missgeschick gelacht. Immer mehr hatten sie getrunken, bis nur noch wenige Gäste übrig waren, sie konnte noch seinen unbeholfenen Kuss auf ihren Lippen spüren. Und jetzt lag sie neben dem Mann, dem sie sich in ihrer Besinnungslosigkeit hingegeben hatte. Vorsichtig hob sie den Kopf und prägte sich sein Gesicht ein, jedes einzelne Detail, seine Haare, die ihm verwuschelt ins Gesicht hingen, die kurzen Bartstoppeln, die ihn noch männlicher wirken ließen. Seine Hände, die nun ruhig auf seinem Bauch lagen und so wunderbar streicheln konnten . . .
Sanft strich sie ihm über die Wange und küsste ihn vorsichtig auf die Lippen, um ihn aufzuwecken. Leise brummend schlang er seine Arme um sie und vergrub sein Gesicht in ihren glänzenden braunen Haaren. Als sie mit den Fingern sanft über seinen nackten Rücken strich ,schlug er plötzlich die Augen auf und starrte sie entgeistert an. Augenblicke später machte er sie von ihr frei und sprang aus dem Bett. „Ellie, ich . . .“ „Warum machst du das? Macht es dir Spaß mich zu quälen?“ Sie sah ihm direkt in die Augen und setzte sich auf. „Ey, ihr Wichser, ich bin Lauri, ich fick jede Nacht ne andre durch und meine dumme Freundin kann mich mal. Das denkst du doch, stimmts oder hab ich recht?“ „Ellie, du weißt, dass das nicht wahr ist.“ „Ach ja? Weiß ich das? Bin ich fett, bin ich hässlich, sags mir!“ „Nein, es ist ganz anders, wirklich.“ Flehend erwiderte er ihren stechenden Blick. „Dann sag mir, wie es ist!“ „Das geht nicht.“ „Das geht nicht? Gut, dann geh ich eben.“ „Ellie, warte . . .“ „ Nein, lass mich, du hast mir schon genug weh getan.“ Sie kroch aus dem Bett und verließ das Zimmer, ohne ihn noch einmal anzusehen. Fassungslos setzte Lauri sich aufs Bett und starrte auf den hellen Parkettfußboden, der ihm aber auch keine Antwort auf seine Fragen gab.

Kapitel 64

Hastig rannte sie hinunter in ihre Wohnung, zog sich schnell etwas an und verließ dann das Haus durch die Hintertür um möglichst schnell zu ihrem Auto zu gelangen. So schnell wie möglich weg von hier. Er hatte es wieder geschafft, das was kein anderer Mensch je geschafft hatte. Er hatte sie wieder ausgenutzt, und sie hatte es zugelassen. Er hatte mit ihren Gefühlen gespielt und sie fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Sie zwang sich ,sich noch ein paar Minuten zu beherrschen und blinzelte mit den Augen, um die Tränen zu unterdrücken. Mit fahrigen Bewegungen parkte sie aus und fuhr die Landstraße ins Landesinnere entlang. Irgendwo hin, wo sie niemand stören konnte. Nach einer Weile hatte sie die Stadt hinter sich gelassen und sah die triste Landschaft an sich vorbeiziehen. Früher hatte sie nie die Gelegenheit gehabt, einfach abzuhauen. Wie denn auch? Wo hätte sie hingehen sollen? Immer war sie diejenige gewesen ,die hatte nachgeben müssen, immer musste sie die liebe kleine brave Elisabeth sein, die nicht rauchte, die nichts trank .Ellie lachte kurz auf. Wenn ihre damaligen „Freunde“ wüssten, wie ihr Leben hier in Hellsinki war . . . Betrank sich, wurde von einem Zug beinahe ohnmächtig und wusste dann nicht einmal, ob sie mit ihrem Freund geschlafen hatte oder nicht. Niemand würde so etwas von ihr denken, jedenfalls nicht die Leute, die sie aus Deutschland kannten. Warum konnte sie nicht so sein wie die anderen, die scheinbar kein Problem damit hatten, jede Woche mit nem andren in die Kiste zu steigen und am Straßenbelag zu knabbern? Warum war sie nur so verdammt sensibel? Wütend kramte sie in ihrer Jacke nach einem Taschentuch und ertastete zu ihrer Überraschung etwas Quadratisches aus Pappe darin. Verwundert holte sie den Gegenstand ans Tageslicht und erkannte, dass sie eine halbleere Schachtel Zigaretten in der Hand hielt. Wenn sie Kippen dabeihatte, dann . . . sie griff nocheinmal in ihre Tasche und fand tatsächlich ein Feuerzeug darin, Lauris Feuerzeug. „Geschieht ihm Recht.“ Murmelte sie und steckte sich probeweise eine an. Komischerweise wurde sie nicht von einem heftigen Hustenanfall geschüttelt, im Gegenteil, es beruhigte sie, sich an dem Glimmstängel festhalten zu können und die Wirkung der Droge zu spüren, die noch so ungewohnt stark auf ihren Körper wirkte. Schön, Süße, du säufst ,du trinkst ,du weißt nicht, wer dich letzte Nacht gevögelt hat und du rast mit deiner Kiste durch die Pampa. Schuldbewusst nahm sie den Fuß vom Gaspedal und bog in eine schmale Nebenstraße in ,die langsam in einen Feldweg überging und auf einer Anhöhe endete. Froh, endlich nachdenken zu können, stieg sie aus und setzte sich auf die Motorhaube. Der Sturm war vorüber, dennoch blies hier oben ein starker Wind, der ihre Haare fliegen ließ.
Langezeit saß sie einfach nur da und starrte vor sich hin, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Schließlich drang die Kälte durch ihre Jacke, die noch nass von gestern Nacht war und ließ sie frösteln. Hin und her gerissen zwischen der beruhigenden Kühle der Natur und der wohligen Wärme der Autoheizung schnippte sie an der Zigarette herum, nur um sie schließlich auf den Boden zu werfen, und gereizt auszutreten. Was sie brauchte, fand sie nicht in einer Kippenschachtel und auch nicht in einer halbleeren Wodkaflasche, sie fand es nur bei Lauri, und der konnte ihr gestohlen bleiben. Mit einem neuen Gedanken im Kopf setzte sie sich wieder hinters Steuer und fuhr zurück zur Hauptstraße.

Aki öffnete die Tür und musterte sie kritisch. „Aki, es tut mir leid, dich zu stören aber . . .“ „Sag mal ,seid wann rauchst du?“ „Tu ich doch gar nicht.“ „Mach mir nix vor, ich riech das auf den ersten . . .ach, ich weiß es halt einfach.“ „Ich hab ne Schachtel in meiner Tasche gefunden und weil, na ja, . . .“ „Ich hab dich immer für vernünftig gehalten, Kleine. Komm erst mal rein, du siehst ziemlich fertig aus.“ „Das wollte ich hören, Aki. Trotzdem Danke.“ „Ich weiß immer was du willst. Kaffee?“ „ Lieber Tee.“ „ Braves Kind.“

Lauri saß derweilen am Küchentisch und starrte in die schwarze Brühe, die eigentlich hätte Kaffee werden sollen. Gedankenverloren drehte er die Tasse um die eigne Achse, schob sie auf dem Tisch hin und her, spielte am Henkel herum. Plötzlich fiel sein Blick auf ihr Shirt das sie gestern abend achtlos auf einen Stuhl geworfen hatte. Warum machte er sich eigentlich länger etwas vor? Er hatte alles kaputt gemacht, wie immer und es war zu spät es wieder in Ordnung zu bringen. Fast drei Monate lang hatte er mit ihr gespielt und ihre Gefühle verletzt. Niemand sonst hätte das geschafft, niemand sonst kannte sie gut genug, um ihre wunden Punkte zu kennen. Sie hatte ihm vertraut, und er hatte sie enttäuscht. Sie war die erste Frau in seinem Leben gewesen, die er je geliebt hatte, die er liebte und die er immer lieben würde. Nun war sie fort, und es war seine Schuld. Mit einem Ruck stieß er die Tasse von sich weg, sodass sie über die Tischkante glitt und mit einem lauten Knall in tausend Scherben zerbrach. Hilflos schlug er die Hände vors Gesicht und versuchte an irgendetwas Tröstendes zu denken, doch er schaffte es nicht. Die tiefe Dunkelheit und Leere in seinem Kopf machten ihn wahnsinnig. Er konnte sich nicht dagegen wehren, konnte weder weinen noch schreien ,nur diese fürchterliche ,kalte Schuld fühlen. Sie hatte ihn geliebt, das wusste er, und er hatte sie enttäuscht. Warum hatte er diese fürchterlichen Träume, die jedes Mal schlimmer wurden und ihm den Schlaf raubten? Doch plötzlich, als draußen schrilles kreischen ertönte, konnte er wieder etwas fühlen, und zwar pure Wut. Er stand so heftig auf, dass der Stuhl nach hinten umfiel und riss das Fenster auf. „ HALTET DIE FRESSE, IHR SCHEIßGÖREN!“ Das Gequieke verstummte und zehn fassungslose Mädchen mit Schildern bewaffnet starrten ihn fassungslos an. Nach einer Schrecksekunde hörte er, wie eine von ihnen einer anderen etwas zukreischte. „Vielleicht hatte seine dumme Nuttenfreundin mit ihm Schluss gemacht?“ „VERSCHWINDET VON MEINEM GRUNDSTÜCK ODER ICH RUF DIE BULLEN!“ seine Finger krampften sich um das Fensterbrett und wurden langsam rot. Seine Arme zitterten unter der Anstrengung, doch das war genau das, was er jetzt brauchte. „Is er nich süß, wenn er sich aufregt.“ Die kleine Schwarzhaarige giggelte ihrer Freundin zu, die aussah , als währe sie in nen Farbtopf gefallen und schmachtete ihn an . Lauri begriff, dass es keinen Sinn hatte, hier noch länger zu stehen, das war doch genau das , was diese Weiber wollten. Ärgerlich schlug er das Fenster auf und schlug die Zeitung aus, wobei er sie fast in zwei Teile riss. Fluchend schmiss er das zerfledderte Papier auf den Tisch und entdeckte plötzlich eine kleine Anzeige. „Traumdeuterin . . .“ las er leise. Gut, wenn er schon geisteskrank war, dann machte das jetzt auch nichts mehr aus.

