Tervetuloa

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~~*One hot Minute*~~






Chapter 1

Scheiße, erst der Flug von Hellsinki hierher, dann noch der Stau und diese gemeine Hitze. Ich glaub, ich nehm mir gleich nen Strick. Und jetzt sollen wir auch noch die Crew kennenlernen, mit der wir das neue Video drehen werden. Mann, ich hab keinen Bock mehr, gebt mirn kühles Bier und ich bin glücklich. Wenigstens werden die Cheerleader auch da sein, vielleicht heitert mich das ein bisschen auf. Der Bus stoppt, wir steigen aus. „Yeah, Titten und Ärsche, was will man mehr?“ Aki scheint ja noch ziemlich fit zu sein, jedenfalls hat e noch genug Kraft, die Mädchen vom Zimmerservice anzugaffen. Würd ich ja auch gern, aber dann wird ich wieder rot wie ne Tomate- Also weder Titten noch Ärsche für mich. Warum bin ich nur so verdammt schüchtern? Bullshit . . . ich will endlich schlafen. Die Hotelmanagerin überschlägt sich ja fast vor Freundlichkeit, führt uns in den Konferenzraum, wo wir kurz die Leute, mit denen wir in den nächsten Tagen arbeiten, sehen werden. Sie ist nicht mehr ganz jung, Aki ist das egal. Ich frage mich immer wieder, wie seine Beziehung das aushält. Ich brauch mir da ja keine Gedanken zu machen. Eero träumt wieder mal vor sich hin, hoffentlich knallt er gegen die nächste Wand. Na und Pauli studiert einen seiner zigtausend Diätpläne, den er sowieso nicht einhalten wird. Hey, ich bin treu, seh gut aus und kann zuhören. Warum verdammt hab ich keine Freundin? Vielleicht bin ich zu perfekt für diese Welt, who knows.

„Kaja, mach hinne, wir sind eh schon zu spät!“ „Ich bin ja schon da.“ Die junge Frau schlug die Zimmertür hinter sich zu und gesellte sich zu ihrer Freundin, die schon ungeduldig am Treppengeländer auf und ab wippte. „Na endlich.“ „Komm wieder runter, Sofie, die sind doch noch überhaupt nicht da.“ „Wir müssen aber trotzdem pünktlich sein, oder willst du, dass Angie wieder Ärger bekommt?“ Mit großen Sätzen sprangen sie die Stufen hinunter ins Erdgeschoss. Angela Brandes, genannt Angie, war die Chefin der Gruppe Styling & Maske der Marini und Partner GmbH . sie hatte Sofie und Kaja ihre Jobs verschafft und ihnen die Möglichkeit gegeben an Musikvideos mitzuwirken. Miguel Marini, Leiter des Unternehmens, machte ihr oft das Leben zur Hölle. Keuchend ließen sich die beiden auf zwei freie Sessel in der Ecke des Konferenzraumes fallen. „Siehst du? Weder Angie noch Miguel oder diese geheimnisvolle Rockband hier.“ „Ja, is ja gut. Warum machen die wohl so ein Geheimnis aus diesem Video?“ Vielleicht kommen unsere Peppas gleich hier rein spaziert.“ „Schön wärs. Hast du mal ne Kippe für mich, Kajaschatz?“ „ Rauchen verboten, meine Süße.“ „Ach ja, scheiß Hotel.“ Sofie seufzte auf und ließ sich tiefer in den Sitz rutschen. „Du sagst es.“ Kaja schlürfte gelangweilt ihre Cola leer und sah sich schließlich im Raum um. Angewidert blieb ihr Blick an den blonden Cheerleadern hängen, die in der anderen hinteren Ecke saßen und wild kicherten. Sofie folgte ihren Augen und stöhnte genervt auf. „Ne, oder? Niemand hat was von Hupfdohlen gesagt.“ „Denen verpass ich n fettes freaky- gothic Make-up auf ihre zarten, rosa angeschmierten Gesichtchen.“ „Yeah, und dann schlitzen wir ihre Pompoms auf.“ „Und dann sind wir arbeitslos.“ „ Yo, aber wir hatten unseren Spaß.“ „Ich würd ja auch gern, aber ich hab ne andere Idee: am letzten Abend kippen wir ihnen Superbleiche ins Shampoo und blaue Hardcorefarbe in die Spülung, okay?“ „Hand drauf, ich freu mich jetzt schon wien Keks.“ „Apropos Keks. Heute Abend Süßigkeiten-Fressmarathon bei mir aufm Zimmer?“ „Aber immer doch.“ Kaja zuckte anzüglich mit den Augenbrauen und machte zwei weitere Flaschen für sich und ihre Freundin auf. „Von der Mitte, zur Titte, zum Sack, zack, zack.“ Das Glas stieß klirrend aneinander. Im nächsten Augenblick schlurften die Jungs von The Rasmus durch den Türrahmen, gefolgt von Angie, die wild gestikulierte, um ihre Mitarbeiter zum Aufstehen aufzufordern. „Solln wir ihnen noch nen Apfel schenken oder was?“ zischte Kaja und erhob sich schwerfällig von ihrem Sitzplatz. „Boa, sind die klein. Wie Schlümpfe, hehe.“ Sofie grinste herablassend und kaute auf ihrem Kaugummi herum. „ Den Fickmichtot-tussen scheint das ja nicht gerade viel auszumachen. Guck mal, die sabbern sich gleich ins Grab.“ „Das triffts genau. Sag mal, irgendwo hab ich die Typen schon mal gesehen . . .“ „Joa, ich auch, aber ich weiß nicht mehr wo. Is ja auch egal.“ „Mhm. Wegen heute Abend: Kleine oder große Mohrenköpfe?“ „Klein, für die könnt ich sterben.“ Angie schoss einen mahnenden Blick auf die beiden ab und kämpfte sich zu ihnen durch. „Jetzt reicht. Schnattern könnt ihr auch später.“ „Sind wir blond?“ kam es im Chor zurück. Die Chefin verdrehte nur die Augen und stellte sich in die Ecke hinter ihren Sesseln. „Ruhe ,Leute.“ Miguel, ein Italiener mit aalglattem Lächeln und fettigen Haaren räusperte sich und setzte sein Managerlächeln auf. „Hier sind sie also, unsere Überraschungsgäste aus Finnland . . .“ Lauri, Pauli und Eero lächelten schwach, nur Aki schoss einladende Blicke auf die weiblichen Wesen im Raum ab. „ . . .Ja, ihr habt richtig gehört, wir werden The Rasmus helfen ihr neues Video zu „First Day of my Life“ zu drehen . . .“ „Hab ich doch gewusst, dass ich die kenne.“ Kaja verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich zurück. „Wir werden jetzt die Aufgaben verteilen . . .“

Chapter 2

Ich hasse es, den Blicken von so vielen Menschen ausgeliefert zu sein. Und dann fällt mir natürlich nix besseres ein, als mehr als die hälfte des Jahres durch Europa zu touren. Schwachkopf. Besonders die beiden hinteren Ecken machen mich nervös. Links die Cheerleader, denen Aki schon die ganze Zeit zuzwinkert, rechts zwei Stylistinen. Die warten nur darauf, dass ich irgendwas Peinliches mache, das sehe ich an ihren abwartenden Blicken. Ich glaub, dich machen sich lustig über mich. Dann doch lieber die Blondis, geile Körper, muss ich schon sagen. Andererseits . . . die Kleinere von den beiden rechts fasziniert mich irgendwie. Sie hat lange schwarze Haare, durchgestuft und nicht gefärbt. Aber ihre Augen sind das Highlight in ihrem schmalen Gesicht. Tiefgrün, fast ein bisschen schwarz, einfach umwerfend. Nur nicht noch mal hinsehen . . . argh, Shit, zu spät. Die beiden lachen sich schon einen über meine Gafferei ab. Warum haben hübsche Frauen immer so nen scheiß Charakter? Hoffentlich ist das das erste und letzte Mal, dass ich ihr begegne.
„ . . . Sofie übernimmt Akis Maske, Kaja, du wirst dich um Lauri kümmern.“ Kaja, der Name passt zu ihr. Ein flüchtiger Blick, ihr Ich-hab-die-Arschkarte-gezogen-Gesichtsausdruck klaut mir den Rest an Selbstbewusstsein, den ich noch habe, hatte. Sie muss ganz schön was auf dem Kasten haben, schließlich sind zig Nahaufnahmen von meinem Gesicht vorgesehen.

„Kaja, deine Blicke können töten.“ „Dem hab ich’s gegeben, oder?“ „Joa, ich glaub, der hat jetzt Angst vor dir.“ „Ich bin ne Bestie, woahaha.“ Angie trat warnend gegen Kajas Sessel und beugte sich zu ihr hinunter. „Das ist deine Chance, vermassle sie dir nicht.“ Flüsterte sie ihr ins Ohr. „Ja, ich fress ihn schon nicht.“ „Irgendwie isser ja ganz süß.“ Sofie legte den Kopf schief und sah abwechselnd zwischen Aki und Lauri hin und her. „Das weiß ich erst, wenn ich seinen Body gesehen hab.“ „ Du mit deinem Muskeltick. Guck mal seine Nase, die ist doch zum auffressen.“ „Bäh, na danke. Aber wir können ja tauschen, dein Drummer sieht knackig aus.“ Kaja fing Akis Blick und lächelte ihn herausfordernd an. „Kaja! Sofie! Jetzt reichts aber.“ Langsam wurde Angie wütend, das Mädchen kannte ihre Grenzen und beschränkte sich darauf anzüglich mit dem Finger über den Flaschenhals zu fahren.

Endlich ist diese scheiß Sitzung vorbei, ab in die Falle. Morgen Drehbeginn um sechs Uhr morgens. Ich hasse meinen Job, nein ich liebe ihn. Aki haut mir auf die Schulter und springt um mich herum. „Alter, du hast son verdammtes Glück!“ „Ach ja?“ „Ja, Mann! Die Kleine mit den dunklen Haaren, die is ja sowas von geil!“ „Du meinst Kaja.“ „Scheiß drauf, wie sie heißt. Spätestens übermorgen hab ich die flachgelegt.“ „Aha.“ Mir doch egal, mit wem du rumpoppst. „ Die Cheerleader sind ja auch ziemlich heiß, aber die is ne Herausforderung. „Mhm.“ Halt doch endlich deine Fresse! „Was gehtn mit dir heut? Willst du sie etwa?“ Nein, verdammt, ich hass die kleine Schlampe jetzt schon, dann werd ich sie wohl kaum ins Bett zerren. „Ich bin einfach hundemüde, ok?“ „Joa, schon klar. Hoffentlich träum ich heut nacht von ihr . . .“

„Findest du den Lauri wirklich so scheiße?“ „Weiß nicht, auf jeden Fall is er n Weichei, Milchbubi, sowas halt.“ „Im Gegensatz zu Aki . . der is verdammt heiß auf dich.“ „Hehe, denn koch ich weich und dann lass ich ihn fallen.“ „Kaja, du Männerhasserin.“ Sofie gluckste vergnügt und stopfte sich eine handvoll Popcorn in den Mund.“ „Ich hasse sie nicht. Hab nur noch keinen gefunden, den ich respektieren kann.“ „Aber versuch wenigstens ein bisschen nett zum Oberschlumpf zu sein, ok?“ „Willst du ihn?“ „Ach quatsch, ich hab doch Martin, außerdem isser mir viel zu düster.“ „Bin ich nicht düster?“ Kaja balancierte einen kleinen weißen Mohrenkopf auf der Nase und ließ ihn sich anschließend in den Mund fallen. Unter dem Applaus ihrer Freundin aß sie ihn auf. „Doch, aber anders. Nett düster irgendwie.“ „Ach Sofie, ich hab dich lieb.“ „Danke, ebenfalls“, „Also ich geh dann mal pennen, hoffentlich kriegen die bald das mit dem Doppelzimmer gebacken.“ „Hoff ich auch. Nacht, Süße.“ „Dir auch gute Nacht.“ Kaja lächelte ihr noch kurz zu bevor sie die Tür hinter sich zufallen ließ und den dunklen langen Korridor hinunterlief. Ein paar Meter vor ihrem Zimmer wurde eine Tür geöffnet und niemand anders als Aki stieß mit ihr zusammen. „Sorry, ich hab dich nicht gesehen.“, wollte ich auch gar nicht, fügte er in Gedanken hinzu und ließ seinen Blick an ihrem Körper hinuntergleiten. „Du solltest mal deine Brille nachsehen lassen.“ Erwiderte sie kühl und verschwand ein paar Augenblicke später in ihrem Zimmer. Aki drehte sich um und grinste Lauri an, der auf seinem Bett lag und CDs sortierte. „Was? Ich hab dir gesagt, dass sie ein Biest ist.“ „Die krieg ich, keine Angst. Ihr Getue macht sie nur noch interessanter für mich.“ „Toll, und wenn du sie gefickt hast machst du nochn Strich auf deiner Liste oder was?“ „ Ach Gott, du Beziehungsmensch. Bleib locker.“ „Mir doch egal, was du mit ihr machst. Sie hats ja nicht besser verdient.“ „Sie hat dir doch gar nix getan, du hast ja noch nichtmal mit ihr gesprochen.“ „Ich kann sie trotzdem nicht leiden. Basta. Gute Nacht.“ „Nacht, und ich krieg sie doch.“ Lauri verdrehte die Augen, löschte die kleine Lampe auf seinem Nachttisch und zog sich die Decke über den Kopf. Wie sollte er diese Frau nur zwei Wochen in seiner Nähe aushalten können.

Chapter 3

„KAJA!“ „Eine Minute.“ „Der scheiß Bus fährt gleich ohne uns.“ Keuchend stürzte Kaja aus ihrem Zimmer und zog sich im gehen ihr Shirt über den Kopf. „Was machst du eigentlich mit den Weckern, die ich dir jedes Jahr zum Geburtstag schenke, hä?“ Sofie funkelte ihre Freundin missbilligend von der Seite an. „Die stehen alle auf meinem Regal, das weißt du doch.“ Die junge Frau sprang die letzten beiden Stufen auf einmal hinunter und landete mit einem dumpfen Geräusch auf dem gefliesten Boden der Hotellobby. „Wie wärs mit anmachen?“ „Ich flirte nicht mit Maschinen . . . guck ma, die hocken alle noch hier rum.“ Fröhlich grinsend zog sie Sofie mit sich zu Angie hinüber, die wieder in einer Ecke stand und ihre Schäfchen zählte. „Bildet euch ja nix ein, die Cheerleader fehlen noch.“ Grummelte sie, als sie die Mädchen auf sich zukommen sah. „Dir auch nen guten Morgen, Angieschatz.“ „Sach ma, warum bist du heut so gut drauf? Hab ich was verpasst? Sind die Peppas doch noch gekommen?“ Sofie schüttelte verständnislos den Kopf und quetschte sich zu Kaja auf das schmale Sofa. „Ne, Süße, heut wird ich den Finnenschlumpf zu Kleinholz verarbeiten.“ „Der Kleene hat dir doch gar nix getan, außerdem ist der Kunde König, Zitat Miguel.“ „Meinst du, der rennt zur Geschäftsführung und quengelt rum, dass seine Visagistin gemein zu ihm is? Ne, du, da is der viel zu stolz für.“ Kaja, ich wär trotzdem vorsichtig.“ „Ja, ok, komm, die Hoppeldipoppel – Häschen sind da, es geht los. Oa, wehe wenn die mein Equipment betatschen . . . „ „Baby, wir können froh sein, dass wir mittlerweile zu gut sind, um uns mit ein paar Backgroundtänzerinnen rumzuschlagen.“ „Joa, auf die Karriere und our friendship.“ „Würdet ihr jetzt bitte so freundlich sein?“ Angie schubste die beiden Richtung Bus, der die Crew zur Rennstrecke bringen sollte. „Angieschatz, sach ma, wo sind denn die vier Schlümpfe?“ „Schlümpfe, tzetze . . . die fahren extra, sind schon vor zehn Minuten los . . . Kaja, ich bitte dich, sei brav.“ „Ich versuchs, aber wenn mich der Oberschlumpf dumm anmacht gibt’s eins aufs Maul.“ „Kaja, tu einmal, was man dir sagt und hör auf Feldwebel zu spielen.“ „Ok.“ „Sofie, was hast du mit ihr gemacht? Das ging viel zu schnell.“ „Hat wohl gestern zu viel Süßes erwischt. Sie zuckte mit den Schultern und erwiderte Kajas schelmisches Grinsen. Diese hatte nämlich keineswegs vor, brav zu sein.

Fuck, fuck, fuck, ich glaub ich hab Schiss vor der Kleinen. ICH Schiss vor sonem kleinen Licht! Ich mein, ich bin n Rockstar . . . ne, never. Und überhaupt, so geil, wie Aki meint, ist sie ja gar nicht. Im Gegensatz zu den Mädels dahinten, die sind einfach nur . . .mhmhm, lecker. Dieses verstohlene Lächeln, yeah, da steh ich drauf. Ein bisschen zurückzwinkern und ich hab sie an der Angel. „Hab ich mir schon gedacht, dass du auf die kleinen Schlampen stehst.“ Wer verdammt spricht außer den Jungs und mir Finnisch hier am Set? Ne, oder? Diese arrogante Schnepfe, das darf doch nicht wahr sein. „Überrascht?“ Sie lässt ihr Equipment neben mir auf den Tisch knallen und zieht abwartend eine Augenbraue hoch. Das scheint sie ja besonders gut zu können. „Sollte ich?“ Cool bleiben, Alter, einfach cool bleiben. „Bei dem Anblick könnte man ja glatt vergessen, dass es noch intelligente Wesen auf diesem Planten gibt.“ Sie sieht abfällig zu den Mädels hinüber. Die haben inzwischen ihre Outfits für das Video an, megaheiß. „Neidisch?“ „Schätzchen, ich kann auch meinen halbnackten Arsch in die Kamera halten. Pass bloß auf, dass dir die Hose nicht platzt, wenn du noch ein bisschen gaffst.“ „Das will nur niemand sehen. Und solange du in meiner Nähe bist, sehe ich da keine Gefahr.“ „Schon klar, und jetzt mach sitz, du Schlumpf. Ich muss aus deiner Gesichtsbaracke ein Sexsymbol zaubern.“ „Wie hast du mich genannt?“ „Schlumpf? Du weißt schon, die blauen Knirpse mit den Zipfelmützen.“ „Ich weiß, was ein Schlumpf ist.“ „Natürlich, ich trau sogar dir nen Spiegel zu.“ „Du solltest mir etwas mehr Respekt entgegenbringen.“ „Wieso? Die Tussen, die mit dir ins Bett wollen, können das Wort Pubertät noch nicht mal richtig schreiben.“ „Süße, ich könnte jede von den Ladys da drüben haben.“ „Welche Ladys?“ Sie grinst belustigt und beugt sich zu mir herunter. Diese Haare, so richtig zum Reingreifen . . . „Die würden sich von Herbert Grönemeyer durchvögeln lassen, wenn’s ordentlich Geld dafür gibt.“ Ihr Gesichtsausdruck ist noch herablassender als sie anfängt an meinem Gesicht herumzuwischen. „“Sag mal, wie heißt der Drummerschlumpf noch mal?“ „Aki.“ „Mhm, also Aki sollte aufpassen, dass ihm die Augen nicht rausfallen, wenn er meiner Freundin noch ein bisschen in den Ausschnitt gafft. Sag ihm das bei Gelegenheit.“ „Da muss ich ja keine Angst haben.“ „Kleiner, du würdest ja noch nicht mal einen hochkriegen, wenn Gina Wild vor dir stehen würde.“ „Nicht mein Typ.“ „Aber bei Queen Mum wirst du geil wie Nachbars Lumpi oder was.“ „Baby, es geht dich nen Scheißdreck an auf was ich stehe, es sei denn du willst was von mir, dann setzt dich gefälligst auf die Liste.“ „Eins zu Null für dich, Oberschlumpf. Augen zu.“ „Wenn du mich anfasst, schrei ich.“ „Danke, ich brauch keinen Ausschlag.“ „Bist du immer so nett zu deinen Kunden?“ Boa, die riecht einfach nur geil. „Ne, nur dich fand ich auf Anhieb sympathisch.“ „Beruht auf Gegenseitigkeit.“ „Kopf hoch.“ „Was?“ „Du sollst dein zartes Köpfchen etwas anheben . . . na wenigsten muss ich dir nicht diese lächerlichen Federn in die Haare stecken.“ „Du wirst überhaupt nie nix in mich reinstecken.“ „Halt die Klappe, mir wird schlecht. Nochmal Augen zu.“ Ich hasse dieses Weibsstück, aber sie ist so wahnsinnig heiß. Wie sich wohl ihre Haare anfühlen? „Lass mich mal sehen.“ Sie drückt mir genervt einen kleinen Spiegel in die Hand und pinselt auf meinen Augen herum. Hübsche Hände . . . „Na wenigstens kannst du das einigermaßen.“ Ich lege den Spiegel weg und lehne mich gelangweilt zurück. Vielleicht geht sie ja auf mein verstecktes Kompliment ein. „Ich weiß, dass es schwer vorstellbar für dich ist, aber deshalb arbeite ich hier.“ Toll nix wars. „So fertig. Ich habe mein bestes getan. Tu mir nen Gefallen und zieh dir ab jetzt ne Papiertüte über den Kopf wenn du morgens aus dem Haus gehst.“ Ich stehe auf und lasse sie Bekanntschaft mit meinem Mittelfinger machen. Wenn Aki mit der was anfängt, spreche ich kein Wort mehr mit ihm.

Chapter 4

[ one hour later]

„Sag mal, könntest du jetzt langsam mal aufhören zu schwitzen?“ Kaja stand mit Lauri im Schatten der riesigen Sonnenschirme und versuchte verzweifelt seine Haut matt schimmernd aussehen zu lassen. „Ne, weißte, ich muss schließlich arbeiten. Außerdem ist das meiste eh nur Wasser.“ „Ah ja, und deshalb wird das ständig mehr.“ „Leck mich doch.“ „Das Thema hatten wir bereits.“ Sie nahm sein Gesicht zwischen Daumen und Zeigefinger und drehte es energisch nach rechts. „Aua, nich so grob.“ „Boa, du bist echtn Weichei.“ Lauri machte empört den Mund auf und wollte ihr etwas erwidern, als Miguel auf die beiden zueilte und wild gestikulierte. „Warum dauert das solange? Denkst du ,ich hab das Geld um es zum Fenster rauszuschmeißen?“ „Wenn ich das Zeug einfach so raufpatsche, fällt ihm die Spachtelmasse in einem Stück wieder runter. Gehört sowieso schon neu gemacht.“, keifte Kaja zurück und rückte unmerklich näher an Lauri heran. „5 Minuten.“ zischte der Italiener und ging davon um Sofie anzubrüllen. „Arschloch.“ Sie verengte ihre Augen zu Schlitzen und trat in seine Richtung. „ Wenn du ihn so hasst, kann er ja nur nett sein.“ „Er will, dass du Lipgloss trägst, also halt die Fresse.“ „Ich dachte, du verabscheust mich.“ „Bild dir ja nix ein, reiner Selbstvorteil. Ich habe keine Lust schuld zu sein, wenn du in dem Video wie ne Tunte aussiehst . . . obwohl . . .“ Sie zupfte belustigt an einer Strähne, die ihm ins Gesicht hing. „Boa, fass meine Haare nicht an.“ „Ja, sonst brechen sie noch ab, wegen der ganzen Chemie.“ „Is ja wohl meine Sache.“ „Ja ja, und jetzt lauf und dreh deine Aufnahmen fertig.“ „Du kotzt mich echt sowas von an.“ „Wegen dir verschwende ich mein Frühstück nicht.“ „Schlampe.“ „Wichser.“ Lauri drehte sich um und stampfte wutentbrannt zu Aki, der bereits wieder hinter seinen Drums saß. Ich sach dir, wenn du dich von dieser Bitch anfassen lässt ist unsere Freundschaft Geschichte.“ „Keep cool. Eher wird ich sie anfassen.“ „Aki, die kastriert dich, wenn du nicht aufpasst.“ „Ach, Alter, du übertreibst mal wieder. Eero hat vorhin kurz mit ihr gelabert. Er sagt, sie is ok.“ „Toll, Eero findet sie nett, du willst sie knallen und Pauli . . . ja, was is eigentlich mit Tonni? Vielleicht versteht der mich ja.“ „Der telt mit deiner neuen Flamme.“ „Klasse, ich bin am Nervenklinikset gelandet.“ Aki seufzte und hämmerte wahllos auf seinen Drums herum. „Sei nett zu ihr, wenigstens mir zuliebe.“ „Ne, Alter, Sorry, aber ich wird mich nicht bei dieser Scheißkuh einschleimen nur weil du mal wieder nicht weißt wo du deinen . . .“ „AUF EURE PLÄTZE, LEUTE! ES GEHT WEITER!“

[am Abend]

(Kaja)

Es klopft an der Tür, ich kann mir denken, wer es ist. Ich hasse ihn, aber ich muss es tun, na ja, eher ertragen. Widerwillig gehe ich zur Tür und atme noch einmal tief ein. Dann öffne ich ihm. Lässig lehnt er im Rahmen und grinst mich aufreizend an. Ich hasse ihn ja so sehr. Wie immer sind seine Haare speckig, genau wie sein Gesicht. Niemals werde ich seine sabbernde Zunge vergessen. Unter meinem Bademantel trage ich genau das, was er wollte. Billig durchsichtig und widerlich. Er schubst mich in den Raum zurück, schmeißt die Tür hinter sich zu und sperrt ab. Natürlich, seine weiße Managerweste soll ja keine Flecken bekommen, wenn man uns sieht. Sein ekelhaftes Grinsen, ich hasse ihn. Er zieht sein Jackett aus, wirft es auf den Boden. Bei jedem Kleidungsstück, das er loswird, drängt er mich einen Schritt mehr Richtung Bett. Schließlich stoße ich mir den Knöchel am harten Holzpfosten; er nutzt die Gelegenheit und reißt mir den Mantel vom Leib. Mir wird schlecht, wenn mein Blick auf seine Shorts fällt. Ich hasse ihn. Es ist ihm egal, dass er viel zu schwer für mich ist, begräbt mich praktisch unter sich. Pustet mir seinen stinkenden Atem ins Gesicht. Ich sollte langsam aufhören, mich zu wehren, vielleicht ist es dann schneller vorbei. Seine dreckige Hand zwischen meinen Schenkeln, der Brechreiz wird stärker. Ich wünschte, jemand würde kommen und mich retten, ein Prinz auf einem großen Schimmel. Ich liebe Pferde, sie sind so unschuldig und rein. Wenn ich nur an etwas Schönes denken könnte, aber mir fällt nichts ein. Doch etwas schon, Lauris Stimme. Er ist so klein und schlumpfig, kein respektables Wesen. Aber seine Stimme. Sobald er anfängt zu singen scheint er um ein paar Zentimeter größer zu werden. Scheiße, ich habe vergessen, wie sich das anhört, kann nur dieses abscheuliche Keuchen hören. Ich hasse ihn ja so sehr.
Später ist alles vorbei, er ist weg, ich bin wieder allein. Duschen, ja duschen. Heißes Wasser, das ist es, was ich brauche. Ich gehe ins Bad, knipse das Licht an und drehe den Hahn auf. Es ist wunderbar den ganzen Dreck einfach so abzuwaschen. Außerdem gehen meine Tränen in den Wassermassen einfach unter. Plötzlich überfällt mich jedoch der Drang nach einer Kippe. Hier im Zimmer hab ich schlechte Chancen, überall Rauchmelder. Also raus aus dem Bad, wieder anziehen. Meine Haare stecke ich einfach hoch, hab keinen Bock, sie erst zu trocknen. Auf den Fluren und in der Lobby ist tote Hose, es ist schließlich auch schon nach eins. Eigentlich sollte ich schlafen. Die schwere Glastür quietscht leicht, als ich mich dagegenwerfe. Draußen ist es stockdunkel, die haben doch tatsächlich die Straßenlaternen vom Netz genommen. Toll! Ich krame in meiner Hosentasche, finde meine Kippen. Aber wo ist das Feuer hin? So ein verdammter Scheiß, mein Leben ist echt im Arsch. Ok, ich hab zwei Möglichkeiten:
1. wieder reingehen und meinen Flammenwerfer holen
oder
2. mir nen Feuerstein suchen und ihn solange gegen die Mauer schlagen, bis es Funken gibt.
Schwere Entscheidung. Plötzlich tanzt vor mir ein helles Licht. Irgendwas nimmt meine Hand und zündet meine Zigarette an.

Die kleine Flamme zaubert dunkle Schatten auf ihr Gesicht, lässt ihre Augen funkeln. Sie sieht mich kurz an, zieht dann an ihrer Fluppe und pustet dann genüsslich den Rauch in die schwarze Nacht. „Danke.“ Oh, mein Gott, ich glaube, sie ist krank. Sie hat mit mir gesprochen, ohne mich zu beleidigen, sehr merkwürdig. Na ja, gehen wir ein Stück weiter. Vorher noch mal ziehen . . .“ Was machst du jetzt noch hier draußen?“ „Rauchen.“ Ich stoße die Luft spöttisch aus und widme mich wieder meiner Kippe. Der Frau ist echt nicht zu helfen. Klasse, das war die letzte. Ich hab keinen Bock wieder reinzugehen, Aki schnarcht wie die Schweine. Bleibt mir ja wohl nix anderes übrig als Mme zickig zu fragen. „Süße, ohne dich persönlich beleidigen zu wollen, hast du mal ne Kippe für mich?“ Schweigend kramt sie in ihrer Tasche, hält mir ihre Schachtel hin. Plötzlich, ohne Vorwarnung, lacht sie leise auf und sieht mich an. Na ja, jedenfalls vermute ich, dass sie letzteres tut. „Ich bin n Miststück, was?“ Der rote Punkt vor ihrem Gesicht glüht kurz auf. „Ja, das bist du.“ „Na dann.“ Sie tritt ihre Zigarette aus und geht wieder zurück ins Hotel. Ich werde einfach nicht schlau aus ihr.

Chapter 5

[next day]

„Lauri, hör gefälligst auf in meinem Zeug rumzuwühlen.“ „Ich will aber sehn, was du mir da ins Gesicht schmierst.“ „Geht dich nen Scheißdreck an, du Schlumpf.“ „Fällt dir vielleicht auch mal was Neues ein?“ Er machte eine ausladende Bewegung und spritze mit seinem tropfenden Shirt alles im Umkreis von zwei Metern nass. Erschrocken sprang Kaja zu Seite und funkelte ihn wütend an. „Das hast du mit Absicht gemacht. Pass bloß auf, dass ich nicht mit dir den Pool aufwische.“ „Sei doch nicht so gereizt Baby, du solltest mehr rauchen.“ Er wrang seine Ärmel aus sodass sich eine kleine Pfütze unter seinem Stuhl bildete. „Toll, du qualmst mir ja alles weg.“ „Das war EINE Kippe.“ „Es waren zwei, oder was war das, was ich dir vorhin gegeben hab?“ „Du hasts mir gegeben? Da wüsst ich aber was Besseres.“ „Oberschlumpf, es ist vier Uhr nachmittags, unser Thermometer hat den Geist aufgegeben und ich habe keinen Bock mehr, mich mit dir hier rumzuschreiten.“ „Dann lass es doch.“ Er schüttelte den Kopf und ließ es damit erneut regnen. „Mach das nochmal und du bist tot.“ Lauri grinste nur belustigt und fing wieder an auf Kajas Tisch herumzukruschen. „ Jetzt lass deine Griffel doch endlich mal bei dir, du pubertierendes Kleinkind.“ Sie trat ihm gegens Bein und funkelte ihn wütend an. „Süße, schon am Ende mit den Nerven?“ Jetzt hatte er sie genau da, wo er sie haben wollte. „Soll ich dich anflehen ruhig zu sein, niederknien oder was?“ „Das kannst du mir nicht antun, du trägst schließlich nen Ausschnitt.“ „Ach, aber das hast du gemerkt, ja? Dann hast du bestimmt auch schon die kleinen Blondis mit den merkwürdigen Bikinis gesehen.“ „Warum merkwürdig?“ „Für deren Niveau ist das viel zu wenig Stoff.“ „Find ich auch . . . Gott sei Dank rennst du hier nicht so rum.“ „ Schlumpf, pass auf deine Hose auf, das würde nicht gut kommen im Video.“ „Warum sprichst du so oft von meiner Hose, hä? Ich hab dir schon mal gesagt: setz dich auf die Liste.“ „Du bist echt widerlich, mir kommts hoch. So, jetzt verschwinde, schmachte die Kamera an.“ „Sei doch nicht so eifersüchtig.“ Die Hitze machte sie kirre, und das wusste er. Sie schrie ihm noch irgendwas hinterher, was er nicht mehr verstand. Das war ebenfalls ein Problem, sie konnte ihn beschimpfen, wie sie wollte, außer den Jungs und ihm verstand ja keiner Finnisch hier. Sich beschweren, weil er mit seiner Visagistin nicht klar kam, never, no way. Und wenn er ehrlich war, würde es ihm überhaupt nichts ausmachen, wenn sie im Bikini hier rumlaufen würde, ganz im Gegenteil.

„So Feierabend, Leute. Vergesst nicht die Fete heute um acht unten in der Bar.“ „Hä? Hab ich was verpasst?“ Kaja blieb stehen und sah Sofie irritiert an. „Ach, Süße! Das hat Angie doch gestern lang und breit erklärt, weißt du noch?“ „Mhm, kann schon sein.“ Die junge Frau kletterte in den Bus und ließ sich anschließend erschöpft auf ihren Sitzplatz fallen. Sofie folgte ihr und setzte sich neben sie. „Das war vielleicht n Scheißtag. Ich dachte immer in Finnland isses kalt. Warum schafft der Oberschlumpf es dann immer wieder mich aus der Ruhe zu bringen? Is der resistent gegen Hitze oder so?“ Ihre Freundin lachte kurz auf und wischte sich über die Stirn. Der Bus hatte den ganzen Tag in der Sonne gestanden und war jetzt entsprechend aufgeheizt. „ Ne, du, ich glaub, das kommt von der Sauna. Der Drumerschlumpf is auch noch ziemlich fit.“ „Lieber Drumer- als Oberschlumpf, glaub mir.“ „Ach Kaja, lass es doch einfach. Ich hätte bei der Hitze keine Kraft mehr, mich dem rumzustreiten.“ „Hab ich eigentlich auch nicht mehr, aber bevor ich vor dem kapituliere, muss er mich schon abstechen.“

Chapter 6

Grad hab ich mich so schön mit Eero unterhalten und wer knallt sein Glas neben mir an den Tresen? Natürlich, die Schlampe vom Dienst. „Na, Schlumpf, was geht? Ärgerst du dich, dass deine Bandmates die Cheerleader abschleppen und du hier ganz allein rumhockst?“ „Ach ja, und wer is das?“ Ich zeige mit dem Kopf in Richtung Eero und widme mich wieder meinem Drink. Toller Abend, echt. „Ach Eero, hätt ich dich doch glatt nicht erkannt. Siehst gut aus, wenn du in Zivil rumläufst.“ Mein Kumpel hat natürlich nix besseres zu tun als verlegen zu werden und knallrot anzulaufen. Typisch für ihn. „Danke.“ „Jetzt sag ihr noch dass sie gut aussieht und du schläfst heute auf der Straße“ „Maaaaaaaaaan, könnt ihr mal aufhören euch wie Kleinkinder zu benehmen? Das nervt langsam.“ „Sie hat angefangen.“ „Spinn nicht rum, das warst du, Schlumpf.“ „Ach ja, wer hat mich denn die ganze Zeit so von der Seite angegiftet, he?“ „Ich würd lieber sterben als mich an deiner Seite zu befinden!“ Jemand tippt mir auf die Schulter, es ist Aki der Kaja anzüglich angrinst. „Wie wärs mit nem Wettsaufen?“ „Wie war das noch gleich mit kindisch und so?“ „Oberschlumpf, du hast doch nur Angst, dass ich gewinne.“ „Du kippst ja schon nach der halben Flasche um.“ „Ach ja? Soll ich dir deinen Schnuller auf die Flasche schrauben?“ „Müsst ihr immer jedes Problem durch Alkohol lösen?“ Eero rollt genervt mit den Augen und schlürft die letzten Tropfen Wasser aus seinem Glas. Aki flüstert ihm irgendwas ins Ohr, worauf er nur noch verständnislos den Kopf schüttelt und anfängt mit Pauli zu schwätzen. „Also Kinners, zu Anfang mal eine Flasche zum Aufwärmen, wer schneller fertig is. Kaja darf sich natürlich an mir festhalten . . .“ „Danke, Aki, aber ich glaube du solltest dich besser um den Oberschlupf kümmern.“ „Halt die Fresse du Bestie.“ Ich bestelle zweimal Wodka . . . ja, pur . . . nein, Flaschen. Aki sieht auf die Uhr, gibt das Zeichen. Ich setzte an und schütte das Zeug in mich rein, boa, das zieht. Ich lasse grad den letzten Tropfen in meinen Hals fließen als sie mich schon mit ihrer leeren Flasche in den Bauch pieskt. „Diese Runde geht ganz klar an Miss . . .“ Er sieht sie fragend an. „Nicht so wichtig.“ Sie grinst verklärt und grapscht ihn doch tatsächlich an, ich fass es nicht. „Ok, an Miss Nichtsowichtig, Herzlichen Glückwunsch, Nalle, halt dich ran, oder willst du gegen ne Frau verlieren?“ „Welche Frau?“ „Määhhhh!“ „Ey, Süße, du kannst Finnisch? Warum quäl ich mich dann hier mit englisch ab? Mögt ihr Amaretto?“ Sie rümpft anwidert die Nase, wenigstens das haben wir gemeinsam. „ Ok, dann fünf Gläser für jeden. Wer kotzen muss fliegt raus.“ „Äh, warum dieses widerliche Zeug? Können wir nicht was anderes nehmen?“ „Der Oberschlumpf mags auch nicht, außerdem isses lustiger, Kotzrate is höher.“ „Aki!“ Hallo? Er ist mein bester Freund und hat mich nicht Schlumpf zu nennen. „Was? Passt doch zu dir.“ „Toll, weißt du, dass du der Drumerschlumpf bist?“ „Is doch süß.“ „Was hast du ihm gegeben? Arsen ,Rattengift? Wie lange hat er noch zu leben?“ „Halt die Klappe, du Schaf und konzentrier dich auf das Mistzeug.“ Aki gibt wieder das Zeichen und wir fangen an, Glas für Glas in uns hinein zu schütten. Wir werden fast gleichzeitig fertig, trotzdem geht die Runde an mich. Es steht unentschieden. Die Bar hat sich gefüllt, sodass wir enger zusammenrücken mussten. Sie sitzt jetzt fast auf meinem Schoß, die Stichelein hören zwar nicht auf, aber ich das Gefühl, dass sie es nicht mehr so ernst meint. Sie hat mich sogar kurz angelächelt. Wie der Alk die Menschen ändern kann . . . wenn sie blau ist, ist sie eigentlich ganz nett. Aki versucht die ganze Zeit sie anzugraben, doch er scheint auf Granit zu stoßen, die Kleine ist echt standhaft. Ich sollte nicht soviel denken, mein Kopf hält das nicht mehr lange aus. Kurz vor der letzten und entscheidenden Runde kommt ihr Chef angetorkelt und nimmt sie mit. Erst dachte ich, die beiden haben doch was mitnander aber ihrem verkniffenen Gesichtsausdruck zu schließen, handelt es sich eher um was Unangenehmes. Vielleicht scheißt er sie zusammen weil sie so fies zu mir ist, ha, geschieht ihr recht.

Bis jetzt hat sich sein grausames Spiel auf mein Zimmer beschränkt, plötzlich zwingt er mich auch noch hier auf der Party. Ich hasse ihn. Auf der Toilette, das ist ja wohl das aller billigste, ich komm mir vor wie die letzte Hure. Warum ausgerechnet ich? Was hab ich denn gemacht? Es gibt auch noch andere Mädchen in der Firma, die Kariere machen wollen, warum also ausgerechnet ich? Scheiße, das tut verdammt weh, der Alk hat ihn noch grober gemacht als er sowieso schon ist. Es ist ihm egal, dass er mich immer wieder gegen die kalte Steinmauer stößt. Lieber Gott, mach, dass es bald vorbei ist. Wenn ich nur einen anderen Job finden würde . . . . für Sofie und mich, ich kann sie doch nicht allein hier bei diesem Schwein lassen. Er hat versprochen, dass er sie nicht anrührt. Aber was passiert, wenn ich weg bin . . .? Endlich, er lässt von mir ab und verschwindet, nicht ohne mir noch ein dreckiges Grinsen zu schenken. Ich muss hier raus, sofort.

Chapter 7

Erst mal eine rauchen und ein bisschen frische Luft schnappen. Ich lasse Aki mit der blonden Tusse allein und kämpfe mich durch die Menschenmenge Richtung Ausgang. Kurz vor der Tür rennt mich jemand frontal von der Seite an. Ich sehe nur noch ein paar schwarze Haare fliegen, dann ist sie weg. Plötzlich bekomme ich ein sauschlechtes Gewissen. Vielleicht wurde sie wegen mir so zusammengeräumt. Ich beschleunige meine Schritte, verliere sie kurz mal, dann taucht sie wieder auf. Kurz nacheinander verlassen wir das Gebäude, sie bemerkt mich nicht und wischt sich verstohlen mit der Hand übers Gesicht. Sie erreicht die Straße, geht nach rechts. Jetzt weiß ich, wo sie hinwill, dort hinten ist nur die Strecke, sonst nichts, außer Pampa und Urwald. Ich kann mir also gemütliche ne Kippe anstecken und ihr folgen, zwar hab ich keine Ahnung, warum ich dieser Schlampe nachrenne, aber ich habe das Gefühl, dass ich es tun sollte. Sie bleibt kurz stehen, zieht ihre Schuhe aus und geht barfuss weiter. Langsam entspannt sich ihre verkrampfte Haltung und sie sieht zu den Sternen empor. Ich hätte nie gedacht, dass sie einen Sinn für sowas schön hat. Sieht irgendwie süß aus, wie sie so in Schlangenlinien den Weg entlang läuft und mit ihren Schuhen schlenkert. Man könnte meinen, dass sie gleich in den Graben kippt. Fehlt nur noch, dass sie anfängt zu singen. Ha, vielleicht hätte ich dann wieder nen Trumpf in der Hand. Mhm, es ist Sommer, aber trotzdem arschkalt. Wenn ich den Fetzen anhätte, den sie trägt, wär ich schon festgefroren.
Das Stadion zeichnet sich dunkel vom sternenübersäten Nachthimmel ab, es wirkt riesig und fast unheimlich. Ich frage mich, was sie dort will, ganz allein. Vielleicht erwartet sie jemanden . . . nein, das kann ich mir nicht vorstellen . . . und wenn doch? Ach Scheiß drauf, die is so blau, dass sie nicht mal merken würde, wenn ich sie mit Steinchen bewerfen würde. Aber wenn sie doch rausfindet, dass ich ihr nachgeschlichen bin, kann ich schon mal mein Testament aufsetzen. Heikle Sache, warum mache ich das überhaupt?
Ich muss mich beeilen, damit ich sie nicht verliere, sie geht um die Strecke herum, drückt sich schließlich durch eine offene, verrostete Tür und verschwindet. Ich warte ein paar Augenblick und quetsche mich dann ebenfalls durch die schmale Lücke. Der Anblick, der sich mir bietet, ist atemberaubend. Das Mondlicht zaubert ein einzigartiges Licht auf den grauen Teer, das Wasser in unserem Pool schlägt sanfte Wellen. Wenn ich nur nicht so wanken würde . . . Sie scheint genau zu wissen, wo sie hinwill. Nach ein paar hundert Metern bleibt sie stehen und setzt sich. Warum zum Teufel hat sie mich nicht schon längst gesehen? Jetzt bin ich hier, weiß nicht, warum und hab keinen blassen Schimmer wies weitergehen soll. Vor ihrem Gesicht lodert kurz eine kleine Flamme auf, natürlich, Rauchen verbindet . . . . aber . . . einen Moment noch. Sie wischt sich mit der freien Hand übers Gesicht, durch die Haare, lehnt sich schließlich zurück, sodass sie auf dem nackten Boden liegt. Dieses Mädchen dort passt nicht zu der Kaja, die ich kenne. Sie ist schön. Trotzdem . . . sie sieht irgendwie traurig aus, obwohl es so dunkel ist, vielleicht bilde ich es mir ja auch nur ein. Ich gebe mir einen Ruck. Was solls? Morgen ist alles vergessen. Noch ein paar Meter . . . sie starrt nach oben, ihre Augen funkeln im Mondlicht. Warum hasst sie mich so? Ehe ich es mir anders überlegen kann, sitze ich neben ihr und ziehe nervös an meiner Zigarette. „Was willst du?“ Sie richtet sich auf und sieht mich abschätzend an. „Rauchen.“ Siehst du, dass kann ich auch. „Ausgerechnet hier?“ „Sieht so aus.“ „Gib mir ne Kippe.“ Unsere Hände berühren sich kurz. Scheiße, blödes Wettsaufen, ich kann nicht mehr klar denken. Aki würde sagen, ich lass mich von meinem wahren Hirn steuern. Toll, warum sie, warum heute, warum hier? Sie legt sich wieder hin, pustet die Sterne an. „Kaja, is irgendwas?“ „Ne, was sollte sein?“ „Ich dachte nur.“ „Mir war schlecht.“

Stimmt ja auch irgendwie. Warum bin ich nett zu ihm? Vielleicht hab ich einfach keine Kraft mehr, ihn anzuschnauzen. Merkwürdig, dass er seine Überlegenheit nicht ausnutzt. „Mhm.“ Er starrt nachdenklich auf die Zigarette, die er zwischen zwei Fingern hält. Was sagen oder nicht? Nein, halt einfach die Klappe, süße, und stell dir vor, dass der Schlumpf nicht da ist . . . so ist es gut. Argh Shit, was fällt dem Typen ein, mir nachzuspionieren? Keine Ahnung, zu müde zum Denken. Es könnte so schön sein, wenn er nicht hier wäre. Ich könnte nachdenken, schreien, heulen, mich von einer Seite auf die andere wälzen. Jetzt kann ich nur daliegen und rauchen. Na ja, immerhin etwas, meine Kippen sind alle, isser also doch zu etwas gut. Denkt er, ich merke es nicht, wie er mich anstarrt? Was soll das werden? Eine interne The Rasmus-Wette? Wer fickt sie als erstes . . . Tja, Jungs, da seid ihr wohl zu spät . . . Nein, nicht hinlegen, bleib wo du bist, Oberschlumpf. Gleich gehe ich, das halt ich nicht aus. Scheiße, meine Beine, mein ganzer Körper stellt sich gegen mich, weigert sich, irgendetwas zu tun. Nur meine rechte Hand leistet mir noch treue Dienste und umklammert meine Zigarette. Brave Hand, tut mir leid, dich so missbrauchen zu müssen. Noch einen Zug . . . ich streife ihn mit dem Ellbogen, er ist mir sowieso viel zu nahe. Scheißkerle, das haben sie sich ja schön ausgedacht. Erst das Wettsaufen, dann diese Nachspioniererei und in ein paar Minuten werd ich mich von ihm vögeln lassen und er hat die Wette gewonnen. Wirklich schön . . . Er hat die Arme unter dem Kopf verschränkt und starrt nach oben. Mondlicht kann Menschen so nett und unschuldig aussehen lassen. Ich bin mir sicher, dass er genau darauf aus ist. Warum gehe ich nicht einfach, lasse ihn in den Pool torkeln und jämmerlich ersaufen? Alle meine Probleme wären gelöst . . . na ja, fast alle. Oh, hör doch endlich auf zu denken, das tut verdammt weh. Außerdem ist mir kalt, arschkalt sogar. Plötzlich richtet er sich wieder auf, sieht mich kurz an, steht wieder. „Ich geh wieder zurück, kommst du mit?“ „Machs gut, Schlumpf.“ Ja, verpiss dich endlich. „Kaja, ich lass dich hier nicht allein.“ . . . nicht ohne mich gefickt zu haben, natürlich. Aki könnte ja schneller sein. Sag was total Fieses. „Wieso?“ Toll, Kajaschatz, jetzt hast dus ihm gegeben. „Bitte.“ Er hält mir seine Hand hin; was hat er mit seiner Kippe gemacht? Wage es nicht, du bleibst hier. Scheiße, ich glaub ich bin ferngesteuert oder warum nehme ich seine Hand und ziehe mich hoch? Verdammt, scheiße, fuck, so ein Bullshit. Oh mein Gott, er ist mir viel zu nah, ich kann seine Wärme spüren. Nein, Kaja, irgendwas läuft hier schief, lass wenigstens seine Hand los. Ok, dass kann ich . . . schon passiert. Er wirkt irgendwie gekränkt, vielleicht hab ich ihm wehgetan . . . ach Scheiß drauf, ist doch gut. Warum führe ich Selbstgespräche? Ich sollte nicht so viel trinken, ist nicht gut für mich. Schweigend gehen wir zum Ausgang zurück. Der Asphalt ist noch warm, am liebsten würde ich mich wieder hinlegen. Einfach schlafen. Wir kommen an der Tür an, er lässt mir den Vortritt, ein Gentleman, natürlich, was sonst. Ich brauche jemanden, der mein Hirn repariert, meine Gedanken ordnet. Ich versuche ja, mich zu konzentrieren, aber es geht nicht. Meine Gefühle und Gedanken schwirren einfach haltlos herum. Ich glaube, ich werde verrückt . . . ich werde umfallen, er wird mich auffangen, ich werde ihn küssen und er wird gewonnen haben.

Kapitel 8

[back an der Bar]

„Lauri, nimmmm deine Hahahnd von meinem Knie, Kaajaa sitz da rüben.“ „Fich dich Agi.“ „Dasch wilsch sehn.“ Kaja drehte sich auf ihrem Barhocker . . . sie versuchte es zumindest. Auf der Theke lagen leere Wodkaflachen, dazwischen Jägermeister, Bier und Wein. Außer der jungen Frau waren nur noch Aki und Lauri da. Die beiden hatten der Barkeeperin schöne Augen gemacht und sich den Schlüssel für den Getränkeschrank erschlichen. Der war jetzt leer, die drei dafür umso voller. „Keiheiner liehbt mich.“ Lauri umklammerte seine Flasche und lehnte seinen Kopf an Kajas Schulter. „Hascht Recht.“ Sie rutschte zur Seite, fiel dabei fast vom Hocker und klammerte sich dann doch urweigerlich an ihm fest. „Ia scheiß weiber wollt doch alleee nurs eieieine von mia.“ „Agi, sach ihm, er solll die fresse haldn.“ „Kansch nüsch, cutie, kannsch nüsch.“ „Kaja, du liebscht misch doch oda?“ Er klammerte sich unbeholfen an ihrem Arm fest und reichte ihr eine halbleere Wodkaflasche. „Weißsch nüsch, Schluhuhumpf.“ „Keiheiner liehehbt misch. Aba Agi, du liebschtm misch doch, oda?“ „Ich mussss gehn, kotzen, schüss.“ Aki rutschte von seinem Stuhl und torkelte mit verklärtem Gesichtsausdruck Richtung Tür. „Jetsch issa wech . . . . Schluhuhumpf? Ey, du Asch!“ Lauri lag mit seiner Flasche im Arm auf dem Tresen und schlief seelenruhig. „Toi, pennsch eben auch.“ Beherzt kletterte sich auf die Theke und richtete sich auf. „Hui, daschs aba hohoch.“ Sie kicherte und legte sich dann schließlich der Länge nach hin, um im nächsten Augenblick ebenfalls wegzudösen.

„Kaja? Schätzchen, wach auf.“ „Fick dich ins Knieeee, Schlumpfff.“ „Is schon nach via.“ „Naund. Lass misch.“ „Muss isch dich eben tragen.“ „Äh, ne, komm ja schon.“ Sie rappelte sich schwerfällig auf und blickte direkt in ein Laurigesicht mit Augenringen und aschfahlem Teint. „Du siehst scheiße aussssssss.“ „Weißu wie du aussiehst?“ „Wie denn?“ „Wie immer, echt zum fürschten.“ „Arschloch, hilf mia hier runta.“ Er nahm ihre Hand, trotzdem fiel sie fast gegen ihn, als sie von der Theke rutschte. Lauri grinste noch leicht verklärt und schob sie Richtung Ausgang. „Ich kann selba laufen.“ „Interessiert mich nich, du hastn geilen Arsch.“ „Nimm deine Pfoten von mia, du Wichser.“ „Hab disch auch wahnsinnich leib, Schatzi.“ „Ich bin nisch dein Schatzi.“ Ja, ich weiß, Schatzi. Da is ne Stufe.“ Sie hatten inzwischen die ausgestorbene Lobby durchquert und bewegten sich in Richtung Fahrstuhl, an dem ein kleines weißes Schild hing. „Außer Betrieb, na doll.“ Lauri verdrehte theatralisch die Augen. „Mit dia allein inem Aufzug, na Gott sei Dank is das Teil hia im Arsch.“ „Du bis so süß, Cutie.“ „Und du bistn verdammta Penner.“ Kaja schleppte sich die letzten paar Stufen zu ihrer Etage hinauf und lehnte sich oben erst mal an die Wand. Lauri grinste immer noch und drängte sie weiter den Gang entlang. An seinem Zimmer, das er mit Aki teilte, angekommen warf er sichgegen die Tür und drückte die Klinke hinunter. Doch nichts geschah . . . außer, dass er sich den Kopf am Holz anschlug. „Aua . . oa, ne, shitting drumer.“ „Äh, der hat dich ausgesperrt.“ „Halt doch die Klappe, der hat nua Angst, dass jemand reinkommt, wenn ea duscht.“ „Habt ihr keen Bad oder so?“ „Für Agi könns nich genuch Türen sein.“ „Lach misch tot . . . na ja, Nacht Schlumpf. Der boden sieht doch einladend aus, oda?“ „Ey, Cutie, du kanns mich doch nich allein hier lassen.“ „Denkstu ich lass dich mein Zimmer? Hast ja nen Schaden.“ „Ich hab aber Angst voa Groupies.“ „Ja ja, is schon schwer einen hochzukriegen.“ „Cutie, sei nich imma so gemein su mir. Büddä.“ „Wenn du was anfasst bissu tot.“ „Oa, cutie, ich wusste doch, dassu mich magst.“ „Du verwechselst da was. Ich hassss disch nämlich.“ „Keiner liehhbt . . .“ „Ja, isch weiß schon, Keiner liebt disch. Armer Schlumpf. Un jetz komm.“ Kaja schlingerte weiter zu ihrem Zimmer und schaffte es nach vier Versuchen endlich den Schlüssel ins Schloss zu stecken. Lauri hatte sich an die Wand gelehnt und war gerade wieder dabei einzuschlafen. „Schluhuhumpf!“ „Komm ja schon.“ Die junge Frau machte keine weiteren Umstände und ließ sich auf ihr Bett fallen, ohne erst nach dem Lichtschalter zu suchen. Er folgte ihr und stieß in der Dunkelheit auch prompt gegen den Fernseher. „Mensch, du serdepperst mir noch mein ganzen Kram. Komm ma hier her, da kannsu wenigstens nix kaputt machen.“ „Wohin dennn?“ „Na hier her.“ „Wo isn hia?“ „Da wo isch bin.“ „ Ja, wo bisn du?“ „Hia.“ Er folgte ihrer Stimme. „Ey, nich so nah.“ „Warum denn nich?“ Er kniete sich auf ihr Bett, sodass sie überrascht nach hinten auswich. „Warum hasstu mich so?“ Noch ein Stück weiter. „Du bisn Schlumpf, Lauri.“ „ Na und?“ Und noch ein bisschen näher. Kaja kroch rückwärts. „Nix und.“ „Sags mir.“ Viel zu nah. „Kann ich nich.“ „Mussu aber.“ Sie stemmte die Fersen in die Matratze und drückte sich ab. „Ich will nich.“ Viel, viel zu nah. „Was willsu nich?“ „S dir sagen.“ Die Hände zur Hilfe nehmen. Ein Meter . . .ein großes Bett, aber doch nicht groß genug. „Aso.“ Das war das Holz der Stirnseite. Kein Zentimeter mehr weiter. „Ich hasse dich.“ Beine anziehen, mehr ging nicht. „Ich hasse dich auch.“ Er kniete direkt vor ihr, strich mit den Fingern durch ihr Haar. Seine Nase stieß an ihre, er hörte sie so gerne lachen. „Kaja, ich versteh dich nich.“ Seine Stimme klang rauer als sonst, zehn Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt. „Schlimm?“ „ Mhm, ne.“ Wie ein kleiner Stromschlag, als sich ihre Lippen berührten. Äußerst vorsichtig umfasste er mit den Händen ihre Hüften und zog sie auf seinen Schoß. Noch ein Kuss. Ihre Haare fühlten sich wirklich so unglaublich an, wie sie aussahen.