Kapitel 65

(Lauri)

Hach ja, jetzt sitz ich hier in diesem Verlies und warte, nix als warten, warten und nochmals warten, ich hasse es. Ich hab doch nicht mehr alle Tassen im Schrank, welcher Idiot rennt schon gleich zu ner Traumdeuterin, wenn man mal was Blutrünstiges geträumt hat? Ich natürlich, wer sonst. Aber vielleicht weiß ich später dann, was die ganze Scheiße zu bedeuten hat. Wenn meine Kleine wüsste, das ich hier bin . . . sie würde wahrscheinlich denken, ich popp mit dieser eingetrockneten Wahrsagertussi rum. Nu ja, sie tuts meinem Gefühl nach sowieso grad mit Aki, dann sind wir wenigstens quitt. Warum kann ich nicht schwul sein, dann hätt ich diese scheiß Probleme nicht. Vielleicht hat sie mir was geschrieben. Ich krame mein Hand aus der Jackentasche und rutsche tiefer in den altmodischen roten Samtsessel. Nix, gar nix, kein Anruf, keine SMS, einfach gar nix. Vielleicht sollte ich mal Aki anrufen, und fragen, was er grad so macht. Vielleicht, vielleicht, vielleicht, ich kann meine Gedanken einfach nicht ordnen, sie schießen in meinem Kopf herum und verwirren mein letztes bisschen Verstand. Ich drücke auf der Tastatur herum, ohne etwas Bestimmtes zu suchen, als plötzlich eine kratzige Stimme neben mir ertönt. „Schalten sie das aus, junger Mann, dieses Gerät stört sie positiven Schwingungen in diesem Raum. Wie ich sehe, haben sie Probleme mit einem ihrer Mitmenschen, einem ihrer engsten Mitmenschen, einer sie, kann das sein?“ „Was, ähm, woher . . .“ „Schön der Reihe nach, erzählen Sie einfach.“ „Ähm, ja, also das war so . . .“
Er erzählte die ganze Geschichte von Anfang an, ab dem Zeitpunkt, an dem sie ihn in dieser versifften Gasse aufgegabelt hatte bis heute Morgen. Als er endete, fühlt er sich, als hätte er dieser Frau grad eben mal so seine halbe Lebensgeschichte erzählt. Ein wenig schüchtern wartete er auf eine Reaktion ihrerseits, doch sie starrte nur an ihm vorbei in den Raum, als würde sie das ganze hier überhaupt nicht interessieren. Schließlich faltete sie die Hände und legte sie auf den kleinen Holztisch, bevor sie anfing zu sprechen. „ So wie sie diese Frau beschreiben, scheinen sie ihr ziemlich viel Respekt und Achtung entgegenzubringen. Vielleicht soviel, dass Sie sich manchmal wünschen, sie würde ihnen unterlegene sein . . .“ „Aber, ich würde sie doch niemals umbringen wollen!“ „Das habe ich auch nicht behauptet.“ Sie ließ ihre tausend Armreifen ungeduldig klingeln und fuhr fort. „Unsere Träume wollen uns klarmachen, was gut für unser Seelenheil ist, deshalb unterstreichen sie manches, führen es ins Lächerliche oder dramatisieren es, wie in Ihrem Fall. Normalerweise sind solche Träume nicht so einprägend, dass man sich über Monate merken könnte, was in ihnen geschieht. Es muss also einen weiteren, weit markanteren Grund für Ihre Visionen geben als mangelndes Selbstbewusstsein.“ Sie sah ihn fragend an und beobachtete seine Mimik, die sich bei dem Ausdruck „mangelndes Selbstbewusstsein“ ein wenig verdüstert hatte. „Ich wüsste nicht, was das sein sollte.“ Erwiderte er leicht eingeschnappt. „ Nein? Sie wissen es doch selbst, oder? Warum verdängen Se es? Wenn sie Ihr Wissen annehmen, und das beste daraus machen, wird ihr Unterbewusstsein Sie wieder in Ruhe schlafen lassen.“ „Welches Wissen? Ich habe keine Ahnung, von was sie reden.“ „ Sie werden sie nicht umbringen oder gar misshandeln , aber Sie wissen, dass sie nur noch wenig Zeit haben, warum verschwenden Sie sie, wo sie doch so kostbar ist?“ „Wenig Zeit? Wofür? Was reden Sie da überhaupt?“ „Ich kann Ihnen nicht mehr sagen, nur einen Rat geben.“ „Ja?“ „ Sie ist die Quelle des Lichts in ihrem manchmal so düsteren Leben. Kein Traum wird die Beziehung zu ihr mehr stören, die einzige Hürde ist Ihre penetrante Eifersucht, Sie sollten das abstellen, bevor es zu spät ist.“ „Woher wissen Sie . . .“ „So wenig Zeit.“ „ Bitte, ich . . .“ „So wenig Zeit.“
Mit einem Ruck stand er auf und knallte das Geld auf den Tisch. Er warf noch einen Blick auf diese unheimliche Frau und ergriff die Flucht. Er wusste, was er zu tun hatte, und er wusste, dass es ihn viel Kraft kosten würde . . .

Kapitel 66

„Scheiße, Aki, überall, wo ich bin, mach ich nur Ärger.“ „Is doch gar nicht wahr.“ Er drückte ihr den heißen Becher in die Hand und setzte sich neben sie aufs Sofa. Das Wetter hatte schon wieder umgeschlagen, der Sturm war zurückgekehrt und ließ Zweige an die Fenster peitschen. Der Himmel hatte sich verdunkelt und ließ erneut kalten Regen über Helsinki fallen, der durch den starken Wind in alle Richtungen getragen wurde. Wieder wünschte Ellie sich, sie könnte da draußen sein, die Einsamkeit genießen und einfach an gar nichts denken, so wie heute Morgen. Nie konnte sie sich entscheiden, was sie wirklich wollte, Einsamkeit oder Gesellschaft. Doch jetzt saß sie neben Aki, der sorgfältig abwägte, ob es besser wäre, seinen Arm um ihre Schultern zu legen oder nicht. Überfordert nippte er an seinem Kaffee und sah aus dem Fenster. Ihm wäre es lieber, die Sonne würde scheinen. Sie war genauso wie Lauri, zog das Unwetter dem Sonnenschein vor. „Natürlich is das wahr, bevor ich hier her kam, war doch alles super, oder?“ „Ellie, du weißt, dass du Scheiße laberst.“ „ Ja, wie immer . . .ne, ich hör ja schon auf.“ „Das Leben wär doch langweilig, wenn immer alles glatt gehen würde, findest du nicht?“ „Ich mag Friede-Freude-Eierkuchen.“ „Hä?“ „Vergiss es.“ „ Deutsch is ne merkwürdige Sprache.“ „Na danke.“ „Oa, Mann, du bist heut so verdammt . . . unschlagfertig. Wo sin deine dummen Antworten ?“ „Hab ich daheim vergessen, bei Lauri im Bett.“ „WAS?“ „ Ich bin ne verdammte Schlampe, ich weiß.“ „Wenn du mit ihm, dann . . .“ „Nix is gut, alles is scheiße. Ich knutsch mit meinem besten Freund rum, besauf mich, fang an zu rauchen, weiß nicht, mit wem ich letzte Nacht rumgefickt hab. Kurz: irgendwas läuft falsch in meinem Leben.“ „Du weißt nicht . . .“ „Nein, und gleich fang ich an zu heulen.“ „Och, Kleine, du bist jung, da macht man eben mal son Mist.“ „Ach, Aki, ich hab nie wirklich Mist gebaut, ich war immer lieb und brav, ich hatte mein Leben im Griff. Und jetzt, jetzt passieren die Dinge einfach so, ich hab die Kontrolle verloren.“ „Ellie, man muss es einmal falsch gemacht haben, bevor man weiß, wies richtig geht.“ „Mhm.“ Sie starrte in ihren Tee und sah dort die Bilder ihrer Kindheit herumschwimmen. Ihr Außenseiterleben in der Grundschule, ihre verzweifelten Versuche dazuzugehören in der Unterstufe und schließlich die Rebellion gegen die Norm und ihre besten Freunde, die sie aus den Augen verloren hatte, einfach so. Die Zeit, in der ihre Persönlichkeit sich gewandelt hatte, plötzlich war sie den Menschen, die sie immer ausgeschlossen und nicht ernstgenommen hatten, dankbar. Sie hatten sie dazu gezwungen bewusst anders zu sein und es zu genießen. Die Loslösung von ihren Eltern und die Flucht, in dieses Land, das sie so sehr liebte. Und ihm. . . Sie spürte, wie sich der Widerstand in ihr aufbäumte, in ihren Gedanken, war es ein großer starker Rappe, der ihr die Kraft und den Mut gab, Dinge zu tun, die anders waren ,als die Dinge, die andere Menschen taten. Hitze durchdrang jede Faser ihres Körpers, stellte sie auf die Probe, ob sie gegen den unwiderstehlichen Drang, die Tränen fließen zu lassen, ankämpfen konnte. Sie atmete tief durch, sah undurchdringliches Eis, das die Hitze in ihrem Körper erstickte und ihre selbstbewusste, kühle Schale wiederherstellte. „Hey, Kleine . . .“ Sie hob den Kopf und sah in seine Augen, aus denen die Besorgnis sprach, fühlte, wie seine Hand vorsichtig eine Strähne aus ihrem glühenden Gesicht strich.

Lauri stand vor Eeros Haustür, die sich gerade geschlossen hatte und war schon wieder auf dem Sprung. Wo war sie nur? Er sträubte sich gegen den Gedanken, dass sie bei Aki war. Egal, einmal seinen Stolz für seine Liebe zu überwinden, das musste drin sein. Hastig sprang er wieder auf sein Bike und machte sich auf den Weg.

„ . . .er wird das bestimmt verstehen, meinst du nicht?“ „Was verstehen? Dass ich mich von ihm nicht wie ein Stück Dreck behandeln lasse?“ „Ich weiß ja auch nicht, was er hat.“ „ Ne andere vielleicht?“ „Was schaust du mich so an? Denkst du, ich würds dir nicht sagen, wenn da was wäre?“ „Tschuldigung, Aki.“ „ Du solltest dich erst mal ausruhen . . . bist ja völlig durch den Wind.“ „Ich kann mich nicht ausruhen, ich muss was tun, die ganze Scheiße wieder in Ordnung bringen.“ „Aber du hast doch gar nix gemacht.“ „Eben, das ist es vielleicht, wenn ich besser auf ihn geachtet hätte, wüsste ich jetzt, was er hat.“ „Wie willst du mehr auf ihn achten, wenn du sowieso schon wie ne Klette an ihm hängst?“ „Aki . . .“ „Sorry.“ „Du bist immer so nett zu mir, und was mach ich?“ „Wir sind irgendwie alle ein bisschen Schuld.“ „Meine Mutter hätte gesagt, dass ich recht habe und an allem ganz allein schuld bin, und das ich schwierig bin und warum ich nicht so sein kann, wie die anderen blonden schlampen in meinem alter.“ „Ach, süße. Das is jetzt vorbei. Keiner verlang von dir, irgendwie zu sein, wie du nicht bist.“ „Ich glaub, ich habn Kindheitstrauma, oder warum lass ich mich so bemitleiden?“ „Weil langsam keine kraft mehr hast vielleicht?“ „Keine Kraft mehr wofür?“ „Immer so selbstbewusst und stark zu erscheinen, um deine Gefühle zu verbergen.“ „Das tu ich doch gar nicht.“ „Lüg mich nicht an. Du musst hier niemandem beweisen, das du für voll zu nehmen bist.“ „Aber er . . .“ „ . . . hat dich scheinbar sofort durchschaut, und dich nur so gesehen, wie du wirklich bist.“ „Und du?“ „Ich hab ein wenig länger gebraucht . . . Dein Handy.“ Erdeutet auf ihre Jackentasche, die ein Piepsen von sich gab. Nachdenklich kramte sie nach dem Telefon, wofür sie die halbleere Zigarettenschachtel herausnehmen musste, und dafür einen bösen Blick von Aki erntete. Ein kleiner Briefumschlag . . .
Wo bist du? Ich muss mit dir reden.
LY
LY . . . „Du kannst mich mal.“ Sagte sie leise und löschte die Nachricht. „Wer wars denn?“ „Niemand.“ „Niemand?“ „Jemand, der mir gestohlen bleiben kann . . . nein, scheiße, ich hab keinen Plan, was ich machen soll, ich bin zu stolz für ne Beziehung.“ Sie stand auf und sah aus dem Fenster, draußen tobte der Sturm immer noch. Sie liebte es, den Himmel so wolkenverhangen zu sehen, grau und trist wie sie selbst manchmal war. Ellie wünschte sich , dass sie wie andere Leute, das schlechte Wetter hassen konnte, dass der Sonnenschein sich in ihr ausbreitete. „Er is zu feige mich anzurufen.“ Sagte sie leise zu der kalten Glasscheibe. „Du würdest nicht rangehen.“ Er stand hinter ihr, seine Hand auf ihrem Rücken.