Chapter 9

„Du bis son Arsch.“ Ah ja, und warum rutscht sie dann noch näher an mich heran? Würd mich schon mal interessieren. Huch, das war zu viel. Jetzt hat sies geschafft, ich bin so geil auf diese Frau . . . Aus meinem kleinen Spiel ist purer Ernst geworden. Ich sollte nicht so viel saufen, mit dem Rauchen aufhören, vor 12 ins Bett gehen, Koch werden . . .aber nicht sonen Scheiß hier verbrechen. Das schlimme is ja, dass ich dabei was empfinde. Sonst würd ich sie einfach knallen und dann damit angeben. Aber so . . . ah fuck, diese Hände. Genau da wo sie überhaupt nicht hingehören. „Cutie . . .“
Oh, hör auf hier rumzustöhnen . . . Hallo? Hier spricht dein Hirn! Hör auf mich. Ich bin HIER! Nicht DA! Ach, dann mach doch, was du willst. Aber beschwer dich nachher nich, ich kann nix dafür.
Dieser Kuss ist nicht da, wo er hingehört, ganz und gar nicht. Wenn ich noch einen Knopf aufmache wird’s gefährlich . . . was kann ich denn dafür, dass sie mich mit ihren Händen verrückt macht, mit ihren Haaren, Augen, was auch immer. Mhm, nicht in den Hals beißen, da steh ich drauf. Und um Gottes Willen nicht mein Gesicht berühren . . . natürlich zu spät. Was soll ich anderes tun, als ihre Finger zu küssen? Ich kanns doch eh nicht mehr verhindern, oder? Vielleicht ist sie diejenige, die dann damit angibt. Sie war im Suff genauso fies wie immer zu mir. Ich würde gern im nüchternen Zustand darüber nachdenken. Ich will sie von mir wegdrücken, aber meine Hände sind irgendwie anderweitig beschäftigt. Der herbe Parfumgeschmack an ihrem Hals . . .einfach umwerfend. Warum kann sie nicht wie immer einfach schwarze jeans tragen? Nein, sie musste ja dieses scharfe Kleid anziehen, das bei jeder Bewegung weiter hoch rutscht.
Hirn an Zweigstelle, ich würde gern wieder das Kommando übernehmen.
Einmal noch . . .süß, wie sie vor Schreck abrutscht und mir ein bisschen in die Unterlippe beißt. Ich kann sie lächeln sehen. Na ja, besser fühlen. Fühlen, genau das ist mein Problem. Dieses Weib ist schlimmer als jede Droge. Ich bin schon mal auf den Absturz gespannt. Verdammt, Hände weg unter meinem Shirt. Ja, sie nimmt sie weg, aber nur um damit mein Gesicht zu halten.
Stopp, jetzt reichts. Notbremse.
Ich packe ihre Handgelenke und drücke sie nach unten. Mit Mühe und Not könnte man noch einen Bierdeckel zwischen uns schieben. „Meinst du, dass das so ne gute Idee is?“ „Keine Ahnung. . . „Du hass mich, warum sollde ich das tun?“ Sie hat so ein hübsches Gesicht. „Lauri, ich hass disch nich . . . nich mehr.“ „Und deshalb isses ok oder was?“ „Das hab ich nich gesagt.“ „Cutie . . . ich bin blau, ich weiß nich, ob das alles so is, wies is.“ „Was is, wenn ich’s morgen vergessen hab?“ „Dann wärs das nich wertgewesen.“ „Kannstu nich immer so unschlumpfig sein?“ „Ich bin unschlumpfig, Cutie. Du musst nur besser aufpassen.“ „Dat mussch mia aufschreiben. Sons isses wech.“ „Könn wirn Photo machen? Sons glaub ich das nich.“ „Ja, damit dun Beweis ha das du mich als erstes gefickt has, oda?“ „Laber kein Scheiß. Sowat mach ich nüsch.“ „Wirklisch nisch?“ „Sons wärn wia doch schon vie weida.“ „Vielleicht hassu Angst gekriegt.“ „Isch hab keene Angs, und ers recht nisch voa dia.“ „Hassu wohl.“ „Habsch nisch.“ „Ebe schon.“ Sie bohrt ihre Fäuste trotzig in die Matratze, kippt dabei fast von mir runter. Natürlich halte ich sie fest . . . vielleicht hätte ich es lassen solln. „Lauriii, du has mich jerettet. Bisch mein Held.“ „Wärs schon sehr tief gefalln.“ „Gaaaanz tiehf.“ „Cutie, sach sowas nich.“ „Waruhuhm?“ Ba, nich den Kopf auf meine Schulter legen, das ist sehr schlecht. Ich werd nämlich schon wieder geil, wenn ich ihren Atem an meinem Hals spüre. Und erst recht nicht küssen, nicht da, scheiße, das halt ich nich aus. „Weilu mich schon wieda rapplisch machs damit.“ „Isch weiß.“ Natürlich, sie sitzt auf meinem Schoß . . . spielt mit meinen Haaren und hat ihre Hände schon wieder da, wo sie nicht hingehören. „Cutieeeee, aus, lasss dasss.“ Sie knurrt unwillig, löst sich von mir und lässt sich nach hinten aufs Bett fallen. Dieses Kleid . . . es genau dasselbe schwarz wie ihre Haare. Scheiße, ich bin stockbesoffen und sie hat nix anderes zu tun als sich vor mir hier rumzuräkeln. Das is echt unfair, wie soll man da widerstehn? Könnt ich ja nich mal, wenn ich nüchtern wär.

Ich glaub, ich mach den Kleinen unbeabsichtigt heiß. Das ist nicht gut, ich kanns nicht steuern. Grad bin ich von ihm weggekommen, das beugt er sich schon wieder über mich und fängt an, mir vorsichtig in die Unterlippe zu beißen. ER wollte damit aufhören; was hat dann seine Hand auf meinem Oberschenkel zu suchen? Schiebt sich langsam höher, zärtlicher, als ich es gewohnt bin. Trotzdem, das ist verrückt. Er nutzt mich doch nur aus, um bei seinen Kumpels damit anzugeben. Es kann nicht sein, dass er so ganz anders ist, als er sich sonst mir gegenüber verhält . . . er nimmt wieder meine Hände, zieht mich mit sich hoch, küsst mich kurz auf den Mund. „Ich muss gehn, hoff dass hia war nich falsch.“ Erstaunlich schnell steht er neben meinem Bett und drückt mich zurück in die Kissen. „Schlaf gut, kleine Kratzbürste.“ Das werd ich tun, zu müde zum Nachdenken.

Chapter 10

[next morning]

„Kajaaaaaaaaaa!“ Nein, aua, nich so laut. Mein Kopf bring mich um . . .argh. „Komm rein.“ Grumpfle ich in mein Kissen, meine Tür sperr ich eh nie ab. Sofie kommt fröhlich wie ein Keks hereingeschneit und schmeißt sich fast auf mich drauf. „Na, Süße? Wie lang habt ihr noch gesoffen?“ „Woher soll ich das wissen? Ich kann mich ja nich mal mehr dran erinnern wie ich hier her gekommen bin.“ Die Hand an den Kopf gepresst wühle ich meinem Nachttisch und finde tatsächlich ein Packung Aspirin, deren Inhalt ich trocken hinunterwürge. „Mensch nich so viel . . . bis wo hin kannst du dich denn noch erinnern?“ „Also erst bis du gegangen, Filmriss, dann warn nur noch Aki, Schlumpf und ich da, Filmriss, und dann weiß ich nur noch, dass Aki kotzen gegangen is, danach Filmriss zum Quadrat.“ „Das ia nich besonders viel.“ „Die Schlümpfe ham mich abgefüllt . . . du hattest Recht, Aki is sweet, meistens jedenfalls.“ „Und Lauri?“ „Weiß ich nimmer.“ Ich zucke mit den Schultern. Wie bin ich nur hier her gekommen? „Magst du mit mir brunchen gehen? Es geht ja erst um zwei wieder los.“ „Natürlich komm ich mit, lass dich doch nich allein . . . Wie spät isses eigentlich?“ „Halb zwölf. Schwing die Hufe, Süße, sonst müssen wir so hetzen.“ „Dafür muss ich mich jetzt hetzen.“ maule ich und krabble aus dem Bett. Langsam werden die Schmerzen erträglicher. Oh diese fiesen Finnen . . . Im Bad schmeiße ich meine versifften Klamotten von gestern in die Badewanne und dusche mich kurz ab. Meinen Haaren gönne ich eine Extraportion Kurspray, ich bin zu faul um sie zu waschen. Schnell noch meine Lieblingsklamotten unter dem Waschbecken vorgeholt und reingeschlüpft. „Von mir aus kanns losgehen.“ „Ey, deine Augenringe sin ja weg.“ Sie weicht geschickt meinem Fuß aus und lockt mich aus dem Raum. „Absperren nich vergessen.“ „Jahaaa . . .“ Ich bin doch kein Kleinkind.
Wir fahren in die Stadt, verputzen da ein riesiges Frühstück und gehen anschließend noch 20 Minuten shoppen, bevor wir direkt zum Set fahren. Klein Schlumpf scheint schon auf mich zu warten . . . der sieht ja schlimmer aus als ich, das wird ein schönes Stückchen Arbeit. „Hey, Schlumpfi! Na, wie geht’s?“ Warum starrt der mich so irritiert an? Meine neue Sonnenbrille kanns ja nicht sein, oder? „Hi.“ Ok, jetzt bin ich völlig Perplex . . .mhm, vielleicht haben die Kopfschmertabletten nicht für alle gereicht. „Wasn los? Ich hatte gestern viel mehr als du . . . glaub ich jedenfalls.“ „Soll das heißen, du weißt es nicht mehr?“ „Nö, is doch auch wurscht. Ey komm, du kennst das Prozetere, setz dich endlich.“ „Du weißt überhaupt nix mehr von gestern?“ „Nur noch, dass Klein Aki reihern musste, hehe.“ „Ja und danach?“ „Filmriss . . . nu starr mich doch nich so an, Oberschlumpf. Das wird dir irgendwann auch ma passieren.“ „Ich drücke ihn genervt auf den Stuhl und beginne mit meiner Arbeit. „Du hast das mit uns vergessen?“ „Hä? Es gibt kein wir, also gibt’s auch kein uns.“ „Aber gestern gabs eins.“ Ach spinn nich rum.“ „Tu ich nich, du weißt es doch auch.“ „Du und deine Wahnvorstellungen.“ Ich schüttle den Kopf und greife blind den schwarzen Eyeliner aus meinem Sauhaufen. „Kaja, sag das das nicht wahr ist.“ „Was wahr ist? Ich weiß nichtmal, wovon du überhaupt redest. Und jetzt sitz gefälligst still, sonst verschmiert alles.“ „Du willst wissen wovon ich rede?“ Man ,is der sauer. „Wär nicht schlecht.“ Wie manche Leute sich in etwas reinsteigern können. „Ok, ich werds dir sagen. Du hast scheinbar vergessen, dass wirs fast mitnander GETRIEBEN HÄTTEN!“ Jetzt dreht er völlig ab. „Sag mal, hast du nen Knall? Ich würd mir eher nen Strick nehmen als mit DIR in die Kiste zu steigen!“ „Ah ja?“ Er springt auf und steht vor mir, viel zu nah. ”JA, VERDAMMT!” „Dann fang schon mal an den Strick zu knoten.“ „Du hast sie doch nich mehr alle.“ „Du bist so ne miese Schlampe. Wenn ich den Scheiß nicht gestoppt hätte . . .“ „DU hast den Scheiß gestoppt? Du meinst ich hab dir nen Korb gegeben.“ „Ach so, dann heißt auf dem Bett räkeln bei dir Verpiss dich.“ „Sowas hab ich niemals gemacht.“ „Ah ja? Und wer hat dann die ganze Zeit an mir rumgefummelt, hä?“ „Das warst du wahrscheinlich selbst, du Wichser!“ „Du warst sowas von geil auf mich, Cutie.“ Er hält meine Handgelenke fest sodass ich seiner Nähe nicht ausweichen kann. „Ich würde mich niemals von nem Scheißkerl wie dir ficken lassen.“ Ich kämpfe gegen seinen festen Griff an, no Chance, er ist viel stärker als man ihm zutrauen würde. „ Wie konnte ich meine Zeit nur mit sonem Flittchen wie dir verschwenden. „Jetzt reichts. Lass mich sofort los.“ „Und wenn ich nich tue?“ Er sieht mich herausfordernd an. „AKIIIIIIIIIIIIIIIII!!!!!!!!!!!“ Mal guggen wies ihm schmeckt, wenn er seinen besten Freund gegen sich hat. Tatsächlich kommt der Augenblicke später verdutzt hinter den kleinen Wohnwagen, wo wir stehen. „Hä? Hab ich was verpasst?“ „ Der Drecksack hier behauptet, dass ich mit ihm ins Bett gegangen wär. Sag ihm, dass das nich wahr ist!“ „Aki, wo war ich denn als du mich ausgesperrt hast?“ „Ihr . . .“ Er kichert. „Ihr wisst nicht . . .“ seine Augen fangen an zu strahlen. „ob ihr mitnander GEVÖGELT HABT?“ „Nein, ham wir nich.“ „Aber fast.“ „HALT ENDLICH DEINE ABGEFUCKTE FRESSE!“ „KIEG ERST MA DEINE HORMONE IN GRIFF!“ „AUF EURE PLÄTZE! THE SHOW MUST GO ON . . .“ Er stößt mich von sich weg und stampft wütend Richtung Set. Ich nehme die andere Seite und suche nach Sofie, sie sitzt ganz hinten im Schatten und schlürft Cola. „Hey, da bist du ja. Was ging denn zwischen dir und dem Schlumpf ab? Ihr habt ja das ganze Set zusammengebrüllt.“ Sie sieht mich fragend an und spielt mir ihrem Strohhalm.“ „Hat jemand was verstanden?“ „Ne, nur Eero und Pauli ham sich vor Lachen nimmer gekriegt. Die wollten uns nich sagen, was los is. Bitte erzähl . . .“ Seufzend lasse ich mich neben ihr nieder und fange an.

Chapter 11

{am Abend]

Kaja und Sofie betraten das Kino und reihten sich in die Schlange der Wartenden vor der Kasse ein. „Vielleicht sollten wir uns ma für nen Film entscheiden.“ „Mhm, aber welchen?“ „Ich weiß, mit wem du letzte Nacht ge . . . „ „SOFIE!“ „Tschudigung. Aber das is einfach zu geil.“ Sie gluckste in sich hinein und haute Kaja tröstend auf die Schulter. „Wenigstens du könntest zu mir halten.“ „Ach Kajaschatz . . . welcher Film denn nu?“ „Nix mit Sex . . .“ „Panic Room , Signs oder . . . The Ring?“ „In sieben Tagen wirst du sterben, muahahaha!“ „Ok, ich hab schon verstanden. Ich hohl die Karten und du besorgst Popcorn, ja?“ „Ich fliege.“ Kaja quetschte sich aus der Schlange und ging hinüber zur Fressecke. Mit zwei Tüten Popcorn im Arm und einer Tüte Gummibärchen zwischen den Zähnen folgte sie Sofie in den Kinosaal, der noch fast ganz leer war. Ziemlich weit hinten ließen sich die beiden auf ihre Sitze fallen und machten es sich bequem. „ Wie kann man einem so schönen Sommerabend nur draußen sein . . .“ lachte Kaja und riss die Plastiktüte auf. „Ja, aber echt, voll die Verschwendung.“ Sofie stopfte sich eine handvoll Popcorn in den Mund und ließ sich tiefer in ihren Sitz sinken. „Weißu Kaja . . . warum sags su nich einfach, dass su mit ihm gepoppt has? Die wärn aje neidisch auf dich.“ „Erst schlucken, dann reden, Sofiespatz. Ne, dass is doch genau dass, was er will. Ich hab nix gemacht und damit basta.“ „Is ja gut, das is nur alles so . . . lustig.“ „Mhm, find ich auch . . . ach scheiß doch auf den Penner. Ich lass mir von dem nich die Laune vermiesen.“ Sie zwinkerte ihrer Freundin zu und fing ebenfalls an, Popcorn in sich hinein zustopfen. Langsam würde das Licht heruntergedimmt und die Werbung lief an. Nach ein paar Clips wurde die Schwingtür des Kinos aufgestoßen und vier Leute tasteten sich am Gang entlang zu ihren Plätzen. Kaja starrte gelangweilt auf die Leinwand, als die Köpfe der Neuankömmlinge sich dunkel gegen die Leinwand abzeichneten. Beinahe blieben ihr die Gummibärchen im Halse stecken. Aufgeregt rüttelte sie an Sofies Arm. „Die Schlümpfe sin hier! Das darf doch nich wahr sein!“ zischte sie. Sofie schlug sich die Hand vor den Mund und presste ihr Gesicht gegen das dunkelblaue Polster. „Ja, lach du nur . . . das kann ja heiter werden.
Schließlich begann der Hauptfilm. Die vier saßen fünf Reihen vor Sofie und Kaja, genau in der Mitte. Nachdenklich griff die schwarzhaarige Junge Frau in ihre Tüte, als ihr eine glänzende Idee kam. Vorsichtig beugte sie sich über den Sitz und schnippte ein Maiskörnchen in Richtung Lauri. Der drehte sich ruckartig um, sah aber niemanden auf den hinteren Plätzen. Verwirrt schüttelte er den Kopf und widmete sich wieder der Leinwand. Sie wartete . . . fünf Minuten vielleicht, dann warf sie die nächste Ladung. Wieder drehte er sich um, zupfte an Akis Ärmel, zwang ihn, nach hinten zu sehen. Der Drummer verpasste ihm einen leichten Schlag auf den Hinterkopf und sah wieder nach vorn. Kaja kicherte in Sofies Schulter und machte sich auf den nächsten Angriff gefasst. So ging es den ganzen Film hin und her, bis Lauri nahe dran war, aufzustehen und nach hinten zu gehen um den Täter eigenhändig vor die Tür zu zerren. Eero und Pauli konnten das glücklicherweise verhindern und ihn wieder auf den Sitz zurück befördern. „Shit, das war knapp.“ Kaja tauchte keuchend wieder zwischen den Polstern auf und zog sich geräuschlos nach oben. Sofie grinste belustigt und beugte sich zu ihr hinüber. „Lass das jetz ma lieber, sonst kommt er echt noch her.“ Kaja rollte mit den Augen, nickte aber schließlich und beherrschte sich für den Rest des Filmes. Später warteten sie, bis die vier Jungs den Saal verlassen hatten und schlichen dann immer noch kichernd nach draußen. Sie passierten die Lobby und kamen schließlich zum Ausgang. Kaja drehte sich um und lief rückwärt, immer wieder Lauris Gesichtsausdruck nachäffend. Plötzlich schnellte Sofies Arm nach vorne und wollte sie an der Schulter packen, im nächsten Augenblick stieß Kaja auch schon mit Aki zusammen, der mit den anderen vor dem Kino herumstand. „Hey . . .welch angenehme Überraschung.“ Lauris Miene verfinsterte sich, als er Kaja erblickte. „DU! Das hätt ich mir ja gleich denken können.“ „In welchem Film wart ihr denn?“ mischte sich Eero ein. „ Panic Room. Wir waren in Panic Room.“ Sofie nickte nachdrücklich und lächelte Eero strahlend an. „Na siehste Alter. Sie könnens gar nich gewesen sein.“ „Du glaubst das doch wohl nicht, oder doch?“ „Was ist den passiert?“ fragte Kaja scheinheilig „ Hat der Mr Ylönen sich ma wieder eingebildet er hätte ge . . .“ Aki hielt er grinsend die Hand vor den Mund und drehte sie zu sich um. „Wir wollten grad noch einen Trinken gehen, ihr kommt doch mit oder?“ „Ohne mich.“ Lauri verschränkte die Arme vor der Brust und sah abwartend in die Runde. „Nur zu. Wenn du jetzt losläufst bist du in zwei Stunden im Hotel.“ „Nich streiten Kinners. Ihr kommt beiden mit.“ „Vergiss es . . .“ „Wieso sollte ich mit diesem Arsch freiwillig zusammensein?“ „Weil ich es so will.“ Er hakte sich bei Sofie und Kaja unter und zog sie mit sich, während Pauli und Eero damit beschäftigt waren, Lauri hinterherzuschieben.

Chapter 12

As die Fünf das Lokal betraten, beeilten sich Aki und Sofie die Bank zu belagern, damit niemand anders dort Platz hatte. Kaja rollte seufzend mit den Augen, als Eero ihr den Stuhl wegschnappte, auf den sie sich gerade setzen wollte. „Das hast du mit Absicht gemacht!“ „Nö. Meine Hand hatte sich nur ma grad selbstständig gemacht.“ Er grinste und fing an mit dem Salzstreuer herumzuspielen. „Ich will aber nicht neben dem Federvieh sitzen.“ „Wird dir wohl nix anderes übrig bleiben.“ „Doch, wir könnten sie in die Wand einmauern und einfach vergessen.“ Inzwischen hatte sich auch Lauri zu dem kleinen Ecktisch durchgekämpft und funkelte Kaja wütend an . „Dann müsst ich mir wenigstens nicht jeden Tag deine verdammte Hackfresse antun.“ „Mein, Gott, jetzt hast du mich aber verletzt.“ „Wenn die Messer hier scharf wären, wärst du schon lange tot.“ „Ach Kinners, vertragt euch doch ma wenigstens für zwei Stunden.“ Sofie klapperte mit den Wimpern und sah die beiden bittend an. „Bringen wirs hinter uns.“ knurrte Kaja und ließ sich mit verschränkten Armen neben Eero auf den Stuhl fallen. Langsam entwickelte sich eine angeregte Unterhaltung zwischen den anderen dreien, nur Lauri und die junge Frau starrten ausdruckslos in ihre Gläser. Nach ein paar Minuten beugte sich Lauri zu seiner Jacke hinunter, die auf seinem Stuhl hing und zog eine Schachtel Zigaretten heraus. „Willst du eine?“ „Wie käm ich dazu?“ Sie sah ihn aus den Augenwinkeln kühl an und widmete sich wieder ihrem Drink. „Gestern hast du dich nich so angestellt . . .“ nuschelte er mit der Kippe im Mundwinkel. „Gestern war überhaupt nix, wie oft soll ich dir das noch sagen, du Wicht?“ zischte sie zurück. „Du hast doch nur Schiss bekommen, gibs zu.“ „Schiss? Vor was den bitte?“ „Dass es dir gefallen hätte, zum Beispiel.“ „Du widerst mich an. Hör endlich mit deinen kleinen perversen Fantasien auf, du bist ja krank.“ „DU bist krank, Alzheimer oder sowas.“ „Vielleicht wars so schrecklich ,dass ich es schleunigst vergessen WOLLTE!“ „Oh, nein, Cutie. Es wäre gut gewesen . . .“ Er lehnte sich zurück und zog genüsslich an seiner Zigarette. „Ah, ja? So zum Beispiel?“ Wütend sprang sie auf und packte Lauris Bier. „Was gehtn jetz ab?“ Eero drehte sich verwirrt um, das Gespräch verstummte. „Ohhhh . . . ..jaaaaa . . . .Lauri, mach s mir, du bist der Beste, JAAAAAAAAAAA . . . .” Langsam kippte sie das Glas und sah zu, wie das Bier überschwappte und direkt in seinen Schritt rieselte. „DU VERDAMMTE SCHLAMPE!“ Er sprang so heftig auf, dass sein Stuhl nach hinten umkippte. „Na, war doch gut, oder?“ „Das kann ich auch.“ Blitzschnell hatte er sich ihren Drink geschnappt und kippte ihn jetzt voller Genugtuung in ihren Ausschnitt. „Na, warte . . .“ Sie stürzte sich auf ihn und war gerade dabei ihn zu würgen als Eero sie an der Hüfte packte und wieder auf ihren Stuhl zog. „Ich bring dich um!“ „Nicht, wenn ich schneller bin!“ „So, Leutz , das reicht, ihr geht jetzt raus und schlagt euch von mir aus die Köpfe ein, aber ich hab keinen Bock eure kindischen Spielchen hier noch länger zu ertragen.“ Aki wedelte auffordernd mit der Hand in Richtung Tür. Wutschnaubend drehte sich Lauri auf der Stelle um und stampfte Richtung Ausgang. Kaja krallte sich ihre Tasche und folge ihm.“ Das is alles nur deine Schuld, du Arsch!“ „Ach ja, wer leidet denn so unter Sexmangel, dass er mir Bier auf die Eier kippen muss, he?“ „Wenn du nich immer wieder mit deiner „Ey, ich hätt dich fast gefickt“- Mache anfangen würdest, wär das alles nicht passiert!“ Sie ließ die Tür krachend ins Schloss fallen und stellte sich ihm in den Weg „Wenns doch aber so war!“ „Wars nicht!“ „Wars doch!“ „Ach leck mich doch.“ „Du lässt mich ja nicht.“ Er fing ihre Hand ab, die direkt auf seine Wange gezielt hatte und ließ sie langsam wieder los. „Was machen wir jetzt, Cutie?“ „Also ich fahr nach Hause, was du machst is mir ja sowas von scheißegal.“ „Du kannst mich doch nicht einfach hier sitzen lassen!“ „Kann ich nicht? Dann pass jetzt mal gut auf.“ Sie machte auf dem Absatz kehrt und stolzierte in Richtung Parkplatz davon. „Mann, Kaja . . .!“ „Was?“ „Es tut mir leid.“ „Schön für dich. Gute Nacht in der Gosse.“ „Dir kann man auch gar nix Recht machen.“ „Lass mich einfach in Ruhe!“ „Wie denn? Du bist ja immer und überall da.“ „Laber kein Scheiß.“ „Ey, was hab ich dir überhaupt getan?“ „Du hasst mich, also hass ich dich.“ „DU hast angefangen.“ „Ich kann dich eben nicht leiden, na und?“ „Du kannst dir doch keine Meinung über nen Menschen bilden, wenn du ihn gleich von Anfang an anzickst und dann erwartest, das er nett zu dir is.“ „Warum laberst du mich mit dem Psychokram zu? Das is ja wohl einzig und allein meine Sache.“ „Ich mein ja nur.“ Sie drehte sich um und wollte gehen, überlegte sich es aber dann nocheinmal anders. „Was hältst du von nem Deal? Ich nehm dich jetzt mit, dafür lässt du mich den Rest der Dreharbeiten in Ruhe, ok?“ „Gut, einverstanden.“ „Dann sieh zu, dass du deinen Hintern hier her schwingst.“

Chapter 13

„Boa, Cutie, du und deine Ghettosprache.“ „Ghettosprache? Wer kann denn keinen Satz sagen ohne das Wort ficken zu gebrauchen, he, Schlumpf?“ „ICH nicht.“ „Ne, du doch nicht, wie komm ich nur auf so ne irrsinnige Idee?“ „Das möchte ich auch mal gern wissen.“ Kaja verdrehte theatralisch die Augen und ließ sich auf den Fahrersitz fallen. „Ich wusste gar nicht, dass du Cabrio fährst.“ „Nett, oder? Nur seh ich für dich da keine Hoffnung . . .“ „Wenn ich Zeit hätte, würd ich mir den scheiß Wisch ja holen, aber ich hab auch noch andere Sachen zu tun, Mrs Gehirnathlet.“ „ Du würdest deine ganze Kohle für Fahrstunden verbraten müssen, die toten Omas und Hirsche kosten auch noch mal extra.“ „Halt die Klappe und fahr los. Oder reicht der Gurt nicht ganz, Cutie?“ „Ich werd die Zeit genießen, in der ich deine quiekende Stimme nicht hören muss.“ „Ich quieke nicht.“ „Du hast Recht, es ist eher ein Quietschen, wie ne rostige Tür.“ Sie bog nach rechts ab und fuhr nun die Landstraße entlang. Der Himmel war klar und sternenübersät, die Hitze des Tages war immer noch leicht zu spüren. Lauri sah nach oben und seufzte leise. „Siehst du, das mein ich.“ „Es wäre so eine schöne Nacht, wenn du nicht hier wärst.“ „Du kannst gerne laufen, dann sind wir beide zufrieden.“ „Toll, da bin ich ja tot, wenn ich ankomme.“ „Hast du etwa Angst im Dunkeln?“ Eine lange Alle, ein Baum nach dem anderen. Mystisch hoben sich die Schatten der dunklen Zweige vom milchigen Mondlicht ab. „Natürlich, ich seh jeden Abend unter meinem Bett nach, ob da keine Monster drunter sind.“ „Oder ein Groupie, das könnte dich ja vergewaltigen und dann hättest du deine Unschuld verloren, du armer Kerl.“ „Seh ich aus, als würd ich mich nich gegen ne Frau wehren können?“ „Ja, ehrlich gesagt schon . . . aber vielleicht würdest dus ja gar nicht versuchen.“ „Zum letzten Mal: ich ficke NICHT alles, was nich bei drei aufn Bäumen is, ok?“ „Du widersprichst dich, Schlumpfi.“ „Was solln das schon wieder heißen?“ „Erst machst du ein auf großen Macker und dann kommst du mit deiner Ich- bin-ja-so-brav-Masche an. Das kauft dir doch keine Sau ab.“ „Das is doch gar nich wahr.“ „Ne, wie isss denn dann?“ „Kaja, hör auf mich zu verwirren.“ „Tut mir leid, is mir schon klar, dass du in deiner Schädelerbse nich so viel behalten kannst, Schlumpfi.“ „Nu hör doch mal mit deinem verdammten Schlumpfi auf.“ „Wie soll ich dich denn sonst nennen? Federvieh passt dir ja auch nich.“ Wie wärs mit . . .öhm . . .Lauri?“ „Wie langweilig . . .“ „Aber wenn ich dich Schlampe nenne, springst du mich schon an.“ „Ich würde dich niemals anspringen, tut mir leid.“ „Boa, ja, und ich bin kindisch.“ „Nö, du bist nur verdammt klein.“ „Welch Trost.“ „Nimms nich so schwer.“ „Langsam wirst du müde, he?“ „Mir fällt nix mehr ein, außerdem frieren mir gleich die Finger am Lenkrad fest.“ „Tja, Cutie, das ist der Nachteil an nem Cabrio.“ „Ach ne, welch intelligente Äußerung.“ Er lehnte sich zurück und ließ sich den Fahrtwind ins Gesicht wehen. Langsam spürte auch er eine bleierne Müdigkeit ins sich hochkriegen. „Hey, nich wegpennen, wir sind gleich.“ „Das sagt sich so leicht.“ Nuschelte er und schloss die Augen. „Erzähl mir was.“ „Was denn?“ „Irgendwas damit du nicht wegpennst.“ „Du bist süß.“ „Du kannst wirklich Schlaf gebrauchen, Schlumpfi.“

Mhm, ja, und sowas nennt man nun Partyfreak. Na ja, ok, meine Uhr sagt mir, dass es bereits nach eins ist, aber trotzdem. „Mann, jetzt lauf doch mal selber, du bist verdammt schwer für deine mickrige Größe.“ „Niemand hat dich gezwungen mich die Treppe hochzuschubsen.“ „Wenn ich’s nicht täte, würdest du dich morgen, ähm heute früh noch hier am Geländer entlang hochquälen.“ „Ich könnt mich jetzt gleich hier in die Ecke schmeißen . . .“ „Na komm, nicht dass dich noch jemand übersieht und sichn Bein bricht.“ „Is ja gut.“ Warum mach ich das überhaupt? Ich könnte schon längst in meinem Bett liegen und friedlich träumen. Endlich, unser Stockwerk . Plötzlich bleibt er stehen und dreht sich um. „Ich glaub, ich hab was vergessen.“ „Was? Dein Hirn? Du hattest nie eins, also mach dir keine Sorgen.“ „Der Zimmerschlüssel, Aki hat ihn . . .“ Ich klatsche mir mit der Hand auf die Stirn und ahne Böses. „Schön, sag, dass du nicht denkst, was ich denke, dass du denkst.“ „Kaja, ich muss mit dir reden.“ „Das hast du mit Absicht gemacht!“ „Nein, hab ich nicht.“ „Hast du schon!“ „Nein, hab ich nicht.“ „Doch. „Nein.“ „Doch.“ „NEIN, verdammt!“ „DOCH!“ „Kaja!“ „Ich weiß, wie ich heiße.“ „Gib mir ne Chance.“ „Wofür?“ „Um es dir zu erklären.“ Ich finds nicht gut, allein mit ihm zu sein, in diesem schummrigen Flur. Und schon gar nicht, wenn er meine Hand hält und ich zu überrascht bin, um sie wegzuziehen. „Es gibt nicht zu erklären.“ „Ach nein?“ „Nein.“ „Kaja, ich weiß ,dass du tätowiert bist.“ „Na und?“ „Ich mein nicht das am Bauchnabel.“ Panik, Hysterie in meinem Kopf. Und wenn er Recht hat, wenn das doch alles wahr ist? Wenn er und ich . . .Nein, nein, nein. Das kann und darf einfach nicht wahr sein. Wenn ich mich doch erinnern könnte. „Was is passiert? Spucks aus.“ „Nicht hier.“ Gut, ich will’s wissen. Heute bin ich schließlich so gut wie nüchtern. Geschickt weicht er dem Fernseher aus, der mitten im Raum im steht. Er kennt sich hier viel zu gut aus. Das macht mir Angst. Und warum zum Teufel weiß er, dass auf meinem Balkon ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen steht? Nein, nicht auch noch die Kerze anzünden, das ist zuviel für meine armen Nerven. Es ist zu romantisch um mit ihm hier zu sitzen . . . es ist so unwirklich. Wenigstens ist es dunkel, das gibt mir ein bisschen Sicherheit. In seinen Augen spiegelt sich die im Wind tanzende Flamme wieder, das Licht wirft geheimnisvolle Schatten auf sein Gesicht. Ich kann einfach nicht aufhören, ihn anzustarren. Er ist so . . . anders als sonst, sieht zu den Sternen hoch. Ich hätte nie gedacht, dass er einen Sinn für sowas Schönes hat. Plötzlich haftet sein Blick an mir, er beginnt zu erzählen, ich höre nicht zu. Ich kann mich einfach nicht abwenden, seinen stechenden grünen Augen ausweichen. Er redet und redet, sieht mich manchmal aus den Augenwinkeln an, starrt sonst weiter nach oben. „Kaja? Hörst du mir überhaupt zu?“ „Was?“ Die Wirklichkeit schlägt mir wie eine Faust in den Magen, ich möchte wieder in meiner kleinen Trance versinken und ihn anstarren. „Du hast mir überhaupt nicht zugehört!“ Er ist ziemlich böse, aber auch nervös. Wahrscheinlich ist er sich nicht sicher, ob er alles noch mal so spontan und ehrlich sagen kann . . . Nein, so kann man es nicht sagen, ich habe ja nichmal zugehört. „Du willst es gar nicht wissen. Es ist dir egal.“ Eine Windböe wirbelt die verdörrten Blätter auf und bringt die kleine Flamme dazu, erneut verzerrte Schatten auf sein Gesicht zu werfen. Er sieht mich so unglaublich traurig und verletzt an. Was soll das alles hier? Ich will es nicht, ich will allein sein und ihn hassen. Aber es gibt keinen Grund dafür. Was soll ich sonst tun, wenn ich ihn nicht hassen kann? „Es ist mir nicht egal.“ So schwer, fünf popelige Wörter über die Lippen zu bringen. „Warum hörst du mir dann nicht zu?“ Keine quietschende Eisentür, eher angenehm und warm. Nicht schon wieder meine Hand nehmen, das halte ich nicht aus. „Ich kann nicht.“ Ich kann nicht zulassen, dass ich aufhöre, dich zu hassen, das geht einfach nicht. Er lächelt. Nicht einfach so . . . er lächelt mich an, sieht mir in die Augen. Ich befreie mich aus seinem Bann und springe auf, lehne mich an die Brüstung des Balkons und sehe hinunter. Mir ist kalt, der Wind tut sein übriges, lässt seine Hand auf meinem Rücken noch tausendmal wärmer erscheinen. Mein Haar versperrt mir den Blick über die Schulter, so muss ich ihn wenigstens nicht ansehen. In Gedanken flehe ich ihn an, endlich zu gehen und mich in Ruhe zu lassen, so wie es abgemacht war. Er tut nichts der gleichen, nimmt mich nur in den Arm und drückt mich an sich. Ich bin unfähig mich zu wehren, vielleicht liegt es daran, dass ich mich innerlich dagegen sperre, es sogar so haben will. Seine Lippen geben nehmen mir den Rest Widerstand, den ich mir mühsam aufgebaut habe, küssen ganz zärtlich die Haut in meinem Nacken. Er ist so vorsichtig, als ob ich eine tickende Zeitbombe wäre, gefährlich und doch so anziehend. Erschöpft von meinen widersprüchlichen Gefühlen lasse ich meinen Kopf an seine Schulter sinken und schließe die Augen. Wenn ich könnte, würde ich diesen Moment in ein Glas stecken und für ewig aufbewahren. Doch er fliegt mit dem nächsten Windstoß in diese laue, sternenklare Sommernacht davon.

Chapter 14

Wieso quält sie mich so? Warum schmiert sie mir nicht einfach eine und schmeißt mich raus? Sie könnte sich natürlich auch umdrehen und mir ein einziges Mal in die Augen sehen. Aber das wird sie nicht tun, eher würde sie über das Geländer klettern und springen. Ich könnte ihr auch beweisen, dass ich kein Schlumpf bin und durchaus die Kraft habe, sie mit Gewalt zu zwingen mich anzusehen. Aber das wäre genau das, was sie will. Eine Bestätigung für ihre schlechte Meinung über mich. Sie hat sich nichtmal die Mühe gemacht, herauszufinden, wie ich wirklich bin, es scheint ihr herzlich egal zu sein. Wieso stehe ich hier überhaupt? Sie war nie in irgendeiner Weise nett zu mir. Außer an diesem scheiß Abend gestern, aber das ist etwas anderes. Vielleicht ist es genau das, was mich so an ihr reizt, was sie so anziehend für mich macht. Dieses Geheimnisvolle, Verschlossene. Es passt genau zu dem, was ich sehe. Dunkle Strähnen fallen ihr ins Gesicht und lassen mich nur erahnen welche Emotionen sich darin wiederspiegeln. Sie versteckt sich regelrecht dahinter. Ich will doch nichts weiter als eine Antwort auf meine unausgesprochene Frage. Gut, wenn sie nicht will . . . Blitzschnell habe ich sie an der Hüfte gepackt und zu mir umgedreht, sie scheint etwas überrascht, fast ein wenig eingeschüchtert. Meine Nähe scheint sie zu verunsichern, kein schlechtes Gefühl. Sie kann nicht einmal meinem Blick standhalten, starrt nur an mir vorbei auf den Boden. Vorsichtig schiebe ich meinen Daumen unter ihr Kinn und hebe es leicht an . . . so ist es besser, jetzt gibt’s keine Versteckspielchen mehr. „Das hättest du mir nicht zugetraut, oder?“ „Doch.“ „Aber?“ „Nicht hier . . .nicht mit mir.“ „Warum nicht mit dir?“ Dieses atemberaubende Licht lässt ihre Augen so wunderschön glänzen, wären sie doch einmal nur auf mich gerichtet. „Weil es . . . verrückt ist.“ „Deshalb kann es doch trotzdem schön sein.“ Ich danke Gott für die Gabe mich ausdrücken zu können, ich wäre verloren, wen ich dieser Frau hier etwas vorstottern würde. Trotzdem scheint es nicht genug zu sein, um sie zu halten. Sie entfernt sich von mir, es sind nur Zentimeter, Zentimeter die mir wie ein unüberwindbarer Abgrund vorkommen. Vielleicht habe ich mich doch in ihr getäuscht und sie ist wirklich so, wie sie sich gibt. Meine Hände gleiten von ihren Hüften, als sie noch einen Schritt nach hinten macht. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass das hier alles nur ein abgekartetes Spiel ist.“ „Wie meinst du das?“ „Du weißt schon, so Schlumpfwette nach dem Motto: Wer fickt die zickige Stylistin?“ „Das ist doch Schwachsinn.“ „Ah ja?“ Sie ist wieder bei mir und drückt meine Handgelenke nach unten, diesmal sieht sie mir in die Augen, stechend und fragend. „Ja.“ „Lauri, wir mögen uns nichtmal.“ Ihre Stimme zittert leicht. „ Du magst mich nicht . . .“ „Aber du mich schon oder wie?“ Sie lacht spöttisch auf „Macht Spaß mit den Gefühlen von anderen Leuten zu spielen, nicht?“ „Ich spiele nicht mit dir.“ „Doch, die ganze Zeit tust du das.“ „Das ist nicht wahr.“ „Doch und du gibst mir ja nichtmal ne Chance vernünftig mit dir zu reden.“ „Was willst du mir sagen? Spucks aus.“ „Ich würd gern wissen, was der Grund dafür ist, dass du mich bei jeder Gelegenheit niedermachst und mir sogar in so einem Moment zu verstehen gibst, dass du mich hasst.“ „Warum lässt dus dann nicht einfach?“ „Weil ich das Gefühl habe, dass da etwas an dir ist, das ich mag.“ „Das kann nicht sein.“ Sie lässt mich los und will schon wieder auf Distanz gehen, aber ich halte sie fest und ziehe sie wieder an mich, lege ihre Arme um meinen Rücken. „Du hast dir nicht genug Mühe gegeben, Cutie.“ Sie lächelt leicht als ich ihr über die Wange streiche. „Lauri?“ „Mhm?“ „Wo ist die Schlange?“ „Da.“ Meine Finger umkreisen ihren Bauchnabel, wandern unter ihrem Shirt nach hinten und drücken sie noch enger an mich heran. „Und . . .“ „Das kann ich dir hier draußen nicht zeigen.“ „Dann gehen wir eben rein.“

[später (ich will nich sagen wie viel später, weilsch ja nüscht weiß, wie lang laurischatz dat durchhält ^^)]

Kaja schlug die Augen auf und sah direkt in sein Gesicht. Nachdenklich strich sie über seine Wange und kletterte dann aus dem Bett. Die Verandatür stand immer noch sperrangelweit offen, sodass sie erschauderte als sie aufstand. Zitternd zog sie sich sein Hemd über den Kopf und steckte sich eine Zigarette an, während sie im Türrahmen der Balkontür lehnte und nach draußen starrte. „Mein Shirt . . .und meine Kippen.“ Er küsste ihren nackten Hals und legte die Arme um ihren Bauch. „Ich will nur nicht, dass du soviel rauchst.“ „Aber du darfst das?“ „Ich werd ja auch nich impotent.“ „Soll das ne Anspielung sein?“ „Mhmmm . . .. das kannst du dir aussuchen.“ „Dann such ich mir aus, dass du wieder ins Bett kommst.“ „Zwing mich.“ „Soll ich?“ „Tus doch, wenn du dich traust.“ Sie sah ihn herausfordernd an und legte den Kopf schief. „Gut, du wolltest es so.“ Mit Schwung zog er ihr die Beine unter dem Körper weg und trug sie zurück zum Bett. Dort ließ er sie etwas unsanft fallen und kniete sich über sie. „Nenn mich nie wieder Schlumpf, ja?“ „Nie wieder . . .“ Ihre Hand fuhr an seinem Bauch entlang, wurde von seiner aufgehalten und auf seine Schulter gelegt. „Du solltest schlafen, Cutie.“ „Kannst du nicht mehr?“ Er knurrte böse und biss ihr zärtlich auf die Unterlippe. „Ich kann immer.“ „Immer?“ „Immer.“ „Dann is ja gut.“ Sie kuschelte sich in seinen Arm und schloss erneut die Augen.

Chapter 15

[next evening]

„Du bist Schuld, dass wir jetzt noch hier sind!“ „Bin ich gar nicht.“ „Doch, das bist du, Alter.“ „Was wollt ihr eigentlich von mir? Ich hab nix gemacht.“ „Neeeeeeeeeeein, natürlich hat der SCHLUMPF nix gemacht. Die Worte „Wetten, dass die uns nich vergessen?“ hast du auch niemals ausgesprochen, nein, wie könntest du?“ „Kajaschätzchen hat Recht. Du bist Schuld wenn morgen irgendwas wie „ The Rasmus- was zum Teufel treiben die Nachts mit zwei unschuldigen Stylistinen auf der Rennstrecke?“ in der Zeitung steht.“ „Gott, dann laufen wir eben die paar Meter.“ Lauri verdrehte die Augen und steckte genervt die Hände in seine Hosentaschen. „Ok, wenn du da oben über die Kante kletterst und runterspringst, können wir dich als noch-lebendes Sprungtuch verwenden.“ Aki sah zweifelnd zu den hohen Kurven der Strecke hinauf, die sich dunkel von der Abenddämmerung abzeichneten. „Aber die Tür . . .aua!“ Kaja trat ihm auf den Fuß uns sah in warnend an. „Welche Tür?“ „Hab ich Tür gesagt? Öhm, ich meinte . . .“ „Spucks aus, Alter. Ich will in mein Bett.“ Eero hockte auf dem von der Sonne aufgeheizten Boden und spielte übermüdet mit seine Schnürsenkeln.“ „Es ist doch erst 10 Uhr.“ „Höchste Zeit für unsern kleinen Bassisten, gell Eeroschnäuzelchen?“ „Sei nicht zu fies zu deinen Bandmates, Schlumpfischnäuzelchen.“ Kaja ließ sich neben Eero nieder und kramte ihr Feuerzeug hervor. „Alle Raucher bitte melden. Wir brauchen Licht.“ „Spätestens wenn ich Entzugserscheinungen krieg, will ich’s aber wieder haben, ok?“ Pauli schmiss ihr seines zu und setzte sich ebenfalls neben Eero. „Sofie?“ „Ich schnorr mich doch immer bei dir mit durch, Kajaschnäuzelchen.“ „Mhm, stimmt ja. Jetzt weiß ich wo mein Geld is. Schmlumpfi, tu was für die Gemeinschaft.“ „ Was willst du denn anzünden? Die Luft vielleicht?“ „Ich dachte da eher an deine Haare.“ „Sehr witzig.“ Die sechs saßen jetzt in einem kleinen Kreis und starrten vor sich hin. „Was ist mit der Tür?“ flüsterte Lauri, der neben Kaja saß. „ Zuviele unangenehme Fragen, Schlumpfischnäuzelchen.“ „Ey, du hattest mir was versprochen.“ „Ich habs nicht versprochen.“ „Biest.“ „Schlumpf.“ „Schlampe.“ „Arschloch.“ „Könnt ihr nicht mal fünf Minuten nett zueinander sein?“ „Du weißt doch gar nicht, um was es geht, Akischnäuzelchen.“ „Bitte, ich höre. Die Nacht ist lang.“ „Öhm, um was gings denn Kajaschnäuzelchen?“ „Um deine Wehleidigkeit, Schlumpfischnäuzelchen.“ „Ja, nämlich dass ich ÜBERHAUPT NICHT wehleidig bin.“ „Ach ne? Wer schreit denn immer gleich rum, dass sein Fuß gebrochen is, wenn ihm mal das Mikro drauf fällt.“ „Kram keine alten Geschichten aus, Paulischnäuzelchen.“ „Das arme Mikro, kein Wunder, dass es sich wehrt, wenn dus dauernd ansabberst und sonst wie dran rum spielst.“ „Halt die Fresse, Kajaschnäuzelchen, oder du landest im Pool.“ „Um was ging denn jetzt?“ fragte Aki neugierig und durchwühlte seine Taschen nach etwas Essbarem. „Mhm, ich hab nur überlegt, ob ich Schlumpfischnäuzelchen nicht ne Vollnarkose verpassen soll, wenn mal wieder Augenbrauen zupfen auf dem Programm steht.“ „Jetzt hastes verschissen.“ Lauri sprang auf und zog sie hoch. Sekunden später hatte er sie schon auf den Arm genommen und bewegte sich Richtung Pool. „Man, das kannst du nicht machen!“ „Oh, du wirst schon sehn, Cutie.“ „AKIIIIIIIIIIIIIIIIIII!!!“ „Tut mir leid, Kajaschnäuzelchen, aber ich kann hier nicht weg.“ „SOFIEEEEEEEEE!!“ „Ich bin doch viel zu schwach, Kajaschnäuzelchen.“ „Bitte, bitte, lass mich runter. Ich werd auch immer gaaaanz brav sein!“ „Ach, Cutie, du sollst mich doch nicht anlügen.“ Er grinste wadete durch das seichte Wasser zur Mitte des kleinen Sees. „Lauri, BITTEEEEEEEEEE!!!! Ich werd dich auch wirklich nie wieder Schlumpf nennen!“ „Och, lass ma, jetz hab ich mich dran gewöhnt.“ Mit einem lauten Platschen landete sie im Wasser. „ Ich haaaa . . .“ Der Rest ihrer Worte ging in einem undeutlichen Gurgeln unter. Sekunden später rappelte sie sich wieder auf und starrte fassungslos auf ihre triefenden Klamotten. „ICH BRING DICH UM!“ Wütend wollte sie sich auf ihn stürzen, doch Lauri war schneller und ergriff die Flucht. „ BLEIB SOFORT STEHN DU ABGEF. . .“ „Peeeeeeeeep. Du kriegst mich doch sowieso nicht!“ Er blieb stehen und stemmte die Arme in die Seiten. „Ich werd dich in ne Kiste mit Groupies stecken und warten bis sie dich totgevögelt haben!“ „Ach Kajaschnäuzelchen, mach mir keine Hoffnungen auf einen so schönen Tod. Noch besser wärs natürlich wenn du . . .“ „HALT DEINE VERDAMMTE FRESSE!“ „Aua, mann ich bin nich schwerhörig.“ „Ja, nur schwer von Begriff.“ „Ich lass mich wenigstens nicht von jemandem durch die Gegend tragen, der genauso groß is wie ich.“ „Eigenlob stinkt, SCHLUMPF!“ „Ach Kinners, komm wieder her, eure Ausbrüche werden ja immer schlimmer.“ „Er is schuld, Aki, ich kann gar nix dafür.“ „Sie ist schuld, Aki, sie hat mich provoziert.“ „Sitzt!“ Knurrend schlurften Kaja und Lauri zurück zu ihren Plätzen und ließen sich fallen. „Toll, jetz is mir kalt. Wenn ich krank werd, bist DU schuld.“ Sie piekste ihn beleidigt die Seite. „Ach, die Abkühlung kannst du gebrauchen, Schnäuzelchen.“ „Also, ne, Jumsala. So geht’s aber nun echt nicht. Du bist Schuld, also tu was dagegen.“ „Was denn, Akischnäuzelchen?“ „Sowas zum Beispiel.“ Er legte seinen rechten Am um Sofie und zog sie an sich. „Wir könnten auch Mr Hakala ausziehn und mit seinen Klamotten n Feuer machen.“ Giftete Kaja und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ach stell dich doch nicht so an, Cutie.“ Im nächsten Moment fand sie sich an ihn gequetscht und seinen Arm auf ihrer Schulter fühlen wieder. „Bild dir ja nix ein, Schlumpfischnäuzelchen.“ „Würde ich nie wagen.“ grinste er und blinzelte mit den Augen. „Toll, da fühlt man sich richtig ausgeschlossen.“ Murrte Eero und sah zwischen den beiden Pärchen hin und her. „Ja, mir geht’s genauso, ich fühl mich ja sooooooo allein.“ „Lass uns für ein paar Stunden schwul sein, Paulischnäuzelchen.“ „Oh, ja, Eeroschnäuzelchen, aber erzähl meiner Freundin nix davon . . .“ „Wenn du auch dicht hältst werd ich schweigen wie ein Grab.“ „Hey, wir sind auch noch da!“ unterbrach Aki das Gesäusel. „Ach, ihr seid noch so jung und dumm.“ „Mhm, da hast du recht. Ich bin jung und er is dumm.“ Sagte Kaja und piekste Lauri erneut in die Seite. „Ach, ihr beide seid doch nur ne Zweckgemeinschaft. Bei uns ist das wahre Liebe . . .“ „Eero gehört mir!“ „Und was ist mit mir?“ Kaja knurrte beleidigt. „Ach Kajaschnäuzelchen. Du musst das verstehn . . .“ „Du verlässt mich wegen IHM?“ „Mach mir keine Szene, das is peinlich.“ „Ich bin dir also peinlich?“ „Ach Leutz, hört mit dem Rumgespinne auf, da wird einem ja schlecht. Guck lieber ma , ob du was zu trinken dabei hast, Nalle.“ Meckerte Aki und zog Sofie noch ein bisschen näher zu sich heran. „Also ich hätt nix gegen zwei Beziehungen . . .“ „LAURI!!“ „Ja, is ja gut, Momentchen.“ Zielstrebig kramte er in seinem Rucksack herum und zog schließlich einen Sixpack Jägermeister heraus. Kaja pfiff anerkennend und beugte sich über ihn. „Was hastn du da noch alles drin?“ „Och, so dies und das . . .“ „Lass mich mal anschaun.“ „Nix für kleine Kinder, Kajaschnäuzelchen.“ „Na gut, wahrscheinlich will ich’s gar nicht wissen.“ Lauri lächelte und zog sie wieder an sich, damit er ihr ins Ohr flüstern konnte. „ Willst du ihnen wirklich nix von der Tür erzähln?“ „Lass ma, ich hab da schon ne elegante Lösung, Schlumpfi.“ „Na dann , Kippis!“ Alle sechs hoben die Hand und tranken die kleinen Fläschchen auf Ex aus. „So, jetzt rufen wir im Hotel an und sagen denen, dass sie uns abholen sollen.“ „ Eeroschnäuzelchen, wir befinden uns in einem Funkloch.“ „Ach ja, ich vergaß.“ „Wir müssen irgendwas spielen.“ „Irgendwas perverses, nich? Das hab ich mir gedacht.“ „Ach, Cutie, sei doch nicht so prüde.“ „Cutie!?“ „Schnäuzelchen wird langsam langweilig . . .“ Nur Kaja konnte in der Dunkelheit fühlen, dass er knallrot wurde und grinste. „Aha, langweilig, na schön. Was machen wir denn da?“ „Flaschendrehen?“ „Dann bringt mich meine Gattin um.“ Eero seufzte und drehte die Flasche zwischen den Fingern. „Dann eben Tat oder Wahrheit, wir nehmen dich bei den perversen Sachen aus, Eeroschnäuzelchen.“ „Perverse Sachen?“ „Keine Sorge, Kajaschnäuzelchen, wir sind ganz zärtlich.“ „Ich geb dir gleich zärtlich, Akischnäuzelchen.“ „Dann hätten wir das also geklärt. Ich fang an.“ Er legte seine Flasche auf den Boden und drehte sie an. „Also ich find das kindisch.“ „Ich auch.“ „Dann habt ihr ja mal was gemeinsam . . . Kajaschnäuzelchen, du bist dran. Also, Tat oder Wahrheit.“ „Tat.“ „Fangen wir klein an. Dreh ne Runde um den Ring, allein, Und denk dran: es ist dunkel, muahahah.“ „Toll, soll ich jetzt vor Angst jammern oder was?“ „Du kannst natürlich auch mit Lauri rumknutschen, da lass ich dir Wahl.“ „Beides wäre gruselig . . . aua!“ Lauri sah sie strafend an und zog ein beleidigtes Gesicht. „Ich nehm den Ring, bin gleich wieder da.“ Sie löste sich aus seiner Umarmung und stand auf. „Hier, nimm dein Feuerzeug, dann kannste dich ruhig qualmen.“ „Danke, du mich auch, Akischnäuzelchen.“ „Du kannst natürlich immer noch die andere Möglichkeit nehmen.“ „Hach Gott, dann mach ich eben beides.“ Sie zog Lauri zu sich hoch und küsste ihn kurz und leidenschaftlich bevor sie sich auf den Weg in die Dunkelheit machte. „Habt ihr das gesehen!? Das glaub ich jetz nich.“ Aki kugelte sich fast auf dem Boden. „Wir warn dabei, Akischnäuzelchen. Du hast sie provoziert, und dann hats sies eben gemacht, so is meine Kaja nun mal.“ Sofie grinste und rutschte wieder enger an Aki heran. „Das hat sie sogar gut gemacht.“ Sagte Lauri und starrte ihr hinterher.
10 Minuten später kam sie aus der anderen Richtung zurück und schwenkte ihr Feuerzeug. „Leutz, ich weiß, wie wir hier raus kommen.“ „Uns gegenseitig tot knutschen?“ fragte Aki scheinheilig und grinste. „Nein, durch ne alte verrostete Hintertür. Aber du kannst auch gerne hier bleiben und mit meiner besten Freundin rummachen, wenn du unbedingt willst.“ „Ich . . . wir . . .“ „Tja, Aki, reiß dein Maul nich immer so weit auf. Denk an Leena.“ „Wer is Leena?“ „Niemand, Sofie, niemand.“ „Dann könne wir ja gehen. Schlumpfi, du gehst voraus.“ „Warum ich?“ „ Weil die Streckengeister denken, du bist einer von ihnen und uns dann in . . . hatschi . . . Ruhe lass.“ „Ach, Cutie, du hättest nicht gehen sollen.“, sagte Lauri leise. „Lauri, dein Job.“, kam es von Aki. Seufzend drückte er Kaja wieder an sich und schlug die Richtung ein, in der die alte Tür lag. „Das hast du schlau gemacht, Cutie.“ „Mhm, ich weiß. Soll ich dir was verraten?“ „Immer doch.“ „Ich hatte Schiss.“ „Und jetzt soll ich dich beschützen? Ich werd mir auch nix drauf einbilden.“ „Schon ok, ich bin zu müde um dich anzuzicken.“ „Die Uhrzeit muss ich mir merken . . . aua!“

Chapter 16

„Ich geh erst mal duschen und mir was anderes anziehen, Leutz.“ Drummerschlumpf, Oberschlumpf,Sofie und Pauli verschwinden im Schlumpfenzimmer, nur Eero verpisst sich in sein Bett. Mhm, schlafen wär jetzt auch nicht schlecht, aber bei diesen Dreharbeiten komm ich eh nie vor zwei ins Bett, also was solls. Im Badezimmer werde ich die triefenden Klamotten so schnell wie möglich los, mir ist arschkalt seit sich mein lebendes Heizkissen nicht mehr an mich quetscht. Seine Klamotten müssen auch patsch nass sein, na ja, is ja nich mein Problem.
Als ich mich eine viertel Stunde später in die Höhle des Löwen wage, ist Sofie weg und ich bin allein mit den gefährlichen Finnen. Aki giggelt vergnügt über einem Pappkarton und zieht abwechseln CDs, Videos und irgendwelchen anderen Kram heraus. Ehe ich mich wehren kann, hat Lauri mich schon aufs Bett gesetzt und zwingt mich auf den Fernseher zu starren. „Also, Kaja, so kann das echt nicht weiter gehen.“ Aki schüttelt den Kopf und macht eine ernste Miene. Was haben die mit mir vor? „Äh, Hilfe?“ „Kein Angst, Zuckerschnäuzelchen, wir werden dir jetzt nur mal nen Einblick in unsere Bandgeschichte geben.“ „Aber nicht die peinlichen Sachen!“ „Oh doch, da ich auf diesen Bändern nich drauf bin isses mir egal und ihr könnt gar nix dagegen tun, weil ihr zu doof seid, nen DVD- Player zu bedienen.“ „Sin wir gar nich.“ Knurrt Pauli und wirft mir eine Dose Bier zu. Finnisches Bier, was sonst. Durst hab ich ja . . . „Bäh, das schmeckt ja wie drei Wochen in der Sonne stehengelassen!“ Schlumpfi nimmt mir das Zeug aus der Hand und trinkt den Fusel auf Ex. „Schmeckt doch, weiß gar nich was du hast.“ „Du bist doch pervers.“ „Da könnt ich dir noch ne ganz andere Story erzählen.“ „Ich höre, Paulischnäuzelchen.“ „Ne, da frag ma lieber Eero . . .“ Er grinst, er grinst so versaut wie man nur versaut grinsen kann. „NICHT DAS !“ Aki steht grinsend neben dem Fernseher. „Darf ich vorstellen: Playboys.“ Mein Grinsen wird immer breiter, dieses Video ist echt der Hammer. Ich muss mich an Lauri festhalten um nicht nach hinten umzukippen. Das ist auch gut so, sonst hätte sich der Schlumpf wahrscheinlich schon längst vor die Mattscheibe geworfen. „O . . . mein . . . Gott, wer is auf die Idee mit dem Hüpfdingsda gekommen?“ Aki und Pauli grinsen nur noch weiter und zeigen mit ausgestrecktem Zeigefinger auf Lauri. „Das ist der peinlichste Augenblick in meinem ganzen Leben.“ „Och, Schlumpfi, nimms nich so schwer . . .“ „Ja, wir haben nämlich auch noch Liquid im Programm.“ „Ach du Scheiße, lasst mich hier raus.“ „Du bleibst, Schnäuzelchen.“ „Und sowas nennt sich Freunde . . . . na ja, wenigstens seh in den Videos nich aus wien wandelnder Wischmob, gelle Pauli?“ „Nix gegen meine Frisur, ich fand die geil.“ Er fährt sich schwungvoll durch durch die Haare und wirft den Kopf in den Nacken. „Mhm ,du Lauri?“ „Ja, Kaja? Kann ich was für dich tun?“ „Warum hast du mir nie gesagt, dass du früher bei den Simpsons . . .aua! Habt ihr gesehn? Der schlägt mich!“ „Solln wir das rote Kreutz holen?“ „Ne lieber Warner Brother Entertainment damit die ihren Bart- Verschnitt wieder . . . .AUAAA!!“ „Ach Lauri, du sollst doch keine Frauen schlagen, wie oft soll ich dir das noch sagen?“ ”Die da hat aber mein Ego verletzt!“ „Na dann isses was anderes . . .“ „AUAAAAAAAAAAAA!!! Wie viele Kissen habt ihr denn noch . . .auaaa . . . hier rum liegen?“ „Wir sind VIPs, Schätzchen, wir haben Millionen von Kissen.“ Ich werfe mich zur Seite und weiche knapp dem nächsten fliegenden Ungetüm aus, das Aki Sekunden später ins Gesicht knallt. „Oh-oh.“ „LAURI?!“ „Ich kann dich nich verstehn wenn du so in das Kissen nuschelst.“ „Was hab ich dia üba das Werfen von irgendwelchen Sachen in MEINER Gegenwart erzählt?“ „Das ich lassen soll, wenn mir mein Leben lieb is?“ „ Ja, und da du ja anscheinend zu faul bist um dich selber um die Ecke zu bringen . . .“ „Nimm sie!“ Er packt mich an Schulter und versteckt sich hinter meinem Rücken. Ich könnte ihn am lebendigen Leib auffressen wenn er mir so in den Nacken haucht. „Oh, das werd ich hinterher machen . . .“ „EY! Bin ich n Stück Vieh oder so?“ „Ach, mach dir nix draus, die sin immer so wenn sie dieses Gesöff hier trinken. Ich sollte mal an die Firma schreiben . . .“ Pauli zuckt mit den Schultern und widmet sich wieder seiner halbleeren Colaflasche während ich zwischen Aki und Lauri eingequetscht bin. Wie die kleinen Kinder . . .na ja, die Hand auf meinem Hintern wahrscheinlich weniger. Nach ein paar Sekunden habe ich mich aus dem Knäuel herausgewühlt und bin gerade dabei ein Kissen aufzuschlitzen als Pauli hinter mir bedeutungsvoll mit einer Flasche Bier wedelt. Ich verstehe und gebe ich das Zeichen, worauf er das Zeug über die beiden Schlümpfe kippt. Schnell schüttle ich das Kissen aus und springe aus der Gefahrenzone. Für einen kurzen Moment sind die beiden einfach nur baff und glotzen sich gegenseitig an. „Na, Lintu, wie isses?“ „DU BIEST!“ Ich glaub das hätte ich nicht machen sollen, drei Sekunden später sind meine Haare Bierverklebt und ebenfalls gefedert. Zufrieden lässt Lauri meine Arme los und schiebt mich vor den Spiegel. „Jetzt siehst du gut aus, Cutie.“ „Nich so gut wie ich, dass das mal klar is.“ „Ja, Aki, du bist Mr Universum in Federn“ „Jep, mit Vögeln kenn ich mich aus.“ „Ich werd da jetz nich weiter drüber nachdenken . . .“ „Solltest du aber.“ „Mann Aki, du führst dich mal wieder auf wien Einzelkind, echt, Alter!“ „Was solldn das schön wieder heißen?“ „Dass du immer alles für dich allein willst.“ Er schlingt die Arme um mich und sieht mich treu an. „Na gut, wir können ja teilen.“ Äh, Hilfe? „Ich hab kein Bock aufn Dreier mit dir. Wie würde das denn in den Medien rüberkommen, also nee . . .“ „Toll, dann hör auf sie totzuquetschen und grüß deine Hand von mir.“ „Da fällt mir was dazu ein . . .“ „Was denn, Kajaschnäuzelchen?“ „Der Hahn sitzt auf der Krähe, weil kein Huhn in seiner Nähe.“ Oh, ich hätte das nicht sagen sollen . . . „Du bist doch mein kleines Hühnchen.“ „Sie ist MEIN Hühnchen, du notgeiler Hengst!“ Aua, ich hätte nie gedacht, dass ein weichlicher Sänger soviel Kraft in den Armen hat. „Ach daher weht der Wind!“ „Ich geh jetzt schlafen.“ „Gar nix weht, geh in Puff.“ „Ach Jungs, so geht man doch nich mit der Lady um.“ Pauli schüttelt verständnislos den Kopf und wendet sich der Minibar zu. „N Teufel werd ich tun!“ „Schlaf gut, Cutie.“ Er sagt es so leise, dass nur ich es verstehen kann. „Du musst mich loslassen.“ „EY! Ich hab was gesagt!“ „Muss ich das?“ „Mhm, glaub schon.“ „HALLO!?“ Er lässt mich los und ich stehe auf. „Schnäuzelchen, du willst doch nicht etwa schon gehen?“ „Sie ist müde, aber du hörst ja NIE zu!“ „Willst du mich nich mitnehmen?“ „AKI!“ „Ne, lass ma stecken. Gute nacht.“ Mann bin ich froh da endlich raus zu sein, die schlagen sich fast die Köpfe wegen mir an. Geiles Gefühl eigentlich . . .