Lauri steckte sein Handy weg, er hätte es wissen müssen. Vielleicht war es schon zu spät, und er hatte sie für immer verloren. Der peitschende Regen nahm ihm die Sicht, als er aus der kleinen, geschützten Gasse trat und sich abermals auf sein Fahrrad schwang. Ein letzter Versuch noch, in fünf Minuten.

Kapitel 67

„Ellie, wann und wie lange hast du das letzte Mal geschlafen?“ „Ich weiß es nicht, ich weiß einfach nicht, was schief läuft, Aki.“ „ Süße, du machst dich kaputt.“ „Was soll ich denn sonst machen? Mich loben vielleicht?“ „Zum Beispiel.“ „Haha, siehst du mich lachen?“ „Entweder du sagst ihm jetzt, wo du bist . . .“ „ . . . damit er mich rausschmeißt.“ Unterbrach sie ihn trocken. „ . . . oder du legst dich jetzt hin schläfst erst mal drüber.“ „Gibt’s keine dritte Möglichkeit? Abhauen oder sowas?“ „Ne, die gibt’s nicht.“ „Na toll.“ „Deine Jacke ruft dich.“ Seufzend wandte sie den Blick vom Fenster ab und kramte erneut ihr Handy heraus. Eigentlich sollte sie die Mail ungelesen löschen, aber dazu war sie zu neugierig.
BITTE!!!!
„Warum macht er das?“ „Warum machst du das?“ „Was?“ „Dauernd abblocken.“ „Ich lass mich doch nicht wie ne Nutte behandeln.“ „ Du tust dir doch nur selber weh . . . kannst du deinen Stolz nicht mal abschalten?“ „Nein, Aki. Ich glaub ich geh dann mal wieder.“ Sie drehte sich ruckartig um wollte zurück zur Tür gehen, doch er hielt sie fest und zwang sie, sich ihm zuzuwenden. „Ich kann dich jetzt nicht einfach gehen lassen.“ „Aki, lass mich los.“ Der Drang in ihr, sich einfach wieder seinen Armen zu ergeben und sich trösten zu lassen, wurde von Augenblick zu Augenblick stärker und zehrte heftig an ihren Nerven. „ Ich hab Angst, dass du dir was antust.“ Sie lachte spöttisch auf und versuchte erneut, sich von ihm loszumachen. „So einfach mach ich’s mir schon nicht, keine Sorge.“ „Was muss ich tun, damit du auf mich hörst?“ Auf ihren Widerstand hin zog er sie nur noch enger an sich heran. „Die Zeit zurückdrehen?“ „Das kann ich nicht.“

Lauri sprang die Stufen zu Akis Haus hinauf. Er wusste, das die Tür niemals abgeschlossen war, warum also gerade jetzt klingeln? Ihm schossen Gedanken durch den Kopf, was er sehen könnte, wenn er die Tür einfach so aufriss. Aki und sie . . . Nein, er konnte sich nicht verstellen, dass sie so . . . sprunghaft war. So nach dem Motto: Bringst der eine nicht mehr, besorgts mir eben der andere. Unschlüssig blieb er stehen, seine rechte Hand ertastete das kleine schwarze Kästchen, es war noch da, genau dort, wo er es hingepackt hatte. Und wenn es doch schon zu spät war? Ihm wurde bewusst, dass er im Begriff war, sich ihr auszuliefern, würde sie ihn abweisen, wäre sein Ego für immer geknickt und er würde ein verbitterte alter Einsiedler in den Wäldern Hellsinkis werden. „Lauri, du spinnst, Alter.“ Er schloss kurz die Augen und fasste an die Klinke.

Aki drängte sie Richtung Sessel ab und zwang sie sanft sich zu setzten. „Aki!“ „Ruf ihn an, dann lass ich dich gehen.“ „Nein.“ „Gut, dann bleibst du hier.“ Sein Gesicht kam ihrem gefährlich nahe, als er sich über sie beugte, um ihr erneut eine warme Tasse in die Hand zu drücken.
Lauri riss die Tür auf und erstarrte. Er konnte nicht fassen, was er dort sah, glaubte, seine Eifersucht spielt ihm einen Streich. Sie und er . . . Oft hatte er sich gefragt, ob er sie überhaupt noch liebte. In diesem Moment , als der Schmerz ihn lähmte und seine Augen zwang, weiter hinzusehen, wurde ihm klar, dass er sie nicht nur liebte, sie war mehr, wie die Luft zum atmen. Kein Wunder , dass sie ihm nicht geantwortet hatte, zu beschäftigt, mit Aki, seinem besten Freund. Oder . . . Aki richtet sich wieder auf, Ellie starrte zum zweiten Mal an diesem Tag eine Tasse. Sie sah nicht so aus, als hätte sie gerade einen heißen Kuss hinter sich. Er konnte an ihrer ganzen Körperhaltung sehen, wie sie mit sich kämpfte, um ihr selbstbewusstes Äußeres aufrecht zu erhalten. Es tat ihm weh, sie so unglücklich zu sehen, durch seine Schuld.
„Tu es jetzt!“ Sein Kopf schrie auf ihn ein, doch er bewegte sich nicht von der Stelle. Warum hatte ihn noch niemand bemerkt? „ DU VERDAMMTER . . .!“ Es ging, ein Fuß vor den anderen, immer schneller. Das durfte doch nicht wahr sein, er hatte alles vergessen, was er sagen wollte. Der schöne Plan war dahin, alles futsch. Seine hastigen Schritte ließen Ellie und Aki aufblicken, im nächsten Augenblick hatte er sich schon vor ihr auf die Knie geworfen und ihre Hand genommen. „Lauri . . .“ „Rakas.“ „Warum?“ „Weil ich dich liebe.“ „Warum tust du mir so weh?“ „Lass mich erklären.“ „Ich dachte, ich würde es nicht verstehen.“ „Jetzt schon.“ „Bitte.“ „Wirst du mir zuhören?“ Sie nickte nur schwach. Überstürzt erzählte er ihr von seinen Träumen, seiner Angst und der alten, merkwürdigen Dame, die ihm Antworten, aber auch neue Rätsel gegeben hatte. Als er endete, herrschte Schweigen. Aki saß ruhig auf dem Sofa, er wollte gehen, bleib aber, neugierig auf ihr Reaktion. Wie hatte er sie lieben können? Sie hätte ihm nie das gegeben, was sie Lauri Tag für Tag aufs Neue gab. „Du glaubst mir nicht.“ Seine Hand umfasste ihre stärker als beabsichtigt, versuchte, sie einfach nur für einen weiteren Augenblick zu halten. „Es klingt verrückt . . .“ „ Bitte, ich sag die Wahrheit.“ „Hab ich das eben angezweifelt?“ „Heißt das, du glaubst mir?“ „Ja, und ich versteh sogar, was da in deinem kranken Musikerhirn abspielt.“ Sie lächelte leicht und tippte ihm an die Stirn.
Aki war vorsichtig aufgestanden und hatte da Haus verlassen. Die Welt war manchmal wirklich merkwürdig.
Zaghaft nahm er ihr den Tee aus der Hand und nahm auch ihre andere Hand. „Es tut mir alles so leid.“ „Mir auch.“ „Du hast doch gar nix gemacht . . . oder?“ „Nein, ich hab nur mich selbst betrogen.“ Sie rutschte langsam von dem weichen Polster, bis sie schließlich vor ihm auf dem Boden kniete und seine Hände hielt. Ein kurzer Blick in seine Augen, bevor sie losließ und ihr Gesicht in seinen Haaren vergrub. In Moment lang ohne Reaktion, dann endlich seine Arme, die sie an ihn drückten und sanft streichelten. Ein paar Minuten saßen sie einfach so auf dem Boden, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen oder etwas zu sagen. Doch mit der Zeit wuchs der Dran in ihr, mehr von ihm zu bekommen, ihre Entzugserscheinungen tot zuküssen. Vorsichtig löste sie sich von ihm, wollte seine Lippen spüren, als seine Hand dazwischen fuhr und sie sachte stoppte. „Ich hab da noch was für dich“ Er zog das kleine Kästchen aus der Tasche, nahm ihre Hand und umschloss es damit. Am liebsten hätte er sich sofort wieder an sie geschmissen und ihre Wärme gespürt, doch seine Unsicherheit heilt ihn zurück und so sah er zu, wie sie ihn überrascht ansah und das Kästchen schließlich öffnete. Ungläubig starrte sie auf den schwarzen Samt. „Lauri. . .“ „Gefällt er dir?“ Der weißgoldene Ring schimmerte Matt im düsteren Licht dieses stürmischen Nachtmittags, nur die silbern eingefasste Gravur an der Innenseite schillerte kraftvoll. „My bright shining light . . .“ „Wunderschön.“ „So wie du.“ Sie schlang die Arme erneut um seinen Hals, fühlte seine Hand über ihre Haare und Wangen streichen. „Love ya, darling.“ Ihre Stimme so nah an seinem Ohr, bevor sie ihm einen zärtlichen Kuss schenkte.
„Kleine, lass uns nach Hause gehen.“ „Dann muss ich dich aber loslassen, und das kann ich nicht.“ „Ach Schatz, stell dir vor, was wir daheim alles machen können.“ „Du versauter Kerl.“ „Wasn an Pizzabacken so schlimm?“ „Ach komm.“ Sie stand auf und reichte ihm die Hand. „Ich geh mit dir überall hin.“ „Sogar zum Overgroundkonzert?“ „Ähhh . . .ja, sogar dahin“