Chapter 17

[hours later]

„Cutie?“ „Mhm?“ Ich sollte lernen, meine Tür abzusperren. Wer verdammt stört mich um diese Uhrzeit? Schonmal was von Nachruhe gehört? Na ja,geschlafen hab ich ja eh nicht. „Ich kann nich schlafen.“ „Mhm.“ Zu müde zum Denken . . . „Cutieeeee, mir is kalt.“ Natürlich, so quengeln kann nur einer. Mit geschlossenen Augen schlage ich meine Decke zurück und fühle Sekunden später wie er sich an mich kuschelt und meine Nase küsst. Plötzlich bin ich hellwach und sehe in seine stechenden, grünen Augen, die mich zärtlich ansehen. „Du steckst dich noch bei mir an, ich fühl mich ganz krank.“ „Macht nix, is ja meine Schuld.“ „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.“ „Schön, dass du mir keine Schuldgefühle machst.“ Er kneift mir leicht in die Seite und ergreift meine Hand, die sich gerade rächen wollte. Woher weiß er nur immer, was ich vorhabe? „So bin ich eben. Du solltest dir aber vielleicht etwas mehr anziehen, wenn du mal wieder mitten in der Nacht über die Gänge schleichst.“ Ich lasse mit meiner freien Hand den Bund seiner Boxershorts schnalzen und ernte dafür einen bösen Blick. „Ich dachte, mir wird heiß, wenn ich bei dir bin.“ „Enttäuscht?“ „Ganz und gar nicht . . . . deine Heizung funktioniert besser als unsere.“ „Sehr witzig , du Wie-war-ich-Frager.“ „Gell, Karussellbremse?“ „Lametta- Bügler.“ „Ich hasse Weihnachten . . .“ „Du bist hell wien Tunnel, Lauri.“ „Ich hoffe, dein Schaden hat kein Hirn bekommen. . . . Na ja, alles is gut, solang noch genug Bier im Kühlschrank is.“„Jetzt fällt dir nix mehr ein, hä?“ „Nö, aber das mit dem Bier is wirklich so.“ „Ich weiß nich, wie du das Gesöff runter kriegst.“ „Ganz einfach: Klappe auf, Bier rein, Klappe zu und schlucken. Fertsch.“ „Lauri?“ „Mhm, Cutie?“ „Ich glaub, ich hab dich lieb . . .“ „Ich dich doch auch, Süße.“ Es tut wahnsinnig gut, von ihm festgehalten zu werden. Ich kann gerade noch die Arme um seinen Hals schlingen, dann werde ich sofort wieder von dieser bleiernen Müdigkeit überfallen. Wieder so ein Moment, den man am besten in ein Marmeladenglas stecken sollte. Viel zu schön, um ihn zu vergessen .

„Hatschie . . . Man geht’s mir scheiße.“ „Dann sind wir schon zwei.“ Er hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Kopf und lugte Kaja über die Schulter. Sie stand ihm Türrahmen und suchte nach dem besten Augenblick, einen halbnackten Finnen unbemerkt aus ihrem Zimmer zu befördern. „Das nächste Mal steck ich dich einfach in den Schrank . . . oder ne Schuhschachtel.“ Sie drehte den Kopf leicht und grinste ihn an. „Das verstößt gegen die Menschenrechte.“ „Und das Tierschutzgesetz.“ „Du bist heute wieder wahnsinnig witzig, Cutie.“ „Und du hast schlechte Laune, Schlumpfischnäuzelchen.“ „Ich krieg nur langsam Komplexe, weil ich jeden Morgen meine weiße Zipfelmütze suche . . .“ „Mhm, vielleicht hat Gargamehl sie?“ „Oder du.“ „Nööö, ich steh nich so auf weiß.“ „Auf wasn dann? Außer schwarz natürlich.“ „Blau . . . und gelb. Jetz aber . . .hatschie . . . ab mit dir.“ „Ich bin ja schon weg. Sehn wir uns beim Frühstück?“ „Wenn ich’s . . .hatschie . . .bis unten schaffe schon.“ „Ich glaub an dich, Cutie.“ Er küsste sie kurz auf die Stirn bevor er sich an ihr vorbei quetschte und ein paar Türen weiter in seinem Zimmer verschwand. „Na dann . . .hatschie!“ murmelte Kaja und begab sich hinunter in die Lobby um dort Sofie zu treffen.
„Moin, Kaja. Wie siehstn du aus?“ „Wie soll ich den . . .hatschie . . . schon aussehen?“ „Wien Gespenst.“ Sie kicherte und griff nach ihrem Kaffeetopf. „Brauch nur Koffein. Wann macht dieses beschissene Speisedings auf und woher hast du den Kaffee?“ Sie ließ sich neben ihre Freundin aufs Sofa fallen und schnupperte begeistert. „1.: In zehn Minuten oder so. 2.: Ich hab sonem Barkeeper schöne Augen gemacht. 3.: Warum bist du schon wach?“ „Konnte, Hatschie, nich schlafen.“ „ Kajamäuschen, ich glaub, die Abkühlung gestern hat dir nich gut getan.“ „Glaub ich auch . . . . oh, nein, scheiße, fuck. Die hat mir gerade noch gefehlt.“ „KAJA UND SOFIE!“ Angie kam wütend auf die beiden zugestampft. „Äh, morgen Angie.“ „Was zum Teufel fällt euch ein, euch auf dieser verdammten Strecke einsperren zu lassen?“
„Das war nich unsere Schuld . . .“ „Es ist mir scheißegal, wessen Schuld es ist! Ich weiß nur, dass du gerade diesen ÄUßERST WICHTIGEN Auftrag gefährdest und es scheint dir noch nicht mal was auszumachen!“ „Angie, ich . . .“ „Ich will nichts mehr hören, du kommst jetzt mit. Und Sofie . . . HÖR AUF SO DÄMLICH ZU GRINSEN!“ Mit gesenktem Blick dackelte Kaja hinter Angie her, die wutschnaubend davon stampfte. „Hey, Sofie! Was hatn Kaja angestellt?“ Aki ließ sich mit einem dumpfen Geräusch neben sie aufs Sofa fallen und sah sie fragend an. „An Lauris Stelle würde ich schonmal anfangen zu rennen.“ „Den hat Mike grad zur Schnecke gemacht.“ „Hä, wieso das?“ „Klein Mr Ylönen hat sich erkääältet!“ „Kaja schnieft auch die ganze Zeit.“ Erwiderte sie nachdenklich. „ Die waren ja auch beide patschnass gestern . . . . . grins nich so zweideutig!“ „Ich doch nich.“ „Ne, ganz besonders du nich.“ „Was willst du damit sagen?“ „Das du ein kleiner, perverser und notgeiler Zwerg bist, Hakala.“ „Ey, Kaja is doch gar nich hier . . .“ „Einer muss es ja machen, nicht, dass du dir noch was einbildest.“
Fünf Minuten später kamen Kaja und Lauri zusammen zurückgeschlurft und starrten nachdenklich auf die Pillenhäufchen in ihren Händen. „Wolln wir tauschen? Ich brauch nochn Grünes.“ „Nö, die gehörn mir, hohl dir doch selber welche.“ „Einzelkind.“ „ Karnickelkind.“ „Willst du meine Familie beleidigen?“ „ Die sin mit dir schon genug gestraft.“ „Das empfindest aber auch nur du so.“ „ICH hab die Gummis nich versteckt . . . . leider.“ „Mann, hast du deine Tage oder warum bist du heute so zickig?“ „Ach, schluck einfach den Mist und halt die Klappe.“ „Ich will aber die grüne Pille!“ „ Die einzige Pille, die du brauchst, ist blau.“
„ Ach ja? Willst dus ausprobieren?“ „Ach Kinners! Nich schon am frühen Morgen streiten . .“ „ Aber mich zickst du an, ja?“ „Ach, Hakala.“ „Nix Hakala, ich geh jetzt essen. Kommt ihr mit?“ „Ne, erst will ich meine GRÜNE Pille.“ „Da hast du sie.“ Spöttisch grinsend drückte sie sie ihm in die Hand und schluckte den Rest der Medizin mit einem Schluck aus ihrer Wasserflasche hinunter. Lauri tat es ihr gleich und sah sie triumphierend an. „Lauri?“ „Was?“ „Ich hätte nie gedacht, dass du so ein emanzipierter Mann, na ja, halbe Portion bist.“ „Hä?“ „Naja, ich finds gut, dass DU die Pille nimmst.“ „Das grüne . . .?“ „Jep.“ „ Oh mein Gott! Was is, wenn ich jetzt impotent bin ?!“ „Kein großer Verlust. Deine Hand wird’s dir danken.“ „Oh, ich hasse dich so!“ „Ach Babyface! Denk doch mal mit. Seit wann ist DIE Pille grün?“ „Aki kennt sich aus.“ Sofie zog anzüglich die Augenbrauen hoch und suchte sich einen freien Platz. „Aki hat auch keinen IQ von 84, wie unser Mister Ylönen hier.“ Erwiderte er und grabschte sich den Brotkorb. „ Du bist echt SO dumm?“ „Ach quatsch.“ „Ach Kindchen, es gibt eine Hand voll Frauen auf dieser Welt, die auf so strunzdumme Kerle stehen, weißt du.“ Kaja kniff ihm grinsend in die Wange, bevor sie niesend zum Kaffeeautomaten eilte. „Toll, Aki, das darf ich mir jetzt stündlich anhören.“ „Reiner Heimvorteil. . . .Nun guck doch nich so, die kleine kann uns doch eh nich verstehn.“ Er lächelte Sofie freundlich an und widmete sich wieder seinem Teller. „Du willst sie also immer noch nageln?“ „Jetzt erst recht.“ „Und wenn ich schneller gewesen bin?“ Aki hörte auf zu kauen und starrte Lauri für einen Augenblick lang fassungslos an. Dann grinste er plötzlich und prustete los. „Der war gut, Alter, der war echt gut. Wenn ich mir vorstelle . . . du und sie . . . so ne Verschwendung. Ach ne, der war echt gut.“ „Gell, sau komisch.“ „Komm, Jumsala, geh uns mal nen Kaffee holen. Vielleicht werd ich mich mit dem Mäuschen hier schonmal aufwärmen.“ „Ja ja, is ja gut. Aber weißt du, was ich dir dieses Jahr zum Geburtstag schenke?“ „Nö, wasn?“ „Nen Staubsauger .“
Auf dem Weg zum Kaffeautomaten lief er Kaja über den Weg, die ihm sofort ihren vollen Becher in die Hand drückte. „ Hey, bin ich der Nigger vom Dienst oder so?“ „Bitteeee! Ich brauch Pfannkuchen und wenn ich jetzt nich gehe sin se weg.“ „Hallo? Du kannst in diesem scheiß Hotel alles zu jeder Tages und Nachtzeit haben!“ „Danke, ich bin gleich wieder da.“ „Weiber.“ grummelte er und balancierte das Tablett zurück zum Tisch, wo jetzt auch Eero und Pauli saßen. „Morgen , Nalle. Wenn du schon stehst . . .“ „NEIN!“ „Du bist aber heute gut drauf.“ „Er steht eben nicht und genau das ist sein Problem.“ „Heut gibt’s noch Tote, das schwör ich euch.“ „Mhm, die Hitze is echt schlimm.“ „Moin, Kaja. Hast du unsern kleinen wieder geärgert?“ „Morgen, Eero. Moin, Pauli. Ich bin doch immer friedlich . . .“ „Krieg ich wenigstens nen Pfannkuchen?“ „Du wirst zu fett.“ „Schau dich doch ertsma selber an.“ „Toll, jetzt krieg ich Depressionen . . . dagegen hilft nur Zucker und Fett. Es leben die Kalorien.“ „Krieg ich jetzt einen oder nich?“ „Ja, aber pass auf, das sin Anti- Baby Pfannkuchen.“ „Hä?“ „Lange Geschichte. Eero.“

Chapter 18

„Egal, ich will sie hörn.“ „Ach ne, später vielleicht.“ „Toll.“ „Was hast du erwartet, Alter? Die is so.“ „Wie bin ich denn du Schlitzaugenkönig?“ „Meine Augen sind SEXY!“ „Was hast du eigentlich für nen Spiegel? 10000-mal gebrochen oder was?“ „Wenn dein Spiegel in Ordnung wäre, hättest du dir schon ne Papiertüte übern Kopf gezogen.“ „ Was drüberziehen, ja? Das hätte jemand deinem Vater sagen sollen bevor er deine Mutter getroffen hat.“ „Lass meine Eltern in Ruhe!“ „Ach so, vielleicht bist du ja ein Alien.“ „ ICH bin ein Wunschkind.“ „Waren deine Eltern auf die Menschheit sauer oder so?“ „Ich werd nie wieder deinen Kaffee halten.“ „Und ich werd dir nie wieder nen Pfannkuchen geben.“ „Wahrscheinlich hast du Rattengift draufgemacht.“ „Nö, zu teuer. Arsen tuts auch.“ „Ach, geh sterben . . .“ „Den Gefallen werd ich dir nich tun.“ „Jetzt seid doch mal still. Muss man euch immer erst abfüllen, dass ihr nett zueinander seid?“ „Oh, Alkohol macht auch das hässlichste Weib annehmbar.“ „Jep, und es hebt kurzzeitig die Nikotin bedingte Impotenz auf.“ „Wie sollen wir das verstehen?“ „Na er sieht dann wenigstens so aus, als ob er einen hochkriegen würde.“ „Toll, jetzt krieg ich Depressionen.“ „Och herm, du hasts schon schwer . . .“ „Was hab ich getan, dass ich mit dir dafür bestraft werde?“ „Du hast den Mund aufgemacht, ganz einfach. Vielleicht versuchst dus mal mit Klappe halten?“ „Gib mir mal den Zucker.“ „ Hä?“ „Ich hab keinen Bock mehr, mit dir zu streiten. Kann ich jetzt endlich meinen Zucker haben?“ „Dir fällt ja nur nix mehr ein.“ „Ich verwende meine Kreativität lieber für was anderes.“ „Was ist bitte kreativ daran, 10 Minuten auf Band zu stöhnen und das dann zu verkaufen?“ „Lass gefälligst meine Lycris in Ruhe.“ „Ach so, Lycris nennt sich das also. Mhm . . .“ „Zucker!“ „ . . . macht fett.“ „Eero?“ „ Ich komm nich ran.“ „Aki?“ „Grmpfl.“ „Ihr wollt doch nur, dass sie mich fertich macht, stimmts?“ „Mhm. Goil, dass ausgerechnet Mr Kreischiemagnet mal so angezickt wird. Das tut guuuuuuuuuut.“ „Tolle Freunde hab ich.“ „Nimms nich so schwer, ich bin jetzt auch wieder ganz lieb.“ „Jetzt fällt DIR nix mehr ein, was?“ „Nö, ich hab nur langsam Hunger.“ „Pass bloß auf, dass du dein Shirt nicht sprängst, Mopsi.“ „Ich bin nich fett.“ „Nö, überhaupt nich . . .“ „Naja, wenigstens bin ich nicht magersüchtig.“ „Was soll die Scheiße denn jetzt schon wieder?“ „Ach Kindchen, lass dir doch helfen.“ „Ah, leck mich doch.“ „Das Thema hatten wir schon x-tausend mal.“ „Kommt ihr dann? Wir müssen los.“ „Ich hab doch noch gar nix gegessen.“ „Und mein Kaffee?“ „Wenn ihr euch nich dauernd dissen würdet, wärt ihr jetz schon fertig. Aber wie sagt man . . . C’est la vie!“
Eero, Pauli und Sofie schlenderten grinsend zum Ausgang, Kaja und Lauri blieben noch kurz sitzen und starrten sich an. „Es ist deine Schuld.“ „Nein, deine.“ „Unsere.“ „Ok, lass uns gehen.“
Sie waren die letzten, die durch die ausgestorbene Lobby nach draußen gingen. „Sach ma, meinst du das eigentlich alles ernst?“ „Was denn?“ „Na das, was du immer über mich sagst.“ „Ach quatsch.“ „Wirklich nicht?“ „Man Lauri, das ist doch alles nur Rumblödelei.“ „Na dann is ja gut.“ „Du hast das doch nicht wirklich ernst genommen, oder?“ „Mhm, is aber schwer.“
Siebleib kurz stehen und küsste ihn flüchtig. „So bin ich eben . . .“ „Wollen wir heute Abend irgendwo hingehn?“ „Wär schon.“ „Ich hol dich ab.“ „Das klingt scheiße.“ „Du mich auch, Cutie.“ „Um sieben?“ „Yeah, aber jetz komm, sonst vergessen die uns wieder.“ „Ich bin ja schon unterwegs . . .“

Chapter 19

[am Abend]

Scheiße, nicht jetzt, nicht heute, nicht schon wieder. Ich sehe kurz auf die Uhr, halb sieben. Scheiße, mein Leben ist echt sowas von beschissen. Ich halts nicht mehr aus, was soll ich jetzt bloß machen? Ich brauch das Zeug . . . Aber es ist so widerlich . . . Außerdem, die Uhr. Noch eine halbe Stunde, es wird zu knapp. . . Was denke ich hier überhaupt? Als ob ich überlegen würde, ob ich noch schnell ne Mail schreiben soll oder nicht. Ich bin eine verdammte Schlampe geworden, das hilft mir jetzt aber auch nicht weiter. Scheiße, scheiße, scheiße! „Nun stell dich doch nicht wieder so an.“ Wie ich diese Stimme hasse. „Gib mir einfach das verfickte Zeug, ok?“ „Das kostet aber was.“ „Wieviel willst du?“ „Oh, dein Geld kannst du behalten . . .“ Ich hasse ihn. „Nimm deine widerlichen Grabscher von mir, du widerliches Arschloch.“ Oh, cool bleiben, keine Panik. „Ich finds so geil, wenn du dich wehrst.“ „Lass mich.“ „Gut, dann behalt ich’s eben.“ „Gut.“ „Wozu die Umstände? Früher oder später kommst du doch eh wieder angekrochen.“ „10 Minuten.“

10 Minuten zu früh, na ja, scheiß drauf. Ich war schon viel zu lang nicht mehr allein mit ihr. Es ist die Chance sie zu fragen. Ich komm mir vor wien 15-jähriger verpickelter Teenie, echt. Es hat mir gar nicht gefallen, als Aki ihr meine Vergangenheit unter die Nase gerieben hat. Ich weiß immer nicht, ob sie ihre Sticheleien jetzt ernst mein oder nicht. Das treibt mich des Öfteren in den Wahnsinn. Die ganze Frau ist der pure Wahnsinn, sie schnippt mit dem Finger und ich springe, es ist erbärmlich. Das hat man davon, wenn man der ganzen Welt erzählt, dass man auf selbstbewusste Frauen steht. Vielleicht sollte ich endlich mal erwachsen werden, who knows. Das hat ja noch Zeit. Solang ich die Weiber in Scharen umfallen lassen kann, is ja alles ok. „Kaja?“ Paska, das hört sich ja wie Pay- TV an. Ich glaub, ich bekomm langsam Schiss. . . „Kaja!“ Soll ich die Tür eintreten? Ich geh da jetzt rein.
Brechreiz, Entsetzen. Das ist tausendmal schlimmer als ein Schlag in den Magen. Das ist sogar schlimmer als kastriert werden. Ich kann einfach nicht wegsehen. Sie ist und dieser schmierige Spaghettifresser. Presslufthammer wäre wohl die passenste Bezeichnung. Niemand scheint mich zu bemerken, so überflüssig bin ich also schon. In die Ferne starrend drehe ich mich um und gehe den Gang zurück zu unserem Zimmer. Die rote Rose lege ich vor Sofies Tür, vielleicht kann ich Aki damit nen Gefallen tun. Ich will jetzt nur noch meine Ruhe.

„LAURI!!“ Lass mich in Ruhe, ich bin nicht da. „Verdammt, mach die Tür auf!“ Mach doch selber. „Es ist halb acht!“ Schön für dich. „Ich weiß, dass du da bist!“ Dann weißt du aber mehr als ich, ich will jetzt nämlich ganz wo anders sein, nur nicht hier in deiner Nähe. „Aki sitzt in der Lobby, er hätte dich gehen sehen.“ Ich bin vom Balkon gesprungen. „Verdammt Scheiße, sag doch was!“ Du hast nicht mal gemerkt, dass ich da war. „LAURI!“ Wieviele Typen brauchst du eigentlich? „Ich hock mich jetzt hier hin, bis du diese scheiß Tür aufmachst.“ Dann kann ich ja endlich schlafen. Tatsächlich fünf Minuten Ruhe. Aber dann . . . „Warum legst du rote Rosen vor Sofies Tür und sperrst dich hier ein?“ Weil du ne verdammte Schlampe bist und ich dich hasse, Kajaschatz. „Sags mir!“ Den Teufel werd ich tun. „Bitte!“ Lass mich doch endlich in Ruhe schlafen und das alles vergessen. Diese ganzen Bilder in meinem Kopf . „Ich steig durchs Fenster ein, wenn du mich nicht endlich rein lässt!“ Na hoffentlich fällst du runter. „Was soll ich denn machen, verdammt noch mal?“ Wie wärs mit mich in Ruhe lassen und dich noch mal von diesem Typen durchficken lassen? „Gib mir ne Chance!“ Die hattest du bereits. Ich hab dich immer für intelligent gehalten. Dabei merkst du nichtmal, wenn dir jemand beim vögeln zusieht. Erbärmlich . . . „ Ich geb dir morgen auch alle meine Pfannkuchen.“ Sei doch nicht so verdammt süß. „Und ich werde Kaffee holen.“ Du kannst ihm ja auch gleich einen runterholen. „Hey, ich mach mich hier zum Kreischie für dich.“ Und zum Groupie für den Rest der männlichen Bevölkerung. „Gib mir wenigstens ein Lebenszeichen!“ Gut, kannst du haben. Du wolltest ne Szene, da hast du sie.
Ich springe aus dem Bett und reiße die Tür auf. O, dieses dumme Gesicht . . . „Hey, du bist ja da.“ „Ach ne.“ „Is irgendjemand gestorben?“ „Ja, du für mich.“ Ich ziehe meine Mundwinkel zu einem spöttischen Grinsen nach oben. Hoffentlich tuts weh, mir in die Augen sehen zu müssen. „Was?“ Sie versteht nicht, wie sollte es anders sein. Das muss ja mächtig Spaß gemacht haben, wenn sie alles um sich herum vergessen hat. „Ich denke du hast mich verstanden. Würdest du jetzt endlich verschwinden?“ „Aber . . .“ „Nix aber. Verpiss dich aus meinem Leben.“ „Was soll die Scheiße?“ Tut immer noch nicht richtig weh? Na dann . . . „Och, ich will deine Zeit nicht verschwenden. Überleg doch mal, mit wie vielen Typen du da deinen Spaß haben könntest.“ „Lass mich erklären . . .“ Oh nein, du kommst nicht in mein Zimmer. Und nimm gefälligst deine Hände von mir. „Wars denn wenigstens gut? Wie lang kann er denn so, dein Chef?“ „Lauri . . .“ „Hat er’s dir etwa nich richtig besorgt? Tut mir leid, aber ich hab jetzt keine zeit für dich.“ Uh, ich bin gut. „Es ist doch alles ganz anders.“ Nicht so verzweifelt, meine Süße, deine Heuchelei kannst du dir sparen. „Ach so, es hat natürlich nur so ausgesehen, als ob er dich vögeln würde, natürlich.“ „Lass mich doch mal ausreden.“ „Willst du mir erzähln, wie lang sein Teil is? Danke, ich verzichte.“ „Lass mich doch reinkommen, bitte!“ „Ich hab nich so gerne dauergeile Schlampen auf meinem Zimmer.“ Jetzt schon ein Glitzern in ihren Augen? Ich hätte ihr mehr zugetraut. „Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass mir das Spaß gemacht hat.“ Sie presst die Worte hervor, trotzdem nur ein zittriges Flüstern, das ein mein Ohr dringt. „Ach, du brauchst also Geld?“ Wutsch. Aua, das tat weh. Ihr Körper bebt unter der Anspannung. „Bitte.“ Ich trete einen kleinen Schritt zur Seite, sie quetscht sich an mir vorbei, sieht mich ein wenig ängstlich an. Ich hab ihr noch nicht genug wehgetan, suche nach den Worten, die sie wohl am meisten verletzen. „Gut, dann lüg mal los.“ „Ich lüge dich nicht an.“ „Mhm, lass mich mal überlegen . . . du beleidigst mich so oft es geht, bringst mich dazu, mit dir in die Kiste zu steigen, poppst anschließend das halbe Set durch . . .“ „Das ist doch alles nicht wahr!“ Sei doch nicht gleich so hysterisch. „Dann sag mir doch die Wahrheit.“ „Scheiße Lauri, dieser Job bedeutet mir so verdammt viel . . .“ Ihre Nähe macht mich wahnsinnig. „ . . . aber glaubst du denn, das wird einem alles so in den Arsch geschoben?“ „Sah jedenfalls so aus.“ „Du willst mich doch gar nicht verstehen, du trauerst nur deinem gebrochenen Ego hinterher.“ „Du hast Recht. Warum sollte ich mich aufregen, wenn ich sehe, wie dein Chef nach Presslufthammerart auf dir rumhoppelt?“ „Kapierst du das denn nicht? Entweder du tust deinem Arbeitgeber mal nen Gefallen oder du sitzt auf der Straße!“ „ Es ist ja nich so, dass es noch andere Jobs gäbe . . .“ „Willst du mal meine Arbeitszeugnisse sehen? Keine Sau würde mich einstellen.“ „Na dann is es natürlich ok.“ „Ist es nicht. Aber was soll ich denn machen? Die Zeit zurückdrehen vielleicht?!“ Sie packt mich am Kragen und sieht mir in die Augen. Sie zittert, ihre Augen werden mit jeder Träne dunkler. Oh, ich kann keine Frau weinen sehen. „Lass mich los.“ „Ich werds nie wieder tun.“ „Lass mich sofort los.“ Sonst werd ich noch weich. „Was soll ich denn machen?“ „Du hattest deine Chance und jetzt verschwinde.“ Ich glaube, jetzt hab ich ihr genug wehgetan . . . Was bin ich nur für ein trotziges Kind? Jemand hat mir meinen Lolly weggenommen und jetzt schmoll ich erst mal ne Runde. Aki sagt immer, man müsste mir ne Rassel auf die Stirn kleben, damit alle Frauen nen großen Bogen um mich machen. „Lauri, was willst du von mir? Ich spring aus dem Fenster, wenn du willst.“ „Lass mich doch einfach in Ruhe.“ „Ich wills aber wieder gut machen so gut es geht.“ „Das geht nicht, du hasts verbockt“ Nicht hinknien, dann muss ich dir ja in die Augen sehen. „Ich mach immer alles falsch. Wenn ich . . . . es nicht getan hätte, dann hätte ich gehen müssen, hätte ich dich nicht mehr sehen können. Und jetzt willst du mich nicht mehr sehn . . .“ „Das stimmt doch gar nicht.“ „Aber?“ „Du hast mir verdammt wehgetan.“ Wie alt bin ich? 15 vielleicht? Ich will Rache, Blutwurst . . . Morgen soll mir Aki die Rassel ankleben; kein Normaler 24-jähriger lässt sich von ein bisschen Rumgeheule und ein paar netten Worten breitschlagen. Außer mir natürlich. „Es tut mir leid.“

Küss sie endlich, du verdammter Zwerg!
Nein, schick sie weg, diese Schlampe!
Herz und Kopf, könntet ihr euch vielleicht mal einigen?
KÜSS SIE!
WEG MIT IHR!
Kopf, halt die Klappe. Herz, tu, was du nicht lassen kannst. Aber beschwer dich hinterher nicht.

Ich beuge mich zu ihr hinunter und nehme ihre Hände. Unsere Lippen berühren sich, ich kann ihre salzigen Tränen schmecken. Ganz langsam ziehe ich sie hoch, ich bin ganz ruhig, kein Gedanke stört mich. Es ist, als ob ich Frieden mit mir selbst geschlossen hätte. Sie küsst anders als ich es von ihr gewohnt bin. Zärtlicher, vorsichtiger, etwas schüchtern sogar. Das gibt mir den Rest und ich ziehe sie auf meinen Schoß. „Es tut mir so leid.“ „Hör auf zu weinen.“ Sie schluckt und schluchzt nur noch stärker. Es ist wohl nicht der passende Augenblick zu lächeln, aber ich tus trotzdem. „Ich bin so eine verdammte Schlampe.“ „ Hör doch auf.“ Ich kann die Tränen gar nicht schnell genug von ihren Wangen streichen. „Ich kann nicht . . .“

Hast du dich mal wieder breitschlagen lassen. Später darf ich mich dann mit deinen Problemchen rumplagen. So gehst du also mit deinem Kopf um, tztz . . .
Also mir geht’s gut. Macht Spaß, so rum zu hüpfen. Du solltest öfter auf dein Herz hören.
Ach halt doch die Klappe. Ich darf dann dein Gejammer ertragen, wenn du mal wieder gebrochen bist.
Diesmal nicht.
Natürlich, das sagst du jedes Mal. Ich sag nur Liquid . . .
Das war was anderes. An Funeral Song bist außerdem nur du Schuld.
DU hattest keinen Bock mehr.
Stimmt ja gar nicht, du hast mir nicht richtig zugehört.
Du weißt doch eh nie, was du willst.
Und du tust mir ständig weh. Ey, was ist bitte ein Mensch ohne Herz, he?
Ein intelligentes, denkendes Wesen?
Du hast unglücklich vergessen.
Hör endlich auf, rumzuhüpfen und halt die Klappe. Das ist ja nicht mehr zu ertragen.
Ruhe jetzt, scheiß auf euch beide. Ich will das jetzt genießen.

„Natürlich kannst du.“ „Hass mich.“ „Vorhin wolltest du das nicht.“ „Ich weiß nicht, was ich will.“ „Da kenn ich noch wen.“ „Hä?“ „Nicht so wichtig . . .“ Ich ziehe sie enger an mich heran und sehe ihr tief in die Augen. Diese wunderschönen , grünen Augen, in denen ich jedes Mal wieder versinken könnte. „Es tut mir so leid.“ „Shht.“ Ihre Lippen, so samtweich und warm . . .

Ahhhh, gleich zerspringe ich!
Hör auf, verdammt noch mal! Du verursachst ja ein halbes Erdbeben in diesem armen Menschen.
Ihm gefällts.
Er hat mich abgeschalten, dieser Penner. Ja und später bin ich dann wieder Schuld.
Lass ihn doch, er ist glücklich.
Sie sieht sogar schön aus, wenn sie total verheult ist. Ihr Körper glüht förmlich, reagiert mit einem erschrockenen Zucken auf meine kalten Hände. Ich lächle, meine Lippen verlassen ihre und wandern weiter nach unten, schmecken das bittere Parfum auf ihrer Haut. Ihre Haare gleiten wie flüssige Seide durch meine Finger, wieder sehe ich sie an. Sie schließt die Augen und lächelt. Noch immer brennen die Kerzen, die ich vorhin angezündet habe. Aki sagt immer, dass ich eines Tages noch mein ganzes Haus abfackle. Egal, nur nicht denken.

Ist das nicht romantisch?
Es ist widerlich. Bäh, dieser bittere Geschmack . . .
Nun freu dich doch mal.
Kein Bock.
Ihr Hirne . . .
Ihr Köpfe . . .
Ach halt die Fresse, ich werd jetzt noch ein bisschen springen.
Lass dir Zeit. Ich musste grad den Gedanken verarbeiten, dass er sie heute Nacht nicht gehen lassen wird.
Hä, der Gedanke kam von mir.
Hätt ich mir ja denken können.
„Es tut mir so leid.“ „Das hast du jetzt oft genug gesagt.“ „Was soll ich sonst tun?“ „Es vergessen und einfach hier bei mir sein?“

Hör auf, mich mit deinen schmalzigen Gedanken zu nerven!
ICH hab das Kommando, also tu, was ich dir sage!
Ich schiebe sie von meinen Knien und hebe sie hoch, um sie zum Bett rüber zu tragen. Dort lasse ich sie vorsichtig herunter und knie mich über sie, um sie erneut zu küssen. Sie schlingt die Arme um meinen Hals, ich kann wieder ein paar Tränen schmecken. „Küss ich so schlecht?“ „Halt doch die Klappe.“

Siehst du, sie wird schon wieder frech!
Sie ist süß, und jetzt sei endlich still.

Ich ziehe dich Decke über uns und rutsche etwas, damit ich sie von der Seite ansehen kann. Sie sieht unsicher aus, fast wieder ängstlich. „Ich lass dich nicht gehen.“ „Warum tust du das alles?“ „Vielleicht weil ich dich mag . . .oder liebe.“ „Oder?“ „Zeig mir, was richtig ist.“ „Ich wollte doch nur, dass du verstehst . . . und dann . . . verzeihst du mir.“ „Hätt ich’s etwa nicht tun solln?“ „Vielleicht wärs besser für dich gewesen.“ „Es wär auch besser für mich, wenn ich nicht rauchen würde. Ich tus trotzdem, weil ich’s brauche.“ Ein letzter Kuss noch, sie kuschelt sich an mich, schließt die Augen.

Chapter 20

„Hörst du das auch?“ „Was denn, Mäuschen?“ „Na dieses Geräusch.“ „Ich hör nix . . . ich will auch gar nix hörn.“ „Da kommt wer.“ „Also ich bins nicht.“ „Ach du . . . es kommt näher.“ „Ups, das könnte Aki sein.“ „AKI?“ „ Der merkt nicht von zwölf bis Mittag, keine Sorge.“ „Ich will aber nich mit Aki in nem Bett schlafen.“ „Ich beschütz dich.“ „ Mit zwei Rasmussen in einem Bett, das könnte gefährlich werden.“ „Is doch lustig .. . aber was is bitte ein Rasmus?“ „Musst doch du wissen.“ „Klappe.“ Er drückte sich nach unten und schloss die Augen, als sich die Zimmertür öffnete. „Lauri? . .. Toll, pennt schon wieder . . .“ Er gähnte und schmiss sich ohne Umstände auf die andere Seite des Doppelbettes. Kaja griff nach Lauris Arm und presste sich seine Hand auf den Mund, um nicht laut loszuprusten. Leider verfehlte sie ihr Ziel um einige Zentimeter und biss ihn aus Versehen in den kleinen Finger. Erschrocken zog Lauri seinen Arm unter der Bettdecke hervor und strampelte mit den Beinen. „Könntest du mal aufhörn zu zappeln? Das nervt. Ich dachte, du schläfst schon . . .“ „Öhm, ja.“ „Was ja?“ „Ich hab geschlafen.“ „Wo du wach bist . . . hast du Kaja irgendwo gesehen?“ „Äh, nö. Wieso?“ „Die Kleine steht auf mich.“ Kaja biss sich auf die Unterlippe und kniff Lauri unsanft in den Oberschenkel. „Auaaa!“ „Was?“ „Aha wollte ich sagen.“ „Sag mal, bist du auf Droge oder was geht mit dir?“ „Öhm, äh, ich bin nur müde.“ „Du hörst dich aber gar nicht so an. Und warum zappelst du die ganze Zeit so rum? Sackratten?“ Lauri versuchte verzweifelt Kaja mit seinem Knie zu erwischen, als sie vorsichtig am Bund seiner Short zog. „Jetzt hör doch mal auf damit!“ „Zuviel Kaffee, hehe.“ „Du führst dich auf wie n Hyperaktives Kind. Wenn du auch mit den Weibern so umgehen würdest, hättest du vielleicht mal mehr Action im Bett.“ „Halt doch die Fresse . . .“ Kaja strich ihm tröstend über den Bauch und kuschelte sich wieder an seine Seite. „Is doch so. Gönn deiner Hand mal ne Pause.“ „Jetzt reichts aber. Du tust ja grad so, als würdest du mit nem Dauerständer durch die Gegend latschen.“ „ Na du kriegst ja eh kein mehr hoch.“ Wieder zupfte Kaja am Bund der Shorts und erntete dafür einen warnenden Tritt. „Was zum Teufel machst du da?“ Wütend riss Aki Lauris Decke zur Seite und starrte mit offenem Mund in Kajas grinsendes Gesicht. „Hey, Aki. Na, wie geht’s?“ „AAHHHHH!!!“
„Seh ich so schrecklich aus?“ „Was macht DIE hier in unserem Bett? Unter der DECKE!?“ „Rat doch mal. Was könnte ich da machen?“ „Kaja!“ „Man, er hat grad so nen scheiß dummen Gesichtsausdruck.“ „Ja, und jetzt hast du ihn auch noch erschreckt, Süße.“ Lauri grinste belustigt und zog die Bettdecke wieder über sich und Kaja.“ „Das glaub ich nicht, das glaub ich einfach nich . . .“ „Was denn?“ „Haucht mich mal an. Wetten, ihr seid wieder total blau?“ „Ich hab nix getrunken, du etwa?“ „Nö, nur den Schampus aus deinem Bauchnabel vorhin.“ Er grinste Aki unschuldig an und wich geschickt Kaja Knie aus, das auf seinen Hintern zielte. „Jaja, und dann endest das ganze wieder in nem Fiasko, wie letztens nach der Party.“ „Das haben wir inzwischen geklärt . . .“ „Alter, das halt ich nich aus. Lauri, gib mir ne Kippe.“ „ Aber du rauchst doch gar nich . . .“ „ Gib mir jetzt endlich die verdammte Kippe oder ich erzähl deinem Häschen hier mal von deinen diversen Bett-Pannen.“ „Wenn ich dir ne Kippe geb, erzählst du mir dann mehr?“ Sie legte sich auf Lauris Bauch und kramte auf dem Boden in ihrer Jeans herum, um die Zigarettenschachtel zu finden. „Gar nix wirst du.“ Lauri zog sie leicht säuerlich zurück und schlang unter der Decke die Arme um sie. „Nu lass sie doch. Das wär ein fairer Deal.“ „Aki, leg dich jetzt hin und penn oder verpiss dich irgendwo hin, wo du mich nich nerven kannst.“ „Bäh, nu zick doch nich gleich so rum. Ihr hättet ja auch in ihr Zimmer gehen können . . .“ Stille. Kaja biss sich auf die Unterlippe und fühlte, wie sich seine Arme noch stärker zudrückten. „Hallo?“ „Is doch egal.“ Lauri hatte ganz vergessen, dass es nur ein paar Stunden her war, seit er sie mit diesem Kerl gesehen hatte. Er wusste nicht, ob er Wut empfand, oder ob es doch Eifersucht und ein angekratztes Ego waren. Vorsichtig nahm sie seine Hand und sah ihn aus den Augenwinkeln heraus fragend an. Er lächelte gequält und wandte seinen Blick schnell wieder ab. „Gut, ich versteh schon, dann geh ich eben zu Sofie.“ Wieder Stille. „Ihr könnt den Mund wieder zumachen, was ihr könnt, können wir schon lange. Mit diesen Worten nahm er Lauris Zigarette in seine Rechte und verließ grinsend den am. „Das hätte ich aber nun doch nich gedacht.“ „Mir gefällt das alles nich. Ich will nicht, das meine beste Freundin mit jemandem zusammen ist, der dauernd von andren Weibern, Titten, Ärschen und Sex labert.“ „So is Aki. Er macht einen auf Obermacker, dabei ist er der totale Softie.“ „So wie du?“ „Du bist so fies.“ Mit funkelnden Augen riss er ihr die Decke weg und begann sie durchzukitzeln. „Nein . . . bitte . . . Erbarmeeeeeeeeeen.“ japste Kaja und strampelte verzweifelt mit den Beinen. „Nimm es zurück!“ „Nie . . . .mahahahls!“ „Gut, dann eben nicht.“ Flötete er und krabbelte mit seinen Händen an ihrer Hüfte entlang. Sie quiekte entsetzt auf und rollte sich ab, einen Tick zu spät, denn er kniete schon über ihr und presste ihre Handgelenke in die Matratze. „Nimms zurück!“ „Nein! Guck lieber mal, wo ich mein Knie hab.“ „Das würdest du nicht tun . . . ich kann mich aber auch auf deinen Bauch setzen, wenn du unbedingt willst.“ „Oh, Bitte, Erbarmen. Ich bin doch nur ne arme, kleine, schwächliche Stylistin.“ „Schwächlich? Du hättest mir vorhin fast n Veilchen verpasst. Nimms jetzt gefälligst zurück!“ „Was krieg ich dafür?“ Sie legte den Kopf schief und sah ihn herausfordern an. „Nen Kuss?“ „Mhm . .. ich will mehr.“ „Wieviel mehr?“ „Viel mehr.“ „Mehr von mir?“ „Nöööö . . .“ „Och mann ...“ „Ach Sweet . . . Sei nich böse.“ „Was willst du dann?“ „Ein super mega riesiges Frühstück.“ „ Französisch?“ „Sowas gibt’s hier?“ „Natürlich.“ „Ok . .. aber meinen Kuss will ich trotzdem.“ Er beugte sich über sie, schloss die Augen und berührte ihre Lippen. Abrupt hielt er inne und sah ihr wieder in die Augen. „Erst nimmst dus zurück.“ „Lauri, du bist kein Softie. Du bist der größte, stärkste und bestaussehenste Mann auf der ganzen weiten Welt, ganz ehrlich.“ „Na also, geht doch . . .“ Er lächelte und presste seine Lippen auf ihren Mund, fordernd und doch zärtlich. Kaja entzog sich seinem festen Griff und schlang die Arme um seinen Hals. Er nutzte den Moment und rollte sich zur Seite, sodass sie auf seinem Bauch lag. Grinsend fuhr er mit der Zunge über ihre Lippen und legte den Kopf schief. „Weißt du eigentlich, dass du unglaublich schön bist.“ „Ach quatsch . . .“ „Doch wirklich.“ „Du bist süß.“ „Das wollte ich hören. Gute Nacht, darling.“ „Hey, lass mich runter.“ „Nö, du bist die perfekte Wärmflasche, nurn bisschen zickig manchmal.“ „Na danke. Ich will aber runter.“ „Gut, aber nich weglaufen.“ „Viel zu faul.“ Sie rutschte langsam von seinem bauch und kuschelte sich in seinen Arm bevor sie die Augen schloss und einschlief.

Chapter 21

[später, later, plus tard . . .]
Kaja spürte die zunehmende Kälte um sich herum und erwachte. Blinzelnd sah sich um und stellte fest, dass sie allein in dem großen Doppelbett lag. Lauri stand am Fenster und hielt eine kleine Schüssel in der Hand. Verwundert beobachtete sie ihn und bemerkte, dass er mit der anderen Hand eine Gabel hielt und damit gierig auf den Inhalt der Plastikdose einstocherte. „Was machst du da?“ fragte sie verschlafen und zog sich die Decke bis zum Kinn. „Sorry, ich wollte dich nich wecken . . . hatte Hunger.“ Grummelte er zwischen zwei Bissen und setzte sich zu ihr auf die Bettkante. Neugierig schlug sie die Decke wieder zurück und beugte sich vor, um zu sehen, was Lauri in Rekordtempo in sich hineinstopfte. Der kalte, pappige Klumpen entpuppte sich schließlich als eine Portion Spaghetti mit Tomatensoße. Nicht mehr ganz frisch, aber noch identifizierbar . . . „Wo zum Teufel hast du das her?“ Sie schüttelte grinsend den Kopf und wunderte sich wieder einmal über die Gabe der Männer, überall etwas halbwegs Essbares zu finden. „ Aki bunkert Essen . . . aber der is ja nich da.“ Er hielt inne und leckte sich begeistert über die Lippen bevor er fortfuhr. „Geh mal an seinen Nachttisch.“ Gehorsam krabbelte Kaja auf die andere Matratze und zog die kleine Schublade am Kopfende des Bettes auf. Sie war randvoll gefüllt mit Schokolade, Gummibärchen und diversen Plastikschüsseln, deren Inhalt man teilweise nur noch erahnen konnte. Doch nicht nur das . . . „Lauri?“ „Mhm?“ „Willst du Gummis?“ „Ne oder?“ Er ließ seine Gabel achtlos fallen und beugte sich ebenfalls über die Schublade. „Kokosgeschmack? Kaja, mein bester Freund ist ein Freak.“ „Bei der Auswahl hier könnte man echt meinen, Aki frisst Kondome.“ „Da lob ich mir meine Pasta.“ „Eher Pampe.“ „Kalt schmecken die viel besser.“ Murmelte er beleidigt und fischte seine Gabel unter dem Bett hervor. „Meinst du merkts, wenn ich mir n bisschen Schokolade klau?“ „Nö, aber nimm nich die Schweizer, die hat er abgezählt. Vertraut mir nich mehr, der Kerl. Du könntest natürlich auch mal die Pina Colada Gummis probieren . . .“ „Das hättest du wohl gerne. Is auf den Spaghettis Käse drauf?“ „Jep.“ Kaja stibitzte sich eine Tafel weiße Schokolade aus Akis Vorrat und schob das Regal wieder zu, bevor sie zu Lauri hinüber kroch und ihm den Kopf auf die Schulter legte. „Vergiss es, du kriegst nix.“ Sie schniefte gekünstelt und begann seinen Hals zu küssen. „Nein, träum weiter.“ Er hatte aufgehört zu essen und konnte der Versuchung nicht widerstehen, den Kopf ein kleines bisschen in den Nacken zu legen. „Na?“ „Da musst du dich schon ein bisschen mehr anstrengen.“ Kaja zog die Augenbrauen hoch, grinste dann jedoch und berührte mit den Lippen sanft die Härchen in seinem Nacken. Wie erwartet schloss er die Augen und ließ die Hände sinken. Sie nutzte den Moment und zog ihm blitzschnell die Gabel und den Rest der Pasta aus den Fingern. „HEY!“ „Männer . . .ey, das schmeckt echt geil.“ „Du fieses Weibsstück. Na warte, ich werd Angie sagen, dass du deine Pillen nich schluckst.“ „Dann sag ich den Jungs, dass DU die Pille schluckst.“ „Biest.“ „Was willst du mit nem braven Mädchen?“ Sie setzte sich auf seinen Schoß und schob ihm die letzte Gabel voll in den Mund. „Sie für mich schuften lassen und ab und zu mal meinen Spaß mit ihr haben, wieso?“ „Schon mal was von Emanzipation gehört, du kleiner Widerling?“ Sie knuffte ihn böse in die Seite und stellte die leere Dose auf den Boden. „Wenn sies mit sich machen lässt . . . bei dir seh ich allerdings keine Gefahr. Da isses eher umgekehrt.“ „Oh, lass ich dich schuften, mein armer Schlumpf?“ „Geht das schon wieder los.“ Er funkelte sie böse an, hob sie von seinem Schoß und warf sie etwas unsanft zurück aufs Bett. „Uhhhh, jetzt wirst du böse, ja?“ „Allerdings.“ Mit düsterem Gesichtsausdruck drückte er sie in die Kissen und biss ihr vorsichtig in den Hals. „Das hatten wir heute schon mal.“ „Bis dus lernst, Süße.“ „Erklärs mir noch mal. Warum bist du kein Schlumpf? Du kannst es mir auch zeigen, wenn du willst . . .“ „So, kann ich das?“ Seine Zunge wanderte von ihren Lippen übers Kinn den Hals hinab. „Kannst du.“ Erwiderte sie knapp und schluckte, als er mit den Zähnen den ersten Knopf ihrer Bluse öffnete. „Ach, ich bin zu müde. Gute Nacht ,darling.“ Zufrieden grinsend ließ er abrupt von ihr ab und kuschelte sich an ihre Seite. „Arsch.“ Sie verpasste ihm einen leichten Schlag auf den Hinterkopf und erntete dafür ein unwilliges, halb schlafendes Grummeln.

Chapter 22

Mhm, so müde . . . Was soll das? Entweder hab ich meine Hand wirklich überansprucht oder ich hab mir da irgendwas eingeklemmt . . . Nein, Kaja liegt neben mir. Total verpennt aber wie immer wahnsinnig schön. Ersteres scheidet also schon mal aus. Vorsichtig hebe ich die Decke an und sehe nach. „AHHHHHHHHHHH!!!“ Hilfe, was is mit mir passiert? „Wasn los?“ Wär hilfreich, wenn sie mit mir sprechen würde, statt dem Kopfkissen. „Warum zum Teufel trag ich deinen String?“ „Weil ich deine Shorts anhab . . .hey, du hast mir meinen BH gemopst!“ Tatsächlich, ich seh aus wie ne Transe. Was für ein Alptraum. „Ich war das nich!“ „Na und ich erst recht nicht. Sag, könntest du den ausziehen? Das sieht irgendwie . . . schwul aus.“ Panisch schlüpfe ich aus dem Teil raus und hänge mich über die Bettkante, um mir meine Sachen zu schnappen. Da liegt aber nix mehr. „Kaja, wo hast du meine Klamotten hin?“ „Meine sin auch weg! Ich kann doch nich in Boxershorts durchs Hotel eiern.“ „Na rat mal, wies mir geht.“ Ich ziepe angewidert an diesem Folterinstrument an meinem Hintern und lasse meinen Blick durch den Raum gleiten. „ Lauri, wir müssen jetzt stark sein.“ „Darling, sag mir, was hier vorgeht.“ „Die haben Vorhängeschlösser an die Schränke gemacht. Hast du abgesperrt?“ „Natürlich. Das können dann ja nur . . .“ „ . . . Aki und Sofie gewesen sein. Die ham bestimmt gesoffen wie Sau.“ „Scheiße.“ „Jep, the new shit.“ „Und jetzt?“ „Wir müssen irgendwie in mein Zimmer kommen.“ „Um die Uhrzeit ist der Gang aber nie leer.“ „Ruf Aki an und sag ihm, er soll seinen Arsch hierher bewegen.“ „Ich weiß seine Nummer nich auswendig und mein Handy war in der Hose . . .“ „N toller Freund bist du.“ „Bäh, dann ruf doch Sofie an.“ „Karte gesperrt.“ „Super, echt geil.“ „Schnuckelchen, brauchst du die Vorhänge noch?“
Drei Minuten später hat sie sich die blauen Satinvorhänge um den Körper gewickelt und lauert jetzt an der Tür auf den richtigen Augenblick. Als die Schritte draußen verhallen, packt sie schnell den Griff, drückt ihn hinunter und zieht kräftig an. Die Tür bleibt zu. Stattdessen hält sie die Klinke in der Hand und sieht mich hilflos an. „Oh, ich hasse diesen Arsch.“ „Das schreit nach Rache, oder?“ „Was willst du machen?“ brummle ich zurück und wünsche mich in mein Bett in Hellsinki. Grinsend lässt sie sich auf Akis Bett nieder und öffnet seine Nachttischschublade. Im Nu hat sie sich eins von seinen Luxusgummis geschnappt und fängt an, es aufzublasen. „Hast du nen Edding, Schatz?“ Verdutzt werfe ich ihr den schwarzen Stift aus meiner kleinen Komode zu und warte ab. Sie beißt sich vor Genugtuung grinsend auf die Unterlippe und pinselt fröhlich drauf los. Dann hält sie mir stolz ihr Kunstwerk entgegen. „Für Aki Hakalas Dauerständer- Mädels, nehmt euch in Acht!“ lese ich leise und kriege im nächsten Moment einen Lachkrampf. Die Tränen laufen mir immer noch über die Wangen, als Kaja mir schon das nächste Gummi und den Edding in die Hand drückt. „Schreib was Fieses für Sofie.“ Ich muss nich lang überlegen und fange direkt an, „Keine Sorge, Sofie- Aki kann immer (meistens jedenfalls).“ „Yeah, das is gut.“ Zehn Minuten später haben wir alle von Hattus speziellen Verhüterlis aufgeblasen und mit diversen Gemeinheiten versehen. „Und jetzt, Prinzessin?“ „Jetzt lassen wir sie fliegen. Vorher müssen aber noch Gewichte ran, sonst ließts ja keiner von denen da unten.“ Ach ja, der Speisesaal befindet sich ja direkt unter uns. „Honey, du bist die Beste.“ Ich springe sie an und will sie zu Boden knutschen, habe aber dieses lästige Stückchen Stoff vergessen und werde jetzt wieder schmerzhaft daran erinnert. Sie grinst belustigt und tätschelt mir tröstend en Kopf. „Bald isses vorbei.“ „Du könntest mir ja auch einfach meine Shorts zurückgeben.“ „Ach nö, lass mal.“ Statt mir den Gefallen zu tun, fängt sie an, Akis Süßigkeiten in die Enden von den Gummis zu knoten. Widerwillig helfe ich ihr und folge ihr anschließend auf den Balkon. Keine Fans, Gott sei Dank „So, und weil du so leiden musst, darfst du auch als erstes.“ Ich ziehe ein Gesicht und lasse den ersten Ballon fliegen. Na ja, fliegen ist zuviel gesagt. Zum Fliegen bräuchten wir ja Wind und den haben wir nicht. Stattdessen segeln die Teile langsam Richtung Speisesaal.
Wenig später sind alle auf den Weg nach unten. „Jetzt heißt es warten.“ „Ganz genau.“ Ich ziehe ihr die Beine unterm Körper weg, verfrachte sie wieder in mein Bett und kuschle mich an sie.

Chapter 23

„Sht, da kommen sie. Hörst du?“ „Nicht zu überhören . . . Hey!“ Sie legte mir den Zeigefinger auf die Lippen und zieht mich aus dem Bett hinter die Tür. Die Schritte kommen näher, wütendes Gemurmel. Ich presse mich gegen Kaja, damit ich nicht laut lospruste. Ich hab schon wieder keinen blassen Schimmer, was sie vorhat, aber das ist ja nichts Neues. Der Schlüssel wird ins Schloss gesteckt und hastig herum gedreht. Sie drückt sich gegen die Wand, atmet flach und lautlos. Ihre funkelnden Augen befehlen mir ruhig zu sein. Plötzlich fliegt die Tür auf, Aki und Sofie kommen herein gestürmt. Wir stehen immer noch in der kleinen Nische und zitternd vor Anspannung. „Ich werde ihn umbringen, diesen kleinen widerlichen . . .“ „Du hattest doch diese Scheißidee!“ „Und du hast mitgemacht!“ „Ich war betrunken!“ „Na und? Wir sind das Gespött des ganzen Hotels!“ „Das war doch alles auf Finnisch, keine Sau da unten hat verstanden, was drauf stand.“ „Ja, nur meine beiden bandmates. Eero ist mit dem Kopf auf sein Butterbrötchen geknallt weil er sich nicht mehr gekriegt hat vor lachen. Kannst du dich erinnern? Und Pauli is rückwärst mit dem Stuhl umgefallen Findest du das WITZIG?!“ „Ach, halt doch die Fresse. Ich muss mich bei Kaja entschuldigen.“ Sie drückt meine Hand und zieht grinsend die Augenbrauen hoch, ich strecke ihr die Zunge raus und trete ihr auf den Fuß. Sofie und Aki bewegen sich zankend nach draußen auf den Balkon, als sie mich plötzlich aus der Ecke zieht, aus dem Zimmer schubst und die Tür hinter sich zuwirft. „Und jetzt?“ Frage ich hektisch und lasse meinen Blick über den Gott sei Dank leeren Korridor schweifen. „Absperren oder wegrennen?“ „ Wegrennen.“ Augenblicke später verschwinden wir ins Kajas Zimmer, ich sperre ab und schiebe den Schlüssel eigenhändig unter mein Armband. „Krieg ich jetzt meine Shorts wieder?“ „Ich geh erst mal duschen. Werf das Teil dann raus.“ „Hey, Cutie, krieg ich auch was zum anziehen?“ Ich schlinge die Arme von hinten um ihre Hüfte und lege den Kopf auf ihre Schultern. „Mhm, wie wärs mit nem Mini? . . . Ne, sowas besitze ich gar nicht.“ „Gib mir dein Metallica- Shirt und die schwarzen Baggies, dann bin ich zufrieden.“ „Willst du nicht doch lieber ne Hüftjeans?“ „Ab in die Dusche mit dir.“ Ich schubse sie vor mir her in Richtung Bad, sie stemmt verzweifelt die Beine in den Boden, zwecklos. Schließlich ergibt sie sich und lässt sich brav durch die Tür schieben. „Ich hätte dich ja mitgenommen, aber wenn du nicht willst . . .“ Mhm, dieses Miststück. „Oh, wenn das so ist . . .hey, du hast ja abgeschlossen!“ „Wer zu spät kommt, verpasst das Beste!“ Drinnen beginnt das Wasser zu plätschern, die Unterhaltung ist somit also beendet. Beleidigt grummelnd schlüpfe ich in das Shirt und fange meine Shorts auf, die plötzlich aus dem Badezimmer geflogen kommt. Was hat die Menschheit getan, dass Gott so etwas Grausames wie den Stringtanga erfunden hat? Ich weiß es nicht . . .
Mein Spiegelbild ist eigentlich recht annehmbar, nur meine Haare, einfach schrecklich. Natürlich hat Aki, der alte Penner, meine Mütze mitgenommen. Außerdem hab ich Hunger, will mein französisches Frühstück. Was brauche ich alles? Also erst mal meine Mütze, werde wohl zu Aki rüber gehen müssen. Zweitens: Das Frühstück selbst, was heißt, ich muss die Rezeption anrufen. Und zu guter Letzt drittens: Diese wunderschöne Frau mit den zwei Gesichtern, die es immer wieder schafft, dass ich nach ihrer Pfeife tanze. Wie krieg ich sie nur da raus? „KAJAAAAAAA?“ „JAAAAAAA?“ „Was muss ich tun, damit du da raus kommst?“ „Warten, Süßer.“ „Hast du auch so Hunger wie ich? Ich glaub, ich geh mal was essen . . .“ „“HEY! Du kannst mich doch nich verhungern lassen!“ Das Geräusch des plätschernden Wassers verstummt und sie streckt den Kopf durch den Türspalt. Ihre nassen Haare hängen schwer auf ihren Schultern und erscheinen noch dunkler als sonst. „Gut, dann beeil dich, Cutie.“ Ich beiße mir auf die Unterlippe und schiele vorsichtig durch den schmalen Türspalt. Im nächsten Moment habe ich ein nasses Handtuch im Gesicht und höre sie drinnen lachen. „Haha, sehr witzig.“ Toll, jetzt sind meine Haare erst Recht im Arsch. „Ich komm ja gleich.“ Tatsächlich, zwei Minuten später steht sie wieder komplett angezogen vor mir, leider. „Was ist mit deinen Haaren?“ „Wetlook.“ Sie zuckt grinsend mit den Schultern und fährt mir über den Kopf. „Du brauchst deine Mütze . . . oder ne Tonne Gel.“ „Hab ich auch schon gemerkt.“ „ Uh, Master Ylönen ist gereizt . . .“ „Na warte . . .“ Wutsch, Volltreffer. Das Kissen kommt postwendend zurück und trifft mich mitten ins Gesicht. „Strike!“ „Das war Absicht, damit du auch maln Erfolgserlebnis hast.“ Uh, aua. Es tut verdammt weh, wenn sie mich so „freundschaftlich“ in die Seite boxt. Aber ich bin ja ein starker Mann . . . „Lass uns rüber gehen, Aki wird dich schon nicht fressen.“ „Es war ja auch deine Idee.“ „Mich wird er aber bestimmt nich fressen, eher ficken.“ „Keine Horrorstorries am frühen Morgen. Und jetzt komm Darling.“

Chapter 24

[am Abend]

Im Großen und Ganzen ist jetzt wieder alles in Ordnung zischen den Rasmussen und ihren Lieblingsstilistinnen. Sofie hat sich tausendmal bei mir entschuldigt und ist am Nachtmittag mit mir zusammen in die City gefahren. Nach vier Stunden Dauershoppen haben wir noch eine Weile im Café gesessen und hemmungslos gequatscht.
Es ist jetzt Viertel nach acht und ich hänge totmüde hinter dem Steuer meines Cabrios. Sofie lässt sich den Wind um die Ohren flattern und hat genießerisch die Augen geschlossen. Was würde ich jetzt für nen Autopiloten geben . . . uh, meine Füße bringen mich um. Noch fünf Kilometer. Im Hotel werde ich sofort in mein Zimmer rasen, meine Badeklamotten schnappen und mich in den Wirlhpool schmeißen. Welch schöne Aussichten . . .
Jetzt heißt es jedoch erst mal nen Parkplatz finden. Ich knuffe Sofie in die Seite, damit sie nicht völlig wegdriftet und parke meinen Wagen direkt neben dem Eingang. Das nenn ich Glück! Erschöpft lasse ich den Kopf aufs Lenkrad knallen und mache die Augen zu. „Kaja, schwing die Hufe! Wir wollten doch noch schwimmen gehen.“ „Mhm.“ „Brumm mich nicht an sondern steig gefälligst aus. Man könnte meinen, du bist am Sitz festgeklebt.“ Sie springt ausgelassen vor meiner Tür auf und ab und grinst vergnügt, als ich sie aus den Augenwinkeln misstrauisch beäuge. „Is ja gut . . .“ Mit gequältem Gesichtsausdruck krabble ich von meinem bequemen Fahrersitz und packe mir die restlichen Tüten vom Rücksitz. „Seit wann kauf ich was bei Dolce&Gabanna?“ „ Du sagtest, du hast zuviel Geld und bist in den Laden gestürmt.“ Sie zuckt mit den Schultern und drängt mich Richtung Hoteleingang. Warum kann ich mich nicht mehr erinnern? Hilfe, ich habe Shopping- Alzheimer!
Müde schlurfe ich mit halbgeschlossenen Augen hinter Sofie her durch die Lobby und habe das Gefühl, das meine Arme gleich abfallen. Plötzlich packt mich jemand von hinten an den Hüften dreht mich schwungvoll zu sich um. Lauri grinst mich gewinnend an und gibt mir einen flüchtigen Kuss auf den Mund .Hä? Wo ist der plötzlich hergekommen? Ich bin ja so verdammt müde . . . „Ich freu mich auch wahnsinnig zu sehen, Darling.“ Sagt er leicht beleidigt und sieht mich abwartend an. Ich blinzle mit großen Augen zurück und kann nur schwer ein Gähnen unterdrücken. „Geht’s dir gut, Kaja? Hast du Putzmittel getrunken oder so? Ah, ich weiß. Gibs zu, du hast wieder Hasch geraucht!“ Ich lasse mich einfach gegen ihn fallen und seufze zufrieden. „Sie ist kurzzeitig Shopping- tot. Keine Sorge, das geht vorbei. Vielleicht braucht sie auch ne Kippe, in den letzten 6 Stunden hatten wir keine zeit dazu.“ Ich glaube, es ist Sofie, die das fröhlich von der Treppe herunter brüllt. Lauri tätschelt mir aufmuntert die Wange und sieht sich aufmerksam in der menschenleeren Lobby um. „Komm, Süße, ich spiel mal kurz Aufzug für dich.“ Ich nächsten Moment hat er mir zum zweiten mal an diesem Tag die Beine unterm Körper weggezogen und trägt mich inklusive meiner gesamten Ausbeute nach oben. Wie kann so ein kleiner Kerl nu so verdammt viel Kraft haben? Ich glaub ihm schon längst nicht mehr, dass er Sport hasst . . .

„Kaja?“ Äh, hör auf mich zu schütteln. Verschlafen schlage ich die Augen auf und sehe in mit leerem Blick an. Erschrocken zieht er die Augenbrauen hoch und wedelt mit der Hand vor meinem Gesicht herum. „Ich hohl dir am besten mal ne Kippe, Cute.“ Ich werfe mich auf die andere Seite und presse meinen Kopf wieder ins Kissen. No chnace, jetzt bin ich wach. Außerdem . . .wenn er mir schon ne fertige Kippe anbietet . . .
Wenig später gehe ich glücklich rauchend neben ihm den Gang entlang, händchenhaltend versteht sich. Vor Akis und seinem Zimmer bleibt er stehen und legt sich den Finger auf die Lippen. Neugierig luke ich durchs Schlüsselloch und sehe einen nackten, durchtrainierten Hakala-Hintern vor mir. Angetan reiße ich die Augenbrauen nach oben und kann nur mit Mühe ein begeistertes Pfeifen unterdrücken. Lauri funkelten mich wütend an und streicht sich dann eine imaginäre Träne von der Wange. Von Mitleid gepackt siehe ich ein entschuldigendes Gesicht und tätschle seinen ebenfalls ziemlich knackigen Hintern. Das hätte ich wohl lieber lassen sollen. Mit düsterem Blick zieht er mich an sich und küsst mir mein dämliches Grinsen aus dem Gesicht. Danach kann ich nur noch fassungslos anschauen, jetzt grinst er plötzlich wieder. „AKIII !!! ES BREEEEEEEEEEEEENT!“ Schnell schiebt er mich von der Tür weg und wartet gespannt. Im nächsten Moment wird sie hektisch aufgerissen und ein Aki in Badeshorts hüpft aufgeregt hin und her. „Wie?Was? Wo Feuer?“ Meine Mundwinkel zucken beängstigend und beginnen ein kleines Eigenleben. Ich muss mein Gesicht in Lauris Shirt vergraben, um keinen Lachkrampf zu kriegen. Ich spüre seinen Körper zittern, Hitze steigt ihn ihm hoch. Er fühlt sich an wie ein kleiner Vulkan, der jeden Moment ausbrechen könnte. Ich habe fast vergessen, wie gut er riecht . . . „Ihr Schweine! Na wartet, das zahl ich euch heim.“ Mit lautem Knall wirft er die Tür hinter sich zu und grummelt drinnen böse vor sich hin. Vorbei ist es mit der Beherrschung, fast gleichzeitig brechen wir in schallendes Gelächter aus und gehen langsam zu Boden. Wir liegen immer noch so halb übereinander, uns gegenseitig im Arm haltend auf den Boden, als Sofie, Eero und Pauli neben uns stehen bleiben. „ Habt ihrs nich mehr ins Zimmer geschafft oder wie?“ Eero zieht ein zweifelndes Gesicht, Sofie ist geschockt. Lauri nimmt seinen Kopf von meiner Schulter, wir hören auf zu lachen. Ausdruckslos sieht er die anderen an, dann fangen seine Mundwinkel wieder an zu zittern, Vulkanausbruch die Zweite. „Äh, gehst noch?“ Scheiße, Pauli, du hättest das nicht sagen sollen. Wir prusten wieder los und kichern, lachen bis es fast wehtut. Mr Heinonen klopft kopfschüttelnd an Akis Tür, Herr Hakala öffnet, verlässt den Raum und sieht uns kurz an. „Gehen wir?“ Lauri nickt, zieht mich mit hochrotem Kopf hoch, wir folgen den anderen.

Chapter 25

„Mhm, mein Gesicht tut weh.“ Wir sitzen zu sechst im Wirlhpool, ich bin mal wieder zwischen Aki und Lauri eingeklemmt. Letzterer macht sich einen Spaß daraus, mich mit anzüglichen Blicken heißt zu machen. Herr Hakala hingegen hat ein nur Küsschen auf die Wange als Wiedergutmachung verlangt, worauf Mr Ylönen mehr als eifersüchtig wurde und mit seinem gemeinen Spiel angefangen hat. Schon wieder lässt er seinen Blick ungeniert an meinem Körper hinabgleiten und grinst mich dabei mehr als versaut an. Wie verdammt soll ich mich vernünftig mit den anderen unterhalten, wenn ich am liebsten mit diesem ganz bestimmten Schlumpf in der Dusche verschwinden würde?
„Hättest du nicht so verdammt über mich lustig gemacht, hättest du das Problem jetzt nicht.“ Aki ohne Brille ist ziemlich sexy . . . Lauris Hand auf meinem Knie ist überaus einladend. Hilfe! Ich will nicht zwischen zwei geilen Kerlen im Wirlhpool sitzen, das ist unfair. Ich sehe hilfesuchend zu Sofie, doch die unterhält sich angeregt mit Eero und schießt ab und zu ein paar wütende Blicke auf Aki ab. Nach qualvollen 20 Minuten beschließt Rest der Sippe schwimmen zu gehen und lässt mich mit Lauri allein zurück. Kaum sind sie um die Ecke verschwunden, da sitze ich schon wieder auf seinem Schoß und lasse meine Zunge mit seiner herumspielen. Dieser Mann gibt mir immer wieder Rätsel auf. Er hat mich jetzt über eine halbe Stunde lang mehr als geil angesehen, ich sitze auf seinem Schoß, in eine wilde Knutscherei vertieft und seine Hose zeigt keinerlei Regung. Entweder hat er seinen Körper verdammt gut unter Kontrolle, oder ich sollte mir langsam ein paar Gedanken machen . . .
Schließlich hört er auf, meine Küsse zu erwidern und schiebt mich mit sanfter Gewalt von sich weg. „Cutie, magst du Schokoküsse?“(Ne, Kerry? *gg*) „Mhm, ja, wieso?“ „Oh, ich hab da so ne Idee . . .“ Ui, ui, seine Ideen kenne ich . . .

Es ist wirklich erstaunlich, was man als VIP in diesem Hotel alles bekommen kann. Kleine Lauri schnippt mit dem Finger und im nächsten Moment springen zehn Leute drauf rein und überschlagen sich fast vor Freundlichkeit, vor allem das weibliche Personal. Was erhoffen die sich? Nen kleinen Fick in der Besenkammer zum Dank? Er weiß genau, dass mich das rasend eifersüchtig macht, trotzdem kann ich es nicht lassen und esse vor den Augen von so einem Serviceflittchen den Schokokuss, den er perfekt auf seiner Nase balanciert. Yeah, die Tussi schießt giftige Blicke auf mich ab und verschwindet schließlich wieder nach oben. Lauri grinst vergnügt und klaut mir vorsichtig die leckre Waffel. Böse grummelnd verspeise ich genüsslich den Rest von dem Schaumkuss und lehne meine Stirn gegen seinen Kopf. „Bist du eifersüchtig, Darling?“ „Ich? Nie und nimmer . . .“ „Na dann is ja gut, ich wollte die nette Lady von grade eben fragen, ob sie sich nicht ein bisschen zu uns setzen will.“ Patsch, ich habe ihm das klebrige Zeug direkt auf die Wange geklatscht. Zuerst wirkt er leicht erschrocken, dann breitet sich wieder dieses Zuhältergrinsen auf seinem Gesicht aus. „Wegmachen.“ Gehorsam hebe ich meine Hand, er greift blitzschnell zu und hält sie fest. „Nicht so . . .“ Dieser kleine, perverse Kerl. Na gut, wenn er unbedingt will . . . Aufreizend langsam beginne ich, den süßen Schaum von seiner Haut zu lenken, beschränke mich aber schon nach einiger Zeit nicht mehr auf diese kleine Stelle. Meine Zunge ist gerade mit dem oberen Teil seiner Brust beschäftigt, als ich die anderen zurückkommen höre. Schnell rutsche ich von seinem Schoß und bemerke dabei, dass er langsam die Kontrolle über das Innenleben seiner Shorts verliert. Ich lecke mir langsam die letzen Reste von den Lippen und schließe grinsend die Augen. „Hey, ihr müsst ja schon langsam gar sein.“ Sofie kneift Eero vergnügt in den Hintern und sieht uns auffordernd an. „Kommt ihr dann auch? Wir wollen später noch was trinken gehen.“ „Klar.“ Ich klettere flink aus dem Pool uns grinse Lauri wissend an. „Was is mit dir Lintu?“ „Ich öhm, blieb noch ein bisschen.“ Pauli zuckt mit den Schultern und begibt sich mit den anderen in Richtung Ausgang. Ich knie mich noch kurz hinter ihn auf die nassen Fließen und gebe ich ein Küsschen auf die Wange, die immer noch leicht süßlich schmeckt. „Wird schon, Schatz, lass dir Zeit.“ Er sieht mich säuerlich an, läuft dann aber leicht rot an und starrt auf die Wasseroberfläche. Aufmunternd klopfe ich ihm auf die Schulter und folge dann den anderen.

Chapter 26

„Kaja?“ „Mhm?“ Es ist dunkel im Zimmer, ich habe das Licht absichtlich ausgemacht, um mich noch einen Moment auszuruhen. Das warme Wasser und das gefährliche Knistern zwischen uns haben mich schon wieder verdammt müde gemacht. Außerdem hab ich plötzlich schreckliche Rückenschmerzen bekommen. „Geht’s dir nicht gut, Honey?“ „Bin nur müde . . . und mein Rücken.“ „Das kommt davon, wenn du ständig irgendwelche Frontmänner geil machst und dann einfach im Pool sitzen lässt.“ „Bist du böse?“ „Seh ich so aus?“ „Ich weiß nicht.“ „Warum?“ „Weils zu dunkel is. Komm hier her.“ Ich setze mich im Bett auf und klopfe auf die Matratze. Ich spüre seine Wärme dicht neben mir, kann seine Silhouette im fahlen Mondlicht erkennen. Plötzlich lässt mich dieser Schmerz zwischen den Schulterblättern wieder zusammenzucken. Er streicht mir besorgt über die Wange und scheint dann schließlich eine Idee zu haben. Man kann förmlich die kleine Glühbirne über den schwarzen Stacheln schweben sehen. Seine Hände fühlen sich angenehm kühl auf meiner erhitzen Haut an, als er mir vorsichtig das Shirt über den Kopf zieht und mich mit dem Bauch aufs Bett legt. Geschickt öffnet er den Verschluss meines BHs und fängt an meinen gestressten Rücken zu massieren. Gibt es eigentlich auch etwas, was dieser Mann nicht kann? Ich lege meinen Kopf seufzend auf die verschränken Arme und überlege mir, wie es wäre, wenn es Lauris serienmäßig gäbe. Jede Frau könnte ins Geschäft gehen und sich einen Haushaltslauri für daheim kaufen. Bei dem Gedanken an die Verpackung mit der Finnischen Fahne muss ich unwillkürlich lachen. „Hey, machst du dich über mich lustig, Cutie? Oder bist du so kitzelig?“ „Ich hab nur nachgedacht.“ „Hoffentlich nur über mich.“ Er lässt seine Finger langsam an meiner Wirbelsäule hinabgleiten, der Bund meiner Jeans scheint ihm dabei überhaupt nicht zu stören. „Natürlich.“ Ist ja noch nicht mal gelogen. Wir schweigen, während er weiterhin meinen Rücken verwöhnt. Ich schlafe schon fast, als er plötzlich inne hält und mich auf die Wange küsst. „Hey, nich wegpennen.“ Ich drehe mich langsam wieder auf den Rücken und versuche seine grünen Augen in der Dunkelheit auszumachen. Sie sind viel heller als meine, nicht so tiefgründig und verschlossen. Wieder spüre ich diesen ungenierten Blick auf meinem Körper ruhen, erst jetzt bemerke ich, dass er über mir kniet, die Hände auf Höhe meiner Hüften abgestützt. Mit kleinen, heftigen Küssen drängt er mich wieder zurück in die Kissen, seine Hände rutschen langsam höher, im nächsten Moment sehe ich meinen BH durchs Zimmer fliegen. Sein Gesicht befindet sich jetzt direkt vor mir, ich kann sein verschmitztes Grinsen sehen, seinen heißen Atem auf meinen Wangen fühlen. Plötzlich setzt er sich aufrecht neben mich und sieht nachdenklich aus dem Fenster „Was ist heute eigentlich für ein Tag?“ „Freitage, wieso?“ Wie kann er nur? Er macht das mit Absicht, er wird mich quälen, ich weiß das. „Mhm, ich mag Freitage.“ Du riesen Arschloch, wie kannst du mich nur so ärgern? Soll das die Rache für die Sache im Wirlhpool sein?
Er Beugt sich wieder zu mir herunter, haucht mir einen Kuss auf die Lippen und sagt leise meinen Namen. Ich möchte ihn anschreien, wegschubsen, ihm eins husten. Doch ich tue nichts dergleichen, gar nichts. Im Gegenteil: ich liege einfach nur regungslos, halbnackt vor ihm auf dem Bett und spüre seine Finger die Konturen meiner Brüste nachfahren. Er lacht leise und presst seine Lippen auf meinen Hals, sodass ich kurz die Beherrschung verliere und die Luft scharf einziehe. Seine Zunge zieht ihre Spur nach unten, saugt leicht an meinem Bauchnabel, wandert weiter. Verzweifelt versuche ich, ihn nicht gewinnen zu lassen, die Kontrolle zu behalten und meinen Unterkörper davon abzuhalten sie aufzubäumen. Neugierig schielt er zu mir hoch, grinst über meinen verkniffenen Gesichtsausdruck und malt Muster auf meinen nackten Bauch. Ich weiß, dass er die aufsteigende Hitze in meinem Körper und mein heftig schlagendes Herz spüren kann , und ich weiß , dass er mich längst durchschaut hat und sich einen Spaß daraus macht, mich leiden zu lassen. Tu was, irgendwas! . . . Ich kann nicht, kann nur die Augen schließen und seine zärtlich fordernden Berührungen genießen.
Er hat es tatsächlich geschafft, den Knopf meiner Jeans mit den Zähnen zu öffnen, zieht jetzt aufreizend langsam den Reißverschluss nach unten. Mein Atem geht heftiger, wieder drohe ich die Kontrolle über meinen hin und her gerissenen Körper zu verlieren. Eine schnelle Bewegung seiner muskulösen Arme und ich liege nur noch mit meinem Slip bekleidet vor ihm. Ich fühle mich wie gelähmt, trotzdem kommt es mir vor, als wäre jeder Nerv, jeder Muskel meines Körpers aufs Höchste gespannt. Plötzlich spüre ich sein gesamtes Gewicht auf mir, zuckt zusammen, als er mich berührt. Seine Hände wandern unaufhaltsam, lassen sich nicht in ihrer Ruhe stören, erkunden mehr von mir, als ich zulasse. Ab und zu fühle ich seine Finger, wie sie durch meine kühlen Haare streichen, meinen Nacken kitzeln und sich dann wieder auf den weg in tiefere Gegenden begeben. Ich schließe die Augen, falle in eine Art Trancezustand. Im nächsten Moment wieder diese Kühle auf meiner nackte Haut, er hat sich von mir gelöst, kniet wieder über mir, fährt in Schlangenlinien an meinen Seiten entlang. Seine Finger schieben sich aufreizend langsam zwischen das Bündchen meines Slips und der nackten Haut darunter, er wartet auf meine Reaktion. Ich schlucke heftig, kämpfe mit mir selbst um die Beherrschung. Wieder lächelt er nachsichtig und beobachtet interessiert, wie sich der schwarze Stoff noch ein wenig tiefer schiebt. Plötzlich spüre ich seine Lippen wie ein Hauchen auf dieser empfindlichen Stell und kann ein Aufstöhnen nicht mehr unterdrücken. Das ist seine Bestätigung, jetzt hat er mich genau da, wo er mich haben wollte. Den Kopf leicht schief gelegt fährt er unter meinen Po und packt zu, wartet wieder auf meine Reaktion .Ich starre ihn nur an, versuche meine Atmung wieder unter Kontrolle zu behalten. Belustigt streicht er die Innenseiten meiner Oberschenkel entlang, fixiert mich mit seinem Blick. Plötzlich wird sein Gesichtsausdruck entschlossen, er ist böse, weil ich nicht nachgebe. Siegessicher beugt er sich hinunter und setzt am Knie mit einer Kette von Küssen an, die sich Stück für Stück nach oben zieht und ein loderndes Feuer in mir auslöst. Noch drei Zentimeter . . . ich kralle meine Finger in die Matratze, presse den Kopf in den Nacken . . . noch Zwei. . ich spüre ihn lächeln . . . noch einer. Er richtet sich abrupt auf und gibt mir ein Küsschen auf den Mund. „Zieh dir was an Schatz, wir wollen noch einen trinken gehen.“ Mit diesen Worten steigt er vom Bett und verlässt grinsend den Raum, lässt mich allein.

Chapter 27

Kaja trottete mit beleidigtem Gesichtsausdruck neben Sofie her über den Parkplatz, hinter ihnen die vier Jungs, die angeregt über irgendwelchen belanglosen Kram diskutierten. Sie wollte gerade die Tür aufsperren, als Lauri sie von hinten an den Hüften packte und zu sich umdrehte. „Bist du böse auf mich?“ fragte er mit einem verschmitzen Grinsen auf den Lippen. Eigentlich hatte sie sich vorgenommen, ihn eine Weile schmoren zu lassen, aber seinem Lachen hatte sie noch nie wieder widerstehen können. „Ja, du kleiner, mieser Widerling. Ich hasse dich jetzt.“ erwiderte sie und zog belustigt eine Augenbraue nach oben. „Na dann.“ Er war gerade im Begriff sie zu küssen als vom Rücksitz ein quengelndes Quäken kam. „Man, nehmt euch n Zimmer, oder steigt endlich ein.“ Krähte Aki und verschränkte die Arme vor der Brust. „Wir haben doch schon n Zimmer . . .“ „ . . . oder zwei . . .“ „ . . . oder drei.“ Der Drummer rollte genervt mit den Augen und zeigte wortlos auf den Fahrersitz, auf den sich Kaja kichernd fallen ließ. „Ihr beide seid echt dermaßen kindisch! Erst muss man Angst haben, dass ihr euch die Köpfe einschlagt und dann mit Gewalt auseinander zerren.“ „Wir sind eben impulsiv.“ „Sehr impulsiv . . .“ Er sprang gekonnt auf den Beifahrersitz und knurrte ihr anzüglich ins Ohr. „Gib Gas, Schätzchen, vielleicht kühlt er dann wieder ein bisschen ab.“

Die sechs verbrachten den Abend in einer kleinen Kneipe am Rande der Stadt und waren allesamt ziemlich angeheitert, als sie den Pub verließen. Alle außer Eero, der nahm Kaja kopfschüttelnd die Schlüssel aus der Hand und setzte sich ans Steuer. Aki nahm neben ihm Platz und lallte während der Fahrt irgendetwas über seine Lieblingsdrumsticks, die ihm ein kleines, gemeines Mädchen abgenommen hatte, als er noch zur Grundschule ging. Er war schon beinahe am heulen, als Eero eine glatte Vollbremsung hinlegte und sich nach hinten umdrehte. „Kaja und Lauri, könntet ihr bitte aufhören euch da hinten aufzufressen? Das nervt!“ „Aba, aba . . .“ „Nix aber, so besoffen wie ihr seid, solltet ihr eigentlich gar nicht mehr auf die Party im Hotel gehen.“ Er legte genervt den Gang wieder ein und fuhr weiter. „Ich hab ja die Partüüüü ganz vergessen.“ „Jeps, da geh wia hin, nich Darling?“ „Yeah, solang ich K . . .K .. .du, wie heiß ich eigentlisch?“ „Mhm, keene Ahnung . . .ah gucke mal, wir sin da!“

Lauris Alkoholspiegel war mittlerweile auf ein finnisches Normalmaß gesunken, da die Jungs in der Lobby ihrem Manager über den Weg gelaufen waren, der sie leicht verärgert zur Abstinenz ermahnt hatte.
Suchend blickte er sich um, konnte Kaja jedoch nirgends sehen. Er durchstreifte den Raum jetzt bereits zum dritten Mal, als ihm ein kleiner Durchgang ganz hinten in der Ecke auffiel. Er dachte nicht lange nach sondern schnappte sich seine Cola und verschwand in den Nebenraum. Der Rauch der ihm entgegenschlug trieb ihm die Tränen in die Augen und er musste blinzeln um überhaupt etwas sehen zu können. Schemenhaft konnte er die Umrisse von einigen Gestalten ausmachen, die auf dem Boden saßen und sich leise unterhielten. Niemand schien Notiz von ihm zu nehmen, obwohl sich nicht viele Menschen im Raum befanden. Verwirrt trat er einige Schritte nach vorne und konnte plötzlich ein paar schwarze Haare durch den Dunst erkennen. Zielstrebig ließ er sich neben Kaja nieder und wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht herum, bis sie ihn mit verklärtem Blick ansah. „Hallo Lauri, mein Freund.“ „ Was zum Teufel treibst du hier?“ zischte er leise und musste sie schütteln, damit sie überhaupt auf ihn achtete. „Wir rauchen . . .“ antwortete sie verträumt und sah an die Decke, als ob dort tausende von Sternen funkeln würden. „Das sind aber keine normalen Zigaretten!“ „Das is besser, viel besser . . .“ sie wiegte ihren Oberkörper leicht hin und her, begann plötzlich wieder zu lächeln. „Komm mit, ich bring dich hoch.“ Sein Blick schweifte über die handvoll anderer Leute, die auf dem Boden saßen und teilweise noch verklärter wirkten als Kaja. „Nein . . . es is grad so schön . . .“ „Es is illegal, was ihr hier macht!“ „Oh, das kann nich sein . . .“ „Kaja, bitte.“ „Probier doch mal . . .“ sie reichte ihm ihre leere Hand, der angekokelte Joint lag vor ihr auf den Boden. „Nein, komm jetzt . . .“ „Lass mich doch . . .“ Sie lächelte wieder und summte vor sich hin. „Kaja!“ „ Ich liebe dich . . .“ Ihr Kopf schmiegte sich an seine Schulter während sie vorsichtig mit seiner Hand spielte. „Man, du bist ja total bekifft.“ „Ich bin doch nur glücklich. . .“ Die säuselnde Stimme, mit der sie sprach machte ihm Angst. „Was muss ich tun, damit du mitkommst?“ fragte er verzweifelt und fühlte die benebelnde Wirkung in seinem Körper, die der milchige Dunst auslöste. „Zieh . . .“ Diesmal hielt sie tatsächlich den Joint in der Hand. Wenn jemand in diesem Raum nüchtern gewesen wäre, hätte er bestimmt Lauris Hirn rattern sehen. Sorgfältig wägte er das pro und kontra ab, nahm ihr schließlich den Joint aus der Hand und nahm einen kurzen Zug. Sofort begannen sich die Wände zu drehen und er drohte in eine Art Trancezustand zu rutschen. Erschrocken packte er Kajas Arm und zog sie mit sich aus dem Raum, was sie erstaunlich bereitwillig mit sich geschehen ließ. „Sag mal hast du sie noch alle?“ fragte er wütend, als er sie die Treppe vor sich her hinauf schob. „Ich liebe dich . . .“ „Ich wünschte, du würdest das sagen, wenn du clean bist.“ „Oh, Lauri, die Welt ist so. ...“ „Schön? Das hast du eben schon dreimal gesagt.“ „Jaaaaaaaa . . .“ Er kramte in ihrer Hosentasche und fand Gott sei Dank dort ihren Zimmerschlüssel. Er steckte ihn ins Schloss, drehte, die Tür sprang auf. Erschöpft beförderte er sie aufs Bett und beugte sich über sie. „Ich komm gleich wieder, du bleibst schön hier und rührst dich nicht vom Fleck, verstanden?“ „ Du hast ja schwarze Haare, Lauri . . .“ „Ach echt? Gut zu wissen. Ich werte das mal als ja. Also: bleib hier.“ Er wandte sich ab und verließ das Zimmer, um Aki holen zu gehen.

„Die kiffen? Hier im Hotel? Goil . . .“ Aki schüttelt grinsend den Kopf und folgte Lauri nach oben. „Das is überhaupt nicht witzig! Sie war so . . .“ „Bekifft?“ „Naja, schon.“ „Oh Mann, das will ich sehn.“ Er sprang die letzten paar Stufen hinauf und bog nach rechts in den Gang ein. Lauri packte ihn verärgert an der Schulter und zog ihn zurück. „Ich wollte eigentlich, dass du mir hilfst, sie von dem Trip runterzukriegen und nicht dass du sie wieder mit nach unten nimmst und dort n paar Joints mit ihr drehst, alter!“ „Ja, is ja gut. Ich dachte nur . . . ich mein, ich hab das noch nie ausprobiert. Du?“ „Ne.“ „Vielleicht isses ja wirklich so krass.“ Aki legte sinnierend den Kopf in den Nacken. „Nix da, bei The Rasmus wird nicht gekifft. Und wenn die Kleine da drin wieder aufm Boden is, werd ich ihr mal was erzählen.“ Er verpasste seinem Kumpel einen Schlag auf den Hinterkopf und öffnete vorsichtig Kajas Zimmertür. Erschrocken verharrte er im Rahmen und fühlte Angst in sich aufsteigen.

Chapter 28

„Toll, verarschen kann ich mich selber, Lintu.“ „Aber . . .“ „Nix aber, guter Scherz, aber ich geh jetzt wieder runter, vielleicht treff ich ja das Mäuschen irgendwo.“ „Aki!“ Fassungslos starrte er ihm hinterher, als er zurück zu Treppe schlenderte. „Jaja, ich lach später, bis dann Alter.“ Nachdenklich betrat Lauri den dunklen Raum und sah sich suchend um. Sie war wie vom Erdboden verschwunden. Er ging ins Bad, auf den Balkon, sah sogar in den Schrank, doch sie war nicht hier. Unschlüssig, was er jetzt tun sollte, verließ er das Zimmer und tappte hinunter in den ersten Stock. Gerade wollte er die letzten Stufen ins Erdgeschoss nehmen, als eine Tür aufging und eine immer noch leicht beduselte Kaja heraus taumelte. Sie starrte ihn erschrocken an schloss schnell die Tür hinter sich. „Was zum Teufel machst du hier, ich hab mir Sorgen gemacht.“ Sagte er verärgert, dann fiel sein Blick auf das kleine Schildchen, dass neben der Tür hing. Schlagartig verfinsterte sich sein Gesichtsausdruck, Wut stieg in ihm auf. „Lauri, ich war bei Miguel weil, weil . . .“ „Weil er dicke Eier hatte, meinst du das?“ „Nein, Lauri, ich . . .“ plötzlich fiel ihr der kleine Gegenstand ein, den sie hinter ihrem Rücken versteckte. Blitzschnell schnellte ihre Hand vor und ließ ihn in ihren Ausschnitt gleiten. Inständig betete sie, dass sie genug Vorbau hatte, damit er nicht herausrutschte. „Was hast du da?“ „Gar nix.“ „Seit wann hast du dann Hügel auf den Titten?“ „Das geht dich gar nix an.“ „Ach nein?“ Fester als beabsichtigt packte er sie an den Armen und presste sie gegen die Wand. „Weißt du Kaja, schlimm genug, dass du kiffst, nein du musst auch noch irgendwelche Tabletten schlucken.“ „Das ist doch gar nicht wahr.“ Erwiderte sie mit einem Anflug von Verzweiflung in der Stimme und versuchte sich erfolglos sich aus seinem Klammergriff zu befreien. „Und was ist das?“ Mit zwei Fingern fischte er das dünne Plättchen mit den Tabletten aus ihrem BH und hielt es ihr vor die Nase. „Hustenstiller, meine Erkältung.“ „Du kotzt mich an.“ Er stieß sich mit versteinertem Gesicht von ihr ab und starrte sie an. „ Dieses scheiß Zeug ist dir also wichtiger als ich, ja?“ „Lauri . ..“ „Halt gefälligst die Fresse, wenn ich mit dir rede!“ Seine Augen glitzerten vor Feuchtigkeit, als er sie anschrie. „Es ist dir scheißegal, dass du mit diesem Arschloch vögeln musst um an den Stoff zu kommen und es ist dir scheißegal wies mir dabei geht wenn du dich von andern Kerlen durchnehmen lässt!“ „Lauri, bitte, ich . . .“ Er lachte höhnisch auf. „ Von wegen dein Job . . . alles nur wegen diesem abgefuckten Zeug! Wenns dir wichtiger ist als ich, bitte! Du kannst mir ja n Video davon schicken wie du gleichzeitig kiffst und irgend sonem Dealer einen bläst.“ „Bitte . . .“ „Halt die Klappe!“ Aus den Augenwinkeln sah sie noch, wie er ausholte, im nächsten Moment wurde ihr schwarz vor Augen und sie wurde von der Wucht des Schlags zu Boden geschleudert. Heulend blieb sie dort zusammengekauert hocken, während er wütend davon stampfte. Die Tränen liefen in Sturzbächen über ihre Wangen, sie konnte sich nicht zusammenreißen, war noch zu sensibel von der Droge. Sie saß immer noch so auf dem Boden, als sich die Tür erneut öffnete und Miguel heraustrat. Vorsichtig hob sie den Kopf und sah ihn ausdruckslos an. „Oh, ist dein kleiner Freund böse geworden?“ Sie gab ein leises Schluchzen von sich. „Das ist eben der Preis, Baby.“ Erwiderte er grinsend, schloss die Tür am und ging pfeifend davon.

Nach einigen Minuten, die ihr wie Stunden vorkamen, quälte sich Kaja schwerfällig wieder auf die Füße und schlich hinauf in ihr Zimmer. Sie machte sich nicht die Mühe, das Licht anzuschalten sondern tappte hinaus auf den Balkon. Ausdruckslos starrte sie den Mond an, der sich wie eine helle Scheibe vom dunklen Nachthimmel abzeichnete. Er schien so nah und war doch so weit fort. Die Sterne funkelten im Gegensatz zu ihm wie kleine Glühwürmchen, scharten sich um ihn, umspielten ihn mit ihrem glitzernden Leuchten. Langsam zogen dünne Wolken auf, schoben sich kurz vor den hellen Planeten, lösten sich wieder auf und verschwanden im Nichts. Kaja fühlte sich, als ob man ihr sämtliche Gefühle aus dem Kopf geprügelt hätte. Sie stand einfach nur da und starrte in den Himmel, ihre Hände umklammerten das kalte Metall der Brüstung. Wo früher ihre Seele gewesen war, schien jetzt ein einziges schwarzes Loch zu sein, dass jede emotionale Regung in ihr erbarmungslos erstickte. Sie konnte keine Traurigkeit, keine Wut, rein gar nichts fühlen. Nur diese kalte Schwärze, die sich in ihr auszubreiten drohte. Es schien ihr wie eine schreckliche Qual sich bewegen zu müssen, deshalb umklammerte sie das Geländer weiter, obwohl die nächtliche Kälte ihre Haut bereits blau färbte. Sie dachte an die Nähe, an die Wärme, die er ihr jetzt hätte geben können. Doch er war nicht hier, er würde nie wider hier sein, mit ihr sprechen, sie berühren und ihr Halt geben. Sie hatte es verdorben, so wie sie alles Glück, dass sie bisher in ihrem Leben erfahren hatte, verdorben hatte.
Der Wind frischte auf, schickte seinen kalten Atem über die Lande und ließ ihren geschwächten Körper erzittern. Einzelne Strähnen ihres schwarzen Haares verwickelten sich ineinander, wiegten sich in der Böe auf und ab, nur um dann schließlich wieder schlapp auf ihre Schultern zurückzufallen. Ihre Wangen brannten, nicht nur von der beisenden Kälte des Sommerwindes.
Kaja wusste nicht, dass er nur drei Zimmer weiter auf seinem Bett lag und den Geräuschen der Party lauschte. Er konnte einfach nicht begreifen, was sie getan hatte und warum er so naiv gewesen war, ihr zu vertrauen. Langsam stellte sich die Gewissheit ein, die Gewissheit, dass er ihr nichts bedeutet hatte und nur ein kleiner Zeitvertreib gewesen war. Wie hatte er nur so dumm sein können? Warum war nicht einfach alles so geblieben, wie es gewesen war? Er hätte sie beleidigen, niedermachen, anschreien können, ohne diesen Stich in der Brust fühlen zu müssen.
Er hatte sie geschlagen . . . für einen kurzen Moment hatte ihn der seelische Schmerz übermannt und gefühllos werden lassen. Immer wieder sah er dieses Bild, wie sie vor ihm auf den Boden kauerte, ihr Körper zitternd, die Hände vors Gesicht geschlagen. Klein und schwach, zu Boden gebracht von jemandem, der sie liebte.

Chapter 29

Am nächsten Morgen schlich Kaja mit leerem Blick neben Sofie her, die fröhlich plappernd durch die Lobby schlenderte. Sie hatte das Gefühl, dass sie jeden Moment Lauri über den Weg laufen konnte und wurde fast wahnsinnig davon. Doch es war nicht er, der plötzlich mit ernstem Gesichtsausdruck auf sie zugesteuert kam und sie in eine ruhige Ecke drängte. Angie legte ihr fest die Hände auf die Schultern und sah sie eindringlich an. „Ich weiß nicht, was du getan hast, aber diesmal bist du zu weit gegangen. Lauri hat mir gerade unmissverständlich klargemacht, dass er keine weitere Zusammenarbeit mit dir wünscht, Ich hoffe, du bist dir bewusst, was das für dich bedeutet?“ Kaja schluckte und nickt unmerklich. „Gut. In jedem Fall hättest du fliegen müssen, aber unser lieber Herr Geschäftsführer scheint ja letzte nacht so gut gefickt zu haben, dass er zu gute Laune hat, um dich rauszuwerfen. Dein Glück, und jetzt geh.“ Sie wandte sich abrupt ab und setzte ihr Profilächeln auf, als sie sich wieder zur Lobby umdrehte. Die junge Frau spürte die Tränen in sich aufsteigen und biss sich verzweifelt auf die Lippe, um sie noch ein paar Minuten zurückzuhalten. Sie konnte Blut schmecken und war noch nichteinmal an der Treppe angekommen, als sie plötzlich anfing zu rennen und dabei fast Aki umriss , der gerade nach unten sprang. Grinsend packte er sie an den Schultern und drehte sie zu sich um. „Na, wieder mal verschlafen?“ Sie gab nur ein Schluchzen von sich, und ließ sich die Haare vors Gesicht fallen. „Hey, Stress mit klein Lintu? Soll ich ihm seinen Teddy wegnehmen?“ Besorgt strich er ihr eine Strähne hinters Ohr und hob ihr Kinn leicht an. „Angie . . . wollte mich rausschmeißen.“ „Hat sie aber nicht, oder?“ „Nein . . .“ „Na siehst du. Und wenn sies doch tut, nehm ich eben ihr den Teddy weg, ok?“ Kaja nickte unmerklich und betete zu Gott, dass er endlich verschwinden würde. In jeder anderen Situation hätte sie sich über einen so netten, gefühlvollen Aki gefreut, aber im Moment war ihr alles egal, sie wollte einfach nur alleine sein. „Kommst du mit runter?“ Sie schüttelte mit dem Kopf und sah ihn flehend an. „Okay, aber mach keine Dummheiten.“ Dummheiten? Dachte er etwa, dass sie sich umbringen wollte? Keine schlechte Idee eigentlich. . . Er gab ihr noch einen aufmunternden Klaps auf die Schulter und sprang die restlichen Stufen nach unten ins Erdgeschoss.

„Hey Alter! Was machst du denn hier? Warum bist du nicht bei deinem Schatz und tröstest sie?“ „Trösten?“ brummte er gelangweilt zurück und starrte an die Wand auf der gegenüberliegenden Seite der großen Empfangshalle. „Na ja, Angie wollte sie rausschmeißen. Sie is total down.“ Ein Anflug von schlechtem Gewissen machte sich plötzlich in ihm breit, räumte aber schnell wieder das Feld, als er daran dachte, dass sie vielleicht gerade noch mal mit dieser widerlichen Spaghettifresse ins Bett stieg, um den Job nicht doch zu verlieren. „Aha.“ „Sag mal, habt ihr nicht vielleicht doch Stress . . .“ Am liebsten hätte er ihm die Wahrheit ins Gesicht gebrüllt und sich sofort in einen Flieger nach Thailand gesetzt, um Janne im Busch zu besuchen und ein wenig allein zu sein. Aber er musste ja noch dieses verdammte Video fertig drehen. Heute war der letzte Drehtag, danach noch einige Fotoshootings und dann endlich zwei Wochen Urlaub. Lauri beherrschte sich und nuschelte irgendetwas von müde und Kopfschmerzen, damit Aki ihn endlich in Ruhe ließ. Schließlich war auch der Rest der band in der Vorhalle angekommen und er konnte sich hinten in dem kleinen Minibus verkriechen.

Kaja rannte derweilen die restlichen Stufen hinauf in den zweiten Stock und blieb kurz stehen, um auf die angenehme Still im Hotelgebäude zu lauschen. In ihrem Zimmer blieb sie nur kurz, grapschte sich ein Sweatshirt und ihren Discman und machte sich wieder auf den Weg nach unten.
Langsam schlenderte sie die staubige Landstraße entlang, die zum Ring führte. Die Sonne brannte schon jetzt am frühen Morgen erbarmungslos vom Himmel herab und ließ alles Leben langsam verdorren. Das Gefühl der Einsamkeit lag ihr wie ein schwerer Klumpen im Magen, der stetig größer wurde, egal ob sie Gedanken an ihn verschwendete oder versuchte, sie zu unterdrücken. Sie dachte daran, wie ihr Tag wohl gewesen wäre, wenn sie sich nicht auf die dumme Idee mit der Kifferei eingelassen, schon in der Kneipe nicht getrunken hätte. Vielleicht würde sie jetzt mit Lauri am Set um die letzte eisgekühlte Coladose kämpfen, oder ihm dabei zusehen, wie er ihm Wasser den Clown für sie machte. Abends . . . sie legte den Kopf in den Nacken und versuchte angestrengt, nicht weiter zu denken. Sie brauchte einen Ort, an dem es kühl war, wo sie nicht ständig an das Glück und den Spaß denken müsste, den sie jetzt haben könnte. Einen Ort, an dem sie sich bis auf die letzte Träne leer weinen, allein sein und sich selbst bemitleiden konnte. Zielstrebig richtete sie den Blick nach vorne und lief an der Rennstrecke vorbei und bemühte sich, die vertrauten Geräusche des Sets zu ignorieren.
Nach ein halben Stunde hatte sie endlich das gefunden, was sie gesucht hatte. Ein kleiner Bach, der sich am Waldrand entlang schlängelte und von hohen ,schlanken Birken umsäumt war, deren Blätterdach einen angenehmen Schatten spendete. Seufzend ließ sich dort nieder und lehnte den Rücken an den Stamm einer der mächtigen Bäume. „Wenigstens kann ich mich hier gleich selbst ertränken.“ murmelte sie und steckte sich die Stöpsel in die Ohren. Im nächsten Moment erschallten die ersten Takte von Marylin Mansons „This is the new Shit“ und beseitigten jedes Gefühl aus ihrem verwirrten Herz.