Kapitel 68

[23. April]
„Süße?“ „Lass mich, will schlafen.“ „Ich will dich aber schreien hören.“ „Was?“ Sie schlug die Decke zurück und sah ihn misstrauisch an. Er saß auf der Bettkante und hielt ihr grinsend eine Zeitung unter die Nase. „Ich kann so früh am Morgen kein Finnisch lesen.“ „ Es ist elf Uhr, außerdem krieg ich nen Lachkrampf, wenn ich das noch mal lese.“ „Och ,Mann, büdde, Laurischatz.“ Sie schlang die Arme um seinen Hals und sah ihm über die Schultern. „Nö, les gefälligst selber. Schließlich hab ich heut Geburtstag.“ „Ich hab dir heut Nacht schon gratuliert.“ „Na toll.“ In diesem Moment wurde die Tür aufgerissen und ein über beide Ohren grinsender Eero kam hereingeschneit. „Morgen Mr und Mrs Ylönen! Na, gut geschlafen? Happy Birthday, Jumsala, is das nichn schönes Geschenk?“ „ Hä, ich versteh nur Bahnhof.“ „Hast dus noch nicht gelesen?“ „Was denn?“ „ Na daaaaaaaaaas da.“ Er deutete auf das zusammengeknautschte Heft auf Lauris Schoß. „Sie is zu faul . . .auaaaaaaaa! Hast du das gesehn, die schlägt mich!“ „ Mann, was solln da schon groß drin stehn?“ „Ich würds mir an deiner Stelle mal angucken.“ Eero kicherte und linste immer wieder in seine Zeitung, um dann noch breiter zu grinsen. Ellie seufzte und nahm Lauri den Artikel ab, um ihn kurz zu überfliegen. „Was . . .was . . .waaaaaaaaaas? Ham die noch alle Tassen im Schrank? Ich bin weder schwanger, noch geschieden und ich hab auch keine drei unehelichen Kinder! Ich lieb dich ja, Lauri, aber seid wann sind wir VERHEIRATET?! Was soll die Scheiße?“ „Paparazzi halt.“ Lauri duckte sich als sie im Bett aufsprang und den Artikel erneut las. „Und dass ihr euch immer beim Knutschen erwischen lassen müsst, tztzt.“ „WAS?“ „Blätter mal um.“ „AHHHH, meine Fresse, das darf doch nicht wahr sein! Wo ham die ihre scheiß Kameras nur versteckt!?“ „Das war hinterm Nosferatu , weißt du noch?“ „ Oa, ja, ich kann mich noch genau erinnern. . . Ein Glück, dass die nicht später gekommen sin.“ „Ihr versauten . . . Eigentlich wollt ich nur wissen, obs bei heut Nachmittag bleibt.“ „Wasn heut Nachmittag?“ Lauri sah fragend in die Runde. „ Surprise for you, my darling.“ „Ne Überraschung? Für mich? Ach, das wär doch nicht nötig gewesen.“ „ Das bist du uns doch Wert, Süßer, nich wahr Eero?“ „ Joa, aber ich hab schon genug Schwulitäten am Hals seit dieser beschissenen Wette.“ „Wars denn wenigstens schön?“ „Nich halb so schön wie mit dir, sweetheart.“ „Bäh, Raucherküsse, na danke.“ „Ellieschatz, hast du irgendwo mein Feuerzeug gesehen? Das is schon seit Wochen wech.“ „Ich, nö, keine Ahnung . . .“ „Na ja, ich freu mich auf eure surprise.“ Er sah Eero mit seinem Verpiss-dich-Blick an. „Ja, ich geh ja schon, bis dann.“ „Das war gemein von dir, Lauri.“ „Na und, ich will mit dir allein sein.“ „Wir sind verheiratet, da sollte man eigentlich die Schnauze voneinander voll haben.“ „Scheiß Presse.“ „Is doch egal.“ „Wirklich?“ „Mir schon.“ „Is doch das einzige was zählt.“ „Du bist heute wieder so sweet, darling.“ „Danke, Kompliment zurück.“ „ Schon frühstücken?“ „Och, lass ma, ich hab ja dich.“ „Wirst du auch für immer haben.“ „Für immer?“ „For ever and always.“ „ Na dann, lass uns weiterpennen, oder was immer du jetzt mit mir vorhast, Süße.“ “Keine Sorge, ich lass dir die Energie für später.“ „Ein kleiner Tipp?“ „Du wirst schon sehen“ „Du bist gemein . . .aber ich lieb dich trotzdem.“ „Ich lieb dich auch.“ In diesem Moment klingelte sein Handy, aufdringlich laut wie immer. „Ellie?“ „Mhm?“ nuschelte sie in sein Shirt und weigerte sich, die Augen aufzumachen. „Küss mich.“ „Warum?“ „Damit ich die Scheiße um mich herum vergessen kann.“ Er dachte an die Worte der unheimlichen Traumdeuterin. So wenig Zeit. Ein Schauer lief ihm über den Rücken. „Hey, was ist denn los? Meinst du den blöden Artikel?“ Sie strich ihm sanft über die Wange und kuschelte sich enger an seinen warmen Körper. Sags ihr! „N. . .Ja, aber was solls.“ „Du hast Recht.“ Sie küsste ihn sanft auf die Lippen und schloss dann die Augen, um in ein paar Stunden wieder neben ihm aufzuwachen.

Kapitel 69

„LAURI!“ „Was isn?“ „Schwing endlich deinen Knackarsch hierher, wir sin spät dran.“ „Och, mann.“ „Das hast du vor fünf Minuten auch schon gesagt.“ „Na und?“ „Schatz, soll ich die Verandatür aufmachen und den Kreischies sagen, wo du bist?“ „ Immer her damit.“ „Du bist n Arsch wenn noch halb pennst . . .na ja, und sonst auch.“ „Du kleine, miese Kröte, sag mir was die Überraschung is und ich steh auf.“ „Rat doch mal.“ „Nö.“ „Warum nicht?“ „ Weil ich mich dann wieder zum Deppen für dich mach.“ „Nix neues.“ „Willste mich provozieren, oder so?“ „Ich will, dass du endlich in die Hufe kommst.“ „Auch Hengste brauchen ihren Schlaf.“ „Als ob du n Hengst wärst, eher n Wallach . . .ah, nein, lass meinen Laptop, LAURI!“ „Sag, dass es dir leid tut.“ „Es tut mir leid, dass ich dein empfindliches Ego angegriffen hab . . .NEIN! Lauri, lass mein Handy!“ „ Och Schätzchen, ich weiß doch, wie lieb du sein kannst, du musst dich nur trauen.“ ”Oh, nein, Kleiner, ich schnurr dir nix vor.” „Hab ich dir schon gesagt, dass ich deine Simkarte hab?“ „Mann, du bist echt . . .oa, GIB MIR MEIN HANDY!“ „ Wer is jetzt klein, he?“ „Geistig wie auch körperlich: du. Da hilfts auch nix, wenn du auf Schränke kletterst.“ „ Du hättest Höhenangst, Süße.“ „Heiß ich Aki?“ „Ne, aber du siehst so aus, vor allem, wenn du mal wieder ne Nacht durchgesoffen hast.“ „Das sagt grad der richtige . . .du bist so kindisch, jetzt gib mir mein Handy! SOFORT!“ „Sofort!“ „Äff mich nicht nach. Was soll ich denn machen, damit du wieder lieb zu mir bist?“ „Lieb zu mir sein?“ „Bin ich doch immer.“ „ Ah, ja, natürlich.“ „Och, Schatz.“ „Ja, was ist denn, Süße?“ „Lass uns gehen, ok?“ „Ich weiß, wo wir hingehen.“ „Ach ja?“ „Hab rein zufällig ne SMS von Aki an dich gelesen, ich hab ja versucht wegzuschauen, aber es ging einfach nicht.“ „Du schnüffelst in meinen Nachrichten rum?“ „Kannst du mir noch einmal verzeihen?“ „Aber nur, weil du heute Geburtstag hast.“ „Thanks, sweetheart, auf dich is Verlass.“ „Gleich werd ich rot.“ „Du siehst süß aus, wen du verlegen bist.“ „Danke, du sieht auch süß aus, wenn dir die Haare so sexy ins Gesicht hängen.“ „WAS?! Oh Gott, meine Haare!“ „Number two,anyway . . .“ „Ich lieb dich, Kleine.“ „ Danke, das hab ich gebraucht, und jetzt geh deine Haare verarzten.“ „Ohne dich?“ „Ohne mich.“ „Das halt ich nich aus.“ „ Wir haben den ganzen Waterpark für uns allein, meinst du nicht, dass sich da mal die Möglichkeit ergibt . . .“ „ Im Whirlpool?“ „Zum Beispiel.“ „Oder auf der Rutsche.“ „Das könnte schwierig werden.“ „Das packen wir schon.“ „Wir sin so versaut, Lauri.“ „Ich weiß, meine Süße, ich weiß. Wie soll das nur enden mit uns.“ „Im Whirlpool?“ „Ellieschatz, du hast, wie immer, vollkommen Recht. Wahrscheinlich werden uns die Strudel in die Tiefe reißen und für ewig verschlingen.“ „Das hast du schön gesagt.“ „Ich bin ja schließlich auch songwriter, ne.“ „Ein versauter Songwriter, siehe outflow.“ „Das war mal, jetzt konzentrier ich meine gesamte Versautheit auf dich, Süße.“ Plötzlich gab es draußen einen lauten Knall, erst jetzt bemerkte sie, dass sich der Himmel erneut verdunkelt hatte. „Das passiert, wenn ein Blitz nen Baum zu sehr angräbt.“ „Und wenn der Baum uns nachher aufn Kopf knallt?“ „ Wenn der Baum dich knallt, dann mach ich ne Kuckucksuhr aus ihm.“ „Was wär das dann? N flotter Dreier?“ „Du hast das Auto vergessen.“ „Ich mag mein Auto ja, aber . . .“ „Das könnte gefährlich werden, diese Autos sin immer so grob.“ „Lauri, wir sollten nich so viel Cola trinken, ich glaub, die mischen da neuerdings was rein.“ „Ok, Schluss jetzt, ich krümmer mich jetzt um meine Haare.“ „Du hast eine halbe Stunde.“ „Oh, mein Gott. Das schaff ich nie.“ „Hat doch sowieso keinen Sinn, nimm doch einfach die Mütze.“ „Ich weiß nich , irgendwo hast du ja Recht.“ „Mhm . . . .scheiß Sturm, wie lang will der noch hierbleiben?“ „Der will auch was von dir.“ „Warum auch?“ Weil der Aki dir die ganze Zeit hinterherläuft wie wenn du nen Magneten verschluckt hättest! „Hab ich nur so gesagt. Guck mal, das Bett is bestimmt noch warm.“ In diesem Moment klingelte es an der Tür. „Oa, fuck, es is doch noch viel zu früh.“ „Seid wann klingeln die Jungs?“ „Keine Ahnung, wer weiß, was die sich wieder ausgedacht haben.“ Genervt packte er sie am Handgelenk und stampfte Richtung Tür. „Du schlägst Eero, ich nehm die andern beiden.“ Doch als er die Tür aufriss, stand dort kein einziges männliches Wesen, sondern ausschließlich fast-weibliche kreischende Fans, die gebannt auf Lauris nackten Oberkörper starrten. „Scheiße.“ „Was jetzt . . .äh, hallo.“ „O, MEIN GOTT, SIE SPRICHT MIT IHM!“ „Was erwarten die?“ „ Ich will was zum Anziehen.“ „Ach, ich hab mich grade gefragt, warum die alle ohnmächtig werden.“ „Gleich lässt der Schockzustand nach, und die zerreisen uns in der Luft.“ „Lauri, die machen mir Angst, hoffentlich knallt der Baum sie.“ Er lachte kurz und nahm dann ihre Hand. „ Da gibt’s nur eins, wir müssen sie noch mal schocken.“ Sagte er leise und lächelte. „Honey, du wirst mich doch jetzt nicht vor den Weibern da küssen, oder?“ „Ich dachte, es wäre dir egal, wenn’s jeder weiß.“ „Ja, und das mein ich auch immer noch.“ „Okay, dann sind wir uns ja einig.“ Totenstille als ihre Lippen sich berührten, hysterisches Kreischen, als sie sich von einander lösten. „Tür zu und wech. Ellieschatz, wir sind DAS Dreamteam.“ „Oh, mein Gott, das war der beste Kuss meines Lebens.“ „Nix zu danken, Süße. Ich zieh mir dann trotzdem mal was an.“ „Lauri?“ „Ja?“ „Von mir aus aufm Sprungturm.“ „Lieb dich, du Biest.“ „Mit Grüßen zurück.“ Plötzlich sprang die Haustür auf und Aki, Pauli und Eero quetschten sich fast gleichzeitig in den Raum. „Was is denn mit denen da draußen los, die fuhren sich auf, als hätten sie soeben ne Nacht mit unserm Bunnychecker hier verbracht.“ Aki ließ sich neben sie auf die Couch fallen und sah kopfschüttelnd zur Tür hinüber. „Lauri in Shorts is aber auch sexy . . .“ „WAS?“ „Erzähls dir später, können wir dann gehen?“ „Na da bin ich mal gespannt.“