Chapter 30

Kaja öffnete die Augen und spürte sofort die beisende Kälte, die an ihr hoch kroch. Es dämmerte bereits und der Discman hatte sich längst selbst abgeschalten. Leicht verwirrt sah sie sich um, sah den dunkler werdenden Wald hinter sich und hörte die leisen Geräusche der Nacht wie ein unheimliches Flüstern. Mit einem mulmigen Gefühl raffte sie ihr Zeug zusammen und eilte so schnell wie möglich zurück zur Landstraße. Dort angekommen atmete sie ersteinmal tief durch und ließ den Blick über den orangeroten Horizont gleiten, von dem sich der Ring dunkel und klobig abzeichnete. Verträumt sah sie den Wolken zu, wie sie sich langsam verfärbten und die Formen wechselten. Sie glaubte Schafe, Bierfalschen und sogar Handys gesehen zu haben, als die Kälte sie daran erinnerte, wie spät es doch geworden war. Dankbar zog sie sich den pulli über den Kopf und fing im nächsten Moment plötzlich wieder an zu zittern. Es war Lauris Shirt, dass sie in der Eile mitgenommen hatte. Es roch eindeutig nach ihm, der Mischung aus Aftershave, kaltem Rauch, Wärme und Geborgenheit, die die Gefühle in ihr wieder zum Aufwallen brachte. Unschlüssig darüber, ob sie ihn anbehalten sollt, krallte sie die Fingernägel tief in den dunklen Stoff des Pullovers und schluchzte verhaltend. Einerseits fühlte er sich wie Gift an, der ihr Herz wieder zu weinen brachte, andererseits erinnerte er sie an soviel Schönes . . . Plötzlich fasste sie einen Entschluss: er sollte keinen Einfluss mehr auf ihr Leben, auf ihre Gefühle haben dürfen, er sollte sie einfach nur in Ruhe lassen. Gut, sie brauchte die Drogen, sie war abhängig, aber die Tabletten enttäuschten sie niemals. Egal, was sie dafür tun musste, sie würde stark sein, sie würde allein sein, das wusste sie, aber so würde sie niemals mehr Gefahr laufen jemanden verletzen, bzw. verletzt zu werden. Sie ballte die Fäuste und hob den Kopf zum Himmel empor und atmete tief durch, versuchte ihren zitternden Körper unter Kontrolle zu bringen. „Siehst du, ich brauche dich nicht, ich brauche niemanden, lass mich einfach allein sein. Irgendwo alleine sterben, niemand wird mich vermissen. Wie wärs mit ner Überdosis? Das passt doch zu mir, oder?“ Sie schluckte, fühlte Tränen in sich aufsteigen, wurde wütend über sich selbst, dass sie nicht stark genug war um es zu ertragen. Plötzlich gaben ihre Beine unter ihr nach und sie schlug dumpf auf dem harten Teer auf. Schluchzend streckte sie die Arme aus und schmiegte sich an den warmen Boden, der die Hitze des Tages langsam an sie abgab. Ihre Tränen zerflossen, versickerten langsam oder verdampften, um mit dem lauen Sommerwind davongetragen zu werden.
Schließlich raffte sie sich doch noch auf und trottete zurück in Richtung Hotel, überlegte sich, wie viel hundert Leute sie dort angaffen würden. „Verdammte Scheiße!“ Mit einem scheppernden Geräusch zerprang der Discman in tausend Einzelteile, die sich großflächig in der näheren Umgebung verteilten. Im nächsten Moment bereute sie ihr unkontrolliertes Handeln und kämpfte gegen den nächsten Heulkrampf, der sie zu übermannen drohte. Mittlerweile war es vollständig dunkel geworden, nur am Horizont zeichnete sich noch ein dunkelblauer Streifen ab. Die Dunkelheit hinter ihr trieb sie zu einem schnelleren Schritt an, zu dem ihr ausgezehrter Körper nicht mehr fähig war, das sie seit über 12 Stunden weder etwas gegessen noch getrunken hatte. Gleichgültig geworden ließ sie sich nach vorne kippen und wartete auf den nächsten Aufprall. „Ich hab dich gesucht.“ Erstaunt hob sie den Blick und sah, wie sich seine dunkle Silhouette vom sternenklaren Nachthimmel abzeichnete. Zwei kräftige Arme stemmten sie wieder auf die Beine und hielten sie fest. „Kaja, geht’s dir gut?“ „Lass mich, bitte.“ Sagt sie leise, machte aber keine Anstalten, sich aus seinem Griff zu befreien. „Kaja, warum tust du mir andauernd so verdammt weh?“ „Ich will das doch alles gar nicht.“ „Warum tust dus dann?“ „Siehst du . . . mein Leben war eigentlich immer scheiße, und ich hab das Zeug eben gebraucht . . . und dann kommst du daher und mir geht’s gut, aber mein Körper . . . ich weiß es ja selbst nicht. Lass mich doch einfach und werd glücklich, ich mein das ernst.“ Er sah sie kurz an, zog sie dann an sich und schloss die Arme fest um ihren Rücken. „Ich brauch dich Kaja, ich kann dich nicht einfach austauschen, verstehst du?“ „Aber, ich . . .“ „Lass uns zurückgehen, du frierst ja. Wir können später immernoch reden.“ „Lauri, ich kann nicht mehr, ich halt das nicht mehr aus.“ Sie unterdrückte verzweifelt ein Zittern und versuchte sich aus seinem Griff zu befreien. „Shht, wird schon.“ „Nein, gar nix wird. Ich hab dir wehgetan und ich werds wieder tun, ich weiß das!“ „Meinst du nicht, dass wir das schaffen könnten?“ Er lockerte seine Arme ein wenig, ließ sie jedoch nicht los. „Ich hab doch schon Probleme mein eigenes Leben auf die Reihe zu kriegen.“ „Hab ich keinen Platz in deinem Leben?“ „Lauri, du verstehst nicht.“ Sie wandte ihren Blick ab und starrte in die tiefe Schwärze, die sich hinter seinem Rücken ausbreitete. „Doch, ich versteh schon, Kaja. Du läufst ständig nur davon, du willst keine Verantwortung übernehmen, lieber bleibst du allein und ruinierst dich selbst.“ erwiderte er mit fester Stimme und zwang sie, ihm in die Augen zu sehen. „Lauri . . .“ „Lass mich nicht allein, Kaja, lass mich bitte nicht allein.“ „Warum läufst du mir hinterher? Lass mich doch einfach in Ruhe . . . so wie heute Morgen.“ Sagte sie leise und starrte auf sein Shirt. Am liebsten hätte sie aufgegeben und sich in seine Arme fallen lassen, stattdessen zwang sie sich zur Selbstbeherrschung und schenkte ihm nur einen kühlen Blick. „Ich musste nachdenken.“ Er sah sie verzweifelt an und griff nach ihrer Hand, die schlapp an ihrer Seite hinabhing. Schnell zog sie sie weg und sah weiterhin an ihm vorbei. „Kennst du what ever?“ „Nein, wieso sollte ich?“ Natürlich kannte sie diesen Song . . . „So fühl ich mich grad, weißt du?“ „Aha.“ Vor wenigen Minuten hatte sie sich noch gewünscht, dass er wäre hier und ihr Halt geben würde, doch jetzt wollte sie ihn einfach nur noch loswerden und allein sein, in Selbstmitleid versinken. „Kaja, es tut mir leid, dass ich dich geschlagen habe.“ Diesmal bekam er ihre Hand zu fassen und küsste sie vorsichtig. „Vielleicht hab ich das gebraucht.“ „Kaja . . .“ Sie wünschte, er würde aufhören, andauernd ihren Namen zu wiederholen und endlich verschwinden. „Warum ich, warum lässt du mich nicht einfach?“ Nicht heulen, nur nicht losflennen. . . „Weil ich dich liebe, vielleicht.“ Sagte er leise und strich vorsichtig mit dem Daumen über ihren Handrücken. „ Toll, jetzt kann ich nicht mehr einfach weglaufen.“ Sie lachte verbittert auf und sah ihm in die Augen. „Ist doch gut, dann kann ich dich mitnehmen.“ „Lauri, das ist doch alles verrückt.“ „It´s madness, ich weiß.“ „Und jetzt?“ „Gehen wir zurück.“ „Und dann?“ „Lass uns noch mal neu anfangen . . . scheiße, klingt das abgedroschen.“ „Stimmt. Lauri?“ „Mhm?“ Langsam schlenderten sie die dunkle Straße entlang, unsicher, als ob sie sich gerade zum ersten Mal getroffen hätten. „Ich liebe dich.“ „Komm her.“ Lächelnd zog er sie an sich und schob seine Hand ein Stückchen unter ihren Pulli, sodass er ihre erhitzte Haut spüren konnte. Sein liebevoller Blick zauberte wieder ein Lächeln auf ihr Gesicht, das im Mondschein bleich schimmerte. Lauri fühlte sich, als müsste er explodieren, als er ihre Lippen spürte, wie sie sanft gegen seine stießen und sich vorsichtig öffneten. Er spürte ihre Hand in seinem Nacken, ihre Hüfte, die sich sanft an seine schmiegte. Sie hatte ihre Hände leicht auf seine Oberarme gelegt, doch plötzlich verstärkte sie den Griff, krallte sich fast an ihm fest und schloss die Augen. Erschrocken packte er sie an den Hüften und hielt sie fest, während sie tief durchatmete und die Augen wieder aufschlug. Ihre Beine zitterten immer noch, als sie beschämt die Hände von seinen Armen nahm und zu Boden sah. „Geht’s wieder?“ Langsam machte er sich wirklich Sorgen um sie, niemals zuvor hatte er das Gefühl gehabt, ihr helfen, sie beschützen zu müssen. Doch jetzt, als das Mondlicht dunkle Schatten auf ihr Gesicht warf, wirkte sie klein, fast hilflos. „Ja, ich . .. hab heut noch nichts gegessen, glaub ich.“ „Soll Onkel Lauri dir im Tourbus ne leckre Trockensuppe anrühren?“ „Ihr habt euren Tourbus hier?“ Ihre Augen leuchteten ein wenig auf, als sie ihn fragen ansah. „Ja, aber pshhhhhhht! Mike hat uns fast aufgehängt, als wir darauf bestanden haben, dass er mitkommt.“ „Aber ihr seid doch geflogen . . . und wohnt im Hotel.“ „Eben . . . Komm jetzt, sonst klappst du mir hier noch zusammen.“ „Ja, und vor lauter Schreck vergisst du dann, wo das Hotel ist und rennst in den Wald.“ „Ja, ja, und schon wieder frech werden. Ich schmeiß dich gern noch mal in den Pool.“ „Und dann werden wir wieder krank . . .“ „ . . und dann geht alles wieder von vorne los.“ Sagte er nachdenklich und legte vorsichtig den Arm um ihre Schulter. „Is doch gut . . .“ sie lugte aus den Augenwinkeln zu ihm hinüber und versuchte das aufsteigende Zittern in ihren Beinen zu unterdrücken, währen sie eines vor das andere setzte. „Weißt du, was Aki heute zu mir gesagt hat?“ „Nein, aber du wirsts mir bestimmt gleich sagen.“ „Stimmt.“ Er lachte leise. „Er hat gesagt, dass er keinen Bock mehr darauf hat, alles zu vögeln, was nicht bei drei auf den Bäumen is.“ „Hö? Hat er sich in zwanzig Jahren mit nem abge . . .ach lassen wir das.“ „Ich weiß nich, ich glaub, der is verknallt.“ „In Sofie?“ „Keine Ahnung . .. da, den Feldweg entlang.“ „Am Wald? Ich will nicht in den Wald . . .“ „ Ach komm, ich bin doch da.“ „Meinst du, die wilden Satanisten, die da rumlaufen, lassen mich dann in Ruhe?“ „Wilde Satanisten? Ich glaub, du brauchst wirklich was zu essen.“ „Ja, glaub ich auch . . . siehst du den Hobbit davorne? Ah, und da is Aika!“ „Is das nich diese Anime-tussi mit den schwabbeligen Titten?“ „Ja, die leuchten im Dunkeln.“ „Ah, ja, mhm. Hier rechts.“ Er dirigierte sie geschickt in die richtige Richtung und schloss wenig später die Tür des großen Busses auf, der gut versteckt auf einem Waldweg stand. „Hier bist du also immer, wenn ich dich su . . .“ weiter kam sie nicht, denn sie blieb plötzlich mit Fuß hängen und stolperte gegen Lauri, der das Gleichgewicht verlor und nach hinten umkippte. Nach ein paar Schrecksekunden öffnete Kaja die Augen und fand sich auf seinem Bauch liegend wieder. Er grinste ziemlich versaut und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht. „Wir haben zwölf Betten dahinten zur Auswahl, oder hältst dus nicht mehr solange aus?“ „Pffft, ich geb dir gleich. Wolltest du mit nicht was kochen?“ „Wir können auch Pizza bestellen, aber ich bin mir nicht sicher, ob der Typ das dann auch findet.“ „Mhm, wir könnten auch den Bus kapern und zu Tanke fahren.“ „Du und nen Bus fahren? Die armen Bäume . . .“ „Wenigstens weiß ich, wo das Gaspedal ist, Schlumpfi.“ Sie rappelte sich wieder auf und klopfte sich den imaginären Staub von den Klamotten. Lauri blieb liegen und verschränkte grinsend die Arme hinter dem Kopf. „Ist das nicht mein Pulli?“ „Ich kann ihn ja ausziehen, wenn du willst.“ „Uh, da wär ich nicht abgeneigt, du darfst sogar noch mehr loswerden, Cutie.“ „Komm, ab mit dir in die Küche!“ Sie stemmte den Arm in die Hüfte und zeigte mit der anderen in Richtung Bordküche. Maulend erhob er sich und setzte seinen Dackelblick auf, während er die Hände auf ihre Schultern legte. „Ich hab doch gra nix da, Süße.“ „Jaja, erst Versprechungen machen . . . kannst du nicht Aki oder so anrufen, dass die rüberkommen und was mitbringen?“ „Mhm, gute Idee. Dann musst du mir nur noch dein Handy geben.“ „Hä, wieso? Du hast deins doch immer dabei.“ „Mhm . . .dreimal falscher Pin.“ „Ach du . . .“Sie verpasste ihm einen leichten Klaps auf den Hinterkopf und kramte ihr Handy aus der Hosentasche hervor. „Aua, olle Schlägerin.“ Grummelte er und nahm ihr das Telefon aus der Hand. „Tschuldigung, ich dachte nur, das fördert dein Denkvermögen.“ „Bäh, du mich auch.“ Erwiderte er und wandte sich beleidigt ab um Akis Nummer zu wählen, die er sich sicherheitshalber neben sein Tatoo geschrieben hatte. Kaja beobachtete ihn kurz, rutschte dann näher an ihn heran und schlang die Arme um seinen Bauch, während sie ihr Kinn auf seiner Schulter abstützte. Lauri hielt sich teilnahmslos das Handy ans Ohr und lauschte dem regelmäßigen Tuten. Zärtlich stupste sie mit der Nase gegen seinen Hals und spielte mit den Fingern an seinem T-Shirt herum. „Pf, geb dir keine Mühe, du hasts ma wieder verschissen.“ „Ach komm schon . . .“ Sie rutschte noch ein wenig näher an ihn heran und presste ihre Wange an seine. „Ja, is ja gut, ich hab dich auch furchtbar lieb . . . hey, Aki, hast du ma kurz Zeit?“ „Ach, der Herr redet also wieder mit mir? Was hattest du heute Morgen? Deine Tage?“ „Ach ne, lass ma. Mir gings halt scheiße . . .“ Ein Schlag mit dem Zaunpfosten. „ . . . könntest du Pizza auftreiben? Und die andern?“ Er sah Kaja fragend an. Sie nickte und streichelte sanft über seine Hand. „Hö? Was gehtn mit dir schon wieder?“ „Wir hocken hier grad im Tourbus und haben Hunger.“ „Ihr? Ach ja, hätt ich mir ja denken können . . . klar, kann ich machen, aber keine Orgien, okay?“ „Ne, ne, die machen wir ohne euch . . . Aua!“ „Na dann ma viel Spaß, bis gleich.“ „Tschö, Hattu.“ Er beendete das Gespräch und warf ihr Handy aufs Sofa und drehte sich zu ihr um. „So, das hätten wir. Inner halben Stunde sind sie da.“ „Ne halbe Stunde . . .“ „Ne halbe Stunde.“ „Warum hast du mein Handy in die Ecke gepfeffert?“ „Damit du niemanden zu Hilfe rufen kannst, wenn ich dich tot knutsche.“ „Du willst nen Battle? Na komm nur her.“ Mit düsterem Blick drängte er sie bis in die Ecke des Sofas zurück und strich vorsichtig über ihre Wange. „Kein Battle, okay?“ „Kein Battle.“ Sagte sie leise und legte die Hand in seinen Nacken.

Chapter 31

„Wisst ihr noch? Vor vier Jahren in diesem hübschen prolligen Hotel?“ Eero kicherte und schielte zu Lauri hinüber, der ihm einen warnenden Blick zuwarf. „Wie könnten wir das vergessen?“ Aki grinste breit und verschlang das letzte Stück seiner Pizza. Auf seinem Bauch lagen Kajas Beine, der Rest von ihr wurde von Lauri in Beschlag gelegt und eifersüchtig behütet. Es passte ihm gar nicht, dass ein Teil von ihr sich in Akis Nähe aufhielt. „Was warn da?“ Sie drehte sich zu ihm um und warf dann einen bettelnden Blick in Richtung seiner Käsepizza. „EIN Stück, du Ungeheuer.“ Zuckersüß lächelnd angelte sie sich den Karton und schnupperte begeistert. „Also das war so . . .“ „EERO!“ „Was denn? Wir wollen doch wissen, ob du Fortschritte gemacht hast.“ „Ich warne euch!“ „Uh, jetzt haben wir aber Angst, nich wahr Pauli?“ „Jo, ich hab schon Schweißausbrüche . . . ach ne, das is ja auch wieder Lintus Gebiet, hehe.“ „Haltet bloß eure verdammte Klappe . . .“ „Streitet euch ma weiter, ich hol mir kurz was zu trinken.“ Sie löste sich grinsend aus Lauris Umklammerung und kämpfte sich zu dem kleinen Kühlschrank durch, um eine Zwei-Literflasche Cola herauszuwuchten. „Warum habt ihr eigentlich nur solche Monsterteile? Trainierst du damit, Schlumpfi?“ „MHMMMHH!“ „Hö? Was sagst du?“ Sie drehte sich und stellte grinsend fest, dass Lauri von Pauli mit einem Apfel geknebelt und von Aki an einen Stuhl gebunden wurde. „Hey, den brauch ich noch.“ „Keine Sorge Süße, wir tun ihm nich weh.“ Er kniete sich vor den Gefangenen und schnippte ihm den Zeigefinger gegen das Kinn, worauf der Drummer sich lachend vor einem tretenden Fuß in Sicherheit bringen musste. „Also, dann fangen wir mal an. Ladies and Gentlemen, wir präsentieren ihnen heute die faszinierende Geschichte von klein Lauris . . .ach nein, machen wirs spannend.“ Eero sah grinsend zu der Hauptperson hinüber die verzweifelt auf dem Stuhl herumhopste und versuchte, den Apfel loszuwerden. „Es war einmal vor 4 Jahren, klein Lauri war gerade zwanzig geworden, als eine finnische Rockband namens Rasmus von einem Gig in ihr Hotel zurückkehrte. Alle, bis auf klein Lauri, der hockte bereits vor seiner Zimmertür und rauchte seine neunte Zigarette, nicht wahr?“ „MHMHMMMMMMMM!“ „Ja, so war das. Schließlich stand er mit seinen werten Bandkollegen Eero und Pauli vor der besagten Tür und kaute nervös auf seinen lackierten Fingernägeln herum.“ „Aki, woher kennst du die Story dann?“ „Ich durfte mir sie oft genug anhören, weißt du.“ „ Er grinste noch breiter, legte den Arm um Kajas Schultern und ignorierte Lauris wütende Blicke. „Wie geht’s weiter?“ Sofie hibbelte ungeduldig und ziepte an Eeros Shirt herum. „Immer mit der Ruhe, meine Dame. Der nächste Akt besteht aus einem Dialog, Mr Pauli, würde Sie mir die Ehre geben und die Parts des Eero und Pauli übernehmen? Ich werde mich der Hauptrolle, dem nervenzerfressenen Lauri widmen. Ich darf nocheinmal daran erinnern: wir befinden uns vor der Zimmertür des Herrn Ylönen . . .“ Eero räusperte sich, Lauri hüpfte auf seinem Stuhl herum und funkelte die beiden wütend an. Kaja hatte nichts gegen Akis Berührung, doch sie fühlte Lauris gekränkte Blicke auf sich ruhen und setzte sich stattdessen neben Sofie, die schon Lachtränen in den Augen hatte.
„Scheiße, ich geh da nich rein . . .“
„Natürlich wirst du da rein gehen, is doch nix weiter *grins*“
„Ja, genau, du gehst da jetzt einfach rein und . . . tust es.“
„Ich kann nicht.“
„Echt jetzt?“
„Quatsch.“
„Na dann is doch alles klar, rein mit dir . . .“ –Lauri stemmt beide Beine in den Teppich-
„Ich ähm . . . muss noch mal zur Apotheke . . .“
„Brauchst du nicht.“ –Pauli schwängt ein Gummi in seiner rechten Hand-
„Ich brauch was anderes . . .“
„Viagra hilft dir da auch nich weiter, du Schisser.“
Mit einem dumpfen Geräusch viel der Apfel zu Boden und im nächsten Moment begann Lauri lauthals ITS zu grölen, um seine Bandmates zu übertönen. Pauli grinste nur, stand seelenruhig von seinem Platz auf und stopfte seinem Kollegen erneut das Maul. Kaja wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Einerseits hätte sie sich über Eeros und Paulis Story totlachen können, andererseits tat es ihr weh, zusehen zu müssen, wie Lauri die Röte ins Gesicht stieg und er mit der Beherrschung kämpfte. Entschlossen kämpfte sie sich aus den tausend Kissen hoch und setzte sich auf seinen Schoß, um ihm etwas ins Ohr zu flüstern. Er grinste, soweit es der Apfel zuließ und lehnte seinen Kopf an ihre Schulter. „Toll, Kaja, jetzt hast du der Story ihren Witz genommen.“ „Pfff, geht mir doch am Arsch vorbei.“ „Natürlich, außerdem sind wir ja auch schon fast am Ende . . .“
„Sehr wohl, Mr Heinonen, es lässt sich nur noch hinzufügen, dass es Mr Ylönen am nächsten Morgen nach dieser besagten Nacht ziemlich eilig hatte, auszuchecken.“
„Nun unsere Frage an Sie, meine werte Dame: Hat unser kleiner Herr Ylönen hier denn Fortschritte gemacht?“
„Öhm . . .“
„Mhmhhmhmhm . . .“
„Klappe, dich hat niemand gefragt, Apfelface.“
„Schonmal von dem Ausdruck Multipler Orgasmus gehört.“
„Das sollte uns zu denken aufgeben, Eero.“
„Ich ruf mal meine Frau an . . .“
„Äh, gute Idee, ich sollte Marja auch mal wieder anrufen . . .“
Die beiden kramten eilig ihre Handys heraus, als Kaja ihnen hinterher brüllte. „Darf ich ihn jetzt wieder losmachen?“ „Jaha, aber gib ihm nix scharfes oder spitzes in die Hand!“ „Toll, dann darf er mich ja gar nicht anfassen.“

Chapter 32

Später am Abend lag Kaja wieder auf Lauris Bauch, ihre Beine auf Akis Oberschenkeln abgelegt. Die Anstrengungen des Tages hatten sie doch ziemlich mitgenommen, die Wärme und das gleichmäßige Heben und Senken seiner Brust ließen sie von Minute zu Minute schläfriger werden. Zärtlich beobachtete er wie ihre Lieder immer schwerer wurden, schließlich ganz zufielen und sich ihr Körper entspannte. Seine Finger strichen vorsichtig über ihre Wange, sehr bedacht darauf, sie nicht zu wecken. Aki bemerkte seinen verträumten Gesichtsausdruck und griff blind nach seinem Glas, das auf dem Tisch stand. Im nächsten Moment gab es ein Scheppern und das Glas inklusive Bierflasche fiel krachend zu Boden. Kaja fuhr erschrocken auf und stieß dabei schmerzhaft an Lauris Kinn. „Toll, Hakala, jetzt hast du sie aufgeweckt!“ Er rieb sich beleidigt die schmerzende Stelle und drückte sie wieder an sich. „Ich hab doch eh noch nicht richtig gepennt.“ Sie streichelte beschwichtigend über seinen Unterarm und zwinkerte Aki verschwörerisch zu. „Es ist schon halb zwölf, wir sollten langsam gehen.“ Eero stand auf und sah die anderen auffordernd an. „Ja genau, du musst schlafen, Süße.“ „Ja, Mama. Trägst du mich, Mama?“ „Wenn du mich nich Mama nennst, überleg ich’s mir.“ „Okay, Mama.“ „Dann eben nicht.“ Er grinste, schob sie hinter den anderen her aus dem Bus, löschte das Licht und schloss ab. Kaja lehnte sich an mit ihrem ganzen Gewicht und trottete gähnend neben ihm her. „Schnubs, du bringst mich ins Schlingern.“ „Mhmm, schorry.“ „Nich mit meinem Shirt reden.“ Er lachte und legte den Arm um sie. „Man, ihr Turteltäubchen, macht maln Schritt schneller, sonst kommen wir nie an.“ „Ja, is ja gut, wir machen das jetzt anders . . .“ Kurzerhand blieb er stehen, kniete sich hin und nahm sie huckepack. „Das war klar, dass DU mal wieder den starken Mann spielen musst.“ Aki rollte mit den Augen und wagte einen Blick auf Kajas Kehrseite. „Hör auf, meiner Freundin auf den Hintern zu starren und lauf, Hattu.“ „Ich bin stolz auf dich, Schatz.“ Sie lachte leise und legte den Kopf auf seine Schulter, während sie die Augen schloss.

„Cutie?“ „Mhm?“ Ich spüre, wie ich langsam aus seinen Armen gleite, fühle den kühlen Stoff um mich herum. „Tut mir leid, dass ich dich noch mal geweckt hab.“ Er flüstert die Worte, während er mir vorsichtig eine Strähne aus dem Gesicht streicht. „Schon ok.“ Hab ich das grad gesagt? Weiß nich . . . bin so furchtbar müde. Es füllt sich einfach viel zu gut an, seine Wärme durch mein dünnes Shirt zu spüren. Den Pulli bin ich irgendwie losgeworden, genauso wie meine Schuhe und meine Jeans. „Ich hab mir erlaubt, dich ein bisschen auszuziehen.“ Er lächelt ein wenig verlegen und drückt mir einen Kuss auf den Mund. Ich grinse, sogut es im Halbschlaf geht und kuschle mich dankbar in die Decke, die er über mich gelegt hat. „Gute Nacht, schlaf schön.“ Nein, nicht gehen! Ich grummle unwillig und zwinge mich dazu, die Augen nocheinmal zu öffnen, um ihn damit bittend anzusehen. „Hey was ist denn?“ Er legt den Kopf schief. Ich hebe die Bettdecke ein wenig an und beiße mir auf die Unterlippe. Er weiß genau, was ich ihm mit dieser Geste sagen will . . . Tatsächlich hört er auf zu grinsen und wird seine Jeans los, bevor er an meine Seite kriecht und mir die Arme um den Bauch schlingt. „Besser?“ Ich winde mich ein bisschen in seinen Armen und drehe mich schließlich um. Seine wassergrünen Augen sehen mich belustigt an, fixieren mich, lassen mich wieder fallen. Ich sehe ihn einfach nur verträumt an, übersehe sein belustigtes Grinsen und lege meine Hände auf seinen heißen Rücken. Er zuckt leicht zusammen, drückt mich dann plötzlich an sich und vergräbt sein Gesicht in meinen Haaren. „Du musst jetzt wirklich schlafen, Kleines. Warn harter Tag für dich.“ Ich nicke nur, schließe die Augen und falle im nächsten Moment in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Chapter 33

[ am nächsten Abend]

Die Dreharbeiten sind nun völlig abgeschlossen, morgen früh werden die Jungs das Set verlassen und erst mal Urlaub machen. Keiner von uns spricht wirklich davon, wir reden immer nur davon, dass der Dreh vorbei ist, das wars aber auch schon. Zur Feier des Tages hat sich sogar Eero zu einem Besuch in unserem Lieblingspub überreden lassen. Ausgerechnet heute ist da Schlagerabend, ausgerechnet, wenn ich zwischen zwei besoffenen Finnen hocke und selbst nicht mehr ganz nüchtern bin. „Who the f-f- f- fuck is Akiii!?“ Lauri grinst mich an, drückt mir einen Schmatzer auf den Mund und weicht dem Schwall Bier aus, der von Akis Glas auf ihn überschwappt. Plötzlich verstummt das fröhliche Geplapper in der kleinen Kneipe und alle Blicke kleben an uns. . . ausgerechnet, wenn ich Bier im Haar habe, toll . . .
„Hö, hat der was gesagt?“ „Kaja, ich glaub, die wwolln was von us.“ Sofie kichert und streitet sich mit Pauli weiter um den Kümmerling, den sie bestellt hat. „Sie sehen meine Damen und Herren, die Finnen verstehen es zu feiern. Wie wärs mit ner kleinen Einlage für uns?“ Der schwarzhaarige Typ mit dem Mikro macht eine einladende Geste auf die Bühne und grinst sich dabei einen ab. „Üsch konnte ma Deutsssch.“ Hui, bin ich das? Glaub schon . . . Naja, jedenfalls hat keiner verstanden zu haben, was ich gesagt habe, die denken hier wahrscheinlich, dass ich immer noch Finnisch laber. „Was kriegen wir denn dafür?“ Natürlich, Eero, unsere stocknüchterne Rettung. Warum zum Teufel kann der besser Deutsch als ich? „Wie wärs mit ner Flasche Schampus?“ Allgemeines Klatschen. Lauri setzt sein Pokerface auf. „ Swei.“ Hübsche Peace-Geste. „Ich weiß nicht . . . seid ihr denn so gut?“ Wie dumm kann man eigentlich sein, dass man ne ganze Band übersieht, wenn sie zusammengerottet an nem Tisch sitzt und sich zusäuft? „Türlisch, komm Schatz . . .“ Was, ich? Äh, ich kann aba doch gar nich . . . Hilfe, ich will hier raus! Lauri grinst nur weiter sein berüchtigtes Meerschweinchengrinsen und drückt mir ne Flasche Jägermeister in die Hand. Keine Ahnung, wo er die schon wieder her hat.
Wenig später stehen wir zusammen auf der Bühne und grölen miteinander um die Wette, nur dass er das bedeutend besser kann als ich.
„Sally called when she got the word,
she said: I suppose you’ve heard- About Alice. . . .”
Äh, soll ich etwa? Warum kann der noch so deutlich singen? Kein bisschen gelallt. Jahrelange Übung wahrscheinlich . . .
„well I rushed to the window.
and I looked outside,
but I could hardly believe my eyes-
as a big limousine rolled up
into Alice’s drive . . .”
Hi, ich kann das ja auch. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Englisch sowieso immer so klingt, als wäre man blau.
Er fängt meinen Blick auf, fixiert ihn und deutet dann andeutungsweise zu Aki hinüber. Der sitzt mit rotem Kopf am Tisch und grinst ein recht putziges Hamstergrinsen. Na warte . . .
Wir trinken gleichzeitig aus der Flasche und holen tief Luft.
„Oh, I don’t know why he’s leaving,
or where he’s gonna go,
I guess he’s got his reasons,
But I just don’t want to know ,
‘cause for twenty-four years
I’ve been living next door to AKI.
Aki, who the fuck is Aki?”
Na, das scheint ihm ja gar nicht zu gefallen. Nervös sieht er sich im Raum um funkelt uns wütend an. Plötzlich sehe ich aus den Augenwinkeln, wie Sofie aufspringt. „Ladies and Gentleman, AKI HAKALA!“ Ja, dann hätten wir das auch geklärt.
Nachdem der Song vorbei ist, grapscht sich Lauri sofort die Schampusflaschen und lässt sich vom Publikum feiern. Eingebildetes Kind . . .na warte. Ich nehme ihm eine der Flaschen weg und beginne sie kräftig zu schütteln, er versucht noch von der Bühne zu springen, aber ich erwische ihn trotzdem . In seinen Haaren bilden sich kleine Pfützen und auf seinem Shirt prangt ein riesiger Fleck. Im nächsten Moment muss ich mich selbst in Sicherheit bringen, seine Rache wird schrecklich sein, ich weiß das. Auf meiner Flucht quer durchs Pub sehe ich plötzlich Aki auf seinem Stuhl sitzen und schmollen, klein Lintu kommt gefährlich nahe und grinst unmissverständlich. Mit einem Satz rette ich mich auf Aki Schoß und schlinge die Arme um seinen Hals. „Heyyy, du kanns mich doch nich mit Aaaki betrügehehen!“ „Was solln das? Erst verarschen und dannnn vögln oda was? Runta!“ „Aba Akischnuffz, das wa doch nua Spaß.“ „Naja, üsch will ma nich so sein. . .“ „Hö, normalerweisse schmolls du doch imma so rum.“ „Hehe, Lintu, deine Freundin sitzt auf meinem Schoß, das muss isch genießen.“ „Na doll, dann trinkt wenigstens was mit mia.“ Er schüttelt die zweite Flasche ein wenig und beäugt misstrauisch den Sicherheitsabstand zwischen Aki und mir. Der hat natürlich nix besseres zu tun, als mich demonstrativ zu umklammernd und den Kopf auf meinem Rücken abzustützen. „Weas findet, dem gehörts, hehe.“ „Pfa, welche Frau will dich, wenn sie mich ham kann, he?“ „Nüscht streiten, saufen.“ „Mein Schnubs hat Rescht, lasst uns feiern.“ Lauri schmeißt sich auf meinen Schoß, ohne Rücksicht aus Akis und meine Knochen. Grinsend macht er die Flasche auf und zielt genau in meinen Ausschnitt, im nächsten Augenblick hängen wir zurück an der kleinen Öffnung und versuchen zu trinken, wobei das meiste sowieso irgendwo anders versickert. „Tja, meine Damen und Herren, die Finnen wissen eben wie man feiert.“ Applaus für uns, man fühlt sich das geil an. „Ihr seht echt aus wie die Karnickel.“ Sofie kichert überheblich und klammert sich an Eero, der schon genervt mit den Augen rollt. Halt, wessen Lippen sind das denn . . .
Klein Lauris natürlich. Er schiebt vorsichtig seine Hand in meinen Nacken und zieht mich zu sich, damit Aki sich ja nix einbildet. Männer . . . Der kleine Kerl unter mir fängt plötzlich an zu zappeln und setzt einen gequälten Gesichtsausdruck auf. „Geht von mia runta, ich muss ma für kleine Drummer.“ „Hehe, du muss doch was ganz was andres, gibs doch zuhhuh! Aber die kriegscht du nisch, die gehört mia, mia ganz allein!“ Lauri schlingt die Arme um mich und erdrückt mich fast vor lauter Zärtlichkeit, während er sein Bandmate schadenfroh angrinst. „Isch hab eusch schonma gesacht, dass üsch kein Stück Vieh oda sowas bün.“ „ Isch weiß Schatzü, isch liep disch nur so arg.“ „Isch liep sie aba auch!“ „Aba nüsch so dolle wie ich!“ „Du wülscht doch nua Sex von iah, gibs zu!“ „Gar nich wahr. Isch brauch kein sex zum glücklisch sein, jawoll!“ „Dasch sieht dein schupsi glaubsch anders.“ Aki grinst belämmert vor sich hin, während er mich festhält, damit ich nicht vor lachen von seinem Schoß rutsche. „Brauchs gar nüsch so zu lachen, schazü, s is so.“ „Kann ich jetz endlich ma. . .“ „Schnubs, geh von mia runta, isch will nich, dass Aki mich voll pisst.“ „Aba nua, wenn du dich dann auf meinen Schoß setzt.“ „Ja, mach ich doch.“ „Nix macht ihr jetzt, wir fahren dann ins Hotel zurück, es is schon fast zwei Uhr!“ „Aba Eero . . .“ „Nein, wir gehen jetzt. Dein Flieger geht morgen um 10. Du willst doch Hannah nicht etwa allein in New York stehen lassen.“ „Hey, ich fliech doch au mit Lauri!“ „Ja, Aki, is ja gut.“ „Ihr Fliecht schon so früh?“ „Leida, Cutie, leida . . . Wann fährst du nach Hause, moin?“ „Um acht geht mein Flug.“ „Aber das is ja viel zu frühü!“ „Was soll isch machen?“ „Jetzt kommt endlich, ihr könnt ja später noch reden . . . wenn ihr nix andres vorhabt.“
Eero grinste und verließ als erster das Lokal, die anderen folgten. Eine wehmütige Stimmung hatte sich über die kleine Gruppe gelegt, erst jetzt begannen sie zu realisieren, dass sie sich in wenigen Stunden trennen und vielleicht nie wieder sehen würden. Sofie schlurfte neben Eero her über den Parkplatz und starrte auf den Teer, Aki und Pauli hatten die Hände in den Hosentaschen vergraben und unterhielten sich leise. Das Schlusslicht bildeten Kaja und Lauri, die den anderen engumschlungen hinterher trotteten.

Chapter 34

[im Hotel]

Wie selbstverständlich packte Kaja Lauri an der Hand und zog ihn mit sich in ihr Zimmer, während die anderen müde in ihre Betten krochen. „Du hast ja schon gepackt.“ Stellte er nüchtern fest und ließ seinen Raum durch das ordentlich aufgeräumte Zimmer schweifen, das so gar nicht zu ihr passte. „Ja, hab ich.“ Sie schob die Balkontür auf und lehnte sich an die kalten Eisenstangen des Geländers. Der Jahrhundertsommer war noch immer nicht vorbei, jetzt, am frühen morgen, hatte es immer noch um die 23 Grad. Trotzdem fröstelte die junge Frau als der laue Sommerwind über ihre Haut strich. Mit leerem Blick starrte sie zu den Sternen empor und ließ ihre Gedanken in die Ferne schweifen . . .
Lauri beobachtete sie, während sie an der Brüstung lehnte und nach oben sah. Ihr schwarzes Harr glänzte im matten Mondlicht und umspielte ihr schmales Gesicht. Die tiefgrünen Augen waren in die Ferne gerichtet und schienen sich auf einen einzigen Punkt zu konzentrieren, der fernab von alledem hier lag. Zärtlich schlang er die Arme um ihren Bauch und stütze sein Kinn auf ihrer Schulter ab, während er seine Wange an ihre presste. „Kaja?“ „Mhm?“ Sie ließ sich gegen ihn sinken und genoss seine zärtliche Berührung. „Komm bitte mit.“ „Wohin denn?“ fragte sie leicht verwirrt und strich sanft mit dem Daumen über seine Hände, die immer noch auf ihrem Bauch ruhten. „Nach New York.“ „Du spinnst doch . . .“ „Warum denn? Du hast doch jetzt eh Urlaub.“ „Aber kein Geld für ne Reise.“ „Das ist doch kein Problem.“ „Nein, Lauri . . .“ Sie wand sich aus seinen Armen und drehte sich zu ihm um. „ . . . das will ich nicht.“ „Und ich will dich nicht allein lassen.“ „Wie hast du dir das denn vorgestellt? Wir werden niemals ein normales Leben miteinander führen können.“ Sie wandte den Blick ab und sah an ihm vorbei. „Kaja, bitte . . .“ „Ich überlegs mir. Aber jetzt will ich duschen.“ Traurig sah er ihr hinterher und trat schließlich selbst durch die Balkontür in den dunklen Raum. „Warum läufst du immer nur davon . . . weg von mir . . .“ flüsterte er mit erstickter Stimme und ließ sich langsam auf ihrem Bett nieder. Aus dem Badezimmer drang gedämpftes Plätschern an sein Ohr. Manchmal hatte er den Eindruck, dass sie einen Teil von sich selbst einfach mit dem Wasser wegspülen wollte. Er dachte an den Beginn ihrer verkappten Beziehung zueinander, die Leidenschaft und Begierde, die sie ihm im Suff entgegen gebracht hatte und die Kälte, unter der sie ihn nach dieser Nacht hatte leiden lassen. Liebe und sex, niemals hatten sie diese beiden Dinge miteinander verbunden, es waren immer nur Alkohol oder Rachsucht gewesen, die sie ins Bett getrieben hatten. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass dies seine allerletzte Chance war. Entschlossen stand er auf und warf einen Blick auf seine Uhr. Zehn, vielleicht zwanzig Minuten, länger würde sie auf keinen Fall unter der Dusche bleiben.
Kaja wickelte sich das weiße Frotee um den Körper, trotzdem fröstelte sie. Wie sollte sie nur die qualvollen langen Wochen aushalten, wenn sie sich jetzt schon nach seiner Wärme sehnte. Ihr schwarzes Haar hing nass und schlapp auf den Schultern und bildete zusammen mit den stechend grünen Augen einen umwerfenden Kontrast zu dem weißen Stoff, der ihren Körper verhüllte. Sie wusste, dass ihr Stolz niemals zulassen würde, dass sie mit ihm ging. Seufzend löschte sie das Licht und tappte im Dunkeln zur Tür, um den Raum zu verlassen. Sie legte die Hand auf die Klinke, drückte, zog und erstarrte. Ihr Schlafzimmer hatte sich in ein Meer aus Kerzen verwandelt, die ein warmes, schemenhaftes Licht warfen. Das Bett war blütenweiß bezogen, auf dem Laken häuften sich tiefrote Rosenblätter. Immer noch stand die Balkontür offen, sodass der warme Sommerwind die Vorhänge leicht flattern fließ. Die Atmosphäre war fast mystisch. „Gefällts dir?“ Erst jetzt bemerkte sie, dass er neben ihr stand und eine langstielige, schwarzrote Rose in den Händen hielt. „Oh Lauri, es ist . . .“ „Shht.“ Er legte ihr den Zeigefinger auf die Lippen und schloss ihre Finger um den Stiel der Rose. „Ich liebe dich.“ „Ich dich auch . . .“ Sie ließ das Tuch von ihren Hüften gleiten und sah ihm in die Augen. „Du bist so wunderschön.“ Mit einem Schritt war er bei ihr und presste sich an sie, während seine Hände an ihrem Rücken auf und ab glitten, ihren Nacken umschlossen und sanft stützten. Zärtlich berührte sie seine Lippen, stieß mit der Zunge gegen seine und fuhr mit den Fingern durch sein Haar. Die Hitze ihres Körpers brachte ihn fast um den Verstand, als er sie mit sich aufs Bett zog. Er hatte das Gefühl, als würde sie unter seinen Händen verbrennen. Vergessen waren die Kopfschmerzen, die der Alkohol hinterlassen hatte. Rosenblätter streiften seinen Rücken, als sie ihm das Shirt über den Kopf zog und mit sanfter Gewalt auf die Matratze drückte. Ihre Lippen ließen ihn erzittern, als sie den Bund seiner Shorts berührten, wieder abließen und die krausen Härchen auf seiner Brust küssten.
Plötzlich fühlte sie seine Hände auf den Schultern, im nächsten Moment blickte sie direkt in zwei grüne Augen, die sie herausfordernd anfunkelten und nur noch wenige Zentimeter entfernt waren. Wieder einmal ärgerte sie sich darüber, dass sie fast gleichgroß waren, sodass sie seine wachsende Erregung genau an der richtigen Stelle spürte. Außerdem drohte sie von seinen angedeuteten Berührungen fast verrückt zu werden. Statt richtig zuzupacken ließ er seine Hand nur leicht über ihren Po huschen und kleine Muster auf ihren Rücken malen, während er ihre flehenden Küsse erwiderte. Hastig schob sie eine Hand unter ihren Bauch und zog kräftig am Bund seiner Hose, die ihm sowieso schon fast in den Kniekehlen hing. Grinsend strampelte er sie weg und rollte sich zur Seite, um sich sofort wieder über ihren erhitzen Körper zu beugen. Jetzt würde er endlich das beenden, was er vor drei Tagen begonnen hatte.
Ein plötzlicher Windhauch ließ die Kerzen flackern und Kajas Körper erzittern. Sie fühlte sich ihm nicht hilflos ausgeliefert, als er sich über sie kniete und sanft ihre Wange streichelte. Entschlossen legte sie eine hand in seinen Nacken und zog ihn zu sich herunter, um ihn ein letztes Mal zu küssen, bevor er auch das letzte Stückchen Stoff loswurde und sich vorsichtig auf sie legte . . .

Chapter 35

Lauri erwachte von einer Hand, die ihm direkt ins Gesicht patschte. Grummelnd drehte er sich auf die Seite und wollte sich an die Übeltäterin kuscheln, aber stattdessen fühlte er nur den kalten Stoff des Bettbezuges unter seinen Händen. Verwirrt schlug er die Augen auf und blickte sich im Raum um. Die Morgensonne warf warme Strahlen durch die offene Balkontür und ließ die Vorhänge leicht flattern, auf dem Bett lagen die zerknautschten Rosenblätter. Die weißen Kerzen waren längst heruntergebrannt und standen jetzt trist und angerußt auf dem Teppich herum. Nur eines fehlte, was ihn an den gestrigen Abend erinnerte. „Kaja?“ eine Spur Panik schwang in seiner Stimme mit. Stille. Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen und er kramte hastig seine Uhr aus dem Klamottenhaufen hervor: 6.55. Im Laufen schlüpfte er in seine Hosen, riss die Tür auf und stieß prompt mit Aki zusammen, der keuchend im Rahmen hing und ein kleines Päckchen in der Hand hielt. „Gott .. .sei Dank . . . noch da.“ „Verdammt, lass mich vorbei!“ „Aba . . .“ „SIE IST WEG, VERDAMMTE SCHEIßE!“ Erschrocken sprang der Drumer zur Seite und sah seinem Bandkollegen hinterher der zur Treppe raste, kurz schlitterte und die ersten Stufen hinuntersprang. Im nächsten Moment hörte er ein dumpfes Gepolter und hemmungsloses Fluchen. „ Wenn sie nicht mitkommt, wird dieser Urlaub der schlimmste in meinem ganzen Leben.“ Aki seufzte und stellte sich schon mal auf die depressive Stimmung ein, die Lauri in den nächsten Wochen haben würde. Langsam trottete er nach unten und hoffte inständig, dass Kaja noch irgendwo in der Lobby herumsaß.
Lauri ließ die letzten drei Stufen aus und landete dumpf auf dem Fliesenboden der Eingangshalle. Suchen blickte er sich um, sah aber nur ein paar Cheerleader und andere weibliche Mitglieder der Crew, die ihn mit hochgezogenen Augenbrauen angafften. Die allgemeine Aufbruchstimmung machte es ihm nicht gerade leicht, sie zu finden, und so kämpfte er sich einfach quer durch die Halle. Plötzlich bekam er so brutal einen Ellbogen in die Seite gerammt, dass ihm die Luft wegblieb. „Kannst du nicht aufpassen, Penner?“ „Aua . . .“ „Oh Lauri, Sorry, ich hab nicht gesehen, dass dus bist.“ Er atmete tief durch und rieb sich die schmerzende Stelle. „Sofie, wo ist Kaja?“ „Öhm . . .“ „Schnell, verdammt!“ „Um was geht’s denn überhaupt?“ „Man, sie verpisst sich einfach ohne piep zu sagen , dabei hat sie gesagt, sie denkt noch mal drüber nach, ob sie mit mir nach New York kommt . . .“ „Ach so, ja. Von mir hat sie sich schon verabschiedet . . .“ „WAS?!“ „Ja, aber das war erst vor ner Minute oder so.“ Lauri machte auf der Stelle kehrt und rannte Richtung Ausgang davon. „Muss Liebe schön sein . . .“ sie schüttelte nachdenklich den Kopf und widmete sich wieder ihren Koffern, während er weiter zum Ausgang hastete. Dort stand er nun, halb nackt, vor der großen Glastür und starrte nach draußen. Keine tiefschwarzen Haare, keine dunkelgrünen Augen und kein verschmitzes Grinsen. Seufzend ließ er sich gegen eine der hohen Säulen sinken, verschränkte die Arme vor der Brust senkte den Kopf, während das Treiben um ihn herum weiterging.

„Oh fuck, fuck, fuck!“ Nervös sah sie zu ihm hinüber und wägte den Abstand von sich bis zum Ausgang ab. Warum musste gerade hier so ein Engpass sein, dass sie so nahe an ihm vorbei musste? Plötzlich sah sie den Kofferboy und roch ihre Chance. Geschickt passte sie den hohen Wagen ab und schlich neben ihm her. Vor lauter Freude über ihre geniale Idee, passte sie nicht richtig auf und verpasste, dass der Junge plötzlich stehen blieb. Sie tappte einfach weiter und sah plötzlich Lauris wütendes Gesicht. „Äh, hi.“ „Pech, ne? Warum musste der Typ auch grad jetzt stehen bleiben?“ „ Lauri, es tut mir leid, aber ich hab mich entschieden.“ „Warum hast du mich nicht geweckt, warum bist du einfach wieder davongerannt?“ „Ich wollte dir nicht wehtun.“ „Toll, warum tust dus dann.“ „Ach scheiße, wie ich’s mache, ist es verkehrt.“ „Wie wärs, wenn du einfach die klappe hältst und mitkommst?“ „Lauri, nein, das mach ich nicht.“ „Ich kann dir die verdammte Kohle auch auslegen.“ „ Da werd ich doch in hundert Jahren nicht fertig mit abbezahlen.“ „Du kannst von mir aus auch Bananen am Strand verkaufen oder Centstückchen sammeln gehen, aber bitte komm mit.“ „Ich kann nicht.“ „Du willst nur nicht.“ „Das ist nich wahr.“ „BITTE!“ Kaja senkte den Blick und bemerkte plötzlich, dass sie das ungeteilte Aufmerksam der gesamten Menschen in der Halle hatten. „Sag mal, wissen die von . . . uns?“ „Nö, aber das geht mir auch dermaßen am Arsch vorbei. BITTE komm mit!“ „Vielleicht hättest du dir was anziehen sollen.“ „Verdammt, lenk nicht ab!“ Er nahm ihre Hände und hob sie leicht an. „Dann muss ich ja Aki die ganze Zeit ertragen.“ „Du würdest Hannah kennenlernen.“ „ Ja, aber . . .“ „Keine durchgedrehten Fans, keine Dreharbeiten, kein Stress. Kaja, ich leg mich nackt auf den Servierplatte und lass mich von Groupies auffressen, wenn du nicht mitkommst.“ „Das ist Erpressung!“ „Na und? Anders komm ich gegen dich doch nicht an.“ Er lächelte und strich ihr vorsichtig über die Wange. „ Na gut . . .“ „Heißt das ja?“ „Mhm, ja.“ Bis über beide Ohren grinsend packte er sie an den Hüften und hob sie hoch, sodass sie erschrocken die Beine um ihn schlang. „Das wird fantastisch, Cutie . . . was grinst du so?“ „Guck mal nach rechts.“ Sie deutete mit dem Kopf in die Mitte der Lobby, wo die gesamte Crew versammelt stand und die beiden ungläubig anstarrte. „Is was?“ Einige wanden sich schnell ab, andere starrten weiter, die Mehrheit begann allerdings heftigst zu tuscheln. „Solln wir die mal ordentlich schocken, meine Süße?“ „Mh,,wie willst du das denn anstellen?“ „Ich könnte dich ma eben aufs Klo zerren und es dir da . . .“ „Ach lass ma Lauri, die sind schon geschockt genug. Wann müssen wir zum Flughafen?“ „Weiß ich nich mehr . . . ach da kommt ja Hattu. Aki, wann geht unser Flug?“ „Verschwindet von hier, sofort!“ „Warum denn?“ Kaja runzelte verwirrt die Stirn und sah Lauri fragend an. Aki warf einen Blick über die Schulter und wollte gerade etwas sagen, als er durch wütendes Keifen unterbrochen wurde. „Sagt mal, was fällt euch überhaupt ein?! Ist euch eigentlich klar, dass ihr durch eure kindischen Beziehungsprobleme einen ganzen Videodreh gefährdet habt?“ Angie spuckte Gift und Galle als sie beiden zusammstauchte und versuchte, dabei nicht loszubrüllen. „Aber Angie, so redet man doch nicht mit einem Kunden.“ Kaja machte ein unschuldiges Gesicht und quetschte sich enger an Lauri. „Das ist mir ja sowas von scheißegal, eigentlich sollte ich dich rauswerfen, jetzt verdirbst du sogar schon nette, normale junge Männer.“ Aki machte auf der Stelle kehrt und rannte davon, um sie am anderen Ende der halle in Ruhe totzulachen. Kaja und Lauri blieben allein zurück und mussten ernste Gesichter machen, da sich Angie mittlerweile am Rande des Nervenzusammbruchs befand. „Wisst ihr was? Macht doch, was ihr wollt!“ Mit diesen Worten stampfte sie wutentbrannt davon und ließ die beiden stehen.

Chapter 36

[am Flughafen]

Meine Lunge sticht, meine Augen brennen und ich habe das Gefühl, dass ich meine Mundwinkel nie wieder nach unten bekomme. Die Fahrt im Taxi war einfach schrecklich geil. Eingequetscht zwischen zwei Typen , die den ganzen Tag nix anderes im Kopf haben als Scheiß zu machen und dreckige Witze zu erzählen, gings fast ne dreiviertel Stunde über die Autobahn. Das soll Frau erst mal aushalten . . . Theatralisch werfe ich mich aus dem Auto und bekomme schon wieder einen Lachkrampf, als Lauri mit seiner Spuck- die Fliege Brille aussteigt. „Was?“ „Nix, ich find dich heut nur so sexy mit dieser Brille.“ „Pff, ich find sie geil.“ Mit erhobener Stupsnase stolziert er an mir vorbei und lässt sich sein Gepäck hinterher tragen. Da soll noch einer sagen, er sei auf dem Boden geblieben . . . Aki und ich schleppen unsere Koffer lieber selbst. Er, weil er mich beeindrucken will und ich, weil ich mich nicht aufs Ylönen-Niveau herablassen will, heute zumindest nicht. „Kommt ihr endlich, ich hab Hunger!“ „Lass uns doch erst mal einchecken, oder hast du das vor 4 Jahren in diesem prolligen Hotel . . . AUA!“ „Hey, Hör auf deine Freundin zu schlagen, oder ich reiß sie mir unter den Nagel. Ich mach mir wenigsten wegen sonem bisschen fi . . . AUA! Man bist du heute wieder gewalttätig . . .“ „Pfäh, wer hat mich denn vorhin die ganze Zeit mit seinen Drumsticks gepiekt, he?“ „Das war ich nich allein, dass das ma klar is. ICH hab dir die Teile nich in die Shorts geschoben . . . äh, mir grausts schon davor, wenn ich wieder damit spielen muss.“ Aki sieht mich böse von der Seite an und piekt mich auffordernd in die Seite. „Hör auf, sie anzutatschen.“ „Das hat dir doch die ganze zeit nix ausgemacht.“ „Jetzt hab ich aber Hunger, also schwingt euch.“ „Eine Logik, der Mann .. .“ Ich schüttle grinsend den Kopf und schiebe meine sieben Sachen zum Gepäckschalter.
Zehn Minute später stehe ich mit den Jungs in der Fressecke des Airports und sehe ihnen zu, wie sie gierig Fertigsandwichs aus der Frischhaltefolie in sich hineinstopfen. „Hassu kein Hunga?“ Lauri sieht mich an, als käme ich von nem anderen Stern während ich angewidert die Pampe zwischen seinen Händen betrachte. „Ne, lass ma, ich brauch keine Salmonellen.“ „Pfäh, Weiber . . .“ Aki zuckt mit den Schultern, grinst das Vögelchen an und wie auf Kommando mampfen sie weiter. Doch wie das Schicksal so spielt fällt ein Stückchen von seinem „Sandwich“ in das Glas Cola, das vor ihm steht. Traurig guckt er hinein und sieht zu, wie sich die Mayonnaise darin verteilt. „Äh, wie eklig.“ „Ne, oder? Erst einen auf großen Macker machen und sich dann über so n bissl weißer Pampe in der Cola aufregen.“ „Tust ja grad so, als würdest du das noch saufen.“ „Ich würd auf jeden Fall nicht mit großen traurigen Hundeaugen ins Glas glupschen und fast in Tränen ausbrechen wie ein gewisser Mr HAKALA!“ „Ey, mach meinen Freund nich so an, okay?“ „Deinen Freund?“ „Du hast schon richtig gehört: meinen Freund.“ Er quetscht sich an Aki, legt den Arm um ihn und lehnt sich an seine Schulter. „Je te laisse, ich verlasse disch, Cherie.“ Näselt er blinzelt seine neue Affäre verliebt an. Theatralisch klatsche im mir die Hand gegen die Stirn und drohe ohnmächtig zu werden. „Sach ma , Kaja, wie wärs mit ner kleinen Wette?“ Oh, ich hasse dieses Drumer- Pokerface. „Um was gehst?“ „Mein Schuffelschen und ich hier mischen dir nen leckeren Drink und wenn du den runterkriegst und fünf Minuten danach nich reiherst darfst du dir ne Gemeinheit für uns ausdenken und du bekommst das Vögelchen zurück, zum vögeln versteht sich.“ Ha, die denken, ich machs nicht. Na wartet . . . „Okay, ich weiß auch schon was Nettes für euch.“ Überraschter Gesichtsausdruck . . . Männer sind so unheimlich dumm. „Und das wäre?“ „Wenn wir auf Flughöhe sind, müsst ihr zusammen auf die toilette verschwinden und da nen schönen, lauten Quickie simulieren.“ Klein Lauri zieht eins Gesicht, Akis überlegt kurz, schlägt dann in meine ausgestreckte Hand ein. „Und wenn du verlierst, musst du ne wildfremde Frau auf der Straße anlabern und sie um nen Hinterhoffick bitten.“ „Gut, einverstanden, aber das wird nicht passieren.“ „Eure Ausdrucksweise . . .“ Akis neue Flamme schüttelt seine hochgegelten Zacken und zieht sein Anhängsel mit sich zur Theke, natürlich nicht ohne mich vorher noch mal versaut anzugrinsen.
Wenig später stehen die beiden wieder an dem kleinen Tisch, an dem ich auf sie gewartet hab und hypnotisieren das riesige Glas Cola, das sie soeben unter Schwerstarbeit hierher geschafft haben. „Na dann macht mal.“ Ich verschränke die Arme vor der Brust und lehne mich abwarten zurück. „Okay Darling, dann gewöhn dich schonmal an den Gedanken, ne Frau anzumachen.“ „Pfäh, fang lieber schon mal an zu stöhnen.“ „Also wir müssens aber nich wirklich treiben oder?“ Aki hält plötzlich inne und sieht mich ängstlich an. „Naja, also eigentlich . . .“ „Kaja!“ „Ja, Schnuffzi?“ „Du kannst mich doch nicht . . . mit dem pinken Nilpferd vögeln lassen.“ „Hä? Pinkes Nilpferd?“ „Lange Geschichte . . . ich würde dich doch dann mit ihm betrügen und das willst du doch nicht, oder?“ „Genau, und außerdem . . . äh, ne, ich konnte nie wieder mit DEM in einem Bett schlafen.“ „In einem Bett? Soso .. .“ „Man, glaubst du, wir dürfen die Doppelbetten im Hotel auseinander schrauben?“ Er funkelt mich böse an und zieht sich die Mütze tiefer ins Gesicht, während ein Stückchen Marmorkuchen in der braunen Brühe verschwindet. „Jaja, is ja gut, keine Panik, ihr müsst ja nur so tun. Aber hören will ich ordentlich was.“ „Dann komm schnell mit mir um die Ecke, Cutie.“ Platsch, das war der Senf. Bäh, auf was hab ich mich da nur eingelassen? „Ne, kauf dir lieber n Porno, da drüben is das Klo.“ „Ja, gleich, aber erst will ich sehen, wie du in die künstlichen Büsche reiherst.“ Ungerührt quetscht er das Fleischsalatbrötchen ins Glas. „Genau, aber wehe, du kotzt mein Lieblingsshirt voll.“ „Ich bezweifle immer noch, dass das wirklich 10 Inch sind . . .“ „Wieso, überzeug dich ruhig selbst.“ „Aki, das wären 25, 4 cm, glaubst du ja wohl selbst nicht.“ „Modell Gartenschlauch . . .“ Lauri grinst bis über beide Ohren und schüttet fast einen halben Liter Mayonnaise in das Glas, das sowieso schon am Überlaufen ist. „Das spricht der Neid, nich wahr, Lintu?“ „Hehe, komm nur mal mit mir ins Klo . . .“ „Aber nicht in mein Glas, okay?“ „Ich sach gar nix mehr, sonst schlägt mich wieder jemand.“ „Genau, halt die Klappe Aki, und tu nochn bissl Sahne rein.“ „Meint ihr nicht, das reicht langsam?“ „Muffensausen? Mach dir nix draus, jeder kotzt mal ins Gebüsch.“ Aki tätschelt mir beruhigend den Rücken und lässt mit der anderen Hand noch ein paar Stücke eines zermatschten Blueberrymuffin in den Drink platschen. „Passt doch so, oder Alter?“ „Jeps, aber das Tüpfelchen auf dem I fehlt noch . . . ich habs!“ Er rennt zurück zur Theke und kommt grinsend mit einem Stück Pizza zurück, von dem ein Stückchen abreißt und es vorsichtig auf dem Gipfel des Matschberges platziert. „So, fertig. Du darfst, Prinzessin.“ Das Glas wird mir erwartungsvoll vor die Nase geschoben. Ich sehe es an, es schaut zurück. „Na hop, oder willst du kneifen?“ „Ihr sagtet doch, ich soll das Zeug trinken oder? Darauf haben wir eingeschlagen.“ „Jep, also mach.“ „Okay, aber ich werde die Pampe nicht essen.“ „Ja, und jetzt kipps endlich weg, ich will dich grün werden sehen.“ Ich strecke meinem kleinen Drumer die Zunge raus und setze gerade an zu trinken, als ich Lauri Hand auf meinem Arm spüre und er mich liebevoll ansieht. „Darling . . . ich werde dir Kübelhilfe leisten, okay?“ Boa, dieser Saftsack, wagt es doch tatsächlich mich zu verarschen. Die beiden werden noch was erleben, ich freu mich schon, wenn sie die Flugzeugtoilette auseinander nehmen müssen.
Mit eiskaltem Gesichtsausdruck führe ich das Glas an meine Lippen und nehme den ersten Schluck. Sofort bereitet sich ein fahler, widerlicher Geschmack in meinem Mund aus, der Brechreiz würgt mich und mir treten die Tränen aus den Augen. Trotzdem schaffe ich es, die Brühe zu schlucken und das Glas noch ein bisschen zu leeren. Im Hintergrund höre ich Aki kichern und Lauri irgendwas sagen. Plötzlich packt mich die Wut, ich zwinge mich zur Beherrschung und schütte das widerliche Zeug auf Ex in mich hinein. Mit einem klirren landet der Becher auf dem Tisch und zwei kleine Finnen starren mich fassungslos an. „Ach du Scheiße, sie hats tatsächlich getan . . .“ „Jungs tut mir nen Gefallen und verhütet ordentlich, okay? Nich, dass noch einer schwanger wird.“ Grinsend blinzle ich sie an, bis unser Flug auf der Anzeigentafel blinkt. Fröhlich packe ich meine Tasche und schlendere zum Flugsteig, während die beiden wie die begossenen Pudel hinterher trotten.