Kapitel 70

[fünf Stunden später]

„Du Ellie?“ „Mhm?“ „Ich weiß, ich sollte nicht so verdammt eifersüchtig sein, aber. . .“ „Aber was?“ „Ich fands voll scheiße, wie der Aki und du euch vorhin im Wasser gekloppt habt“ „Du sagst es, wir haben uns gekloppt. Soll ich dir auch eine reinhauen?“ „Ne, aber trotzdem.“ „Lauri, ich hab nix mit Aki. Glaubs mir doch endlich. Ich mag ihn, aber doch nicht so.“ „Ich versuchs ja.“ „Du hast heute Geburtstag .Schatz, du solltest dir deinen hübschen Kopf nicht über so nem Mist zerbrechen.“ Er lachte kurz und schlang dann die Arme um ihren Bauch. Die anderen drei hatten so viel Fun in der Schwimmhalle gehabt, dass sie gar nicht gemerkt hatten, wie Ellie und Lauri verschwunden waren. Irgendwie waren sie in eine Art Chill-out-Raum gekommen, wie immer hatte keiner den Lichtschalter gefunden, aber da das Zimmer ein Fenster besaß, hatten sie es doch noch auf das riesige Sofa geschafft, ohne sich ein Bein zu brechen. „Süße, könntest du dir vorstellen, mich irgendwann zu heiraten?“ „Was?“ „Ich glaub, du hast mich verstanden.“ „Lauri, ich lieb dich über alles, aber . . .“ „Wovor hast du Angst?“ Stille, lange Zeit. Dann ihre leise, verunsicherte Stimme. „ Dass ich dir wehtun könnte, vielleicht, oder dass es so wird, wie bei meiner Mum und meinem Dad.“ „Wie meinst du das?“ „Na ja, dass alles so normal wird, so eintönig. Dass wir nur noch zusammen sind, weil wir zu faul sind, uns scheiden zu lassen.“ „Du bist aber nicht so wie deine Mum, und ich bin nicht so wie dein Dad, hoff ich zumindest.“ „ Ich weiß.“ „ Mach dir keinen Stress, wir haben ja Zeit.“ So wenig Zeit . . . Nein, sie hatten keine Zeit. „Meinst du wir schaffen das?“ Sie drehte sich ein wenig, sodass sie ihm in die Augen sehen konnte. „Ja, ich glaub ganz fest daran.“ „Dann sind wir also hiermit offiziell verlobt?“ „Würd ich so sagen.“ „Cool.“ „Nein, falsch. Jetzt wäre die Stelle gekommen wo du „Oh, Lauri!“ hättest schmachten und in meine Arme fallen müssen.“ „Das ist nicht mein Stil.“ „Ich weiß.“ Sie trug wieder ihre weitesten Baggies, mindestens drei Nummern zu groß, sodass sie noch gerade so auf ihren Hüften hingen. Er fuhr mit den Händen unter ihr Shirt, wollte ihre warme Haut streicheln, als sie zusammenzuckte und seine Finger wegschubste. „Sorry, ich . . .“ „Du hast schon wieder so saukalte Hände, darling. Gib mal her.“ Sie nahm seine Hände zwischen ihre und kuschelte sich wieder enger an ihn. „Wir hätten uns gar nicht anziehen brauchen, is sowieso schweinemäßig kalt hier drin . . . oh, schatz, ich glaub, deine Lippen sind auch schon ganz blau.“ „Dann tu doch was dagegen.“

(Lauri)

Ein schöner, sanfter Kuss, ich will nicht aufhören, aber ich muss. Ich muss dich festhalten, ich weiß, dass du das hier alles unheimlich findest, die Dunkelheit, die uns zu verschlingen droht, der Sturm, der geräuschvoll an den Mauern entlang streift. Vielleicht hab dich extra deshalb hierher gebracht, damit du dich an mir festhältst und deinen Kopf auf meine Schulter legst. Damit du mir deine schwache Seite zeigst und lernst, mir zu vertrauen. Oder tust du das längst? Ich würde dich so gerne fragen, aber ich kann nicht. Es würde alles zerstören, diese wunderbar Stille und die Zärtlichkeit, die du mir entgegen bringst. Ich wünschte, wir wären hier ganz allein, in diesem verdammten riesigen Gebäude, ohne die anderen, ohne Aki vor allem. Ich glaube dir, nein, mein Herz glaubt dir, aber mein Ego stellt sich quer. Es will einen Grund, dich schlecht zu machen, du bist eine Nummer zu groß für mich, das sagen alle. Was will so ein kleiner Spinner wie ich mit so einer Frau? Es stimmt, manchmal ertrage ich es nicht, wie du über den Dingen stehst, so herablassend zu den Leuten bist, die du nicht magst, oder ab und zu auch zu mir . . .Liebst du mich wirklich? Ich weiß es nicht. Du sagst es mir jeden Tag, aber ich weiß nicht, ob du es wirklich ernst meinst. Ich weiß nur, dass ich dich liebe, und zwar mehr als alles andere. Vielleicht kannst du aus meiner zaghaften Geste fühlen, was ich für dich empfinde. Deine Lippen an meinem Hals. Nur du kannst mich durch eine kleine Berührung elektrisieren. Ich beginne zu verstehen, was du meinst. Du hast Angst, dass es irgendwie nicht mehr so sein wird, dass wir uns egal werden und dass es nur jeden zweiten Samstag im Monat Sex gibt. Kann sowas mit uns passieren? Ich meine, wir sind noch so . . . ich kann es nicht beschreiben. Wir haben beide so einen eigenwilligen Lebensstil, ohne Ordnung, ohne Regeln, wir tun alles, um unser Leben wirklich lebenswert zu machen. Wir leben den Augenblick, das hier und jetzt. Wir sind wie Feuer und Eis, ich kann nicht sagen, was besser zu wem passt. Du siehst mich an, mit deinen unbeschreiblich schönen Augen, sie funkeln mich an, ich weiß, was du willst. Du willst immer alles sofort, du hast keine Geduld, so wie ich, ein Grund warum ich dich so sehr liebe. Andere Menschen finden das negativ, ich nicht, ich mag es. Du bist immer in Action, sogar wen du mal wieder an deinem Computer eingeschlafen bist, du siehst dann so aus, als würdest du dir schon wieder neue Ideen zur Erfüllung deines Lebenstraumes zusammenspinnen. Dein, du spinnst nicht rum, alles, was du tust, hat Hand und Fuß, trotzdem hast du deine kleinen Fehler, du akzeptierst sie, kannst über dich selbst lachen. Schon wieder deine Augen, und dein Hände, du willst Aufmerksamkeit. Reicht dir ein Kuss? Nein? Wir müssen gehen, später, bestimmt. Wir werden zusammensein, irgendwo nahe beieinander liegen, ganz ohne Hintergedanken. Ich will einfach nur bei dir sein, weil du mir Kraft gibst, so unendlich viel Kraft.

Kapitel 71
„Tiefer, Lauri, tiefer!“ „Jetzt schieb das scheiß Ding endlich darein!“ „Nich mal das kannst du, tzetze, typisch Sänger.“ „Fresse, ich schaff das schon noch.“ „Da unteeeeeeeeeen! Brauchst du ne Taschenlampe?“ „Ich habs ja gleich.“ „Reinstecken, rausziehen, fertig, was isn da so schwer dran?“ „Ihr seid solche versauten Wichser, das gibt’s gar nicht.“ „Du bist ne Frau, du verstehst nix davon.“ „Aber ertragen müssen wirs, ja?“ „Diese Unterhaltung is niveaulos.“ „Du hast Recht, Eero, komm, lassen wird die Kinder.“ Sie schubste Lauri vom Automaten weg und entwertete ihre Karte. „Deine Freundin kann das besser als du, Babyface, ich würd mir mal Gedanken mache.“ „Gleich schieb ich dich mit dem Kopf voraus in das Ding da, wenn du jetzt nicht endlich die Klappe hältst.“ „Er bringst einfach nicht, oder Ellie?“ „Argh, und das nennt sich Freundschaft.“ „Du bist nicht kritikfähig, Lauri.“ „Leckt mich.“ „Ne, danke, da hab ich bessres zu tun.“ „Ellie! Sag denen, die solln mich in Ruhe lassen.“ „Ohhhh, der große, böse, schwanzgesteuerte Aki und der große, böse versaute Pauli machen meinem armen kleinen Laurischatzi Angst! Ja was machen wir denn da?“ „ Toll, soviel zu deiner Unterstützung.“ „Na gut. Also: Aki, wir wissen da der coolste Checker im Umkreis von 10 cm bist. Pauli, du sollst dem Aki nich immer alles nachmachen. Eero, du bist das einzige männliche Wesen mit Hirn hier in diesem Raum. Lauri, du bist ne Memme.“ „Boa, jetzt haben wir aber unser Fett weggekriegt.“ „Lasst uns gehen, ich hab Hunger.“ „Ellie, das wandelnde Pizzafressungeheuer.“ „Kein Kommentar.“ Scheiße, hält sie mich wirklich für n Weichei? Das is unfair, die haben angefangen.

Ok, jetzt ist alles wieder gut. Der Sturm fegt immer noch über mein kleines Kaff, gut so, je kälter es wird, desto enger kuschelt sie sich an mich. Ich kanns kaum erwarten, allein mit ihr zu sein, das sage ich ihr auch. Süße, das Glitzern in deinen Augen macht mich ganz verrückt. Aki lässt irgendeinen dummen Spruch ab, ihr Mittelfinger schnellt nach oben, ihr linker Arm schlängelt sich ein bisschen enger um meine Hüften. Ich bekomme ihre Haare ins Gesicht, muss lachen. Sie sagt mir, dass sie mein Lachen gerne hört. Same on you, my darling. Am liebsten würde ich jetzt stehen bleiben, um sie zu küssen, die anderen gehen zu lassen, nur sie in meiner Nähe zu haben. Aber dann würde Eero höchstwahrscheinlich in uns reinrennen, er träumt mal wieder vor sich hin. Ich kann ihr also nur irgendwelche Sachen ins Ohr flüstern, alles, was mir gerade einfällt, über uns und unsere Zukunft. Ah, was wollen die davorn schon wieder? Na klar, ein Coffeeshop, was sonst. Eero erwacht aus seinem Tiefschlaf und fragt, ob es dort auch Süßigkeiten gibt. Seit mit Maja Schluss ist, wird er von Tag zu Tag fetter. Irgendwie verschwinde ich mit den anderen in dm Laden, soll tragen helfen oder so. Mein Gott, es ist doch nur Kaffee und ein bisschen Süßkram. Aber gut, es ist schließlich meine Band, meine Freunde. Sie ruft irgendwas von Heizung warm laufen lassen, dann kann ich sie nicht mehr sehen. Ich werde sie heute Nacht keine einzige Sekunde loslassen, niemals aus den Augen verlieren.