Chapter 37

[im Flugzeug]

„Na los, jetzt macht schon!“ „Kaja, ich kann das nich.“ „Das hast du in dem Hotel damals auch gesacht, und letztendlich hast du die Kleine ja dann doch gevögelt, oder etwa nicht?“ „Man, Aki!“ „Wasn?“ „Hör doch mal mit den blöden Geschichten auf . . .“ „Ach soooo, das is dem kleinen Vögelchen peinlich, wie süß!“ „Ich geb dir gleich!“ „Ja, Lauri, ihr beide geht jetzt mal schnell aufs Klo und da gibst dus dem Aki so richtig, ja?“ „Könnt ihr euch auch n bissl weniger versaut unterhalten?“ „Wenn ich dich sehe, denk ich nur noch versaute Sachen, Darling.“ „Und was is mit mir?“ „Was soll schon mit dir sein?“ „Was denkst du, wenn du mich siehst?“ „Ach du Scheiße.“ „Toll, du mich auch.“ „Jaja, und jetzt ab mit euch.“ Ich scheuche meinen Lieblingsdrumer von seinem Sitzplatz auf und sehe zu, wie er grummelnd zur Toilette latscht und darin verschwindet. Eine Minute später schicke ich Lauri hinterher, der sich bis jetzt wie ein Klammeräffchen an mir festgekrallt hat, und lehne mich abwartend zurück. Ein paar Augenblicke vergehen, ohne dass etwas passiert. Ich will schon fast aufstehen und die beiden an ihre Pflicht erinnern, als zaghaftes Stöhnen an mein Ohr dringt. Zufrieden lasse ich mich wieder zurück in die dunkelblauen Polster sinken und verschränke die Arme vor der Brust. Die Geräusche schwellen an bis irgendwann ein dumpfes Krachen zu hören ist. Unterdrücktes Getuschel breitet sich unter den Passagieren aus, Gesprächsfetzen dringen an mein Ohr und ich kralle meine Finger tief in die Armlehne um nicht laut loszuprusten. „Ähm, Entschuldigen Sie bitte.“ Überrascht drehe ich mich zum Gang, wo eine ziemlich besorgte Stuardtess steht und sich zu mir herunter beugt. „Würden Sie vielleicht. .. also wie soll ich sagen . . . Ihre Mitreisenden . . . dieser Lärm stört die anderen Passagiere. Könnten Sie . . .“ Weiter kommt sie nicht, denn in diesem Moment tritt Lauri mit hochrotem Kopf aus dem Klo und stürmt in Rekordtempo zu seinem Platz.„Lass mich ans Fenster, bitte!“ hektisch quetscht er sie in die Ecke und macht sich dort so klein wie möglich. Die Blicke der Menschen in der Maschine sind fest auf ihn gerichtet, was der Röte seines Gesichtes noch einen leichten Touch von Tomate verleiht. „Wars denn schön?“ Er lacht höhnisch auf und starrt stur aus dem Fenster auf das blaue Meer unter uns. Meine Hand macht sich selbstständig und krabbelt vorsichtig an seinem Arm empor, wandert am Ausschnitt seines Shirts entlang und schnippt dann vorsichtig gegen sein Kinn. „Ich glaube dir, dass du nicht schwul bist . . .“ Er dreht den Kopf leicht und fängt meinen vielsagenden Blick auf. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht und er haucht mir einen Kuss auf die Wange. Im selben Augenblick lässt sich Aki neben mich plumpsen und grinst fröhlich in die Runde. Wie sich zwei beste Freunde unterscheiden können . . . Der eine versinkt fast im Erdboden und der andere würde sich am liebsten ein Schild um den Hals hängen. „Krieg ich keinen Kuss?“ „Nö, du scheinst das ja zu genießen.“ „Aufmerksamkeit is immer gut .. . im Übrigen . ..“ er beugt zu mir herüber. „ . . . dein Kleiner bringts nu wirklich nich.“ „Mhm, dann muss ich mir das alles nur eingebildet haben . . .“ „Hö? Was denn?“ „Man, redet maln bissl leiser, ich hab keinen Bock mehr, angestarrt zu werden.“ „Ach Aki interessiert sich nur brennend für unser Sexleben.“ „Pfäh, bloß, weil ich nen Quickie mit ihm hatte bildet er sich jetzt ein, das ginge ihn was an.“ „Schwachsinn. Ihr könnt ja heute Abend wieder übereinander herfallen.“ „Klingt gut, was meinst du Darling?“ „Hehe, warte nur, ich hab da ne Überraschung für dich . . .“

Chapter 38

„Ich bin so müde . . .“ „Och Schnuffelchen, wir sind doch gleich da.“ Seufzend lasse ich mich gegen seine Schulter sinken und schließe die Augen. „Wenn ich nich auch so furchtbar kaputt wär, würde mich euer Gesülze schon wieder aufregen.“ „Ach halt doch die Klappe.“ „Nicht mit Lauris T-Shirt reden, Kajalein.“ „Mhmm.“ „Okay, die is nicht mehr ansprechbar. Wo treffen wir eigentlich dein Schwester-Herz?“ „Die wartet schon im Hotel . . . und schläft wahrscheinlich .“ „Lintu, seit wann hast du solche Schweinsäugelchen?“ „Mann, warum bist du nur noch so fit, Alter?“ „Tja, ich hab eben letzte Woche nachts geschlafen und nich die Lattenroste . . .“ „Is ja gut.“ Plötzlich hält das Taxi und der Fahrer springt heraus, um die Hintertüren aufzumachen. Langsam quäle ich mich heraus und werfe ihm einen dankbaren Blick zu, nach und nachmklettern auch die anderen beiden aus dem Wagen. Aus irgendeiner Ecke kommt gleich ein Portier angerast, der uns das Gepäck förmlich aus der Hand reißt und nach innen, in die riesige Lobby schleppt. Lauri greift nach meiner hand und zieht mich ins innere des riesigen Hotelpalastes, während er die Nase in der Luft hat und die riesigen Hochhäuser betrachtet. Hoffentlich läuft er nicht gegen den nächsten Laternenpfahl. . .
„Süße, guck mal nach oben.“ „Und, was isn da?“ „Na guck doch mal richtig hin.“ „Ahhhh, das Hotel heißt The Muse, was sonst . . .“ „Cool, nech?“ Ich muss grinsen und zwicke ihn in den Hintern. „Aua!“ „Wichei.“ „Mein Hintern ist auf ne halbe Million versichert, also halt die Klappe.“ „Dürfte ich euch mal unterbrechen? Wir brauchen nämlich noch n Zimmer.“ „Eins nu? Wuhu, wie geil . . .“ „Kaum fällt ihr irgendwas Perverses ein, ist sie wieder hellwach, tzetze.“ Aki schüttelt theatralisch den Kopf und schiebt uns förmlich Richtung Rezeption, wir von einer blonden, bis über beide Ohren lächelnden Dame empfangen werden, die Lauri bereits mit den Augen auszieht. Ich grinse ebenso breit zurück und drängle mich vor mein Vögelchen, bevor er überhaupt den Mund aufmachen kann. „Guten Abend, wir haben reserviert.“ Mit einem breiten Lächeln blinzle ich Sie an, schiebe die beiden Rasmusse hinter mir mit dem Fuß zurück und nenne unsere Namen. „Also das Einzelzimmer . . .“ sie schiebt mir einen protzigen goldenen Schlüssel über die Theke zu, den ich Aki in sein ungeduldiges Patschhändchen drücke. „ . . .und , oh, die Hochzeitssuite?“ Hä? Was? Hochzeitssuite? Irgendwas geht hier schief . . . „Genau die.“ Lauri beugt sich über meine Schulter und grapscht sich grinsend den zweiten Schlüssel. „Äh, ja. Es wurde eine Nachricht für Sie hinterlegt.“ „Für wen?“ „Für Sie alle drei. Bitteschön.“ Uh, die kann aber giftig gucken. Er fängt meinen Blick auf und zieht vielsagend die Augenbrauen hoch, während er nach den Umschlägen greift. „Hey, Postgeheimnis!“ „Die sin doch eh alle von Hannah, Aki.“ „Von wegen, meiner is bestimmt von der geilen Schnitte da, die mit mir ins Bett will.“ „Nein, das möchte ich definitiv nicht, tut mir leid für Sie.“ „Oh, ähm, ich wusste nicht . . . ähm . . .“ So rot habe ich Aki wirklich noch nie gesehen, er stammelt eine Entschuldigung und rast dann mit seinen sieben Sachen zum Aufzug davon. „Tja, Aki und sein großes Maul.“ Ich greife seine Hand und beiße mir lachend auf die Unterlippe. „Wer konnte wissen, dass die Finnisch kann.“ Er macht eine einladende Geste und geleitet mich in die Fahrstuhlkabine, in der Aki schon steht und sich in die Ecke quetscht. „Oh, fuck, fuck, fuck . . .“ „Was musst du auch alles anmachen, was Titten hat.“ „Toll, dich darf ich ja nich anmachen, sonst brät der da mir eins über.” Er verschränkt beleidigt die Arme vor der Brust und starrt Löcher in die Luft. „C’est la vie, Akilein. Wo ist eigentlich deine Schwester und warum schreibt dir mir nen Brief?“ „Mach doch auf, dann weißt dus.“ Gut, wenn er meint. . .Ich reiße den dünnen Umschlag auf und ziehe den kleinen Zettel heraus, der sich darin befindet.
„Hallo Kaja! Ich hätte dich gerne heute noch kennengelernt aber ich schlaf gleich im stehen ein. Blöder Jetlag . . .How ever, morgen ist ja auch noch ein Tag. Ich wünsch euch beiden noch ne gute Nacht, wenn ihr überhaupt zum Schlafen kommen solltet.
Liebe Grüße Hannah.“
„Ich mag deine Schwester.“ „Ich will nicht wissen, was sie wieder für perverse Sachen da rein geschrieben hat.“ „Och, so schlimm is es nu nich . . .“ Plötzlich hält der Fahrstuhl und Aki schleicht auf den Gang hinaus. „Nacht ihr. Lasst das Bett ganz. Bis moin.“ „Nacht Aki.“ „Jo, schlaf gut.“ Die Türen schließen sich wieder. „Was ham die eigentlich alle? Die tun ja grad so, als ob wir die ganze Zeit nur geil wären.“ „Sind wir das nicht?“ Er grinst dreckig und gibt mir einen Kuss auf die Wange. „Du mit deiner Hochzeitssuite . . .“ „Ich dachte, du freust dich.“ „Tu ich doch, wirklich.“ „Du siehst aber nicht so aus.“ „Das liegt daran, dass ich mir grad den Kopf darüber zerbreche, wie wir das Bett am besten kaputt machen können.“ „Du und meine Schwester, euch beide zusammen halt ich nicht aus.“ Lachend weicht er meinem austretenden Fuß aus und drückt plötzlich auf den Stopp-Knopf. „Hey, was soll das?“ „Hast du etwa Angst, Süße?“ „Ich? Vor dir? Pfäh , hättest du wohl gerne.“ „Mhm . . .“ Er kommt näher, ganz nah, legt mir seine Hände auf die Hüften und zieht mich ruckartig an sich heran. Grüne Augen funkeln mich belustigt an, fixieren meinen Blick, nageln mich fest. „Keine Angst?“ „Nein, du kleines notgeiles Vögelchen.“ „Na dann is ja gut.“ Er grinst, lässt mich los und lässt den Aufzug weiter fahren. „Mhm, hab ich gesagt, dass du mich loslassen sollst?“ „Ach Süße, ich hab doch nur zwei Hände und die brauch ich, um mein Zeug festzuhalten.“ „Pfäh … Aki hat übrigens vor lauter Schreck seinen Kram vergessen.“ „Egal, da sin doch eh wieder nur Gummis mit Zimtgeschmack drin.“ „Bäh, Zimt . . .“ Ich ignoriere seinen versaut fragenden Blick und quetsche mich an ihm vorbei zur Tür, die gerade im Begriff ist, sich zu öffnen. Grinsend folgt er mir und legt mir versöhnlich den Arm um die Schulter. „Ich bin doch auch nurn Mann.“ „Ach ja? Wieder was Neues gelernt.“ „Ich hab dich auch furchtbar lieb . . . stopp, wir sind da. Ähm, könntest du mal bitte, der Schlüssel . . .“ Typisch Lauri: alles in irgendwelche Taschen stopfen und sich dann so voll beladen, dass er nicht mehr rankommt. „Wo denn?“ „Daaa . . .“ Er wirft einen Blick nach hinten und unterdrück ein Grinsen. Na warte . . . Lächelnd dränge ich ihn mit der Hüfte gegen die Wand und lehne mich ein bisschen gegen ihn, während meine Hände nach dem Schlüssel an seinem Knackarsch suchen. Vorsichtig ziehe ich das kalte Metal aus der Tasche und beobachte seine Reaktion. Er legt den kopf leicht schief und drückt mir einen Kuss auf den Mund bevor er sich befreit und wieder neben die Tür stellt. „Komm schon, ich hab diese Suite nicht umsonst gebucht.“ „Was soll das denn schon wieder heißen?“ „Ach nix, nix . . .“ Grinsend stecke ich den Schlüssel ins Schloss und drehe ihn um. Plötzlich höre ich hinter mir etwas krachen und zwei warme Hände legen sich über meine Augen „Ich hatte ja noch ne Überraschung für dich . . .Puh, fast vergessen.“ „Mhm, ich will was sehen.“ „Darfste aber nich.“ Er lacht leise auf und schiebt mich gemeinsam mit unsern sieben Sachen in den Raum. „Och manno . . .“ „Cutie, lässt du die Augen freiwillig zu, oder muss ich sie dir verbinden?“ „Ähm . . .“ „Gehen wir lieber auf Nummer sicher.“ Ich höre ihn lachen und ihm nächsten Moment fühle ich, wie sich der kühle Stoff über mein Gesicht spannt und am Hinterkopf zugebunden wird. „Hast du das geplant oder so?“ Langsam werde ich unsicher, er hat mich in der Hand und ich weiß noch nicht, ob mir das gefällt. „Mhm, jep, das ist die Vorstufe zur großen Überraschung . . .“ Plötzlich stockt er, hört auf zu reden und steht einfach nur da . . . denke ich jedenfalls. „Lauri, was soll das werden, wenn’s fertig ist?“ „Shhh, vertrau mir einfach, okay?“ Ich nicke nur und spüre dann seine Hände, die vorsichtig unter mein Shirt krabbeln und es mir im nächsten Moment über den Kopf ziehen. Wieder verharrt er, küsst mich dann kurz und macht sich am Reißverschluss meiner Jeans zu schaffen. Bisher habe ich es immer für ein Gerücht gehalten, dass man Geräusche und Berührungen intensiver empfindet, wenn man nichts sehen kann. Gerade jetzt werde ich vom Gegenteil überzeugt, mir läuft ein wohliger Schauer über den Rücken, als er mir den rauen Stoff von den Hüften zieht und aufreizend langsam die Konturen meines Strings entlang fährt. Ich kann seinem warmen Atem und die Hitze seines Körpers ganz deutlich spüren, doch dann wendet er sich ab und lässt mich allein in der Mitte des kühlen Raumes stehen. Ich halte das nicht mehr aus, gleich reiße ich mir dieses widerliche Teil vom Gesicht und sehe nach, was er wieder vorhat. Meine Finger zittern schon beträchtlich, als er wieder zurück kommt und mir etwas Glattes, Weiches, Seidiges überzieht und mir provisorisch die Haare hochsteckt. „Jep, hab ich mir doch gedacht.“ „Was denn? Komm wieder her.“ „Komm du doch her.“ „Lauri!“ „Ja, is ja gut.“ Er kommt wieder ganz nah und nimmt mir schließlich den Sichtschutz ab, sodass ich in seine grünen, belustigt funkelnden Augen sehen kann. „So, und jetzt gib mir mal dein Patschhändchen.“ Ohne auf meine Reaktion zu warten packt er mich am Arm und zieht mich in das schwarzmarmorierte Badezimmer, wo ein riesiger Spiegel an der Wand hängt. „Gefällts dir?“ „Ich . . . weiß nicht . . .“ Der Spiegel sagt mir, dass ich ein tiefschwarzes, kurzes Abendkleid trage, das nur an der rechten Schulter von einer silbernen Kette gehalten wird. „Es gefällt dir nicht . . .“ Traurig sieht er mir über die Schulter und lässt seinen Blick noch einmal an meinem Spiegelbild hinabgleiten. „Doch, aber . . .“ „Aber was? Ich finde, du siehst wunderschön aus.“ „Ja, wirklich? Mich wundert’s, dass du nich schon längst Augenkrebs hast.“ „Ich bin höchstens geblendet.“ „Och hör doch auf zu schleimen . . .“ „Soll ich Aki holen? Oder diesen blöden Penner, der dich vorhin so lüstern angegafft hat?“ Ich lache kurz auf und betrachte weiterhin mein spiegelverdrehtes ich. „Willst dus haben?“ „Das Kleid ist einfach der Hammer, aber wenn ich da drin steck . . .“ „Hör doch auf, solche Scheiße zu labern, Cutie.“ „Was soll ich denn sonst sagen?“ „Ich freu mich wahnsinnig und jetzt lass uns endlich in die Kiste springen.“ „Jaaa, das hättest du wohl gerne.“ „Stimmt.“ Grinsend schlingt er mir seine Arme um den Bauch und stützt das Kinn auf meiner Schulter ab. „Okay, ich behalte es, weil das Kleid an sich wirklich schön is aber . . .“ „Nix aber, du wirst es auch tragen, das is nämlich die Hauptüberraschung.“ „Welche Hauptüberraschung?“ „Das erfährst du am Mittwoch.“ „Heute is doch erst Sonntag . . .“ „Tja, dann musst du wohl nochn bissl warten.“ „Mhm . . .aber . . .“ „Pscht, Ruhe.“ Er schiebt mich zielstrebig aus dem Bad, löscht das Licht und bleibt dann mitten im Raum stehen. „Wo ist eigentlich das Schlafzimmer?“ Schade, in dieser Dunkelheit kann ich gar nicht erkenne, ob die Suite wirklich so nobel wie versprochen ist. „Folgen Sie mir unauffällig, Madame.“ Als ich nach ihm das in Mondlicht getauchte Zimmer betrete, sitzt er schon breitbeinig auf dem Bett und grinst mich dreckig an. Na gut, spielen wir eben das Spielchen . . . Ich knie mich langsam vor ihm auf den Boden, stütze die Ellbogen auf dem freien Raum zwischen seinen Oberschenkeln ab und lege meinen Kopf darauf ab. Ohne seinen Blick abzuwenden streicht er mir eine Strähne aus dem Gesicht und beugt sich langsam zu mir herunter. Gerade will ich mich strecken um ihn endlich zu küssen, als er plötzlich aufschreckt und zur Tür hinaussieht. Nach einer Schrecksekunde wendet er sich wieder mir zu und formt mit den Lippen Akis Namen. Im nächsten Moment presst er die Unterschenkel an den Bettrahmen, krallt sich in der Matratze fest und stöhnt gequält auf. „Kajaaaaaaa, oh, jaaaaaaaaaaaaaaaaa!!!!!“ Mit geschlossen Augen wirft er den Kopf in den Nacken und presst mir seinen Oberkörper entgegen. Grinsend verhaare ich auf den Knien zwischen seinen Beinen und zwinge mich, still zu sein. „Oh, hi Aki! Is irgendwas?“ „Ähm, ich .. nö . . .“ Ich drehe mich um, lecke mir anzüglich über die Lippen und rutsche etwas zur Seite. „Boah, ihr versauten, kleinen Ratten . . .“ „Was hast du denn gedacht, dass wir hier machen, he?“ „Ach, halt doch die Klappe und gib mir meinen Rucksack.“ „Da in der Ecke. Lässt du uns dann bitte wieder allein? Wir ham noch was zu erledigen, weißt du.“ „Jaja, tschüss. Gute Nacht.“ „Aki?“ „Was?“ „Bist du sauer?“ „Quatsch, Kaja.“ „Dachte ja nur . . .“ „Ihr beide macht mich nur noch irgendwann mal fertig.“ „Keine Absicht.“ „Ja, das hätten wir also. Ich hab dich fürchterlich lieb, Aki, aber könntest du jetzt bitte deinen Knackarsch aus unserer Suite schwingen?“ „Bäh, ich bin ja schon weg. Nächtchen.“ „Nacht ,Aki.“ Nachdem die Tür ins Schloss gefallen ist, sehe ich Lauri vorwurfsvoll an und stupse ihn mit der Nase an. „Warum bist du denn so zickig zu klein Hattu?“ „Ganz einfach . . .“ „Ja?“ „Ich will mit dir alleine sein.“ „Bist du doch jetzt.“ „Mhm, stimmt . . .“ „Und?“ „Nix.“ „Toll.“ „Was hast du erwartet? Dass ich dir die Kleider vom Laib reiße und über dich herfalle?“ „Mhm, hört sich gut an.“ „Na warte . . .“ Er zieht mich auf die Beine, drückt meine Handgelenke nach unten und drängt mich gegen das Bett, bis ich nach hinten umfalle und er auf mir landet. Grüne Augen funkeln mich herausfordernd an, seine Lippen nähern sich und bringen mich mit ihren vorsichtigen Berührungen einmal mehr um den Verstand. Allmählich löst er den festen Griff von meinen Handgelenken und streicht mir stattdessen ein paar Strähnen aus dem Gesicht. Langsam dringt die Wärme seines Körpers durch den seidigen, tiefschwarzen Stoff und erfüllt mich mit einer tiefen inneren Zufriedenheit die mich gleichmäßig durchströmt. „Und jetzt? Wolltest du nicht über mich herfallen?“ „Nööö, keine Lust . . . also nicht, dass ich keine Lust hätte, aber . . . du weißt schon, was ich meine.“ „Weiß ich das?“ „Jap, du weißt immer, was ich sagen will.“ „Achso, okay. Und jetzt runter von mir, ich muss mir noch nen Callboy rufen.“ „Hey, und was ist mit mir?“ „Du hast doch keine Lust . . .“ „Na gut, ich kann ja mal mit Gewalt versuchen, geil zu werden.“ „Ach Quatsch, war doch nur Spass.“ „Is aber nich witzig.“ „Och Vögelchen . . .“ Ich mache ein unschuldiges Gesicht und küsse sein Stupsnäschen. „Nix Vögelchen.“ Beleidigt rollt er von mir herunter und will sich vom Acker machen, doch ich packe an am Hosenbund und ernte dafür einen bösen Blick. „Bleib da . . .“ „Pfäh.“ Vielleicht ein Küsschen hier . . .eins da .. . „Na gut, aber kein Wort mehr von Callboys, Akis oder anderen Störfaktoren.“ „Versprochen.“ Schnell schlüpfe ich aus dem Kleid und kuschle mich zu ihm unter die Bettdecke, wo er mir den Arm um den Rücken legt und leicht versaut angrinst. „Wegen dem Kleid . . . du siehst unheimlich sexy darin aus, aber so gefällst du mir noch vieeel besser.“ „Perversling.“ „Ich hab dich auch furchtbar lieb, Darling.“ „Das wollte ich auch gerade sagen . . .“

Chapter 39

Als Kaja erwachte, vernahm sie leise Stimmen im Raum, die verstummten, als sie sich aufrichtete und ins grelle Morgenlicht blinzelte. „Morgen, Cutie. Bist du ansprechbar?“ Sie grummelte etwas Unverständliches und realisierte langsam, dass die Frau, die auf Lauris Bettseite saß und sie angrinste, seine Schwester sein musste. „Morgen, ich bin Hannah.“ Sie reichte ihr die Hand, Kaja schüttelte sie leicht bedripst und fuhr sich dann gähnend durch die Haare. „ Schön dich kennen zulernen. Mhm ich seh bestimmt aus wie eins von den Schrankmonstern, vor denen klein Lauri immer Schiss hatte.“ „Das is doch immer so, Kajaspatz.“ „Schön, wo habt ihr den Drummer versteckt?“ „Ich kann gar nix dafür, die warn plötzlich einfach da.“ „Ihr sperrt ja auch nie ab.“ „Die Gefahr erwischt zu werden, turnt uns doch nur noch mehr an, nich wahr, Kleines?“ „Yeah, und jetzt lass meine Sachen in Ruhe, Hattu.“ „Jaja, ich hab Hunger, kommt ihr endlich?“ „Kommst du nach, Kaja?“ Jep, ich beeil mich auch.“ „Okay, bis gleich.“ Er zog sie kurz an sich und küsste sie sanft auf den Mund bevor er vom Bett robbte und seiner Schwester und Aki nach draußen folgte. Auf nem Gang drückte Hannah ihn plötzlich gegen die Wand und tätschelte ihm zufrieden den Kopf. „Hey, du zerstörst meine Frisur!“ „Ich wollte dir nur danken, Bruderherz.“ „Hä? Wofür denn?“ „Dass es diesmal keine blonde, aufgetakelte ,völlig hohle Schlampe is.“ „Na also übertreib mal nich . . .“ „Maria: dumm wie Brot, wobei Brot noch schimmeln kann, Kiira: blond, blauäugig, gleichzeitig mit nem andern Typen gevögelt und davon schwanger geworden . . .“ sie kicherte gehässig und fuhr dann fort. „ . . .IIkka: regelmäßig gegen Laternenpfähle gelaufen, Mara: na ja, lassen wir das . ..“ „Is ja gut.“ „Was is eigentlich aus der Tusse geworden, mit der du dich in Deutschland immer so gezickt hast?“ „Ähm, du meinst die, mit der ich fast im Bett war?“ „Hehe, genau die.“ „Die rast wahrscheinlich grade leicht bekleidet durch unsre Suite.“ „Sag nicht, dass Kaja . . .“ „Doch.“ „Ach Lintu, sowas bringst auch nur du fertig.“ Gerade sagte sie das letzte Wort, als die Tür der Suite aufsprang, Kaja herausstürmte und sich im Gehen ihr Shirt über den Kopf zog. „Wolltet ihr nich runter gehen?“ „Ich musste mich erst noch bei dem kleinen Scheißer hier dafür bedanken, dass du nicht blond und dumm wien Stück Pappe bist.“ „Ich sehe, wir verstehen uns.“ Grinsend hakte sie sich bei Hannah unter und die beiden schlenderten tratschend zum Treppenaufgang. Lauri verdrehte theatralisch die Augen und schlurfte ihnen dann leicht genervt hinterher.

Nach dem Frühstück standen die vier vollgefressen vor dem Hotel und sahen sich ratlos um. „Und jetzt?“ „Ich hasse es, wenn du das fragst.“ „Dann hör doch nicht hin, Kajaschnäuzelchen.“ „Du mich auch, Vögelchen.“ „Man habt ihr euch lieb . . .“ „Gell, das is besser als Romeo und Julia.“ „Hehe, da müsstest du ja Strumpfhosen tragen.“ „Na danke . . .“ „Ähm . . .ich will euch ja nicht in eurer Diskussion unterbrechen . . .“ „Dann halt die Klappe, Schwesterherz.“ „Selber, sonst sag ich’s Mama.“ „Pfäh, was kann die dir schon befehlen?“ „Sie hat mir gesagt, dass ich auf dich aufpassen soll, Kleiner, also benimm dich, oder ich nehm dir deine Kippen weg.“ „Man, ich bin doch kein kleines Kind mehr.“ Kaja verbiss sich ein grinsen, musste dann aber beim Anblick von Hannas gequältem Gesichtsausdruck doch losprusten. Sich gegenseitig auf den Beinen haltend kicherten sie, bis ihnen die Tränen kamen. „Was? . . .WAS?“ „Ich glaub, die sind da anderer Meinung, wegen dem klein und Kind und so weiter.“ Kaja klopfte anerkennend auf die Schulter und wischte sich dann das Wasser von den Wangen. Zufällig fiel ihr Blick auf Lauris beleidigtes Gesicht, im nächsten Moment wurde sie wieder von Lachkrämpfen geschüttelt. „Geht’s noch?“ Einschnappt zog er die Nase kraus und verschränkte die Arme vor der Brust. „Sorry . . .ich . . .“ „Wer is nur auf die beschissene Idee gekommen, euch Weiber mitzunehmen?““ „Das warst du, Alter.“ „Naja, allein sind sie ja ganz okay, aber in der Herde . . . meine Fresse.“ „Ganz okay? Mann, du gehst mit der kleinen schwarzhaarigen da ins Bett und die Große, na ja, die war schon immer da.“ „Pfäh, mit der warst DU im Bett.“ Abrupt hörte Kaja auf zu lachen und sah die beiden mit großen Augen an. „Du . . . und . . .sie?“ „Ja, na und? Ich war jung und hatte zuviel Geld.“ „Ja, schön, hätten wir das also geklärt. Wohin jetzt?“ Hanna räusperte sich, blinzelte und grinste dann in die Runde. „Wie wärs mit Rotlichtmilieu? Aber ne, das kennt ihr ja schon aus euren einsamen Tourbusnächten.“ „Jo, ich hab keinen Bock, mit irgendwelchen alten Tussen in Strapsen zu labern, die klein Lauri schon mal einen r . ..“ „Is gut jetzt! Wie wärs mit Empire State Building?“ „Kultur? Na gut, aber nicht zuviel.“ „Was heißt, dass wir in zwei Stunden eh wieder am Hafen inner Bar hocken und bechern.“ „Klingt gut, also los.“ Fröhlich grinsend hakte sich Kaja bei Lauri unter und schleifte ihn mit sich die Straße hinunter.

„Ich kann nicht meeeehr . . .“ „Ich auch nich . . .“ „Boa, was seit ihr nur für Weicheier? Erst die große Klappe haben und dann schwächeln. „Genau, ihr wolltet ja nicht mit dem Aufzug fahren.“ „Ich wollte da sowieso nicht hoch.“ „Och Aki, irgendwann musst du deine Angst doch mal besiegen.“ „Ich hab keine Angst, mir wird nur immer so schlecht . . .“ Kaja zog die Augenbrauen hoch und warf Hanna einen vielsagenden blick zu. Diese lachte und scheuchte die Jungs wieder hoch, die es sich gerade auf der Treppe bequem gemacht hatten. „Los, auf, hoch da, ihr Zwerge.“ „Zwerge . . .pah, fucking Empire State Building.“ Grummelnd stapfte der Drummer weiter die endlosen Stufen empor und fühlte plötzlich Lauris Hand auf seiner Schulter. „Siehs doch mal positiv, Alter.“ Sagte er leise und grinste. „Was soll an diesem Ding hier bitte positiv sein?“ „Naja, wenn wir da oben stehen, wird den Zicken bestimmt kalt und dann werden sie wieder gaaaaaaanz zahm . . .“ „Toll, schön für dich, du kannst ja dann Kaja vernaschen.“ „Ey, jetzt erzähl mir nicht, dass du nicht immer noch auf meine Schwester stehst.“ „ Laber kein scheiß . . .“ Er lief leicht rot an und starrte stur auf den grauen Stein zu seinen Füßen. Grinsend pfiff Lauri vor sich hin und stieß schließlich die schwere Holztür auf, die den Treppenaufgang von der Plattform abgrenzte. Staunend trat er nach draußen und ließ seinen Blick über das weitläufige Panorama New Yorks schweifen. Der Rest der kleinen Truppe folgte ihm und verstreute sich allmählich. Nur Kaja gesellte sich leise zu ihm und schlang vorsichtig den Arm um seinen Rücken. „Schön, nicht?“ „Geil, fantastisch, was immer du willst.“ „Was ich will?“ Er warf ihr ein dreckiges Grinsen zu und rutschte näher an den Rand der Plattform. „Ach, mein versautes Vögelchen . . .“ „Was ist eigentlich aus Schlumpfi geworden?“ „Mhm, Vögelchen passt einfach besser, das deckt alles ab.“ „Das will ich jetzt aber genauer wissen.“ „Naja, VögelCHEN, wegen deiner Größe, bzw. Kleine, Vogel, wegen deiner Federn und Vögel wegen . . .“ „KAJA!“ „Oa mann, warum müssen große Schwestern IMMER stören?“ Mit den Armen rudernd kam Hanna auf die beiden zugerast und blieb keuchend stehen. „Aki . ..Aki hat . . .“ sie kicherte kurz „ . . . vom Empire State Building gekotzt!“ „Echt!?“ „Jap, son paar Japaner ham en Photo davon gemacht.“ Sie grinste bis über beide Ohren und zog die beiden dann in eine kleine Ecke, wo ein grünlich-blassblauer Aki saß, der sich stöhnen den Bauch hielt. „Ach Hattu, du bist bestimmt der erste Finne in der Geschichte der Menschheit, der vom Empire State Building gekotzt hat.“ „Halt die Fresse . . .“ „Lauri laber nicht sondern hilf uns, ihn hier runter zu schaffen.“ Alle drei bemühten sich, ernste Gesichter zu machen, als sie ihn hochhieften und nach unten begleiteten, trotzdem brach von Zeit zu Zeit ein Kichern aus der kleinen Gruppe.
Auf den letzten paar Metern kam plötzlich wieder Leben in den grünlichen Drummer und er sprang fröhlich die Stufen hinab uns Erdgeschoss. „Nie wieder geh ich da hoch, nie, nieeee wieder.“ Hanna lachte belustigt, doch plötzlich verstummte sie und jagte davon. „Hä, was isn in die gefahren?“ „Keine Ahnung, lass es uns rausfinden.“ Gemütlich trotteten sie ihr nach und zogen Aki auf, der beleidigt die arme vor der Brust verschränkt hielt.
Wenig später sahen sie Hanna wieder, die grinsend auf sie zukam und zufrieden lächelte. „Ich hab die Japaner gesehen, sie werden uns Abzüge schicken.“


Chapter 40

Die Sonne war schon längst untergegangen, als Kaja sich vorsichtig aus dem bequemen Bastkorb erhob und leicht torkelnd aufrichtete. „Da hatte wohl jemand en bissl zuviel Sex on the Beach, was?“ „Halt die Klappe, Vögelchen, du bis eh Schuld.“ „Wer hat sich denn die Klamotten vom Körper gerissen, hä?“ „Jetzt hört doch mal auf zu spinnen, ihr beiden.“ Aki rührte grinsend in seinem Cocktail und zwinkerte der Frau an der Bar verführerisch zu. „Schon scheiße, wenn man SCHWUL is, nich wahr, AKI?“ Hanna hatte Englisch gesprochen, sodass sich einige Leute verwirrt nach der kleinen Truppe umdrehten. „ Halt die Fresse . . .“ zischte der Drummer und rutschte tiefer in die weinroten Kissen. „Sach ma, was wollte ich eigentlich?“ „Du wolltest aufs Klo, Gummis holen.“ „Aso, ja . . . weiß schon wieder.“ Grinsend schlängelte sie sich an den Tischen vorbei und sah noch einmal aufs Meer hinaus, bevor sie um die Ecke bog, um die Toiletten zu suchen. Zwischen den ganzen anderen Menschen, hatte sie den kühlen Seewind nicht gespürt, doch jetzt ließ er sie frösteln, als er über ihre Haut strich. Fasziniert sah sie nach oben, um die Sterne hoch oben funkeln zu sehen, bog nocheinmal um die Ecke und fand sich plötzlich an der Straße wieder. „Scheiß Alk . . .“ Genervt machte sie auf dem Absatz kehrt und wollte gerade in die Richtung zurückstiefeln, aus der sie gekommen war, als sie mit jemandem zusammenstieß. „Oh, Entschuldigung . . .“ „Oh, keine Ursache.“ Kaja sah auf, plötzlich gefror ich Lächeln und sie starrte ihr gegenüber ungläubig an. „Du?“ „Ja, hast du etwa ein Problem mit mir, Kleine?“ Grinsend hob er die Hand und streifte den Träger ihres Tops von der Schulter. „Fass mich nicht an . . .“ Mit starrem Blick trat sich einen Schritt zurück und wollte sich umdrehen, doch er packte sie rechtzeitig am Handgelenk und zog sie eng an sich heran. „Wo willst du denn hin, Baby? Weißt du, ich hab viele Freunde hier in New York, die finden dich überall . . .“ „Was willst du?“ Verzweifelt versuchte sie, ein Stück von ihm abzurücken, doch er zog sie nur noch dichter an seinen stinkenden, verschwitzen Körper. „Weißt du, ich bin grad ziemlich geil, und für nen kleinen Fick warst du dir noch nie zu schade . . .“ Geschickt fing er ihre Hand ab, mit der sie gerade hatte ausholen wollen und presste sie grinsend auf seinen Hintern. „ . . . außerdem könntest du mal wieder was bei mir bestellen, bist doch Stammkundin.“ „Fick dich, Miguel.“ „Oh, nein, ich werde dich gleich . . .“ „Lass mich los oder ich schreie!“ „Was dir fehlt, is ne ordentliche Dosis . . .“ Er suchte mit der linken Hand in seiner Tasche, während er mit der anderen ihr Handgelenk fest umklammert hielt. Verzweifelt starrte sie auf seine fetten Haare, sein schmieriges Gesicht, Bilder zogen an ihr vorbei. Seine widerlichen Hände auf ihrem Körper, sein lüsterner Blick und die Herablassung, wenn er ihr endlich das gab, was sie brauchte. Tränen stiegen in ihr auf, als sie an den Abend mit Lauri dachte, seine Zärtlichkeit, seine sanfte Blicke, die sie liebevoll musterten. All das würde sie in den nächsten Sekunden verlieren. „Seit wann heulst du denn gleich los, Baby? Das hier wird dich aufmuntern . . .“ Grinsend zog er eine kleine Ampulle aus der Tasche und zog Kaja wieder dich an sich heran.
Doch plötzlich krümmte er sich zusammen und starrte einige Augenblicke starr in die Luft, bis er zu Boden ging und sich wimmernd die Hände zwischen die Beine presste. „Friss Dreck, du Wichser!“ Herablassen musterte sie ihn, doch dann stieg plötzlich wieder die Angst in ihr hoch. Angst, vor den vielen Freunden, die er angeblich hier hatte und Angst vor ihrer Vergangenheit, die vor kurzem noch Realität gewesen war und doch so weit zurück lag. Langsam ging sie zurück zu der kleinen Terrasse, steuerte auf den niedrigen Holztisch zu, um den die anderen drei immer noch saßen und sich lachend unterhielten. Ein Gefühl der Ausgeschlossenheit machte sich in ihr breit und brachte sie zum Stehen. Aufmerksam musterte sie die kleine Gruppe eine Weile, dann drehte sie abrupt um und eilte die wenigen Stufen zum Strand hinunter. Es war zwar weniger Strand als Pflasterpromenade, doch ein schmaler Streifen Sand war immerhin vorhanden. Das triste Grau ließ die junge Frau noch stärker frösteln, doch sie blieb einfach reglos stehen und starrte auf den Ozean hinaus. Die Tränen liefen lautlos über ihre kühlen Wangen und hinterließen rote Spuren auf ihrer Haut. Plötzlich spürte sie, wie sie von jemandem sanft in den Arm genommen wurde. Sie spürte die Wärme und Zuneigung, die seine Lippen auf ihrer Stirn hinterließen, als er sie liebevoll küsste und an sich drückte. „Was ist denn passiert?“ „ Er war wieder da . . .“ „Miguel?“ Sie nickte leicht und lehnte sich vorsichtig gegen ihn. „Scheiße . . . hat er . . . ich meine . . .“ „Ich hab ihm in die Eier getreten.“ Er lachte leise auf und strich ihr beruhigend durch das schwarze Haar, das ihr seidig glänzend auf die Schultern viel. „Ich bin stolz auf dich, Kleines.“ „Ich hab Angst, Lauri.“ „Ich pass auf dich auf, und wenn alle Stricke reißen, dann kann Aki ihn immer noch voll kotzen.“ „Du sollst mich doch nicht immer zum lachen bringen.“ „Hats wenigstens funktioniert?“ „Jahaaa . . .“ lächelnd strich sie sich die Tränen aus dem Gesicht und sah beschämt zu Boden. „Wollen wir wieder zu den andern gehen, oder doch gleich ins Hotel?“ „Ich seh bestimmt aus wie ne Gesichtsbaracke . . .“ „Ja, und jetzt hast du dir auch noch den Kajal verschmiert.“ „Boa, bist du fies . . .“ „Alles wieder gut?“ „Alles is gut, solang du da bist . . .“ sagte sie leise und vermied es, ihn anzusehen, bis er vorsichtig ihr Kinn anhob und ihr tief in die Augen sah. „Ich liebe dich, vergiss das nie.“ Sie nickte vorsichtig und küsste ihn dann sachte. „Können wir bitte gleich ins Hotel gehen?“ „Klar, ich ruf Hanna später an.“ Kurz musterte er die junge Frau mit den tiefgrünen Augen, in denen er sich schon so oft verloren hatte, nahm dann ihre Hand und zog sie dicht an seine Seite. „Let’s go, girl.“ Lachend ließ sich von ihm Richtung Straße ziehen und begann langsam, zu vergessen, was noch vor wenigen Minuten tiefe Wunden in ihre angeschlagene Seele geschnitten hatte.

Chapter 41

„Kaja?“ Lauschend lag Lauri auf dem Bett und wartete auf eine Antwort, schließlich stand er auf und schlich ins Bad, wo er sie vermutete. „Cutie, was machst du denn da?“ Zitternd stand sie an dem aus schwarzem Marmor geschliffenen Waschbecken und starrte ausdruckslos auf das kleine Päckchen, das sie in den Händen hielt. „Die hab ich jeden Tag genommen, jahrelang . . .“ „Das ist vorbei.“ Mit einem Schritt war er bei ihr und nahm ihr mit sanfter Gewalt die Tablettenschachtel aus der Hand. Dankbar sah sie ihn an, schlang plötzlich die Arme um seinen Bauch und legte die Wange an seinen kräftigen Oberkörper. „Hey, Kätzchen, jetzt musst du nur noch anfangen zu schnurren.“ „Nimmst du mich auch so mit ins Bett?“ „Mhm, so als Kuscheltier?“ „Jep . . .“ „Dafür bin ich doch schon viel zu groß . . . äh alt.“ „Schade.“ „Wegen dir könnte ich ja mal ne Ausnahme machen . . .“ „Und die Bedingung?“ „Du musst mir versprechen, nie, nie, nie wieder solches Zeug anzufassen.“ Er hörte plötzlich auf zu lächeln und sah sie abwartend an. „Lauri, ich . . .“ „Sag es!“ „Okay, ich werd mein bestes tun.“ „Du bist doch nicht allein, Kaja.“ Zärtlich strich er ihre Haare zurück und gab ihr einen sanften Kuss auf die Schläfe bevor er sie von sich löste und durch den Türrahmen zurück ins Schlafzimmer schob. Fröstelnd schlang sie die Arme um ihren schlanken Körper und sah kurz durch das geöffnete Fenster auf den sternenklaren Himmel über New York City. „Kätzchen, du frierst ja wie die Seuche.“ „Hast du Hanna angerufen?“ „Ja . . . Was hast du?“ „Ich hab Angst.“ „Angst wovor?“ Umsichtig schob er sie von der geöffneten Balkontür weg und drückte sie hinunter aufs Bett, um die dunkle Satindecke um ihre Schultern legen zu können. „Dass ich nicht halten kann, was ich dir versprochen habe . . . und das seine „Freunde“ mich finden werden . . .“ „Kaja, wir passen alle auf dich auf. Ich mag zwar klein sein, aber ich kann ganz schön gemein werden, wenn dir jemand was antun will.“ Sie lachte leise und kroch ganz unter die Decke, um dort Schutz vor der beißenden Kälte zu finden. Lauri folgte auf allen vieren und beugte sich tiefer über ihr Gesicht, blickte in ihre stechend grünen Augen, die im Kontrast zu den schmalen roten Lippen standen. „Willst du Kater spielen, oder seh ich das falsch?“ fragte sie kühl, lächelte dabei aber leicht und legte den Kopf leicht schief. „Ich werd dir gleich den Hengst machen, wenn du noch mal so blöd fragst.“ Grinsend ließ er seine Hand unter die Decke rutschen und versuchte sie zu kitzeln doch Kaja war schneller, packte seine hand und küsste sie vorsichtig. „Lieb sein, ja?“ „Wenn ich mit unter die Decke darf . . .“ „Mhm, ich weiß nicht . . .“ „Büdde, Cutie, ich frier mir hier noch sonst was ab.“ „Na gut, das wolln wir ja nich . . . obwohl . . .“ „Obwohl was?“ Dankbar krabbelte er zu ihr unter die Decke und zog sie wieder dicht an sich. „Dann würde es wohl keine „Lauri, ich will ein Kind von dir“- Schilder mehr geben.“ „Dann gäbs eben „Lauri, lass uns poppen, kann ja eh nix passsieren“- Schilder.“ „Stimmt . . . scheiße . . . egal, lassen wirs so, wie es ist.“ „Mhm, bin ich auch für . . .“ Verträumt malte er mit dem Finger kleine Muster auf die freie Stelle zwischen ihren Schulterblättern und begann dann zaghaft ihren Hals zu küssen. Angenehm überrascht griff sie nach seiner Hand und presste sie auf die Stelle, wo er ihr Herz schlagen fühlen konnte. Stück für Stück ließ er seine Hand über ihre Hüfte gleiten und zog sie dann zu sich heran, damit sie sich gegenüber lagen, schloss die Augen und erwiderte ihren fordernden Kuss. Kajas Fingernägel glitten aufreizend langsam seinen nackten Oberkörper hinab, strichen vorwitzig am Bund der dunklen Shorts entlang, hoben ihn schließlich ein Stückchen an und entlockten seinem Besitzer ein unterdrücktes Stöhnen.
Sie lächelte kurz, zuckte dann aber selbst zusammen, als er den Spieß umdrehte und die Knöpfchen ihrer Bluse umständlich Stück für Stück auf friemelte. Ungeduldig kämpfte sie ihre Hände frei und wollte es gleich selbst machen, doch er war schneller, drückte ihre Handgelenke auf die Matratze und fuhr nun mit den Zähnen fort. „Das is so fies von dir . . .“ knurrte sie leise und wand sich unter seinem Griff.“ „Mhm . . .das is fies , Cutie.“ Grinsend rutschte er noch ein Stückchen tiefer, nahm vorsichtig den Reißverschluss ihrer Jeans zwischen die Lippen und ließ ihn gähnend langsam auseinander gleiten. Mit geschlossenen Augen presste sie ihren Kopf zurück in die Kissen und drängte sie ihm entgegen. Mit einem leisen Klatschen landete ihre Hose an der gegenüberliegenden Wand, stattdessen spürte sie seine Finger auf ihrem Oberschenkel, die vorwitzig immer weiter nach oben wanderten und gleißende Hitze in ihr aufsteigen ließen. Plötzlich packte er sie an den Hüften, legte sich auf den Rücken und zog sie auf seinen Schoß. Lasziv lächelnd verlagerte sie langsam ihr Gewicht und beobachtete dabei genau, wie er sich in der Matratze festkrallte und stoßweise ausatmete. Im nächsten Moment konnte er ihre weichen Lippen auf seinem Oberkörper spüren, die kreisenden Bewegungen über seiner Shorts, die ihn fast zum explodieren brachten. Qualvoll langsam reagierte seine Hand auf den Befehl und streifte das letzte Stückchen Stoff von ihren Hüften, bevor sie weiter nach hinten glitt und Kaja näher zu sich heran zog, sodass sie genau an der richtigen Stelle saß. Keuchen tastete sie mit ihrer Hand nach der seinen, drückte sie kurz, und riss dann mit einem Ruck die Shorts entzwei. Wie entfesselt hob er sie ein Stückchen an und genoss die Erleichterung, die sie ihm in diesem Moment schenkte.

Chapter 42

„Lauri?“ „Mhm.“ „Lass mich bitte los.“ „Nur noch fünf Minuten.“ Nuschelte er und schlang die Arme fester um ihre Taille. „Das hast du vor einer Stunde auch schon gesagt, Darling.“ Er zuckte leicht mit den Schultern und seufzte dann zufrieden.
Im Raum herrschte immer noch schummriges Licht, die dünnen, dunkelblauen Vorhänge hielten die gleißende Sonne zurück und zauberten eine angenehme Atmosphäre.
„Ich will aber duschen.“ „Dann geh doch.“ „Kann ich nicht, wenn du an mir dran hängst.“ „Nimm mich mit.“ „Das hättest du wohl gerne.“ „Stimmt.“ „Nix da.“ Dann lass ich dich auch nicht los . . . ich lass dich nie wieder los.“ „Hör auf so süß zu sein und nimm deine Pfoten von meinem Bauch.“ „Du bist fies, Cutie.“ „Tut mir leid, aber ich werd so zappelig, wenn draußen die Sonne scheint und ich im Bett liegen muss.“ „Das klingt ja fast wie Strafe . . .“ „Hey, ich hab dich doch lieb.“ „Wirklich?“ „Natürlich, warum fragst du?“ „Weil du mich immer so fies in den Hintern zwickst, wenn du das sagst.“ „Ich kann Knackärschen eben nicht widerstehen . . .“ „Los verzieh dich, ich geb dir ne viertel Stunde, keine Sekunde länger, sonst komm ich dich holen.“ „Ich zittere.“ „Solltest du auch.“ Er grinste dreckig und kuschelte sich tief in die Kissen während Kaja sich aus dem Bett wälzte und gähnend ins Badezimmer tappte. Mit einer hand tastete sie nach dem Lichtschalter, krallte sich ein Handtuch aus dem Stapel und wollte gerade in die gläserne Kabine steigen, als ihr Blick in ihren offenen Kulturbeutel fiel, der auf der Kommode neben der Dusche stand. Böses ahnend machte sie kehrt und zerrte die kleine Packung hervor, die ihr solche Sorgen machte. Hastig zog sie den ersten angebrochenen Bogen heraus und starrte ungläubig drauf hinab. „1, 2, 3 . . .4. . .Das kann doch nicht wahr sein!“ flüsterte sie mit zitternder Stimme und zählte nocheinmal nach.
Minuten später sank sie langsam auf den Rand der Badewanne, stützte ihre Ellbogen auf den Knien ab und vergrub ihr Gesicht in den Händen. „Scheiße . . . verdammte Scheiße . . . Pille vergessen und dann auch noch allergisch gegen irgendwas danach sein, toll Kaja.“ Wütend auf sich selbst unterdrückte sie ein Schluchzen und atmete tief durch. Ihr war bewusst, dass sie Lauri nach diesen Ferien vielleicht nie wieder oder höchstens alle paar Jahre mal zu Gesicht bekommen würde und dass ein Kind in ihrem Job das Aus bedeutete.
„Cutie? Geht’s dir nicht gut?“ Plötzlich stand er im Türrahmen und sah sie besorgt an. Langsam kam er näher, kniete sich vor ihr auf den Boden und schob vorsichtig seine Hände unter ihre. „Lauri . . . ich . . .“ Zärtlich legte er den Kopf schief und musterte sie erwartungsvoll. Plötzlich schossen ihr tausend Gedanken durch den Kopf. Wie oft hatte er ihr erzählt, dass ihn sein Job immer öfter einfach nur noch ankotzte und dass er am liebsten alles hinschmeißen würde. An anderen Tagen war er förmlich in der Musik untergegangen, hatte gestrahlt und war einfach nur glücklich mit seinem Leben gewesen. Wenn sie es ihm jetzt sagte, dann würde er vielleicht aufhören, seinen Traum zu leben, und das wollte sie keinesfalls riskieren. Außerdem bestand ja noch die Chance, dass der kleine Unfall ohne folgen geblieben sein könnte . . . „ . . . mein Kreislauf . . . es wurde plötzlich alles schwarz.“ „Komm, Sweety, ich bring dich zurück.“ Mit einer umsichtigen Bewegung hatte er sie hochgehoben und trug sie zurück zum Bett. „Siehst du, das passiert, wenn du nicht auf mich hörst.“ Sagte er leise und lächelte. Sie verzog gequält das Gesicht und schlang die Decke um ihren Körper. „Kann ich dich kurz allein lassen, Cutie?“ „Ja, mach ruhig.“ „Okay, dann geh ich jetzt mal duschen. Aber schön liegen bleiben, ja? Sonst gibt’s heut keine Kippen für dich.“ „Ja, Papa.“

[am Abend]

„Cutie . . . komm doch endlich.“ Ich will ja eigentlich nicht quengeln, aber ich tus doch. Immer wieder, wie ein kleines Kind, ich verzehre mich geradezu nach ihrer Liebe und Zuneigung. „Ja, gleich.“ Ob ich sie nerve? Sie ist so merkwürdig seit heute Morgen . . . Vielleicht hab ich ihr weh getan, letzte Nacht . . . ach Quatsch, und wenn, muss sie es gut versteckt haben. Oder sie hat immer noch Angst, vor Miguel, diesem Drecksack und seinen Wichserfreunden . . .
Endlich kommt sie aus dem Bad, ihr Gesichtsausdruck ist nervös, angespannt, wie schon den ganzen Tag, langsam mache ich mir Sorgen um sie. „Kaja, komm mal her.“ Sie sieht mich erstaunt an, bewegt sich aber in meine Richtung, bleibt schließlich vor mir stehen. Geduldig ziehe ich sie auf meinen Schoß und streiche ihr die Haare aus dem Gesicht. „Was hast du Kleines?“ „Nix, mir geht’s gut.“ „Wenn du mich schon anlügst, dann machs wenigstens richtig.“ Sie dreht den Kopf leicht, sieht mich an und lächelt dann leicht. „Tut mir leid.“ „Passt schon.“ Mit einer Kräftigen Bewegung ziehe ich mich nach hinten und lande schließlich genau auf meiner Bettseite, Kaja grinsend auf meinem Bauch. „Was?“ „Nix“ „Was grinst du dann so blöd?“ „Mir gefällts hier oben eben.“ „Ach ja?“ „Ja“ „Runter.“ „Nö“ „Was nö?“ „Ich bleib hier.“ „Das ist aber mein Bauch, und ich sag runter.“ „Pfäh, du gehörst aber mir und deshalb bleib ich, wo ich bin, basta.“ „Zicke.“ „Arschloch.“ „Biest.“ „W . . .“ „Nicht das W- Wort, meine Süße.“ „Wieso, das hast du doch in deinen langen einsamen Tourbusnächten dauernd gemacht.“ „Denkst du . . .“ „Sollte ich da was wissen?“ „Du darfst oben bleiben, wenn du nicht näher fragst.“ „Okay.“ „Braves Mädchen.“ Ich angle nach der Decke und ziehe sie über ihren Rücken, sodass sie sich noch ein bisschen fester an mich drücken muss. „So, und jetzt spucks aus. Was hast du?“ Schweigen. Ich kann förmlich sehen wie sie nachdenkt, abwägt, ob sie mir vertrauen kann. „Weißt du . . . .Ich hab keinen bock mehr auf Deutschland, aber genau da muss ich bald wieder hin. Ich muss mein eigenes, altes Leben leben, vielleicht monatelang nur im Theater arbeiten, nichts Interessantes machen. Abends dann totmüde ins Bett fallen, keine Ahnung haben, wofür die ganze Schufterei eigentlich gut sein soll . . .“ Sie mustert mich prüfend, legt dann ihren Kopf auf meine Schulter und greift nach meiner rechten Hand, die bis jetzt leblos auf der Matratze lag. „Du willst aussteigen, oder?“ „Ja, aber das wird wohl immer ein Traum bleiben . . .“ „Wo würdest du denn gerne hin?“ „Egal, Hauptsache weg von diesem ganzen Stress, der Hektik und dem ganzen Scheiß. . .“ „Wie wärs mit Thailand?“ „Thailand wäre schön . . .“Sie seufzt leise und malt kleine Muster auf meinen Handrücken. . „ . . . wie kommst du drauf?“ „Ein Freund von mir lebt da.“ „Wirklich? Der hast gut . . .“ „Mäuschen, du verstehst nicht.“ Lachend rolle ich zur Seite und knie mich über sie. „Doch, ich versteh schon. Du willst mich zu deinem Kumpel nach Thailand schicken, aber ich will nicht, dass du soviel für mich tust, Lauri.“ „Was willst du denn machen, Kleines?“ Ein Prickeln durchfährt mich, als ich einen zärtlichen Kuss auf ihre Lippen hauche. „Mich weigern?“ Sie sieht mich durchdringend an, versucht, ihre Handgelenke frei zubekommen und lässt sich schließlich wieder zurück auf die Matratze sinken. „Ich werde dich in ne kleine Kiste stecken, Raubtiertransport draufschreiben und dich einfach an Janne verschicken. Keine Sau wird merken, dass du auch ein Schmusekätzchen sein kannst, wenn du willst.“ Sie grinst verschmitzt, lässt plötzlich locker und legt den Kopf schief. „Lass mich bitte los.“ „Versprich mir, dass du mich nicht anfällst.“ „Ich bin ganz zärtlich.“ „Na gut, okay . . .“ Langsam lassen ich sie los, beuge mich gleichzeitig zu ihr hinunter und fühle im nächsten Moment ihre Hände, die sich langsam unter mein Shirt schieben.

Chapter 43

„Soll ich Janne mal anrufen?“ „Weiß nich . . .“ „Also ja. Wie spät ist es da eigentlich jetzt?“ „Ähm, ich glaub 8 Uhr morgens oder so.“ „Dann wird der Kerl schon wach sein.“ Suchend tastete er nach seinem Handy auf dem Nachttisch, und bekam dafür prompt einen Klaps auf den Hinterkopf. „Aua, wofür wardn das?“ „Du kannst den armen Kerl nich einfach so früh morgens aus dem Bett schmeißen.“ „Ich hab gar nicht gewusst, dass du auch schüchtern sein kannst.“ Grinsend zog er das Telefon aus der Schublade und suchte nach Jannes Nummer. „Bin ich doch gar nicht . . .“ „Wenn du das sagst . . . Ne, quatsch, ich hab trotzdem Recht.“ „Was weißt du schon über mich?“ „Mehr, als du denkst, Süße.“ Anzüglich zog er die Augenbrauen hoch und hielt sich das Handy ans Ohr. Kurz bevor das erste Klingeln ertönte, hatte Kaja es sich aber schon geschnappt und den Anruf abgebrochen. „Warte wenigstens noch bis morgen früh, ja?“ „Ne, nix da, gib her.“ „Hols dir doch.“ Lockend wedelte sie ihm mit dem Handy vor der Nase herum. Genervt wollte er danach greifen, doch genau in diesem Moment zog sie es nach oben und grinste belustigt. „Wie war das noch gleich mit dem Schlumpf?“ „Gib her oder ich steck dich zu Aki ins Bett.“ „25, 4 cm? Mhm, warum nicht . . .“ „Boa, du Miststück!“ „Mach dir nix draus, Lauri. Es kommt ja nicht auf die Größe an . . . HEY!“ Beleidigt donnerte sie das Kissen zurück und robbte im nächsten Moment hektisch aus dem Bett, weil Lauri mit seiner noch halbvollen Colaflasche hinter ihr her war. Auf der wilden Flucht quer durch die Suite bekam sie plötzlich einen Schwall von dem Gebräu in den Kragen, quiekte erschrocken auf und knallte mit einem Meter Vorsprung die Badezimmertür hinter sich zu. „Lauri, du Arsch! Jetzt darf ich wegen dir noch mal duschen.“ „Komm ruhig raus, Cutie, dann leck ich ab.“ „Pfäh, wenn du artig gewesen wärst, dürftest du jetzt reinkommen . . .“ „Ich bin sonst immer lieb.“ „Ja ja . . .aber heute eben nicht.“ „Sei doch nicht so kleinlich, Mäuschen.“ „Oh . . . hab ich doch glatt vergessen, Unterwäsche anzuziehen, wie peinlich.“ „Kaja, du bist echt ne blöde Kuh, weißt du das?“ „Jetzt hast du meine Gefühle verletzt, Darling.“ Aus dem Raum drang gedämpftes Geplätscher und Lauri ließ sich langsam vor der Tür zu Boden gleiten. „Du hast mich aber auch verletzt, Cutie . . .“ „Ich? Wieso?“ „Du hast mich Arsch genannt.“ Sagte er schniefend und gab ein Schluchzen von sich. „Ach jeh, wie kann ich das nur wieder gut machen?“ Das Geräusch des Wassers verstummte und er hörte, wie ein Handtuch von der Heizung gezogen wurde. „In dem du ganz schnell da rauskommst, aber ohne den ganzen Kram.“ „Welchen Kram?“ „Alles, was aus Stoff besteht.“ „Und wenn’s gaaanz wenig Stoff is?“ „Ein Kompromiss. Aber bitte komm jetzt wieder her.“ „Na gut . . .“ Die Tür sprang auf und Kaja trat mit gewichtiger Miene heraus. Sie hatte sich das Tuch wie eine römische Toga um den Körper geschlungen und blickte jetzt herablassend zu Lauri hinunter. „Was beliebt, Kleinwüchsiger?“ „Nichts, Holde, ich kann Euch nur unter . . . was auch immer das da sein soll . . . sehen.“ „Schweigt still und schämt Euch Eueres Daseins.“ „Oh weh Euch enttäuschen zu müssen, aber die Holde begibt sich jetzt ganz schnell ins Bett oder ich klau ihr ihre Kippen.“ „Was habt Ihr vor, Ihr Tunichtgut?“ „Ich werde die holde Maid jetzt gleich unsittlich berühren, wenn sie noch ein bisschen rumzickt und ihren Knackarsch nicht von der Stelle bewegt.“ „Wie sprecht Ihr mit Eurer Kaiserin, Untertan?“ „So, jetzt reichts.“ Mit drohendem Blick rappelte er sich auf, packte sie an der Hüfte und schob sie mit sanfter Gewalt zurück ins Schlafzimmer. „Wache!“ Mit einem Plumps landete sie auf der Matratze und sah ängstlich zu ihm auf. „Wollen wir wieder das Spiel von vorhin weiterspielen, oder hörst du auf?“ „Ich bin wieder brav.“ „Wieder? Guter Witz.“ Lächelnd kuschelte er sich zurück an ihre Seite und stockte dann plötzlich bevor er sie dreckig angrinste. „Was passiert eigentlich, wenn deine Toga aufgeht?“ „Wir werden sehen.“ „Mhm, ja, besonders ich. Ach ja, und glaub bloß nich, dass ich das mit Janne vergessen hab, ich ruf ihn morgen früh an, okay?“ „Okay . . .“ „Siehst du, jetzt schnurrst du wieder.“ „Nacht, Dicker.“ „Schlaf gut, Süße.“ Kurz herrschte Stille. „Bin ich wirklich fett, Kaja?“ „Ach quatsch, sonst würd ich das doch nicht sagen. „Hätt ja sein können . . .“

Chapter 44

„Nein, Janne, ich bin nüchtern . . . nein, ich hab mir auch nicht . . . verlängern lassen? Sag mal, geht’s noch?“ Vorsichtig schlug Kaja die Augen auf und lauschte interessiert. „Ja . . .ich weiß schon, dass Thailand etwas weiter von Finnland entfernt ist als von Deutschland . . .mhm . . .natürlich werde ich sie vermissen . .. sehr sogar.“ Sie schmunzelte, doch plötzlich fiel ihr Blick auf das weiße Badetuch, das sich tatsächlich aufgelöst hatte und zu einem Häufchen zusammengestrampelt mitten im Bett befand. Die Angst von gestern Morgen stieg wieder in ihr auf und sie wusste nicht, ob die sich die wachsende Übelkeit nur einbildete oder ob sie tatsächlich real war. „Oh, das Raubtier ist aufgewacht . . . es geht dich gar nix an, was wir gestern Abend gemacht haben, Janne-Schätzchen.“ Gequält lächelte sie und ließ es zu, dass Lauri sie an sich zog. Kurz lugte er auf das zerknüllte Tuch und grinste dabei dreckig. „So, ich will ja nix von der ÜBERRASCHUNG ausplaudern, also Heippa, Janne.“ Er lachte noch einmal auf und legte dann auf. „Gut geschlafen, sweety?“ „Mhm na ja, wie sich’s eben so schläft, nackt mit nem kleinwüchsigen Finnen in einem Bett . . .“ „Kleinwüchsig? Pfäh, dir tu ich nie wieder nen Gefallen . . .“ Neugierig geworden begannen ihre Sorgen wieder in den Hintergrund zu rücken und sie rutschte näher an ihn heran. „Willst du sagen, dass es klappt mit Janne . . . und Thailand?“ „Surprise . . . heute is übrigens Mittwoch, Darling.“ „Ich freu mich ja tierisch auf heute Abend . . . wenn ich nur endlich ne Ganzkörperpapiertüte finden würde . . .“ „Ach Cutie, du bist echt ne dumme Nuss.“ Kichernd kniff er ihr in die Seite und bekam dafür einen ärgerlichen Tritt gegen das Schienbein. „Manchmal denk ich, du hast Komplexe, Süße.“ „Ich bin nur um meine Mitmenschen besorgt, na und?“ „Ach, laber keinen Scheiß, Kleines. Und jetzt ab ins Bad mit dir.“ „Warum ich?“ „Na ja . . .“ er hob die Decke ein wenig an und schielte mit hochgezogenen Augenbrauen darunter. „Ne, ne, nix da.“ Glucksend schob sie ihn zu Seite und schließlich aus dem Bett. „Hey, das is unfair!“ „Ich will eben keine Morgenlatten in meinem Bett.“ „Haha, sehr witzig, die krieg ich auch ohn dich.“ „Ach wirklich?“ „Ähm, ich hab nix gesagt . . .“ „Los, ab mit dir.“ Sie wedelte scheuchend mit der Hand und wartete, bis er endlich im Bad verschwunden war, dann schwang sie sich ebenfalls aus dem Bett und zog sich das nächst beste über, was sie finden konnte.

[am Abend]

„Kaja, komm da raus . . .“ „Hanna, ich kann nich!“ „Natürlich kannst du. Du nimmst jetzt einfach die Klinke in die Hand und . . .“ „Haha, sehr witzig.“ „Mensch, Süße, mach hinne. Mein kleiner Bruder alias Ylönen, der Superlover war schon vier mal da und hat gequengelt.“
„Erstens ist er kein Superlover . . .“ „Aha . . .“ Hanna grinste interessiert und lehnte sich gegen die Badezimmertür. „ . . . sondern ein bombastischer Spitzenlover . . .naja, okay lassen wir das.“ Aus dem Bad drang unterdrücktes Kichern und irgendetwas Hartes, Schweres fiel klirrend zu Boden. „Das war Lauris Aftershave, stimmts?“ „Ups, ähm ja, das wars mal.“ „Schön, und jetzt komm bitte da raus.“ „Nein, ich seh so verdammt scheiße aus, das glaubst du gar nicht.“ „Denkst du, unser kleines Vögelchen hätte dir das Teil gekauft, wenn er nicht sicher gewesen wäre, dass es dir steht?“ „Ja, aber . . .“ „Nix aber. Raus jetzt, und zwar zackig.“ Missmutig schlurfte Kaja zur Tür, sperrte sei auf und baute sich mit verschränkten Armen vor Hanna auf. Diese starrte sie immer noch an, als Aki zur Tür hereingestürmt kam, einen Blick auf Kaja warf und dann ebenfalls wie erstarrt stehen bleib. Ihre schwarzen Haare hatte sie hochgesteckt und die Spitzen leicht herausgezupft, das Grün ihrer Augen wurde durch eine tiefschwarze Umrandung zum Ausdruck gebracht, die ihrem Blick fast ein wenig Mystik verlieh „Was? . . .Was!? Ich weiß ja, dass es scheiße aussieht, aber deswegen müsst ihr mich nich gleich so angaffen.“ „Schätzchen, du siehst so dermaßen geil aus . . .“ Ein breites Grinsen breitete sich auf dem Gesicht des Drummers aus, als er sie von oben bis unten musterte. „Aki, du sabberst deinen Smoking voll.“ Sagte Hanna kühl und schob die beiden gleichzeitig aus dem Zimmer, löschte das Licht und schloss die Tür hinter sich.
In Rekordzeit rasten die drei in die Lobby zurück, wo Lauri rauchend an einer Säule lehnte und nervös auf die Uhr sah. Als er die kleine Gruppe auf sich zukommen sah, drückte er schnell seine Kippe aus und ging Kaja entgegen, die ihn etwas unsicher anlächelte. „Lass mich raten: du siehst scheiße aus, willst ne Papiertüte oder doch wenigsten einen Kartoffelsack, stimmts oder hab ich Recht?“ „Wenns doch aber so is . . .“ „Ach Cutie, du siehst wirklich bezaubernd aus.“ Er lächelte aufmunternd und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. „Erst Hektik machen, und dann einen auf Turteltäubchen machen, das is ma wieder typisch Lintu . . .“ „Wollen wir nicht wieder hochgehen, Sweety? Ich will wissen, was du unter dem Kleid trägst . . .“ „Lauri! Wir wissen alle, dass sie DEIN Mädchen ist, okay? Können wir jetzt gehen?“ „Ja ja, wir kommen ja schon . . . ich hab übrigens noch ne Überraschung für euch.“ „Überraschung?“ Neugierig blieb Aki stehen und wartete, bis die beiden wieder neben ihm standen. Draußen parkte mittlerweile schon ein eleganter schwarzer wagen, der die vier zum Broadway bringen würde. „Wie nobel . . . was schaut ihr mich so an? Ich weiß doch auch nicht, was der kleine wieder vorhat.“ Grinsend schielte sie zu ihm hinüber und bekam im nächsten Moment einen Puff in die Seite. „Halt die Klappe, du Biest, benimm dich wie eine Dame und steig in den Wagen.“ „Ich lass mich doch von dir nicht rumkommandieren.“ „Recht so, gibs ihm.“ Hanna lachte und stieg zusammen mit Aki auf die Rückbank der kleinen Limousine. „Darling . . .“ Versöhnlich reichte er ihr die Hand und lächelte schief. „Pass auf, dass du nicht auf deinen Smoking trittst.“ Grinsend ließ sie sich neben Hannah nieder, die mit hochgezogenen Augenbrauen beobachtete, wie Aki bereits die halbe Einrichtung auseinander baute. „Ich hab dich auch so furchtbar lieb, Süße.“ Lauri quetschte sich als letzter in den Wagen und tat auf beleidigt, bis er Kajas Hand spürte, die vorsichtig unter sein Jacket krabbelte. „Nich böse sein, ja?“ „Pah . . .“ „Och man, du kriegst auch drei Kilo Lakritz von mir, wenn du mich wieder lieb hast.“ „Ich lass mich doch nicht bestechen.“ „Mhm, wie wärs mit nem deal?“ „Ich höre.“ „Wenn ich den ganzen Abend lang brav bin und dich nicht verarsche, dann hörst du jetzt auf, rumzuschmollen, okay?“ „Das will ich sehen.“ Schaltete Aki sich ein und beugte sich über Hannas Knie hinweg erwartungsvoll zu den beiden hinüber. „Jep, ich auch. Also einverstanden.“ Grinsend drückte er ihr einen Kuss auf die Wange und legte ihr den Arm um die Schultern. „Ohne Kajas Kommentare wird’s nur halb so lustig . . .“ „Stimmt, dann mach du eben, Schwesterherz.“ „Ich? Na gut, ich tu mein Bestes . . . Brüderchen, wenn du nicht aufpasst, sabberst du Kaja gleich in den Ausschnitt, so wie du gaffst.“ „Na, wie schön, noch son Weib . . .AUAA!“

Chapter 45

Nach der Vorstellung redete Lauri solange auf den Rest der Gruppe ein, bis die anderen nachgaben und ihm in ein ganz spezielles Restaurant folgte, wo sie noch 3 Stunden später saßen. Aki und Kaja gaben es auf, nach dem Grund zu fragen, warum sie die ganze Zeit hier rumhocken mussten und starteten kurzerhand einen Sauf-und-Trink-Contest, der nach einer halben Stunde von Hanna gestoppt wurde, weil Kaja plötzlich anfing, diverse intime Details über Lauri und sich selbst auszuplaudern.
Kurz vor zwei Uhr Morgens waren sie als einzige Gäste übrig geblieben, Kaja und Aki waren sauer, Hanna genervt und ihr Bruder fixierte angespannt die Tür. „Schatziii, was soll der Scheiß? Ich bin müde, mein Kopf tut weh und ich hab das Gefühl, dass du dir gleich die Augen ausm Kopf starrst.“ Quengelte Kaja und rutschte näher an seine Seite. „Die Überraschung kann was erleben, wenn sie nich bald hier ist.“ Seufzend legte er seinen Kopf auf ihre Schulter und griff nach dem halbleeren Bierglas, das vor ihm auf dem Tisch stand. „Toll, und wer kuschelt mit mir?“ „Ich hab dir gesagt, dass du deinen Teddy mitnehmen sollst, Akilein.“ „Pöh, erst mit mir wettsaufen und dann fremdgehen, das haben wir gern . . .“ „Ihr könnt ja nen Dreier machen.“ Gähnte Hanna gelangweilt und sah auf die Uhr. „Ne ne, nix da, such dir ne Blondine, Hattu.“ „Eifersüchtig bist du ja gar nicht . . .” „Nein, ich hab nur keinen Bock, dass du MEIN Mädchen mit deinen gierigen Drummergriffeln antatschst, so.“ „Gierige Drummergriffel? Wer lässt es seine Hände den immer auf der Bühne treiben, he?“ „Das is doch was ganz anderes . . .“ „Gar nich. Du bist hier die perverse Sau.“ „Ach hört doch auf, ihr seid beide gleich schlimm.“ „Die Fürstin der Finsternis hat gesprochen.“ „Halt die Klappe, Aki.“ „Selber.“ „Man könnte echt meinen, ihr seid wieder im Kindergarten . . .Lauri mit seiner Bärchenmütze, hehe.“ „ Du mich auch, Schwesterherz.“ „Ja fein und jetzt gehen wir zurück ins Hotel, ich hab echt keinen Bock mehr.“ „Aber, aber . . .“ „Du siehst aus wien Fisch, Lintu.“ Aki gluckste, als er sich erleichtert von seinem Stuhl aufrappelte und unter den dankbaren Blicken des Kellners hinter Hanna her zum Ausgang schlurfte.
„Gehen wir auch, Darling?“ „Mhm, Überraschung fürn Arsch.“ „Willst dus mir verraten?“ Aufmunternd stupste sie ihn an und quälte sich dann langsam aus der Sitzbank heraus. „Na ja, vielleicht kommt die Überraschung ja noch, who knows.“ „Hey, du siehst zur Abwechslung ja auch mal müde aus.“ „Bin ich auch . . . tut mir Leid, dass ich euch umsonst hier her geschleppt hab.“ Nachdenklich drückte er die Tür auf und stieß glatt mit jemandem zusammen.
Ausdruckslos starrten sich die beiden Männer an, doch plötzlich kam Bewegung in die Situation und sie fielen sich lachend in die Arme. „Natürlich, die Überraschung.“ Grinsend lehnte sich Hanna in den Türrahmen und fing im letzten Moment Kaja auf, die vor lauter Überraschung und immer noch zu hohem Alkoholspiegel fast umgekippt wäre. „Na Hattu, hast du mein altes Set noch?“ Schulterklopfen, allgemeines Geplänkel, während dem Kaja fast einschlief, bis es plötzlich still um sie herum wurde. „ Ich . ..ich kann nix dafür, der Schlumpf da hat mich abgefüllt und der da. . na, der macht mich eigentlich immer fertig . . .“ „Was glaubst du, warum ich geflüchtet bin . . . AUA!! Ich bin übrigens Janne.“ „Kaja, leicht blau.“ „So, genug Händegeschüttelt? Dann können wir ja jetzt gehen . . .wie wärs mit Stripbar?“ „Vor fünf Minuten warst du noch soooo müde.“ „Ja, aber jetz is mein Drummer- Kollege da.“ „Ähm, nehmts mir nicht übel Leute, aber ich würde mich jetzt lieber n bissl aufs Ohr hauen . . . Jetlag und so. Zieh nich son Gesicht, Alter, moin lassen wir die Turteltäubchen und die Anstandsdame im Hotel und machen einen drauf, okay?“ „Püh, Anstandsdame . .. wer hat euch denn immer den Alk besorgt, wenn ihr mit euren Babyfaces nix bekommen habt, he?“ „Is ja gut, von mir aus kannst du mitkommen.“ „Ne, da guck ich lieber ne Soap, als mit euch beiden perversen Kerlen irgendwo hin zu gehen.“ Hanna lachte gehässig und schob die anderen mit sich nach draußen. „Darf ich mitkommen?“ fragte Kaja kleinlaut. „Von mir aus gerne . . . Lauriii?“ „Was?“ „Leihst du uns dein Schatzi-Mausi-was-weiß-ich-noch-alles morgen Abend mal aus?“ „Waaaas? Hattu nimmt freiwillig eine Frau irgendwo mit hin, die er nachher nich nageln darf?“ „Who knows . . .“ „Aki, halt die Klappe, du fängst ja schon an zu heulen, wenn ich dich nur böse von der Seite angucke.“ „Gar nich wahr.“ Beleidigt verschränkte er die Arme vor der Brust und wippte mit dem Fuß auf und ab. „Hallo? Ich bin auch noch da.“ „Ach ja, Lintu . .dich haben wir ja schon öfters mal verloren.“ Janne grinste wissend zu Aki, der sofort aufhörte zu schmollen und stattdessen anfing zu kichern. „Jaaaa, weißt du noch, in dem Recordstore?“ „Ja, oder im Bus!“ „Boa, seits ihr fies.“ Der Nebel in Kajas Kopf lichtete sich in der kühlen Abendluft ein wenig und sie konnte langsam wieder geradeaus laufen ohne bei jedem Schritt einen Lachkrampf bei Hanna auszulösen. „Die sin immer so mir und du willst mit denen auch noch in den Puff gehen.“ Er strich sich eine imaginäre Träne von der Wange und schluchzte theatralisch auf. „Ach Schnubbelchen, ich versprech auch, dass ich mir keine Nutte kaufe.“ „Sehr witzig, Darling.“ Kurzerhand blieb sie stehen und flüsterte ihm etwas ins Ohr, worauf er in schallendes Gelächter ausbrach. „Was ist denn jetzt kaputt?“ „Ihr . .von mir aus nehmt sie . . . nehmt sie mit.“ „Ich will nicht wissen, was unser kleines Gör ihm grad gesagt.“ „Bei so toller Gesellschaft kommt der Lintu mich ja dann vielleicht gar nich mehr besuchen . . .“ „Dooooch!! Janne nimm mich mit!!! . . .AUAA!!“ „Hehe . . .Ähm, ich hoffe, ich hab im richtigen Hotel eingecheckt?“ „The Muse, was sonst.“ Kam es von Kaja, die sich an Lauri geklettet hatte und ihm keinen Zentimeter von der Seite wich. „Na Gott sei Dank, ich hab doch ein Gedächtnis wien Sieb.” „Jöp, und grad rennst du am Eingang vorbei.“ „Upsala . . . sind wir so weit gelaufen?“ „Sieht so aus . . .oh, mein Bett ruft nach mir.“ „Ja, das will mal wieder richtig quietschen.“ „Hattu, halt die Klappe, spätestens morgen Abend geht’s auch dir wieder besser . . .naja, zur Not . .du hast ja n Einzelzimmer.“ „Du mich auch.“ „Sag mal, zicken die sich immer so an, Kaja?“ „Nöö, nur wenn sie grad mal wieder ihre . . .“ „So, sag schön Gute Nacht, Darling.“ „Nächtle, ich muss jetzt gehen . . . meine Arbeit machen.“ Geschickt wich sie Lauris Hand aus, die versuchte sie in die Seite zu zwicken, folgte ihm aber dann schließlich doch den Gang entlang zu ihrem Suite.

Chapter 46

[am nächsten Abend]

Genervt sah Kaja Janne und Aki hinterher die gierig auf einen Pizzastand zurasten und im nächsten Augenblick in dem kleinen Imbiss verschwanden. Es war bereits elf Uhr abends und die drei hatten gerade die erste Kneipe verlassen, als den Jungs plötzlich eingefallen waren, dass es zeit für ein drittes Abendessen war. Nun stand Kaja mitten in der riesigen Fußgängerzone und starrte mit verklärtem Blick in die Auslage einer Drogerie, die immer noch geöffnet hatte. Plötzlich kehrte dieser beunruhigende Gedanke zurück, den sie vor drei Tagen aus ihrem Gedächtnis gestrichen hatte. Nagende Unruhe breitete sich in ihr aus und sie hatte das Gefühl zu platzen wenn sie jetzt keine Entscheidung traf. Ein kurzer, prüfender Blick zurück zum Imbiss, in dem sich die Leute gerade zu erdrückten und sie schlüpfte durch die dicke Glastür in das innere der großen Apotheke.

„Kaja? . . Maaaan, wir ham dich überall gesucht, was zum Teufel treibst du abends um elf inner Apotheke?“ Sie lächelte gezwungen und schob die kleine Pappschachtel tiefer in ihre Tasche. Noch war ja noch überhaupt nichts sicher, warum sich also den Abend verderben lassen. „Ich hab n paar extra kleine Gummis für dich besorgt, Akischatz.“ „Du mich auch , Baby.“ „Seit wann nennst du mich Baby?!“ „Bei vier Pils kann das schon mal vorkommen.“ „Na was stehn wir hier dann noch so blöd rum, ihr wolltet doch in nen Stripclub.“ „Da lassen die dich doch gar nich rein.“ „Sagt doch, dass ich lesbisch bin.“ „Ja dann erst Recht nicht.“ „Mhm . . .wartet mal, ich hab da sone Idee.“ „Sprich Janne, ich hänge an deinen Lippen.“ „Ah, geh bloß weg, sonst versucht mich der Lauri wieder zu schlagen und kommt mir nich mal bis ans Knie.“ „Jaaa, aber wenn er hochspringt, könnte das gefährlich werden . . .“ Janne kicherte und stopfte sich den letzten Rest seiner Käsepizza in den Mund. „Wie ist unser Babyface nur zu so jemandem wie dir gekommen?“ „Hey, soll das ne Beleidigung sein?“ „Neeein, ich mag dich lieber als Kiira . . .“ „Oder Maraaaaaa . . .“ „Oder Ilka-ich-bin-zu-blöd-um-aus-dem-Busch-zu-winken .“ „Meinst du die, die immer gegen die Laternen gelaufen is?“ „Genau die.“ Lachend patschte Aki auf Jannes Schulter herum und legte dann seinen anderen Arm um Kaja. „Mäuschen, ich erkläre dich hiermit zum von allen Rasmussen akzeptierte Freundin des kleinen Lintu.“ „Ach wie schön, krieg ich jetzt nen Orden oder sowas?“ „Nöö, aber nen Pokal voll Bier, wenn du willst . . . Was wolltest du denn vorhin sagen, Janne?“ „Ähm, also bevor ich zu euch ins Restaurant gekommen bin, hab ich da son Lokal an der ecke gesehen ...“ „Jaaa? Und weiter?“ Aki fischte seine halb angegessene Giantpizza aus der Hosentasche und begann genüsslich daran zu knabbern. „Ihhh, Aki du Sau!“ „Was? Du bist doch sonst nicht, so Tussi-mäßig.“ „Jaja, ich bin ja schon ruhig . . .also was is jetzt mit dem Lokal?“ „Ähm ,also das isn gemischter Stripclub.“ Akis Grinsen wuchs in Zeitlupe als er sich zu Kaja umdrehte. „Yeah, ich geb dir nen feinen Menstrip aus, Süße.“ „Behalt die Klamotten ruhig an, Aki.“ „Hehe, du willst dich nur rausreden.“ „Nein, aber . . .“ „Nix aber, du musst mal auf andere Gedanken kommen, Lauri is doch schon total überfordert mit dem bisschen . . .“ „Aki!“ „Nix Aki, wir gehen jetzt.“ Fröhlich pfeifend packte er die anderen beiden an der Hand und schleifte sie hinter sich her durch die Fußgängerzone.

[3 Uhr morgens]

Lauri und Hanna rutschten gähnend von ihren Barhockern und schlenderten am Pool entlang zurück ins Hotel. Seit der Rest der Bande verschwunden war, hatten sie hier am Tresen gesessen und das vergangene Jahr ausführlich bequatscht. Lauri wusste jetzt über sämtliche Krankheiten von Großcousinen, Tanten, Onkeln etc und die Beziehungskrisen von den Nachbarn bescheid, und Hanna amüsierte sich immer noch über Akis Pannen mit diversen Groupies, Eeros Versuche, den Rest der Band trockenzulegen und Paulis von den Fans zerstückelte Gitarre.
Gerade hatten sie die ausgestorbene Halle durchquert und warteten vor dem Fahrstuhl, als ein entzücktes Quietschen vom Eingang her ertönte. Lauris erster Gedanke ging in Richtung Kreischies, doch als er sich umdrehte, brach er in schallendes Gelächter aus. Kaja versuchte gerade, auf ihn zuzurennen, stieß aber stattdessen frontal gegen die Rezeption und kratzte sich dann verwundert am Kopf. „Du has aber ganz sön ein stehn, Schubblschen.“ „Mäuschen hier bin ich.“ Grinsend winkte er und folgte Hannas Blick, der sich belustigt auf die beiden Drummer richtete, die nun schließlich auch in die Lobby wankten. „Huch . .. aber wieso bissu vier ma daha?“ „Mich gibs nur zweimal, die anderen beiden sind Hanna.“ „Wie scheeen.“ Sie kicherte und fing an, sich mit Kübelpflanze in der Ecke zu unterhalten.
„Wuhu Linduuu, wia warn inna Schtripp-Scho , dat wa lustsich.“ Aki kippte gefährlich zur Seite und klammerte sich erschrocken an Janne fest, der hysterisch loskicherte und ein Liedchen vor sich hinträllerte. „Ah ja, und wie habt ihr Kaja da reinbekommen?“ „Dat war son dingsdabumsda füa alle.“ „Ihr meint, da ham auch Männer . . .?“ „Joa, wia ham der Schnegge da drüben sonen Kerl geschenkt, hehe.“ „Aha.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust und sah zu Kaja hinüber, die die Pflanze mittlerweile um eine Antwort angiftete. „Mensch, Brüderchen, jetzt sei doch nich so eifersüchtig, ich will nicht wissen, was du im letzten Jahr so alles gemacht hast . . .“ „Da issa mit seiner reschten Hand gegangen.“ Janne und Aki brachen ihn schreiendes Gelächter aus und schleiften sich gegenseitig in die Fahrstuhlkabine. „Kaja? Hast du den Lauri eigentlich lieb?“ „Plöde Schlampe . .. kann nüscht ma guten Tach sagen . . .was hassu gesacht?“ „Sie hat gefragt, ob der Typ, der sich für dich ausgezogen hat gut aussah.“ „Hehe, hassu keinen Spiegel, Schatzü?“ „Sag mal, Schwesterchen, bin ich auch so bescheuert, wenn ich besoffen bin?“ „Jap,manchmal noch schlimmer.“ „Waas?“ „Ja, du hast dich mal eine geschlagene Stunde lang mit ner Leiter gestritten.“ Hanna grinste breit und stellte den Fuß zwischen die Aufzugtür. „Kaja, komm jetzt.“ „Hol misch doch.“ Genervt rollte er mit den Augen, musste dann aber doch grinsen und schob sie vorsichtig zu den anderen in den Fahrstuhl. „Boa, ihr drei habt ja ne Fahne wie hundert Matrosen.“ Hanna schüttelte den Kopf und drückte die Taste für den zweiten Stock. „Aki, wir sün Mahahtrosen.“ „Joa, und Kajaaa is unsa . . .“ „Kaja is gar nix euer, Kaja is meins.“ Eifersüchtig schlang er die Arme um sie und versuchte nicht daran zu denken, was die drei im Suff alles in diesem Striplokal angestellt hatten. „Ohhh, du bisso süüüß.“ Entzückt quetschte sich an ihn, schloss nur kurz die Augen und nickte trotzdem sofort ein.

Chapter 47

Am nächsten Tag redeten Hanna und Lauri solange auf den verkaterten Rest der Truppe ein, bis sie murrend nachgaben und ihre Badesachen einpackten, um im Central Park schwimmen zu gehen. Fröhlich pfeifend wuselte Lauri durch die Suite und durchwühlte sämtliche Klamottenhaufen nach den Sachen, die er mitnehmen wollte.
„Deine Laune ist ja heute schon fast widerlich gut.“ „Ich hab dich auch lieb, Darling.“ Im Vorbeigehen drückte er ihr einen Kuss auf den Mund und tänzelte zurück ins Bad. „Du siehst schwul aus, wenn du das machst.“ „Gib dir keine Mühe, du kannst mich nich ärgern, nich heute. . .“ „Was is denn so toll heute?“ Grummelnd schlurfte sie ihm nach und kippte sich im Badezimmer ersteinmal gut 5l kaltes Wasser ins Gesicht. „Euch geht’s scheiße, mir nicht, ich kann heut seit einem Jahr mal wieder schwimmen gehen, in der Sonne liegen . . .“ „Halbnackten Weibern hinterher starren . . .“ „Genau, Mäuschen, du hast es erfasst.“ „Das machst du doch nur, weil du sauer wegen dem Stripper bist.“ Gab sie patzig zurück und riss ihre Zahnbürste an sich. „Jaaa, ich glühe vor Eifersucht.“ „Ach, verpiss dich.“ Mit der Bürste im Mundwinkel schob sie ihn aus dem Raum und knallte die Tür hinter ihm zu. Im nächsten Moment jedoch löste der laute Knall einen stechenden Schmerz in ihrem brummenden Kopf aus und sie Fluchte leise vor sich hin. Draußen hörte sie Lauri kichern und trat beleidigt gegen die Tür. „Hey, wenn du die eintrittst, muss ich das bezahlen.“ „Wenn du jetz nich bald aufhörst, gibt’s noch einen kleinen toten Schlumpf hier!“ „Ach Sweety . . .“ „Nix Sweety. Sweety hat nämlich verdammte Kopfschmerzen und wird von Schlumpfi und seiner Sister irgendwo hingezerrt und muss da dann auch noch zwei verkaterte Mini-Drummer ertragen, so.“ „Zickig bist du ja heute gar nicht, was?“ „Tut mir Leid . . .“ „Darf ich rein kommen oder reißt du mir dann was ab?“ „Nö, dann müsst ich ja die sauerei nachher auch noch aufwischen oder der Putzfrau erklären, dass du überraschend deine Tage bekommen hast.“ „Oh, du Miststück . . .“ Mit Schwung stieß er die Tür wieder auf und drängte Kaja, die ihre Zahnbürste genug malträtiert hatte, in die hinterste Ecke des Bades und drückte sie gefährlich grinsend an die Wand. „Was ’ast dü vorr, dü Schüft?“ „Isch wer’de disch gleisch . . .“ „Was macht ihr denn da?“ Aki und Janne standen mit dicken Ringen unter den Augen im Türrahmen und grinsten bis über beide Ohren. „Verpisst euch, Lintu wollte misch gera’de . . .“ „Morgääähhn!!“ Hanna zwickte die beiden in den Hintern und erntete dafür empört Blicke. „Toll, wie war das noch gleich mit den fünf Minuten, die man doch immer mal hat?“ „Das gilt anscheinend nur für uns nicht.“ „Ich will nicht wissen, was ihr da schon wieder anstellen wolltet . . .das erzähl ich übrigens alles Mama, Bruderherz.“ „Bäh, du kannst mich mal.“ „Jaja, schön, können wir jetzt gehen?“ „ Geht’s dir jetzt wieder besser, Darling?“ „Vieel besser, aber es könnte mir noch besser gehen, wenn nicht dauernd diese Störfaktoren wären.“ „C’est la vie, und jetzt ab mit euch.“ „JA MAMA!!“ kam es von allen vieren, als sie von Hanna nach draußen gescheucht wurden.

[im Central Park, ein kleiner See]

Nachdem die fünf endlich einen Platz gefunden hatten, an dem keiner etwas auszusetzen hatten, ließen sie erschöpft ihre Sachen fallen und legten sich gleich dazu. Nur Hanna schüttelte verständnislos den Kopf und breitet sorgfältig ihr Handtuch im Halbschatten aus.
„Meine Schwester, die Langweilerin.“ Lauri gähnte genüsslich und schielte zu ihr hinüber. „Ich wünsche dir, dass du mal in deinem eigenen Kram erstickst, Babyface.“ „Jaja, du mich auch.“ Grinsend rappelte er sich auf und bemerkte einmal mehr, wie viel spaß es machte, sich mit ihr zu streiten. „Liebt euch.“ Mischte sich Kaja ein und wurde im nächsten Augenblick von Janne und Aki überfallen, die ihr mit sanfter Gewalt das Shirt über den Kopf zogen. „Was quiekst du den so, wir sollen uns doch lieben und da gehörst du auch dazu.“ „Hey, nehmt eure Drummergriffel von ihr.“ „Wieso sollten wir . . . hübscher Bauch, Kajamäuschen.“ „Weil ich das selber machen will.“ Er grinste dreckig und legte den Kopf schief. „Du solltest mal lernen zu teilen, Lintu.“ „Nö, will ich nicht.“ „Wisst ihr was . . .“ Kaja stand auf, schlüpfte aus ihrer Hose und warf sie demonstrativ Aki an den Kopf. „Jaaa? Was wissen wir?“ „Wer als letzter im Wasser ist, ist ... ähm ... ein winziger Kerl mit Federn in den Haaren.“ Mit diesen Worten rannte sie davon und sprang von einem Felsen aus jodelnd in den See. Aki und Janne sahen sie kurz an, dann rasten auch sie los und stolperten ihr durch die niedrigen Pflanzen am Ufer hinterher. „Das ist doch kindisch!“ beleidigt verschränkte er die Arme vor der Brust und zog ein Gesicht. Kaja sah kurz auf, ließ Aki los und stampfte dann wieder nach draußen. Er musterte sie abwartend und wippte abwartend mit dem Fuß. „Tut mir leid . . .“ „Und?“ „Was und?“ „Da fehlt noch was.“ „Ähm . . .“ „Was krieg ich denn, wenn ich mitkomme?“ „Mhm, wir könnten die Kinder hier lassen und da drüben zu der Insel schwimmen . . .“ „Ganz allein?“ „Ja.“ „Ohne lästige Drummer?“ „Jaaa.“ „Und ohne Anstandsdame?“ „Also Hanna is doch . . .“ Weiter kam sie nicht, da er sie an den Beinen packte, sich über die Schulter schmiss und zu den anderen rannte. Mit einem Platsch landete sie im Wasser und wollte gerade wieder den Kopf aus dem Wasser strecken, als sie wieder nach unten gedrückt würde. Ärgerlich trat sie demjenigen ans Schienbein, tauchte auf und sah gerade noch, wie Aki und Janne kichernd davon kraulten. „Oh, das zahl ich denen heim . . .“ „Aber erst . . .“ Er zeigte mit dem Kopf n zu dem kleinen Stückchen Land, das sich in der Mitte des Gewässers befand und von dichten, grünen Laubbäumen, hohem Gras und Wildblumen bewachsen war. „Warum bist du den so wild darauf?“ Grinsend schwamm sie neben ihm her und beobachtete, wie er vielsagend die Augenbrauen hochzog. „Du denkst jetzt bestimmt, dass ich’s nötig hätte, was?“ „Mhm . . .“ Sie legte ihm die Arme auf die Schultern und stupste ihn mit der Nase an. „Das is aber gar nicht so, ich will einfach mal wieder allein mit dir sein, ohne die da . . .“, er zeigte zu den beiden Jungs hinüber, die gerade eine Standpauke von einer aufgebrachten Mutter bekamen, „ . . . und die da.“ Sein Blick wanderte zu Hanna hinüber, die jetzt ganz in der Sonne lag und las. „Die sind doch meistens alle ganz brav.“ „Ja, schon . .aber ich kann eben nicht besonders gut küssen, wen mir meine Schwester dabei zuguckt.“ „Meinst du, sie sieht uns noch?“ „Nööö.“ Grinsend zog er sie an sich und wollte ihre Lippen berühren, als er bemerkte, dass ihm das Wasser mittlerweile bis zum Kinn stand und Kaja soeben strampelt wieder auftauchte. „Scheiße . . .“ „Dummes Wasser.“ „Ich will jetzt auf diese Insel mit dir und zwar sofort.“ „Na dann komm doch.“ Lachend schwamm sie davon und erreichte das Ufer eine Minute vor Lauri, der anschließend keuchend aus dem Wasser krabbelte und sich zu ihr auf einen sonnenbeschienen Stein hievte. „Wie war das gleich schnell mit Rauchern und ihrer Kondition?“ „Du hast ja noch nie im Leben ne Kippe angefasst, Cutie.“ „Neeein, ich doch nicht . . .“ Zufrieden seufzend legte sich zurück und wurde von der Sonne ganz schläfrig, bis sie plötzlich etwas Kaltes auf ihrem Bauch fühlte. Erschrocken schlug sie die Augen auf und sah in seine funkelnden Augen, die sie belustigt musterten. Ein paar Wassertropfen lösten sich von seiner Hand, schlugen auf ihrer erhitzen Haut auf und spiegelten das grelle Sonnenlicht. „Nicht Schlafen, Kleines.“ Zärtlich strich er ihr eine Strähne aus dem Gesicht und zog sie von dem Felsen zurück ins Wasser. In dem Moment, als er die Augen schloss und ihre Lippen schon auf seinen erahnen konnte, wurde sie plötzlich aus seinen Armen gerissen und von ihm weggezerrt. Erschrocken schrie sie auf und sah in sein verwirrtes Gesicht, dann vernahm sie plötzlich giggelndes Gelächter rechts und links von sich .Die beiden Drummer hatten wieder zugeschlagen und zogen Kaja nun in Gemeinschaftsarbeit zurück ans Ufer. „Wisst ihr eigentlich wie blöd ihr beiden seid?“ „Nö, aber ihr habt gegen Regel Nr 1 verstoßen.“ „Regel Nr 1?“ „Jap, alle verfügbaren Frauen werden gerecht geteilt.“ „Was ist den das für ein Schwachsinn und vor allem: wer hat sich den ausgedacht?“ Ihr gefiel es ganz und gar nicht so durchs Wasser gezogen zu werden und nicht sehen zu können, wohin. „Wir, gerade eben.“ „Man, nehmt doch Hanna.“ Die ist längst nicht so sexy wie du, Kajalein.“ „LAAAAAAAAAAAURIIIIIIIIIII!!!“ „Hör gefälligst auf zu schreien, die Leute denken doch, wir stellen irgendwas mit dir an.“ Kichernd patschte ihr Aki die Hand auf den Mund und paddelte mit der anderen fröhlich weiter. Jammernd strampelte sie mit den Beinen, gab dann aber schließlich genervt auf und fügte sich ihrem Schicksal. Kostenloses Wasser-Shiazu, auch nicht schlecht . .
Gerade wollte sie nachfragen, wohin die Reise denn ginge, als sie erneut weggerissen wurde und sich plötzlich in Lauris eifersüchtig klammernden Armen wieder fand. „Mein Prinz, du hast mich gerettet!“ „Ja, diese Deppen sin einfach zu blöde und schwimmen im Kreis, das war ganz einfach.“ „Wie beischeiden von dir.“ Seufzend legte sie ihren Kopf an seine Brust, musste aber darauf achten, dass sie nicht wieder unterging. „Pah, das war Absicht, wir wollten euch nur ein bisschen ärgern.“ „Ja ja, und jetzt weg mit euch, sonst mach ich Drumsticks aus euch.“ Grummelnd zogen die beiden ab und ließen Kaja und Lauri allein in der Nähe der Insel zurück. „Wenn diese Deppen nicht gestört hätten, wären wir jetzt schon viel weiter Jetzt müssen wir noch mal von vorne anfangen.“ „Lauri, du alte Sau . . .“ „Ja ja, erst rette ich dich und das is dann der Dank dafür oder wie?“ Beleidigt löste er sich von ihr und sah demonstrativ zu Seite. „Ach so war das doch nicht gemeint, Darling.“ „Püh . . .“ „Ich bin auch ganz, ganz lieb.“ „Gaaanz lieb? So Schmusekätzchen-mäßig?“ „Jaaa, aber schnurren kann ich leider nicht.“ „Macht nix, dafür kannst du andere Sachen.“ „Ah ja?“ „Jaa, und wenn du nicht endlich mit mir zurück auf die nette kleine Insel kommst, werde ich gaanz böse.“ „Dann will ich mich mal beeilen . . .“ Fast noch schneller als vorhin schwamm sie zurück, mit dem Unterschied, dass Lauri ihr diesmal problemlos flogen konnte . . . aus welchem Grund auch immer. Wieder ließen sie sich auf dem Stein nieder unter wieder glänzte ihre Haut durch den feuchten Film. „Sweety?“ „Mhm?“ „Gefällts dir hier wirklich, ich meine, so in der Sonne . . .“ „Dreh dich mal um.“ Er folgte ihrem Blick, der lächelnd das hohe Gras zwischen den dichten Bäumen fixierte. Wie auf ein Signal hin krabbelten beide gleichzeitig von dem schon fast glühenden Felsen und fühlten im nächsten Moment das kühle weiche Gras und den wohltuenden Schatten der Bäume. Kaja wollte sich gerade wieder hinlegen, als sie von ihm nach hinten gedrückt wurde und im nächsten Augenblick seine Lippen über ihre strichen. „Was ist?“ fragte sie leise und legte ihre Hand auf seinen Rücken. „Ich wollte nur sichergehen, dass diesmal keiner stört.“ „Das kann doch immer noch passieren.“ „Ja, aber später ist es mir egal . . .“ Grinsend beugte er sich zu ihr hinunter, wurde ernst und küsste sie zärtlich, während sie ihn fordernd zu sich herunter zog. Auf dem feuchten Gras konnte er das Gleichgewicht nicht halten und landete nach einigem Schlingern genau auf ihr. Mit einem anzüglichen Grinsend schlang sie die Arme um seinen Rücken und erwiderte seine Küsse.
„Lauri, du wirst schwer.“ „Und?“ „Geh bitte von mir runter.“ „Na gut, aber nur weil du es bist.“ Er krabbelte zu Seite und legte den Srm um sie, sodass sie sich bequem an seine Seite kuscheln konnte.

Chapter 48

Später rappelten sie sich wieder auf und schwammen langsam zu Hanna zurück, die derweilen von Aki und Janne genervt wurde und die beiden haareraufend empfing. „Nehmt die weg, bitte nehmt sie weg.“ „Wen denn?“ fragte Kaja unschuldig und schielte auf Lauris nackten Bauch, der ab und zu unter dem Handtuch, mit dem er sich abtrocknete, hervorblitze. „Na die da.“ Sie deutete mit dem Finger auf die beiden Drummer, die mit einer Flasche Sonnenmilch auf sie zugerast kamen und bedrohlich grinsten. Schließlich ergriff sie jammernd die Flucht, riss ihrem Bruder das Handtuch aus der Hand und versuchte sich dahinter zu verstecken. Leider war das Tuch fünf Sekunden später fleckig weiß und Hanna wieder auf der Flucht. „Aki ist doch sonst nicht so, was gehtn mit dem?“ „das passiert immer, wenn die sich treffen, es ist schrecklich. Die machen den ganzen Tag nix als Scheiß, versaute Witz und irgendwelchen Schweinkram, das is sogar mir manchmal zu viel.“ „Ach du Armer Schatz, und jetzt ist auch noch dein Handtuch für heute im Arsch.“ „Tja, dann wird mir wohl nix anderes übrig bleiben, als mich mit auf deins zu quetschen.“ „Na gut, wenn’s denn sein muss.“ Sie grinste vielsagend und wollte sich gerade auf ihrem Tuch niederlassen, als Hanna aus der anderen Richtung zurück gestürmt kam, immer noch mit den Drummern und ihrer Sonnenmilch im Schlepptau. „Das hab ich alles nur für euch gemacht.“ Schrie sie im Vorbeirennen und stolperte ins Wasser. „Wie meint sie das?“ fragte Kaja verwundert und wurde im nächsten Moment von Lauri nach hinten auf die Decke gezogen. „Mhm, vielleicht wollte sie die Drummer ablenken, dass wir ein bisschen allein sein können?“ erwiderte er und fuhr mit einem Grashalm über ihr Gesicht. „Das war lieb von ihr . . .mann, das kitzelt.“ „Solls ja auch.“ „Du bist blöd.“ „Gar nich . . .“ beleidigt warf er den Halm zu Seite und legte sich auf den Rücken. „War doch nur Spass.“ „Schöner Spaß, dem armen kleinen Lauri jede Freude zu nehmen, was?“ Grinsend verschränkte er die Arme hinter dem Kopf und sah in den blauen Himmel empor. „Jap, das ist mein neues Hobby.“ Sie beobachtete ihn aus den Augenwinkeln und wägte ab, ob es klug wäre Kätzchen zu spielen oder nicht. Hanna nahm ihr die Entscheidung ab, indem sie sich triefend nass neben die beiden auf ihre Decke knallen ließ und somit einen kleinen Regen auslöste. „Na, hast du sie abgehängt?“ „Jap, ich bin einfach an einem Kiosk vorbeigerannt, da sind sie stehengeblieben.“ „Schlau, schlau, Schwesterchen.“ „Und was habt ihr so in der Zeit gemacht, in der ich sie abgelenkt hab?“ „Ach, nix besonderes.“ „Das sah aber ganz anders aus . . .“ „Was? Das kann man von hier aus sehen?“ „Reingetappt . . .“ „Ach Mäuschen, jetzt weiß sie, dass wir fast die Insel zerlegt hätten.“ „Ja du musst ja immer so grob sein.“ „Ich und grob? Du willst es doch nicht anders.“ „Jetzt sag noch, das ich ein kleines geiles Luder bin und ich hol die große Schere raus.“ „Ohh, ich zittere . . .“ „Solltest du auch, obwohl . . . soviel Verwendung hast du ja gar nicht dafür.“ Noch während sie lachte griff sie in ihre Tasche und wollte ihre Kaugummis herauskramen, als sie plötzlich auf die kleine weiße Schachtel stieß, die sie gestern dort deponiert hatte. Mit einem Schlag drehte sich ihr der Magen um und schwarze Punkte tanzten vor ihren Augen auf und ab. Die quälende Ungewissheit, die sie den ganzen Tag über verdrängt hatte, schlang sich jetzt wie ein festes Stahlseil um ihren Körper und schien sie förmlich erwürgen zu wollen. „Cutie?“ Zitternd nahm sie ihre Hand aus der Tasche und starrte auf den See hinaus, bis das Wasser sich zu einem Strudel formte, der sie verschlingen wollte. Erst als sie eine warme Hand auf ihrer Schulter fühlte, erwachte sie aus ihrer Erstarrung und drehte sich abrupt um. „Kaja, is irgendwas. . ich mein, geht’s dir gut?“ „Jaja, ich hab nur an was denken müssen.“ Er lächelte verständnisvoll und zog sie mit sich nach hinten, sodass ihr Kopf auf seinem Bauch lag. „Ruh dich ein bisschen aus, bis die Drummer wiederkommen und die Ruhe zerstören.“ Kaja nickte nur, sie malte sich ihre Zukunft aus, die in ihren Augen keineswegs rosig sein würde und fasste einen Entschluss.

[am Abend]

In einer ruhigen Minute verzog sie sich ins Badezimmer, kramte die kleine weiße Packung aus ihrer Tasche und verschaffte sich endlich Gewissheit. Minutenlang starrte sie auf das Ergebnis, war unfähig etwas zu fühlen, es war als ob sie in einer Art Schwerelosigkeit gefangen wäre. Dann, nach ein paar Minuten, durchfuhr ein Schluchzen ihren Körper und sie vergrub das Gesicht in den Händen. Leise Wimmernd saß sie auf dem Rand der Badewanne, bis die Tür der Suite aufgerissen wurde und sich der Raum mit Stimmengewirr von ein paar Personen füllte. „Kajaaaaaaaa?!“ flötete Lauri und stieß die Tür zum Schlafzimmer auf. Verwundert drehte er sich um und stemmte die Arme in die Seiten. „Wo hast du dich versteckt? Na warte, dich krieg ich . . .“ Mit zitternden Knien stemmte sie sich hoch und schlich hinüber zum Waschbecken um ihr Spiegelbild zu betrachten. Ihre Hände umfassten das schwarze Marmor, ihre Augen fixierten das Elend, das ihr gegenüber stand und sie mit leeren Blick betrachtete. Ein beklemmendes Gefühl stieg in ihr auf, wurde zu Wut gegen die Menschen dort draußen, ihre Freunde, die die wohltuende Ruhe störten, die sie jetzt so dringend gebraucht hätte. Wieder rief Lauri, diesmal kam er näher, lachte vergnügt. Kaja presste ihre Finger fester gegen die Steinplatte, so fest, dass es fast schmerzte. Er war an allem Schuld, er war es, der sie am meisten störte, dem sie am liebsten an die Kehle gesprungen und erwürgt hätte. Doch sie war unfähig sich zu bewegen, nur ihre Hände ballten sie stärker, die verzweifelte Wut in ihr näherte sich dem Höhepunkt, als die Tür aufging und sich ihre Blicke m Spiegel trafen. Erschrocken über soviel Kälte und Wut in ihren Augen wich er zurück und sagte leise ihren Namen. „Was?!“ „Kaja, ich . . .“ „Was willst du, verdammt?“ erwiderte sie eine Spur schärfer und fixierte ihn weiter. „Hast du geweint?“ Vorsichtig legte er eine Hand auf ihre Schulter, doch sie erstarrte und begann stattdessen zu zittern. „Halt die Klappe, Lauri, halt einfach die Klappe und verschwinde.“ „Kaja, was . . .“ Statt einer Antwort zersprang der Spiegel in tausend Teile, die klirrend zu Boden fielen. Ihr Faust war immer noch ausgestreckt, Blut rann über die feingliedrigen Finger. Entsetzte riss er sie herum und zwang sie ihn anzusehen, doch plötzlich gaben ihre Beine nach und sie fiel auf die Knie in den Scherbenhaufen. Hanna, die auf den Lärm hin ins Badezimmer gekommen war, stieß einen spitzen Schrei aus und schlug die Hände vor den Wund. „Schrei nich so rum, hohl lieber nen Arzt.“ Zischte Lauri mit zitternder Stimme und hob Kaja dann vorsichtig hoch, um sie hinüber ins Bett zu tragen. „Es tut mir leid.“ Tränen liefen über ihre Wangen als sie leise flüsterte und über seine Hand strich. „Schon okay . . .“ Seine Stimme klang hart, dennoch setzte er sich neben sie auf die Bettkante und sprach weiter. „Was ist passiert?“ Eine simple Erklärung . . . Verschiedene Ausreden schossen ihr durch den Kopf, schließlich entschied sie sich für das Naheliegenste. „Ich . . . die Tabletten, ich dachte, ich muss sterben.“ Noch ein bisschen Schluchzen . . . Sie fühlte sich bleiern, wie aus Eisen, die Wahrheit lastete schwer auf ihren Gefühlen, doch sie musste sie für sich behalten. Sofort wurde sein Blick weicher und er strich ihr aufmunternd über die Wange. „Ich glaub an dich, Darling, du schaffst das schon.“ Sie würde es schaffen müssen . . . irgendwie, ganz allein.

Chapter 49

[2 Tage Später, Kennedy-Airport]

Ich sitze neben ihm, händchenhaltend, er quetscht mir fast die Hand ab und weigert sich, auch nur einen Zentimeter von meiner Seite zu weichen. Normalerweise fände ich es ziemlich süß von ihm, aber es macht mir meine Entscheidung und den Abschied überhaupt noch viel, viel schwerer.
In den letzten zwei Tagen haben mich alle mit Samthandschuhen angefasst, nur nicht aufregen, keine Stresssituation provozieren, ich könnte ja wieder Spiegel zerschlagen . . . Der Arzt hat gesagt, dass einfach die Pferde mit mir durchgegangen sind, und dass ich wohl ein sehr hitziges Temperament habe. Schön, Die Rasmuse und Hanna denken, ich hätte Entzugserscheinungen, der Quacksalber hält mich für vollkommen durchgeknallt und ich bin schwanger . . . von Lauri, dem Superstar . . . toll, es könnte nicht besser sein.
Warum bin ich heute nur so sarkastisch, und warum denke ich soviel? Vielleicht will ich einfach nur das stechende Gefühl unterdrücken, dass mich überfällt, wenn ich ihn ansehe oder er mich auch nur minimal berührt.