Scheiße, ein bisschen Kaffee? Von wegen, ich kann fast nichts mehr sehen, vor lauter Bechern. Nur Eero muss mal wieder nix tragen, der darf genüsslich sein Nougathörnchen mampfen. Pah, dafür wird ich nachher meine Süße vernaschen. „Links, Alter, du rennst gleich gegen die Mauer!“ Woher soll ich das wissen? Kann ja nix sehen. Boa, dieser blöde Wind bringt mich noch um, meine Finger frieren gleich ab. Soviel zum Thema Kaffee ist warm, ich lach mich gleich tot. „RECHTS!“ Is ja gut, ich komm ja schon. Warum is Aki heute so merkwürdig gereizt? Vielleicht hat er endlich kapiert, dass sie mich will, und nicht ihn, ha. Ich bleibe kurz stehen und drehe mich zur Seite, damit ich sehen kann, wohin die anderen laufen. Toll, jetzt sind die Penner auch noch weg. Aber . . . super, verarschen kann ich mich selber. „Komm raus, Aki, das ist nicht lustig.“ Denkt er etwa, dieses merkwürdige Gewimmere macht mir Angst? Mein Gott, wie dumm kann man eigentlich sein? Genervt gehe ich auf die dunkle Ecke zu, in der ich ihn vermute. Ja, da hockt er doch, schlechter Scherz, Hattu. Aber seid wann hat er so lange, hübsche Haare? Ich gehe einen Schritt weiter, langsam wird mir übel. Mein Körper wird steif, wie gelähmt, ich sehe aus den Augenwinkeln, wie ich den Kaffee fallen lasse. Die lauwarme Brühe rinnt über den bereits nassen Boden, breitet sich aus, überschwemmt den kalten Teer. Kein Wort, eher ein Hauchen, das aus meinem Mund kommt, als ich ihren Namen sagen will. Keine Reaktion. Es tut verdammt weh, als meine Knie aufschlagen, sofort breitet sich Kälte über meine Beine auf meinen Körper aus. Mit zitternden Fingern streiche ich eine Strähne aus ihrem Gesicht, spüre die heißen Tränen, die geräuschlos über ihre Wangen laufen. Vollkommene Stille, ihr Körper zuckt nur noch, ihre Knie sind angezogen, die Arme fest darum geschlungen. Ich rutsche noch ein bisschen näher an sie heran, kann spüren, wie meine Haut von der groben Behandlung schmerzt. Ich kann nicht mehr sprechen, ich kann nur flüstern, allein das ist unheimlich anstrengend. Endlich, sie sieht mich, ihr Blick fleht, ich weiß nicht worum. Kann sie meine Nähe überhaupt ertragen? Vorsichtig nehme ich sie in den Arm und drücke sie an mich. Kein Widerstand. Ihre Klamotten sind fürchterlich nass und kalt, ich will gar nicht wissen, was passiert ist. Ich fühle, wie sie dagegen ankämpft, sich gehen zu lassen. Wie kann sie nur, in so einer Situation? Langsam entspannt sie sich, droht ohnmächtig zu werden. Was soll ich tun, ich kann mich nicht bewegen, nicht schreien, ich kann sie nur festhalten. Es wird ihr nicht helfen, ich muss etwas tun. Meine Hand tastet nach meinem Handy, verschwommen kann ich das Display erkennen. Mir wird schwindlig, zwinge mich zur Konzentration. Ich wünschte, sie würde irgendetwas tun. Die Rollen, die wir gerade spielen, sind mir unheimlich, ich komme nicht damit zu Recht. Ihre Stärke ist fast gänzlich verschwunden, mir wird bewusst, wie oft ich es war, der sich an ihre Schulter gelehnt hat. Dennoch habe ich die seltenen Momente genossen, in denen ich für sie da sein, ihr etwas zurückgeben konnte. Ich will ihr helfen . . . oder sterben. Sie lässt sich gegen mich sinken, erschöpft und nahe dran aufzugeben. Mein warmer Atem an ihrem Ohr, ich scheine sie zu verlieren. Irgendwie schaffe ich es noch, einen Krankenwagen zu rufen, dann ist es vorbei. Mir wird langsam schwarz vor Augen, ich lege meinen Kopf in den Nacken, sodass der kalte Regen auf mein Gesicht fallen kann. Warum darf ich niemals glücklich sein? Was hab ich getan, das der Kerl da oben mir alle Jahre wieder eine reinhaut? Ich glaube, diesmal hat er einen k.o. – Schlag gelandet. „Wetten, das die wieder in irgend ner Ecke stehn und sich gegenseitig auffressen?“ Halt die Fresse, Aki, halt einfach deine verdammte Klappe. Stimmen, die näher kommen, ein erstickter Aufschrei. Unendlich viel Zeit vergeht, es kommt mir wie Stunden vor, bis der Wagen endlich kommt. Alles geschieht wie in Trance. Diese widerlichen Geräusche, schließlich die Notaufnahme. Endlich kann ich zusammenbrachen, irgendjemand packt mich an den Schultern, ich kenne seinen Geruch und bin froh, dass ich Freunde habe.

Kapitel 72

Langsam öffne ich die Augen, sofort schießt mir der absonderliche Krankenhausgeruch in die Nase und lässt mich erschaudern. Eero sitzt neben mir, er ist eingeschlafen, genauso, wie Aki, Pauli und . . . ich. Scheiße, was ist überhaupt passiert? „Herr Ylönen?“ „Ja?“ „Sie möchte Sie sehen, aber nur eine Minute, keine Sekunde länger.“ Ach ja, jetzt, wo ich aufstehe, fällt mir dir ganze Mist wieder ein. Am liebsten möchte ich mich umdrehen und weglaufen, diese Situation ist so neu und unheimlich für mich. Seit ich denken kann, war ich noch nie in einem Krankenhaus, Gott sei Dank. Der weißbetitelte Kerl führt mich durch endlose Korridore, riesige, automatische Feuerschutztüren, Aufzüge, Treppenhäuser. Hallo? Bekommt der Typ mehr Geld, wenn er mit mir nen kleinen Rundgang macht? „Eine Minute.“ Ja, ich weiß, bin ja nicht taub. Oh mein Gott, das darf doch nicht wahr sein, was hat dieser Scheißkerl mit ihr gemacht? „Hey, meine Süße, wie geht’s dir?“ „Scheiße. Einfach scheiße.“ „Du schaffst das schon, wir haben ja schließlich noch was wichtiges zu erledigen.“ „Elisabeth Ylönen, klingt schön.“ „Seit wann magst du deinen Vornamen?“ „Seitdem er so schön zu deinem passt.“ „Jetzt aber raus, sie braucht ihre Ruhe.“ „Wichser. Lauri bleib hier.“„Ich kann nicht, Kleines, aber ich lieb dich, ok?“ „Ok, ich lieb dich auch.“ Ein hauch von einem Kuss, der blöde Penner zerrt mich aus dem Raum, schubst mich fast in meine bandmates rein, die vor der Tür rumstehen und auf ihren Fingernägeln herumkauen. „Und? Wie geht’s ihr? Spucks aus, Alter!“ „Zitat Mme Ylönen: „Scheiße.“ Zitat Ende.“ „Ok, dann is ja gut . . .aber Mme Ylönen? Hä, hab ich da was verpasst?“ „Aki, du Hirnathlet, nu denk doch mal nach! Unser Dauersingle hier mutiert demnächst zum Ehegatten.“ „Ach du heilige Scheiße! Das muss gefeiert werden, lasst uns in der Cafeteria ne Flasche Sekt aufmachen.“ „Ich will nix mehr von Kaffee hören, aber Sekt hört sich gut an.“ Zusammen gehen wir den langen Weg zurück zur Kantine, die anderen labern alle wild durcheinander, nur ich bin still. „Hey, Alter, wasn los? Es kommt bestimmt wieder alles in Ordnung.“ „Scheiße, Eero, ich komm mir vor, als würde ich auf einem Seil zwischen Paradies und Verdammnis rumlaufen, wenn ich ausrutsche, ist mein Leben entweder schöner als ich es mir je vorgestellt habe, oder aber ich habe das Gefühl nie mehr glücklich zu sein.“ „Mhm. Das wird schon . . .“ Nachdenklich drehe ich den Ring an meinem Finger, den sie mir heute Morgen geschenkt hat. Eine Nachbildung des Originals aus dem Lord of Rings, unbeschreiblich schön. Lange hat sie meine Hand gehalten, ich werde ihn nie wieder abnehmen, niemals. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn das alles nicht passiert wäre, mit diesem scheiß Kaffee. Was würden wir jetzt tun? Ich glaube nicht, das wir wirklich ins Bett gegangen wären, im einen, wie auch im anderen Sinn. Wahrscheinlich würden wir im Park sitzen, an meinem Lieblingsplatz, der kalte Regen würde über ihr in der Dunkelheit hell schimmerndes Gesicht laufen und sie würde mich ansehen, mit ihren feurigen, wunderschönen Augen. Würde mir mein nasses Haar aus dem Gesicht streichen, mich mit ihrem Blick fesseln, an die wand nageln, schließlich mit einem vorsichtigen Kuss wieder erlösen. Unsere Klamotten würden schlapp und schwer an unseren Körpern hängen, uns vor Kälte erzittern lassen. Meine Fantasie trägt mich davon, alles scheint plötzlich so real. Ich kann deutlich sehen, wie ihre nackte Haut durch das triefende Shirt schimmerte, das Wasser unheimliche Lichtreflexe erzeugt. Kein richtiger Kuss, eher ein flüchtiges Berühren unserer Lippen, fast geisterhaft. Sie lehnt sich zurück, zieht mich mit, bis ich über ihre knie, den peitschenden Sturm auf meinem Rücken spüre. Ihre Fingernägel zeichnen Muster auf die freie Stelle zwischen den Saum meines Shirts und dem Bund meiner Jeans. Schwarz natürlich, wie alles an uns, niemand würde uns bemerken, wenn sie jetzt nicht leise meinen Namen sagen würde. Die Vorstellung ist zu verlockend für meinen kranken Verstand, ich beginne in ihr zu versinken, kann fast deutlich spüren, wie meine Hand unter ihren Rücken gleiten und sie vorsichtig stützt, während ich sie küsse. Das modrige Holz ist zu unbequem, also hebe ich sie hoch und lasse sie erst auf einem freien Stückchen Gras wieder herunter. Sofort gibt das junge grün nach, zerreist unter der Belastung von uns beiden gibt den Erboden frei. Nach wenigen Augenblicken sind wir schlammverschmiert, nur ihr Gesicht ist noch so schön und klar wie immer. Ihre Hände auf meinem Rücken, unter dem unförmlichen Stofffetzen , der vor kurzem noch mein Lieblingsshirt war. Jetzt ist auch dort nasse Erde, rinnt langsam nach unten, entlockt mir ein leichtes Zittern. Sie lächelt, drückt mich an sich, ich kann die Konturen ihres Körpers fühlen und schlinge meine Arme um sie. Ihre Augen sind geschlossen, sie genießt meinen Kuss. Gierig geworden löse ich meine Lippen von ihren, ich will, dass der Schlamm jeden Teil ihres vollkommenen Körpers bedeckt. „Lauri? Is alles ok?“ „Ja, Eero, passt schon.“ Scheiße, ich muss diese Fantasien abstellen.

Kapitel 73

[in der Cafeteria]

Wir haben die Flasche Sekt geleert, dann eine zweite, schließlich eine dritte. Wir reden so unbeschwert wie schon lange nicht mehr miteinander. Ich glaube, zwischen Aki und mir ist jetzt wieder alles in Ordnung. Ich habe meinen besten Freund zurück, ein geiles Gefühl. Viertel nach elf, die Putzfrau schmeißt uns raus, blöde Schlampe, dabei wars doch grad so lustig. Während die anderen noch auf sie einreden, mache ich mich schon auf den Weg zu Ellie. Ich will ihr noch eine gute Nacht wünschen, bevor ich gehe. Hoffentlich lassen mich die Götter in weiß noch mal zu ihr, sonst krieg ich heute Nacht kein Auge zu. Links, rechts, ich hasse Krankenhäuser, habe ich das schon mal erwähnt? Endlich, dritter Stock, Intensivstation. Allein das Wort lässt mich erschaudern. Der Quacksalber von vorhin rennt über den Flur, ein paar Schwestern folgen ihm. Gut, dann kann ich ein bisschen länger bei ihr bleiben. Ich zähle die Zimmer, noch vier, drei, zwei, nein ,das ist das falsche Zimmer, noch eins weiter. Aber . . .das darf nicht wahr sein. Meine Schritte beschleunigen sich, fast fange ich an zurennen. Geradewegs in so einen fetten Dragoner hinein. „ Sie können da jetzt nicht rein.“ „Natürlich kann ich.“ „Der Doktor ist gerade bei ihr.“ „Dann soll er seinen Arsch gefälligst von meiner Freundin wegbewegen.“ Upsala, der Alk, viel zu viel. „Bitte, setzen Sie sich.“ Warum schreit die mich nicht an? Warum zum Teufel rennen immer mehr Leute in ihr Zimmer. „Verdammte Scheiße, ich will wissen, was los ist!“ „Sie können jetzt gar nichts tun.“ „ICH WILL WISSEN, WAS LOS IST!“ „Ein paar kleine Schwierigkeiten, nichts weiter.“ „Warum kann ich sie dann nicht sehen?“ „Weil . . .ah, Doktor, gut, dass sie da sind, dieser junge Mann hier . . .“ „Herr Ylönen?“ „Ja, verdammt! Ich will jetzt endlich wissen, was da drin vorgeht!“ „Beruhigen Sie sich erst mal.“ Warum kommen die jetzt plötzlich alle wieder aus dem Zimmer? Und warum, zum Teufel, machen die so bedrückte Gesichter? „Ich will sie sehen.“ „Sie können nichts mehr für sie tun.“ „Was?“ „Wir haben alles getan . . .die inneren Blutungen waren zu stark, wir hatten keine Chance.“ „Nein.“ „Herr Ylönen, ich weiß, wie schwer das für Sie sein muss.“ Gar nichts weiß er, einen Scheißdreck weiß er über meine Gefühle, den Schmerz, der mich zu ersticken droht. Langsam drehe ich mich um, zitternd. Ich sehe, wie Aki, Pauli und Eero auf mich zu kommen. Der Flur beginnt sich zu drehen, Bilder fliegen an mir vorbei. Ihr Gesichtsausdruck, wie sie sich ihre Wohnung ansah, die Freude in ihren Augen. Ihr Blick, bevor wir uns das erste mal geküsst haben, so vorsichtig, so schüchtern und unsicher. Unsere erste Nacht . . . Ihre wunderschönen, langen Haare, schokoladenbraun wie ihre Augen. Die prickelnde Spannung, wenn ich im Begriff war, sie zu berühren. Erst jetzt fällt mir ein, wie hübsch sie eigentlich ist, war. Wie ein Engel, der mir Glück gebracht hat, ein dunkler Engel, mit einem strahlenden Licht tief im Inneren. Der goldene Ring glitzert an meiner Hand.
Ewig binden, ja das wollten wir, für immer zusammensein, niemals auseinander gehen. Ich habe sie verloren, für immer, durch einen banalen Becher Kaffee. Die Wärme ihres Körpers auf meiner Haut, ich kann sie deutlich spüren. Die schönen Momente, in denen wir uns so nahe waren. Ihr heißer Atem an meinem Ohr, wenn sie mir etwas zugeflüstert hat, ihre Lippen an meinem Hals. Die drei Worte, die ich nur aus ihrem Mund hören wollte, die letzten drei Worte, die wir gewechselt haben. Ich schlage auf dem kalten Lamynaht auf, kann Menschen über mich gebeugt sehen. „Schwester!“ Ich will keine Schwester, ich will meine Frau zurück. Meine Frau . . .ja, das wäre sie geworden. Meine Vorstellung schweift ab, sie seht in ihrem Brautkleid vor mir, ganz in weiß, unwahrscheinlich schön. Ihre roten Lippen, als ich sie küsse, ihre Hand auf meinem Rücken, überall auf meinem Körper. Es ist vorbei, sie ist tot, sie wird nie mehr wieder kommen, sie hat mich allein gelassen. Er hasst mich. Er will nicht, das ich glücklich bin, weil ich nicht an ihn geglaubt habe, bis jetzt. Er hat sie mir weggenommen, weil er will, dass ich leide, um Gnade flehe. Ich werde es nicht tun, ich werde ihr folgen, bei nächster Gelegenheit. Irgendjemand tätschelt an meiner Wange herum. Ich kann spüren, dass es nicht ihre Hand ist, also ist es mir sowieso egal. Ich folge lieber der Verlockung, die die Dunkelheit mir bietet. Den Schmerz vergessen, diese Welt für ein paar Augenblicke zu verlassen. Die Geräusche rücken in weite Ferne, ich kann mich wieder in meine unsinnigen Fantasien stürzen, ein letztes Mal bei ihr sein, ihre trostspendende Nähe spüren.
Sie und ich, das war etwas anderes, nicht einfach eine Beziehung, die vorbei geht, Platz für etwas Neues schafft. Ich habe sie geliebt, ich liebe sie immer noch, wie noch keine Frau zuvor. Warum hört dieser grausame Strom an Bildern nicht endlich auf? Die Trostlosigkeit verfolgt mich weiter, immer weiter, ich habe sie verloren.

Kapitel 74

„Lauri?“ „Mhm?“ „Wir müssen gehen, du weißt schon, der Notar und so.“ „Ich komm nicht mit.“ „Aber danach . . .“ . . . ist diese scheiß Beerdigung. Ihre Eltern sind extra aus Deutschland gekommen und lassen sich bemitleiden, natürlich haben sie den ganzen Kram auf einen Tag verlegt, Geld sparen. Sie war ihre Tochter, ich kann es einfach nicht verstehen. Tun auf am Boden zerstört, dabei kann ich mich noch genau an die letzten Worte erinnern, die ihre Mutter ihr an den Kopf geworfen hat. „Ich habe keine Tochter mehr . . .“ Scheiße, wenn ich könnte, würde ich jetzt losheulen, aber es geht einfach nicht mehr. Ich fühle mich wie leergefegt, unfähig so etwas wie Glück oder Freude zu fühlen. „Ich will nicht!“ Leicht reizbar, Hannah, es tut mir leid. „Bitte, Lauri.“ „Warum sollte ich? Ich will nix von ihrem Zeug.“ „Ich weiß, aber . . .bitte.“ „Nicht mal du kennst nen Grund, warum ich dahin gehen sollte.“ „Vielleicht, weil sie dich lieb hatte . . .und du sie genauso?“ „Hat sie dir das gesagt?“ „Ja.“ „Ich will, dass sie wiederkommt. Sag mir, dass das alle nur ein schrecklicher Alptraum ist.“ „Komm jetzt, es ist schon spät.“ Ich will sie ansehen, aber sie weicht meinem Blick aus. Natürlich, wie könnte ich träumen, ich hab noch nicht genug Schmerz in meinem Leben gefühlt. Also immer kräftig druf, mit mir kann mans ja machen. Ich muss mehr fluchen, ich hab keinen Bock zu dem Penner da oben zu kommen, wenn’s mal vorbei ist mit mir. Wahrscheinlich bin ich so was wien Hausdepp für ihn. Mal sehen, was passiert, wenn wir dem kleinen Lauri die Liebe seines Lebens wegnehmen . . . ach Gottchen, jetzt isser traurig, wie süüüüß! Was geschieht als nächstes? Lass mich raten. . . ah, ja, die Band löst sich auf, alle unsere Platten werden verbrannt und meine Lycris verboten. „Alles ok mit dir?“ „Ja, ja.“ Ich muss aufhören, mit mir selbst zu reden. Langsam wird ich echt hirnkrank. Scheiße, nu halt doch endlich ma die Klappe. Geht nicht. Warum? Weil ich sie geliebt hab. Na und? Nix na und. Is so. Kein Grund Selbstgespräche zu führen. Okay, okay, ich hör ja auf.
„Wirklich?“ „Ja, verdammt noch mal, wie oft soll ich’s den noch sagen?“ Tut mir leid, Hannah, ich will das alles nicht. „Ich kann ja verstehn, dass das schwer für dich ist, aber deshalb musst du deinen Frust noch lange nicht am Rest der Menschheit auslassen.“ „Sorry.“ „Passt schon, aber wir müssen jetzt endlich los.“ „ Ich zieh mir nur noch schnell was andres an.“ Wie sie mich ansieht. Wahrscheinlich denkt sie, dass ich doch eh immer gleich aussehe, immer gleich schwarz. Ich stehe auf und höre ein leises Klingeln in meiner Hosentasche. Natürlich, Ellies Kette, was sonst. Ich schleppe sie schon seit Tagen mit mir herum, weiß noch, wie es war, als ich sie ihr das erste Mal abgenommen habe. Das glitzernde Silber lag schwer in meiner Hand. Es glühte fast, war von ihrem warmen Körper aufgeheizt worden. Achtlos habe ich es aufs Bett geschmissen, um sie küssen und an mich ziehen zu können. Die Momente, in denen sie sie nicht trug, waren so kostbar, es sind die Momente, die ich ewig in Erinnerung behalten werde. Nicht, dass ich über sie hinweg bin, nein, ich habe noch nicht mal akzeptiert, dass sie nicht wiederkommen wird. Ich hoffe noch, es ist der pure Schwachsinn, aber ich hoffe immer noch, dass alles gut wird.
Ich steige zu meiner Schwester ins Auto, hefte meinen Blick sofort an der Scheibe fest, damit sie erst gar nicht in Versuchung kommt, mich anzusprechen. Was gibt es schon groß zu reden? Ist doch eh alles egal, mir jedenfalls. Bäume und grüne Wiesen ziehen an uns vorbei, der Park blüht auf, der Sommer ist zurück. Für meinen Geschmack viel zu heftig, zu aufdringlich, zu schnell. Es ist unangenehm warm geworden, okay, ich bin der einzige, der das so empfindet. Alle anderen scheinen sich ja über das schöne Wetter zu freuen, ich würde ja auch so gern. Was wäre wohl passiert, wenn ich damals nicht hingeflogen wäre? Nichts würde so sein, wie es jetzt ist. Vielleicht wäre es besser, oder aber schlechter. Nein, es kann nicht schlimmer sein, als es jetzt ist, das ist unmöglich. Langsam werde ich wütend, ich will nicht, dass die Sonne scheint und alle Menschen glücklich sind. Ich will, dass es stürmt, schneit, regnet, was auch immer, es muss nur möglichst dunkel sein.