Will sie nicht mit mir reden oder hängt sie einfach nur ihren Gedanken nach? Ich traue mich nicht, das Schweigen zu durchbrechen, das zwischen uns allen herrscht. Aki spielt mit seinem Handy herum, Janne starrt Löcher in die Luft und Hanna, Hanna beobachtet uns und schenkt mir von Zeit zu Zeit einen mitleidigen, aufmunternden oder besorgten Blick zu.
Wenn ich doch nur mit ihr allein sein könnte, nur ein paar Minuten, ganz ungestört. Sie hat mich in den letzten beiden Tagen nicht mehr an sich herangelassen, manchmal schlichtweg ignoriert. Es ist, als wolle sie mir die Schuld für etwas geben . . . Sanft streiche ich mit dem Daumen über ihre Hand und registriere erst jetzt, wie fest mein Griff war. „Kaja, ich . . .“ „Pshhht.“ Sie lehnt ihren Kopf an meine Schulter und seufzt. Ich hätte niemals zulassen dürfen, dass sie den Entschluss fasst, soweit weg zu gehen. Ich Idiot hab sie auch noch unterstützt, wollte nur, dass sie glücklich ist. Ich muss Janne noch mal einschärfen, dass er auf sie aufpassen soll . . .ich werd ihn umbringen, wenn ihr was passiert.
Der Flug nach Thailand wird aufgerufen und Janne steht zögernd auf, Aki folgt seinem Bespiel und die beiden verabschieden sich von einander, danach kommt Hanna an die Reihe, schließlich ich. Alles geht drunter und drüber, bis schließlich jeder jeden abgeknutsch und in den Arm genommen hat. Nur Kaja und ich stehen uns noch ratlos gegenüber. Sie weicht meinem Blick aus und starrt stattdessen stur auf den grauen Fußboden neben mir. Warum verdammt stehen die alle noch hier rum? Auf was warten sie? Ein Wunder vielleicht? Dass wir uns um den Hals fallen und ewige Liebe schwören? Nachdem sie mein Spiegelbild zertrümmert hat . . . Ich glaube ihr nicht, dass sie wegen der Sucht so ausgerastet ist, da ist noch etwas anderes, etwas, an dem sie mir die Schuld gibt. Immer doch kann ich spüren, wie ihr kalter Block mich durchbohrt, das Glas in tausend Teile zerspringen hören. Ich habe Angst, dass sie mich wieder so ansieht, wenn sie den Blick hebt.
Hanna schiebt Janne in Richtung Flugsteig und zerrt Aki mit der anderen Hand hinterher. „Sieh mich an.“ Hab ich das gerade gesagt? Scheint so . . . tatsächlich, sie sieht mir in die Augen. Ihr Blick ist weder starr noch kalt, eher traurig und scheu, sie kommt einen Schritt auf mich zu. „Es tut mir leid . . .“ Mit erstickter Stimme hebt sie zögernd die Hand und streich mir sanft über die Wange.

Er hat sich wieder nur halb rasiert, ich kann deutlich die kleinen Bartstoppeln unter meinem Handrücken fühlen. Zärtlich nimmt er meine Hand und küsst sie vorsichtig, bevor er mich ganz zu sich heranzieht und mir die Arme um den Rücken schlingt. Ich kann seinen warmen Atem im Nacken spüren, er flüstert irgendetwas, aber ich kann es nicht verstehen. . .ich höre auch nicht wirklich zu, konzentriere mich auf seine Wärme und die Zuneigung , die ich mir in den letzten beiden Tagen selbst entzogen habe. Wenn mir das schon nach so kurzer Zeit gefehlt hat, wie soll ich das dann Wochen, Monate Jahre, mein ganzes Leben aushalten?
Der Flug wird erneut aufgerufen, er klammert sich an mich. Sags ihm, sags ihm doch einfach . . . Gedanken schwirren in meinem Kopf herum, vernebeln den Verstand und spielen mir wunderschöne Illusionen von meine Zukunft vor. Es ist ihnen egal, dass er einen Traum hat , sie zeigen mir nur, was für ein schönes Leben ich haben könnte, wenn ich jetzt all meine Pläne über den Haufen werfe und es ihm einfach sage.
Janne ruft, er winkt, Hanna springt ihn dafür fast an und erntet einen beleidigten Blick. Der Flug wird ein letztes Mal aufgerufen, fast im selben Moment spüre ich seine Lippen, die mich vorsichtig küssen, langsam heftiger werden und das ganze in einer verzweifelten Knutscherei endet. Ich weiß nicht, wessen Tränen es sind, die ich schmecke, ich weiß nur, dass es mir das Herz brechen wird, wenn ich ihn jetzt loslasse. „Du musst gehen, Kleines.“ „Ich will nicht.“ „Natürlich willst du.“ Mit sanfter Gewalt schiebt er mich in Richtung Flugsteig, bleibt aber nocheinmal kurz stehen und sieht mich eindringlich an. „Kaja, du darfst nie denken, dass ich dich loswerden oder wegschicken will, ich will nur, dass du glücklich bist.“ „Ich liebe dich.“ „Ich liebe dich auch.“ Ein letzter Kuss, ich löse mich von ihm, halte noch seine Hand. Geh, Kaja, geh einfach, beweg deinen fetten Hintern und steig in das gottverdammte Flugzeug. Janne steht schon in der Mitte der Gangway und wippt ungeduldig hin und her. „Lauri . ..“ Nein, halt die Klappe, geh! „ . . . ich bin schwanger.“ Meine Beine gehorchen plötzlich, setzen sich in Bewegung, ich rase an Janne vorbei, ziehe ihn mit und steige als letzter Passagier in die vollbesetzte Maschine.

Chapter 50

[ 18 Monate später]

Es ist wieder einer dieser sinnlosen Tourbusnächte, in denen ich einfach nur noch sterben möchte. Es klingt hart, ich weiß, aber es ist nun einmal so. Der Wind peitscht an die Scheiben und klatscht mir ein Mischmasch aus Regen, Schlamm und Straßendreck entgegen. Eero liest ein Buch, wie immer, wenn er nicht gerade isst, meditiert oder schläft. Pauli und Aki machen bereits die zwölfte Runde Daumencatchen und ich hocke am Fenster und starre in die Dunkelheit hinaus. Am liebsten wäre ich allein . . . nein, nicht ganz, Eero könnte hier sein, er stört nicht. Die anderen beiden sind fröhlich und das kann ich nicht haben, wenn’s mir so scheiße geht wie heute Abend. Nicht mal was zu trinken haben wir da, gestern alles versoffen, und als mittlerweile einziger Raucher in dieser verdammten Band bekomm ich eh wieder eins auf den Deckel, wenn ich mir jetzt ne Kippe anmache. Also lass ich’s lieber ganz bleiben und starre weiter nach draußen. Warum musste Pauli, dieser Spacken auch plötzlich aufhören? Jetzt werd ich immer so böse angeschaut, wenn ich’s mal nicht mehr aushalte . . .ich könnte ihn ja in Versuchung führen. Stattdessen frisst er nur noch solchen Sojamüll und trinkt grünen Tee, wie Eero. Er hat 20 Kilo abgenommen und nimmt mir die Kreischies bzw. Groupies weg, das ist unfair. Früher hab ich die umsonst bekommen, jetzt darf ich wie jeder andere Normalsterbliche in den Puff gehen, das ist sehr ernüchternd. Ich glaub, ich werde Mönch, hab keinen Bock mehr mein Geld für irgendnen Scheiß auszugeben, den ich doch nur mache, damit ich mich noch ein klitzekleines bisschen männlich fühle. Außerdem hab ich das Wichtigste immer dabei, das kleine Patschhändchen da, das nutzlos an meinem rechten Arm rumschlackert.
Die Kinder da drüben leiten soeben Runde Nummer 13 ein, nein 14, sie sind ja abergläubisch, es könnte sich jemand den Daumen brechen. Sie sagen, dass ich depressiv geworden bin. Aki hat mich mit Kaja aufgezogen, ich hab ihm darauf hin die Nase gebrochen, ich glaube, er ist immer noch ein bisschen böse auf mich deswegen . . .Eero hat mir in der Notaufnahme ne Standpauke gehalten, dass ich es den anderen beiden wenigstens hätte sagen können, bevor ich sie deswegen zusammenschlage. Was hätte ich den sagen sollen, damals am Flughafen? Hey Aki, lass uns in die Maschine steigen, Kaja is schwanger, aber wen interessierts . . .?
Nein, ich hab gar nix gesagt, bis dahin war ja noch alles einigermaßen okay, bis ich versucht habe sie anzurufen . . .Der Teilnehmer hat ihre Nummer sperren lassen, bitte wenden sie sich an den Kundenservice . . . verdammt, ich weiß noch genau, wie Matti gekreischt hat, als ich ihm mein Handy an den Kopf gedonnert habe. Eero sagt, ich sei so gewalttätig geworden. Janne sagt, Kaja geht’s gut und sie will nicht mit mir sprechen. Aki sagt, er hat Schiss, dass ich ihn impotent mache. Pauli sagt, ich soll meine Kippe ausmachen. Alle Welt redet auf mich ein und doch interessiert es kein Schwein, was ich will oder wies mir geht. Ich hab nur dem Jogi erzählt, was nach dem Boarding passiert ist, gegenüber den anderen habe ich mich schlicht und ergreifend in Schweigen gehüllt. Was geht die das an? Gar nix, also versinke ich lieber in Selbstmitleid, versuche sie jeden Abend wieder mit einer neuen Nummer anzurufen und gehe auf jeden los, der auch nur ansatzweise ihren Namen nennt. Wie lange soll der Scheiß hier noch weiter gehen? Morgen geht die Sonne wieder auf, alle Menschen um mich herum werden fröhlich sein, lachen, scherzen und ich stehe daneben und werde misstrauisch beäugt. Ich gelte mehr denn je als komisch, aber allmählich wird es mir egal. Ich kann doch eh nichts dagegen machen, außer mich betrinken und ein paar billige Huren kaufen.
Vor ein paar Monaten konnte ich wenigsten noch heulen, wenn niemand hier war, aber auch das ist vorbei, ich bin so merkwürdig gefühllos und kalt geworden.
Ich ziehe die Knie an und winkle meine Bettdecke fester um mich. Was würde ich jetzt dafür geben, wenn sie hier wäre. Sie würde mich festhalten, mich zum lachen bringen und endlich diese bleierne Ungewissheit nehmen. Aber sie ist nicht hier, sie ist in Thailand, mit meinem Kind und sie hasst mich.
„Lauri?“ Eero tritt aus dem hell erleuchtet Wohnteil des Busses in den dunklen Gang und sieht mich an. „Was?“ ich will ihn nicht anschnauzen, aber es hilft ein wenig, den Frust irgendwo abladen zu können. Wortlos setzt er sich neben mich und starrt auf seine Füße. Was will er? Das macht mich nervös, ich will allein sein. „Wie lange willst du noch so weiter machen?“ „Was mach ich denn?“ keife ich zurück und hefte meinen Blick auf die feuchtglänzende Autobahn. „Lauri, du . . . du hast Aki geschlagen, dein Bandmate, deinen besten Freund und du würdest es jederzeit wieder tun.“ „Ach ja, würde ich das?“ „Du warst früher nie so zynisch und aufbrausend, es kann so nicht weitergehen.“ „Dann tu doch was dagegen, hol sie zurück, mach, dass sie mich liebt.“ Zitternd kralle ich mich die Decke und ziehe sie bis zur Nase hoch. „Du weißt, dass das nicht geht.“ „Dann lass mich in Ruhe.“ Alles in mir schreit nach einem Gespräch, dass ich mich wieder auf Freundschaft einlassen kann, aber es geht nicht, ich starre weiter aus dem Fenster in diese wunderschön düstere Nacht. „Zieh dich an, wir halten in einer halben Stunde.“ „Willst du mich verarschen?“ „Nein, wir sind dann in Zürich.“ „Da haben wir aber keinen Gig.“ „Stimmt, wir fahren jetzt nach Hause.“ „Toll, was soll ich dann in Zürich . . . um halb ein Uhr morgens?“ „Um zwei in einen Flieger nach Thailand steigen.“

Die Maschine beschleunigt, hebt ab und gewinnt langsam an Höhe. Verdammt, noch 20 Minuten, bis ich mir endlich ne Kippe anstecken kann, Kaffee gibt’s auch noch nicht . . . ich glaub, ich dreh durch. 10 Stunden muss ich jetzt hier hocken und der großen Ungewissheit entgegenfliegen. Nachdenklich starre ich aus dem Fenster in diese stürmische Oktobernacht und frage mich, ob es wohl schlimm wäre, wenn wir abstürzen würden. Würde mich jemand vermissen? Ich meine, so richtig vermissen . . . So, wie ich sie vermisse. Früher vielleicht schon, aber jetzt nicht mehr. Ich bin das Arschloch in Person geworden, schreie meine Freunde an, ticke bei jeder Kleinigkeit aus und fühle mich wie in einem eisernen Käfig, der mit jedem Tag enger und niedriger wird. Eero würde singen, Pauli ist eh der neue Groupie-Magnet und Aki, Aki gehe ich doch am Arsch vorbei, seit ich sein zartes Näschen verletzt habe. Meine Familie . . . die hat mich schon seit langem mehr oder weniger aufgegeben, also wird es ihnen erst recht egal sein. Bleibt also nur noch Kaja, es tut sogar weh ihren Namen nur zu denken. Sie hätte doch nur Vorteile davon, wenn der Sturm dieses klapprige Teil an sich reißt und zu Boden schmettert. Sie müsste die Gebühren für die Sperrung meiner Nummer nicht mehr bezahlen, könnte die anderen wiedersehen, ohne mir über den Weg zu laufen und wäre glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. Was will ich dann überhaupt in diesem Flugzeug? Umbringen könnte ich mich auch anders, bin nur viel zu feige dazu, lieber quäle ich mich weiter und komme auf die Liste Finnlands unausstehlichster Personen.
Nein, ich weiß, was ich tun werde. Ich werde sie anschreien, wie unendlich weh sie mir getan hat und dass ich sie geliebt habe, immer noch liebe und immer lieben werde . . . Und dann? Dann werd ich heulen, sie wird mich verachten und es tut nur noch mehr weh. Egal, ich kann eh nicht mehr zurück.

Chapter 51

Lange weiße und vor allem einsame Sandstrände ziehen vorbei, die meisten Touristen sind weg, sind vor der nahenden Regenzeit geflüchtet. Doch dieses Jahr scheint sie sich Zeit zu lassen, es ist strahlend schönes Wetter für Oktober und ich schwitze jetzt schon wie Seuche. Dieser Taxifahrer könnte mich auch umbringen . . . er muss einfach weiter so fahren, wie er gerade fährt, dann kann ich Luzifer gleich Guten Tag sagen. Oder komme ich doch in den Himmel? Nein, eher unwahrscheinlich . .ich denke nicht, dass die da oben gebrochene Nasen haben wollen. Und wenn doch . . . kann ich ja mal nen Tagesbesuch machen, im Paradies. Obs da auch hübsche Frauen gibt? Ich mein so richtig geile Weiber . . .Dann wär ich ja jetzt schon im Paradies, hier könnte man gleich aus dem fahrenden Auto springen und hätte schon mindestens ein Dutzend scharfer Bräute auf dem Schoß.
Was zum Teufel denke ich hier überhaupt? Den puren Schwachsinn . . . das muss wohl daran liegen, dass mein Puls rast und ich vor Angst Magenkrämpfe habe. Wieso muss ich nur so ein verdammtes Weichei sein?
Die Straße führt an einer kleinen Bucht vorbei, ganz versteckt hinter ein paar mächtigen glatten Felsen. Ich kann nur kurz das türkisblaue Meer und ein bisschen Grünzeug sehen, dann ist der Augenblick auch schon vorbei und es geht wieder tiefer ins Landesinnere. Ich wünschte, ich könnte mich entspannen und diese traumhafte Landschaft genießen, aber ich kann ja noch nicht einmal still sitzen, geschweige denn mich zurücklehnen und an gar nichts denken. Immer wieder frage ich mich, was sie sagen wird, was sie tun wird und was sein wird, wenn ich morgen früh wieder zurückfliege. Es kann so viel geschehen in dieser kurzen Zeit . . .zuviel vielleicht. Ich bin so gefühllos geworden in diesem letzten Jahr, dass es doch irgendwie angenehm ist, diese Sehnsucht nach ihr, aber auch die Angst zu spüren. Ich bin verwirrt, meine Gedanken schießen quer . . .
Plötzlich bleibt der Wagen stehen und der Fahrer wedelt mit der Hand vor mir herum. Aufgekratzt drücke ich ihm den nächst besten Schein in die Hand und steige aus. Ich habe nichts weiter als meinen löchrigen Eastpak dabei, wie früher. Ich dachte, er könnte mir ein bisschen Routine und Vertrautheit geben . . . verrückt, ich weiß.
Ratlos stehe ich vor Jannes Haus und starre auf die Treppe aus weißem Stein, die hinauf zur Eingangstür führt. Ich kann das nicht . . . ich wende mich ab und mache einen großen Bogen um das Haus bis ich an den Strand komme. Je weiter ich mich von dem Haus entferne, desto mehr entspanne ich mich. Ich muss es nicht tun, ich kann einfach wieder nach Hause fliegen, die Band verlassen und mein gesamtes Vermögen in guten russischen Wodka anlegen. Ein absurder Gedanke, aber dennoch verlockend. Der Sand gibt unter meinen Fußen nach und ich muss mich anstrengen um noch ein wenig näher ans Wasser zu kommen. Fischerboote liegen im seichten Wasser und schaukeln sanft auf den kleinen Wellen. Traurig starre ich eine Weile auf den Horizont hinaus und drehe mich dann abrupt um, um sicherzugehen, dass mich niemand beobachtet.
Ich erstarre in meiner Bewegung und sehe ausdruckslos zu den beiden Gestalten hinüber, die sich ein paar Hundert Meter von mir entfernt am Strand vor Jannes Haus aufhalten. Sie kniet auf dem Boden, ihr langen schwarzen Haare lose zusammengebunden und ihr gegenüber ein kleines Mädchen, dass ihr gerade eine großzügige Portion Schlamm entgegenschleudert. Lachend klopft sie sich den Sand vom Shirt . . .ihrem Metallica-Shirt, das ich auch mal getragen habe. Ich frage mich, warum sie es nicht schon längst verbrannt hat.
Plötzlich wird es still und die beiden sehen zu mir herüber. Ich kann mich nicht erinnern, dass mein Herz jemals so gerast ist, wie in diesem Moment. Bilder ziehen an mir vorbei, Miguel, dieses Dreckschwein, das funkelnde Kerzenlicht in ihren Augen, ihr versautes Grinsen. Gleichzeitig spüre ich ihre Lippen und Wärme, alles das, was mich seelisch am Leben gehalten hat.
Was jetzt? Sie starrt mich an, ich starre zurück. Langsam rappelt sie sich auf, streift sich den Sand von den Händen und kommt auf mich zu. Langsam, Schritt für Schritt. Ich kann nichts tun, als sie weiterhin anzustarren und aus den Augenwinkeln die Kleine zu beobachten . . . mein Tochter.
Uns trennen nur noch ein paar Meter, als endlich Bewegung in mich kommt. Mit einem Schritt bin ich bei ihr und schlinge die Arme um ihren Rücken, ganz ohne nachzudenken, aus reinem Gefühl heraus. Die ersten Sekunden liegt sie reglos in meinen Armen, dann drückt sie sich plötzlich gegen mich vergräbt ihr wunderschönes Gesicht in meinem Shirt.

„Warum hast du das gemacht?“ fragte er leise und schmiegte seine Wange an ihre.“ Ich wollte nicht, dass du wegen mir deine Karriere aufgibst.“ „Kaja . . . denkst du wirklich, dass mir der ganze Bullshit wichtiger ist als du?“ „Du liebst deinen Job.“ „Ich liebe dich.“ „Warum bist du hier her gekommen?“ „Hätte ich denn nicht?“ „Nein, doch, aber .. .ich hätte nicht gedacht . . .“ „Eero hat mich gestern, heute . . .ich weiß nicht, hierher geschickt, nachdem ich Aki die Nase gebrochen und Matti mein Handy an den Kopf gedonnert hab.“ „Du hast Aki die Nase gebrochen?!“ Erschrocken sah sie ihn an, er lächelte gequält und platzierte einen sanften Kuss auf ihren Lippen. „Er hat sich lustig gemacht, über dich, mich, uns . . .“ „Aber Aki macht sich doch über alles lustig.“ „Kaja, ich . . . hab das nicht ausgehalten, du hast mir so gefehlt, ich dachte, du hasst mich . . .“ „Nein, ich wollte nur, dass du glücklich bist.“ „Ich bin nicht glücklich gewesen, Pikku, keine Sekunde.“ „Du bist ja richtig schmalzig . . .ups, jetzt hab ich den Moment kaputt gemacht, stimmts?“ Kleinlaut sah sie zu Boden, doch er schon den Zeigefinger unter ihr Kinn und hob es sanft an damit er ihr in die Augen sehen konnte. „Siehst du, das hat mir gefehlt. Deine Art, mit Dingen umzugehen, wie du lachst, wie du schmollst und auch, wie du auf mir umhackst.“ „Lauri, ich . . .“ „Pshhht.“ Wieder küsste er sich, doch diesmal schlang sie ihre Arme um seinen Nacken und lehnte sich vorsichtig an ihn, als sie den Kuss erwiderte.


Chapter 52

„HALLELUJA!“ Die beiden fuhren erschrocken auseinander und starrten hinüber auf die Veranda des Strandhauses, wo Janne auf und absprang und mit den Armen wedelte. „Ich dachte, wenn man verheiratet ist , macht man eben genau sowas nicht mehr . . .“ „Jap, na ja, er ist ja auch ein miserabler Vater.“ „Vater?“ fragte er leise und sah sie scheu an. „Achso . . .ähm, das da ist Aimeé, Jannes Tochter . . .“ „Jannes Tochter?“ „Du bist aber gesprächig . . .“ sie kicherte unsicher und kam sich dabei selbst idiotisch vor. „ . . . Lauri, es hat nicht gestimmt.“ „Wie, was hat nicht gestimmt?“ „Der Test . . . ich war nie . . . schwanger.“ Sie biss sich auf die Lippen und ignorierte das wilde Drummergehüpfe auf der Terrasse, indem sie stur auf den Sand starrte. „Warum hast du dich nie gemeldet? Das hättest du ja noch nicht mal tun müssen . . .“ Er dachte an die gesperrte Telefonnummer und die unzähligen Gegenstände ergo Personen, die er nach so einer Ansage der Telefongesellschaft beschädigt hatte. „Ach ja?“ Sie lachte höhnisch auf und sah ihm in die Augen. „Erst hau ich einfach so ab und streiche dich aus meinem Leben und plötzlich überleg ich’s mir anders und komme wieder angeschlichen? Nein, das bin nicht ich . . .“ „Ich hätte alles für dich . . . für euch getan.“ „Willst du wirklich aufhören mit deinem Lebenstraum?“ „Nein, aber es wird niemals wieder so schön sein wie früher, ich hab mich so scheiße gegenüber den anderen benommen.“ „Und ich bin schuld . . .“ „Quatsch, nur der Augenblick zählt. Du bist da und alles ist gut.“ „Lauri, du sollst mich doch nicht zum heulen bringen.“ Vorsichtig lehnte sie sich gegen ihn und genoss seine Umarmung. „Dann guck mal hoch zu unserem kleinen Ex-Drummer.“ Er zeigte mit dem Kopf in Richtung Janne, der jetzt mit einer riesigen Finnlandflagge auf der Treppe hinunter zum Strand salutierte und die Nationalhymne sang . . . er versuchte es zumindest.
„Gehen wir hoch?“ „Nur, wenn du heute Abend mit mir schwimmen gehst.“ „Ich weiße dich darauf hin, dass Nacktbaden in Thailand auf Höchststrafe verboten ist.“ „Was? Echt? Ach scheiße . . . “ „Lauri?“ „Mhm, Darling?“ „Ich hab dich verarscht.“ „Miststück.“ „Zipfelklatscher.“ „Was?“ „Ach nix, komm mit.“ Sie zog ihn lachend hinter sich her, nahm Jannes Tochter an der anderen Hand und bugsierte die beiden Kleinen hinauf zu Janne ins Haus.
„Gehe ich recht in der Annahme, dass Lauri kein eigenes Zimmer braucht?“ Marita umarmte ihn zur Begrüßung und warf Kaja ein Grinsen zu. „Nöööö, das geht schon, er kann auf dem Bettvorleger schlafen.“ „Das würde von der Größe her genau passen.“ „Wenn ihr beiden so weiter macht, steigt er direkt in den nächsten Flieger und lässt keinen müden Cent von seiner Rockstarmillion hier. Also seid brav.“ „Du bleibst auch so hier, stimmts?“ Kaja rückte ihm ein Stückchen näher auf die Pelle und klapperte mit den Wimpern. „Janne, wie hälst du das mit diesen beiden Ziegen nur hier aus . . . auaaaa!!“ „Ach, schlägst du ihn auch immer, Kaja?“ „ Na klar, man muss sie erziehen, solang sie noch klein sind.“ „Ihr seid so fies . . .“ „Soll ich dich trösten?“ „Gerne, aber erst später . . .“ „Jaja, genau. Du musst mir unbedingt erzählen, wie Aki diesen einen Trick hinbekommt . . .“ Janne packte Lauri am Arm und zog ihn mit sich in die kleine, aber dennoch geräumige Halle, die als Wohnzimmer diente. „Und was ist mit uns?“ Die beiden Frauen stemmten die Arme in die Seiten und sahen ihnen empört hinterher. „Geht in die Küche . . .da , wo ihr hingehört.“ „Boaaa, sag das noch mal, du mieser kleiner . . .“ „Ich liebe dich auch, Marita- Schatzi.“ Trällerte er und schlug mit Schwung die Schiebetür hinter sich zu. „Männer.“ „Finnen.“ „Schlümpfe.“ „Du bist doch froh, dass er gekommen ist, oder?“ „Ja, sehr sogar . . .“ „Das hättest du schon viel früher haben können, du Nudel.“ „Du weißt doch, wie ich bin.“ Knurrte Kaja unwillig und zupfte an ihrem Shirt herum. „Jap, du bist doch ein offenes Buch, Mäuschen. Und jetzt zieh dir mal was Gescheites an und wasch dir die Haare, ich koch uns was Feines.“ „Aber dann tust du ja genau das, was er wollte.“ „Ich misch Janne ne halbe Flasche Tabasco unters Essen, dann sind wir quitt.“ „Und die andere Hälfte?“ „Die muss ich deinem Schnuckiputzi unterjubeln, sonst denkt er wieder, er beißt auf nem Stück Pappe rum.“ „Yeah,das wird geil. Aber was ist mit Aimeé?“ „Die sitzt in der Küche und spielt mit ihrer Metallica-CD. . . Das arme Kind, muss mit drei rockverseuchten Subjekten aufwachsen. “ „Alles klar.“ Kaja hüpfte lachend die Stufen in den ersten stock hinauf und verschwand daraufhin im Badezimmer, um sich den Sand abzuwaschen.

Der Rest des Abends verlief sehr entspannt, der Alkohol floss nach Finnenmanier und Janne schüttete nach dem verschärften Dinner noch eine Literflasche Wasser in sich hinein. Marita registrierte grinsend, dass Lauri und Kaja fast die ganze Zeit unter dem Tisch Händchen hielten und sich eindeutige Blicke zuwarfen.
Um elf Uhr verkrümelten sich Janne und seine Frau um schlafen zu gehen und ließen die beiden mit 3 leeren Weinflaschen und einem Tisch voll dreckigem Geschirr allein zurück.
„Wollten wir nicht schwimmen gehen?“ „Du wolltest.“ Erwiderte sie grinsend und fühlte mit einem Schlag die Ungewohntheit, einfach so in seinen Armen auf dem Sofa zu liegen. „ Wir müssen ja nicht, wenn du nicht willst.“ Zärtlich strich er ihr eine Strähne aus dem Gesicht und lächelte. „Gehen wir so ein Stückchen an den Strand?“ „Mhm, ja.“ Langsam krabbelte sie vom Sofa und trat durch die immer noch geöffnete Terrassentür ins Freie. Die Nacht war sternenklar, doch der Wind war schon sehr kühl und scharf, ein sicheres Zeichen für die baldige Regenzeit. Kaja fragte sich, ob sie noch einmal einen Winter hier überstehen würde. Zwar änderte sich nicht viel hier, es war genauso heiß und feucht wie sonst auch, aber in den Dezemberwochen dachte sie oft an schneebedeckte Tannenwälder und endlose Touren durch die glitzernde Landschaft . . . aber auch an Nordlichter, die sie nur einmal in ihrem Leben, mit 9 Jahren gesehen hatte. Das war der Auslöser dafür gewesen, dass sie Jahre später Finnisch und Schwedisch gelernt hatte.
Lauri schloss leise die Tür hinter sich und griff dann nach ihrer Hand, um sie mit sich Richtung Meer zu ziehen. Drei Meter vor der Brandung blieb er stehen und sah hinaus auf den letzten schmalen Streifen der untergehenden Sonne. Lange standen sie einfach so nebeneinander und starrten aufs Meer hinaus, bis Kaja vorsichtig mit dem Daumen über seinen Handrücken streichelte. Erschrocken zuckte er zusammen, lächelte dann aber und zog sie dann noch etwas unsicher ein Stückchen näher an sich heran. „Ich wünschte, es gäbe hier Nordlichter.“ „Nordlichter? In den Tropen?“ „Warum nicht.“ „Weil das nicht passen würde.“ „Muss denn immer alles passen?“ „Nein, aber wenn die Nordlichter da sind, wo ich wohne, und du die Nordlichter sehen willst, dann musst du zu mir kommen . . .“ „Lauri, ich weiß nicht, ob ich das wirklich will. Ich hab dir so weh getan und . . .“ „Und was?“ „Und . . .ach . .“ „Siehst du, dir fällt gar nix ein.“ „Man Schlumpfi . . .“ „Hör doch auf, dir Sorgen zu machen.“ „Ich kann nicht impulsiv sein, wenn . . .es um uns geht.“ „Und wenn dus einfach mal versuchst?“ „Wie denn?“ „Mhm, mach die Augen zu.“ Er stellte sich direkt vor sie mit dem Rücken zum Meer, dessen sanfte Wellen geräuschvoll an den Strand rollten und nahm ihre Hände in seine. „Was spürst du?“ „Nichts.“ „Gar nichts?“ „Naja, doch . . .“ „Und was?“ „Ich weiß nicht . . . es ist schön.“ Sagte sie leise und fröstelte, als ein kalter Windhauch über die kleine Bucht streifte. Aufmerksam beobachtete er sie, fühlte, wie ihre Finger langsam kalt wurden und küsste sie vorsichtig. Lächelnd rückte sie ein Stück näher an ihn heran und legte den Kopf auf seine Schulter. Überrascht von soviel Entgegenkommen schlang er die Arme um ihren Rücken und vergrub sein Gesicht in ihren Haaren .Kaja hatte die Augen immer noch geschlossen und genoss die Wärme und Vertrautheit, die sie die letzten Monate so sehr vermisst hatte. Niemand von den Menschen, die sie hier kennengelernt hatte könnte ihr das geben, was Lauri ihr gab, niemandem würde sie soviel von sich preisgeben können wie ihm.
Nach endlosen Minuten, die ihr wie eine Art Wachtraum erschienen, löste er sich mit sanfter Gewalt von ihr und zwang sie, ihm in die Augen zu sehen. „Und jetzt?“ „Ich gehe mit dir überall hin.“ „Heißt das, du willst jeden Winter Nordlichter sehen können, jeden Tag Unmengen von Kaffe und Bier in dich hineinkippen und dich niemals über meine Shorts im Kühlschrank beschweren?“ „Shorts im Kühlschrank?“ „Lange Geschichte.“ Sie lachte kurz auf und zupfte dann grinsend an seiner verrutschten Mütze herum bevor sie ihm wieder in die Augen sah. „Ja, Lauri, ich will.“ „Soll ich mich hinknien?“ „Nein, soweit sind wir dann doch noch nicht, aber du darfst mir deine Patschhändchen leihen, mir ist nämlich kalt.“ „Mhm, wo soll ich sie denn hintun?“ „Wir könnten natürlich auch gleich schlafen gehen . . .“ „Ins Bett gehen . . . .in ein Bett.“ „Und wenn ich nicht will?“ Dann bleiben wir hier . . .“ Er schlang von hinten die Arme um ihren Bauch und küsste sie vorsichtig auf den Hals. „Nee, du hast Recht . . . ich hasse diese fiesen Sandkörnchen.“ „Ah ja?“ Seine Finger krabbelten vorsichtig unter ihr Shirt , bis sie sich abrupt umdrehte und ihn herausfordernd ansah. „Ja, und deshalb gehen wir jetzt rein.“ „So, tun wir das?“ „Jap, ich gehe in mein Bett und du kannst dich am Fußende zusammenrollen.“ Mit düsterem Blick packte er sich an den Hüften und schmiss sie sich über die Schulter, so wie er es früher immer getan hatte. „Quiek nich so, sonnst wachen Janne und Marita noch auf.“ „Also ob die schlafen würden . . .“ Kaja fühlte, wie ihr der Alkohol wieder in den Kopf stieg und kicherte dämlich. „Wenn du aufhörst so dusselig, blond und gemein zu sein, lass ich dich wieder runter.“ „Nö, der Ausblick gefällt mir.“ Sie legte den Kopf leicht schief, strich mit den Fingern aufreizend langsam über seinen Hintern und zwickte dann kräftig hinein, sodass er sie fast fallen ließ. „Aua . . .du Miststück, das zahl ich dir heim.“ Mit leidender Miene verbog er sich, um seine Kehrsite zu beobachten und warf ihr dann einen beleidigten blick zu. „Hey, Darling.“ Sie sah ihn schuldbewusst an und nahm dann versöhnlich seine Hand. „Püh, lass mich doch . . .“ „Ach bitte, wir wollten doch reingehen.“ „Jetzt will ich nicht mehr.“ „Was soll ich denn machen, damit du mitkommst?“ „Sei einfach meine kleine Kaja, die ich über alles liebe, ja?“ Sie lächelte und nickte dann, bevor sie ihn hinter sich her zurück ins Haus zog.

Chapter 53

[am Flughafen Helsinki, am nächsten Abend]

Kaja lehnte an der Wand neben dem Gepäckband und gähnte schläfrig, als Lauri sie anstupste und ihr grinsend ihre Tasche unter die Nase hielt. „ Suchst du was?“ „Wo hast du die her?“ „Is schon dreimal vorbeigefahren, aber du bist wie ein Karnickel und schläfst mit offenen Augen.“ „Karnickel? Bring mich nicht auf falsche Gedanken.“ „Komm, meine kleine Sau, ich vergess vor lauter Jetlag und Müdigkeit wie ich heiße.“ „Ach ja? Mhm, soll ich dir sagen, wie du heißt?“ „Nö, noch weiß ich’s ja noch.“ „Ach mann . . .“ „Sei nicht traurig, du darfst mich morgen beleidigen, soviel du willst.“ „Mach ich aber nicht.“ „Wieso? Haben die die ne Gehirnwäsche verpasst?“ „Nein, mir ist nur klargeworden, dass du mir zuviel bedeutest um dich ständig runterzumachen.“ „Weißt du, wie schön es ist, sowas zu hören, wenn man dauernd nur Objekt für irgendwelche dummen Witze ist?“ Er küsste sie zärtlich und lächelte „Das hat dich doch früher nicht gestört.“ „Doch, hat es, aber hätte ich vielleicht heulen sollen
und mich weigern zu singen? Na ja, in letzter Zeit wars okay, ich hätte ja eh jedem die Fresse poliert.“ „Ach Babyface . . .ähm . . .“ „Du darfst das, Bunny.“ Sie lachte schmiss sich dann ihre Tasche über die Schulter. „Gehen wir?“ „Jap.“ „Wo sind eigentlich die Kreischies?“ „Bei Pauli.“ „Hä?“ „Warts ab.“ „Darf ich dein ganz persönliches Groupie sein?“ „Nee, aber du darfst meine Sklavin sein.“ „Das hättest du wohl gerne.“ Grinsend wollte sie die Vorhalle des Flughafens betreten, als er sie jäh zurückriss und nervös um die Ecke schielte. „Sind doch welche da?“ „Was?“ „Na Kreischies.“ „Ne.“ „Was denn dann?“ „Pauli, Aki und Eero.“ „Echt? Cool, ich . . .“ „Kaja.“ Er sah sie bittend an und lehnte sich leise stöhnend an die Wand. ”Hey, die fressen dich bestimmt nicht.” „Kaja, ich kann da jetzt nicht raus. Ich hab mich im letzten Jahr wien Arsch benommen, da kann ich doch jetzt nicht einfach reinspazieren und einen auf Friede Freude Eierkuchen machen.“ „Es bringt aber auch nix, wenn wir jetzt hier rumstehen und warten, dass sie verschwinden.“ „Ja, ich weiß doch . . .woher wissen die überhaupt, dass wir angekommen sind?“ „Riecht nach Janne, wenn du mich fragst.“ „Mit dem muss ich auch noch ein Hühnchen rupfen.“ Knurrte er unwillig und verschränkte die Arme vor der Brust. „Wenn du dich ganz klein machst, kann ich dich in meiner Kapuze verstecken.“ Aufmunternd zog sie ihn von der Wand weg und drückte im einen Kuss auf die Nasenspitze. „Was würde ich nur ohne dich machen, Süße.“ „Jämmerlich verrecken ergo Bandmates verprügeln.“ „Mhm.“ „Also komm, du schaffst das schon.“ „Können wir nicht außenrum gehen, dann können wir direkt hinter ihnen vorbei . . .“ „Und wenn sich einer umdreht? Ne, nix da.“ „Was hältst du von ner kleinen Verarsche?“ „Wenns dir so leichterfällt . . .ach ne, auch sonst.“ Sie grinste und hörte sich seinen Plan an.

Mit verbissener Miene trat er wenig später in die Eingangshalle und wurde prompt von den anderen dreien entdeck. Den Blick starr nach vorne gerichtet stiefelte er auf sie zu und blieb dann wortlos stehen. Eero lächelte unsicher und überlegte krampfhaft, wie er das Schweigen brechen konnte. „Na?“ „Was na?“ Er verbiss sich das Grinsen und biss stattdessen die Zähne zusammen, sodass sein Gesicht noch verzerrter erschien. „Ähm, na ja . . also . . .“ „Spucks schon aus, ich hab nicht ewig Zeit.“ „Also ich . . .“ Weiter kam er nicht, da Kaja sich von hinten angeschlichen hatte und ihm und Aki jetzt die Arme um die Schultern legte. „Buh.“ Erschrocken drehte sich der Drumer um und starrte sie mit großen Augen an „K-K-K-Kaja!“ „Neiin, das heißt C-C-C-Carmen.“ „Jaa, du bist wieder da.“ Überschwänglich fiel er ihr um den Hals, sodass sie ins Taumeln geriet und sich an ihm festkrallte. „Mann, Aki, du bist fett geworden!“ „Frustfressen.“ Flüsterte er ihr ins Ohr und grinste gequält. Während Pauli und Eero nun ebenfalls über Kaja herfielen, schob sich Lauri vorsichtig an Akis Seite und grinste unsicher. „Hattu, ich ähm, wollte sagen, dass es mir leid tut. Weißt du, ich hab gedacht, ich muss sterben, als sie den Kontakt abgebrochen hat . . .“ „Schon okay, Alter.“ Lachend klopften sie sich gegenseitig auf den Rücken und warteten, bis jeder mindestens einmal Kaja die Luft abgequetscht hatte. „Ähm, wollt ihr uns jetzt vielleicht sagen, was überhaupt passiert ist.“ „Nicht jetzt, okay.“ Kaja biss sich auf die Unterlippe und vermied es, in Lauris Richtung zu sehen. „Okay, können wir noch en bissl bei dir abhängen, Lintu?Unsere Weiber machen Stress . . .“ „Klar.“ „Ich penn sowieso gleich weg.“ „Macht doch nix, ich kann dein Kissen sein.“ Etwas schüchtern ergriff er ihre Hand und lächelte. „Mhm, gerne, du hast ja jetzt auch keine pieksenden Federn mehr.“ „Naja . . .eine hab ich noch.“ „Ach komm, du Perversling, die sind alle schon draußen . . . Aki hat ein Auto?“ „Das ist schon das zweite. Das erste hat er schon nach drei Tagen gegen die Mauer vom Bierpalast gefahren.“ „Oh mann, das wird ne entspannte Fahrt.“
Chapter 56

Kaja lag gemütlich an Lauri gelehnt auf seinem Sofa, ihre Beine auf Akis Schoß und mampfte zufrieden die Tankstellenkekse, die sie sich auf der Fahrt erquengelt hatte. „Krieg ich auch einen?“ „Nö, du hast schon meine Beine, was willst du mehr?“ „Nen Keks.“ „Nö.“ „Warum?“ „Weil das meine sind.“ „Na und? Typisch Einzelkind . . .“ „Pöh, jetzt kriegste erst recht nix.“ „Man, Kaja!“ „Gib ihm doch den Keks.“ Eero rührte grinsend in seiner Teetasse herum und warf selbst sehnsüchtige Blicke auf die halbleere Schachtel. „Bekommt ihr nix zu essen, wenn ihr auf Tour seid?“ Ungerührt futterte sie weiter und kuschelte sich enger in Lauris Arm. Der grinste nur verklärt und zog genüsslich an seiner Zigarette. Die vorwurfvollen Blicke von Pauli ignorierte er gänzlich, das hier war schließlich seine Wohnung und er hatte keine Lust sich diesen Moment durch irgendetwas verderben zu lassen. „Dooooch, aber nich so tolle Kekse.“ „Aki, du wirst nur fett davon.“ „Ach, und du wohl nicht?“ „Doch, aber bei mir sind es dann weibliche Rundungen und bei dir schlicht und ergreifend Fett.“ „Du bist so fies.“ „Gib ihnen doch nen Keks, Kleines, mhm?“ „Nur wenn ich deine Kippe bekomm.“ „Dann steh ich hier ohne da und ihr fresst euch voll.“ „Du kannst auch nen Keks haben.“ „Der Keks hat mir grad meine Zigarette geklaut und grinst mich an.“ „Na dann brauchst du ja nix mehr . . .“ „Ähm . . .“ Pauli räusperte sich geräuschvoll und spielte an seinem Ärmel herum. „ . . .ich will euch ja nur ungern unterbrechen, aber kann ich vielleicht auch ne Kippe haben?“ „Meinst du wirklich?“ „Ich hab keinen Bock mehr auf die Scheiße, ich brauch Nikotin und Raucherhusten.“ „Na gut . . .“ Lauri kramte grinsend die Schachtel aus seiner Hosentasche und hielt sie ihm grinsend entgegen. „ . . .aber beschwer dich nachher nicht, wenn dieses Miststück hier dich später ständig anschnorrt.“ „Miststück? Ich geb dir gleich.“ „War doch nich so gemeint.“ „Jaja . . .“ Während Pauli sich gierig seine Zigarette anzündete, klaute sich Aki erfolgreich einen von den heißbegehrten Keksen und schlang ihn triumphierend hinunter. Neidisch beäugte Lauri die Szene und schielte abwechselnd auf die Kekse, seine Ex-Kippe und Kajas Ausschnitt. Schließlich schlang er seine Arme um ihren Bauch und lugte ihr über die Schulter. „Keks? Kippe?“ „Kippen hast du selber. Mund auf.“ „Wenn ihr jetzt noch die Sahne und die Erdbeeren rausholt, geh ich aber.“ Sagt Aki und grinste breit, während er auf den letzten Keks in der Packung gaffte. „Du kannst mich mitnehmen Hattu, ich muss eh heim, mich um den Haushalt kümmern.“ Eero seufzte genervt und quälte sich aus seinem Sessel. „Okeh.“ Ungerührt schob Aki Kajas Beine von seinem Schoß und sprang ebenfalls auf. „Pauli, kommst du auch mit?“ „Nö, ich bleib noch en bissl.“ „Du wolltest aber doch noch was erledigen.“ „Hä, was denn?“ „Na das eine da.“ Eero sah ihn eindringlich an und zog die Augenbrauen hoch, während er mit dem Kopf in Richtung Kaja und Lauri zeigte. „Achsoooo, ähm jaa, das. Wie konnte ich das vergessen.“ Grinsend folgte er den beiden zur Tür. „Tschüss ihr zwei, viel Spaß noch.“ „ ... bei was immer ihr heute noch so vor habt.“ Fügte Aki hinzu und schlug anschließend winkend die Tür hinter sich zu.
„Was hat er damit wohl gemeint?“ „Ich weiß nicht.“ Vorsichtig schob er seine Hand unter ihr Shirt und legte sie auf ihren Bauch . „Mhm, ich glaub, ich weiß es.“ „Ja?“ „Wir müssen noch die Kaffeemaschine ausschalten.“ „Du bist blöd.“ „Gar nich wahr.“ „Tschuldigung, Süße.“ „Machs wieder gut.“ „Wie denn?“ „Weiß nicht, lass dir was einfallen.“ Grinsend drehte sie sich um, und küsste ihn dann vorsichtig. „Mhmmm, ich wüsste da schon was.“ „Und das wäre?“ „Kekse?“ „Nee, keine Kekse. Du hattest schon genug davon, willst du nicht lieber was anderes?“ „Naja, kommt drauf an, was ich bekomm.“ „Such dir was aus.“ „Nö, lass dir was einfallen.“ „Guck mal das Mistwetter da draußen.“ „Hey, lenk nich ab.“ „Tu ich doch gar nicht. Ich mein ja nur, dass es dann hier drinnen gleich doppelt gemütlich is.“ „Schön.“ „Mhm.“ „Mhm.“ „Grins nich so.“ „Lass dir endlich was einfallen.“ „Wie wärs denn damit?“ Zärtlich strich er ihr über die Wange und drückte einen Kuss auf ihre Lippen. Sie zuckte leicht zusammen, als sich seine Hand um ihre Hüfte legte und sie näher zu sich heran zog. „Schon sehr gut.“ „Was hältst du von Wein und ein paar Kerzen.“ „Ach nö, dann musst du ja aufstehn.“ „Ich beeil mich auch, Kleines.“ „Na gut, aber mach gaaanz schnell.“ „Ich fliege.“ „Du bist ja auch mein Engel.“ Fügte sie leise hinzu und lächelte scheu. „Du bist süß.“ Er küsste ihre Hand und sah ihr tief in die Augen, bevor er aufstand und in der Küche verschwand.


Wenig später hörte sie, wie die Küchentür zufiel und das Licht ausging. „Lauri?“ Draußen tobte der Sturm und hin und wieder flogen ein paar Äste an die Scheiben, was ein unheimliches Kratzen auslöste. „Was denn?“ „Komm her.“ „Hast du Angst?“ „Ja.“ „Nicht wirklich.“ „Doch.“ Plötzlich hörte sie ein zischendes Geräusch aus der hinteren Zimmerecke und Lauris Gesicht glühte kurz auf, als er den nacheinander die vier Kerzen auf dem Leuchter anzündete. „Besser?“ „Nicht wirklich.“ „Was fehlt dir denn noch?“ „Du, und das da.“ Sie deutete auf die Flasche Rotwein, die er in der Hand hielt. „Eigentlich solltest du schon längst schlafen.“ „Mann, Lauri komm her, bitte.“ „Und wenn ich nich will?“ „Dann bist du megafies und ich hab dich nicht mehr lieb.“ „Das kannst du nicht machen.“ „Lauriiii!!“ „Ja, ich bin ja schon da.“ Grinsend rutschte er wieder zu ihr auf das Sofa und kuschelte sich an ihre Seite. „Die Flasche drückt.“ „Schlecht.“ „Gib her, dann machen wir sie alle.“ „Entscheide dich: ich oder die Flasche.“ „Ist das nich das selbe?“ „Du mich auch.“ Grummeln zwickte er sie in den Arm und schlang seine Arme enger um die Flasche. „Darling, was hälst du davon, wenn du die Flasche wegstellst?“ „Nix.“ „Mhm . . .“ Sie schwiegen sich eine Weile an, bis Lauri sich plötzlich aufrichtete, den Wein endlich auf den Boden legte und sie eindringlich ansah. „Kaja, das ist doch scheiße, was wir hier machen. Diese blöde Flasche ist mir vollkommen egal, ich will nur dich, aber ich weiß nicht, was ich sagen soll, deshalb laber ich die ganze Zeit diesen Mist.“ „Und wenn du einfach gar nix sagst?“ Sie schlang ihre Arme um seinen Bauch und zog ihn zurück, sodass nun sie ihm im Arm hatte und er die Augen verdrehen musste, damit er sie ansehen konnte. „Jetzt kann ich dich mal zwicken, befummeln, ausziehen und was immer du sonst auch mit mir machst.“ „Dann mach doch.“ Sie schüttelte lächelnd den Kopf und rutschte ein Stück zu Seite, sodass sie neben ihm lag und direkt in die Augen schaute. „Wie lange hab ich dir eigentlich nicht mehr gesagt, wie wunderschön du bist?“ „Ein paar Stunden vielleicht.“ „Viel zu lang.“ Seine Lippen zitterten leicht, als er sie küsste, so nervös wie in diesem Augenblick war er schon lange nicht mehr gewesen, wie auch, er war es ja immer gewesen, der die anderen verunsichert hatte. Doch jetzt war es Kaja, die ihm diese Sicherheit nahm, und dennoch das schöne Gefühl der Sicherheit hinterließ. Er musste sich vor ihr nicht verstellen, und irgendetwas vorspielen, er konnte einfach so sein, wie er war.
Draußen krachte es und ihm nächsten Augenblick klatsche eine Ladung Wasser gegen das Fenster. Erschrocken klammerte Kaja sich an ihn und wurde sich erst im nächsten Moment bewusst, dass sein Gesicht keine fünf Zentimeter mehr von ihrem entfernt war. Sanft streichelte er ihr über den Rücken und hoffte, dass sie freiwillig dort blieb, wo sie war, nämlich mehr als eng an ihn gequetscht. „Seid wann so schreckhaft, Häschen?“ „In Thailand sind die Gewitter ganz anders als hier. Das dauert nur ganz kurz und danach scheint die Sonne wieder.“ „Ich weiß, aber ich mag dieses Wetter.“ „Ich auch, aber nur, wenn ich nicht alleine bin.“ „Bist du doch nicht.“ „Danke.“ „Wofür.“ „Dafür, dass du da bist du auf mich aufpasst.“ Er vergrub seine Hand unterm ihrem T-Shirt und schloss die Augen.
Kurz bevor er einschlief, schreckte er wieder auf, da irgendwo eine Tür zugeschlagen war und dabei einen gewaltigen Krach gemacht hatte. „Mäuschen, was hältst du von Schlafen?“ „Darf ich mit in dein Bett?“ „Klar, aber wenn du mir wieder ins Gesicht patschst, schmeiß ich dich raus.“ Grinsend öffnete er die Tür zu seinem Schlafzimmer und starrte ungläubig auf das pinkfarbene Moskitonetz von HelloKitty, dass mit zig kleinen rosa Metall- und Holzherzchen behängt war. Kaja lehnte trotz ihrer Müdigkeit grinsend im Türrahmen und mustere Lauri mit zweideutigem Blick. „Wie süß, ich wusste gar nicht, dass du so warm bist . . .“ „Bin ich gar nicht, das ist auf dem Mist von den Jungs gewachsen.“ „Was hätten die wohl gemacht, wenn . . .“ „Ich will das nicht hören, bitte. Du bist da und das einzige, was zählt.“ Lächelnd schaltete er das Licht aus, nur die kleine Lavalampe auf dem Fensterbrett ließ er brennen. Kaja stand immer noch unschlüssig an der Tür und beobachtete ihn, wie er sich durch das schweinchenrosa Gehänge kämpfte und schließlich unter der Bettdecke verschwand. „Was ist, Mäuschen?“ „Ich wusste gar nicht, dass du so ein großes Bett hast.“ „Mhm, irgendwo muss ich meine Orgien ja veranstalten. Keine Sorge, du verirrst dich schon nicht. Oder hast du Angst, dass ich über dich herfalle?“ Grinsend zog er sein Shirt aus und schmiss es ihr entgegen. „ Das verkauf ich an die Bravo und werd steinreich.“ „Nicht, wenn ich dich vorher erwische und an mein Bettchen hier fessle.“ „Oh, du machst mich neugierig.“ „Dann lauf schon mal los, ich hol dich dann . . . du kannst natürlich auch gleich herkommen.“ „Mhm, na gut.“ Vorsichtig stieg sie über diverse CD Sammlungen, versteckte dabei sein Shirt hinter ihrem Rücken, und kroch zu ihm unter die Decke. „Was hast du da, Darling?“ „Nix, Baby, gar nix.“ „Doch, du hast da was, zeig her!“ Grummelnd rutschte er näher an sie heran und suchte hinter ihrem rücken, doch ehe er sich versah hatte sie ihm das Shirt um den Hals geschlungen und zog ihn jetzt rückwärts, sodass sein kopf auf ihrem Bauch lag. „Willst du mich erwürgen?“ „Nein, nur gaaanz langsam und genüsslich quälen.“ „Du bist so fies.“ Jammerte er und versuchte sich zu befreien. „Je mehr du strampelst, desto mehr wirst du eingeschnürt.“ „Oh, mein Gott, ich will kein SM in meinem Bett.“ „Dann lass mich mit dem Shirt allein.“ „Du Sau.“ „Selber.“ „Ich hab keine gewissen Neigungen gegenüber Kleidungsstücken.“ „Mhm, du drückst dich heute wieder sehr edel aus.“ „Ich weiß . . . Honey?“ „Ja?“ „Es is ja ganz schön hier zu liegen und das mit deinen Beinen machst du wirklich toll . . .“ „Aber?“ Aufreizend langsam fuhr sie mit ihrem Knie an seinem Oberschenkel entlang und ärgerte sich über die Baggy, die er immer noch trug. „ Kannst du mich nicht doch los lassen? Bitteee . . .“ „Nur, wenn du diesen Störfaktor da ausziehst.“ „Dann bin ich ja fast nackt und du hast noch alles an.“ „Na und? Wir können ja Strippoker spielen.“ „Kaja.“ Er schielte sie flehend an, sodass sie den Stoff wieder locker ließ und anschließend aus dem Bett warf. Zufrieden krabbelte er neben sie, schmiss das nächste Teil auf den Boden und schlang die Arme um sie, sodass ihr Kopf direkt an seiner Brust lag und sie seine gleichmäßigen Atemzüge spüren konnte. „Weißt du eigentlich, wie sehr ich dich liebe, Lauri?“ Statt einer Antwort küsste er sie sanft und strich ihr beruhigend über die Haare. Draußen tobte der Sturm mittlerweile mit geballter Kraft, doch in dem kleinen Raum herrschte eine Art Abseits von all dem, eine angenehme Ruhe, obwohl die Geräusche der Nacht deutlich zu hören waren. Fehlt nur noch, dass er schnurrt, dachte sie, als seine Finger zögerlich unter ihr Top fuhren und ein warmes Gefühl zurückließen. Langsam fielen ihr die Augen zu und sie bekam gerade noch mit, wie er die Decke ein wenig höher zog und sich zufrieden seufzend an sie kuschelte.

Als Kaja am nächsten Morgen erwachte, fühlte sie einen eisigen Schauer auf ihren Wangen. Verschlafen blinzelte sie mit den Augen und sah direkt in die ersten zögerlichen Strahlen, die die noch sehr tief stehende Sonne ins Zimmer warf. Zitternd rollte sie sich zu Seite, doch der Platz neben ihr war leer und kalt, eine von Lauris tausend Lieblingsdecken fehlte. Erst jetzt realisierte sie, dass die Balkontür sperrangelweit offen stand. Schließlich schwang sie die Beine aus dem Bett und tapste hinaus auf den Balkon, wo Lauri in seine Decke gehüllt stand und auf das noch schlafende Helsinki blickte. „Morgen, Süße. Gut geschlafen?“ „Ja, Darling.“ Lächelnd trat sie neben ihn und bewunderte die bereiften Dächer, die im Licht sanft glitzerten und fröstelte unwillkürlich. Völlig in den Anblick der Stadt versunken, bemerkte sie nicht, wie Lauri hinter sie trat und sie fürsorglich mit in die Decke hüllte. Erst als er sie sanft auf den Hals küsste, fühlte sie die wohlige Wärme , die er ausstrahlte und lehnte sich vorsichtig gegen ihn. „Wirst du hier bleiben?“ fragte er unverwandt und starrte in die Ferne. „Wenn du mich hier ertragen kannst, ja.“ „Kaja, ich brauche dich, ohne dich drehe ich durch, also sprich bitte nicht von ertragen.“ Lächelnd stützte er sein Kinn auf ihre Schulter und ließ seine Gedanken in die Zukunft schweifen . . .

Ende

Ich widme diese Story
Deadletter, unsere ICQ Session haben mir schon manche Inspiration beschert. Anna mulle piiskaa, Baby *gg*
Queenie, weil sie ne ganz Süße is, ich sie lüp und sie ein hammer Talent hat
IN MY LIFE, meinem Beta,
Julie, meiner sweeten Ehefrau *liepdisch*
Jann, meinem Salatblättschen
Soul, Rosine und hexchen, meinen BunkerSistas *habeuschendzliep* *
The Rasmus, weil es Ohm ohne sie nicht gäbe *gg*
Und natürlich meinen treuen Lesern, ihr seid echt die Besten *knutschasverteil*
One hot Minute, ich werde dich immer lieben *niederwerf*



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