Kapitel 75

Gut, ich habe es also geschafft. Langsam gehe ich den schmalen Kiesweg entlang und drehe gedankenverloren den schmalen Umschlag in meinen Finger. Niemand hat bemerkt, dass ich mich von der Beerdigung weggeschlichen habe, nicht mal Hannah oder die Jungs.
Ihre Eltern haben nichts bekommen, außer einem Brief, so wie ich. Die waren vielleicht sauer . . .was haben sie sich eigentlich eingebildet? Ihre Tochter verstoßen, und dann ihr gesamtes Vermögen kassieren? Ich sehe in Gedanken ihr gehässiges Grinsen vor mir. Sie hätte vor Genugtuung losgelacht, wenn sie das noch miterlebt hätte. Mein Gott, wie rede ich eigentlich?
Ich verfüge jetzt über die Hälfte ihres Besitzes, den anderen Teil hat Mary bekommen. Keine Ahnung, was ich damit anfangen soll, ich hab nur angenommen, weil sie es so wollte. Steht in dem Brief. Ich habe ihn nur überflogen, jetzt werde ich ihn sorgfältig lesen, da vorne, auf der Lichtung. Niemand hat gemerkt, dass die Rasierklinge an meinem Handgelenk seit heute Mittag echt ist. Wie auch? Schließlich achte ich auf einen Sicherheitsabstand von mindestens einen Meter. Kann immer noch die zärtlichen Berührungen auf meinem Körper fühlen . . .
Ich setzte mich auf einen ausgewaschenen Felsblock, der im Halbschatten unter den Bäumen liegt. Halb zugewachsen und abgeschliffen ist er, ziemlich alt. Es ist ein wunderschöner Tag, eine frische Brise trägt den Lärm spielender Kinder an mein Ohr. Vielleicht hätten wir auch mal welche gehabt, eines Tages, in ferner Zukunft. Dreisprachig aufgezogen . . . ich muss lächeln. Ein Kauderwelsch aus Finnisch , Deutsch und Englisch. Noch habe ich die Wahl. Ich kann weitermachen, mir ne andere suchen, eine Familie gründen und glücklich werden. Nein, glücklich werden, das wird wohl nie mehr passieren, ich würde immer in einer Scheinwelt leben, meine Frau mit ihr vergleichen. Keine könnte meine Kriterien erfüllen, nachdem ich sie lieben gelernt habe. Oder ich könnte endlich Schluss machen, aufhören, mich mit Gedanken an sie zu quälen. Ja, es ist wirklich ein wunderschöner Tag, ein Tag, der mir nichts bedeutet, wie alle anderen Tage, die folgen werden. Ohne irgendeine Emotion zu empfinden löse ich die neue Klinge von dem dünnen Lederbändchen an meinem Handgelenk. Sie ist wirklich noch ganz scharf, niemals zuvor benutzt. Dies hier wird ihr erster und letzter Einsatz sein. Ob Sterben wohl weh tut? Egal . . . bestimmt nicht mehr als sie zu verlieren. Mit einer schnellen Bewegung fahre ich über die dünne Haut, im nächsten Moment tropft die rote Flüssigkeit auf das Gras zu meinen Füßen. Mir wird leicht schwindlig, ich kralle mich mit der Rechten am kalten Stein fest. So soll es also enden, ich es selbst gewollt. Eine seltsame Ruhe überkommt mich, jetzt kann nichts mehr passieren, ich muss vor nichts mehr Angst haben. Ich hab die Fäden aus der Hand gegeben, die zwanghafte Kontrolle an den Nagel gehängt. Wie wird es wohl sein, der Tod? Es tut nicht weh, dass weiß ich jetzt, aber was kommt danach? Ich lege den Kopf zurück auf den moosüberwucherten Fels und schließe die Augen, um es herauszufinden.
„Lauri!“ Lasst mich endlich, ich bin so nah dran, noch ein kleines bisschen, und ich hab es geschafft. „ Darling, mach die Augen auf.“ Das kann nicht sein, ich hab es geschafft. Ich bin . . . bei ihr. Vorsichtig blinzle ich. Derselbe Ort, der gleiche Wald, die gleiche Wiese. Mit einem Unterschied: ich bin nicht mehr allein. „Ellie?“ Mehr ein Hauchen, ein Flüstern als ein gesprochenes Wort. „Ja, du Trottel. Kaum lässt man dich allein, baust du schon wieder Mist.“ Sie presst ihre Hand auf die Wunde, so stark, dass es fast wehtut. „Was . . .wo bin ich?“ „Guck dich um.“ „Aber . . .“ „Warum hast du das gemacht?“ „ Ich kann nicht mehr, ich will bei dir sein.“ „ Und deshalb versuchst du, dich umzubringen? Das bin ich nicht wert.“ „Doch ,das bist du. Ich schaffs einfach nicht mehr, kannst du das nicht verstehen?“ „Ich versuchs ja . . . Honey, ich hab nicht viel Zeit, du machst jetzt genau das, was ich dir sage, ok?“ „Nicht viel Zeit?“ „ Sag ja! Bitte, Lauri, tu einfach das, was ich dir sage.“ „Nur, wenn du mich noch mal küsst.“ Sie sieht mich an, halb belustigt, halb verärgert. Endlich legt sie ihre freie Hand in meinen Nacken und zieht mich an sich. Unsere Lippen berühren sich, erst zaghaft, dann immer heftiger, wir spielen miteinander, leidenschaftlicher als je zuvor. Viel zu schnell löst sie sich von mir, haucht mir nur noch eine liebevolle Berührung auf den Hals. „Ok, jetzt?“ „Mhm, ja.“ „Du nimmst deine rechte Hand und drückst so fest zu, wie du nur kannst, alles klar? Ich bin gleich wieder da.“ „Lüg mich nicht an.“ „Tut mir leid.“ „Warum bist du da?“ „Weil du das nicht tun darfst, ganz einfach.“ Sie will davon gehen. „Ellie?“ „Ja?“ „Ich liebe dich.“ „Ich lieb dich auch, Lauri.“ Mit einem Lächeln verschwindet sie, alles wird schwarz um mich herum, ich verwende meine ganze Kraft dazu, meine Finger auf die Wunde zu pressen. Vielleicht werde ich es nicht schaffen, aber ich habe sie noch einmal küssen dürfen, noch ein allerletztes Mal.

Kapitel 76

„ Er kommt zu sich. Schwester!“ Schwester, Schwester, was soll der Scheiß? Kann man auf dieser abgefuckten Welt nicht mal in Ruhe sterben? Augen aufmachen oder lieber nicht? Ich riskiers einfach mal. Vielleicht ist sie ja da, dann würde sich es wieder lohnen hier zu sein. . .
Nein, es ist nur wieder Hannah, die neben meinem Bett sitzt und meine Hand fast totquetscht. „Lauri, Kleiner, geht’s dir gut?“ Kann ich nich ne kleine Schwester haben? Ich werde sie nicht Mama oder so nennen. „Mhm.“ So, mehr gibt’s nicht von mir, bis ich meine Süße hier sehen kann. „SAG MAL WAS FÄLLT DIR ÜBERHAUPT EIN? HAST DU SIE NOCH ALLE?“ Schrei mich nicht so an, ich bin ja nicht taub. „LAURI!? ANTWORTE MIR GEFÄLLIGST!“ „Es ist ja gut, Frau Ylönen, wie sie sehen hatte er es sich noch mal anders überlegt.“ „Entschuldigen Sie, Doktor.“ „Schon in Ordnung, aber Sie sollten jetzt wirklich gehen.“ „Ja, ciao, Kleiner.“ Argh, weder bin ich klein noch bereue ich, was ich getan habe. Sie ist schuld, dass ich immer noch hier bin. Warum tut sie mir sowas an? Warum hat sie mich nicht einfach machen lassen? Weil ich das nicht tun durfte, ganz einfach . . . Das hat sie mir gesagt. Irgendwas muss ich hier noch erledigen, bevor ich gehen darf. Sie werden mir nicht glauben, wenn ich ihnen erzähle, dass sie mich gerettet hat. Die glauben tatsächlich, dass ich kalte Füße bekommen habe. Gut, dann heißt es also schweigen, ihnen nach dem Mund reden, sonst wandere ich gleich ins nächste Krankenhaus, aus dem ich nicht mehr so schnell rauskomme. Ich hab ja noch die Band, genau ich werde mich jetzt in Arbeit stürzen, das nächste Album wird ein Knaller. Nur für sie werde ich die Texte Schreiben, ihnen Namen geben, mir den Kopf darüber zerbrechen welcher Sound wohl dazu passt. Nur für sie . . .

[ 2 Wochen später ]

Oh, nein, euch Groupies werd ich die Tür nicht aufmachen. Wer draußen auf dem Gehsteig zeltet, nur um mich mal zu sehen, kommt mir nicht ins Haus, no Chance. Da ist es schon wieder, muss ein hartnäckiger Fan sein. Scheiße, grad hatte ich so schöne Ideen, dieses abgefuckte Klingeln hat mich voll aus der Konzentration gebracht. Gut, schön, dann geh ich eben hin, aber wehe, die beschweren sich dann, dass ich sie anbrülle. Seufzend stehe ich auf und begebe mich zur Tür, eher schleppend als gehend. Ich stehe jetzt ganz nah an der Wand, kein Gekreische ist zu hören. Ist das die Ruhe vor dem Sturm oder so? Keine Ahnung, mach endlich auf, Alter. Ich höre auf die Stimme in meinem kranken Kopf, lege die Hand an den Türgriff, drück ihn herunter und ziehe die Tür mit Schwung auf. „Äh, Hallo . . .“ Ein einzelnes junges Mädchen steht auf meiner Schwelle, sie ist ziemlich nervös, ihr Blick ruhelos. Sie hat weder einen Stift, noch ein T-Shirt von uns oder irgendwas Fanartiges an sich. Ich finde sie auf Anhieb sympathisch, kenne sie irgendwo her, sie kommt mir bekannt vor, obwohl sie erst um die fünfzehn ist. „Hi, was kann ich für dich tun?“ Was war denn das für ein Satz? „ Wie soll ich sagen . . .?“ Sie ist nicht von hier, trotzdem spricht sie hervorragend Finnisch, meine Güte, sie ist doch noch so jung. „ . . .du wärst fast mein Schwager geworden.“ Hä? Doch natürlich, jetzt weiß ich, woher ich sie kenne. Sie hat langes braunes Haar und ihre Augen . . . mit diesen Augen bringe ich so viel schönes in Erinnerung. „ Ich bin Elisabeths Adoptivschwester, wir hatten einige Zeit Kontakt bevor sie . . . du weißt schon.“ „Komm rein.“ Ich trete ein Stück zur Seite, mache eine einladende Geste. Jetzt kenne ich den Grund, warum ich hier bleiben sollte. Sie hat mich nicht allein gelassen, ich liebe sie so sehr.

Ende.

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